Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Allgemein'

Glaube, der aus der finsteren Nacht leuchtet

Wenn der Schöpfer sich enthüllt oder sich zumindest dem Menschen ein wenig nähert, entsprechend der von ihm erreichten Ähnlichkeit der Eigenschaften, dann darf man sich während eines solchen Aufstiegs nicht erlauben, leichtsinnig zu sein und die angenehmen Empfindungen zu genießen. Im Gegenteil, jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Arbeiten – gerade während eines Aufstiegs, wenn von uns verlangt wird, ein Maximum an Anstrengungen hinzuzufügen, um noch stärker an dem Studium, der Gruppe, den Büchern, der Verbreitung festzuhalten.

Du musst versuchen, den maximalen Nutzen aus dieser Zeit zu ziehen, und begreifen, dass keiner dir garantieren kann, dass im nächsten Augenblick das Ganze nicht zu Ende sein wird. Deshalb musst du dich jetzt mit allen Mitteln an diesen Zustand des Aufstiegs festbinden, so dass, selbst wenn die angenehmen Empfindungen von den absolut entgegengesetzten, dunklen und unangenehmen – Nebel, Durcheinander, Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit – abgelöst werden, du selbst in einem solchen Zustand der völligen Verzweiflung in derselben Verschmelzung mit dem Schöpfer bleiben möchtest.

Und diese Nähe wird nicht mehr auf den angenehmen Empfindungen basieren, doch gerade obwohl es dir im Moment schlecht in deinem Egoismus geht, möchtest du dem König treu bleiben, so dass weder Auf- noch Abstiege einen Einfluss auf dich dadurch haben, ob du die Erfüllung in deinen Verlangen fühlst oder nicht fühlst. Im Gegenteil, wenn es keine Erfüllung gibt, gerade dann kannst du sicher sein, dass du uneigennützig, um des Gebens willen, handelst.

Und dafür musst du einen Bund eingehen. Wenn du genau das Geben anstrebst, beginnst du, die Möglichkeit zu enthüllen, einen solchen Bund mit dem König einzugehen, dessen Aufrechterhaltung der Schöpfer garantiert, so dass du sicher sein kannst, dass, selbst wenn die Zustände des Abstiegs kommen und du dich völlig leer fühlst und dich nicht an dem Geben festhalten kannst, du dank der vorherigen Arbeit die Möglichkeit erhältst, selbst in der Finsternis in der Verschmelzung zu bleiben.

Die ganze Arbeit läuft gerade nachts – dort sind das Geben und der Glaube enthalten. Wie geschrieben steht: „Du sollst morgens die Barmherzigkeit des Schöpfers und nachts den Glauben preisen“, denn gerade nachts enthüllen sich der Glaube und das Geben.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 17.06.2012

Die Routinearbeit beleben

Um das Ziel zu erreichen, bedarf es bestimmter Mittel, und unsere Mittel sind Anstrengungen. Je mehr Anstrengungen wir unternehmen, desto genauer und bewusster richten wir diese auf das Ziel aus, desto stärker ziehen wir das Licht, das zur Quelle zurückführt und uns voranbringt, an.

Deshalb ist uns jeder Augenblick des Lebens dafür gegeben, um auf der Suche zu sein und zu klären, was gerade am effektivsten ist und mir hilft, das Licht, das zur Quelle zurückführt, anzuziehen. Wie geschrieben steht: „Ich erschuf die böse, egoistische Natur und als Ergänzung dazu die Tora, weil das in ihr verborgene Licht zu seiner Quelle zurückführt“ – also den bösen Trieb korrigiert und in den guten umwandelt. Und in diesem guten Verlangen, wie in einem Gefäß, nimmst du das spirituelle Leben wahr.

Genau darin besteht das ganze Rezept der Korrektur. Aus diesem Grund besteht unsere Arbeit darin, in jedem Augenblick zu versuchen, das wirksamste Mittel zu enthüllen.

