Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Verlangen'

Der Nutzen des gemeinsamen Lesens von Artikeln

Frage: Wie können wir lernen, das Verlangen unserer Freunde nach Spiritualität richtig aufzunehmen?

Antwort: Versucht, euch mit ihnen zu verbinden, sodass ihre Fragen zu euren eigenen werden und ihre Wünsche und Sehnsüchte zu euren. Es ist wie bei einer Mutter, die die Wünsche ihres Kindes so stark in sich aufnimmt, dass sie zum Mittelpunkt ihres Lebens werden – sie lebt für ihn.

Frage: Im Prinzip geschieht diese Art der Aufnahme sogar auf körperlicher Ebene, wenn wir uns zu unseren Treffen versammeln. Wenn jemand etwas mit anderen teilt, ist es, als würde er sich selbst eine Antwort geben. Funktioniert das auch auf der Ebene des Denkens, wenn ein Mensch seine Gedanken durch einen anderen verarbeitet?

Antwort: Natürlich, absolut. Das geschieht, sobald ein Mensch beginnt, etwas anderen zu erklären oder auch nur für sich selbst aufzuschreiben – ohne sich direkt mit jemand anderem zu verbinden.

Frage: Ist das der Grund, warum Sie sagen, wir sollten alle Artikel Ihres Lehrers Rabash verinnerlichen?

Antwort: Das ist etwas völlig anderes. Wenn du die Artikel von Rabash verinnerlichst, verbindest du dich mit dem Autor – also mit einer Stufe, die weit über deiner eigenen liegt.

Frage: Was geschieht, wenn Menschen diese Artikel gemeinsam lesen und diskutieren?

Antwort: Durch das gemeinsame Studium investieren die Menschen auch ineinander. Dadurch entsteht eine gewaltige Gelegenheit – ein breites, gemeinsames Gefäß, in dem sie erfassen können, was Rabash tatsächlich sagen wollte. Denn ihre kleinen individuellen Verstände verbinden sich und vervielfachen sich dadurch um ein Vielfaches.

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Aus KabTVs „Ich bekam einen Anruf. Rabashs Artikel“ 

Das Maß zur Korrektur des Egoismus

Frage: Wie erkennt man das Ausmaß seines Bösen, und wie bittet man um dessen Korrektur, also um das Verlassen dieses Zustands?

Antwort: Das Maß unseres Bösen zeigt sich darin, wie stark wir unseren Egoismus in uns offenbaren können. Je mehr wir unser Ego erkennen, desto besser können wir den Schöpfer um seine Korrektur bitten. Andernfalls würde unsere Bitte ohne echtes Verständnis oder Gefühl bleiben.

Deshalb ist es notwendig, an uns selbst zu arbeiten: an unseren Verlangen und an den Beziehungen zwischen den Freunden, um zu spüren, inwiefern wir unter der Kontrolle des Egoismus stehen. Erst wenn wir dieses Gefühl erreicht haben, bitten wir den Schöpfer, uns aus der Macht des Egoismus zu befreien. Dieser Vorgang wird als Auszug aus Ägypten bezeichnet.

Frage: Kann man dem Ego widerstehen?

Antwort: Wir müssen gemeinsam den Schöpfer darum bitten, dass  Er uns die Kraft schenkt, uns vom Egoismus zu Ihm zu erheben. Nur durch das Gebet können wir unserem Ego widerstehen. 

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Aufzeichnungen von Rabash

 

Exil – ein Aufruf zur Befreiung

Wie können wir aus unserem Zustand, in dem wir von der höheren spirituellen Welt, der wahren Realität getrennt sind, herauskommen? Wir leben in einer Art Kapsel, gefangen in unserem egoistischen Verlangen, unfähig, etwas anderes zu sehen als unsere eigenen Bedürfnisse – ähnlich einem Wurm, der in einem faulen Apfel lebt.

Doch jeder Zustand, der weniger ist als die vollständige Offenbarung des Schöpfers, der die gesamte Realität durchdringt, wird uns gegeben, damit wir die Möglichkeit erhalten, zu wachsen und zur Stufe der vollständigen Offenbarung der Höheren Kraft in uns und um uns herum aufzusteigen.

