Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Allgemein'

Ich möchte, dass es allen gut geht!

Frage: Worin genau besteht unsere Verbindung?

Meine Antwort: Die Verbindung basiert darauf, dass wir alle einer Gesellschaft angehören und sie glücklicher, gutmütiger, barmherziger, aufmerksamer jedem Menschen gegenüber machen möchten.

Ich möchte, dass es allen gut geht! Es braucht niemand enteignet werden, das Geld muss nicht den reichen Menschen weggenommen werden und es darf keine schwächere Gesellschaftsschicht – Arme, Ältere, Frauen – vernachlässigt werden. Das Eine darf nicht auf Kosten des Anderen passieren.

Das ist nur unter der Bedingung möglich, dass wir zuerst eine gerechte Gesellschaftsstruktur aufbauen, die auf der Gleichberechtigung basiert. Und aus diesem Blickwinkel werden wir alles nach dem Beispiel einer Familie betrachten, in der es Kinder und Erwachsene, einen Vater und eine Mutter, eine Menge Verpflichtungen, Schulden und Probleme gibt. Wenn wir alle an einem runden Tisch sitzen, dann verstehen wir, womit wir das Kind versorgen müssen, welches Medikament der Großvater braucht und welche Ausgaben für den Haushalt notwendig sind. Und dann schauen wir, was übrig bleibt, teilen den Rest untereinander auf und leben davon.

Wenn wir in der gleichen Form, mit Liebe zu allen, handeln und Probleme lösen würden, würde sich niemand beschweren können, warum es gerade so gemacht wurde. Denn alle würden sehen und wissen, dass alles gerecht entschieden wurde, weil ein Kind das eine und ein älterer Mensch etwas anderes braucht. Also müssen wir in erster Linie eine Verbindung wie in einer guten Familie erreichen.

Und dann, selbst wenn wir keine besonders großen Ressourcen haben, werden sie ausreichen, niemand wird sich Sorgen machen und sich benachteiligt fühlen. Denn das ist der wichtigste Anspruch, den der Mensch für gewöhnlich hat, weil er spürt: ich habe nicht das, was der andere hat, und das auf meine Kosten.

Auszug aus dem Workshop in Toronto, 20.06.2012

Urteile nicht über das, was noch nicht reif ist

Baal HaSulam „Einführung in das Buch Sohar“ Punkt 4: Und um all diese Fragen und Untersuchungen zu verstehen, gibt es ein Mittel: Auf das Ende der Handlung zu schauen, das heißt, auf das Schöpfungsziel, weil es unmöglich ist, etwas in der Mitte des Prozesses zu verstehen, außer wenn man den Abschluss betrachtet..

Bisher sind unsere Fragen auch ohne Antwort geblieben. Am Anfang der Arbeit verstehen wir diese noch nicht, sehen nicht, woher sie kommen. Man muss zuerst die Schöpfung vollständig erfassen und begreifen, und das Wichtigste ist, das Ende zu betrachten. Erst dann werden wir die Anfangsetappe verstehen.

Immerhin bestimmen nicht wir die Arbeit, sondern erfüllen diese und sind nur die Folge davon. Dies bedeutet, dass wir nur aus dem Ende ihre Anfänge erkennen werden.

Im Gegensatz zu uns benötigt der Schöpfer den Prozess nicht, der uns vom Ausgangspunkt zum Endpunkt führt. Für Ihn ist der Anfang, der Weg und das Ende eine einzige Wirklichkeit. Wir dagegen müssen durch die Etappen unserer Entwicklung gehen. Nur nachdem man mit der Arbeit fertig ist, kann man den zurückgelegten Weg und die ursprüngliche Ursache des Vorfalls verstehen.

Deshalb schreibt Baal HaSulam, dass wir den gesamten Prozess bis zum Ende erforschen sollen. Denn auf dem Weg scheint die gewünschte Frucht immer unreif, minderwertig, verdorben zu sein – wie jedes Ding, das seinen endgültigen Zustand noch nicht erreicht hat.

Die wirkliche Antwort auf unsere Fragen erhalten wir nur nach dem Erreichen des Ziels, am Ende der Korrektur. Jede Frage von uns stellt die Leere dar, ein Gefäß, welches wir auffüllen müssen; denn diese Füllung ist im Grunde genommen auch die Antwort. Also werden die Fragen über den Sinn und das Wesen unseres Daseins mit Antworten erst nach dem Erreichen des eigentlichen Ziels erfüllt werden.

