Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Spirituelle Arbeit'

Die Musik des Lichtes

Frage: Wie können wir uns einen idealen Zustand ausmalen: Ein allgemeines Gefäß (Verlangen), Verbindung?

Meine Antwort: Wir sind alle miteinander verbunden. Wenn die allererste Verbindung zwischen uns offenbar wird, bedeutet das für uns alle, egal wie viele wir sind – Billionen oder Millionen enthüllen die 10 Sefirot zwischen uns. Auf diese Art ist das System strukturiert.

Und dann beginnen diese 10 Sefirot, zu vibrieren und Klänge zu erzeugen, als wären sie die Saiten einer Gitarre. Sie befinden sich in ständiger Bewegung, in harmonischen Beziehungen zueinander. Nicht ein einziger Ton klingt verstimmt in der allgemeinen Melodie.

Dieses gesamte System zeigt uns auf immer vollkommenere Weise die 10 Sefirot. Außerdem werden sie in ihren unterschiedlichen Ausprägungen zunehmend verständlicher für uns. Diese unterschiedlichen Formen, die für uns zum Vorschein kommen, treten auf, da jede einzelne Sefira aus ihren eigenen 10 Sefirot besteht.

Und wenn all diese inneren 10 Sefirot, die die 10 Haupt-Sefirot enthalten, auch anfangen, miteinander zu interagieren, und dabei die höheren Harmonien der primären Wellen erzeugen, als wäre es Musik oder eine Stimme – dann schaffen sie dabei den Gesamteindruck, wobei sie alle Informationen über die Gefäße nach innen übertragen und über das Licht, das sie erfüllt.

Verschiedene Lichter sind im Grunde Eindrücke innerhalb dieser Verlangen, erfahren durch die Verbindung der klingenden Saiten, aus den aufsteigenden Akkorden. All diese Musik ist, was die Enthüllung ausmacht.

Alles ist innerhalb des Gefäßes. Der Klang wird empfunden innerhalb unserer Verlangen, unserer Wahrnehmungsorgane, er existiert nicht für sich genommen in der Luft. Die Musik des Lichtes wird stets als die innere Füllung der Buchstaben (der Matritzen des Verlangens) enthüllt, und existiert dabei innerhalb anderer Buchstaben. Das Licht wird nur innerhalb des Gefäßes, oder Verlangens sichtbar, infolge seiner Veränderungen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 24.04.2012

Ob es ein Gestern gab?

Frage: Können wir denn ein echtes Gebet künstlich erreichen, durch Spiele?

Meine Antwort: Fortschritt ist nur durch das Gebet möglich, durch die Enthüllung des Mangels. Wenn du messen möchtest, wie oft und auf welche Art du vorangekommen bist, musst du die Momente berücksichtigen, in denen du ein Fehlen des Schöpfers vom Grunde deines Herzens her erkannt hast.

Dieses Defizit aktiviert das Umgebende Licht, das uns zur Quelle zurückführt. Was von dir abhängt, ist nur das Gebet, (das Erheben von MaN), dann kannst du entsprechend die Dinge messen. Wie oft hast du gestern daran gedacht, MaN zu erheben, indem du ein Bedürfnis nach dem Schöpfer in dir entdeckt hast und den Wunsch, zum Geben an andere voranzuschreiten, an die Gruppe, und zur Verbindung mit den Freunden und dem Rest der Menschheit?

Hast du dich danach gesehnt gestern, zumindest ansatzweise? Wenn nicht, dann gab es kein Gestern für dich; du hast diesen Tag aus deiner Geschichte gestrichen!

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 24.04.2012

In Erwartung des ersten Treffens von Angesicht zu Angesicht

Unser Ziel ist, ein echtes Gebet zu erreichen, was bedeutet, zu verstehen, woran es uns mangelt. Es ist echt, weil es Oben angenommen wird. Das bedeutet, dass ein Mangel auf Seiten des Niedrigeren und ein Mangel auf Seiten des Höheren gleich sein müssen; der Niedrigere sollte exakt nach dem verlangen, was ihm der Höhere geben will.

