Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Und nur die Helden werden das Schloss des Königs betreten…

Kommentar: Baal HaSulam, Einführung zur Lehre der Zehn Sefirot:
„Und nur die Helden unter ihnen, die ein gewisses Maß an Geduld hatten, überwanden die Wächter, öffneten den Eingang und wurden sofort gewürdigt, das Antlitz des Königs zu erblicken…“

Frage: Was ist “das Maß an Geduld“?

Antwort: Ein Mensch kommt zur Kabbala, brennt vor Ungeduld, alles auf einmal zu erlangen. Wenn es ihm nicht gelingt, wird er wütend auf sich, auf den Schöpfer und auf die ganze Welt. So zeigt sich sein gesundes, starkes egoistisches Verlangen, das erkennt, dass es keine Chance hat, sich zu erfüllen, da es im völligem Gegensatz zur Quelle der Erfüllung steht.

Ein gewisses Maß an Geduld bildet sich im Menschen, wenn er zu verstehen beginnt, worin der spirituelle Weg besteht, die Notwendigkeit jeder seiner Etappe erkennt und wie mit einer Pinzette, gezielt alle angesammelten Eindrücke sammelt – im Bewusstsein, dass er ohne sie das„Lego- Stück“ seiner Seele nicht zusammensetzen kann.

Schließlich besteht die menschliche Seele aus Tausenden verschiedenen Teilen, von denen jedes bearbeitet werden muss. Daher ist es unmöglich, eine Stufe zu überspringen.

Baal HaSulam schreibt, dass derjenige, der den langen Weg der Korrektur geht, mehr gewinnt, da er tiefere Klärungen vornimmt. Denn unsere gemeinsame Seele ist kein einfaches zweidimensionales Puzzle, sondern eine komplexe Struktur, die sich in alle Richtungen ausdehnt,  in die Tiefe  erstreckt, denn jede Seele muss alle Seelen einschließen.

Es handelt sich um einen multidimensionalen spirituellen Raum, in dem der Mensch mit seinem Wesen vollständig mit jeder anderen Seele verbunden ist, als gäbe es außer ihr niemanden. Deshalb muss der Mensch sehr große Klärungen vornehmen.

Das Maß an Geduld bedeutet also nicht das Maß der Zurückhaltung oder das Gegenteil – die Ungeduld. Der Schöpfer ist ein unveränderliches Naturgesetz und nichts wird dem Menschen helfen. Man kann eine Maschine anschreien, die man nicht in Gang setzen kann, aber es wird sich nichts ändern.

Das Maß an Geduld besteht darin, dass der Mensch mithilfe der Umgebung versucht, den richtigen Zugang zu seinem spirituellen Fortschritt zu finden.

Mit anderen Worten, solange wir nicht alle miteinander verbunden sind, wird unser Kli/ Verlangen nicht vollkommen sein und wir werden nicht in den Palast des Schöpfers eintreten können. Wir müssen ein gewisses Mindestmaß an Verlangen erreichen, das so genannte „S’eah“ – erreichen, das erfordert Geduld.

Der Mensch muss sich ständig an die Gruppe wenden und sie um Unterstützung bitten, um von ihnen Geduld zu lernen. Es wird nur „Geduld“ genannt, in Wirklichkeit ist es ein gegenseitiges Einbeziehen in die anderen.

Geduld bedeutet, dass dem Menschen bewusst ist, dass er die Spiritualität nicht vor den anderen erlangen wird. Er muss sich mit ihnen verbinden, sie vorantreiben, und dann wird er die spirituelle Welt betreten.

Gerade das Wissen, dass man der Letzte ist, nennt man “das Maß an Geduld“. Es ist eine sehr wichtige Eigenschaft, die aus dem Verständnis hervorgeht, dass es nichts anderes gibt außer dem einen Kli/Verlangen und dem Licht und dass man nur dazu da ist, sie zur Verbindung zu bringen.

Wenn alle danach streben, den Berg zum Palast des Königs zu erklimmen, dann rennt man nicht voraus, sondern schiebt die Freunde von hinten an. Selbst ist man der Letzte. Wenn der Mensch dazu bereit ist, bedeutet das, dass er ein Maß an Geduld hat. Wenn man allen hilft, dann wird man, nachdem sie korrigiert sind, auch korrigiert sein.

Niemand kann die Korrektur früher erreichen als das Umfeld. Das nennt man, dass ein Mensch sich nicht höher erheben kann als sein Kreis – denn es ist ein ganzheitliches System, in dem alle Teile miteinander verbunden sind. Wie kann dann ein Teil korrigiert werden, während ein anderes es noch nicht wird?

