Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Spirituelle Arbeit'

In eine Wolke gehüllt

Frage: Was ist unser Ego? Ein Gefühl oder eine mentale Wahrnehmung ?

Antwort: Wir können das Gehirn mit einer Kinoleinwand vergleichen, da es vollkommen leer ist. Heute kannst du für mich furchtbar aussehen und morgen, wenn ich in einem anderen Zustand bin, seh ich in dir plötzlich einen wunderschönen Menschen, der viel Lebensenergie ausstrahlt. Ist es mein Gehirn, das mir dieses Bild malt, ist es der Bildschirm? Oder projiziere ich diese Bilder? Mein Ego, meine Interessen, erzeugen diese Bilder, aber wir sind nicht in der Lage, dies im vollen Ausmaß zu verstehen.

Wir denken, dass wir objektiv sind, wenn es um die unbelebte, pflanzliche oder tierische Stufe geht, aber auf der Ebene des sprechenden, also den Beziehungen zwischen uns, gibt es verschiedene Variationen. Verallgemeinernd ausgedrückt kann man sagen, dass wir nicht begreifen, dass wir unsere Welt auf allen Ebenen aus dem Verlangen zu Empfangen wahrnehmen.

Aus diesem Grund wird unsere Welt als imaginär bezeichnet, weil sie nicht wirklich existiert. Sobald das Ego gereinigt wurde, von der Wahrnehmung dieser Welt, wird sie verschwinden. Und was wird übrigbleiben? Nichts?

Womit bleiben wir dann zurück? Versucht, dieses Etwas zu definieren. Beginnt eine neue Welt zu erschaffen. Es hängt alles davon ab, was Ihr auf der Leinwand eurer Wahrnehmung zeichnet.

 

Frage: Aber wie zeichnen wir diese Bilder, wenn alles uns sofort so real erscheint?

Antwort: Ich stelle mir eine Kraft vor, die mich steuert, die mich umgibt, die mich organisiert und mich verwirrt, die mir positive und negative Gedanken sendet. Die gesamte Situation, die Blase, in welcher ich mich befinde, steuert mich. Es ist wie ein Science Fiction Film, da wir uns etwas vorstellen müssen und permanent an unserer Vorstellung arbeiten. Ich stelle mir einen bestimmten Ort vor, an dem eine bestimmte Kraft aktiv ist. In der Zwischenzeit brauch ich aber die dreidimensionale Illusion und die diversen Phänomene von Raum und Zeit. Ich bin damit verbunden, ob ich will oder nicht.

Ich stelle mir eine Kraft vor, die mich umgibt wie eine Wolke. Diese Kraft steuert mich in die jeweilige Richtung und in jedem möglichen Aspekt. Sogar jetzt, wenn ich darüber nachdenke, steuert sie mich; ich bin entspannt, lasse die Kraft an mir arbeiten. Aber was bleibt für mich zu tun?

Ohne meine eigene Zugabe kann ich mich eigentlich nur nach einem guten Zustand, einem guten Gefühl sehnen und dieser Kraft danken für ihre gute Obsorge. Dies hat in mir einen Mangel in meinen Gefühlen erzeugt, ein Verlangen für mich zu empfangen und ich fühle mich wohl in dieser Welt, unter ihrer Herrschaft. Es stellt sich heraus, dass wir sonst nichts benötigen.

Die gesamte Epikureische Schule beruhte auf diesem Prinzip. Andere östliche Methoden glauben auch an Nirwana und Friedfertigkeit. Diese Herangehensweise ist tatsächlich die tiefste, da sie auf der Furcht, etwas zu unterbrechen und der Furcht, gegen den Schöpfer zu handeln, beruht. Demnach muss es mir stetig gut gehen. Ich versuche, mit dem was ich habe, ständig ruhig, entspannt und glücklich zu sein – nicht weil das Ego mich dazu zwingt, sondern aus einem erhabeneren Motiv heraus. Kurz gesagt, Abraham konnte mit dieser Einstellung gut in Babylon arbeiten.  [117735]

Aus dem 4 Teil des Morgenunterrichtes 02/10/13, Schriften von Baal HaSulam

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

RavFrage: Warum bin ich so vergesslich und ständig in Gefahr, den roten Faden zu verlieren, dass wir als ein „Mensch mit einem Herzen“ handeln sollten?

