Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Spirituelle Arbeit'

Die Kraft des höheren Segens [108678]

Frage: Was versteht man unter dem Dialog zwischen den Buchstaben und dem Schöpfer, der im Buch Sohar, Kapitel „Die Buchstaben des Rabbi Hamnuna Saba“ beschrieben wird?

Meine Antwort: Wir wollen die Eigenschaft jeder Kraft (ein Buchstabe) in Bezug auf Keter klären (das Ziel, das weiße Licht), die im allgemeinen System unseres Universums – das vom Schöpfer geschaffen wurde – agiert. Das System definiert Beziehungen zwischen der Kraft des Gebens und der Macht zu Empfangen.

Es gibt zwei Kräfte: „etwas aus Existierenden“ (Yesh mi Yesh) und „etwas aus Nichts“ (Yesh mi Ain) und ein System, das die beiden zueinander bezieht. Wie ist es möglich, „etwas aus Nichts“ mit „etwas aus Existierendem“ vergleichbar zu machen? Wie kann das Verlangen zu empfangen dem Verlangen zu geben ähnlich werden? Das Verlangen zu empfangen kann sich nicht in ein gebendes verwandeln, aber es kann letzteres nachahmen, indem es ebenso handelt. Dieses Verhalten bezeichnet man als „empfangen, um zu geben“.

Deshalb brauchen wir eine Wahrnehmung des Gebenden, weil wir uns über Ihn noch keine Gedanken machen; alles, worum wir uns sorgen, ist unsere Erfüllung. Um zum Empfangen um zu geben zu kommen, müssen wir denjenigen fühlen, dem wir geben und unser Verlangen in Übereinstimmung mit dem, was der Geber will, verwenden.

Unser Verlangen verwandelt sich in eine Methode, die den Schöpfer erfreut und so brauchen wir Kraft und Eigenschaften, die wir vorher nicht hatten. Wir wollen mit Jenem, Dem wir geben, „bekannt werden“ und wir sollten verstehen, warum wir dies tun. Mit anderen Worten müssen wir uns von uns selbst loslösen und beginnen, die innere Welt von jemand anderem zu fühlen.

Welche Eigenschaften, Kräfte und Verbesserungen sind erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen? Wir müssen dieses Problem lösen und einen bestimmten Prozess durchlaufen, um ans Ziel zu gelangen. Diese Frage wird uns durch die Buchstaben erläutert. Malchut fragt Keter, ob sie mit Hilfe des Buchstaben „Samech“ Keter gleich werden kann.

Keter antwortet Malchut, das dies nicht möglich ist. Sie kann lediglich einen Teil des Pfades zu Keter zurücklegen, sie kann nur ein Stück des Weges bis zu dem Ort gehen, wo Malchut sich von sich selbst absondert und Hilfe erhält (Simcha – Ableitung des Buchstaben „Samech“). An diesem Punkt ist Malchut nicht abhängig vom Verlangen, das sie am Anfang ihrer Reise hatte. Es ist, als ob sie in der Luft schweben würde.

Was folgt dann? Auf diese Art kann keine Korrektur erfolgen. Im Gegenteil, wenn Malchut voranschreiten will, muss sie empfangen um zu geben. „Samech“ will nicht empfangen. Dieser Buchstabe strebt zu nichts anderem als zum Geben, zu „Chafetz Chesed“. So, wie ein rechtschaffener Mann, der alleine in den Wäldern lebt und nicht einmal ein Hemd besitzt – und auch keines braucht.

Deshalb muss „Samech“ annulliert werden, weil die Kraft, die diesen Buchstaben umhüllt, für ihn zum Hindernis wird. Wir brauchen eine entwicklungsfähige Kraft des Buchstaben „Mem“, der aus zwei Buchstaben besteht: „Dalet“ (zwei Türen – Delet), der aufzumachen und den Fötus  hinauszulassen hat, damit er seine Entwicklung fortsetzen kann. Diese Tore sind zwei entgegengesetzte Kräfte, die miteinander kämpfen. Deshalb werden sie als Türscharniere (Tsirim) oder Geburtswehen (Tsirim) bezeichnet, im Sinne von Mühe der Weiterentwicklung. Die zweite Kraft, die „Samechs“ Schutz annulliert, wird stärker und der Fötus bekommt zusätzliches Verlangen sich zu erfreuen, das vorher unter der Macht des Egoismus stand, jetzt aber vom Empfangen zum Geben übergeht.

