Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Allgemein'

Erschaffe Dir keine Götzen

Baal HaSulam, „Das Vorwort zum TES“: Um die Wissenschaft der Kabbala bestand bis zum heutigen Tag eine eiserne Mauer. Viele machten Versuche, begannen das Studium und konnten es wegen dem Unverständnis der spirituellen Begriffe nicht fortsetzen.

Und deshalb habe ich versucht in den Kommentaren zum Buch „Panim meirot u-masbirot“ das Buch von Ari „Baum des Lebens“ zu erklären, indem ich die materiellen Formen abstrahiert und sie mit den spirituellen Gesetzen angeglichen habe, diese über Raum und Zeit erhob, damit jeder Anfänger den Sinn und die Begründung dieser Begriffe verstehen könnte.

Es ist tatsächlich ein Problem, wenn die Menschen die Worte der Kabbala in ihrer äußerlichen Bedeutung wahrnehmen und den spirituellen Kräften materielle Gewänder zuschreiben. Es existiert das Gebot, das uns verbietet, sich Götzen und Gestalten zu schaffen. Gerade dieses Gebot hat Abraham dazu bewegt, die materielle Welt zu verlassen und in die spirituelle Welt hinauf zu steigen. Jedoch bleibt die Gefahr der Rückkehr zu den Götzen, wenn wir einem materiellen Gegenstand oder einer Handlung gewisse spirituelle Wesenszüge zuschreiben.

Viele Menschen meinen, dass diese oder jene Gegenstände über spirituelle Kraft verfügen: die roten Bändchen, das heilige Wasser oder bestimmte Bilder … Man brachte meinem Lehrer Rabash mehrmals solche Bilder, welche ich später zurückgab, da er nichts behalten wollte.

Die Menschen sind geneigt, den Schriftzeichen, Heiligenbildern, Gegenständen, Tieren, sowie anderen Menschen spirituelle Eigenschaften zu verleihen. Es existiert eine Menge von Objekten der Anbetung. Und außerdem verleiht man verschiedenen Handlungen spirituelle Aureole.

In Wirklichkeit besitzt das Materielle keine spirituelle Kraft. Sie liegt nur in der Absicht des Menschen, wenn er mit dem Licht zusammenwirkt, das zur Quelle zurückführt.

Auszug aus dem Unterricht nach „dem Vorwort zur Lehre der Zehn Sefirot“, 15.01.2012

Jeder hat sein eigenes Spielzeug

Frage: Was zwingt uns dazu, uns “ Idole zu schaffen“, also spirituelle Eigenschaften materiellen Gegenständen und Handlungen zuzuschreiben?

Meine Antwort: Wir gleichen noch Kindern: jeder hat seinen eigenen Schnuller, seine eigene Puppe, ein eigenes Spielzeug. Für kleine Kinder ist eben diese Verbindung wichtig, etwas, woran sie sich immer halten können. Sie brauchen etwas Vertrautes, etwas, was sie mit dem Elternhaus in Verbindung bringen können, was ihnen nah ist und sie beruhigt.

Jeder Mensch, der sich an einem neuen, unbekannten Ort befindet, weiß zuerst nicht, wie er sich dort zu benehmen hat, was er sagen soll, was zu erwarten ist. Er empfindet das Unbehagen, kann nicht einschlafen, ist nervös… Wie anders wäre es zu Hause: alles ist vertraut, durchschaubar und angenehm, ich und meine Familie sprechen die gleiche Sprache.

Das ist eben unsere materielle Natur, und ebenso verhalten wir uns in der spirituellen Welt, aus welcher alles entspringt. Wie kann man sich in einer Umgebung aufhalten, die einem fremd und unbekannt ist? Um sich der Situation anzupassen und darin zurechtzufinden, braucht der Mensch eine Stütze aus einfachen Symbolen. Je weiter die Menschen von der Spiritualität entfernt sind und je weniger sie diese empfinden, desto stärker hängen sie von äußerlichen Attributen ab. Die Massen in einem größerem Ausmaß als einzelne Persönlichkeiten.

Dementsprechend nehmen alle äußerlichen Traditionen des Judaismus ihren Anfang in den Zeiten der Zerstörung des Tempels. Davor waren materielle Symbole einfach überflüssig, weil der Mensch damals in der spirituellen Welt lebte.