Antwort: Weil du es nicht als dringendes Bedürfnis fühlst – das ist das ganze Problem. Wenn ein Mensch krank ist, denkt er ständig nur über die Medizin nach, die ihn heilen kann. Es wird gesagt, dass das Licht alle Krankheiten heilt. Wir fühlen das nicht. Wir können die Weisheit der Kabbalah als Weg für die generelle und persönliche Entwicklung erkennen, da wir uns dadurch wohl fühlen. Wir sind nicht bereit, alles zu tun, was notwendig ist, da das Ziel uns nicht stark genug anzieht. Es fehlt uns der Ansporn, alles zu geben. Was passiert in dieser Situation? Es heißt: „Ich werde ihnen einen König wie Haman vorsetzen…“ und weil wir keine Wahl haben, werden wir tun müssen, was zu tun ist, was bedeutet, auf dem Weg des Leidens.

Die Leiden sind notwendig, aber wir können sie durch innere Leiden ersetzen, um uns zu schütteln und das Verlangen nach dem Ziel zu verstärken. Wenn das Ziel wichtig ist und ich mich weit davon entfernt fühle, dann leide ich. Ich ignoriere den Schmerz nicht, aber ich versuche, den Graben zwischen mir und dem Ziel zu überwinden. Das bedeutet, dass der Schmerz mich nach vorne schiebt. Stattdessen ruhen wir uns stets wieder aus, denken, dass alles halb so schlimm ist, glauben, dass wir warten können. Baal HaSulam warnt uns im Buch, „Frucht der Weisen“ „Brief 13“… Die Wahrheit wird ihm den Weg zeigen und derjenige, der Sorgen hat, wird diese bewusst werden lassen; weder verbergen noch zurückhalten wird er sich.

Tatsächlich werde ich euch so wahrnehmen, wenn das Heute zu morgen wird und statt „jetzt“ wirst du „später“ sagen. Es gibt dagegen keine Medizin außer viel Anstrengungen zu unternehmen, den Fehler zu begreifen und das Missverständnis, das derjenige, der vom Schöpfer erlöst werden soll, heute von Ihm erlöst wird – derjenige allerdings, der auf morgen wartet, wird erst nach seinem Tode weise werden. Du fühlst dies, da du meine Anweisung, dich in der Liebe zu Freunden zu verausgaben, ignoriert hast. Ich habe es dir in allen möglichen Varianten erklärt und näher gebracht, da es im Stande ist, dir alles zu geben was dir fehlt.

Alles, was uns gegeben wird, dient nur zu einem einzigen Zweck, nämlich die Liebe zu Freunden zu intensivieren, um das Licht anzuziehen, das erneuert und alles korrigiert. Wenn wir eine Handlung vollziehen wollen, müssen wir überprüfen, ob sie uns zu einer stärkeren Verbindung führt oder eher in die Trennung. Dann werden wir sofort verstehen, was es zu tun gilt und was nicht; woran wir uns annähern sollen und wovon wir uns zu entfernen haben. Es ist so, weil wir das Licht nur durch die Verbindung zwischen uns anziehen. Wenn wir uns verbinden, ziehen wir eine zusätzliche Portion Licht an, und so weiter und so weiter. Das ist das ganze Geheimnis und es gibt nicht mehr als das. [118299]


Aus dem 2 Teil des Morgenunterrichts, 10/10/13, Der Sohar

Das allerwichtigste Gebet

MaN ist eine Handlung, die aus dem Verlangen und nicht aus der Vernunft stammt. Dieses Gebet ist aus dem gemeinsamen Verlangen Bina und Malchut geboren. Wir müssen ein solches Gebet erheben. Wir müssen erkennen, dass es für uns sehr wichtig ist. Das heißt „Erhebung“.

Die gesamte Maßskala befindet sich in meinem Inneren. Ich habe allerlei Forderungen und Verlangen, die ich nach bestimmten Prioritäten ordne. Die oberste Priorität muss ich jedoch der Kraft der Vereinigung geben, innerhalb welcher ich den Schöpfer offenbaren will, um Ihm dadurch Freude zu bereiten.

Sobald ich alle Handlungen, alle Verlangen so verteile, dass die Vereinigung wichtiger als alles anderes ist, erhebe ich МaN. Ich stelle die Notwendigkeit der Vereinigung, der Korrektur und der Offenbarung des Schöpfers (für Seinen Genuss) an die oberste Stelle. Das heißt „Aufstieg“.

Ich schicke diese Bitte weder per Post, noch per SMS zum fernen Stern. Alle Welten befinden sich innerhalb des Menschen – dort fängt alles an, verwirklicht sich und geht zu Ende – alles existiert in seinem Bewusstsein. Deshalb muss ich mich so organisieren, dass sich alle meine Verlangen auf einer Prioritäten-Linie befinden – äußerliche materielle Verlangen: Nahrung, Sex, Familie, Geld, Ehre, Wissen, sowie die Verlangen, die sich dieser Welt entziehen. Auf der obersten Stufe dieser Treppe der Prioritäten muss sich mein Verlangen befinden, den Schöpfer durch unsere Verbindung Zufriedenheit zu geben, um Ihm zu ermöglichen, in uns offenbart zu werden.