Es gibt nichts, das gänzlich gut ist. Es gibt keinen Buchstaben oder keine Kraft, die uns unter allen Umständen helfen kann. Ausgenommen der Buchstabe „Bet“, der so viel wie „Segen“ bedeutet. Der Buchstabe „Bet“ hängt von nichts außer dem Höheren ab. Wie man seinen Segen (im Sinne von zurückkehrendes Licht) erhält, kann durch „die Weisheit der Kabbala“ erlernt werden. Die übrigen Eigenschaften werden dank dieses Segens enthüllt und korrigiert.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Das Vorwort, 27.05.2013

Das Begreifen anstelle des Wortspiels [117315]

Der Unterschied zwischen der Unreinheit (Klipa) und der Heiligkeit besteht darin, dass Klipa zuerst verstehen will – statt sofort zu handeln, um erst infolge der Handlung das Verständnis zu erreichen, wie gesagt wird: „An Deinen Handlungen haben wir Dich erkannt“. Die dunkle Kraft will in der Vernunft begreifen und sucht nicht das spirituelle Begreifen.

Der Unterschied ist sehr fein und erscheint unbedeutend, aber um ihn muss man die ganze Zeit kämpfen. Denn gerade hier verläuft der Schnitt zwischen der leeren Philosophie – den Besserwissern, die unsere Methode kritisieren, als würden sie selbst etwas von der Spiritualität verstehen – und dem wahren spirituellen Weg. Wie kann man etwas verstehen oder über etwas sprechen, ohne spirituelle Erkenntnis zu haben?

Die Menschen können nicht verstehen, dass es außer den intellektuellen Überlegungen noch spirituelle Erkenntnis – die Veränderung der Eigenschaften und der Wahrnehmung des Menschen – gibt, in welchen er Lichter, Parzufim und Welten offenbart; und über die kann er sprechen.

Und stattdessen nimmt der Mensch Worte aus der Kabbala, Worte der Kabbalisten, die die spirituellen Kräfte und Systeme offenbart haben und „jongliert“ mit ihnen, als würde er verstehen, worum es sich dabei handelt bzw. was hinter jedem Wort steht. Es handelt sich also nur um ein Spiel mit der spirituellen Welt, wie bei einem Kind, das mit den Spielzeugen, mit dem Auto oder dem Panzer, spielt. Die Kinder stellen sich vor, dass alles tatsächlich geschieht, aber wir schauen sie an und wissen, dass es nur ein Spiel ist.

Ebenso urteilen die Menschen über die Kabbala, obwohl sie nur oberflächliche Informationen haben und über keinerlei Erkenntnis verfügen. Jedoch gereicht diese Tatsache auch zum Vorteil, denn bald werden auch sie den Fehler erkennen und das wahre Wissen anstreben; sie werden sich uns anschließen wollen.

Auszug aus dem Unterricht „Vorwort zum Buch Sohar“, 18.08.2013

Den Schöpfer kann man weder verstehen noch messen [117146]

Im Buch Sohar steht geschrieben: „Unter allen Weisen der Völker gibt es niemanden wie dich“. Es handelt sich dabei um Eigenschaften innerhalb eines Menschen. Cohen (Priester), Lewi, Israel – werden „Juden“ weil sie zur Einheit (Jehud) streben, welche im Hebräischen die selbe Wurzel haben. Wissenschafter oder Philosophen streben dasselbe an, doch es ist reine Theorie ohne jegliches Verlangen danach, sich zu ändern oder zu korrigieren.

Das ist nur Arbeit im Verstand und nicht im Herz. Aber wir müssen das Herz, das heißt die Verlangen des Menschen korrigieren. „Die Philosophen“ wollen dasselbe mit dem Verstand erreichen und werden deshalb verwirrt; sie beschäftigen sich mit „Götzendienst“ und erzeugen in ihren Köpfen allerlei Phantasien.