Auszug aus dem Unterricht nach „dem Vorwort zur Lehre der Zehn Sefirot“ „, 15.01.2012

Kein Leidensweg, aber auch kein Picknick

Frage: Warum schätzen wir nicht den Weg, den wir gehen? Warum genießen wir nicht jeden Augenblick? Selbst wenn wir es nicht leicht haben, sind wir dennoch in der Gruppe, alle zusammen, und das bedeutet an sich schon Glück.

Meine Antwort: In Wirklichkeit brauchen wir beide Seiten der Medaille.

Wenn du wegen des Essens und des freundschaftlichen Miteinanders herkommst, wird alles nur darauf hinauslaufen. Dein Egoismus wird es dir nicht erlauben, etwas anderem entgegen zu streben.

Andererseits, wenn du dich hier unwohl fühlst, wird der Egoismus dich nicht herkommen lassen, und anstelle des Morgenunterrichts wirst du im Bett liegen bleiben.

Deshalb brauchen wir beides – sowohl Freude als auch Unzufriedenheit. Denn hier gibt es immerhin Menschen, von denen die meisten die linke Linie, sprich die kritische Analyse besitzen. Sie stellen sich die Fragen: „Was kann ich wirklich vom Leben bekommen? Ich will nicht einfach nur ein Anhänger von jemandem oder von etwas sein – ich möchte vorankommen. Die Anhänger geben sich auf jeder Stufe damit, was sie haben, zufrieden und wollen nichts. Doch wenn ich nichts will, wie soll ich dann vorankommen? Wie soll ich das zusätzliche Verlangen erlangen?“

Das Gleiche wollte Abraham vom Schöpfer wissen: „Wie kann ich wissen, dass ich das Land erben werde?“ Mit anderen Worten: Wie kann ich ein Verlangen nach dem spirituellen Aufstieg erlangen? Die Eigenschaft von Abraham ist die Barmherzigkeit, Sefira Chessed. Deshalb machte er sich Sorgen darum, wie er das Verlangen nach dem Aufstieg zu den Höhen, die unerreichbar zu sein scheinen, erlangen kann.

Der Schöpfer antwortete ihm: „Du wirst es auf dem Leidensweg erreichen“.

Doch von welchen Leiden ist die Rede? Von jenen, die du durch „die Tora und die Gebote“, mit Hilfe des Lichts, erfährst. Das sind nicht einfach nur schlechte Erfahrungen im Leben. „Das ägyptische Exil“ ist kein Synonym für Arbeitslosigkeit, Geldnot oder gesundheitliche Probleme. „Das ägyptische Exil“ ist ein Gefühl des Mangels, das durch die Kehrseite des Lichts hervorgerufen wird, wenn du spürst, dass es dir an Spiritualität, Liebe, Verschmelzung mangelt. Das sind Leiden, zu denen wir kommen müssen, hier ist schwere Arbeit nötig.

Genau damit haben wir ein Problem. Wenn wir exakt die Verlangen, die konsolidieren müssen, offenbaren, werden wir sie auf einer anderen, einer spirituellen Stufe wahrnehmen. Stattdessen senken wir unseren Blick ständig auf das materielle Leben. Lass dieses Tier in Ruhe, nicht davon ist die Rede. Die Rede ist von der spirituellen Verzweiflung, die über alles, was wir hier und heute haben, hinausgeht. Gerade im Geist werden das Exil und die Erlösung enthüllt, in den spirituellen Bestrebungen errichtest du deinen Tempel.

Lasst uns also alles auf die richtigen Kriterien beziehen, während wir prüfen, ob es uns gut oder schlecht geht und was wir genießen. Es geht hier nicht um die Mahlzeiten und Freundesversammlungen an sich, sondern um ihren Inhalt, um den inneren Inhalt.

In Kürze wollen wir wieder in die Arava-Wüste fahren. Dafür müssen wir eine neue Kraft, die Einheit auf einer höheren Stufe erreichen. Wir müssen schnell und energisch unsere Anstrengungen vereinen, um neue Wahrnehmungsdetails, neues Verlangen, das auf das spirituelle Gefäß gerichtet ist, zu erlangen – „das Gebet vor dem Gebet“ sozusagen.