Auszug aus dem Unterricht nach der „Einführung in das Buch Sohar“, 14.06.2012

Die gute Umgebung für die Welt

Frage: Die Gruppe, die Bücher und der Lehrer sind unsere Umgebung. Was wird eine richtige Umgebung für die Massen sein?

Meine Antwort: Wir. Denn die gute Umgebung ist die an uns angrenzende höhere Stufe. Wenn ich mich an sie von unten wende und stelle die Freunde auf die höhere Stufe, dann bekomme ich als Antwort von ihnen die richtige Einwirkung.

Heute ist die höchste Stufe für uns der Lehrer, die Gruppe und das Studium. Und für die Völker der Welt stellen wir, die Organisation Bnei Baruch (BB), mit anderen Wörtern, die Bürgschaft, eine höhere Stufe dar.

Es existieren drei Stufen: die Völker der Welt (99 %), wir (1 %) und die höchste Stufe, der Schöpfer. Also ist auf uns die Rolle des Bindegliedes übertragen: einerseits arbeiten wir, um uns mit dem Schöpfer zu verbinden, und andererseits, um der Welt zu helfen. Ebenso wird Bina in zwei Teile aufgeteilt: in drei obere Sefirot (GAR) und sieben untere (SAT).

Frage: Aber wie kann ein Prozent zur richtigen Umgebung für die restlichen 99 Prozent werden?

Meine Antwort: Dieses eine Prozent ist um vieles stärker als die übrigen 99, da seine Qualität höher ist. Es ist gesagt: „Der Gerechte bildet die Grundlage der Welt“.

Genauso ist die pflanzliche Natur höher, entwickelter als die gesamte unbelebte Materie des Universums, und die tierische Natur ist höher als die pflanzliche. Es ist eben die Pyramide: unabhängig davon, wie groß die Herde ist, sie geht immer hinter dem Hirten. Die Massen haben keine Verbindung mit der Kraft, die in unserer Realität agiert. Milliarden von Menschen bilden eine kleine, schwache Stufe. Sie sind kraftlos und verwirrt, sie streiten sich nur, sind feindlich und wollen die Welt zerstören; denn sie haben alles Schöpferische in sich schon ausgeschöpft.

Und deshalb ist es gesagt: „Ihr seid die wenigen aus den Völkern“. Für die Welt genügen nur einige Tausende, sogar weniger, um den Prozess richtig zu lenken. Auch die weltweiten Kommunikationsmittel haben sich im Grunde genommen nur dazu gebildet.

Insgesamt ist ein bestimmtes Programm unserer Entwicklung von Oben vorbereitet, und wir sollen genau das machen, was uns auferlegt ist, und davon überzeugt sein: dass, wenn wir unsere Arbeit richtig erledigen werden, auch mit der Welt alles in Ordnung sein wird.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Das Rohrhorn des Maschiachs“, Toronto, 20.06.2012

Leichte Feder mit dem Gewicht von hundert Tonnen

Frage: Welche Anstrengungen genau dienen als Mittel zum spirituellen Vorankommen, und kann ich einem Freund bei diesen Anstrengungen helfen oder beraube ich ihn auf diese Weise seiner Arbeit?

Meine Antwort: Anstrengungen sind das, was über dem Menschenmöglichen liegt. Ich kann nicht dem Anderen helfen und die Arbeit für ihn erledigen, doch ich kann ihm ein Beispiel geben, damit es ihm leichter fällt, seine eigenen Anstrengungen zu unternehmen.

Auf diese Weise beraube ich ihn nicht seiner Arbeit, sondern helfe ihm im Gegenteil dabei. Je mehr wir durch das eigene Beispiel einander helfen, damit es dem Freund leicht fällt, die schwerste Anstrengung zu unternehmen, desto effektiver werden wir vorankommen.

Dadurch tauschen wir materielle Anstrengungen gegen spirituelle! Die materielle Arbeit erscheint unwahrscheinlich schwer, die spirituelle Arbeit ist dagegen sehr leicht, denn du fügst die Kraft der Gruppe hinzu. Du sollst also eine Last mit dem Gewicht von hundert Tonnen von einer Stelle zur anderen verschieben – und du verschiebst sie, denn dir zur Hilfe kommen eine Million Menschen, die sie mit dir zusammen schieben.

Du musst nicht das Gewicht dieser Last von hundert Tonnen, die vor dir liegt, spüren. Diese hundert Tonnen schwere Last brauchst du nur, um durch sie die Verbindung mit einer Million Menschen zu erreichen.