Alle Eigenschaften außer Israel (die direkt zum Schöpfer gerichtet ist) heißen „Völker der Welt“, da sie nicht danach streben, mit dem Schöpfer verbunden zu sein, um Ihn zu erfreuen. Die Völker der Welt werden auf 70 Völker und Israel auf 12 Stämme und noch eine Menge andere Teile unterteilt; das bedeutet, diese Teilung nimmt kein Ende. Dabei schließt jeder von uns alle anderen ein. Dies ist die Folge des Zerbrechens der Gefäße und dient uns als Vorbereitung.

Wenn wir deshalb im Buch Sohar über einen Philosophen oder Gerechten lesen, müssen wir diese auf Eigenschaften in uns beziehen. Die gesamte Tora schreibt über einen Menschen, der in sich die ganze Welt einschließt. Die Frage besteht darin, ob dieser Mensch dazu als etwas erschaffen wurde, das den Schöpfer aufgrund der ihm gegebenen, inneren Gefäße begreift: Seinem Verlangens zu empfangen und die Weisheit seines Verstandes.

Natürlich, nicht! Die Erweiterung unserer Verlangen, durch die wir den Schöpfer erfassen und nicht über Ihn philosophieren, wie es die Weisen aus den „Völkern der Welt“ tun, geschieht nur mit Hilfe der höheren Kraft, die uns den Schirm und das reflektierte Licht vermittelt. Das ist eine ganz andere Erweiterung der Gefäße verglichen mit jenen, die wir durch Weisheit vergrößern.

Wenn ein Mensch eine Wissenschaft logisch studiert dann wachsen nur sein Verstand und seine intellektuellen Fähigkeiten. Dabei werden aber seine Gefäße der Wahrnehmung für das Höhere System, das göttliche System, nicht besser. Er erforscht nicht die Kräfte, die ihn lenken und kann den Schöpfer nicht begreifen. Man kann den Schöpfer nur nach dem Erwerb Seiner Eigenschaften begreifen. Und wenn ein Mensch seine Eigenschaften nicht ändert, dann befindet er sich unter der Macht des Verlangens zu empfangen; und der Verstand, welcher der Sklave des Verlangen zu empfangen ist und ihm dient, versucht stets, es zu befriedigen.

So arbeiten wir in dieser Welt und man kann nichts dagegen tun. Solange keine Hilfe von oben kommt, die unsere Gefäße der Wahrnehmung ausdehnt, und wir auch keine neuen Verlangen des Gebens bekommen, werden wir den Schöpfer nicht erfassen. Wir werden nicht die geringste Vorstellung davon haben, was die spirituelle Welt ist.

Auszug aus dem Unterricht „Vorwort zum Buch Sohar“, 18.08.2013

Ans Angriffsziel festklammern und nicht loslassen [117112]

Frage: Der Sohar-Text, den wir während des Unterrichts lesen, erzählt über viele verschiedene Zustände. Wie kann man diese besser verstehen?

Meine Antwort: Man muss nichts verstehen oder sich merken. Wenn du während des Lesens auf der nötigen Wellenlänge bist, dann reicht das vollkommen. Denke nur an das zur Quelle zurückführende Licht, das aus dem Zentrum der Gruppe verbreitet wird. Das ist alles, was du wissen sollst.

Frage: Ja aber wie entstehen die Zustände auf dem Weg? Werden sie durch mein Verlangen/Gefäß bewirkt?

Meine Antwort: Nein. Ich schaffe nichts; ich sehe nur, dass ich als Gast jede Sekunde eine wirksame Möglichkeit habe, den Gastgeber zu erfreuen. Und danach strebe ich unaufhörlich, „Ich drehe die Fahne nach dem Wind“ und suche aktiv diese Möglichkeit: Wie genau ist sie in der Absicht, im Gedanken und in der Handlung zu realisieren?

In diesem Fall werden meine Handlungen zu von mir genutzten Chancen. Ich kann nicht alle Varianten berechnen, da ich jedes Mal vor mir eine neue Welt sehe und auf neue Bedingungen stoße. Nichts wird wiederholt und wir wissen nichts im Voraus. Unser Weg beinhaltet stets Veränderungen, birgt unendlich viele Überraschungen. Die Zehn Sefirot sind konstant aber jedes Mal kommen sie mit den neuen Reschimot.