МaN bedeutet „Mejn Nukwin“ (weibliche Gewässer). Das Wasser ist Bina, und die Frau, Nukwa, ist Malchut. Somit verbinde ich in meinem Gebet Bina und Malchut; ich verbinde die Teilchen des Verlangens, die Teile Malchuts, mit Hilfe des Wassers – der Barmherzigkeit (Chessed) – mit der Eigenschaft Bina. Ich will, dass sie gemeinsam existieren. Ich erhebe diese Bitte, ich will mich mit anderen dank der Eigenschaft der Barmherzigkeit, Bina, mit der Eigenschaft des Gebens verbinden.

Deshalb heißt meine Bitte „weibliche Gewässer“ oder МaN. Ich erhebe sie; ich halte sie für das Wichtigste. Wenn ich mich bemühe, dieses Verlangen im Herzen mit allen Mitteln zu empfinden, dann ist das ein wahres Gebet: die Erhebung von МaN oder die Absicht.

Je nach meinen Bemühungen, es zu tun, wirkt auf mich das Licht, das zur Quelle zurückführt; es weckt in mir eine Menge verschiedener Zustände: Gedanken und Gefühle für die Einheit – und dagegen, für das Geben – und dagegen. Auf diese Weise durchlebe ich verschiedene Zustände, damit ich mehr verstehe, fühle und mehr Erfahrung sammle. So wird mir allmählich klar, was ein wahrhaftes Gebet, МaN, bedeutet

Auf diesem Weg werde ich Enttäuschung und Ungeduld erleben, Angst haben, keinen Erfolg zu haben. Ich werde auch Verwirrung bezüglich der Form des erwarteten Erfolgs empfinden: Tue ich alles für mich selbst oder für die Zufriedenheit des Schöpfers? Hier hilft es sehr, sich das ganze Universum vorzustellen: Die unbelebte Natur, Pflanzen, Tiere, Menschen – alle in Form der eigenen Verlangen, die von mir infolge des Zerbrechens abgetrennt wurden.

Sie erscheinen jetzt vor mir und ich muss sie alle mit mir verbinden, obwohl es mir so vorkommt, als würden sie sich außen befinden. Ich muss mich bemühen, mich dazu so zu verhalten, als würde das alles in meinem Inneren existieren. Dann werden meine Bemühungen auch Gebet – МaN genannt.

Indem ich an der richtigen Wahrnehmung der Realität arbeite und alle ihre Teile mit der Hilfe der Eigenschaft der Barmherzigkeit verbinde, bringe ich das allgemeine Gefäß zu seiner ursprünglichen Form, das heißt dem korrigierten Zustand näher. [118505]

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Vorwort 15/10/13

Auf der Welle der Empfindungsschwankungen

Frage: Die Menschen, die sich mit der Integralmethode beschäftigen, empfinden nicht nur positive sondern auch negative Zustände. Müssen sie diese Zustände unbedingt durchleben, oder kann man auf sie auch verzichten?

Antwort: Ich denke, dass man die negativen Zustände nicht umgehen sondern sie richtig erforschen soll, weil es unsere Natur ist, die auf diese Weise gezeigt wird. Unsere negative Natur wird uns deshalb offenbart, dass wir erkennen: Wir müssen uns über sie erheben!

In der Empfindung der negativen Zustände soll der Mensch wie der Sportler sein Vergnügen finden, der Schmerz und Hindernisse überwindet. Die Empfindung des Erfolges bei der Überwindung ist für ihn wichtiger als die Empfindung des Schmerzes. Das heißt, die Wichtigkeit des Ziels (die eigene Veränderung) überwiegt die unangenehmen Empfindungen, die wir auf unserem Weg erproben.

Obwohl wir über solche Empfindungen im Voraus nicht sprechen sollen, müssen wir immer versuchen, sie zu verbessern (nicht auszugleichen, sondern nur zu verschönern). Wir sollen den Menschen sofort andeuten, dass wir auf diese Weise unser Wesen erforschen und später sollen wir unsere Schüler schnell ins Seminar, in die Erörterung einführen.