Für gewöhnlich schwimmt der Mensch einfach mit dem Strom des Lebens und denkt, dass er dadurch vorankommt. Doch diese passive Bewegung bringt ihm nur ein unbelebtes Vorankommen. Nehmen wir an, er befindet sich in der Gruppe, studiert, nimmt an irgendwelchen Aktivitäten teil, und das alles ist für ihn bereits zur Routine geworden. Er befindet sich im Wirkungsfeld der allgemeinen Kraft, die in einem gemeinsamen Strom alle Menschen, die das Ziel erreichen möchten, vorwärtstreibt.

Doch das wird als unbelebte Stufe der Spiritualität bezeichnet, darin gibt es noch kein persönliches Vorankommen. Das persönliche Vorankommen hängt davon ab, wie viele eigene Anstrengungen der Mensch investiert, um sich selbst zu erwecken und selbst Geschmack und Schärfe – Salz, Pfeffer und andere Gewürze – zu diesem Gericht dazu zu geben.

Er muss verstehen, dass er keine Wahl hat und das Erwachen nur durch solche extremen Zustände möglich ist, in die er gnadenlos hineingeworfen wird, um ihm zu zeigen, wie sehr er der Spiritualität entgegengesetzt und wie weit er von ihr entfernt ist. Und wenn er keine Angst davor hat, seinen Appetit durch nicht sehr angenehme Reize zu entfachen, dann erwacht er und kann bereits selbständige Handlungen vollbringen und nicht nur mit dem gemeinsamen Strom seiner Gruppe mitschwimmen.

Deshalb werden von uns kontinuierliche Anstrengungen verlangt, wie geschrieben steht: „Ich habe mich angestrengt und gefunden – sollst du glauben“ – d.h. dann geschieht es und der Schöpfer offenbart sich dem Menschen, doch nur unter der Bedingung, dass der Mensch Anstrengungen über der gewohnten Routine unternimmt.

Und das stellt ein Problem für uns dar, denn es fällt uns sehr schwer, aus dem gewohnten Strom auszubrechen. Wir gewöhnen uns an den Tagesablauf, an die gleichen Uhrzeiten und an die gleichen Erfüllungen, die wir nach Plan für die gleiche Menge an Anstrengungen bekommen. Die Gewohnheit wird zur zweiten Natur.

Ich strenge mich bereits seit Jahren an und glaube, dass ich die ganze Zeit auf dem Weg bin. Aus diesem Grund wächst in mir Unzufriedenheit und ich ärgere mich: „Was geschieht mit mir? Warum gibt es kein Resultat?“ Ich begreife nicht, dass ich die ganze Zeit nur mit dem Strom mitgetrieben bin. Und in Bezug auf die Spiritualität ist das ein unbelebter, toter Körper, der sich nicht bewegt.

Denn ich habe keine persönlichen Anstrengungen unternommen. Und die Spiritualität soll sich dem Menschen entsprechend seinen eigenen Anstrengungen, der Bereitschaft seines persönlichen Gefäßes, Verlangens offenbaren. Zweifelsohne befinde ich mich trotzdem in einer gewissen Bewegung und komme langsam vorwärts, denn ich nehme an diversen Aktivitäten teil. Doch das Wichtigste ist, dass es über dieser ganzen gewohnten Routine und dem allgemeinen Strom eine persönliche Klärung gibt, mit deren Hilfe der Mensch ständig durch verschiedene scharfe Gewürze – unangenehme Fragen – den Appetit in sich selbst entfacht.