Somit habe ich keine Wahl und muss deshalb jeden Zustand mit der Freude annehmen – wie eine Möglichkeit, das Geben zu beginnen. Alles sammelt sich auf Vorrat – sowohl die Aufstiege als auch die Abstiege, die rechte Linie, die linke Linie, beliebige Wechselwirkungen und die Vereinigungen auf diesem wellenförmigen Weg. Unabhängig davon, welche Gefälle dieser Weg für mich parathält, werden sie mir immer besser zeigen, ob meine Absichten richtig sind, ob ich fähig bin, die Verschmelzung auf allen Wellenbergen und -tiefen zu verstärken.

Meine Arbeit ist eigentlich sehr einfach: Mich fest zu klammern und nicht loslassen. Die Absicht nur darauf auszurichten, um auf dem Gastgeber „fixiert zu werden“, mich in allen Zuständen unter dem Einfluss der Umgebung zu befinden. Ich lasse es zu, wenn ich nach oben und unten zu wippe – ich verwende dieses „Schwanken“, um mich noch fester zu halten.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Das Vorwort, 17.09.2013

Ich träume davon, zum Sklaven des Gebens zu werden [117036]

Es wird gesagt: „Der Becher des Segens soll voll sein“. Damit das Licht an mir arbeitet, muss ich es darum bitten, dass es alle meinen Verlangen korrigiert.

Ich weiß nicht, welche Verlangen das sind, auch nicht um die Korrektur welchen Teils ich bitte, aber es soll das volle Maß sein. Mir ist nicht bekannt, wie es geschieht und ob ich in die richtige Richtung gehe, um die nötigen Verlangen zu klären. Ich muss einfach ständig daran arbeiten, um mich den Gedanken, den Verlangen und den Handlungen des Gebens hinzugeben und mich in die Gruppe zu integrieren. Bis ich das richtige Gebet erhebe, das eigentlich vom Schöpfer selbst hervorgerufen wird.

Das wahre Gebet ist eine Folge der Einwirkung des Lichts. Denn wir tun außer der Vorbereitung nichts selbst. Das Gebet an sich ist schon das Ergebnis  aller Handlungen und Vorbereitungen, die dem Gebet voraus gehen.

Das Licht wirkt auf uns mittels der kleinen Funken, in der Dunkelheit, in den Zuständen der Hilflosigkeit und Kraftlosigkeit. Bis unsere Verzweiflung an die Grenze gelangt, an welcher der Mensch zu allem bereit ist, nur um zum Sklaven der Eigenschaft des Gebens zu werden, die über ihn herrschen möge und alle seine Gedanken und das Herz ausfüllt.

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 16.09.2013

Ein Simulator für das Studium der Wahrheit

 [116294]

Die Klipa (Hülle, unreine Kraft) hat eine sehr wichtige Rolle; sie  zeigt uns Fehlentscheidungen und den Fehler selbst. In der Tat machen wir eigentlich nichts falsch, sondern sehen nur den Irrtum. Durch die Klipa gelangen wir zu größerer Weisheit, lernen dazu und verletzen, und schaden uns, und unserer Beziehung zum Schöpfer nicht wirklich. 

Wir untersuchen es wie in einem Spiel, so, als würden wir eine Übung in einem Simulator durchführen. Das verdanken wir dem System der Klipot, das uns erkennen lässt, was wahr oder unwahr ist: wir können damit arbeiten und die Ergebnisse unserer Handlungen prüfen – aber eigentlich ist keine dieser Maßnahmen real.

Die ganze Welt der Klipot, die böse Welt, die gesamte Schöpfung, die scheinbar nicht zum Schöpfer gehört, wurde genau deshalb erschaffen, um uns zu lehren, wie man mit dieser Hälfte arbeitet, wie wir uns selbst richtig organisieren für die zweite, richtige Hälfte der Schöpfung. 

Die Klipa nimmt diese Arbeit auf sich, begleitet eine Person und lehrt sie. Deshalb werden wir während der ganzen Zeit unseres Studiums von den Klipot genährt, bis wir für die spirituelle Welt bereit sind. Dann erreichen wir Heiligkeit. Darüber wird gesagt: „Der Schöpfer hat sie, eine gegenüber der anderen, erschaffen“, die Welten der Heiligkeit gegenüber den Welten der Unreinheit. Wenn wir das System der Klipot nicht durchlaufen und dadurch  lernen, werden wir uns nicht zur richtigen Seite, die zur Heiligkeit gehört, bewegen können.

