Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Verlangen'

Eine umgekehrte Welt

Kommentar: Der Mensch existiert innerhalb seines Verlangens, das heißt innerhalb von Empfindungen und Verstand, von Geist und Herz. In ihnen lebt er und nimmt die Realität wahr, die „diese Welt“ genannt wird. In ihr existieren das Universum, Galaxien, Planeten, Sterne, der Erdball und die Menschheit.

Darüber hinaus muss sich der Mensch jedoch vorstellen, dass es eine Grenze dieser Wahrnehmung gibt, hinter der eine andere Wahrnehmung beginnt: nicht in Bezug auf die egoistische Kraft, bei der man alles zu sich hinzieht, sondern in Bezug auf die Kraft des Gebens, bei der man von sich weg gibt.

Dies ist eine umgekehrte Welt, in der alles anders ist: statt Hass – Liebe, statt Nehmen – Geben, statt Empfangen – Schenken. In dieser anderen Welt leben wir nicht, um es uns selbst gut gehen zu lassen, sondern damit es den anderen gut geht. Um ihretwillen führen wir alle Handlungen aus.

Es ist, als würde man in einem Raumanzug ins Weltall hinausgehen. Alles, was sich innerhalb des Raumanzugs befindet, ist die eigene kleine Welt. Außerhalb davon jedoch existiert eine völlig andere, unbekannte Welt. In der egoistischen Form, in der wir uns jetzt befinden, ist es uns nicht erlaubt, dort zu sein.

Wenn wir jedoch unsere Gefühle und unseren Verstand an die Bedingungen dieser Welt anpassen, werden wir dort leben können. Genau das müssen wir tun: die Nutzung unseres Herzens und unseres Verstandes vom Egoistischen hin zum Wohl des Nächsten verändern. Dadurch neutralisiert man das eigene „Ich“ und benötigt keinen besonderen Raumanzug mehr – man muss sich nicht länger schützen.

Denn wenn man nicht zum eigenen Vorteil handelt, sondern ausschließlich zum Vorteil der anderen, gibt es keinen Grund mehr, sich von ihnen zu isolieren. Niemand kann dem anderen schaden; im Gegenteil, man wird alles, was sich jenseits der Grenzen dieses Raumanzugs befindet, zum Wohl aller nutzen können.

Man sollte versuchen, sich den Unterschied zwischen dem Sein „innerhalb des Wissens“, das heißt innerhalb unseres heutigen egoistischen Verstandes und Herzens, und dem Sein „über dem Wissen“, im Geben, vorzustellen. Auf diese Weise nähern wir uns allmählich der Grenze, die „innerhalb des Wissens“ und „über dem Wissen“ trennt – dem Übergang von der materiellen Welt in die spirituelle.

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Aus einer Unterrichtseinheit zum Thema „Glaube über dem Verstand“

 

 

Lasst uns dem Zustand von “Chanukka” näherkommen

Frage: Besteht die Arbeit von Chanukka darin, alle unsere Wünsche, die auf das Geben ausgerichtet sind, zu einem Ganzen zu vereinen?

Antwort: Ja. Alles, was sich in uns befindet, stammt vom Schöpfer. Unsere gesamte Arbeit besteht darin, dies durch unsere Eigenschaften, unsere Herzen und unsere Verlangen auf das Geben an Ihn auszurichten.

Frage: In welchem Maß sind wir als Gruppe Bnei Baruch bereit, das Licht von Chanukka in unser gemeinsames Kli aufzunehmen?

Antwort: Wir sind bereit. Alles hängt ausschließlich von unserer inneren Ausrichtung ab. Uns wurden die Mittel gegeben – die Studienmaterialien und die gemeinsame Arbeit –, durch die wir uns darauf vorbereiten. In diesem Sinn kann man sagen, dass das Kli bereit ist.

Vor uns liegt eine ganze Woche Arbeit. Lasst uns diese Zeit mit der inneren Bedeutung von Chanukka füllen, um diesen Zustand zu erkennen, ihm nahe zu kommen und ihn in uns zu realisieren. Dann wird die Korrektur gelingen, zumindest werden wir die erste Stufe der Korrektur des Egoismus erreichen.