Deshalb braucht niemand unsere sinnlosen Leiden. Von uns wird nur verlangt, zu begreifen, warum wir leiden. Wenn du an irgendeiner Stelle Schwierigkeiten, Leiden, Abstoßung, Bitterkeit empfindest, dann bedeutet es, dass du nicht richtig arbeitest. Wie geschrieben steht: „Nicht, dass du mich hättest gerufen, Jakob“. Wenn du diese Last, die dir vom Schöpfer gegeben wurde, mit viel Mühe und schweißgebadet trägst, dann sind deine Anstrengungen nicht richtig und diese Last gehört nicht dem Schöpfer, sondern jemand anderem.

Der ganze Genuss bei der Arbeit kommt davon, für wen wir arbeiten.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 15.06.2012

Glaube, der aus der finsteren Nacht leuchtet

Wenn der Schöpfer sich enthüllt oder sich zumindest dem Menschen ein wenig nähert, entsprechend der von ihm erreichten Ähnlichkeit der Eigenschaften, dann darf man sich während eines solchen Aufstiegs nicht erlauben, leichtsinnig zu sein und die angenehmen Empfindungen zu genießen. Im Gegenteil, jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Arbeiten – gerade während eines Aufstiegs, wenn von uns verlangt wird, ein Maximum an Anstrengungen hinzuzufügen, um noch stärker an dem Studium, der Gruppe, den Büchern, der Verbreitung festzuhalten.

Du musst versuchen, den maximalen Nutzen aus dieser Zeit zu ziehen, und begreifen, dass keiner dir garantieren kann, dass im nächsten Augenblick das Ganze nicht zu Ende sein wird. Deshalb musst du dich jetzt mit allen Mitteln an diesen Zustand des Aufstiegs festbinden, so dass, selbst wenn die angenehmen Empfindungen von den absolut entgegengesetzten, dunklen und unangenehmen – Nebel, Durcheinander, Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit – abgelöst werden, du selbst in einem solchen Zustand der völligen Verzweiflung in derselben Verschmelzung mit dem Schöpfer bleiben möchtest.

Und diese Nähe wird nicht mehr auf den angenehmen Empfindungen basieren, doch gerade obwohl es dir im Moment schlecht in deinem Egoismus geht, möchtest du dem König treu bleiben, so dass weder Auf- noch Abstiege einen Einfluss auf dich dadurch haben, ob du die Erfüllung in deinen Verlangen fühlst oder nicht fühlst. Im Gegenteil, wenn es keine Erfüllung gibt, gerade dann kannst du sicher sein, dass du uneigennützig, um des Gebens willen, handelst.

Und dafür musst du einen Bund eingehen. Wenn du genau das Geben anstrebst, beginnst du, die Möglichkeit zu enthüllen, einen solchen Bund mit dem König einzugehen, dessen Aufrechterhaltung der Schöpfer garantiert, so dass du sicher sein kannst, dass, selbst wenn die Zustände des Abstiegs kommen und du dich völlig leer fühlst und dich nicht an dem Geben festhalten kannst, du dank der vorherigen Arbeit die Möglichkeit erhältst, selbst in der Finsternis in der Verschmelzung zu bleiben.

Die ganze Arbeit läuft gerade nachts – dort sind das Geben und der Glaube enthalten. Wie geschrieben steht: „Du sollst morgens die Barmherzigkeit des Schöpfers und nachts den Glauben preisen“, denn gerade nachts enthüllen sich der Glaube und das Geben.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 17.06.2012

Die Routinearbeit beleben

Um das Ziel zu erreichen, bedarf es bestimmter Mittel, und unsere Mittel sind Anstrengungen. Je mehr Anstrengungen wir unternehmen, desto genauer und bewusster richten wir diese auf das Ziel aus, desto stärker ziehen wir das Licht, das zur Quelle zurückführt und uns voranbringt, an.

Deshalb ist uns jeder Augenblick des Lebens dafür gegeben, um auf der Suche zu sein und zu klären, was gerade am effektivsten ist und mir hilft, das Licht, das zur Quelle zurückführt, anzuziehen. Wie geschrieben steht: „Ich erschuf die böse, egoistische Natur und als Ergänzung dazu die Tora, weil das in ihr verborgene Licht zu seiner Quelle zurückführt“ – also den bösen Trieb korrigiert und in den guten umwandelt. Und in diesem guten Verlangen, wie in einem Gefäß, nimmst du das spirituelle Leben wahr.