Das bedeutet, dass ich fühlen muss, dass mir nur das Geben fehlt sowie das Verständnis, dass mir nur der Schöpfer diese Füllung geben kann: die Kraft des Gebens und die Fähigkeit zu geben, all die notwendigen Voraussetzungen. Der Schöpfer muss das in mir Verlangen zu Geben enthüllen, und wie man es erreichen kann, indem er mir zeigt, wem und was ich zu geben vermag.

Dieses gesamte System der Verbindung wird Tora genannt. Und sowohl das Licht als auch unsere Fähigkeit zu Geben sind darin enthalten. Aber bis dahin muss ich weiter arbeiten, und vor allem anderen muss ich überprüfen, was ich mir wünsche, welche Sehnsüchte in mir sind, und in welchem Ausmaß sie alle nur um zu empfangen da sind.

Dann werde ich in die richtige Umgebung aufgenommen, und mit ihrer Hilfe fange ich allmählich an, mich zu verändern. Ich beginne bereits, zu hören, dass die spirituelle Welt nicht zu meinem eigenen Vergnügen gedacht ist, sondern zum Wohl anderer. Ich erkenne dies nach und nach und mit großen Schwierigkeiten. Ich höre davon, aber es braucht eine lange Zeit, bis ich dies wirklich in meinem Geist verstehe und in meinem Herzen fühle.

Es gibt einen großen Abstand zwischen der einfachen Erkenntnis und dem tatsächlichen Handeln. Wir müssen uns währenddessen anstrengen in unserem natürlichen Ego, um Handlungen durchzuführen, die ihm völlig entgegengesetzt sind, die auf Verbindung und Geben abzielen. Selbst wenn es künstlich und gegen meinen Willen sein sollte, wird das immer noch „über dem Verstand“ genannt.

Aber was kann mein Gerät antreiben, was kann der Lohn dafür sein? Schließlich kann ich nicht dafür arbeiten, dass sich andere besser fühlen, ich sehe keinen Nutzen darin und kann nicht einmal den kleinsten Finger dafür rühren, ich bin unfähig zur geringsten Handlung. Meine Natur arbeitet nicht auf der Grundlage von einer Energie des Gebens. Ich empfinde die Bedürfnisse anderer nicht als meine eigenen auf eine Art, die mir erlaubt, sie zu befriedigen und mich dabei zu fühlen, als befriedigte ich mich selbst.

In der Zwischenzeit fühle ich überhaupt nichts, und es ist, als existierten die anderen nicht für mich. Die anderen (z.B. mit Glück) zu erfüllen, ist gegen meine Interessen. So agiere ich mechanisch, als würde ich ihnen geben und mich mit ihnen verbinden. In Wirklichkeit tue ich es mir selbst zuliebe.

Allerdings verstehe ich dabei, dass dies genau das ist, was mit „Du arbeitest und du hast gefunden“ gemeint ist. Ich strenge mich an, und in der Zwischenzeit beeinflusst mich das Licht und ändert irgendetwas in meiner Seele. Allmählich beginne ich, die Größe des Schöpfers zu fühlen und die Wichtigkeit der Umgebung, aber es erfordert Jahre, diese innere Haltung zu erreichen.

Ich entwickle mich zuerst weiter, indem ich erkenne, dass das Geben gut für mich selbst ist, und erst nach und nach fange ich an, die Wichtigkeit der Eigenschaft des Gebens selbst wahrzunehmen. Es gibt Aufstiege und Abstiege auf diesem Weg. Einmal schätze ich vielleicht das Geben höher ein, und ein andermal möchte ich es vielleicht um meiner selbst willen benutzen, um die Tatsache zu genießen, dass ich mich auf diesem Weg befinde. Manchmal denke ich darüber überhaupt nicht nach, nur über das Empfangen, und dann denke ich über diese Zeitverschwendung nach und habe Zweifel am ganzen Weg überhaupt. So schreite ich fort, indem ich all diese Zustände durchlaufe.