Er muss eine kritische Analyse durchführen und Druck auf sich selbst ausüben, er muss versuchen, die Zeit zu beschleunigen, so zu arbeiten, dass das Geschriebene „Ich habe mich angestrengt und gefunden – sollst du glauben!“ in Erfüllung geht.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 15.06.2012

Vier Schritte zu Keter

Wenn in uns die spirituelle Sehkraft erwacht, beginnen wir wirklich zu sehen und allmählich immer klarer zu begreifen, dass alles von dem „Ort“, dem Verlangen abhängt, d.h. von der Anzahl und der Tiefe der Einzelheiten, die die spirituelle Realität für mich enthüllen und mir zeigen, wie sehr ich mit den anderen verbunden bin. Alles hängt von der Anzahl dieser Details ab, und, was das Wichtigste ich, von ihrer Stärke, von der Kraft der Verbindung.

Jeder von uns entdeckt plötzlich verschiedene Details seiner egoistischen Wahrnehmung, verzichtet jedoch auf seinen Egoismus, um sich mit den anderen zu verbinden. In meinem Verlangen scheint eine Ausbuchtung in Bezug auf einen überstehenden Teil des Verlangens eines anderen zu entstehen, und der überstehende Teil meines Verlangens entspricht einer Ausbuchtung von ihm. Auf diese Weise verbinden wir uns, indem jeder sich in Bezug auf den anderen annulliert.

Also verzichte ich auf meine eigenen Interessen, um mich mit ihm verbinden zu können. Er aber entdeckt in seiner Wahrnehmung diese vorstehenden Zacken meines Egoismus und annulliert sich selbst, um sich mit mir verbinden zu können. Auf diese Weise vernichten wir nicht unseren Egoismus, sondern nutzen ihn ständig, um uns durch noch mehr vorstehende Zacken und Ausbuchtungen verbinden zu können. Von der Anzahl dieser Verbindungen hängt die Empfindlichkeit, die Feinfühligkeit unserer Wahrnehmung und deren Stärke ab, deshalb enthüllen wir darin immer mehr Details.

Auf diese Weise wird das gemeinsame Gefäß um der gemeinschaftlichen Interessen willen aufgebaut. Je mehr ich die gemeinsamen Bedürfnisse enthülle, desto mehr kann ich mich annullieren und mit den anderen verbinden. Doch dann muss ich darüber nachdenken, wozu ich das tue. Um die Shechina zu enthüllen. Und hier muss ich eine weitere, tiefere Verbindung für das höhere Ziel erreichen, indem ich enthülle, dass es der Schöpfer ist.

Der Schöpfer ist keine Gestalt, sondern eine Eigenschaft, die infolge meiner Klärungen zum Vorschein kommt, ähnlich der höheren Sefira Keter, die ich enthülle, nachdem ich alle vorangehenden Sefirot geklärt habe, ähnlich dem Gebot der Liebe, zu dem wir gelangen müssen, jedoch andererseits dazu nicht in der Lage sind. Es enthüllt sich uns von allein, wenn wir alle vorangehenden Gebote erfüllen.

Das gleiche betrifft die Verbindung. Wenn ich mit meinem Punkt im Herzen in der Gruppe arbeite und mich mit den Freunden verbinde, enthülle ich innerhalb dieser Verbindung auf allen vier Ebenen deren innere Wurzel, die als Shechina bezeichnet wird. Shechina bedeutet Enthüllung des Schöpfers.

Ich selbst kann diese letzte Stufe – Keter, den Gebenden – nicht aufbauen. Sie wird dadurch enthüllt, dass ich meine vier Schritte ihr entgegen gemacht habe.

Folglich habe ich alles, was von mir abhängt, gemacht, vier Stufen und Formen der Verbindung durch eigene Kraft enthüllt und dann enthülle ich die vierte Stufe Keter, an der ich nicht selbst arbeiten kann. Genau das bedeutet Shechina. Meinerseits beende ich die gesamte Arbeit und dann erwartet mich ein Fund, wie geschrieben steht: „Ich habe mich angestrengt und gefunden“.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 13.06.2012

Die Freiheit besteht darin, Mensch zu werden

Frage: Worin besteht letztendlich mein freier Wille, wenn über allem das Schicksal oder der Wille Gottes herrscht?

