Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Warum brauche ich die Schätze des Königs…

Der Sohar erzählt uns, auf welche Weise das höhere Licht auf uns einwirkt und aus allen unseren Eigenschaften (außer denen, die unserem Fleisch eigen sind) etwas dem Schöpfer Ähnliches aufbaut – aus unserem ganzen inneren Wesen, das „der Verstand und das Herz“ genannt wird; aus der Gesamtheit unserer Verlangen und der Gedanken, die unser „Ich“ bilden.

Ich weiß nicht, was es mit mir machen soll. Meine Verlangen und meine Gedanken konzentrieren sich immer noch auf die Befriedigung meiner Bedürfnisse, weil auf diese Weise mein Ego funktioniert, welches dahinter steht.

Das Licht, das während des Lesens des Buches Sohar kommt, lässt nichts von den vorherigen Wünschen und Gedanken übrig, es beginnt mir allmählich andere Werte zu vermitteln, und zwar auf dem Niveau des Zustandes, in welchem ich mich gerade befinde. Und dann beginnt es, mich von der jetzigen Realität loszulösen, verändert mich jedesmal auf eine Art und Weise, so dass ich mich entweder über diese Realität erhebe, oder in sie noch tiefer eintauche.

Durch diese Veränderungen hilft es mir, mich von dieser Realität zu befreien, den Zustand zu erreichen, in welchem es für mich schließlich unwichtig ist, ob ich mich noch in ihr befinde oder von ihr ganz losgelöst bin. Selbst wenn mir alle Schätze des Königs gegeben würden, würden sie mich nicht interessieren, weil ich meine Absicht auf einen höheren Zustand ausrichte. Ich bin mit dem höheren Ziel einverstanden und wünsche mehr als alles, es zu erreichen , was sich in meinen Gefäßen des Empfangens zeigt und in meinen Gedanken und Wünschen offenbart werden kann.

Wenn ich einen solchen Zustand mit Hilfe der Übungen, die als die Arbeit des Schöpfers bezeichnet werden, erreicht habe, dann beginne ich zu verstehen, worüber das Buch Sohar spricht.

Wollen wir hoffen, dass wir jeden Tag und jeden Augenblick in einen solchen Zustand eingehen werden, in dem das zu uns kommende Licht, die höhere Kraft uns verändern und über alle Wünsche und Gedanken erheben wird, damit wir nur noch von dem Gebenden abhängig sind, Der auf uns einwirkt.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 17.01.2012

Die helfende Hand, die aus der Finsternis gereicht wird

Wir verstehen nicht, was es bedeutet, durch das Geben zu genießen. Das Schöpfungsziel ist, den Geschöpfen Genuss zu bereiten. Und sie werden in der Tat genießen – die Frage ist nur: wie?

Wir verstehen nicht, dass Verlangen, die von uns heute wahrgenommen werden, uns völlig fremd und von uns getrennt sind. Das Geben zu genießen bedeutet keinen Genuss dadurch, dass der andere genießt. Das wäre einfach ein für uns beide lukratives Geschäft.

Und wenn ich dadurch genieße, dass es ihm gut geht, selbst wenn es mir dabei schlecht geht, ich mich aber überwinde, wie Eltern, die alles für ihre Kinder opfern, dann ist das ebenfalls kein Geben. In der spirituellen Welt entstehen Verlangen, die für uns unvorstellbar sind. Es können lediglich ungefähre Beispiele angeführt werden, wie materielle Zweige in Bezug auf die Wurzeln.

Daher sollten wir versuchen, uns möglichst gut vorzustellen, wie besonders dieser Begriff ist, wie weit er von dem gewohnten entfernt ist und wie sehr er nach einem psychologischen Umsturz verlangt. Die ganze Welt stellt sich in unserem Bewusstsein auf den Kopf, und dann enthüllen wir etwas vollkommen Neues.

Das verlangt nach einer inneren Anstrengung und der Lösung von der gewohnten Umgebung, nach der Bereitschaft, vor dem momentanen Zustand zu flüchten, in das Rote Meer zu springen, den Kopf zu verlieren, alles, was man hat, stehen- und liegen zu lassen, vollkommen nackt und hilflos zu bleiben und alles hinzunehmen, was kommen mag – Hauptsache es kommt von Oben.