Das Ziel des Aufstieges ist es, mich zu einem echten Gebet zu bringen. Ich empfange alle Bestandteile dieses Gebets von der Umgebung. Es gibt nichts in einer Person selbst, das sie zu spirituellen Errungenschaften führen kann. Man braucht einen Lehrer, der einen beständig leitet, man braucht eine Gruppe, in der man den ganzen Prozess realisiert, und man braucht Bücher, durch die man das Licht, das verwandelt empfängt.

Diese drei Elemente sind kein Teil unseres Verlangens zu empfangen oder des körperlichen Lebens. Und sie müssen organisiert werden, so dass wir mit ihrer Hilfe die Wichtigkeit spiritueller Eigenschaften erlangen können.

Das ist nur durch das Licht möglich. Wie kann ich mir sonst etwas wünschen, das mir keinen eigenen Nutzen bringt, sondern nur erfordert, dass ich mich anstrenge, und noch mehr, das auch noch zu genießen. Aber das Licht reinigt mich allmählich und verleiht mir diese Fähigkeit, und dann fange ich an, die spirituelle Verbindung mit dem Schöpfer zu schätzen.

Ich gelange zu einem echten Mangel, der sehr kraftvoll ist. Außerdem ist seine Wahrheit mir dadurch bewiesen, dass der Schöpfer meine Bitte annimmt und darauf antwortet. Somit treffen wir ihn das erste Mal „von Angesicht zu Angesicht“, was dem Schöpfer fehlt, verbindet sich mit dem Mangel der Schöpfung.

Das bedeutet, dass der Schöpfer enthüllt wird, und dann steigt man über sein Ego auf und beginnt, zu arbeiten, um zu Geben. Dieser gesamte Prozess ist in zwei Teile unterteilt: Der erste Abschnitt ist die Vorbereitung auf das echte Gebet. In dem Moment, in dem wir es erlangen, fangen wir an, uns mit ihm weiterzuentwickeln, indem wir nach und nach einen noch größeren Mangel aufdecken. Aber von dem Moment an, in dem wir dieses echte Defizit erlangen, beginnt unsere Verwirklichung des Schöpfers.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 24.04.2012

Israel: Nach der Geburt oder nach dem Ziel?

Auszug aus der Lektion, die dem Gedenktag an die Katastrophe des europäischen Judentums gewidmet war

Frage: Zu welchem Teil der Welt gehören die Nichtjuden, die die Wissenschaft der Kabbala studieren?

Meine Antwort: Heute gehören sie zur Kategorie „Israel“.

Wenn früher mit dem Begrief „Israel“, „das Volk“ im materiellen Sinn gemeint war, so sind es heute die Menschen, die „direkt zum Schöpfer“ (Jaschar-El) ausgerichtet sind, d.h. es handelt sich um einen spirituellen Begriff. Heute ist es bereits unbedeutend, von wem du geboren wurdest, denn es ist wichtig, ob du die Methode der Korrektur wahrnimmst, ob du über den Funken im Herzen (•) verfügst. Nach ihm wirst du eben „Israel“ genannt. Wenn du ihn nicht hast, dann gehörst du zur Kategorie „die Völker der Welt“. Somit kannst du heute aus „den Völkern der Welt“ stammen und morgen zu „Israel“ werden. Denn im Endeffekt sollen alle das Ziel erreichen.

Jeder, der diesen Funken bekommen hat, ist verpflichtet, die Wissenschaft der Kabbala zu verbreiten, sowie sich um den eigenen Aufstieg, um die Gruppe und um die notwendigen Mittel zu sorgen – damit die allgemeine Pyramide der Menschheit nicht kippt und Zerstörer an ihre Spitze gelangen.