Meine Antwort: Auf der Ebene unserer Welt darf der Mensch ruhig Fatalist sein, weil er keine einzige freie Handlung ausführt, weder in seinen Wünschen noch in seinen Gedanken oder physischen Handlungen. Doch der freie Wille ist uns nur in einem gegeben: im Empfangen eines widernatürlichen Verlangens von einer besonderen Umgebung (der Gruppe), die Eigenschaft des Gebens und der Liebe zu der ganzen Welt zu erlangen. Eben dieses besondere Verlangen heißt Mensch, wogegen unsere übrigen Verlangen als Tier bezeichnet werden.

Damit es weniger Strafkreise gibt

Frage: Ist es wichtig zu begreifen, was genau der Schöpfer von mir will, oder soll man einfach den eigenen Weg mit allen Leibeskräften fortsetzen?

Meine Antwort: Der Schöpfer will von dir nur das Eine: du sollst Ihn nicht vernachlässigen.

Es gibt in der Welt keinen einzigen Gedanken, kein Verlangen oder keine Handlung, die nicht zur Offenbarung des Schöpfers führen würden – direkt oder indirekt. Außer dem gibt es nichts anderes.

Wir hätten Ihn direkt offenbart, aber es ist leider praktisch unmöglich zu machen. Und da wir nicht fähig sind, vom Punkt „A“ zum Punkt „B“ auf dem kürzesten Wege zu kommen, so entstehen eine Menge indirekter Ursachen, die uns dennoch auf das Ziel ausrichten und uns zwingen, weiterzugehen.

Diese Ereignisse können den Menschen auf jede Weise verwirren, können Hindernisse vor ihn stellen und ihn zwingen, sich damit die vielen Jahre zu beschäftigen, bis er endlich einen Schritt vorwärts macht, obwohl es ihm scheinen würde, dass er direkt, ohne einen Umweg, gehen könnte.

Aber in allen Ereignissen der Welt und der ganzen Geschichte der Menschheit gibt es nichts außer der Bewegung zur Offenbarung des Schöpfers. Und wofür noch geschehen alle Ereignisse, wenn sich alles mit dem Widerstand des Lichts und des Gefäßes sowie mit den offenbarten informativen Genen, Reshimot klärt? Alles ist nur darauf gerichtet, um sie aufzuklären und zu korrigieren.

Entweder erledigen wir unsere Arbeit direkt oder die Natur wird uns mittels der Leiden infolge der Zerstörung zwingen, zu demselben Ergebnis zu kommen. Aber dann wird es eine lange Zeit brauchen; denn die Kräfte der Selbstsucht (Klipot) werden die Zeit wie ein Gummi ausdehnen und jeden Punkt in der langen Periode umwandeln, uns die Kräfte entziehen und uns verwirren. Wie es gesagt ist: „Der Schöpfer hat den Menschen direkt geschaffen, aber die Menschen haben sich eine Menge der Berechnungen erdacht“.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 05.06.2012

Die Matrjoschka baut sich von innen auf

Baal HaSulam, „Bürgschaft“: Die Weisen haben einmal die Bürgschaft mit zwei Menschen verglichen, die in einem Boot saßen. Einer begann unter sich ein Loch in den Boden des Bootes zu bohren und auf die Frage des Anderen, warum er das mache, antwortete er: „Was kümmert dich das? Ich bohre doch ein Loch unter mir und nicht unter dir?“. Daraufhin sagte der Zweite: „Du Narr! Wir werden gemeinsam untergehen.“

„Diejenigen, die die Last von den Schultern abwerfen, sind von der Eigenliebe durchdrungen und bauen somit einen eisernen Zaun um sich herum auf, welcher für diejenigen, die die Tora beachten, es unmöglich macht, zur gebührenden Erfüllung der Tora und ihrer Gebote im genannten Maße heranzutreten: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, – das was man die Treppe nennt, welche zur Verschmelzung mit dem Schöpfer führt. Und wie hatten die Weisen mit diesem Beispiel recht, als sie sagten: „Du Narr! Denn wir werden gemeinsam untergehen“.