Auf diese Weise müssen wir uns auf den Kongress in der Arava vorbereiten, und wenn wir uns in diesem Zustand halten können, werden wir den Durchbruch – zu dieser schwarzen Finsternis, zu dem Wasser des Endmeeres – schaffen und alles überstehen, was auch immer sich uns enthüllen mag.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Brief von Rabash, 16.01.2011


Die Empfindung der Liebe erfüllen

Frage: Ist die Eigenschaft des Gebens das Gefäß oder die Füllung?

Meine Antwort: Die Eigenschaft des Gebens ist sowohl das Gefäß, als auch die Füllung. Es ist das Verlangen, das mich ausfüllt!

Wenn ich jemanden liebe, dann füllt mich meine Liebe zu ihm aus. Ich fordere keine Liebe als Antwort, mir genügt mein Gefühl in Bezug auf ihn, allein davon geht es mir gut. Die Empfindung der Liebe ist schon die Füllung. Unter der Liebe wird das Geben verstanden. Das Verlangen, an den Nächsten zu geben, wird als die Liebe zu ihm bezeichnet.

Die Größe meiner Liebe zu ihm wird daran gemessen, inwiefern ich fähig bin, über meinen Egoismus hinaufzusteigen und den anderen zu lieben. Und wenn ich jemanden im vollem Einverständnis mit meinem eigenen Egoismus liebe, dann ist das eine egoistische Liebe. Aber wenn ich trotz meines Egos liebe, dann ist diese Liebe spirituell, sie ist das Geben. Es kann keine wahre Liebe geben, ohne den Widerstand gegenüber dem Egoismus zu überwinden.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 15.01.2012

Die Folgen einer Explosion vor tausend Jahren

Wir sind das Produkt des Zerbrechens eines riesigen Verlangens, des ersten Menschen (Adam HaRishon), der sich in der Vollkommenheit aufhielt. Und obwohl er aus einer Menge einzelner Verlangen bestand, von denen jedes selbstsüchtig handeln wollte (weil das Verlangen immer an sich selbst denkt), herrschte über sie die höhere Kraft. Und deshalb befand sich dieses Konstrukt im Zustand der Welt der Unendlichkeit: in der vollen Verschmelzung und unter der absoluten Macht der Kraft des Gebens und der Liebe.

Dieser Zustand gleicht jener Empfindung, welche wir haben, wenn wir manchmal zusammen sitzen, zusammen singen, gut gelaunt sind und uns wünschen, dass dieser Zustand der Wärme und der Liebe ewig bleibt. Natürlich sind wir dann immer noch weit entfernt von der spirituellen Empfindung, aber dies gibt uns eine Vorstellung von dem Zustand, in dem sich die allgemeine Seele befand.

Und plötzlich geschah das Zerbrechen… Eine fremde Kraft drang ein und zerstörte alles.

Woher ist sie gekommen? Sie wurde in unserem Inneren offenbart – wir empfanden sie nicht, haben sie nicht erwartet, und plötzlich wurde in uns der Hass offenbart! Er verbarg sich schon immer in uns und wurde jetzt gegen unseren Wunsch offen sichtbar.

Es ist ein solcher Hass ausgebrochen, dass jeder aus dieser schönen Versammlung und aus der Vereinigung überhaupt weglief, eben weil er gefühlt hat, dass sie sich in etwas Abscheuliches, Schmutziges verwandelt hatte, worin er unmöglich bleiben konnte. So kamen wir in diese Welt und leben seit dem hier…

In der Folge entwickelte sich diese Welt unter der Lenkung eben dieser Kraft des Hasses. Wir sehen an der Geschichte, dass die ganze Zeit bis zum heutigen Tag dieselbe Kraft des Zerbrechens zur Entwicklung verwendet wurde. Aber heute offenbaren wir, dass wir jetzt bei der maximalen Realisation dieser Kraft des Hasses angekommen sind. Es gibt keine Hoffnungen mehr, mit ihrer Hilfe ein besseres Leben zu erreichen.

Heute beginnt die Phase der Korrektur. Wenn wir verstehen, dass wir eben diese Kraft des Hasses, die uns trennt und unser ganzes Leben zerstört, jetzt nicht mehr benutzen können, dann müssen wir sofort etwas tun!