Außerdem betont der Baal HaSulam, dass dieselben Kategorien in jedem Menschen vorhanden sind, und die ganze Welt sie heute korrigieren und unterscheiden soll, da wir die Endetappe der Korrektur erreicht haben.

Deshalb werden heute als „Israel“ die Menschen bezeichnet, die „direkt zum Schöpfer“ ausgerichtet sind.

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „der Gedenktag an die Katastrophe und den Heroismus“, 19.04.2012

Verstehen und Fühlen

Frage: Ich habe auf diesem Kongress mehr verstanden als gefühlt. Ist das normal oder habe ich etwas verpasst?

Meine Antwort: Das Verstehen, ohne es zu fühlen, ist auch gut. Zumindest hast du die Einheit der Leute gesehen, du hast ihr Verlangen gesehen, du hast verstanden, dass unser Erlangen der Wirklichkeit auf diesem speziellen Verlangen beruht.

Ohne uns zu vereinigen, können wir den Sensor nicht erschaffen, mit dem wir fähig sein werden, die höhere Welt zu fühlen, den Schöpfer. Genau deswegen sind wir zerbrochen und existieren auf dem tiefsten Grund: um damit zu beginnen, die Einzelteile der höheren Welt zusammenzusetzen. Und wenn wir sie zusammensetzen, werden wir neue Bestandteile der echten, wirklichen, spirituellen Welt entdecken und fühlen.

Und wir werden unsere Welt auf umgekehrte Weise erleben, als sich von uns entfernend, weil sie im Grunde genommen nichts hat – sie ist kleiner als ein Punkt. Sie befindet sich unter dem Punkt der geraden Linie, unterhalb der „Füße“ des Parzuf von Galgalta. Dort (bei ihnen) ist Sium, oder das Ende aller Parzufim, und der Ort unserer Welt befindet sich sogar noch tiefer, darunter – das heißt, es ist so, als würde sie gar nicht existieren. Und wir existieren in ihr, aber es ist, als wären auch wir „inexistent“.

Die Stufen des wachsenden Egos

Bewußtsein ist eine neue Kategorie, die aus einem Mangel an Entsprechung der Form (heraus) geboren wird. Ich beginne, wahrzunemen, wer ich bin, wenn ich mich schlecht fühle, und versuche zu klären: Was ist es, das ich nicht mag, und warum fühle ich mich so schlecht? Dann beginne ich, nach der Quelle all diesen Übels zu suchen, von wem kommt es nur?

Alle 125 Stufen beruhen auf dem Fehlen der Gleichheit der Eigenschaften, was ständig die Fragen aufwirft: Was ist diese Arbeit, und wer ist der Schöpfer, dass ich auf ihn hören sollte? Der Pharao stellt uns ständig diese Fragen, und wir versuchen, darauf eine Antwort zu finden. So spielt der Schöpfer von zwei Seiten her mit uns und lehrt uns dabei, ein Gefühl für die Absicht zu Geben zu entwickeln.

Von jeder Stufe zur nächsten gibt uns der Schöpfer ein qualitativ besseres Empfinden für das Fehlen der Gleichwertigkeit der Form. Während ich mich früher nur ihm Hinblick auf körperliche Kriterien gut oder schlecht fühlte, indem ich meinen Erfolg dabei einschätzte, jemanden zu bestehen – so beurteile ich jetzt das Gute und das Böse entsprechend meiner Absicht bezüglich des Schöpfers oder eben der Person, von der ich einst stahl.

Zunächst stahl ich, ohne es überhaupt zu bemerken, und dachte nicht darüber nach, was ich tat. Dann tat ich weiterhin dasselbe, aber ich begann zu empfinden, dass ich von jemand anderem nehme. Später begann ich, mich für den Diebstahl zu schämen, dafür, dass ich einem Fremden etwas für mich selbst wegnehme. Dann wächst meine Achtsamkeit, so dass ich nichts mehr nehmen zu nehmen brauche, was nicht meines ist; aber wenn ich es nur ansehe, möchte ich es stehlen, und ich bin auch damit nicht einverstanden.

