Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Absoluter Glaube

Frage: Kann das Leben eines Menschen verlängert werden, wenn er die Weisheit der Kabbala studiert und wenn er sich besonders darum sorgt, nicht genug Zeit zu haben, um spirituelle Vollkommenheit in seinem Leben zu erreichen?

Antwort: Das zeugt von einem absoluten Mangel an Glauben! Zuallererst muss man sich von Sorgen befreien, denn wenn man unter der Kontrolle des Schöpfers steht und es neben Ihm keine Kraft gibt und Er gut und Gutes tuend ist, dann gibt es keinen Grund für derartige Fragen, was einem in der nächsten Minute passieren wird und ob man etwas erreichen wird oder nicht.

Die Bedingung „Es gibt nichts außer Ihm“ (Deuteronium  4:35), das absolut Gute, hält den Menschen vollkommen davon ab, alle möglichen egoistischen Fragen zu haben. Es bleibt nur eine einzige Frage übrig: Wie kann ein Mensch Sein Partner werden, Sein Helfer, Sein Bürge, um Seinen Willen in die Welt hinaus zu tragen? Ich kann das tun, weil ich in dieser Welt bin. Wir müssen nur um eine Sache bitten: Darum, dass uns der Schöpfer Seine Wünsche auferlegt, und dass wir sie der ganzen Menschheit überbringen. Das ist die Aufgabe eines Kabbalisten, oder, wenn man will, eines Propheten.

Frage: Was ist damit gemeint, dass ein Kabbalist eine gute Gesundheit für seine Verwandten und für sich selbst nicht erbitten kann?

Antwort: Wenn es sein muss, kann er darum bitten, aber was nutzt ihm das, wenn der Schöpfer dafür verantwortlich ist? Wenn der Schöpfer das getan hat, damit der Mensch Ihn bitten soll, dann bittet er. Mit anderen Worten, der Mensch muss untersuchen und verstehen, warum das alles passiert und darum bitten, zum Licht und zur Korrektur geleitet zu werden.

Aus der russischen Kabbalalektion  5/15/16

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Das Pessachfest aus verschiedenen Blickwinkeln

Frage: Worin unterscheidet sich die kabbalistische Sichtweise auf unsere Welt und des Festes Pessach von der üblichen Sichtweise?

Antwort: Es gibt mehrere Ebenen der Erklärung des Daseins, seiner Schöpfung, seiner Entwicklung, seines Ziels und der Aufgabe des Menschen darin. Über das Pessachfest lässt sich beispielsweise Folgendes sagen:

  1. über die historische Epoche der Versklavung des Volkes in Ägypten,
  2. über die „Versklavung“ des Menschen in seinem Egoismus – Ägypten – Pharao,
  3. über die Entwicklung der Schöpfung – des Verlangens unter dem Einfluss des Lichts – des Schöpfers und seiner Abwesenheit – unter dem Einfluss der Finsternis – Ägyptens – des Pharaos.

Man kann auch aus verschiedenen Ebenen sprechen:

  1. über die mechanische Erfüllung von Bräuchen, die im Alltag als Gebote bezeichnet werden,
  2. über die psychologische Erfüllung der Anweisung „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ als allgemeine (Klal) Anweisung des Schöpfers, die alle anderen Anweisungen in sich umfasst, wie es in der Tora heißt: „Liebe deinen Nächsten – das allgemeine Gesetz der Tora“,
  3. über die kabbalistische Wirkung des höheren Lichts auf die Welten und durch diese auf die Seelen, die die Stufen ihrer spirituellen Entwicklung und Korrektur durchlaufen.

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Ein Kabbalist fühlt das selbe Vergnügen wie der Schöpfer


Ich erhielt Fragen über die Freuden, die ein Kabbalist und der Schöpfer fühlt:

Frage: Erreicht ein Kabbalist jemals die Stufe, wo er fühlt, dass er dem Schöpfer Vergnügen schenkt?

Meine Antwort: Ja.

Frage: Wie drückt sich dieses Gefühl aus?

Meine Antwort: Als Einheit mit dem Schöpfer und Seiner Empfindung.

Frage: Was sind die Anzeichen, die einen Kabbalisten wissen lassen, dass der Schöpfer wirklich Vergnügen aus seinen Handlungen empfängt?

Meine Antwort: Gegenseitige Freude – ihre Gefühle werden in einem Kli ausgedrückt.