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 13.01.2012

Liebe, die das Herz öffnet

Frage: Was bereitet dem Schöpfer mehr Genuss: wenn wir Seine Liebe spüren und sie an Ihn zurückgeben oder wenn wir sie weitergeben?

Meine Antwort: In Wirklichkeit wird die spirituelle Liebe ganz anders als die materielle empfunden. Natürlich, mit der menschlichen Sprache ausgedrückt, bereiten wir dem Schöpfer Genuss, wenn wir andere Menschen Ihm näher bringen, doch die Worte sind trügerisch.

Nur nachdem wir die Eigenschaft von Bina erlangt haben, werden wir verstehen, worum es geht. Ohne das Licht Chassadim kann der Mensch überhaupt nicht von Liebe sprechen. Denn er denkt ausgehend von den eigenen Verlangen und nicht von den Verlangen des Nächsten. Um welche Liebe kann es sich also handeln?

Liebe bedeutet, dass das Verlangen eines anderen sich wie mein eigenes öffnet, wenn ich das will, was der andere will, und zwar mehr, als ich es für mich selbst wollen würde. Die Distanz zwischen uns vergrößert nur meine Leiden, die durch die mangelnde Zufriedenheit des Nächsten hervorgerufen werden, und umso mehr möchte ich sein Verlangen erfüllen. Die Distanz wird zum Verstärker meines Mitgefühls.

Diese Einstellung entsteht von allein, automatisch: auf diese Weise denke ich, auf diese Weise nehme ich Verlangen wahr – genau das ist die Erlösung, das Wunder. Und um welche Liebe kann es sich bis dahin handeln? Wenn ich liebe, dann kümmere ich mich um die Verlangen meines Nächsten über meiner eigenen Abstoßung und Gegensätzlichkeit. Mir wird der Egoismus enthüllt, und ich arbeite in der mittleren Linie – das ist Liebe.

Denn in Wirklichkeit befindet sich meine Seele außerhalb von mir…

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zum Talmud Esser ha Sefirot, 15.01.2012

Dem Weg von Baal HaSulam folgen

Frage: Was bedeutet für Sie, der Nachfolger von Baal HaSulam zu sein?

Meine Antwort: Ich versuche, sein Nachfolger zu sein: Ich erforsche ständig seine Werke, um etwas Neues in ihnen zu finden und jedes Mal die Ausrichtung auf das Ziel zu überprüfen. Die Wahrheit von gestern kann sich heute als absolut falsch in meine Augen herausstellen – bis hin zur vollkommenen Gegensätzlichkeit.

Darüber hinaus befolgen wir die Worte von Baal HaSulam auch auf der materiellen Ebene, in dem Maße unseres Verständnisses solcher Werke wie „Die Nation“, „Die letzte Generation“ usw. Die Arbeit in der Gruppe bauen wir ebenfalls nach Baal HaSulam und Rabash auf.

Auf diese Weise stützen wir uns ständig auf ihre Bücher und versuchen, ihre Ratschläge so umzusetzen, dass sie unsere Lebensweise und unsere Lebensrichtung bestimmen. Genau das bedeutet, dem Weg zu folgen. Das betrifft nicht nur mich, sondern jeden, der hier ist – wir alle müssen Nachfolger von Baal HaSulam werden, indem wir seinem Kurs zur Verschmelzung mit dem Schöpfer folgen.

Hier müssen wir ununterbrochen die Bereitschaft zur Richtungskorrektur überprüfen und den Weg realisieren – mit den Büchern, mit der Gruppe, mit dem Lehrer, mit dem Licht, das zur Quelle zurückführt, bis wir zur Verschmelzung kommen.

Und das Wichtigste auf diesem Weg ist die kritische Analyse.

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zum Talmud Esser ha Sefirot, 15.01.2012

Neuer Ruck

Frage: Wir haben davon gesprochen, dass wir zur Stufe der Einheit, die wir auf dem Kongress im Dezember erreicht haben, zurückkehren müssen. Es ist bereits mehr als ein Monat vergangen, die Tage wechseln sich ab und ich persönlich glaube, dass ich mich rückwärts bewege und in die Routine abgleite. Wie kann ich eine solche Umgebung aufbauen, die in mir ständig Verlangen, die auf die Verbindung und das Licht gerichtet sind, erwecken soll, wie es auf dem Kongress war?