Das ist ein sehr anschauliches Beispiel: es spielt keine Rolle, wo das Loch ist – auf jeden Fall werde ich ertrinken und so schließlich sterben alle. Und deshalb müssen wir uns um alle Teilnehmer kümmern und diese Sorge sollte in erster Linie im Inneren, in mir, zum Ausdruck kommen, wenn ich mich um eigene Wünsche kümmere, als auch von Innen nach Außen, wenn ich um die Gruppe und die Welt Sorge trage.

Der Mensch ist eine kleine Welt. Am Ende schließt meine innere Struktur die Struktur der Gruppe und die Struktur der Welt ein. Würde ich wissen, wie man sich richtig und sorgfältig um korrigierte und nicht korrigierte eigene Wünsche kümmert, dann würde ich alle äußerlichen Wünsche der Gruppe und der Welt insgesamt behüten. Das wird als „Sich selbst und die ganze Welt vor der Schale der Verdienste verneigen“ genannt.

Man kann es am Beispiel der Matrjoschka zeigen: mein Inneres, ich, die Gruppe und dann die Welt. Und alles das stelle ich mir vor: mein Ego ist in „Schichten“ unterteilt, von inneren zu äußeren Schichten. Aber in Wirklichkeit ist die Rede von einer einzigen Struktur, einem einzigen System. Und deswegen trage ich Verantwortung für alle: wenn ich auf mich selbst acht gebe, behüte ich damit eigentlich die ganze Welt.
Somit wird die Korrektur von Innen ausgeführt.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Bürgschaft“, 03.06.2012

Der Schritt entgegen

Man soll sich ständig bemühen, daran zu denken, dass alles, was mit uns geschieht, nicht die Folge unseres blinden Schicksals ist, sondern vom Schöpfer kommt, außer Dem es niemanden in der Welt gibt. Und wenn ich mich plötzlich an den Schöpfer erinnere, kommt dieser Gedanke auch nicht zufällig, sondern weil der Schöpfer es so will. Deshalb soll ich dafür dankbar sein, dass Er mich diese besondere Beziehung empfinden lässt, die mir von Oben gegeben wird, um darauf entsprechend zu reagieren. Es bedeutet, dass der Schöpfer mich an Sich angenähert hat.

Diese Annäherung kann sowohl unangenehm als auch gut empfunden werden. Denn die Empfindung erfolgt in meinem Verlangen zu genießen. Und wenn die Empfindung angenehm ist, dann soll ich daran arbeiten und versuchen, für den Schöpfer etwas Angenehmes zu tun.

Die angenehme Empfindung ist allerdings ein Problem, denn dadurch genießt unsere Selbstsucht und wird vom Stolz erfüllt. Dabei genieße ich entweder meine erhobene Stimmung oder die Befriedigung meines Strebens nach Ehre, Macht und Wissen. Unter solchen Bedingungen fällt es mir schwer, mir bewusst zu werden, warum ich mich plötzlich zum Schöpfer hingezogen fühle. Ob die Anziehungskraft wegen meiner Selbstsucht empfunden wird, weil es mir jetzt gut geht und sie mich vorwärts stößt, damit der Schöpfer meinen Stolz, meinen Durst nach Macht und Ehre ausfüllt?

Es fällt mir viel einfacher und leichter, mich auf den Schöpfer zu beziehen, wenn ich gerade keine Füllung und sogar im Gegenteil, die Dunkelheit empfinde. Denn ich bekomme dann keine Kompensation für das Verlangen zu genießen. Selbst wenn ich in dieser Situation nur eine kleine Bemühung tun werde, um mit dem Schöpfer zu verschmelzen, und dabei kein Genuss empfinde, dann kann ich mich über meine Selbstsucht erheben.