Frage: Ein Kabbalist empfängt Freude aus den Geschenken des Schöpfers und indem er das tut, schenkt er dem Schöpfer Vergnügen. Aber kann sich ein Kabbalist sicher sein, dass der Schöpfer das wirklich genießt?

Meine Antwort: Er weiß das, weil sie sich in einem Ganzen vereinigen.

Frage: Empfängt ein Kabbalist Freude aus den kleinen, materiellen Dingen im Leben?
Meine Antwort: Ein Kabbalist fühlt trotzdem die Vergnügen unserer Welt. Mehr noch, er empfindet diese Dinge sogar noch intensiver als es normale Menschen tun.

Frage: Das spirituelle Ziel ist die Einheit der Seelen. Wenn ein Mensch die spirituelle Welt betritt, beginnt er die Verlangen und Gedanken der anderen Seelen zu fühlen. Unterscheidet er trotzdem was „seins“ ist und was „eines anderen“ ist, oder verliert er das Gefühl für Individualität?

Meine Antwort: Er verliert es nicht. Selbst wenn er jeden fühlt, fühlt er sich selbst durch sie, wie eine Zelle, die für den ganzen Körper arbeitet.

Frage: Sie sagten, dass große Kabbalisten einen großen Egoismus haben, aber sie wissen ihn zu kontrollieren. Wie kontrollieren sie ihren Egoismus?
Meine Antwort: Durch Licht, das von oben kommt; durch den Schöpfer – wie ein Kind, das durch einen Erwachsenen lernt.

Aus dem täglichen Morgenunterricht. 

Der Endzustand der Gruppe (oder den Kern aus der Kirsche drücken)

Wir werden in den Gruppen ein spezielles Verfahren in Gang setzen, bei dem die Gruppe nun eine solche Form annimmt, dass wir schließlich nicht unsere persönlichen Zustände spüren, sondern die allgemeinen Zustände, durch die wir gehen.

Wir beginnen diese gemeinsam zu durchlaufen,  und dies wird das Volk Israel in Ägypten genannt, wenn ein Schlag dem anderen folgt, und dann werden wir uns zusammen darüber erheben. Die zehn Plagen Ägyptens finden nicht weit entfernt von uns statt, dort wo der Pharao ist, sodass wir sie aus der Ferne beobachten können und uns freuen. Diese Schläge finden in uns statt und unser persönlicher Pharao erlebt sie! So sind wir damit belohnt worden, in Richtung Endzustand der Gruppe als einer Nation fortzuschreiten.

Wer ängstigt sich nicht in der Dunkelheit, sei es, weil er nicht genug für die Verbindung mit der Gruppe tut und weil es ihm noch an innerer Arbeit mangelt. Unbewusst läuft er vielleicht vor dem Problem davon, bleibt auf Distanz anstatt die Wahrheit ein wenig zu berühren. Hier handelt die Abwehrkraft eines Menschen, die jemanden erschrickt und daran hindert in die Gruppe zu gehen und Dinge zu klären.

Wenn er kein Verlangen hat  „aus seinem Körper zu springen“, so hat er den Druck des Schöpfers, der ihn wie eine Kirsche ausquetscht bis der Kern herausspringt, nicht anerkannt. Wie sonst kann man in die Wellen des Roten Meeres springen? Nur so, unter Druck, wie bei einer Kirsche. Kannst du dir vorstellen wie groß dieser Druck ist?

Wenn die geistige Welt über der körperlichen Welt steht,  was so viel heißt wie über Leben und Tod, dann sollte ich spüren, dass ich für diesen Übergang bereit bin. Dieser Körper, dieses Leben mit allem, was es enthält, ist wertlos verglichen mit der Welt, in die ich eintreten werde. Die Schale, die uns daran hindert vorwärts zu kommen, kann nur durch die Kraft der Liebe, der gegenseitigen Sorge und nur durch die gemeinsame Arbeit  mit allen aufgebrochen werden.