Je mehr man sich also bemüht, seine Umgebung zu erheben, desto mehr erhebt man sich selbst. Nur ein solcher Ansatz führt zum Erfolg.

Außerdem misst sich das Maß an Geduld eines Menschen daran, wie gut er die Leiden, die durch das Zurückhalten seiner Selbst entstehen, in Geben und Freude umwandelt. Dann wird das Maß der Geduld, das während dieser Arbeit „standgehalten“ hat, in ein großes Kli/Verlangen verwandelt.

Denn jegliche Ungeduld ist der wahre Ausdruck des Egos, das „brennt“, sich selbst erfüllen will und alles hasst, was es daran hindert, die Erfüllung zu erreichen. Das Maß der Geduld eines Menschen zügelt sozusagen dieses Ego, korrigiert es und ist das Kriterium für den spirituellen Fortschritt eines Menschen.

Letztlich ist das Maß an Geduld die, unkorrigierten Kelim/Verlangen, die zwischen mir und dem Schöpfer stehen. Denn darin erlebe ich die Ungeduld.

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(Aus dem Unterricht zum Artikel „Einführung zur Lehre der Zehn Sefirot“, 25.02.2011)

 

Basierend auf Absicht

Frage: Womit beginnt die Entwicklung von unserem gegenwärtigen Zustand?

Antwort: Wir müssen unsere Handlungen nicht verändern, sondern ihnen vielmehr die richtige Absicht geben. Das ist der grundlegende Unterschied.

Der Mensch begeht weder gute noch schlechte Taten, alle seine Verlangen bleiben bestehen und müssen erfüllt werden. So wie es vor der ersten Einschränkung, als Malchut noch erfüllt war, gewesen war, so wird es auch am Ende der Korrektur sein. Durch die erste Einschränkung wird jedes Verlangen, mit der Absicht zu geben, erbaut.

Das heißt, der Mensch sollte sich nicht auf seine Handlungen konzentrieren. Der Schwerpunkt liegt auf der inneren Verbindung mit dem Schöpfer. Man lehrt den Menschen nicht, was er tun soll, sondern wie er die Verbindung mit dem Schöpfer herstellen kann. Wenn er den Wunsch verspürt, eine Verbindung zum Schöpfer herzustellen, dann ist die Verschmelzung mit Ihm sein Endziel. Er muss einen Weg für diese Verbindung finden – das ist das sogenannte „Ende des Seils“. 

Genau das lernt der Mensch: Wie man das „Ende des Seils“ ergreift, wie man kontinuierlich an diesem Seil der Absichten aufsteigt. 

Das Erklimmen dieses „Seils“ der Absicht wird als das Erklimmen der spirituellen Leiter von Welt zu Welt bezeichnet, bis man hundert Prozent Absicht, hundert Prozent Verbindung erreicht.

Was die Wünsche des Menschen betrifft, so wird sich die Art seiner Handlungen entsprechend seiner Absicht ändern, doch die Handlungen selbst bleiben unverändert. Er wird weiterhin essen, trinken, Nachkommen zeugen, arbeiten – alles wird so bleiben. 

Ausschließlich durch die innere Absicht wird der Mensch seine Handlungen auf natürliche Weise anpassen. Er braucht sich nicht einzuschränken. Dies wird dadurch geschehen, dass seine innere Welt eine andere Beziehung zwischen Gedanken und Handlungen herstellen und sie filtern wird, aber nur auf der Grundlage seiner inneren Entwicklung, ohne jegliche äußere Unterdrückung von unserer oder einer anderen Seite.

Wir sehen, wie nutzlos Unterdrückung ist. Was kann die Polizei tun? Was können alle Gefängnisse der Welt erreichen? Nichts! Erziehung kann nur auf einem persönlichen Vorbild beruhen. Das Ziel ist es, dem Menschen eine Verbindung zur Höheren Kraft zu vermitteln, von der er alles erhält. Dadurch wird sich der Mensch letztlich verändern.

Es ist unmöglich, den Menschen mit anderen Mitteln zu verändern. Wir haben in der Geschichte alle möglichen Methoden gesehen und keine hat funktioniert – keine! Man hat im Universum überhaupt nichts zu tun, außer seine Absicht zu verändern.

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Aus der Lektion zum Artikel „Bürgschaft“

 

Geben um zu geben- die erste Korrektur

Frage: Wenn die Materie der Schöpfung das empfangende Verlangen ist, was bedeutet es dann, um des Gebens willen zu geben? Wo ist hier die Arbeit mit dem Verlangen?