Somit ergibt sich, dass die schwachen Menschen gerade in die Finsternis geführt werden, damit sie aus dieser Dunkelheit hinaufsteigen und im Glauben über dem Verstand arbeiten können. Denn sie bekommen nichts im Verstand – alles ist dunkel. Deshalb wird es gerade auf diese Weise dem Menschen möglich, sich zu entwickeln.

Die starken Menschen dagegen empfinden die Belastung des Herzens, werden durch Erfolge im Erhalten des Geldes, der Macht, des Wissens erprobt. Der Mensch fühlt das Licht, das heißt die Füllung in all diesen Verlangen, soll aber dennoch über sie hinaufsteigen und sich nicht zwecks der Belohnung mit dem Schöpfer verbinden, die er jetzt für die Selbstsucht bekommen hat. Und das ist eine sehr schwere Arbeit.

Es ist gesagt: „Rufen Sie nach dem Schöpfer, während Er in der Nähe ist!“ Aber in der Nähe wovon: von meinem Verlangen zu genießen oder von der Möglichkeit, sich über Ihn zu erheben?

Möglicherweise lässt mich der Schöpfer die unangenehme Empfindung verspüren, will mich aber dadurch an Sich annähern und mir helfen, zu Ihm über meiner Selbstsucht hinaufzusteigen. Indem er mir allerlei Füllungen in den materiellen, egoistischen Verlangen gibt, wird Er mir nicht näher, sondern im Gegenteil, Er entfernt sich von mir. Oder Er kommt dann näher, wenn ich mich trotz aller egoistischen Versuchungen mit Ihm verbinden will.

Alles wird bezüglich des Menschen bewertet, der seine Zustände prüft und analysiert. Das Wichtigste ist seine innere Arbeit, wie er alle Zustände entziffert und über sie hinaufsteigt, wie er dabei den Schöpfer rechtfertigt, der ihm entgegenkommt. Er begreift, dass der Schöpfer den ersten Schritt ihm entgegen gemacht hat. Und wenn der Mensch es versteht, dann nimmt er jeden beliebigen Zustand an, den besten und den optimalsten für die Annäherung an den Schöpfer. So kommen sie mit jedem Schritt einander näher.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 07.06.2012

Im Magnetfeld des Gebens

Frage: Was ist der Glaube in der Wissenschaft der Kabbala?

Meine Antwort: Der Glaube bedeutet das Geben über dem Empfangen. Wir verwenden die Kraft des Glaubens, weil im Menschen die Kraft des Gebens nicht existiert – er soll sie vom Schöpfer erhalten. Infolge des Einflusses des Höheren Lichtes auf den Menschen entsteht in seinem Inneren die Fähigkeit zu geben.

Es gleicht einem Magneten, der ein Stück des Metalls festhält. Die Fähigkeit des Gebens entsteht im Menschen nur, weil sie sich unter der Einwirkung des Höheren Lichtes befindet, und deshalb heißt es der Glaube. Denn er soll diesen Eindruck vom Licht von Oben bekommen, um folglich die altruistischen Handlungen sowie die uneigennützigen Berechnungen zu begehen. Deshalb heißt es der Glaube.

Wenn das Geben aus seinen eigenen Kräften erfolgen würde, so würde es nicht Glauben heißen. Aber es existiert nur unter der Bedingung, dass das Höhere Licht dem Menschen seine Eigenschaft verleiht und darin die Fähigkeit zu geben erschafft. Die Eigenschaft des Gebens beim Geschöpf kommt infolge seiner Ähnlichkeit mit dem Höheren Licht, vom Streben zum Höheren und heißt deshalb der Glaube.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 04.06.2012

Die glückliche Kindheit im Schatten des Schöpfers

Frage: Was bedeutet es, im Glauben über dem Verstand zu arbeiten?