Genau darin besteht das ganze Rezept der Korrektur. Aus diesem Grund besteht unsere Arbeit darin, in jedem Augenblick zu versuchen, das wirksamste Mittel zu enthüllen.

Für gewöhnlich schwimmt der Mensch einfach mit dem Strom des Lebens und denkt, dass er dadurch vorankommt. Doch diese passive Bewegung bringt ihm nur ein unbelebtes Vorankommen. Nehmen wir an, er befindet sich in der Gruppe, studiert, nimmt an irgendwelchen Aktivitäten teil, und das alles ist für ihn bereits zur Routine geworden. Er befindet sich im Wirkungsfeld der allgemeinen Kraft, die in einem gemeinsamen Strom alle Menschen, die das Ziel erreichen möchten, vorwärtstreibt.

Doch das wird als unbelebte Stufe der Spiritualität bezeichnet, darin gibt es noch kein persönliches Vorankommen. Das persönliche Vorankommen hängt davon ab, wie viele eigene Anstrengungen der Mensch investiert, um sich selbst zu erwecken und selbst Geschmack und Schärfe – Salz, Pfeffer und andere Gewürze – zu diesem Gericht dazu zu geben.

Er muss verstehen, dass er keine Wahl hat und das Erwachen nur durch solche extremen Zustände möglich ist, in die er gnadenlos hineingeworfen wird, um ihm zu zeigen, wie sehr er der Spiritualität entgegengesetzt und wie weit er von ihr entfernt ist. Und wenn er keine Angst davor hat, seinen Appetit durch nicht sehr angenehme Reize zu entfachen, dann erwacht er und kann bereits selbständige Handlungen vollbringen und nicht nur mit dem gemeinsamen Strom seiner Gruppe mitschwimmen.

Deshalb werden von uns kontinuierliche Anstrengungen verlangt, wie geschrieben steht: „Ich habe mich angestrengt und gefunden – sollst du glauben“ – d.h. dann geschieht es und der Schöpfer offenbart sich dem Menschen, doch nur unter der Bedingung, dass der Mensch Anstrengungen über der gewohnten Routine unternimmt.

Und das stellt ein Problem für uns dar, denn es fällt uns sehr schwer, aus dem gewohnten Strom auszubrechen. Wir gewöhnen uns an den Tagesablauf, an die gleichen Uhrzeiten und an die gleichen Erfüllungen, die wir nach Plan für die gleiche Menge an Anstrengungen bekommen. Die Gewohnheit wird zur zweiten Natur.

Ich strenge mich bereits seit Jahren an und glaube, dass ich die ganze Zeit auf dem Weg bin. Aus diesem Grund wächst in mir Unzufriedenheit und ich ärgere mich: „Was geschieht mit mir? Warum gibt es kein Resultat?“ Ich begreife nicht, dass ich die ganze Zeit nur mit dem Strom mitgetrieben bin. Und in Bezug auf die Spiritualität ist das ein unbelebter, toter Körper, der sich nicht bewegt.

Denn ich habe keine persönlichen Anstrengungen unternommen. Und die Spiritualität soll sich dem Menschen entsprechend seinen eigenen Anstrengungen, der Bereitschaft seines persönlichen Gefäßes, Verlangens offenbaren. Zweifelsohne befinde ich mich trotzdem in einer gewissen Bewegung und komme langsam vorwärts, denn ich nehme an diversen Aktivitäten teil. Doch das Wichtigste ist, dass es über dieser ganzen gewohnten Routine und dem allgemeinen Strom eine persönliche Klärung gibt, mit deren Hilfe der Mensch ständig durch verschiedene scharfe Gewürze – unangenehme Fragen – den Appetit in sich selbst entfacht.

Er muss eine kritische Analyse durchführen und Druck auf sich selbst ausüben, er muss versuchen, die Zeit zu beschleunigen, so zu arbeiten, dass das Geschriebene „Ich habe mich angestrengt und gefunden – sollst du glauben!“ in Erfüllung geht.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 15.06.2012

Vier Schritte zu Keter

Wenn in uns die spirituelle Sehkraft erwacht, beginnen wir wirklich zu sehen und allmählich immer klarer zu begreifen, dass alles von dem „Ort“, dem Verlangen abhängt, d.h. von der Anzahl und der Tiefe der Einzelheiten, die die spirituelle Realität für mich enthüllen und mir zeigen, wie sehr ich mit den anderen verbunden bin. Alles hängt von der Anzahl dieser Details ab, und, was das Wichtigste ich, von ihrer Stärke, von der Kraft der Verbindung.