Später fahre ich fort, mich zu korrigieren; ich erlaube mir nicht mehr, zu stehlen oder auch nur daran zu denken, und dieser Gedanke kommt mir nur noch selten. Das spirituelle Urteilsvermögen in mir werden diesbezüglich immer präziser. Hier verwirrt uns der Schöpfer und verursacht unterschiedliche Störungen, und all das wird ausschließlich in Gedanken aufgeklärt.

Schließlich erreiche ich einen Punkt, an dem mich schon der bloße Gedanke daran, andere zu benutzen, mir ein schlechtes Gefühl verleiht: z.B. wenn ich plötzlich denke, dass ein anderer statt meiner krank sein könnte, oder dass er sich an meiner Stelle schlecht fühlen könnte. Ich bin schockiert von diesem Gedanken, dass ich auf Kosten eines anderen der Nutznießer sein würde.

Dieser Gedanke bleibt, aber er wird kniffliger, feiner und innerlicher. Das Böse anderen gegenüber bleibt bis zum Ende der Korrektur vorhanden, aber es wird qualitativ höherwertiger weil wir das Zerbrechen korrigieren. Wir steigen von der einfachen, charmanten und groben Ausbeutung anderer auf zur hinterlistigen, hochentwickelten Ausbeutung, die die Wurzeln selbst beschädigt. Wie es heißt, „er, der größer als sein Freund ist, sein Verlangen ist größer als das seines Freundes“, was heißt, das dessen Ego eine höhere Qualität aufweist.

Du hast nur eine schwache egoistische Absicht, aber sie scheint dir riesig, nicht wie eine „Haaresbreite“, sondern wie „die Seile eines Karrens“. Die Korrektur besteht im Aufstieg über dein Ego, aber das Bestreben, andere zu benutzen, wird auf jeder Stufe erneuert und wird immer innerlicher und raffinierter. Daran sollten wir arbeiten, und das wichtigste Laboratorium dafür ist die Gruppe, in der man rasch seine Haltung anderen gegenüber abklären kann.

Die zentrale Kraft der Natur

Frage: Inwiefern unterscheidet sich das Ego von einem hohen Selbstvertrauen?

Meine Antwort: In der Tat ist das Ego nicht schlecht. Es ist die zentrale Kraft der Natur, die jeden Stoff entwickelt und alles vorwärtstreibt. Der Punkt ist, dass sie sich heutzutage, wo wir der Natur entgegengesetzt sind, negativ auswirkt.

Bis in unsere Zeit war sie nicht negativ. Wir machten Fortschritte, entwickelten Wissenschaft, Technologie, das Leben und soziale und politische Strukturen. Je mehr Sehnsüchte und Wünsche jemand hatte, um so höher stand er: Ein Wissenschaftler, ein Erfinder, ein Dichter; egal, was genau, aber er trieb die Entwicklung voran.

Wie auch immer, jetzt ist es umgekehrt. Das Ego ist zum Pharao geworden und alles ist zum Stillstand gekommen; nichts entwickelt sich mehr, sondern alles sinkt und schwindet nur noch. Weil die Natur ganzheitlich geworden ist, verwandelt sich das Ego in ein Hindernis. Es müsste auch integral werden.

Wenn irgendein Organ im Körper beginnt, nur noch an sich selbst zu denken, wird es zu einem bösartigen Tumor, der alles um sich herum aufsaugt und zerstört. Das ist genau, was in unserer Gesellschaft diese Tage passiert, mit unserem Planeten, mit unserer Umwelt.

Wir müssten uns im Gegenteil in einer wechselseitigen, integralen Verbindung miteinander befinden, genau wie auch unser Körper beschaffen ist. Wenn alle Teile der Gesellschaft sich – wie die einzelnen Teile des Körpers – zu einem integralen Bund vereinigen, so müssen sie lernen, zusammenzuarbeiten. Andernfalls werden sie sich gegenseitig zerstören, genauso wie ein bösartiger Tumor.