Danach wäre als Hausaufgabe zum Beispiel wünschenswert,  alle negativen und positiven Empfindungen aufzuschreiben, und diese zum folgenden Unterricht mitzubringen. Die wichtigsten Schlussfolgerungen des Menschen soll man wiederum während des Seminars besprechen, weil möglicherweise seine Empfindungen auch alle anderen hatten. Ihr sollt gemeinsam eure Zustände besprechen: „Was empfinde ich? Wofür? Was bringen mir solche Empfindungen im Leben? Möglicherweise wäre es besser, wenn ich etwas anderes fühlen würde? Oder ist es doch besser, diesen Zustand zu empfinden?“. Wenn die Krankheit da ist, wird sie um Vieles stärker empfunden, als während der Anfangsperiode.

Deshalb ist es notwendig, dass die Menschen alle Probleme tief empfinden und aus eigener Erfahrung zur Lösung untereinander kommen. Der Ausbilder leitet das Gespräch und gibt das Besprechungs- thema vor, die Strömung des Gespräches, sowie die Schlussfolgerungen sollen die Teilnehmer selbst machen. Dann wird es tatsächlich ihr Begreifen, ihre Offenbarung! Als ob sie selbst ein neues Naturgesetz, eine neue Wechselwirkung offenbart hätten, was früher niemand von ihnen beobachtete, und was sie jetzt gemeinsam offenbaren.

Das sind sehr ernste Dinge! Wir sollen sie aufzeichnen, bearbeiten und Aufzeichnungen aus den Gesprächen während der Seminare machen, damit andere Menschen auch solche Besprechun- gen durchführen, daraus lernen, etwas ergänzen. Folglich wird daraus die feinere, wirksamere Methode der Integralerziehung entstehen. [118312]

Auszug aus dem TV-Programm „Durch die Zeit“ №2, 17/9/13

Ein Film, der vom Zuschauer bestellt wurde

Der Unterschied zwischen der spirituellen und der materiellen Welt besteht darin, dass die spirituelle Welt meinen inneren Zustand darstellt. Vor mir entsteht kein äußerliches Bild mit fliegenden Engeln und bösen Geistern. Gleichzeitig ist auch diese Welt, die wir äußerlich empfinden, unser innerer Zustand. Alle Empfindungen entwickeln sich innerhalb des Materials, innerhalb unserer Wahrnehmung.

In den vorigen Jahrhunderten, hielten die Menschen  Geisteskranke mit Visionen für Heilige und Wahrsager. Später hat die Psychologie erklärt, dass diese Hallutinationen durch die inneren Prozesse hervorgerufen sind, die im Menschen geschehen. Die Wissenschaft Kabbala stimmt den Schlussfolgerungen der Psychologie zu.

Seit dem Altertum, seit dem Beginn des Begreifens des Schöpfers behauptet die Kabbala, dass die Bilder dieser Welt eine Folge unserer inneren Empfindungen sind. Wir können aber unsere Psyche, unsere Wahrnehmung ändern, um nicht in dieser Strömung der Realität zu leben, die spontan entsteht und uns das Bild dieser Welt zeichnet, sondern um selbst zu wählen, welchen Film wir sehen wollen.

Dafür müssen wir erforschen, wer der Mensch als solcher ist, wer ihn lenkt, wie er handelt; dann können wir uns selbst mit rationalem, vernünftigem Blick anschauen. Wie gesagt wird: „ein Richter traut nur seinen Augen“, und alles übrige sind die Phantasien. Mein ganzes Leben und diese Welt ist auch ein Traum.

Kabbala gibt uns die Instrumente für eine solche Veränderung – dadurch unterscheidet sie sich von den übrigen Herangehen der religiösen oder wissenschaftlichen Theorien. Kabbala gewährt uns die Mittel für die Veränderung eigener Träume und  vorgestellter Bilder, in denen wir leben; sie lässt zu, diese zu studieren, sie von der Seite her anzuschauen und die Kräfte, die darin heltin und für uns diese Bilder schaffen,  zu erkennen. Sie erhebt uns bis zu jener Stufe, auf der wir selbst beginnen, diese Bilder, die Form der Welt zu bilden. Eigentlich beginnen wir selbst zu bestimmen, in welcher Dimension wir uns befinden wollen, was zu tun ist.

Folglich steigen wir auf das Niveau des Begreifens der lenkenden Kräfte hinauf und lernen diese zu benutzen. Und schließlich offenbaren wir hinter diesen Kräften die höhere Vernunft, das Vorhaben des Schöpfers. Es ist schon die höchste Stufe, wonach wir entsprechend dem Schöpfungsziel die volle Verschmelzung mit dem Schöpfer erlangen.