Jeder von uns entdeckt plötzlich verschiedene Details seiner egoistischen Wahrnehmung, verzichtet jedoch auf seinen Egoismus, um sich mit den anderen zu verbinden. In meinem Verlangen scheint eine Ausbuchtung in Bezug auf einen überstehenden Teil des Verlangens eines anderen zu entstehen, und der überstehende Teil meines Verlangens entspricht einer Ausbuchtung von ihm. Auf diese Weise verbinden wir uns, indem jeder sich in Bezug auf den anderen annulliert.

Also verzichte ich auf meine eigenen Interessen, um mich mit ihm verbinden zu können. Er aber entdeckt in seiner Wahrnehmung diese vorstehenden Zacken meines Egoismus und annulliert sich selbst, um sich mit mir verbinden zu können. Auf diese Weise vernichten wir nicht unseren Egoismus, sondern nutzen ihn ständig, um uns durch noch mehr vorstehende Zacken und Ausbuchtungen verbinden zu können. Von der Anzahl dieser Verbindungen hängt die Empfindlichkeit, die Feinfühligkeit unserer Wahrnehmung und deren Stärke ab, deshalb enthüllen wir darin immer mehr Details.

Auf diese Weise wird das gemeinsame Gefäß um der gemeinschaftlichen Interessen willen aufgebaut. Je mehr ich die gemeinsamen Bedürfnisse enthülle, desto mehr kann ich mich annullieren und mit den anderen verbinden. Doch dann muss ich darüber nachdenken, wozu ich das tue. Um die Shechina zu enthüllen. Und hier muss ich eine weitere, tiefere Verbindung für das höhere Ziel erreichen, indem ich enthülle, dass es der Schöpfer ist.

Der Schöpfer ist keine Gestalt, sondern eine Eigenschaft, die infolge meiner Klärungen zum Vorschein kommt, ähnlich der höheren Sefira Keter, die ich enthülle, nachdem ich alle vorangehenden Sefirot geklärt habe, ähnlich dem Gebot der Liebe, zu dem wir gelangen müssen, jedoch andererseits dazu nicht in der Lage sind. Es enthüllt sich uns von allein, wenn wir alle vorangehenden Gebote erfüllen.

Das gleiche betrifft die Verbindung. Wenn ich mit meinem Punkt im Herzen in der Gruppe arbeite und mich mit den Freunden verbinde, enthülle ich innerhalb dieser Verbindung auf allen vier Ebenen deren innere Wurzel, die als Shechina bezeichnet wird. Shechina bedeutet Enthüllung des Schöpfers.

Ich selbst kann diese letzte Stufe – Keter, den Gebenden – nicht aufbauen. Sie wird dadurch enthüllt, dass ich meine vier Schritte ihr entgegen gemacht habe.

Folglich habe ich alles, was von mir abhängt, gemacht, vier Stufen und Formen der Verbindung durch eigene Kraft enthüllt und dann enthülle ich die vierte Stufe Keter, an der ich nicht selbst arbeiten kann. Genau das bedeutet Shechina. Meinerseits beende ich die gesamte Arbeit und dann erwartet mich ein Fund, wie geschrieben steht: „Ich habe mich angestrengt und gefunden“.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 13.06.2012

Die Freiheit besteht darin, Mensch zu werden

Frage: Worin besteht letztendlich mein freier Wille, wenn über allem das Schicksal oder der Wille Gottes herrscht?

Meine Antwort: Auf der Ebene unserer Welt darf der Mensch ruhig Fatalist sein, weil er keine einzige freie Handlung ausführt, weder in seinen Wünschen noch in seinen Gedanken oder physischen Handlungen. Doch der freie Wille ist uns nur in einem gegeben: im Empfangen eines widernatürlichen Verlangens von einer besonderen Umgebung (der Gruppe), die Eigenschaft des Gebens und der Liebe zu der ganzen Welt zu erlangen. Eben dieses besondere Verlangen heißt Mensch, wogegen unsere übrigen Verlangen als Tier bezeichnet werden.

Damit es weniger Strafkreise gibt

Frage: Ist es wichtig zu begreifen, was genau der Schöpfer von mir will, oder soll man einfach den eigenen Weg mit allen Leibeskräften fortsetzen?

Meine Antwort: Der Schöpfer will von dir nur das Eine: du sollst Ihn nicht vernachlässigen.

Es gibt in der Welt keinen einzigen Gedanken, kein Verlangen oder keine Handlung, die nicht zur Offenbarung des Schöpfers führen würden – direkt oder indirekt. Außer dem gibt es nichts anderes.