Anderenfalls werden wir einfach nur ein Picknick in der Arava haben. Wenn dieser Ort uns auch nur ein wenig an unsere vorige Fahrt erinnert, lohnt es sich noch nicht einmal, damit anzufangen. Wir müssen uns in einem ganz neuen Zustand finden – in einem nie dagewesenen, unbekannten, noch nie erprobten Zustand. Wir brauchen eine absolut neue spirituelle Stufe, die das gewohnte materielle Bild verhüllt…

Im Großen und Ganzen müssen wir die Zeit des „Exils“ durchlaufen, die als Vorbereitung auf das Betreten des „gelobten Landes“ dient – des Landes Israel, sprich des Verlangens, das direkt zum Schöpfer (Yashar El) gerichtet ist. Dort wartet auf uns bereits das Beste, die ganze Erfüllung – doch jetzt brauchen wir eben das richtige Verlangen, das Bedürfnis danach. Stattdessen sehnen wir uns nach allen möglichen „unnützen Sachen“ dieser Welt.

Wollen wir hoffen, dass wir wirklich das spirituelle Verlangen brauchen werden. Dann werden wir für den wahren Zusammenhalt in die Wüste ziehen – nur um uns untereinander zu verbinden, nachdem wir unsere persönlichen Verlangen auf diesen Ruck vorbereitet haben.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Das Land erben“, 20.01.2011

Der Schirm ermöglicht die maximale Ähnlichkeit mit dem Gebenden

Frage: Was bedeutet der Satz „Die Reshimot reihen sich in den Schirm ein?“

Meine Antwort: Nach der ersten Kontraktion (Zimzum Alef) wird der Schirm zum wichtigsten Bestandteil unserer ganzen Arbeit.

Der Schirm ist meine einzige Sorge, der Ort, an dem ich mich ständig empfinde. Alles übrige, außer dem Schirm sind sonstige Bedingungen, die zur Unterstützung des Schirmes bestimmt sind, und seine Form, seinen Charakter, seine genaue Ausrichtung bestimmen.

Meine Aufgabe besteht darin, mich nur auf den Schirm zu konzentrieren. Dabei lasse ich außer Acht, welche Verlangen in mir entstehen, welches Licht es gibt, was im Leben geschieht, weil ich die Entscheidung getroffen habe, dass ich von nun an und weiter mich immer bemühen werde, dem Höheren gleich zu werden. Und die Gleichheit mit dem Höheren gewährleistet der Schirm.

Alle übrigen Bedingungen, sowohl die äußerlichen, als auch die inneren, gruppieren sich und konzentrieren sich in diesem einen Begriff „des Schirmes“ (Massach). Und ich denke nur noch daran: wie ich die optimale, die bestmögliche Handlung von allen möglichen ausführen kann, um dem Schöpfer in jedem Zustand gleich zu werden.

Mich interessiert weder der Zustand an sich, der von mir sowieso nicht abhängt, noch die Empfindungen innerhalb dieses Zustands! Für mich ist nur wichtig, zu verstehen, dass ich diesen Zustand von Ihm bekommen habe, und deshalb eine solche Handlung zu begehen habe, die mich an Ihn angleichen wird. Darin besteht meine ganze Arbeit!

Es kann sich sowohl um den kleinsten Zustand (Katnut), als auch um den größten Zustand (Gadlut), oder aber um einen Zustand in der Mitte handeln! Es ist mir unwichtig, weil alles von Ihm kommt. Ich richte meine ganze Aufmerksamkeit auf den Schirm.

Und die „Reshimot, die sich in den Schirm einreihen“ sind die Ausgangsdaten, mit denen ich arbeite. Es sind die Informationen über mich selbst, über das Höhere, über meinen vorhergehenden Zustand, über das Untere, über alles. „Die Reshimot“ sind „die Aufzeichnungen“ aller meinen Eindrücke von allem, was schon geschah und noch geschehen wird. Diese Daten sammeln sich im Schirm, und meine Arbeit besteht darin, sie aufzuklären, sie nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen und zu handeln, um dem Höheren gleich zu werden.

Die Formel ist einfach, gesucht wird das Optimum. Das heißt, das maximal Mögliche zu tun, das Beste zu wählen.