Antwort: Der Punkt ist, dass gerade das empfangende Verlangen für das Geben arbeitet. Er unterstützt den Nächsten, hilft ihm und führt verschiedene Handlungen ihm gegenüber aus.

Um das Geben zu geben zu verstehen, muss man zuerst verstehen, was Empfangen um des Gebens willen ist. Es bedeutet, dass ich mit meinen empfangenden Wünschen arbeite, um durch sie meinen Nächsten zu stärken und ihm zu geben, so wie Bina in ihrem ACHaP arbeitet.

In meine Empfangsverlangen schließe ich die Empfangsverlangen meines Nächsten ein und fülle ihn mit allem, was er braucht – und er braucht unendlich viel. Dann wachsen seine Verlangen mit meiner Hilfe zu einer unendlichen Größe und das Licht, das durch mich zu ihm gelangt, wächst zu einer unendlichen Größe NaRaNCHaY.

So arbeite ich, empfangend um zu geben: Ich sorge dafür, meinem Nächsten alles zu geben, was ihm fehlt, ich setze alle meine Fähigkeiten ein und denke überhaupt nicht an meinen eigenen Vorteil.

Dazu brauche ich die höhere Kraft, die nicht in meiner Natur liegt. Meine angeborene Natur lässt mich nur solche Handlungen ausführen, die einen persönlichen Vorteil versprechen – hier ist die Rede von absolut selbstlosen Handlungen, die nicht meinen Empfängerwünschen zugutekommen. Deshalb bin ich dazu nur in der Lage, wenn ich Kraft aus einer höheren Dimension erhalte – aus der Dimension des Gebens.

Ich mache mir also die Bedürfnisse meines Nächsten zu eigen. Im Wesentlichen geht es dabei um Verlangen, die sich auf die Verbindung zwischen uns beziehen, da die spirituelle Arbeit auf der Stufe der Vereinigung von Seelen stattfindet, in der wir uns mit den höchsten Lichtern füllen.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit: ohne die eigenen empfangenden Verlangen zu nutzen, sondern die ganze Fülle von sich an den Nächsten weiterzugeben, an seiner Füllung teilzuhaben, aber nicht durch die eigenen Verlangen. Das ist das reine Geben. Normalerweise gehen diese Handlungen dem gegenseitigen Geben voraus. Sie korrigieren unsere Verbindung. Dank ihnen annullieren wir unseren Egoismus, um uns über ihn zur Einheit zu erheben.

Diese Einheit wird durch die direkte Nutzung unseres empfangenden Verlangens aktiviert.

Auf diese Weise ist das Geben um zu geben ein vorübergehender, kleiner, schwacher, „armer“ Zustand. Es gibt aber keinen Ausweg, wir müssen ihn durchlaufen, denn dadurch reinigen wir uns von unserem Verlangen und erheben uns über alle egoistischen Eigenschaften. Ohne dies ist es unmöglich, mit ihnen zu arbeiten. Zuallererst müssen wir sie „reinigen“ – sie mit dem Licht Chassadim füllen.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Die Grundlagen der einheitlichen Erziehung“

 

„620“ Brücken von mir zu dir

Die ganze Wahlfreiheit, die jeder von uns besitzt – als ein Teil des multidimensionalen „Legos“ der Schöpfung – besteht darin, seine vollständige Verbindung mit allen anderen zu offenbaren, und zwar so weit, wie er es nur ertragen kann.

Er verbindet sich mit allen anderen sowohl durch seinen oberen Teil (GE) als auch durch seinen unteren Teil (ACHaP), und ihm selbst bleibt nur der Punkt, an dem er sich entscheidet, sein Geben an diejenigen zu verwirklichen, die über ihm und unter ihm stehen.

Dieses Bewusstwerden des eigenen Zustands müssen wir schrittweise durchlaufen – entsprechend der Stufen des in uns erwachenden Verlangens, in seiner ganzen Tiefe (Awiut) und in all seinen Formen. Jedes Mal wird uns die Möglichkeit einer neuen, vielschichtigeren Verbindung mit Höheren und Niedrigeren offenbart.

Der leere Raum, der sich uns jedes Mal in der Verbindung mit dem Höheren oder dem Niederen eröffnet, ist das Verlangen, das wir korrigieren müssen. Dieses Verlangen besteht immer aus „620“ Teilen – und deshalb wird seine Korrektur als „Erfüllung der 620 Gebote“ durch das Licht, das zur Quelle zurückführt, bezeichnet – dieses Licht wird „Tora“ genannt.