Wir hätten Ihn direkt offenbart, aber es ist leider praktisch unmöglich zu machen. Und da wir nicht fähig sind, vom Punkt „A“ zum Punkt „B“ auf dem kürzesten Wege zu kommen, so entstehen eine Menge indirekter Ursachen, die uns dennoch auf das Ziel ausrichten und uns zwingen, weiterzugehen.

Diese Ereignisse können den Menschen auf jede Weise verwirren, können Hindernisse vor ihn stellen und ihn zwingen, sich damit die vielen Jahre zu beschäftigen, bis er endlich einen Schritt vorwärts macht, obwohl es ihm scheinen würde, dass er direkt, ohne einen Umweg, gehen könnte.

Aber in allen Ereignissen der Welt und der ganzen Geschichte der Menschheit gibt es nichts außer der Bewegung zur Offenbarung des Schöpfers. Und wofür noch geschehen alle Ereignisse, wenn sich alles mit dem Widerstand des Lichts und des Gefäßes sowie mit den offenbarten informativen Genen, Reshimot klärt? Alles ist nur darauf gerichtet, um sie aufzuklären und zu korrigieren.

Entweder erledigen wir unsere Arbeit direkt oder die Natur wird uns mittels der Leiden infolge der Zerstörung zwingen, zu demselben Ergebnis zu kommen. Aber dann wird es eine lange Zeit brauchen; denn die Kräfte der Selbstsucht (Klipot) werden die Zeit wie ein Gummi ausdehnen und jeden Punkt in der langen Periode umwandeln, uns die Kräfte entziehen und uns verwirren. Wie es gesagt ist: „Der Schöpfer hat den Menschen direkt geschaffen, aber die Menschen haben sich eine Menge der Berechnungen erdacht“.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 05.06.2012

Die Matrjoschka baut sich von innen auf

Baal HaSulam, „Bürgschaft“: Die Weisen haben einmal die Bürgschaft mit zwei Menschen verglichen, die in einem Boot saßen. Einer begann unter sich ein Loch in den Boden des Bootes zu bohren und auf die Frage des Anderen, warum er das mache, antwortete er: „Was kümmert dich das? Ich bohre doch ein Loch unter mir und nicht unter dir?“. Daraufhin sagte der Zweite: „Du Narr! Wir werden gemeinsam untergehen.“

„Diejenigen, die die Last von den Schultern abwerfen, sind von der Eigenliebe durchdrungen und bauen somit einen eisernen Zaun um sich herum auf, welcher für diejenigen, die die Tora beachten, es unmöglich macht, zur gebührenden Erfüllung der Tora und ihrer Gebote im genannten Maße heranzutreten: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, – das was man die Treppe nennt, welche zur Verschmelzung mit dem Schöpfer führt. Und wie hatten die Weisen mit diesem Beispiel recht, als sie sagten: „Du Narr! Denn wir werden gemeinsam untergehen“.

Das ist ein sehr anschauliches Beispiel: es spielt keine Rolle, wo das Loch ist – auf jeden Fall werde ich ertrinken und so schließlich sterben alle. Und deshalb müssen wir uns um alle Teilnehmer kümmern und diese Sorge sollte in erster Linie im Inneren, in mir, zum Ausdruck kommen, wenn ich mich um eigene Wünsche kümmere, als auch von Innen nach Außen, wenn ich um die Gruppe und die Welt Sorge trage.

Der Mensch ist eine kleine Welt. Am Ende schließt meine innere Struktur die Struktur der Gruppe und die Struktur der Welt ein. Würde ich wissen, wie man sich richtig und sorgfältig um korrigierte und nicht korrigierte eigene Wünsche kümmert, dann würde ich alle äußerlichen Wünsche der Gruppe und der Welt insgesamt behüten. Das wird als „Sich selbst und die ganze Welt vor der Schale der Verdienste verneigen“ genannt.

Man kann es am Beispiel der Matrjoschka zeigen: mein Inneres, ich, die Gruppe und dann die Welt. Und alles das stelle ich mir vor: mein Ego ist in „Schichten“ unterteilt, von inneren zu äußeren Schichten. Aber in Wirklichkeit ist die Rede von einer einzigen Struktur, einem einzigen System. Und deswegen trage ich Verantwortung für alle: wenn ich auf mich selbst acht gebe, behüte ich damit eigentlich die ganze Welt.
Somit wird die Korrektur von Innen ausgeführt.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Bürgschaft“, 03.06.2012