Sobald wir Heiligkeit erreichen, müssen wir zur Seite der Klipot zurückkehren und wie in einem Simulator lernen und üben, um von dort wieder zur Heiligkeit zurückzukehren.

Es ist unmöglich, die Heiligkeit zu betreten, wenn man nicht dafür bereit ist. Die Klipa bereitet uns darauf vor und in dem Moment, in dem man den erforderlichen Zustand erreicht, öffnet sie für einen das Tor: „Nun bist du bereit, geh!“



Diese beiden Systeme stehen einander gegenüber, und es gibt viele weitere Systeme der Verwirrung und Raffinesse seitens der Klipa, die im Hinblick auf uns handelt. Später, wenn wir ins System der Klipa integriert sind und dann an der Spitze dieses Systems ankommen, brauchen wir sie nicht, können einfache Berechnungen machen und erreichen das einfache Licht. Aber das geschieht erst, wenn wir in all die komplexen Systemen der Klipot aufgenommen wurden.

Auszug aus dem Unerricht nch dem Buch Sohar. Das Vorwort, 13.09.2013

Jede beliebige Arbeit soll mit dem Gebet enden [116953]

Die Hauptaufgabe des Menschen in dieser Welt ist seine ständige Bereitschaft zum Gebet. Dies ist die einzige Handlung, die etwas bewirken kann. Wir strengen uns physisch, im Herzen, im Gedanken und im Verlangen an, aber diese Tausende Handlungen in den tausenden von Jahren sind im Endeffekt nur dafür nötig, um das Gebet, den Schrei, das richtige Verlangen zu erlangen. Wenn es uns gelingt, das eigene Verlangen richtig wahrzunehmen, dann wird es uns auch gelingen, die Höhere Kraft an uns heranzuziehen, die alles vervollkommnen wird.

Nur das Licht wirkt und nur wir (die Menschen mit dem Punkt im Herzen) können das Licht zu Handlungen erwecken. Und alle anderen Menschen werden dies niemals können oder nur in kleinem Maß, entsprechend dem natürlichen Zeitverlauf oder unseres Einflusses auf sie. Darüber wird es gesagt, dass „die Völker der Welt keine Verbindung mit der Höheren Kraft, mit dem Schöpfer haben“. Das allgemeine Verlangen zu empfangen kann sich entsprechend seiner Struktur nicht direkt mit dem Schöpfer verbinden, sondern nur durch die Menschen, in denen es einen spirituellen Funken gibt.

Deshalb entfernen wir uns selbst und die ganze Welt von dem Schöpfer, wenn unsere Zustände es nicht zulassen, uns selbst zu erwecken. Mit Hilfe der hinaufsteigenden bösen Kräfte, der Empfindung eigener Entfernung und des Begreifen des Bösen, kommen wir weiterhin voran, aber tun das auf dem unerwünschten Weg.

Nur wir, die Menschen mit dem Punkt im Herzen können beten. Und alle anderen tun es entweder aus Gewohnheit, die von der Kindheit aufgepfropft ist, oder aus einfachen egoistischen Motiven. Das egoistische Gebet ist sogar besser, weil der Mensch über seinen Schmerz schreit. Jede beliebige Unzufriedenheit ist schon ein Gebet, ein Schrei zum Schöpfer, selbst wenn der Mensch dabei gar nicht an den Schöpfer denkt. Es ist schon eine Bitte, die nach oben gerichtet ist. Diese Bitten sammeln sich infolge der Bedürfnisse von Milliarden Menschen an und erwecken im Endeffekt sowohl diese Menschen selbst als auch das höhere Licht in der allgemeinen Form.

Folglich kommt das höhere Licht durch uns zu ihnen, so dass die allgemeine Struktur sich nicht ändert. Selbst wenn wir mit dem Licht nicht richtig arbeiten können, ist es anwesend und existiert. Folglich wird es von uns angezogen und stößt an eine Wand, weil wir uns im Exil befinden und immer noch nicht fähig sind, an die Völkern der Welt zu denken.

Somit sind wir vom Schöpfer entfernt, weil wir kein Gebet an Ihn richten; und wir sind auch von den Völkern der Welt entfernt, weil wir ihr Gebet nicht nach oben weiterleiten. Wir verlieren doppelt. Darüber sollten wir nachdenken!