Wenn du nicht die allgemeine Besorgnis  für die Gesellschaft, für die Gemeinschaft, für die gesamte globale Gemeinschaft von Bnei Baruch, für die ganze Welt fühlst, wirst du nicht in der Lage sein, an diesem Prozess beteiligt zu sein. Während du an der Seite stehst, wird vielleicht ein Teil der Gruppe schon hindurch gehen, an dir vorüber gehen, und du hörst, siehst oder fühlst es nicht. Instinktiv ignorierst du die Schwierigkeiten, schützt dich, damit hält du dich selbst auf Abstand. Wir müssen in alles was die Gruppe, die Gesellschaft und die globale Gemeinschaft von Bnei Baruch betrifft, involviert sein, und sensibel und wachsam mit den Schwierigkeiten und Veränderungen, die jeder erlebt, umgehen. Wer auch immer nicht aktiv an diesem allgemeinen Prozess beteiligt ist, wird als „Frauen, Kinder, Sklaven, als Schafe und Ziegen“, bezeichnet. Diese Kategorien bezeichnen alle Menschentypen in unserer globalen Gruppe, die irgendwie mit uns verbunden sind, jedoch nur äußerlich.

Dementsprechend erhalten nur „ 600.000 Seelen“ die Tora.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Shamati-Artikel Nr. 61, vom 05.04.2013

Ein Geschenk wird nur so viel gewürdigt, wie der Empfänger den Geber wertschätzt


News Report (aus dem Science News Magazine):
Die Menschen machen einen Fehler, wenn sie erwarten, dass je mehr sie in Geschenke investieren, desto mehr diese Geschenke wertgeschätzt werden … Empfänger bevorzugen Geschenke, die sie wirklich brauchen oder die eine spezielle persönliche Bedeutung haben. Der Preis spielt keine Rolle. … Es ist in der Tat der Gedanke der zählt …

Mein Kommentar: Wir können in unserer Welt nur so viel empfangen, wie dies ein Tier kann: nur das, was für unsere körperliche Existenz notwendig ist. In dieser Hinsicht sind wir einem Tier vollkommen gleich. Jedes Übermaß, das wir „empfangen“, ist nur zu unserem Nachteil. Es gibt einen weisen Spruch: „Ein bisschen schädliche Nahrung ist gesünder, als zu viel gesunde Nahrung.“ Maßlosigkeit schafft Leere in uns, macht depressiv und bringt uns zu einem endlosen Streben nach illusorischer Erfüllung.

Wie realisiert also der Schöpfer seinen Plan, „alle Geschöpfe mit absolutem und ewigem Vergnügen zu erfüllen“? Dies wird nicht durch die Erhöhung der Quantität der Erfüllung erreicht, sondern durch ihre Qualität. Wir sind nicht in der Lage, mehr aufzunehmen, als das, was für die Existenz unserer tierischen Körper notwendig ist. Wenn wir jedoch begreifen, dass es die Größe des Schöpfers ist, die uns gibt, wird unsere Empfindung von dem was wir von ihm erhalten unendlich erhöht. Denn Er ist unendlich. So können wir die Empfindung eines ewigen und vollkommenen Lebens erreichen. Folglich liegt das Ziel unserer Entwicklung in der Erkenntnis: „Koste und siehe, wie gut der Schöpfer ist.“

 

Er kann warten, ich nicht

Wenn wir spüren, dass wir in eine Art Schlaf verfallen und es uns schwer fällt, auch nur den kleinen Finger zu bewegen, müssen wir verstehen, dass es der Schöpfer ist, der uns diesen Zustand schickt. Er möchte uns anstelle der persönlichen zur allgemeinen Erweckung führen, damit wir gemeinsam beginnen, uns um einander Gedanken zu machen, und damit ich verstehe, dass, wenn ich die anderen nicht erwecke, ich auch selbst nicht erwachen werde.

Denn mein Ich ist das Maß, in dem ich die anderen erwecken kann. Nicht meine Person an sich – das ist alles die tierische Stufe, sondern diese zusätzliche Erweckung, die ich in das Gesamtnetz hineinbringen kann, wird als mein spirituelles Ich, mein spirituelles Gefäß (Kli, Verlangen) bezeichnet.

Jenes Maß an Erweckung, welches ich dort hineingebracht habe, liefert die Stärke des Verlangens, in dem ich die spirituelle Welt wahrnehme – ich nehme sie dort, im Inneren dieses Systems und nicht in mir wahr! In mir werde ich nichts spüren.

Das bedeutet, dass ich mich momentan der Erschaffung meines spirituellen Gefäßes entgegen bewege. Der Schöpfer organisiert absichtlich diesen Zustand für mich – Er lässt mich spüren, dass, wenn ich allein bleibe, mir nichts gelingen wird. Er scheint zu sagen: Du glaubst nicht – dann versuch mal! Zehnmal, hundertmal… Ich habe Zeit, Ich kann warten, bis die „Söhne Israel wegen ihrer Arbeit aufschreien“.