Meine Antwort: Als erstes, möchtest du wirklich zu dieser Stufe zurückkehren? Strebst du nach ihr? Siehst du sie ständig als Beispiel vor Augen, um diesen Punkt der Einheit zu bewahren? Schaust du dir manchmal Kongressvideos an? Bist du traurig, dass du dieses Feuer nicht mehr in dir hast?

Denn wenn wir die Verbindung gehalten hätten, hätten wir bereits eine viel höhere Stufe erreicht und uns über die Hindernisse und Entfernungen, die uns trennen, erhoben.

Wir müssen das vergessene Gefühl von Zeit zu Zeit wieder auffrischen, zumindest für ein paar Minuten am Tag: zum Beispiel einen kurzen Videoclip vom Kongress anschauen. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist.

Und außerdem: Arbeiten wir an der Verbreitung unserer Botschaft? Beteiligst du dich an dieser Arbeit? Ihr müsst euch dieser Arbeit anschließen, hier spielt die Entfernung keine Rolle. Wir müssen uns der Sache, der Vorbereitung unseres Programms für die Massenverbreitung in allen Sprachen anschließen.

Und noch etwas: in einem Monat wollen wir wieder in die Arava-Wüste für fast drei Tage fahren. Von uns wird eine sehr große Vorbereitung verlangt, anderenfalls wird das Ergebnis dem, was wir erwarten, entgegengesetzt sein. Es muss etwas wirklich Neues sein, wie das letzte Mal. Wir müssen dort mit Besorgnis und Aufregung ankommen, damit wir zu einem neuen Zustand übergehen können, ohne zu wissen, wie er sein wird und was er mit sich bringt.

Ich mache mir große Sorgen um diesen Ruck ins Ungewisse. Denn wir kennen bereits diesen Ort und es kann sein, dass wir aus Gewohnheit zu den gleichen Handlungen und Empfindungen zurückkehren, die wir schon mal erlebt haben. Die Umgebung selbst wird uns an sie erinnern.

Kurz gesagt: ein Monat ist keine lange Zeit. Wir sollten versuchen, uns auf dem höchsten Niveau vorzubereiten, anderenfalls werden wir statt Nutzen Schaden haben. Ich möchte euch davor warnen. Fangt an nachzudenken, was wir tun können.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Der Frieden“, 13.01.2011

Der Zauber des Geheimnisses

Frage: Sind die kreativen Fähigkeiten vom richtigen Kontakt mit der Umgebung abhängig?

Meine Antwort: Die schöpferischen kreativen Fähigkeiten hängen davon ab, inwiefern der Mensch die progressiveren Formen der Entwicklung unterscheidet und die Mittel offenbart, um zu ihnen hinaufzusteigen.

Jeden Augenblick sucht er danach, wie ein kleiner Junge, welche Form er annehmen könnte, um die geheimnisvolle Welt anstelle dieser prosaischen Welt zu offenbaren.

Denn in den Augen des Kindes ist alles vom Geheimnis eingehüllt, und es sucht die Möglichkeiten, an dieses zu gelangen. Für das Kind wird die Welt in die offenbarte und die geheimnisvolle geteilt: es sieht etwas, und etwas bemerkt es nicht, hört etwas, und überhört etwas. Manchmal fängt es nur einzelne Wörter aus dem Gesagten auf, manchmal fällt sein Blick auf etwas, und alles Übrige bleibt außerhalb seines Blickfeldes. Und die ganze Zeit bemüht es sich, die „Decke“ vom Geheimnis abzunehmen.

Das fehlt uns… Während das Kind mit den nötigen Mitteln und den Spielen versorgt wird, müssen wir uns um uns selbst kümmern. Unser Mittel ist die Umgebung, dank derer wir vorankommen können. Diese Umgebung soll für mich das Beispiel für die nächste Stufe sein. Ich bin mit der Welt nicht einverstanden und reihe mich in die Gruppe ein. Ich verpflichte die Freunde, ständig die neuen fortgeschrittenen Formen anzunehmen.

Darin besteht eben unsere Arbeit.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Freiheit des Willens“, 10.01.2012

Der hundertste Brief

Frage: Bekommt unsere Bitte an den Schöpfer jedesmal größere Stärke, wenn wir öfter auf sie zurückgreifen?