Auszug aus dem Unterricht nach „der Lehre der Zehn Sefirot“ „, 18.01.2012

Die Ruhe in der Geschwindigkeit des Lichts

Frage: Ist es richtig, dass der Schöpfer so lange auf uns wartet, bis von uns das richtige Gebet kommt?

Meine Antwort: Man kann nicht von „Erwartung“ sprechen. Das höhere Licht befindet sich in absoluter Ruhe, das ist ein unveränderliches Gesetz, gleich den Gesetzen der Physik. Eine Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit ist nichts anderes als der Zustand der Ruhe.

Das Licht kann nicht stehenbleiben. Seine Natur ist unveränderlich, unabhängig davon, ob es offenbart wird oder nicht. Wie die Natur des physischen Lichts, das eine konstante Geschwindigkeit in Höhe von 300 000 Kilometern pro Sekunde im Vakuum hat. Alles hängt nur davon ab, in welcher Umgebung es sich befindet, denn wir offenbaren es mittels der Materie. Der Maß der Ähnlichkeit der Materie mit dem Licht bestimmt ihre Geschwindigkeit, weil wir nicht die Verbreitung des Lichts, sondern die Reaktion der Materie auf es sehen.

Und wenn irgendeine Handlung ständig geschieht, dann wird sie in Bezug auf uns in der Form von Ruhe wahrgenommen. Das heißt, das Höhere Licht wirkt immer ein, es geschehen keine Veränderungen in seinem Einfluss. Alles hängt von den Verlangen ab – auf welche Weise enthüllen sie diese Einwirkung? Die Veränderungen in den Verlangen bestimmen die Geschwindigkeit der Einwirkung des Lichts. Im Licht selbst geschieht keine einzige Veränderung. Es wirkt immer ein!

Wir sagen, dass wir uns bemühen müssen, an uns das Licht heranzuziehen. Aber in Wirklichkeit ist es anders, als wir uns das vorstellen. Das Licht wirkt ununterbrochen ein, und wir (unsere Verlangen) sind das Ergebnis seiner Einwirkung.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Brief von Baal HaSulam, 17.01.2012

Warum brauche ich die Schätze des Königs…

Der Sohar erzählt uns, auf welche Weise das höhere Licht auf uns einwirkt und aus allen unseren Eigenschaften (außer denen, die unserem Fleisch eigen sind) etwas dem Schöpfer Ähnliches aufbaut – aus unserem ganzen inneren Wesen, das „der Verstand und das Herz“ genannt wird; aus der Gesamtheit unserer Verlangen und der Gedanken, die unser „Ich“ bilden.

Ich weiß nicht, was es mit mir machen soll. Meine Verlangen und meine Gedanken konzentrieren sich immer noch auf die Befriedigung meiner Bedürfnisse, weil auf diese Weise mein Ego funktioniert, welches dahinter steht.

Das Licht, das während des Lesens des Buches Sohar kommt, lässt nichts von den vorherigen Wünschen und Gedanken übrig, es beginnt mir allmählich andere Werte zu vermitteln, und zwar auf dem Niveau des Zustandes, in welchem ich mich gerade befinde. Und dann beginnt es, mich von der jetzigen Realität loszulösen, verändert mich jedesmal auf eine Art und Weise, so dass ich mich entweder über diese Realität erhebe, oder in sie noch tiefer eintauche.

Durch diese Veränderungen hilft es mir, mich von dieser Realität zu befreien, den Zustand zu erreichen, in welchem es für mich schließlich unwichtig ist, ob ich mich noch in ihr befinde oder von ihr ganz losgelöst bin. Selbst wenn mir alle Schätze des Königs gegeben würden, würden sie mich nicht interessieren, weil ich meine Absicht auf einen höheren Zustand ausrichte. Ich bin mit dem höheren Ziel einverstanden und wünsche mehr als alles, es zu erreichen , was sich in meinen Gefäßen des Empfangens zeigt und in meinen Gedanken und Wünschen offenbart werden kann.

Wenn ich einen solchen Zustand mit Hilfe der Übungen, die als die Arbeit des Schöpfers bezeichnet werden, erreicht habe, dann beginne ich zu verstehen, worüber das Buch Sohar spricht.