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Aus einer Lektion über einen Brief von Rabash

 

Immer höher und höher

Der Schöpfer hatte die schwierige Aufgabe, einen Menschen zu erschaffen, der ihm ähnlich sein wird, aber trotzdem ein Mensch bleibt, also unabhängig vom Schöpfer. Er darf nicht wie ein Embryo im Mutterleib innerhalb des Schöpfers sein, der noch nicht als existent gilt, weil sein ganzes Leben von der Mutter abhängt.

Ich hab mal „Die Geschichte vom guten Zauberer” geschrieben, die genau davon handelt. Der Zauberer war einsam und wollte sich einen Freund erschaffen. Er versuchte, einen Freund aus einem Stein, aus einer Blume, aus einem Hund zu machen – aus etwas, das auf der Ebene der unbelebten, pflanzlichen und tierischen Natur existiert, aber er merkte, dass das nicht klappen würde. Denn hier gibt es kein eigenständiges Wesen, das sich gegen den Schöpfer stellen könnte.

Und dann beschloss er, einen Menschen mit einem großen Verlangen nach Genuss zu erschaffen, der dem Schöpfer entgegengesetzt sein würde, ihm nicht zustimmen, sich ihm widersetzen und ihn sogar verärgern und hassen würde.

All dieser Egoismus muss in uns vorhanden sein, damit wir den Schöpfer fühlen, verstehen und uns mit Ihm verbinden können. Der Mensch muss unbedingt zwei Gegensätze in sich vereinen: Dunkelheit und Licht, Böses und Gutes.

Aber das Böse muss zuerst auftauchen, damit der Mensch sich vom Bösen trennen und über seine Natur erheben kann. Deshalb ist die Vorbereitung auf die Erschaffung des Menschen so ein komplizierter und langwieriger Prozess. Es musste etwas erschaffen werden, das dem Schöpfer entgegengesetzt ist – das Verlangen zu genießen, das sich nach und nach durch das Licht entwickelt, sich mal mit ihm verbindet, mal von ihm trennt, also mit zwei Verlangen arbeitet: dem Verlangen zu empfangen und dem Verlangen zu geben.

So bereitet der Schöpfer die Schöpfung vor: Er baut und zerstört, baut wieder auf und zerstört erneut. Und dadurch, dass Er alle Stufen, alle Welten bis hin zur Welt der Unendlichkeit aufgebaut und zerstört hat, hat Er alle Zustände einer gegen den anderen vorbereitet, damit der Mensch unter ihnen leben und sich über beide erheben kann, über das Gute und das Böse, wie es heißt: „Und ihr werdet wie Götter sein, die Gut und Böse kennen.“ Und das ist der Punkt, an dem die Schöpfung beginnt, die für alle gemeinsame Eigenschaft der Vereinigung und Liebe.

Man kann sagen, dass die lange Vorbereitung der Schöpfung darauf, sich zu korrigieren und ihren wahren Zustand zu offenbaren, in unseren Tagen, in unserem Leben, abgeschlossen ist. Wir sind die erste Gruppe, die versucht, auf dem richtigen Weg zum Ziel zu bleiben. Alle notwendigen Vorbereitungen sind bereits getroffen, um den Aufstieg zu einer spirituellen Stufe zu beginnen, die „Glaube über das Wissen“ genannt wird.

Wir wollen uns von unserer Meinung zur Meinung des Schöpfers erheben, die für uns Glaube heißt. Unsere eigene Meinung heißt Wissen. Jede Stufe beginnt mit Dunkelheit, mit dem, was meine Natur verlangt, aber ich strebe nach der Meinung des Schöpfers und muss mich deshalb jedes Mal erheben. Ich handle und denke jetzt nicht so, wie ich selbst denken und handeln möchte, sondern so, wie es der Schöpfer will.

Der Schöpfer ist die Eigenschaft des Gebens und der Liebe, und wenn ich seinen Wunsch erfülle, baue ich damit eine spirituelle Struktur auf, einen Parzuf, ein System der Verbindung zwischen dem Schöpfer und mir durch die Gruppe, den Zehner, die gesamte Menschheit.

Ich denke und bitte nicht für mich selbst, sondern nur für andere: dass sie das Ziel nicht vergessen und sich nicht davon abwenden. Ich richte meinen ganzen Verstand und mein ganzes Herz auf sie, um sie zum Schöpfer zu bringen, und werde so zu seinem Partner. Ich lebe und sorge mich um die ganze Menschheit und bringe sie dem Schöpfer näher.