Deshalb ist Exil ein Aufruf zur Befreiung. Der Schöpfer gibt uns absichtlich solche Zustände, in denen wir nichts Gutes empfinden, sondern sie als dunkel, unangenehm, unverständlich und verworren, also negativ erleben. Und all dies geschieht, um uns voranzubringen, denn sonst würden wir uns nicht bewegen.

Denn wir befinden uns auf der tierischen Stufe, und solange sich das Tier in uns wohlfühlt, hat es kein Verlangen nach mehr. Es ist nicht in der Lage, über seine eigenen Grenzen hinaus zu wünschen; die ganze Welt dreht sich um Bedürfnisse wie Nahrung, Sexualität, Familie, Geld, Ehre und Wissen. Diese Wünsche gehören zur tierischen Existenz. Auf der menschlichen Stufe jedoch sehnen wir uns danach, dem Schöpfer ähnlich zu werden.

Daher müssen wir die Kraft aufbringen, über die tierische Ebene hinauszuwachsen. Wenn der Mensch den bitteren Geschmack des Exils in seiner spirituellen Arbeit verspürt – das Gefühl, von dem Schöpfer getrennt zu sein und Ihn offenbaren zu wollen, aber nicht in der Lage zu sein, dies zu tun – dann entsteht der Wunsch, aus diesem Exil herauszukommen. In diesem Moment ist es wichtig zu glauben, dass die Shechina, das heißt der Schöpfer, immer bei ihm ist, egal wo er sich befindet.

Die Shechina lässt uns den Geschmack des Exils empfinden. Wenn der Mensch das Gefühl hat, im Abstieg und vom Schöpfer entfernt zu sein, ist es so als würde der Schöpfer zu ihm sagen: „Sieh, wo du bist! Du kannst dich Mir nähern.“ Der Schöpfer gibt den Geschmack des Exils gerade denjenigen, die Er näherbringen möchte.

Deshalb darf man das Gefühl des Exils nicht mit Verachtung betrachten und nicht auf den Schöpfer wütend sein wegen solcher Zustände. Ganz im Gegenteil, man sollte dem Schöpfer danken, dass Er uns gerade jetzt erweckt, indem Er uns zeigt, welche Distanz uns von Ihm trennt.

Es ist notwendig, das Exil vor der Befreiung zu schmecken. Bevor der Schöpfer offenbart wird, muss das Gefühl Seiner Abwesenheit vorhanden sein. In jedem Moment unseres Lebens sollten wir darauf ausgerichtet sein, die höhere Kraft zu suchen: „Wo ist der Schöpfer in der Verhüllung, die ich gerade empfinde? Wo kann Er sich in meinem Leben und in meiner Welt offenbaren?“ Denn der Schöpfer ist nahe, jedoch vor uns verborgen.

Es stellt sich heraus, dass es keine Auf- und Abstiege gibt, sondern all das ist ein Spiel des Schöpfers. So verfahren wir mit Kleinkindern, wenn wir ihnen das Laufen beibringen: Wir stellen sie auf den Boden und weichen einen Schritt zurück. Und das Kind weint vor Angst, bis es einen Schritt nach vorne macht. Doch dann weichen wir wieder zurück, und es weint noch mehr. Denn es scheint ihm, als würde es gleich in unsere Arme fallen, während wir uns immer weiter entfernen. Und es denkt, wir wären grausam und hätten es verlassen.

So bringen wir dem Kind bei, seine ersten Schritte zu machen, bis es schließlich lernt zu laufen und fröhlich auf uns zuläuft. Dasselbe geschieht bei uns und dem Schöpfer, gemäß demselben Prinzip.

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Aus der Lektion “Der Shechina folgen”

 

Vollkommener Glaube an den Schöpfer

Kommentar: „Die ganze Welt ist voll von Seiner Herrlichkeit “ dies stellt das grundlegende, unumstößliche und unveränderliche Gesetz dar, das besagt, dass der Schöpfer die gesamte Welt durchdringt, alles bewegt und lenkt. Es gibt nur eine Kraft, die in der ganzen Wirklichkeit wirkt, und es existiert nichts außer ihr.