Deshalb heißt es, dass der Mensch jeden Tag die „620 Gebote“ erfüllen muss – durch das Studium der „Tora“. Das bedeutet, er lernt, wie er diese „620“ Verlangen im Sinne des Gebens nutzen kann, um sich vollkommen mit allen über ihm und unter ihm befindlichen Teilen der Schöpfung zu verbinden.

So erkennen wir unseren Zustand, in dem wir uns von Anfang an befinden, den wir jedoch erst allmählich für uns selbst aufdecken. Und die Kraft dazu erhalten wir von der Umgebung – das heißt, von eben jenen „Lego-Teilen“, mit denen wir verbunden sind: von den höheren Teilen unserer Seele, deren ACHaP sich mit unserem GE verbinden, oder von den niederen, mit deren GE wir uns durch unseren ACHaP verbinden.

Der Schöpfer gibt uns immer die Möglichkeit, Kraft für den Fortschritt in dieser „multidimensionalen“ Verbindung zu finden. Es gibt immer einen leeren Bereich, in dem sich die „Tora“, das Licht, und die „620“ Verlangen offenbaren, die wir korrigieren und über die wir uns miteinander verbinden können. So ist dieses ganze System aufgebaut.

Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 15.03.2011

Der Eigenschaft des Gebens dienen

Und sie traten vor den Schöpfer. Und Josua sagte zum ganzen Volk, was Gott Israels gesagt hatte: Über dem Fluss lebten seit Urzeiten eure Vorfahren, Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und sie dienten anderen Göttern. (Propheten, Buch Josua, 24:1-2)

Es gibt nur zwei Möglichkeiten des Seins: Entweder im eigenen Egoismus, in dem wir geboren wurden und uns entwickelt haben, oder über den Fluss zu ziehen und das Land Israel zu betreten, d.h. auf einer ganz anderen Stufe, in einem anderen Verlangen – „in einem anderen Land.“

Deshalb heißt es, dass der Vater Abrahams und der Vater Nahors anderen Göttern dienten, also nicht der Eigenschaft des Gebens und der Liebe, sondern des gewöhnlichen Egoismus.

Das Land ist das „Razon“ (Wunsch). Israel leitet sich vom Wort „direkt zum Schöpfer“ ab.

Wenn der Mensch beabsichtigt, die Stufe, die Eigenschaft des Schöpfers zu erreichen, wird er zu einem vollkommen anderen Menschen. Dafür ist es notwendig, an sich zu arbeiten.

Frage: In der Tora handelt es sich doch um einen Menschen. Was bedeutet es, dass ich einmal gelebt und anderen Göttern gedient habe? Was ist das in mir?

Antwort: Das bedeutet, dass der Mensch ein Egoist war und nur an sich selbst gedacht hat. Doch mit der Zeit erkannte er, dass es in der Welt ein höheres Ziel gibt – ein Ziel, das größer, bedeutender und wahrhaft erfüllender ist. Der Mensch nimmt dieses Ziel an, passt sein Verhalten schrittweise an, um diesem Ziel näherzukommen.

Frage: Von welchen anderen Göttern ist hier die Rede?

Antwort: Von allen egoistischen Götzen, sie sind zahlreich. Jeder verehrt das, was er begehrt – Geld, Macht, Ruhm und andere materielle Wünsche. Diese Götzen sind die Manifestationen unseres Egoismus.

Diejenigen, die die Stufe der Gebens und der Liebe zum Nächsten erreichen wollen, haben nur einen Schöpfer.

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Aus der Fernsehsendung „Geheimnisse des Ewigen Buches“  

 

Enzyklopädie der Scham

„Einer, der isst, was nicht Seines ist, fürchtet sich, einem ins Gesicht zu schauen“. Das meint, dass jeder, der die Früchte der Arbeit von anderen verzehrt, sich fürchtet (schämt), seine eigene Gestalt anzuschauen, denn seine Gestalt ist unmenschlich. (Baal HaSulam, „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen“.)

In uns steckt die Eigenschaft der Scham sehr tief und ist ausgeprägt verankert. Wir haben verzweifelte Angst davor, sie zu offenbaren, denn die Scham steht im Konflikt mit unserem Ich, sie verwandelt uns in ein Nichts.