Wollen wir hoffen, dass wir jeden Tag und jeden Augenblick in einen solchen Zustand eingehen werden, in dem das zu uns kommende Licht, die höhere Kraft uns verändern und über alle Wünsche und Gedanken erheben wird, damit wir nur noch von dem Gebenden abhängig sind, Der auf uns einwirkt.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 17.01.2012

Die helfende Hand, die aus der Finsternis gereicht wird

Wir verstehen nicht, was es bedeutet, durch das Geben zu genießen. Das Schöpfungsziel ist, den Geschöpfen Genuss zu bereiten. Und sie werden in der Tat genießen – die Frage ist nur: wie?

Wir verstehen nicht, dass Verlangen, die von uns heute wahrgenommen werden, uns völlig fremd und von uns getrennt sind. Das Geben zu genießen bedeutet keinen Genuss dadurch, dass der andere genießt. Das wäre einfach ein für uns beide lukratives Geschäft.

Und wenn ich dadurch genieße, dass es ihm gut geht, selbst wenn es mir dabei schlecht geht, ich mich aber überwinde, wie Eltern, die alles für ihre Kinder opfern, dann ist das ebenfalls kein Geben. In der spirituellen Welt entstehen Verlangen, die für uns unvorstellbar sind. Es können lediglich ungefähre Beispiele angeführt werden, wie materielle Zweige in Bezug auf die Wurzeln.

Daher sollten wir versuchen, uns möglichst gut vorzustellen, wie besonders dieser Begriff ist, wie weit er von dem gewohnten entfernt ist und wie sehr er nach einem psychologischen Umsturz verlangt. Die ganze Welt stellt sich in unserem Bewusstsein auf den Kopf, und dann enthüllen wir etwas vollkommen Neues.

Das verlangt nach einer inneren Anstrengung und der Lösung von der gewohnten Umgebung, nach der Bereitschaft, vor dem momentanen Zustand zu flüchten, in das Rote Meer zu springen, den Kopf zu verlieren, alles, was man hat, stehen- und liegen zu lassen, vollkommen nackt und hilflos zu bleiben und alles hinzunehmen, was kommen mag – Hauptsache es kommt von Oben.

Auf diese Weise müssen wir uns auf den Kongress in der Arava vorbereiten, und wenn wir uns in diesem Zustand halten können, werden wir den Durchbruch – zu dieser schwarzen Finsternis, zu dem Wasser des Endmeeres – schaffen und alles überstehen, was auch immer sich uns enthüllen mag.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Brief von Rabash, 16.01.2011


Die Empfindung der Liebe erfüllen

Frage: Ist die Eigenschaft des Gebens das Gefäß oder die Füllung?

Meine Antwort: Die Eigenschaft des Gebens ist sowohl das Gefäß, als auch die Füllung. Es ist das Verlangen, das mich ausfüllt!

Wenn ich jemanden liebe, dann füllt mich meine Liebe zu ihm aus. Ich fordere keine Liebe als Antwort, mir genügt mein Gefühl in Bezug auf ihn, allein davon geht es mir gut. Die Empfindung der Liebe ist schon die Füllung. Unter der Liebe wird das Geben verstanden. Das Verlangen, an den Nächsten zu geben, wird als die Liebe zu ihm bezeichnet.

Die Größe meiner Liebe zu ihm wird daran gemessen, inwiefern ich fähig bin, über meinen Egoismus hinaufzusteigen und den anderen zu lieben. Und wenn ich jemanden im vollem Einverständnis mit meinem eigenen Egoismus liebe, dann ist das eine egoistische Liebe. Aber wenn ich trotz meines Egos liebe, dann ist diese Liebe spirituell, sie ist das Geben. Es kann keine wahre Liebe geben, ohne den Widerstand gegenüber dem Egoismus zu überwinden.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 15.01.2012

Die Folgen einer Explosion vor tausend Jahren

Wir sind das Produkt des Zerbrechens eines riesigen Verlangens, des ersten Menschen (Adam HaRishon), der sich in der Vollkommenheit aufhielt. Und obwohl er aus einer Menge einzelner Verlangen bestand, von denen jedes selbstsüchtig handeln wollte (weil das Verlangen immer an sich selbst denkt), herrschte über sie die höhere Kraft. Und deshalb befand sich dieses Konstrukt im Zustand der Welt der Unendlichkeit: in der vollen Verschmelzung und unter der absoluten Macht der Kraft des Gebens und der Liebe.