Auch dieser Zustand istnur der vorübergehende Gipfel.  Und was folgt dahinter ? – kommt Zeit, kommt Rat. Denn wir werden schon in einer anderen Form existieren. Und es gibt weitere neue Stufen des Begreifens und des Aufstiegs. Aber sie sind mit dem Material des Verlangens bereits auf keine Weise verbunden, denn wir hatten in Bezug auf das Materielle unsere Beziehung korrigiert. Dieses neue Begreifen geschieht außerhalb der „Materie“, in den höheren Eigenschaften. [118181]

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 10/10/13

Kauf die Wahrheit und verkauf sie nicht

Frage: Es heißt: „Die Belohnung erfolgt entsprechend der Sorgen.“ Doch warum sollte man leiden und Sorgen haben; sollten die Diener des Herrn nicht glücklich sein?

Meine Antwort: Ich sehe nicht, dass meine Studenten stets glücklich sind, so als wären sie mit dem Schöpfer verheiratet. Wir arbeiten gegen unsere Verlangen und das benötigt riesige Anstrengungen – eine ständige Konzentration auf die Verbindung, auf die Annullierung des Ego und die Absicht, nicht über sich selbst nachzudenken.

Ich bin gezwungen, mich ohne Belohnung im egoistischen Verlangen zu empfangen anzustrengen. Ich habe mich bemüht, Kalorien verbrannt – und beide, sowohl meine Seele als auch mein Körper verlangen eine Füllung dafür. Doch ich bekomme nichts; wie kann also mein Körper mit der Arbeit weitermachen, wenn er nichts dafür erhält? Denn er ist eine Maschine, eine physiologische wie geistige – und beide müssen Treibstoff bzw. Füllung bekommen.

Mir wird gesagt, dass ich nur unter der Bedingung, dass ich ohne Gegenleistung arbeite, eine Füllung bekomme. Doch ich will natürlich trotzdem etwas für mich selbst erhalten und daher wird meine Anstrengung von Leid begleitet. Denn ich muss mein Ego aufgeben, auf die Belohnung verzichten und soll die ganze Zeit über an jemanden anderen denken anstatt an mich. Ich sehe klar, dass ich dazu nicht im Stande bin und daher wende ich mich an den Schöpfer. Doch bis zu diesem Zeitpunkt, wo ich mich an Ihn wende und Er mir antwortet, muss ich unangenehme Zustände in Kauf nehmen… und das ist eine schwierige Zeit.

Wenn ein Mensch zum ersten Mal in die Gruppe kommt, ist er glücklich und bereit, alles zu tun, sogar Berge zu versetzen. Später jedoch merken wir, wie er „abkühlt“ und er rückt immer weiter aus dem Blickpunkt; anstelle dass er irgendwo in den ersten Reihen sitzt, zieht er sich immer mehr in Richtung Ausgang zurück, bis er letztendlich völlig verschwindet.

Es heißt: „Tausend gehen in einen Raum hinein und nur einer kommt als Lehrer heraus.“ Heutzutage ist es nicht einer sondern viele, aber das Prinzip ist noch immer gültig. Es sind nur jene, die alles aufgeben können und die sich um nichts anderes kümmern, weil sie wissen, dass es keine andere Wahrheit gibt. Und deswegen sind sie hier. Das nennt man: „Kauf die Wahrheit, aber verkauf sie nicht!“ Doch es gibt nicht viele davon und alles hängt vom Verlangen des Menschen ab, von dem Punkt im Herzen, den ihm der Schöpfer gab.

Ein Mensch kann auch zum Schöpfer beten, obwohl es sehr schwierig und kompliziert ist. Wenn ein Mensch kein Verlangen zu empfangen hat, den Punkt im Herzen, der ihm Hilft, das Schöpfungsziel von Geburt an zu erreichen, dann kann er noch immer mit einem inständigen Gebet danach bitten, trotz des schwachen Punktes in seinem Herz. Als überspränge er eine Generation nach der anderen, ein Leben nach dem anderen.

Er bekommt nun direkt, was er in einigen Lebenszyklen entsprechend dem allgemeinen Plan empfangen hätte sollen – durch die Reinkarnation in diese Welt, das Leben, das Leiden, das Sterben und die erneute Wiedergeburt. Als könnte er durch die Zeit reisen.
[117515]

Aus dem ersten Teil des täglichen Kabbalaunterrichts, 29.09.13, Schriften des Baal HaSulam

Der Prophet – die Arbeit und die Neigung

Baal HaSulam, „Ein Gebot“: Obwohl Moses die Tora und die Gesetze für alle Generationen übernommen hat und deshalb kein Prophet berechtigt ist, dazu etwas Neues beizutragen, war seine Prophezeiung nur für eine bestimmte Zeit gegeben.