Wenn ich Scham empfinde, die mich in ihrer ganzen Größe durchdringt, dann annulliere ich mich. Diese Reaktion entspringt aus einer höheren Wurzel, aus meiner Gegensätzlichkeit zum Schöpfer, aus einem Verlangen zu empfangen, das dem Licht entgegengesetzt ist. Das Verlangen erkennt, wie sehr es dem Licht in seinen Eigenschaften, in seiner Größe entgegengesetzt ist und empfindet diesen Abgrund als Scham.

Dann ist es bereit, sich zu annullieren, auf seine Existenz zu verzichten- nur um diesen Abgrund nicht mehr zu fühlen. Das ist es, was es dazu bringt, eine Einschränkung vorzunehmen, d.h. sich zu annullieren. Um die Scham loszuwerden, bin ich bereit, ins Nichts zurückzukehren, aus dem ich entstanden bin. Manchmal manifestiert sich ein Körnchen dieses spirituellen Gefühls in uns.

Warum also ist Scham notwendig? Sie hilft uns, zur Anhaftung, zur völligen Übereinstimmung mit dem Schöpfer zu gelangen. Die Scham entspringt der offenbarten Gegensätzlichkeit zwischen uns und dem Schöpfer und hilft uns, diesen Abgrund zu überwinden.

Das bedeutet: Wenn ich mich entwickeln will, muss ich das Gefühl der Scham ständig vertiefen – das heißt, den Abgrund zwischen mir und dem Schöpfer schärfer empfinden –, um mich dadurch genau und sicher voran zu bewegen. Sagen wir, heute schäme ich mich, als hätte ich einen Dollar von Ihm gestohlen. Morgen werden es bereits zwei Dollar sein, übermorgen drei…

Indem ich meine Gegensätzlichkeit hervorhebe und betone, korrigiere ich sie und schreite voran.

So ist die Scham die vordringlichste Empfindung, die mich buchstäblich mit dem Schöpfer „kurzschließt“. Wenn ich die Scham durch Geben korrigiere und mich kontinuierlich über sie erhebe, gelange ich zur Anhaftung. Deshalb ist es gerade die „Anhaftung“, die unseren endgültigen Zustand definiert.

Scham ist ein eigenständiges Geschöpf. Es reicht nicht zwei Verlangen zu haben: Empfangen und Geben, denn dann würde eine direkte Füllung genügen: Der eine gibt, der andere empfängt – es gäbe keine Probleme. Der Schöpfer möchte, dass das Geschöpf ihm ähnlich wird, so hat Er in der Schöpfung dieses besondere Gefühl namens „Scham“ geschaffen, das uns ständig reizt und innerlich aufrüttelt.

Wenn man einem Hund einen Knochen hinwirft, stürzt er sich freudig und ohne jede Scham darauf und beginnt darauf herumzukauen. Der Mensch aber, sofern er sich nicht auf dem Niveau eines Tieres befindet, wird ständig von der Scham angespornt. Was zwingt einen, in diesem Haus zu wohnen, solche Kleidung zu tragen, zur Arbeit zu gehen, eine Familie zu gründen, sich „kulturell zu bespassen“ und so weiter? Das ist die Scham. Was würden sonst die anderen sagen?

Es gibt eine Scham, die mein spirituelles Vorankommen behindert: „Was werden die anderen denken?“ Es gibt noch eine andere Scham – die, gegenüber dem Schöpfer. Wenn ich diese Scham stärke, rückt das Unbehagen gegenüber den anderen in den Hintergrund: „Sollen sie doch reden, sollen sie denken, was sie wollen.“ Ich bin bereit, mich für meine kindliche Unbeholfenheit vor den Menschen zu schämen- wenn mir das nur helfen würde, die wahre Scham vor dem Schöpfer zu empfinden und ich mich in die richtige Richtung bewegen würde.

Scham ist ein Punkt meines Selbst, sein Abbild. In meiner Beziehung zu meiner Umgebung kann mein Egoismus Schaden nehmen, doch in der Beziehung zum Schöpfer geht es um tiefere, ursprüngliche Gegensätze von Eigenschaften.

Die Scham ist als etwas Eigenständiges erschaffen worden- geschaffen, sie existiert nicht in der unbelebten, pflanzlichen oder tierischen Natur, sie ist nur dem Menschen eigen und wird dort entsprechend dem Niveau des Verlangens unterteilt.

Die Scham ist die Ursache der ersten Einschränkung, die Ursache aller Entwicklung. In der Welt der Unendlichkeit war Malchut von Licht erfüllt und mit dem Schöpfer verschmolzen. Es fehlte ihr nur eines – sich von dem Gegensatz des Schöpfers zu befreien. Das ist der Punkt der Scham.