Nur wenn ich den nötigen Druck auf die anderen ausübe, wenn ich verlange und das gemeinsame Verlangen/Gefäß sich davon begeistern lässt, dann wird das mein Verlangen sein, dort werde ich die spirituelle Welt – jene spirituelle Erfüllung, die sie alle von mir bekommen haben, – wahrnehmen können.

Auszug aus dem Unterricht zu Die Zehn Sefirot

Das Erreichen der höheren Stufe

Das Erreichen der höheren Stufe ist etwas, das der Niedrigere nicht aus eigener Kraft tun kann – das ist das Erste. Es ist wie in unserer Welt: Ein Baby kann nur dadurch erwachsen werden, dass es Erziehung von Erwachsenen erhält. Diese verstehen es und geben ihm – Stufe für Stufe, Jahr für Jahr – genau das, was zu ihm passt. Und was es empfängt, hängt davon ab, in welchem Maß es sich annulliert.

Der Mensch kann die Umgebung der höheren Stufe niemals besser einschätzen als sich selbst, denn sein eigener Verstand und sein Herz bilden gewissermaßen eine Blase. Über diese Grenze hinaus versteht er nichts. Das ist unmöglich – denn „der Richter urteilt nur nach seinen eigenen Fehlern“. Das sind seine Gefäße, mehr hat er nicht.

Die Meinung der Gesellschaft annehmen

Deshalb wurde hier die Möglichkeit gegeben, die Gesellschaft zu nutzen, um aufzusteigen und zu beginnen, das zu berücksichtigen, was außerhalb von einem selbst liegt. Das nennt man – sagen wir – „Glaube über dem Verstand“.

Das heißt: In dem Maß, in dem mir die Gesellschaft ihren Verstand, ihre Meinung vermittelt, beginnt diese über mich zu herrschen, und das wird „Glaube über dem Verstand“ genannt.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Sie sagen mir, Coca-Cola sei wichtig, und ich mag es nicht – ich mag Wasser. Doch sie überzeugen mich, überreden mich immer wieder, durch öffentliche Meinung und auf verschiedenste Weise, bis ich ihre Meinung mehr akzeptiere als meine eigene. Plötzlich spüre ich, dass sich etwas in mir verändert. Ich beginne zu denken, dass es tatsächlich besser ist.

Ich behalte nicht meine eigene Meinung, dass Wasser besser ist, und trinke nur Coca-Cola, um mit ihnen zusammen zu sein oder mich mit ihnen zu verbinden. Nein – ich gebe meine frühere Meinung wirklich auf und übernehme ihre. Nicht, weil ich keine Wahl habe, sondern weil ich ihre Ansicht tatsächlich annehme.

Die Anstrengung geht nicht verloren

Frage: Worauf bezieht sich Baal HaSulam, wenn er sagt: „Auch wenn jemand nicht erlangt, ist es dennoch ein großes Privileg“?

Weil jede Anstrengung, die ein Mensch in Richtung des Schöpfers unternimmt, aufgezeichnet wird – unabhängig davon, ob er erlangt hat oder nicht. Vielleicht hätte ich erlangen sollen, vielleicht schon vor langer Zeit. Doch das geschah nicht, weil die Generation, die Umgebung, noch nicht würdig war. Ich bin von ihnen abhängig.

Der Mensch schreitet innerhalb eines gesamten Systems voran. Alle, mit denen ich mich entwickle, haben freien Willen, und wir sind voneinander abhängig. Deshalb muss – und sollte – sich ein Mensch für die ganze Welt verantwortlich fühlen. Darum müssen wir verstehen, dass Gruppe und Verbreitung in unserem Blut liegen. Ohne sie ist keine Offenbarung möglich.

Jeder einzelne unserer Schüler, jeder Freund, muss das begreifen: Wir sind abhängig von dem sich entfaltenden Netz, von dem gesamten System. Es ist wie bei einem Embryo, der sich entwickelt – zuerst dieses Organ, dann ein anderes. Man weiß nicht, was als Nächstes kommt.

Ein Mensch weiß nicht, ob er gerade voranschreiten soll oder nicht. Wenn er voranschreiten soll, wird er durch Schläge schneller als alle anderen vorangebracht. Wenn nicht, dann geschieht es auf andere Weise. Aber eines bleibt immer: die Anstrengung.