.. und die Bestimmung jedes Propheten ist es, die ursprüngliche Prophezeiung für jene Generationen fortzusetzen, die nicht würdig sind, sie vom ersten zu empfangen. Und der letzte Prophet ist der Messias, der alle ergänzt. Aber gewiss ist auch er nicht berechtigt, etwas hinzuzufügen oder wegzulassen. Und sein Erfolg wird größer sein, da die ganze Generation bereit sein wird, seine Worte wahrzunehmen und mit seiner Hilfe zur Vollkommenheit zu gelangen.

Frage: Was bedeutet der Begriff „der Prophet“?

Meine Antwort: Ich werde im Maß meines eigenen Verständnisses sprechen. „Der Prophet“ ist ein Mensch, der mit dem Schöpfer entweder auf der Stufe Bina (wo er „hört“), oder auf der Stufe Chochma (wo er „sieht“) verbunden ist. „Der Prophet“ ist ein Bote, der insbesondere außerhalb von sich handelt – für die Öffentlichkeit, um der Korrektur der Gefäße willen.

Im allgemeinen System geschehen verschiedene Korrekturen: Allerlei Teile der Wünsche werden untereinander in allerlei Formen kombiniert. So hat ein bestimmtes „Gebiet“ eines bestimmten Verlangens oder eines bestimmten Teils eine Aufgabe, zusätzliche Korrekturen anderer Wünsche, „Gebiete“, oder Teile des Systems hervorzurufen. Und in Bezug auf sie heißt dieser Teil „Prophet“. Durch ihn erfolgt für die Korrektur dieses oder jenes Teiles der allgemeinen Seele der Zusatz des Überflusses.

Insgesamt besteht die Schöpfung aus den Teilen der unbelebten, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Natur, die sich miteinander verbinden. Plötzlich wird ein bestimmter Teil enthüllt, der für die anderen Teile eine besondere Kraft und eine besondere Lenkung ausstrahlt. Der Einfluss dieses Teiles ist nicht auf eine vorgegebene Periode seiner Tätigkeit beschränkt, sondern schließt sich dem System an, das im Laufe von einer bestimmten Zahl an Handlungen oder „Jahre“ korrigiert werden muss.

So wirkt ein Prophet zu seiner Zeit, aber seine Handlungen und Beiträge bleiben für immer im System. Durch sein besonderes Gefäß, seine besondere Seele wirkt der Schöpfer auf andere.

Einerseits ist Wahl des Schöpfers vom Inneren des Systems und andererseits auch die Arbeit des Menschen. Die Arbeit, die so lange wartet, bis er zu dieser Mission bereit ist – die jedoch schon vorherbestimmt ist und deshalb unvermeidlich kommen wird. [117621]

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel von Baal HaSulam „Ein Gebot“, 01.10.2013

 

Also sollte der Student zum Sohn des Lehrers werden

Dr. Laitman in einer PodiumsdiskussionAls ich Rabashs Schüler war, konnte er mir jede Frage beantworten; er tat es aber nur in dem Ausmaß, wie sie zur Enthüllung dienlich war. Wenn man mehr enthüllt als ein Mensch fassen kann, könnte es ihm schaden.

Ein Lehrer weiß genau, was enthüllt werden kann und was verborgen bleiben muss; und er kann dies nur dem loyalen Studenten offenbaren. Dies geschieht üblicherweise unter Verwandten, mit einem Sohn oder einem Schwiegersohn. Das ist interessant, da sie deinen guten Ruf schätzen.

Du kannst nicht wichtiger für einen Studenten sein als er für sich selbst ist. Das ist die Essenz unserer Natur! Du musst dich verbergen, damit sie immer das Gefühl haben, hier etwas überwinden zu müssen.

Was zeigen uns die irdischen Schwierigkeiten, wenn man einander näher kommen will? Wenn deine Gefolgschaft dein Sohn ist, dein Schwiegersohn oder ein Bruder, werden sie dich wertschätzen – egal was geschieht. Selbst wenn sie absteigen in die weltliche Ebene, werden sie deinen Namen verteidigen, da es auch ihr Name ist. Ein Student allerdings verliert den Kontakt zu dir im Zuge des Abstieges und hört auf, dein Student zu sein.

Der Mensch kann nichts dafür. So sind die Verbindungen zwischen uns von Natur aus organisiert. Du kannst dem Studenten nicht das gleiche geben wie einem Sohn, einem Schwiegersohn oder einem anderen Verwandten.

Dies ist sehr bedeutungsvoll in der ersten Phase. Ein Student kann wie ein Sohn sein, wenn er mit dir spirituell verbunden ist. Was für eine andere Verbindung könntest du sonst mit ihm haben? Du versuchst, ihn auf die spirituelle Stufe zu bringen, aber die Frage ist dennoch, bis zu welchem Grad er dazu im Stande ist.