Welchen Unterschied macht das? Vor dir steht ein königlich gedeckter Tisch mit allen Köstlichkeiten gedeckt und der Hausherr stellt dir seinen ganzen Palast, all seine Güter zur Verfügung:

„Alles, was ich habe, gehört dir. Was fehlt dir noch? Willst du nicht Gast im Hause des Gastgebers sein? Gut, dann bin ich nicht mehr der Gastgeber.“

Aber der Gast ist immer noch nicht zufrieden:

„Nicht ich habe das alles gemacht, sondern Du. Ich bin zu einem gedeckten Tisch gekommen.“

„Du willst also wie ich werden- Existierendes aus Existierendem??

Hier berühren wir einen sehr subtilen Punkt, einen Punkt, der so hoch ist, dass niemand weiß, wohin er letztlich führt- nach Zehntausend Jahren, nach dem Ende der vollständigen Korrektur…

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Aus dem Unterricht nach dem Artikel: „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen.“

Wenn kein Verlangen besteht

Frage: Ist es gut oder schlecht, wenn der Mensch ohne ein Verlangen durch Überwindung lernt?  

Antwort: Es ist gut. Das bedeutet, dass das Ziel erhabener ist, als das eigene, kleine, egoistische Verlangen. Das heißt, man setzt Kräfte ein, um das Ziel zu erreichen. Wenn man ohne Überwindung lernt, stellt sich die Frage, wo die eigene Anstrengung bleibt. Noch problematischer ist es, wenn man Freude beim Lernen empfindet.

Am besten ist es, wenn kein Wunsch besteht und man wie tot die Gruppe darum bittet, irgendeine Gelegenheit zu bekommen, um die Bedeutung des Ziels zu erkennen. Indem man sich vor den Freunden annulliert und alles für sie tut, um die Wichtigkeit des Ziels zu erfahren, wird man durch ihre Inspiration motiviert, in der Früh zum Unterricht zu kommen- das ist das Beste.  

Frage: Bedeutet das, wenn ein Schüler zu Ihnen kommt und sagt: „Was soll ich tun? Ich kann nicht mehr, wie soll ich weiterleben?“ – Ist das der beste Zustand?

Antwort: Ja. Dann sage ich ihm: „Herzlichen Glückwunsch! „Du erkennst, dass du nur ein Tier bist, das nach tierischer Befriedigung strebt und nichts anderes.” 

Frage: Bedeutet das, dass das Lernen mit Freude nur die Anfangsphase ist, wenn man noch nichts erreicht hat?  

Antwort: Das Wichtigste ist die Verbindung mit der Gruppe, mit den Freunden. Denn dadurch empfängt man von ihnen ein zusätzliches Verlangen und steigt höher auf.

Frage: Und wenn man die erste spirituelle Stufe – den Machsom – überschritten hat, ändert sich dann die Wahrnehmung seiner Ablehnung?

Antwort: Wenn der Mensch den Machsom überschritten hat, wirken auf ihn ganz andere Kräfte, andere Berechnungen.  

Frage: Es ist also so, dass vor der endgültigen Korrektur immer eine Art Hinterlist gegen die eigene Natur stattfindet?  

Antwort: Ja, genau. Sonst kann der Mensch, wenn er nicht immer weiter seinen Egoismus offenbart und ihn gleichzeitig korrigiert, um darüber aufzusteigen, nicht vorankommen.

[343252]

Aus der Fernsehsendung „Mein Telefon klingelte. Wenn kein Verlangen besteht“

 

Wunsch, Fortschritt, Wichtigkeit des Ziels

Frage: Beginnt die wahre Kabbala in dem Stadium, in dem man gegen seine Wünsche vorgeht?

Antwort: Nein, man kann nicht gegen das Verlangen vorgehen. Man kann nicht gegen das Verlangen vorgehen, da man am Ende die Kraft haben muss, um voranzukommen. Die Kraft entsteht, wenn man gegen sein ursprüngliches Verlangen handelt.

Aber dennoch, wenn man eine Bewegung macht, bedeutet das, dass man von irgendwoher Energie bekommt, es bedeutet, dass man das Verlangen hat, diese Bewegung zu machen.

Woher kommt es? Von der Wichtigkeit des Ziels. Woher kommt die Wichtigkeit des Ziels, wenn das Ziel nicht sichtbar ist? Die Gruppe gibt sie einem.