Ich tue meine Anstrengung. Wenn ich keinen Erfolg hatte, ist das nicht meine Angelegenheit. So wird es nicht gemessen. Gemessen wird nur deine Investition, deine Bemühung.

Wenn ich keinen Erfolg hatte, dann deshalb, weil ich im allgemeinen System im Moment nicht gebraucht wurde. Andere hätten ebenfalls ihre Anstrengung machen müssen, taten es aber nicht, und wegen ihnen blieb mir die Offenbarung verwehrt. Sie hielten mich auf.

Doch ich habe zuvor große Anstrengungen unternommen. Und in dem Moment, in dem sie ihren Platz einnehmen – sei es durch Leiden oder dadurch, dass sie schließlich auf richtige Weise voranschreiten – dann schaffe ich den Durchbruch.

Das heißt: Die Anstrengung verschwindet nicht.

„5 Minuten Licht“ – Auszüge aus dem täglichen Unterricht mit Dr. Michael Laitman vom 16. November 2009

Beispiele des Höheren

Der Schöpfer wird durch verschiedene Formen des Gebens enthüllt, jedoch wird er in uns enthüllt, dem empfangenden Verlangen. Andernfalls würden wir diese Ausdrucksformen nicht empfinden. Sie kommen von oben, allerdings müssen wir diese annehmen und ihnen von unten, von unserem Ende her, ähnlich werden.

Das macht den ganzen grossen Unterschied aus. Wir haben ein ähnliches Beispiel in unserer Welt, wenn wir etwas begreifen, sehen, fühlen und schmecken, aber dann müssen wir es selbst kopieren. Hierin steckt eine enorme Anstrengung. In der spirituellen Welt senkt Ima ihren unteren Teil in Seir Anpin ab und gibt ihm ein Beispiel mit ihrem Reflektierendem Licht (Or Choser). Wenn das Höhere auf diese Weise handelt, kann das Niedrigere nicht scheitern, denn es sieht ein fertiges Beispiel.

Auf die gleiche Weise geben wir kleinen Kindern erprobte, zuverlässige Beispiele, die es ihnen nicht erlauben, Fehler zu machen. Wenn jedoch ein Kind selbst nachahmen möchte, was wir ihm gezeigt haben, dann ist das bereits ein Problem. Es macht einen Fehler und erkennt, dass es zuerst Kraft und Wissen erlangen muss.

Entsprechende Prozesse geschehen in der spirituellen Welt. Auch wenn der Schöpfer uns Beispiele gibt, und obwohl alle Stufen von Oben kommen, kommen sie in der entgegengesetzten Form. Ihnen fehlen unsere Anstrengungen, verbunden mit Verlangen als auch Verständnis, was Bemühungen im Herzen und im Verstand bedeutet.

Nur durch beifügen unserer Anstrengungen zu Verlangen und Verstand, erkennen wir die durch den Höheren gegebenen Beispiele, folglich wandeln sich diese dadurch von Finsternis in Licht. Schliesslich sind sie für uns zuerst in Finsternis getaucht, weil wir spüren, dass wir ausserstande sind, dies selbst zu tun. Rabash schreibt davon im Artikel: „Die Einbeziehung der Eigenschaft der Gnade in das Urteil.“

Der Schöpfer wird ein „Weiser“genannt, denn Er besitzt das Licht Chochma und alle notwendigen Kräfte. Ein Mensch, der sich ein Beispiel am Schöpfer nimmt, wird ein „Schüler eines Weisen“ genannt, denn er kopiert des Schöpfers Formen des Gebens.

Trotzdem müssen wir verstehen, dass dies nicht nur das Kopieren einer Handlung ist. Zunächst müssen wir damit einverstanden sein, diese Form anzunehmen, weil das etwas ist, was wir überhaupt nicht wollen. Wenn wir damit einverstanden sind, bedeutet das, dass wir uns irgendwie selbst einschränken und einen Ort in uns schaffen, wo diese sich offenkundig machen können, dann sind wir bereit diese Formen in unserem empfangenden Verlangen wahrzunehmen, und sodann zu verstehen, wie sie gebildet wurden und sie zu wiederholen. Dies bedeutet, ungeachtet unseres Verlangens zu studieren, zusammen mit dem Verlangen und dem Verstand, bis wir erkennen, wie wir die Beispiele des Schöpfers in der Praxis an uns selbst ausdrücken und ausführen können.