Meine Antwort: Die Arbeit im Glauben über dem Verstand ist das Geben. Das heißt, ich will zum Gebenden werden, die Form des Schöpfers annehmen, die Liebe verspüren, mich über die Selbstsucht zu erheben, mich für das Wohl der anderen einzusetzen, mich mit anderen zu verbinden. Es bedeutet, dass ich das Geben mehr als die eigenen Eigenschaften des Empfangens schätze.

Vor allem möchte ich aus der Macht meines egoistischen Verlangens herausgerissen werden und mich darüber erheben. Es bedeutet, dass ich die Ägyptische Sklaverei verlasse und die Eigenschaft Bina über Malchut erreiche. Und wenn ich davon befreit wurde und mich über dem Ego so erhoben habe, dass es mich nicht mehr fesseln kann, dann kann ich sogar beginnen, mit diesem Verlangen zu arbeiten.

Die Stadien des Embryos (Ibur) und der Ernährung (Yenika) symbolisieren den Aufstieg über dem Verlangen zu genießen. Und der erwachsene Zustand (Mochin) ist schon die Arbeit innerhalb dieses Verlangens. Die Arbeit am Verlangen zu genießen erfolgt im Zittern, im Geben zwecks des Gebens (Chafez Chessed), in den Eigenschaften von Bina infolge der Verschmelzung mit dem Schöpfer, in Seinem Schatten, wie das Kleinkind, das die Mutter umarmt und sich der Mutter vollständig hingibt. Folglich bekommt es die Kräfte, über seine Selbstsucht hinaufzusteigen.

Und später, wenn das Kind erwachsen wird, kann es schon selbst mit der eigenen Selbstsucht arbeiten. Dieser Zustand heißt schon die „Rückkehr mit der Liebe“.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 04.06.2012

Müdigkeit, Schweigen und sonstige Probleme

Kommentar: Nehmen wir an, dass während des Seminars ein Mensch eingeschlafen ist, aber niemand übernimmt die Verantwortung um ihn aufzuwecken.

Meine Antwort: Du sollst den Freund immer helfen. Wenn er eingeschlafen ist, wirst du dich etwa darum bemühen, dass er sich jetzt ausschlaffen kann? Es ist doch schade um seine Zeit!

Im Prinzip stört sein Schlaf nicht, besonders dann, wenn er krank oder müde ist, er schaltet sich trotzdem zusammen mit uns in den Prozess ein. Aber wir sollen daran denken, dass er lieber die Kraft und die Mühe investiert um davon mehr gewinnen bzw. profitieren kann. Deshalb ist es besser ihn aufzuwecken.

Frage: Kann der Mensch während des Seminars einfach nur schweigen?

Meine Antwort: Es gibt Menschen, denen es schwer fällt nur einen Satz, vor allen in einer Runde zu sagen, es fällt ihnen sehr schwer, sie müssen sich ständig überwinden. Es gibt verschiedene Zustände: manchmal können sie viel sprechen und können nicht aufhören und manchmal kriegen sie nicht mal ihren Mund auf.

Man muss sich dazu zwingen, etwas Druck auf sich selbst auszuüben. Wenn der Mensch das nicht macht, wird er nicht die Motivation haben, um zu verstehen worum es im Seminar geht und kann sich nicht an der allgemeinen Diskussion beteiligen.

Er muss das Gefühl der Angst haben, einen Druck von Innen, Furcht und Scham verspüren. Das wird ihn nach vorne bringen! Und warum brauchen wir alle diese Eigenschaften? Wie würden wir uns ohne sie entwickeln?

Kommentar: In der Fokus-Gruppe saßen Männer mit Erfahrung, und es war erstaunlich zu sehen, dass der Mensch wie ein Kind sein kann und die ganze Zeit alles von Neuem beginnt.

Meine Antwort: Bezüglich der spirituellen Welt gehen wir immer auf eine neue Ebene zu und werden quasi „neugeboren“, darin ist absolut nichts bekannt, du beginnst alles von Neuem: neuer Sinn, neuer Geschmack, alles ist dir neu.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 27.05.2012