Die Probleme und die Nöte werden so lange nicht zu Ende gehen, bis das Volk Israel seine wahre Mission realisiert und zur höheren Stufe für die Völker der Welt wird, um dem Höheren das doppelte Gebet zu übergeben: Das eigene und das Gebet der ganzen Welt.

Daraus sollen wir praktische Schlussfolgerungen für unsere Arbeit mit dem breiten Publik ziehen, also mit jenen, die selbst keine Verbindung mit dem Schöpfer herstellen können und deshalb als „Völker der Welt“ bezeichnet werden. Unabhängig davon, wie vollkommen, geschickt, professionell diese Arbeit mit den Menschen sein wird, wird sie solange keine“ richtigen Früchte“ bringen, solange sie nicht in einem Gebet endet.

All unsere Anstrengungen dienen nur dazu, uns zu wahren Bitte zu bringen. Wir verbreiten von Anfang an, weil uns der Schöpfer („Ich – Der Erste“) dahin schickt, um infolge der eigenen Handlungen das doppelte Gebet zu erreichen – indem wir die Verlangen der  Menschen aufsammeln und das eigene Verlangen erwecken. Dann können wir für sie bitten und aus uns ein Verbindungsglied machen, das für die Menschheit sorgen kann. Denn der Schöpfer uns den Punkt im Herzen verliehen.

Durch diese Arbeit mit dem Publikum erreichen wir das Aufsteigen des Gebets – die Arbeit, die Israel auferlegt ist. Hier gibt es schon alle drei notwendigen Komponenten für eine spirituelle Handlung: Die untere Stufe ist das Publikum, die nächste Stufe sind wir und die höchste Stufe ist der Schöpfer. So arbeiten wir zusammen.

Wenn wir vor und nach der Handlung daran denken, dann ist unsere Handlung gesegnet und erfolgreich. Darüber wird es gesagt, dass „der ältere Bruder das Doppelte bekommt“ – für sich und für den jüngeren Bruder.

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 22.08.2013

Der Mann, der den Weg in die Freiheit eröffnete [116947]


Kürzlich feierten wir das Andenken an unseren großen Lehrer, Baal HaSulam, der uns in unseren Tagen das Licht von Oben brachte. Er enthüllte unserer Generation die Weisheit der Kabbala, damit wir mit ihrer Hilfe von der tierischen Stufe auf die menschliche aufsteigen können und wissen, wie all die Handlungen zu vollführen sind, die uns die Augen öffnen. Dies ist der einzige Weg. Ohne dieses Wissen erkennen wir nicht, in welchem Zustand wir uns befinden.

Baal HaSulam war so ein bedeutender Mensch, dass wir nicht einmal annähernd die Tragweite seines Wirkens überblicken und ihm angemessen danken können. Wir stehen betreffend unsere spirituelle Entwicklung ähnlich tief in seiner Schuld wie wir es bezogen auf die körperliche Ebene unseren Eltern gegenüber sind. Jedoch ist es das spirituelle und nicht das körperliche Leben, mit welchem wir Ewigkeit und Vollkommenheit erreichen und in die Höheren Welten vordringen – ein Zustand, den wir uns noch nicht einmal richtig vorzustellen vermögen.

Baal HaSulams Anstrengungen waren enorm. Er schrieb unzählige Artikel, arbeitete duzende Stunden ohne Pause, bis seine Finger erlahmten und er kaum den Stift loslassen konnte. Er schlief höchstens drei Stunden pro Nacht und eine halbe Stunde am Nachmittag, gerade soviel, um seine Konzentration aufrecht erhalten zu können. Den Rest der Zeit verbrachte er mit Arbeit. Und so war es sein ganzes Leben lang.

Während des Krieges  war er gewillt, all seine Erkenntnis zu opfern und er bat den Schöpfer, ihn von seiner hohen spirituellen Stufe zu entheben, nur um unglücklichen Menschen helfen zu können, die in dieser Welt litten und noch nicht einmal den Grund dafür kannten. Der Schöpfer erhörte sein Gebet und half ihm. Nicht einmal Moses wurde diese Bitte gewährt, als er den Schöpfer ersuchte, ihn – Moses – anstelle seines Volkes zur Verantwortung zu ziehen und von einer Bestrafung des Volkes abzusehen.