Wir sollten diese Aussage als Axiom akzeptieren und als ein primäres Gesetz betrachten, das sich uns allmählich offenbart. In dem Maß, wie wir eine Verbindung mit der spirituellen Natur herstellen, offenbaren wir diese Wahrheit, dass die Erde voll von Seiner Herrlichkeit ist.

Zunächst müssen wir uns darauf einstellen, dass es unser Ziel ist, dieses Gesetz zu offenbaren. Alle Ereignisse unseres Lebens haben nur einen Grund: Alles, was uns in jedem Moment widerfährt, wird vom Schöpfer bestimmt und es gibt niemanden außer Ihm.

Man sagt, dass „die Erde voll von Seiner Herrlichkeit ist“, denn „Erde“ (Eretz) bedeutet Verlangen (Ratzon). Der Schöpfer erschafft dieses Verlangen und erneuert es Tag für Tag, jeden Augenblick. Daher sehen wir nichts anderes als die Handlungen des Schöpfers.

Wenn wir denken, dass jemand anderes als der Schöpfer etwas tut, dann ist das falsch.  Nur Er hat und wird alle Handlungen, die in unserem Leben stattfinden, verwirklichen. Dieses Prinzip, dieses Gesetz, muss in allen Aspekten unseres Lebens verankert sein, damit wir nichts anderes als den Schöpfer sehen und fühlen.

Alle unsere Wünsche sind auf jede erdenkliche Weise von der Gegenwart des Schöpfers erfüllt, und letztendlich empfinden wir nur Ihn. Es sollte nicht einmal für einen Moment einen Zweifel geben, dass wir etwas nicht vom Schöpfer empfangen haben, denn das ist unmöglich.

Wir befinden uns im Inneren des Schöpfers und offenbaren ausschließlich Ihn. Es gibt niemanden, nur den einen Schöpfer, der die gesamte Welt erfüllt. Wenn wir das vollständig realisieren, wird das als der vollkommene Glaube des Menschen an seinen Schöpfer angesehen.

Aus dem Unterricht zum Thema „Die ganze Welt ist voll Seiner Herrlichkeit“

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Die Frucht des Baumes der Erkenntnis

Rabash, „Dargot Sulam“, Artikel 903, „Tu bi Schwat“: Der Schöpfer wünscht, dass der Mensch, der das Gebot, das wie eine Frucht ist, erfüllt. Baum und Frucht schmecken gleich, das heißt, dass die Absicht auch „Lishma“ ist – um des Gebens willen.

In der spirituellen Arbeit muss man mehrere Stufen durchlaufen. Zunächst muss man auf die Stufe hinabsteigen, von der es heißt: „Ich schuf den bösen Trieb“. Hier beginnt der Mensch, sich mit seiner Natur vertraut zu machen und erkennt, wie sehr er dem Guten entgegengesetzt ist.

Das Gute ist das Licht, die Eigenschaft des Gebens. Um sich im Vergleich dazu zu messen, muss der Mensch die Eigenschaft des Gebens erkennen. Wo findet man das Böse und wo befindet sich darin der Schöpfer, der den bösen Trieb geschaffen hat? Der Mensch muss den Schöpfer offenbaren, der den bösen Trieb geschaffen hat und die Tora als Gewürz dazu gegeben hat.

Es kann keine Dunkelheit ohne Licht und kein Licht ohne Dunkelheit geben. Wir begreifen nichts für sich allein – sondern nur im Vergleich mit seinen Gegensätzen. Der Mensch kann nur in dem Maß, wie er gute Taten vollbringt, die negative Seite seiner Natur erkennen. Nur so wird ihm das Böse bewusst.

Die Sünder, von denen die Tora spricht, sind besondere und herausragende Menschen. Die Stufe des Sünders ist eine sehr hohe Stufe. Der Mensch arbeitet in Bezug auf das Gute und versucht, das Böse in sich zu überwinden, um das Gute zu erreichen. Dann erkennt er das Übel, offenbart die Sünde Adams und tritt in den Prozess der Korrektur ein. Die Offenbarung des Bösen ist somit Teil dieses Prozesses.