Nach und nach wird jeder Mensch auf der Welt erkennen, dass er so arbeiten muss. Denn wenn jeder sich um die anderen kümmert statt um sich selbst, werden wir vom Weg des Leidens auf den Weg der Tora, den Weg des Lichts, übergehen und uns vom Coronavirus und allen anderen Problemen befreien. Wenn wir anfangen, über die Vereinigung nachzudenken, wird sich in der Welt alles von selbst regeln. Wir müssen lediglich unsere Gedanken korrigieren, und „alles wird sich in den Gedanken auflösen”.

Dadurch bringen wir alle Kräfte in der Natur ins Gleichgewicht, die derzeit unser Leben absichtlich durcheinanderbringt, als würde sie Karten mischen. Alles hängt von unserem Verlangen auf der menschlichen Ebene ab, der höchsten Ebene dieser Welt.

Wir werden unsere wahren menschlichen Kräfte spüren, sowie alles, was uns jetzt im Universum verborgen ist: Schwarze Löcher und dunkle Materie, all die Kräfte, die vor der Erschaffung der Welt wirkten und sie erschaffen haben. Das heißt, wir werden beginnen, in die Schöpfung einzutreten und zu spüren, wo wir uns befinden. Und das ist keine Fantasie, sondern echte Wissenschaft, die Wissenschaft der Kabbala.

Und alles fängt damit an, dass jeder nicht an sich selbst denkt, sondern an seinen Nächsten, an alle, und so die höchste Stufe erreicht. Aus sich selbst herauszukommen bedeutet bereits, zum Schöpfer zu gelangen, denn Er befindet sich außerhalb unserer egoistischen Gedanken und Wünsche. Der Glaube über dem Wissen – das ist der Weg, um die nächste spirituelle Stufe zu erreichen, immer höher und höher.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Glaube über dem Wissen“

 

Wünsche die durch das Feuer führen

Es gibt die Eigenschaft „Gold” (Sahaw) und es gibt die Eigenschaft „Silber” (Kessef) (Baal HaSulam, Shamati, 175, „Wenn aber des Weges dir zu viel ist”).

Der Artikel „Wenn aber des Weges dir zu viel ist“ ist etwas Besonderes. Er besagt, dass wir nicht darauf achten sollten, wie weit wir uns vom Schöpfer entfernt fühlen, sondern wir dafür sorgen können, dass unsere Entfernung von Ihm zu einer Annäherung wird.

Silberne Kelim symbolisieren Gefäße, um das Licht Chassadim zu empfangen, goldene Kelim symbolisieren Gefäße, um das Licht Chochma zu empfangen.

Wenn wir klar verstehen, dass alles, was der Schöpfer tut, zu unserem Wohl geschieht, dann müssen wir all die silbernen und goldenen Kelim (Gefäße), die in uns sind, durch das Feuer führen und einschmelzen, d. h. ihre äußere Form entfernen.

So können wir aus ihnen neue Kelim erschaffen, die unseren neuen Wünschen entsprechen.

Denn „durch das Feuer führen” bedeutet, dass man mit eigenem Verlangen alles verbrennen möchte, ohne etwas von der früheren Form zu hinterlassen. Dann kann man aus demselben Material, das wieder zu einem Stück Metall geworden ist, eine neue Form schaffen.

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Aus einem Unterricht zum Artikel aus dem Buch „Shamati”

 

Sackgasse, Schöpfer und der Sinn des Lebens

In der Natur gibt’s keine Sackgassen. Die Sackgassen, die sie uns in den Weg stellt, sind nur dazu da, damit wir hochspringen, diese Hürde überwinden und uns weiterentwickeln.

Sackgassen gibt’s nur auf unserer Ebene, wie Stufen. Wie klettert ein kleines Kind die Stufen einer Treppe hinauf? Es krabbelt mühsam auf allen Vieren und so weiter. Deswegen werden uns diese Enttäuschungen, Höhen und Tiefen gegeben. Wir wachsen mit deren Hilfe.

Frage: Heißt das, dass das Wachstum eines Menschen darin besteht, diese Sackgassen zu überwinden, aber sie dabei wahrzunehmen? Ist das richtig?

Antwort: Wahrnehmen? Er kann nicht einmal aufstehen, er krabbelt auf allen Vieren!

Frage: Heißt das, dass ich zu einem Gefühl einer Sackgasse vor mir kommen muss?