Aus dem egozentrischen Weltbild herausgerissen werden

Frage: Was sind die ersten Schritte unserer Annäherung an den Schöpfer, die das eigentliche Ziel der Wissenschaft der Kabbala ist?

Meine Antwort: Die Annäherung in der Spiritualität bemisst sich weder anhand der Zeit, noch anhand des Raums, noch entsprechend der mechanischen Bewegung, sondern infolge der Veränderung der Eigenschaften, anhand der Qualität. Ich soll in mir eine zusätzliche Empfindung, ein allgemeines neues Gefühl entwickeln, das als Geben bezeichnet wird. Bislang nehme ich das ganze Universum durch den Filter einer egoistischen Eigenschaft wahr, in meinem Bedürfnis, ständig eine Füllung zu empfangen und zu genießen, wobei ich mich in Richtung auf das Gute ausrichte und das Böse abstoße.

Nur anhand solcher Kategorien wie das Gute und das Böse nehme ich die Welt wahr. Ich gleiche darin einem Hund, der die ganze Welt nur mit Hilfe von Gerüchen wahrnimmt und eine Sache von der anderen nur dadurch unterscheidet, wie sie riecht. Er sieht fast nichts, sondern empfängt 99 % seiner Informationen aus dem Geruch. Auch wir unterscheiden heute alles nur entsprechend unserem egoistischen Verlangen: Wir erkennen schwarz und weiß, verschiedene Farben, hoch und niedrig, ferne und nah, angenehm und unangenehm, das sind einige Eigenschaften, die von mir in dieser Welt wahrgenommen werden.

Ich bin mir nicht einmal bewusst, dass ich alles nur danach beurteile, inwiefern es mir persönlich gut tut oder nicht. Es gibt ein Netzwerk in meinem Inneren, das alle Eindrücke entsprechend ihrem Nutzen oder Schaden für mich wahrnimmt, und auf diese Weise klassifiziere ich alle Farben, Entfernungen, Zeiten, die Bewegung, verschiedene Objekte und ihr Verhalten – aller laut eines egoistischen Prinzips.

Ich erkenne das nicht einmal, weil diese egoistische Empfindung das einzige ist, was ich besitze, so dass ich mir ihrer Anwesenheit in mir nicht bewusst bin, weil ich bereits damit geboren wurde. Alles wird auf dem Netz des Radars meines Verlangens zu Genießen wahrgenommen. Wie bei einer Lichtbildaufnahme, für die eine lichtempfindliche Platte oder ein Film benötigt wird, existiert auch in unserem Inneren eine Art Schirm, der für eine mögliche Erfüllung oder einen potentiellen Schaden empfindlich ist.

Entsprechend seiner Möglichkeiten unterscheide ich allerlei Formen und Objekte, sogar unbelebte Gegenstände: das Glas mit Wasser auf dem Tisch, verschiedene Farben, die Menschen, Kälte und Wärme, Entfernungen. Ich bewerte alles im Hinblick darauf, was mir gut tut, oder was mir schadet. Diese feinen Unterschiede schattieren mir die Bilder dieser Welt, die ich vor mir sehe. Aber sie existiert nur in der Wahrnehmung meines egoistischen Verlangens, zu genießen.

Um von ihm nicht vollkommen abzuhängen, führt uns die Wissenschaft der Kabbala an das Verlangen zu Geben heran. Und darin beginne ich „eine verwandelte Welt“ – die ganze Realität mit den Augen des Gebens zu sehen – das heißt, ich gewichte nun danach, inwiefern jede Handlung und jedes Bestreben für mein Geben an die anderen gut ist.