Eine lange Kette von Handlungen liegt zwischen unserer Bereitschaft, ein Beispiel zu empfangen und es lebendig werden zu lassen. Und all dies, wird „das Werk des Schöpfers“ genannt, da wir das Beispiel, das wir erhielten und selbst verwirklichen, mittels der Kraft und der Weisheit, die auch von oben kommen.

Während des ganzen Prozesses müssen wir nur das Verlangen haben aufzusteigen – das Verlangen, das wir von der Umgebung empfangen.

Aus dem 1.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 02/03/2011, Schriften von Rabash

Unendlicher Genuss statt „Black Friday“

Frage: Ich habe so lange auf den „Black Friday“ gewartet, um mir ein E-Bike zu kaufen. Am Ende habe ich es gekauft – und plötzlich hatte ich überhaupt kein Verlangen mehr danach, obwohl ich es noch nicht einmal berührt hatte. Warum passiert das?

Antwort: So ist es immer. Solange dich etwas anzieht, was du noch nicht hast, existiert in dir das Verlangen danach und die Erwartung von Genuss. Du stellst dir den Genuss entsprechend dem Mangel, dem unerfüllten Verlangen vor – und empfindest ihn daher doppelt.

Doch sobald du das Gewünschte erhältst, tritt der Genuss in das Verlangen ein, erfüllt es – und schon willst du es nicht mehr wirklich. So sehr, dass das Verlangen nach einem Tag oder sogar nach ein paar Stunden vollständig verschwindet. Genauso wie beim Essen: Du beginnst selbst das köstlichste, besonders begehrte Gericht zu essen – doch jeder Genuss hat ein Ende.

Das Problem unserer Welt besteht darin, dass wir, sobald der Genuss in das Verlangen eintritt und es füllt – wie der Magen durch Nahrung –, plötzlich entdecken, dass der Genuss ein Ende hat. Und so endet alles, sogar das Leben.

Es stellt sich die Frage: Kann man Genuss so empfangen, dass er unendlich ist und ständig wächst, anstatt abzunehmen? Kann man es so einrichten, dass ich mit jedem Empfang immer mehr und mehr genieße – ohne jedes Ende? Dann würde unser Leben unbegrenzt, unendlich, ewig werden. Im Grunde liegt hierin das Geheimnis des ewigen Lebens. Es hängt einzig davon ab, wie wir unser Verlangen nutzen.

Die Frage ist nur: Wie kann man es erreichen, dass ich, je mehr ich empfange, desto mehr verlange – und dass es niemals dazu kommt, dass ich gesättigt bin und mir der Genuss überdrüssig wird, ja sogar widerlich? Ist das möglich?

Die Wissenschaft der Kabbala (hebr. Kabbala vom Wort „empfangen“ – lekabel) heißt deshalb „Wissenschaft des Empfangens“, weil sie davon spricht, wie man empfängt, wie man sich auf unendliche, unbegrenzte Weise erfüllt.

Wenn wir uns miteinander verbinden und der Genuss durch mich hindurchfließt – ich gebe ihn dir weiter, du dem Nächsten, der Nächste dem Dritten und so weiter – und diese Zirkulation ständig zwischen uns stattfindet, dann bleibt der Genuss bei niemandem stehen. Deshalb wird niemand so erfüllt, dass er nichts mehr will. Im Gegenteil: Der Genuss, der durch alle hindurchgeht, erneuert sich ständig, und jeder beginnt, den Genuss zu spüren, der von allen zu ihm zurückkehrt. So entsteht ein Genuss, der sowohl der Größe nach als auch der Zeit nach unendlich ist – das nennt man, dass wir die zukünftige Welt, ein ewiges und vollkommenes Leben, erreicht haben.

So geschieht es, wenn wir wissen, wie man den Genuss richtig empfängt. Deshalb wird diese Weisheit die Wissenschaft des Empfangens genannt – die Wissenschaft der Kabbala.

Frage: Wer beginnt zuerst zu geben? Ich? Oder soll ich warten, bis mir gegeben wird, und dann ebenfalls geben?

Antwort: Nein. Man kommt in eine kleine Gruppe, in der man lernt, wie man sich miteinander verbindet, sodass der Genuss von einem zum anderen übergeht und eine Zirkulation der Energie zwischen euch entsteht. Dann fühlt ihr euch, als würdet ihr – wie in einem Raumschiff – über unsere Materie, über all diese Vergänglichkeit und Begrenztheit von Bewegung, Raum und Genuss hinausgehoben. So tretet ihr in eine andere Dimension ein, jenseits aller Beschränkungen dieser Welt.