Wenn man die Bedeutung des Ziels durch die Gruppe verinnerlicht und auf dieses Ziel zusteuert, dann kann man sogar den Schöpfer bitten, sich zu offenbaren. Selbst seine Offenbarung wird man schließlich nur zum spirituellen Fortschritt und nicht nur zum Eigennutz verwenden.

[343246]

Aus dem Vortrag „Mein Telefon klingelt. Wenn kein Verlangen da ist.“

 

Ein Fest zu Ehren der ersten Ähnlichkeit, der Form mit dem Licht

Aus dem Artikel von Rabash: „Die Verpflichtung, über den Auszug aus Ägypten zu berichten“. Das Buch Sohar erklärt, warum man nicht das ganze Jahr über Matza isst, sondern nur während des Pessach-Festes. Es vergleicht dies mit der Geschichte eines Königs, der einen seiner Untertanen zum Minister ernannte und ihn an diesem Tag in prächtige Kleider kleidete. 

Nachdem der Tag vorüber war, zog der Untertan die schönen Kleider wieder aus und trug sie nur an dem Tag als Zeichen der Festlichkeit, an dem er zum Minister ernannt wurde. Deshalb feiern wir jedes Jahr diesen Tag, kleiden uns festlich und essen genau an Pessach Matza, um an den Auszug aus Ägypten zu erinnern.

Jede spirituelle Wurzel hat einen materiellen Zweig. Das ganze Universum ist ein einziges Verlangen nach Genuss —ein „Etwas aus Nichts“ — ohne das nichts erschaffen wurde. Das Licht wirkt auf die Materie ein und formt sie mit ihrer Natur.  

Nur durch diese Prägung, die vier Stufen von HaWaYaH, können wir das Licht erkennen. Wenn es uns gelingt, die entsprechenden Veränderungen in unserem Verlangen vorzunehmen, können wir das Licht erlangen, das die Materie erschaffen und ihren Abdruck darin hinterlassen hat.

Ein wichtiger Schritt zum Erkennen des Lichts ist die Loslösung der egoistischen Kräfte, den sogenannten Klipot (Hüllen). Dadurch können wir uns von unserer ursprünglichen Natur, die „aus dem Nichts“ erschaffen wurde, trennen und beginnen, die Prägung des Lichts in unserem Verlangen zu erkennen. Wir verstehen dann, wer das Licht ist, was es bewirkt und wie alles erschaffen wurde — lange bevor diese Welt und der Mensch darin entstanden sind.

Das bedeutet, wir steigen zu unserer spirituellen Wurzel auf. Dabei erkennen wir, dass im Plan der Schöpfung und im Einfluss des Lichts auf das Verlangen ein besonderer Punkt existiert, der „Auszug aus Ägypten“ genannt wird. Das Verlangen hört auf, nur sich selbst zu fühlen; es verlässt seine innere Natur, um auch das Licht und seine Quelle zu spüren.

Von diesem Moment an entsteht eine wechselseitige Verbindung zwischen dem Verlangen und dem Licht, ähnlich wie bei Partnern, die gemeinsam handeln. Die höhere Wurzel, die es uns ermöglicht, zu ihr aufzusteigen und mit ihr zusammenzuarbeiten, ist von großer Bedeutung. Von ihr beginnt der Mensch, als „Adam“ bezeichnet, das Abbild des Schöpfers (Dome) zu werden. Es ist wie eine Geburt, weshalb der Auszug aus Ägypten als spirituelle Geburt jeder einzelnen Seele gefeiert wird.

Aus diesem Grund feiern wir diesen Zustand.

Es gibt eine Entsprechung zwischen der spirituellen Wurzel und dem materiellen Zweig, dargestellt durch die Kategorien „Welt, Jahr, Seele“. Unsere Welt ist eine Projektion der spirituellen Welt, darum hat jede spirituelle Handlung oder jedes Ereignis eine materielle Erscheinung in unserer Welt.  Deshalb feiern wir in den Zweigen den gesamten spirituellen Prozess, den wir durchlaufen –  den Jahreszyklus.  

In allen unseren Traditionen gibt es materielle Manifestationen, der spirituellen Handlung, die wir erreichen und vollziehen möchten. Der Auszug aus dem Verlangen nach Genuss sowie das Erreichen der ersten Ähnlichkeit der Form mit dem Licht, also die spirituelle Geburt, werden als „Auszug aus Ägypten“ bezeichnet. Deshalb gilt dieser Monat als der erste Monat- der Beginn der spirituellen Entwicklung des Menschen.