Es ist gesagt: „Das Eine und sein Gegenteil hat der Schöpfer geschaffen“; nachdem ich diese beiden Paradigmen offenbare, kann ich über diese zwei Prinzipien der Wahrnehmung hinaufsteigen. Dank dieser inneren Arbeit werde ich mich über die gesamte Schöpfung erheben können.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Schamati“, 12.04.2012

Die Bedingung zum Empfangen des höheren Wissens

Zu erkennen, worüber in den kabbalistischen Bücher geschrieben ist, bedeutet, sich mit dem Geschriebenen zu verbinden. Wie geschrieben steht: „Adam hat Chawa erkannt“. Das Wissen bekommt man infolge des Aufstieges und der Verbindung mit den höheren Stufen.

Es ist nur durch die Vereinigung zwischen uns möglich. Die richtige Verbindung erlaubt es uns, sich den Ort vorzustellen, aus dem wir die spirituelle Füllung empfangen.

Deshalb auch, wenn wir leidenschaftlich die Offenbarung des Geschriebenen wünschen, dürfen wir nicht von jenem Ort, von jener Bedingung abgetrennt werden, in welcher wir das höhere Wissen bekommen können. An der Stelle, wo wir die Vereinigung untereinander erreichen – dort wird die höhere Kraft offenbart. Anderenfalls wirst du die Spiritualität mit deinem materiellen Verstand verlangen und es ist unmöglich.

Die Spiritualität offenbart sich nur in der Vereinigung, sie entspricht der Stärke der Vereinigung zwischen uns, bis alles in einem Punkt verschmilzt und zu dem Funken zurückkehrt, aus dem einst das ganze Universum entstanden ist. Und wenn wir nicht in diese Richtung gehen, so werden wir niemals verstehen, wovon die Bücher erzählen. Wir werden Tausende Kommentare schreiben, aber uns nicht der Wahrheit nähern können.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch „Sohar“, 08.04.2012

Ein grober Irrtum!

Meine lieben Schüler!

Ich wende mich gerade an meine Schüler!

Mir wurde berichtet, dass in unseren Gruppen Leute aufgetaucht sind, die behaupten, dass ich etwas mit irgendwelchen Trainings und Techniken zu tun habe, die sie organisieren, dass diese Trainings angeblich beim Kabbalastudium helfen würden.

Das ist ein grober Irrtum. Sie nutzen einfach unsere Verbindungen für die Verbreitung ihrer Ideen. Kabbala hatte niemals, auf gar keine Art und Weise etwas mit irgendwelchen Trainings, Techniken, Meditationen u. ä. zu tun, sie hat sogar eigene psychologische Trainings, die nicht aus der Psychologie stammen.

Die Entstehung des höheren Sinnesorgans (der Eigenschaft des Gebens, der Seele), geschieht

1) durch die Vereinigung in der Gruppe und

2) durch das Studium der authentischen Quellen –

dadurch wird die Einwirkung des Lichts (der Kraft des Gebens und der Liebe) hervorgerufen.

Wenn ihr zur Enthüllung des Schöpfers kommen wollt, dann rufe ich, der diesen Weg bereits gegangen ist, euch auf:

1. beendet unverzüglich das Studium von allem, was nicht in unseren Quellen enthalten ist,

2. entfernt umgehend die Prediger der Vektorpsychologie und des kognitiven Designs sowie anderer Lehren aus den Gruppen.

Die Leitung der Kabbalaakademie hat niemals irgendwelche Trainings, selbst als Ergänzung, gefördert und kann sie nicht fördern. Sie alle sind von den Menschen dieser Welt erfunden worden und sperren uns nur im Rahmen dieser Welt ein.

Ihr solltet euch während des ersten Entwicklungsabschnitts, solange ihr den Schöpfer noch nicht klar enthüllt habt (solange die Seele selbst euch noch nicht führt), euch vor Hindernissen hüten und einfach den Anweisungen folgen, wie ein Neugeborenes der Mutter folgt.

Viel Erfolg beim schnellen Wachstum!

M. Laitman