Erst nachdem der Mensch das Böse erkannt hat, beginnt er zu prüfen, ob „Baum und „Frucht“ übereinstimmen, ob sie in die gleiche Richtung, in die Richtung des Gebens streben. Die „Früchte“ repräsentieren das Geben und nicht den Eigennutz. Der Mensch versucht über seinen Egoismus hinauszuwachsen, er identifiziert ihn als das Böse, über den er sich erheben muss. Es wird ihm immer wieder bewusst, dass er für sich selbst genießen möchte und erkennt dies als die „ägyptische Plage“. Er ist bereit alles zu tun, außer für sich selbst zu genießen.

So erhebt er sich über alle Möglichkeiten des Genusses und gelangt zu den wahren Früchten- dem Geben. Die Freude am Geben ist die Frucht des Baumes der Erkenntnis. Dies ist der Glaube, der über den Verstand hinausgeht – der Glaube, der auf dem Baum der Erkenntnis gewachsen ist.

Nur so kann der Mensch wachsen: Er erhebt sich über das Böse und lehnt das Verlangen zu empfangen ab. So reifen in ihm die Früchte.

Dies symbolisiert auch Tu bi-Schwat das „Neujahr der Bäume“. Warum Bäume und nicht Früchte? Der Mensch muss zunächst lernen, die Eigenschaft des Gebens zu erlangen und anschließend   das Empfangen um zu Geben.

Auf dem spirituellen Weg entdecken wir immer wieder in uns falsche Formen. Wie Baal HaSulam im „Vorwort zu TESS“ schreibt: Nur die, deren Maß an Geduld standgehalten hat, verdienen es, in den königlichen Palast einzutreten, in den „Garten“, in dessen Mitte der Baum der Erkenntnis steht.

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Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash.

 

Was ist der Unterschied zwischen Ehrfurcht und dem Wunsch zu geben?

Frage: Rabash schreibt, dass Ehrfurcht vor dem Schöpfer entsteht, wenn der Mensch fürchtet, Ihm keinen Genuss bereiten zu können. Was ist der Unterschied zwischen der Ehrfurcht vor dem Schöpfer und dem Wunsch zu geben?

Antwort: Der Wunsch zu geben ist etwas, was ich bereits habe und das ich nutzen kann.

Es ist unklar, woher dieser Wunsch stammt, denn es existiert kein solcher Wunsch in unserer Welt. Wenn wir jemandem etwas geben, ist das ein verstecktes Empfangen, kein Geben. Ein Beispiel dafür ist eine Mutter, die sich um ihr Kind kümmert: in Wahrheit gibt sie ihm nichts, denn das Glücke, welches sie durch das Kind empfindet, ist so groß, dass sie bereit ist, alles für das Kind zu tun. In der spirituellen Welt verhält es sich anders.

In der spirituellen Welt empfangen wir durch den Einfluss des höheren Lichts, das wahre Geben und beginnen, Freude am Geben zu empfinden, indem wir über uns selbst hinauswachsen. Zunächst ist dieses Geben egoistisch: Es tut mir gut, mich über mich selbst zu erheben, Freude zu empfinden und unbewusst für  das Wohl anderer zu arbeiten – aber ich strebe nach dem Geben.

Das ist noch kein Ausweg aus dem Egoismus, sondern eine Zwischenstufe, in der ich beginne, das Geben zu schätzen, da es bestimmte Vorteile bringt.

Frage: Die nächste Stufe ist die Ehrfurcht. Wenn ich Ehrfurcht vor dem Schöpfer habe, wenn ich den Wunsch habe, ihm zu geben, warum ist das dann nicht die endgültige Stufe?