Es geht um interessante materielle Eigenschaften und wie sie mit dem Spirituellen in Berührung kommen, doch in der Zwischenzeit durch das blanke Ego. Wenn wir im Bezug zu einem Verwandten die Loyalität prüfen, existiert sie bis zu einem gewissen Grad, da sie auf dem Egoismus gründet. Du könntest übertreiben und sie würden es niemals gegen dich verwenden. Es ist möglich, ihnen etwas mehr zu offenbaren als anderen Menschen.

Aber die Wurst hat zwei Enden. Der Student kann bis zu einer Stufe wachsen, indem er den Lehrer als seinen Vater anerkennt, ungeachtet der Tatsache, dass sich sein Inneres auflehnt. Hier tritt eine gegenteilige Eigenschaft zu Tage und der Student kann sogar mehr tun als der eigene Sohn. Um das zu schaffen, müssen beide sehr intensiv arbeiten.  [116861]

Aus KabTV „Geheimnisse aus dem Ewigen Buch“ 29/7/13

 

Was Baal HaSulam zum spirituellen System beitrug [117507]


Baal HaSulam „Ein Gebot“: Die früheren Weisen bevorzugten ihren eigenen, persönlichen Weg. Ich hingegen habe einen allgemeinen Weg gewählt, weil dieser, meiner Meinung nach, besser mit dem göttlichen Anliegen übereinstimmt – in die ewigen Buchstabenkombinationen, die sich niemals ändern, gekleidet zu sein. Ich möchte sagen, dass sie sich mit fassbarem Erfolg nirgendwo und niemals  ändern werden. Deshalb sind meine Worte begrenzt. Aus obigem Grund war ich gezwungen, Spiritualität in einer allgemeinen Weise auszudrücken. Doch trotzdem entschloss ich mich zu einer Erklärung aller Einzelheiten und spiritueller Kombinationen bis ins kleinste Detail, die keinen anderen Ursprung haben als die Reinheit der Kabbala. Und da ich die spirituellen Einzelheiten kläre, ohne sie in körperliche Verbindung einzukleiden, wird dies der weiteren Entwicklung der Erkenntnis sehr gut tun. Und diese Weisheit wird als „Weisheit der Wahrheit“ bezeichnet.

Erst nach vielem Winden und Wenden und Enthüllungen entlang des Weges realisiert jener, der den Pfad der Wahrheit geht, wie sehr Baal HaSulam das System verändert hat. Es erscheint, als hätte er lediglich neue Texte verfasst, jedoch sprechen wir von Veränderungen im System selbst.

Im Allgemeinen ruft jeder Kabbalist durch seine Korrekturen und Hinzufügungen Veränderungen im System hervor. Es bedeutet, das System als Ganzes oder im Detail, in der einen oder anderen Form zu „klären“. Es geht nicht darum, die spirituelle Welt in bestimmten Worten oder einem besonderem Stil zu beschreiben. Nein, Baal HaSulam modernisierte das System und fügte Komponenten hinzu, sodass spirituell wachsender Mensch sie auf seinem Weg nutzen kann, stets Unterstützung und Beschleunigung erfährt und auf diese Weise voranschreitet.

So erfolgt die Analyse der Klärung sowohl im Ganzen als auch im Detail und macht mehr Unterscheidungen notwendig, um mit einer höheren Rate zum Schöpfungsziel zu gelangen. Sie unterscheidet sich von jener Rate, die das frühere System bot, bevor Baal HaSulam seine Änderungen hinzugefügt hatte.

Jeder Kabbalist fügt etwas hinzu, jeder modifiziert das System und dies bezieht sich nicht nur auf das Verfassen eines Buches. Baal HaSulam spricht über die Weisen des Talmud, die solche systematischen Korrekturen vornahmen, sodass man anstatt durch Askese durch Anstrengung und Studium vorankommen konnte. Er selbst machte so eine Korrektur am System, sodass wir, anstatt zu studieren, uns mehr mit Handlungen der Verbreitung und Verbindung beschäftigen können.

Das Licht, das Erneuert, hängt mehr von den Handlungen ab, die auch „Torastudium“ genannt werden. Die „Tora zu studieren“ bedeutet, Handlungen des Gebens zu erlernen – und sie so auszuführen, dass sich das Licht Chochma in das Licht Chassadim kleiden kann und beide zu „Buchstaben des Lebens“ werden. Daher schreibt ein Mensch das Buch der Tora auf die Tafel seines Herzens und schreitet am Weg vorwärts.