Meine Antwort: Wir kommen nur aufgrund unserer Bitten voran. Und wenn wir unseren Fortschritt beschleunigen wollen, dann müssen wir lernen, richtig zu bitten! Denn es gibt in der Tat keine anderen Handlungen in der Spiritualität, außer der Verstärkung des Gebetes. Alle unsere Handlungen sind darauf gerichtet, das erste Gebet (MaN) zu erheben, welches Oben angenommen wird.

Als ob du immer wieder an irgendeine Organisation oder an ein Mädchen schreiben würdest, in welches du verliebt bist. Du schickst ihr einen Brief nach dem anderen, bis sie dir endlich antwortet.

Aber wenn sie auf deinen hundertsen Brief antwortet, dann kannst du nicht genau sagen, auf welchen sie gerade geantwortet hat. Sie hat auf alle deine hundert Briefe geantwortet, die sie beindruckt haben! Immerhin bedeutet es nicht, dass du nur diese hundertste Postkarte schicken brauchtest.

So geschieht unsere gesamte Entwicklung. All diese Jahre entwickelst du dich, um endlich das wahre Gebet, MaN zu erheben, um eine korrekte Bitte zu formulieren. Und jede vorherige Formulierung war dazu da, damit du die richtige Empfindung entwickelst und begreifst, um was genau du bitten musst.

Schließlich ist das nicht für das Licht, sondern für dich selbst nötig! Du tust es eigennützig, um das Gefäß, das Verlangen (Kli) zu erschaffen. Dann wird das Licht kommen und es korrigieren.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 04.01.2012

Die Kraft des Schweigens

Frage: An diesem Wochenende haben wir den „stillen Samstag“. Was für Stille soll es sein?

Meine Antwort: Dieser Brauch zu schweigen stammt von den Kabbalisten. Er wird als eine Übung in allen möglichen Techniken, die nichts mit unserem Weg zu tun haben, und überhaupt in dem Bereich der Psychologie verwendet.

Wenn der Mensch etwas Neues begreifen möchte, wenn er sich auf etwas Neues konzentrieren möchte, muss er sich zurückziehen. Man könnte vor allen weglaufen, so könnte man sich physisch zurückziehen. Man kann sich aber auch innerlich zurückziehen, wenn man einen gewissen Raum in seinem Inneren findet und sich dort vor fremden Blicken versteckt, obwohl man von vielen Menschen umgeben ist. Das betrifft alle Ebenen des Menschen.

Wir möchten also eine ähnliche Übung durchführen, das sogenannte „Schweigegelübde“, die Gesprächsabstinenz. Es gibt besondere Zeiten, in denen die Menschen mehr die Tora studieren, sich mehr in den Stoff vertiefen, verschiedene Fasttage durchführen. Solche Mittel ziehen den Menschen aus dem gewohnten Tagesablauf, aus der Routine heraus, helfen ihm, sein Leben und sich selbst ein wenig anders zu betrachten, ermöglichen ihm, sich auf das Innere zu konzentrieren.

Der „stille Samstag“ bedeutet nicht, dass keiner den Mund aufmachen darf. Wir sprechen jedoch nur über das Studium und darüber, was es beinhaltet, und zwar nur im nötigen Maße. Wenn aber keine Notwendigkeit besteht, denken wir über dieselben Fragen nach, anstatt zu sprechen. Denn Worte entblößen die Seele des Menschen, enthüllen die tiefsten Geheimnisse seines Herzens. Aus diesem Grund sollte nicht gesprochen werden, wenn es nicht der Korrektur dient.

Genauso machen wir es an diesem Samstag. Alle Unterrichte und Mahlzeiten werden nach gewohntem Programm verlaufen, dabei wird sich jeder nach Möglichkeit zurückhalten – um nicht zu sprechen, sondern nachzudenken.

Gedankliche, innere Konzentration erzeugt eine viel größere Wirkung in der Welt als Worte. Denn der Gedanke ist eine viel höhere Kraft als das Reden. Das ist die höchste Kraft im Menschen, deshalb ist sie die effektivste in dem Gesamtsystem der Realität. Genau mit ihr beginnt die Kette „Gedanke – Reden – Handlung“. Darum hoffen wir, dass wir, indem wir die Gespräche einschränken, zu einer höheren Stufe des Gebens aufsteigen können.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit“, 11.01.2011