Antwort: Es ist noch kein vollwertiges Verlangen, denn es ist eine Absicht. Diese Absicht muss sich mit dem Wunsch verbinden und dann verwirklicht werden. Ehrfurcht allein reicht hier nicht aus, es ist notwendig, eine klare Absicht zu offenbaren, die in Verbindung mit der Ehrfurcht vor dem Schöpfer steht und mit der man arbeiten kann.

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Aus der Fernsehsendung „Die letzte Generation“

Eine doppelte Sicht auf die Welt

Frage: Wie haben die Kabbalisten der Vergangenheit die Wichtigkeit des Ziels vermittelt und sich gegenseitig unterstützt?

Antwort: Genauso wie man es heute tut. Man braucht die Unterstützung der Gruppe, da man sonst das Verlangen nach dem Spirituellen nicht erreichen kann, man kommt nur mit dem Verlangen voran, das man von der Umgebung, von der Gesellschaft bekommt. Deshalb braucht man die richtige Umgebung.

Man muss Druck ausüben, sich bei ihnen einschmeicheln, sie lieben, buchstäblich Staub von ihnen wegblasen, nur um von ihnen die Begeisterung zu bekommen, die Wichtigkeit des Ziels, egal ob auf schlechte oder gute Weise.

Mit dieser Begeisterung kann man sich an den Schöpfer wenden. Deshalb braucht man eine Umgebung, die auf der gleichen Stufe ist, als Quelle des Verlangens, mit der man sich an den Schöpfer wendet. Von dort erhält man die Kraft, die korrigiert und erhebt.

Frage: Es gab Zeiten, in denen die Kabbalisten sich gegenseitig und sich selbst ausgelacht haben, zum Beispiel haben sie sich Krümel in die Bärte gesteckt. Warum taten sie das?

Antwort: Sie haben über sich selbst gelacht. Das ist eine ganz besondere Selbstironie für den Zustand, in dem sie sich befanden. Ja, so etwas gab es.

Generell liegt Humor, Satire, Lachen über sich selbst in der Natur der Juden. Im Prinzip verfassen sie alle Anekdoten über sich selbst. Das ist eine notwendige Voraussetzung für die Selbstkontrolle, die Analyse, die ihnen hilft, weiterzukommen.

Frage: Sie sagen, dass die Gruppe einen Menschen absichtlich unter Druck setzt und ihm viele Hindernisse in den Weg legt. Aber gleichzeitig gibt sie ihm die Wichtigkeit des Ziels. Warum ist genau dieser Weg notwendig? Warum muss man sich gegenseitig auf die Nerven gehen?

Antwort: Der Grund dafür ist, dass man grundsätzlich aus zwei Teilen besteht. Man besteht aus einem egoistischen Teil, der alles für sich selbst nutzen will und aus einem zweiten Teil- dem Punkt im Herzen, der nach Altruismus, Geben, Anhaftung an den Schöpfer, d.h. nach der Gleichheit der Eigenschaften des absoluten Gebens und der Liebe strebt.

Entsprechend diesen beiden Teilen nimmt man die Welt um sich herum auf zwei Arten wahr. Deshalb hat man immer ein Ungleichgewicht, einen Unterschied, einen Zwiespalt, Plus und Minus in sich. Außerdem sieht man Plus und Minus in allem um sich herum: Es gibt nichts Gutes ohne Böses und umgekehrt.

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Aus dem Gespräch „Bei mir klingelt das Telefon“, Unterstützung in der Gruppe

Erster Apell und erster Kontakt mit dem Schöpfer

Aus dem Brief von Baal HaSulam Nr.57: In dem Moment, in dem der Kelch eurer Bemühungen überläuft, wird die Zeit des Gebets kommen. Bis dahin glaube an das, was die Weisen gesagt haben, dass es unmöglich ist, spirituelle Offenbarung zu finden, ohne sich zu bemühen.

Wenn das Maß gefüllt und das Gebet vollständig ist, wird der Schöpfer es mit aller Großzügigkeit beantworten, wie die Weisen versprechen: „Ich habe mich bemüht und gefunden, glaube es!“ Denn vorher ist man nicht fähig, ein solches Gebet zu sprechen, dass vom Schöpfer erhört werden wird.