Baal HaSulam befand sich auf einer so hohen Stufe, dass der Schöpfer ihm sagte: „Keiner in der ganzen Menschheit steht Mir näher als du.“ Er war ein wahrer Gigant. Lasst uns hoffen, dass wir in der Lage sind, seine Größe und Wichtigkeit in ihrer Tiefe zu erfassen. Den einerseits war er mit dem Schöpfer verbunden und andererseits konnte er sich jedem Menschen zuwenden und wahrnehmen, in welcher Form dieser am besten seine Erklärungen aufnehmen würde. Er konnte so ausgesucht schreiben, dass er weder Religiöse noch Säkulare beleidigte und er war imstande, letztere einander näher zu bringen als je einer zuvor.

Sein Vermächtnis wurde in unsere Hände gelegt. Wir erhielten all das Rüstzeug durch Rabash, welcher Baal HaSulams Methode für die Arbeit in der Gruppe anpasste.

Im Laufe der Jahre kontinuierlichen Studiums und Arbeit begannen wir langsam zu verstehen, was in seinen Werken geschrieben steht. Wir konnten es umsetzen, den Gruppen näher bringen und dadurch lernten wir diesen ungeheuren Menschen und seinen gewaltigen Beitrag für die Welt erst richtig kennen und schätzen. Er war der erste der Kabbalisten, der den Zustand der Freiheit enthüllte.

Auszug aus einem Gespräch während der Mahlzeit zum Gedenken an Baal HaSulam, 15.09.2013

Die Freude der armen Menschen [116374]

Aus dem Vorwort zum Buch Sohar, Artikel „Einer, der sich über die Feiertage freut, aber den armen Menschen nichts spendet „, Punkt 175: Die Rolle des Schöpfers besteht darin, die Armen entsprechend Seiner Fähigkeit, zu erfreuen. Denn der Schöpfer erscheint an den Feiertagen, um Seine zerbrochenen Gefäße zu betrachten.

Als “arme Menschen“ gelten jene Menschen, die sich nach etwas Höherem sehnen, die in ihrem Inneren ein „begrenztes Verständnis“ empfinden und deshalb wünschen, die Offenbarung des Schöpfers zu erlangen.

Und „die Feiertage“ sind besondere „Zeiten“, besondere Zustände in jedem Menschen, wenn er sich dem Schöpfer annähert. Genauso wie sich die Erde um die eigene Achse und um die Sonne dreht, und sich der Mond um die Erde dreht und sie somit peroidischen Veränderungen unterworfen sind. Anders gesagt, außer den Zuständen, die unmittelbar vom Menschen abhängig sind, geschehen im allgemeinen „Betriebssystem“ zyklische Veränderungen, die periodisch ablaufen und sich in positive und negative unterteilen.

Alles geschieht, um zusätzliche alternative Systeme zu erwecken, die auf uns einwirken und die Zeit beschleunigen. Nachdem diese „peripheren” Systeme verschiedene Prozesse durchlaufen, übernehmen sie einen Teil unserer Arbeit und bringen uns Zustände, die unser Herz entweder beschweren oder erleichtern.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Das Vorwort, 26.08.2013

Die Offenbarung des Bösen ist kein Anlass, zu trauern [116722]

Frage: Es wird gesagt, dass ein Gebet mit der Dankbarkeit anfangen soll. Gibt es die Dankbarkeit in den Gebeten am Tag der Sühne (Jom Kipur)?

Meine Antwort: Vor allem sind die Gebete am Tag der Sühne mit den Gebeten zum jüdischen Neuen Jahr (Rosch ha-Schana) verbunden, die dazu berufen sind, den Schöpfer, wie den König der Welt „zu krönen“. Dadurch erheben wir das Ziel, das Geben, die Liebe, die großen Eigenschaften, die wir erreichen sollen. Sie lenken die ganze Welt, halten sich überall auf, und herrschen über alles.

Der Schöpfer ist gerade die Eigenschaft des Gebens und der Liebe. Er hat keine andere Gestalt, so kleidet Er sich in die Gefäße ein, und so erkennen wir Ihn, die Kraft, die im Geschöpf gilt. Wir respektieren, schätzen und erhöhen diese Eigenschaft über alles.