Natürlich entwickeln wir uns schon seit vielen Jahren weiter, bis wir das Gefühl dafür bekommen , was Ägypten genannt wird und wie unerträglich es ist, darin zu bleiben. Ein solcher Zustand ist schwer zu erreichen, denn dazu muss man sich immer mehr unter Druck setzen, immer unangenehmer, sich unfahig fühlen, sich selbst zu kontrollieren und sklavisch von seiner egoistischen Natur abhängig zu sein.

Hierbei hilft uns das irdische Leben. Dieser materielle Zustand, in dem wir vollständig der Macht des Verlangens zu Empfangen unterworfen sind und kein Verhältnis zum Licht haben, vermag uns ein Gefühl für diese Zustände zu vermitteln. Es scheint uns, als lebten wir in der materiellen Welt-  auf der höchsten Stufe der Empfindung, die im Verlangen entfaltet wird.

Deshalb können wir durch das Materielle unsere Lebensweise so gestalten, dass wir die Ehre erlangen, daraus auszusteigen und das spirituelle Leben zu spüren.

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Aus dem Unterricht zum Artikel von Rabash.

 

Das spirituelle Umfeld ist der Aufbewahrungsort der Seele

Die ganze Schwierigkeit besteht darin, dass wir auf unserem spirituellen Weg versuchen, genauso zu handeln wie in unserem materiellen Leben. Wir vertrauen auf unsere eigenen Kräfte, um bestimmte Werte zu erreichen. Alle unsere Berechnungen, ob bewusst oder unbewusst, sind auf unseren eigenen Nutzen ausgerichtet.

Bislang wurde die Bedeutung eines Ziels meist nur als Mittel zum Zweck verstanden: sei es zur Erholung, zum Erwerb von Geld, Macht, Anerkennung oder Wissen. Unsere Wünsche wurden maßgeblich durch unser Umfeld geprägt, sodass wir uns häufig nach den Vorstellungen anderer orientierten. Dadurch erweiterten sich stetig unsere eigenen Wünsche, und so entwickelten wir uns weiter. Ursprünglich beschränkten sich unsere Bedürfnisse auf das Tierische, wie Essen, Sexualität und Familie; die Wünsche nach Geld, Macht oder Wissen haben wir erst durch die Gesellschaft, in der wir leben, übernommen.

Wenn der Mensch ein neues Verlangen nach Spiritualität erhält, sollte es genauso auf  dieselbe Art und Weise wachsen. Das Problem dabei ist: Befindet sich der Mensch in einer Gemeinschaft, die gemeinsam lernt, dann nimmt er von außen vor allem materielle Eigenschaften wahr – z.B. wer ist intelligenter oder versteht die Schriften besser.

Sein Verlangen, voranzukommen, ist der egoistische „Punkt im Herzen“ – “die Kehrseite der heiligen Seele“- sie muss durch die Größe des Ziels und die Größe des Schöpfers entwickelt werden.

Alle Werte, die mit der Größe des Ziels, des Schöpfers und der spirituellen Welt verbunden sind, basieren auf der Bereitschaft zu Geben anstatt zu Empfangen. Es kommt hier zum Punkt, der heißt: „An dem Ort, wo die Sünder fallen, erheben sich die Gerechten und gehen voran.“ Sowohl die Sünder als auch die Gerechten existieren in einem Menschen.

Entscheidend ist, wie der Mensch sich gegenüber seiner Umgebung verhält. Die Umgebung wird dabei zum spirituellen „Gefäß“ – nur wenn er erkennt, dass er den Eindruck der Größe des Gebens, der Nächstenliebe bekommt, kann er sein neues Verlangen nach Spiritualität entwickeln.

Daher beginnt jeder Mensch seinen spirituellen Weg mit einem “Punkt im Herzen“. Dieser ist der wichtigste Punkt, die Grundlage des Menschen, aber es ist die „Kehrseite der heiligen Seele“, und mehr wird es in diesem Punkt nicht geben. Zu diesem Punkt muss er alle seine anderen spirituellen Kelim (Gefäße) hinzufügen, bis hin zur Malchut der Welt der Unendlichkeit. All diese Wünsche erhält er vom Umfeld, in ihm selbst wird sich nichts Neues mehr entwickeln.

Das spirituelle Kli (Gefäß) wird durch die Umgebung gebildet – es ist die Größe des Ziels, die den Wunsch und das spirituelle Gefäß formt, in dem der Schöpfer offenbart wird. Dadurch wird die Verbindung und Verschmelzung mit Ihm möglich.

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Aus der Lektion zum Thema „Wichtigkeit  der Größe des Schöpfers durch die Umgebung“