Diese ganze Welt, alle höheren Welten, all ihre Stufen, die von oben nach unten absteigen, unsere Arbeit in dieser Welt, ist dazu bestimmt eine Bitte, einen Schrei, ein Gebet, einen Appell an das Licht, an den Schöpfer zu richten, damit Er unsere Korrektur vornimmt. Unsere Aufgabe besteht nur darin, die Notwendigkeit dieser Korrektur zu erkennen und dabei wird uns keine Nachsicht gewährt. Die Notwendigkeit der Korrektur umfasst mehrere Faktoren.

Zunächst muss man genau erkennen, was das Problem ist und welche Art von Korrektur es benötigt. Dann ist es notwendig zu erfassen, dass man nicht in der Lage ist, diese Korrektur vorzunehmen und dass es einen Schöpfer gibt, der diese Korrektur vornimmt. Er wird es nur dann tun, wenn man wirklich spürt, dass es daran mangelt und nur den Schöpfer um Hilfe bittet.

Es stellt sich heraus, dass dieser Schrei viele Komponenten beinhaltet. Nur durch besondere Arbeit und dem beharrlichen Bemühen, es nach den Ratschlägen der Kabbalisten auszuführen, durch solch lange, harte und anstrengende Bemühungen, begreifen wir diesen grundlegenden Begriff, der allem zugrunde liegt, was „Gebet“ genannt wird- der erste Appel und Kontakt mit dem Schöpfer.

Alles ist so organisiert, dass man nichts anderes zu tun hat, als sich auf dieses Gebet vorzubereiten. Am Handeln ist alleine das höhere Licht beteiligt und die Geschöpfe können lediglich die Notwendigkeit der Korrektur in sich entdecken.

Deshalb ist der Mensch, das Studium, die Gruppe, alle Handlungen, die Welt, die angeblich um uns herum existiert und all diese Komponenten notwendig, um einen korrekten Appell des Geschöpfes an den Schöpfer aufzubauen, auf das Licht das gezwungen wird, zu antworten.

Es ist klar, dass „die Kuh das Kalb mehr säugen möchte als das Kalb trinken kann“. Dennoch kann dieses Verlangen von oben, gemäß der Reihenfolge der Schritte, nicht ohne ein vorheriges Verlangen von unten wirksam werden. Deshalb aktiviert man das höhere Licht und zieht seine Wirkung an.

„Behaupte nicht, dass du bereits schreist und betest. Es ist ein komplettes Fehlverständnis, wenn du glaubst, dass du fähig bist zu beten, bevor das Gebet geboren ist, geformt durch deine Bemühungen“. Viele Begriffe müssen gelernt werden, um das Verlangen zu erhalten, welches in der Lage ist, das Licht zu erwecken.

Es ist kein Gebet, welches nur aus einem Gebetbuch gelesen wird, das besagt, wo man zu weinen und wo man sich zu freuen hat. Man muss ein Gebet erlangen, das aus dem tiefsten Teil des Herzens kommt.

Die Arbeit im Herzen ist das, was man Gebet nennt.

Deshalb hilft nichts anderes, als sich nach den Ratschlägen der Lehrer zu richten. Auf diese Weise wird man das richtige Bedürfnis in sich aus dem uns umgebenden Licht formen. Durch jede Handlung erweckt man ein kleines Leuchten, das nach und nach das Verlangen aufbaut und es zu dem Punkt bringt, an dem es für eine Korrektur geeignet sein wird.

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Aus dem Unterricht nach dem Brief von Baal HaSulam.

Erschaffen wir in uns das Bild des Schöpfers

Das Wichtigste für uns ist, die Methode der Annäherung an den Schöpfer zu erlernen, dies geschieht durch die Verbindung zu den Freunden in der Gruppe. Schließlich ist es unmöglich, den Schöpfer zu offenbaren und seine Lenkung zu spüren, wenn wir dies nicht in uns praktizieren.

In gewisser Weise formen wir das Ebenbild des Schöpfers in uns. Deshalb wird der Schöpfer „Bore“ genannt – „Bo-u-Re“ – „Komm und sieh“. Komm bedeutet, dass wir uns in diese Form bringen, sie erlangen und schließlich studieren können. 