Antwort: Ja. Du musst verstehen, dass es Hindernisse vor dir gibt – das sind nämlich die Stufen einer Leiter des Aufstieges.

Frage: Wohin gehe ich denn? Hier ist die Leiter. Wohin gehe ich von Sackgasse zu Sackgasse?

Antwort: Du gehst, um den Sinn des Lebens zu verstehen, um den Sinn des Lebens zu begreifen.

Frage: Worin besteht er? Ich steige doch zu etwas hinauf. Wohin steige ich von Sackgasse zu Sackgasse hinauf?

Antwort: Ich steige hinauf, damit diese Stufen des Aufstiegs in mir solche Wünsche, Eigenschaften und Qualitäten hervorbringen, in denen ich den Sinn des Lebens offenbaren kann. Und den gibt es! Ich sehe ihn aber nicht, ich fühle ihn nicht, ich kann ihn weder anfassen, noch wahrnehmen.

Und als Ergebnis dieser Aufstiege, wenn ich wie ein kleines Kind auf allen Vieren von Stufe zu Stufe krieche und versuche, mich hochzuziehen, entwickle ich in mir Verstand und Gefühle, um den Sinn dieses Aufstiegs zu begreifen.

Und auf einmal verstehe ich, dass dieser Sinn zwischen den Stufen liegt.

Frage: Gibt es ein Ende dieser Stufen?

Antwort: Es ist irgendwo ganz weit weg, fast nicht greifbar. Wozu auch? Ich fange an zu fühlen, dass dies nämlich das Leben ist.

Das ist nämlich das Leben, wenn du auf jeder Stufe Enttäuschungen hast, die Notwendigkeit, Kraft zu finden, die Notwendigkeit, ein genaues Ziel, einen Vorsatz zu finden. Sonst hast du keine Kraft: wofür, warum, was wirst du als das richtige Ziel, als die richtige Entscheidung betrachten oder nicht. Und so weiter.

Das heißt, im Ergebnis des Aufstiegs von diesen Stufen, wirst du dich als wachsend und schöpferisch wahrnehmen.

Frage: Was treibt mich jedoch an? Ist das der Wunsch, diese Sackgasse zu überwinden oder mich an etwas oder Jemanden anzunähern?

Antwort: Nein, du willst gar nicht mehr so sehr eine bestimmte Endstufe erreichen. Du fängst an, Freude daran zu empfinden, dass du sie durchläufst. Zwischen den Stufen fängst du an, die Weisheit, die Klarheit dieser Stufen zu fühlen.

Frage: Werde ich anfangen, diese Lenkung zu fühlen?

Antwort: Das nennt man „mi maasecha ikarnucha“ – „aus deinen Taten erkenne ich dich“, dass du aus den Stufen selbst, aus der Art und Weise, wie sie für dich geschaffen wurden, und gleichzeitig, wie du geschaffen wurdest, um dich über sie zu erheben, aus all dem beginnst du, den Schöpfer dieser Stufen zu erkennen. Und das ist das Wichtigste.

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Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman“

Wie kann man das Gebet aus dem Herzen erwecken?

Frage: Wie kann man erreichen, dass die Worte des Gebets ein wahres Gebet aus dem Herzen erwecken – idealerweise aus einem gemeinsamen Herzen?

Antwort: Das ist tatsächlich eine tiefgehende Frage.

Jeder von uns hat scheinbar einen gewissen Chissaron (Mangel). Doch was fehlt uns, damit sich unsere persönlichen Empfindungen des Exils, also der Trennung vom Schöpfer, zu einem gemeinsamen Verlangen vereinen?  Das ist eine sehr schwierige Frage.

Was bedeutet es, wenn es in einer Gruppe Wünsche gibt, die sie nicht erfüllen kann? Solche Wünsche verbinden sich mit den Mängeln anderer Gruppen. So entsteht ein umfassenderes, vollkommeneres Verlangen, und auf ein solches wird der Schöpfer mit Sicherheit antworten.

Mehr kann man dazu nicht sagen. Das alles wird im Herzen empfunden. Unsere Worte jedoch löschen buchstäblich unsere Empfindungen aus, das Fundament dieser Worte, sodass das Gesagte leblos bleibt.