Dieser Zustand gleicht jener Empfindung, welche wir haben, wenn wir manchmal zusammen sitzen, zusammen singen, gut gelaunt sind und uns wünschen, dass dieser Zustand der Wärme und der Liebe ewig bleibt. Natürlich sind wir dann immer noch weit entfernt von der spirituellen Empfindung, aber dies gibt uns eine Vorstellung von dem Zustand, in dem sich die allgemeine Seele befand.

Und plötzlich geschah das Zerbrechen… Eine fremde Kraft drang ein und zerstörte alles.

Woher ist sie gekommen? Sie wurde in unserem Inneren offenbart – wir empfanden sie nicht, haben sie nicht erwartet, und plötzlich wurde in uns der Hass offenbart! Er verbarg sich schon immer in uns und wurde jetzt gegen unseren Wunsch offen sichtbar.

Es ist ein solcher Hass ausgebrochen, dass jeder aus dieser schönen Versammlung und aus der Vereinigung überhaupt weglief, eben weil er gefühlt hat, dass sie sich in etwas Abscheuliches, Schmutziges verwandelt hatte, worin er unmöglich bleiben konnte. So kamen wir in diese Welt und leben seit dem hier…

In der Folge entwickelte sich diese Welt unter der Lenkung eben dieser Kraft des Hasses. Wir sehen an der Geschichte, dass die ganze Zeit bis zum heutigen Tag dieselbe Kraft des Zerbrechens zur Entwicklung verwendet wurde. Aber heute offenbaren wir, dass wir jetzt bei der maximalen Realisation dieser Kraft des Hasses angekommen sind. Es gibt keine Hoffnungen mehr, mit ihrer Hilfe ein besseres Leben zu erreichen.

Heute beginnt die Phase der Korrektur. Wenn wir verstehen, dass wir eben diese Kraft des Hasses, die uns trennt und unser ganzes Leben zerstört, jetzt nicht mehr benutzen können, dann müssen wir sofort etwas tun!

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 13.01.2012

Liebe, die das Herz öffnet

Frage: Was bereitet dem Schöpfer mehr Genuss: wenn wir Seine Liebe spüren und sie an Ihn zurückgeben oder wenn wir sie weitergeben?

Meine Antwort: In Wirklichkeit wird die spirituelle Liebe ganz anders als die materielle empfunden. Natürlich, mit der menschlichen Sprache ausgedrückt, bereiten wir dem Schöpfer Genuss, wenn wir andere Menschen Ihm näher bringen, doch die Worte sind trügerisch.

Nur nachdem wir die Eigenschaft von Bina erlangt haben, werden wir verstehen, worum es geht. Ohne das Licht Chassadim kann der Mensch überhaupt nicht von Liebe sprechen. Denn er denkt ausgehend von den eigenen Verlangen und nicht von den Verlangen des Nächsten. Um welche Liebe kann es sich also handeln?

Liebe bedeutet, dass das Verlangen eines anderen sich wie mein eigenes öffnet, wenn ich das will, was der andere will, und zwar mehr, als ich es für mich selbst wollen würde. Die Distanz zwischen uns vergrößert nur meine Leiden, die durch die mangelnde Zufriedenheit des Nächsten hervorgerufen werden, und umso mehr möchte ich sein Verlangen erfüllen. Die Distanz wird zum Verstärker meines Mitgefühls.

Diese Einstellung entsteht von allein, automatisch: auf diese Weise denke ich, auf diese Weise nehme ich Verlangen wahr – genau das ist die Erlösung, das Wunder. Und um welche Liebe kann es sich bis dahin handeln? Wenn ich liebe, dann kümmere ich mich um die Verlangen meines Nächsten über meiner eigenen Abstoßung und Gegensätzlichkeit. Mir wird der Egoismus enthüllt, und ich arbeite in der mittleren Linie – das ist Liebe.

Denn in Wirklichkeit befindet sich meine Seele außerhalb von mir…

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zum Talmud Esser ha Sefirot, 15.01.2012