Wir können den Schöpfer nicht außerhalb von uns erfassen. Im Menschen existiert das Konzept „außerhalb von sich“ nicht. Es scheint, als ob man etwas „außerhalb von sich“ wahrnimmt. In Wahrheit nehmen wir alles in uns wahr, ähnlich wie bei der Arbeit mit einem Computer: Wenn wir etwas auf dem Bildschirm sehen, arbeiten wir nicht mit etwas, das außerhalb davon ist. Es geschieht alles innerhalb des Computers.

So verhält es sich auch in uns: Es scheint, als ob es in der Welt um uns herum, Bilder gibt, die wir sehen, hören und fühlen,  doch das sind nur unsere verzerrten Wahrnehmungen. In Wirklichkeit wird alles in uns wahrgenommen.

Deshalb bestehen unsere Handlungen darin, in uns solche Bedingungen zu schaffen, die das Bild des Schöpfers in uns formen. Der wirksamste Zustand ist es, sich an Ihn zu wenden, denn diese Hinwendung besteht aus dem Verlangen, aus dem Gefühl dessen, was man heute hat, aus der Erkenntnis dessen, was oder wer man im nächsten Moment werden sollte, d.h. nicht heute, sondern morgen, nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft.

Obwohl „heute“ und „morgen“ nur zwei verschiedene, aber nahe beieinander liegende Zustände sind, in denen wir unser Verlangen, unser Bewusstsein und unser Verständnis dessen, wer wir in diesem Moment sind und wohin wir im nächsten Moment gelangen sollten,  zum Ausdruck bringen.

Wenn diese Handlungen richtig auf den Schöpfer ausgerichtet sind und wir den Anfangs- und Endzustand korrekt bestimmen, ziehen wir das Licht und die besondere Kraft des Schöpfers an, die unser Verlangen erfüllt und Veränderungen in uns bewirken.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Kontakt mit dem Schöpfer“

Unterschiedliche Wahrnehmungen von Primärquellen

Frage: Wenn man sich mit den Primärquellen beschäftigt und liest, dann versteht man kaum etwas. Wenn Sie dagegen lesen und man sie gemeinsam durchgeht, werden sie ganz anders wahrgenommen.

Antwort: Selbstverständlich. Wozu bin ich denn hier? Ohne eine Erklärung würde man nichts verstehen. Millionen von Menschen können diese Quellen lesen und werden nichts verstehen. Außerdem gibt es auch eine innere, sinnliche, spirituelle Übertragung vom Lehrer zum Schüler.

Dennoch ist die Vorarbeit mit den Quellen gut, denn man lernt sie direkt aus seinem Gefühl, aus seiner Erkenntnis heraus.

Man sieht nun, wie viel davon auf der nächsten Stufe erklärt werden kann. Ich erkläre praktisch eine Stufe höher als die, auf der ihr euch befindet. Ich versuche, nicht wirr zu reden, sondern im Gegenteil, alles zu zerkauen und es euch wie einem Baby auf einem Löffel zu servieren.

Aber wenn man sich anstrengt, auch wenn man nichts versteht, dann wird diese Anstrengung zu dem Verlangen, mit dem man Licht, Offenbarung und Verständnis erhält. Es ist also nicht umsonst.

Bevor ich zu Rabashs Unterricht kam, las ich zum Beispiel die Lehren der Zehn Sefirot und andere Quellen und ich hatte Fragen. Ich schrieb sie auf, prüfte sie, wählte sie aus, um in mir analytische Fähigkeiten zu entwickeln, damit ich mehr von meinem Lehrer wahrnehmen konnte.

Anders ausgedrückt, nicht um zu verstehen, sondern um bereit zu sein zu verstehen, was er sagt. Es ist gut, dass man es vom Lehrer anderes hört. So sollte es auch sein. Auf der nächsten Stufe wird es einfacher und immer einfacher. Das Einfachste ist das einfache höhere Licht.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Arbeit in der Verhüllung“.