Die Bedeutung des Neuen Jahrs: wir rühmen „den Kopf“ (Rosch) – die Eigenschaft des Gebens. Sie ist das Wichtigste und lenkt alles in uns, sie zieht uns an und wir wollen sie erlangen, ihr gleich werden, sich ihr anschließen.

Der Tag der Sühne zeigt uns, wie weit wir davon noch entfernt sind. Wir prüfen uns nach und bringen die eigenen Mängel an den Tag, wir sehen, dass es uns an den Korrekturen mangelt, um die vollwertige, vollkommene Eigenschaft des Gebens zu finden. Wir bedauern es, und bereiten unsere Mängel für die nächste Korrekturarbeit vor.

Dann folgen die Tage der Korrektur, die mit Purim beendet werden.

Frage: Gibt es am Tag der Sühne nur das Bedauern darüber, dass wir noch nicht korrigiert sind?

Meine Antwort: Das ist eben die große Freude. In Wirklichkeit freue ich mich und bin nicht am Weinen. Denn mir werden die zerbrochenen Gefäße offenbart, die ich jetzt korrigieren kann.

Mein Bedauern, meine Buße ist mit der Freude verknüpft: endlich habe ich in mir das Böse offenbart und zittere jetzt mit dem Verlangen, das Böse zu korrigieren. Ich bin über diese Offenbarung froh und dankbar.

Versuche, die Gebete am Tag der Sühne mit der Freude, anstelle des Weinens auszusprechen und du wirst in ihnen etwas ganz anderes bemerken.

Wie kann man in der Nähe vom Schöpfer weinen? Denn du zeugst jetzt, während der Zeit des Bedauerns, dass der Schöpfer deinen Zustand hervorgerufen hat, was bedeuten würde, dass der Schöpfer für dich nicht mehr gut ist, und das Gute nicht schafft? Diese Empfindung soll im Prinzip niemals vorkommen.

Der Schöpfer offenbart das Zerbrechen in dir, damit du dich freust, diesen Mangel korrigierst und Ihm selbständig gleich wirst. Und umgekehrt, wenn Er dich Sich gleich ohne selbständige Teilnahme geschaffen hätte, dann würdest du an Ihm, wie das Klebeband kleben.

Aber Er hat dir jetzt ermöglicht, die Unterschiede zu erkennen, Er hat die Situation vorbereitet, die dir sagt: „In diesen Eigenschaften unterscheidest du dich von Mir. Erfülle die Arbeit und du wirst, wie Ich sein“.  Wirst du wirklich deswegen weinen, dass Er mit dir so gehandelt hat, und dir jetzt die Chance gibt, Ihm gleich zu werden?

Im Gegenteil, du freust dich: „Ja, wir sündigten und gingen fremd. Ja, ich bin schuldig, bin ein Dieb und ein Lügner …“ Und du genießt deine innere Offenbarung. Du bist darüber froh, dass Er dich geschaffen hat und dir vorführt, mittels welcher Veränderungen man die Verschmelzung mit Ihm erlangen kann.

Es ist eben das Dienen dem Schöpfer, die Arbeit für den Schöpfer. Muss man dabei weinen? Du befriedigst doch den Schöpfer dadurch. Du erkennst, dass Er das alles für dich vorbereitet hat, und bist dafür dankbar, dass Er dich anders geschaffen hat.

Eigentlich, küsst du den Stab, die Peitsche, und neutralisierst dadurch den bösen Anfang. Jetzt ist er schon nicht böse, denn dank dem Wechsel deiner Beziehung ist er gut geworden.

Frage: Freuen wir uns, weil wir das Gegenteil zum Schöpfer in uns offenbart haben?

Meine Antwort: Nein, wir sind darüber froh, dass Er uns die Möglichkeit gewährt, Ihm gleich zu werden. Ich bin Ihm für die ganze Vorbereitung, für Seine Barmherzigkeit zu mir, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft dankbar. Alles, was Er macht, das Zerbrechen und die schrecklichen Nöte, die uns geschickt wurden, ist eigentlich die vollkommene Barmherzigkeit. Wir werden gerade diese Empfindung offenbaren. Und alles hängt von meiner Lebensauffassung ab, die ich ändern soll.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel von Rabasch, 13.09.2013