Wir lernen aus dem „Buch des Lebens“, wir leben darin, erfahren es praktisch und enthüllen seine Buchstaben in Form der Zustände, die unsere Verlangen bzw. Gefäße durchdringen. Und Baal HaSulam arrangierte es so, dass wir, indem wir unsere persönlichen Handlungen durchlaufen, Wissen über das System als Ganzes erlangen. Wir überschauen einen riesigen Schirm, der das große Ganze zeigt, und blicken in die Ecke, die davon nur ein kleiner Teil ist. Wie ein Chirurg, der einerseits Vitalparameter und Gesundheitszustand des Patienten überblickt aber gleichzeitig auch das Operationsgebiet.

Obwohl wir uns individuell bewegen, sind wir gleichzeitig durch die Eindrücke des Gesamtprozesses durchdrungen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Ein Gebot“, 29.09.2013

Arbeit ohne Kompromiss [116944]


Rabash, Brief 29: Hier versicherte uns mein Meister, Vater, Lehrer und Rav gesegneten Andenkens, dass wir uns Seine Ewigkeit verdienen, gesegnet sei Er, Ihm angeheftet sein werden und in den Palast des Königs eintreten werden, wenn wir Seinem Weg folgen und Seine Vorgaben erfüllen.

Wir müssen auf grundsätzliche Weise alle Voraussetzungen und Gesetze klären, die uns Baal HaSulam vorgab und sie bis ins kleinste Detail einhalten. Denn wenn wir nur im Geringsten abweichen, werden wir sofort das Ziel verfehlen und nicht einmal merken, dass wir ihm bereits nahe gewesen waren. Daher müssen wir uns in unserer Arbeit strikt an die Bedingungen halten. Darin müssen wir buchstäblich ein „Fels in der Brandung“ sein, damit es niemandem gelingt, uns zu Fall zu bringen.

Es gibt weder Kompromisse, Hypothesen oder Entschuldigungen, um diese Arbeit leicht, angenehm, glatt oder scheinbar erfolgreicher machen zu können. Es gibt keinen Erfolg außer an den Bedingungen festzuhalten, die uns Baal HaSulam lehrte. Nur darin müssen wir unseren Erfolg sehen und sonst nirgends. Wenn ich daher manchmal Klagen höre, sehe ich darin eine Verdorbenheit und einen Versuch, uns vom Weg abzubringen. Doch gerade an diesem Punkt müssen wir ohne Kompromisse aufrecht stehen.

Die Schriften des Baal HaSulam, „Die Lehre der Kabbala und ihr Wesen“: Ich bin glücklich, in diese Generation hinein geboren zu sein, in der es erlaubt ist, die Weisheit der Wahrheit zu enthüllen. Und solltest du fragen „Wie weißt du, dass es erlaubt ist?“, werde ich antworten, dass mir die Erlaubnis gegeben wurde, sie zu offenbaren. Bis heute wurden die Möglichkeiten, durch welche man sich öffentlich damit befassen und jedes Wort genauestens erklären darf, noch keinem Weisen enthüllt.

So können wir die gesamte Weisheit der Kabbala nur entsprechend der Zuhörerschaft enthüllen, um sie nicht zu verwirren. Doch es gibt keine Geheimnisse mehr.

Und die Sache hängt nicht nur von der Genialität des Kabbalisten selbst ab, sondern viel mehr vom Zustand, in dem sich die Generation befindet; denn mein ganzer Verdienst in Bezug auf die Enthüllung der Weisheit gründet allein auf meiner Generation.

Wir gehören einer einzigartigen Generation an, die nicht nur mit den Anweisungen Baal HaSulams übereinstimmt, sondern die auch durch alle äußerlichen Erscheinungen dazu auserwählt ist, die Weisheit der Kabbala umzusetzen und zu verbreiten. Daher wird jedem Menschen Erfolg garantiert, der resolut und direkt in Richtung Ziel marschiert, der keine faulen Kompromisse eingeht und die Kabbala als wichtigstes Thema in seinem Leben betrachtet. Und Jemand, der aus der Kabbala ein Geschäft machen oder sie zum eigenen Vorteil nutzen will, wird scheitern.

In unserer Generation ist das nicht länger möglich. Die Zeit ist gekommen, da wir diese Methode nicht als eine Art Mystizismus, Religion oder Tradition betrachten dürfen. Alle Religionen zerfallen und nur diese Methode wird erblühen und den Menschen ermöglichen, sich aus den Ruinen bisheriger Glaubensrichtungen, Religionen oder anderen Methoden zu erheben.

Auszug aus einem Gespräch während der Mahlzeit anlässlich des Gedenktags von Baal HaSulam, 15.09.2013