Das Problem ist: Du hast deine Worte vorbereitet, vielleicht sogar tief darüber nachgedacht – aber wenn du sie aussprichst, spürst du ihre Leere. Leer! Ohne etwas Echtes, das den Schöpfer berühren oder erschüttern könnte.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Zuerst fordern und bitten.“

 

Zum Fest der Liebe

Frage: Der 15. Aw gilt laut jüdischer Tradition als Fest der Liebe. Die Menschen suchen ihr ganzes Leben lang nach Liebe. Man kann sagen, dass sie das begehrteste Gut ist. Es ist nicht leicht, sie zu finden und doch gibt der Mensch nicht auf und setzt seine Suche fort.

Selbst nach einer Enttäuschung, verlieren sie nicht die Hoffnung, von vorne anzufangen und eine neue Liebe zu finden. Man sagt, dass Liebe ein Wunder sei. Was macht die Liebe so anziehend, dass wir für sie zu allem bereit sind?

Antwort: Die Menschen suchen nach Liebe und können sie in dieser Welt nicht finden. Denn Liebe ist das Ergebnis der Verbindung unseres Verlangens, unserer Basis und seiner Erfüllung. In der Kabbala wird das Verlangen als Gefäß bezeichnet und das Licht als Füllung, denn die Schöpfung ist das Verlangen und der Schöpfer ist die Füllung.

Wir müssen diesen Zustand vollständig begreifen, damit unser Verlangen mit dem höheren Licht erfüllt wird und sich auf der Stufe der Höheren Kraft erhebt, indem es sich quantitativ und vor allem qualitativ entwickelt. Deshalb jagen wir ständig der Liebe hinterher.

Um zu verstehen, was Liebe wirklich ist, müssen wir auf die spirituelle Wurzel schauen, denn ohne sie können wir nicht verstehen was geschieht. Es gibt ein wichtiges Phänomen in unserem Leben das alle erfasst, denn niemand kann sich von der Liebe befreien und gleichzeitig weiß niemand, was sie wirklich ist.

Es wurden unzählige Romane und Bücher geschrieben, viele Filme gedreht, die ganze Menschheit dreht sich nur um das Thema Liebe, aber niemand weiß, was sie ist. Das liegt daran, weil die Liebe aus einer höheren Quelle stammt – vom Schöpfer, der die niedere Kraft, also die Schöpfung, erschaffen hat, damit diese sich dem Schöpfer annähert und sie in Liebe vereint.

Was könnte schöner sein! Das ist eine sehr bewegende Geschichte: Die höhere Kraft hat uns alle erschaffen, damit wir uns ihr nähern, uns umarmen und in Liebe verbinden. Wir verstehen aber nicht, was diese Liebe ist, denn sie muss wahrhaftig sein. 

Alle träumen von wahrer Liebe, besonders Frauen. Frauen spüren ein größeres Bedürfnis nach Liebe, aber auch sie wissen nicht, was sie wirklich ist.

Wahre Liebe bedeutet, dass man den anderen liebt und nicht sich selbst! Man erfüllt seinen Partner und man wird nicht durch ihn erfüllt. Es geht also überhaupt nicht um Sexualität, sondern darum, dass man alle Wünsche des anderen erfassen möchte und sich daran erfreut, ihn zu erfüllen. Das ist Liebe.

Eine solche Liebe kann völlig unabhängig von der Beziehung zwischen Mann und Frau sein. In der Kabbala werden der Gebende als „männlich“ und die Empfangende als „weiblich“ bezeichnet, unabhängig vom biologischen Geschlecht. Dieses Prinzip ist spirituell und geht über körperliche Unterschiede hinaus.

Um wahre Liebe zu erfahren, muss man sich über seinen Egoismus erheben. Man liebt nicht, weil es als angenehm oder schön erscheint, nicht wegen des Aussehens oder den Eigenschaften des anderen.

Man achtet weder auf ein schönes Gesicht, Beine, Haare, noch auf äußere oder innere Eigenschaften der Frau. Man sucht danach, wie man sie erfüllen kann, indem man sich über jede egoistische Einstellung ihr gegenüber erhebt.

In diesem Sinn kann auch ein Mann das Objekt spiritueller Liebe sein. Die Kabbala spricht von der Liebe zu Freunden, einer Verbindung, die weder körperlich noch intim ist, sondern auf gegenseitigem Geben beruht. Liebe bedeutet, dass jeder bereit ist, sein inneres Verlangen zu offenbaren, damit es vom anderen erfüllt werden kann und umgekehrt. So entsteht eine gegenseitige, bedingungslose Verbindung, die man als Verschmelzung bezeichnet.