Kommt und probiert es aus!

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Basierend auf einem Interview mit dem Kabbalisten Dr. Michael Laitman auf 103FM am 1. Januar 2016. Geschrieben/editiert von Studenten des Kabbalisten Dr. Michael Laitman.

Das Gesetz von Wurzel und Zweig

Frage: In Baal HaSulams Artikel „Das Wesen der Wissenschaft der Kabbala“ steht, dass Kabbalisten seit Jahrtausenden eine bestimmte Sprache benutzen, um ihre spirituellen Zustände zu beschreiben. Es gab vier solcher Sprachen: die Sprache der Tora, die Sprache der Gesetze (Alacha), die Sprache der Überlieferungen (Agada) und die Sprache der Kabbala.

Warum ist gerade die Sprache der Kabbala heute für unsere Generation am besten geeignet?

Antwort: Die Sache ist, dass man, wenn man die höhere Welt entdeckt, sie ganz persönlich und innerlich versteht. Und wenn er etwas an einen anderen weitergeben will, findet er keine Worte dafür, weil es sich um innere Empfindungen handelt. Diese müssen durch äußere Handlungen ausgedrückt werden, die einen Eindruck auf den anderen machen, damit dieser dann dieselben Empfindungen und dasselbe Verständnis in sich selbst wiederherstellen kann.

Um also seine Empfindungen einem anderen Menschen zu vermitteln, der sich beispielsweise auf derselben Stufe wie ich befindet, muss man einen Code finden. In der modernen Technik verbinden wir beispielsweise zwei Computer über ein Modem, und zwischen ihnen entsteht eine Kommunikation. Wie kann man eine solche Kommunikation zwischen uns herstellen?

In der normalen Welt haben wir eine Gemeinsamkeit von Empfindungen, Begriffen, Umständen, also eine Sprache, die aus dem Alltag stammt. In der spirituellen Welt gibt es diese Sprache ursprünglich nicht, und wir wissen nicht, auf welcher Stufe und wo sich unser Gesprächspartner befindet, wenn er überhaupt in der Empfindung der Höheren Welt ist.

Und hier stellt sich die Frage, wie wir uns verbinden können, wie die Gesetze der Kommunikation hier aussehen. Deshalb mussten die Kabbalisten eine Sprache erfinden, um miteinander zu reden und zu verstehen, auf welcher Ebene der Erkenntnis der Höheren Welt sich jeder von ihnen befindet, was genau sie fühlen und wahrnehmen.

Es kann gut sein, dass andere nicht das spüren, was ich spüre, obwohl sie auch auf einer bestimmten Stufe der Erkenntnis sind. Oder ist das nur eine Einbildung von ihnen oder von mir?

So haben wir ein riesiges Feld von Unbekanntem, das wir irgendwie sortieren, verstehen und bearbeiten müssen. Genau hier kommt das Problem der Kommunikation ins Spiel – vor allem sogar rein äußere: Wie werde ich das den Menschen erklären, mit welchen Worten, Buchstaben, Ausdrücken, Gesten, vielleicht Tänzen oder Farben oder Klängen usw.? Wenn alle Methoden der Informationsübermittlung von Mensch zu Mensch irdischer Natur sind, wie kann ich dann etwas Spirituelles vermitteln? Nichts davon gibt es in der materiellen Welt.

Deshalb haben die Kabbalisten zuerst die Sprache der Zweige erklärt: Alles, was in unserer Welt existiert, hat seinen Ursprung in der spirituellen Welt. Die spirituellen Kräfte kommen nach und nach in unsere Welt und nehmen hier eine materielle Form an: eine bestimmte Größe, eine bestimmte Form, einen bestimmten Klang, eine bestimmte Farbe usw.

Wenn ich zum Beispiel „Glas“ sage, meine ich ein Glas in der höheren Welt, also die Kraft, die in unserer Welt dieses Objekt sozusagen reproduziert.

So entstand die erste Sprache – die Sprache der Tora in Form von historischen Erzählungen.

Frage: Heißt das, dass die Kabbalisten die Schlange betrachteten und diesen Reptil einen bestimmten spirituellen Zustand gaben?

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