Man spürt die innersten Wünsche seines Nächsten und bemüht sich, sie zu erfüllen, während er dasselbe für mich tut. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand Mann oder Frau ist, diese Art von Liebe ist rein spirituell und unabhängig von Körper oder Geschlecht.

In einer solchen Liebe kann es nicht einen geben der liebt und einen anderen der geliebt wird. Jeder ist gleichzeitig Gebender und Empfangender.

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Aus dem 601. Gespräch über das neue Leben

 

Zauber der Heiligkeit

Die ganze Welt ist so aufgebaut, dass sie uns hilft, die spirituelle Welt zu erlangen. Wir durchlaufen von Generation zu Generation den Kreislauf des Lebens, um eines Tages unsere Bestimmung zu erreichen und in die Spiritualität einzutreten.

Das gesamte Ziel unserer Welt, alles, was in ihr geschieht, sowie die uns gegebene Natur, die wir unaufhörlich weiterentwickeln, sind ausschließlich darauf ausgerichtet.  Alle individuellen, allgemeinen Schwierigkeiten und Probleme sollen uns zum Spirituellen hinführen.

Zunächst muss klar unterschieden werden, was materiell und was spirituell ist – ein Punkt, in dem sich viele irren. „Materiell“ ist das Streben nach dem eigenen Vorteil, „Spirituell“ dagegen das Handeln zum Wohl des Nächsten, einschließlich des Schöpfers. Dieses einfache, klare und konkrete Verständnis muss uns ständig vor Augen stehen.

Von Natur aus sind wir nicht in der Lage, wirklich zum Wohl des Anderen zu handeln. Genauso ist es aber vorgesehen, damit wir die Notwendigkeit empfinden, um Hilfe zu bitten. Wir müssen den aufrichtigen Wunsch entwickeln, aus unserem Egoismus herauszutreten und zur Eigenschaft des Gebens zu gelangen – nicht, weil es uns in der Hingabe besser und im Egoismus schlechter gehen würde. Sonst tauschten wir nur ein egoistisches Ziel gegen ein anderes – und blieben dennoch im Materiellen verhaftet.

Das Spirituelle müssen wir um seiner selbst willen wollen, da es eine große, einzigartige, erhabene Eigenschaft ist, der wir mit Ehrfurcht begegnen. Wir streben danach, weil es uns plötzlich innerlich wichtig wird. In ihm liegt ein besonderer Zauber – der „Zauber der Heiligkeit“.

Das Spirituelle suchen wir nicht aus Eigennutz. Der Gedanke an einen Vorteil verschwindet mit der Zeit. Unter dem Einfluss von Oben beginnen wir uns zu wandeln und spüren, dass das Spirituelle für uns kostbar ist, dass es eine innere Anziehungskraft besitzt. Wir wollen in der Hingabe leben – nicht, um Probleme zu vermeiden, sondern aus reiner Wertschätzung gegenüber dieser Eigenschaft.

Aber warum ist dieser Weg so schwer? Warum lässt man uns die Hingabe nicht sofort erlangen? Warum empfangen wir sie nicht auf einmal, sondern nur langsam, Schritt für Schritt? Warum werden wir so sehr geprüft und ausgezehrt?

Damit wir auf allen Etappen dieses Weges ständig Hilfe brauchen und uns an den Schöpfer wenden.

So wie wir zuerst das Materielle gegen das Spirituelle eintauschen, so tauschen wir dann das Spirituelle gegen den Schöpfer ein. Für uns ist nicht die spirituelle Erkenntnis wichtig, sondern die Verbindung mit dem Schöpfer. Darin liegt der Grund für unseren langen Weg.

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Aus dem Unterricht zum Artikel „Die Gabe der Tora”

 

Funken, die die Dunkelheit erhellen

Warum sollten wir auf dem Weg zur Heiligkeit, zur Offenbarung des Schöpfers, zur Anhaftung, zur Korrektur der gesamten Schöpfung, uns an unreine Wünsche, Klipot, nähren? Wozu sind sie notwendig? Wir müssen verstehen, dass der Schöpfer das Zerbrechen bewusst vorgenommen hat, um egoistische Wünsche und Wünsche des Gebens zu vermischen.

Während wir daran arbeiten, zu klären, was Unreinheit (Klipot) bedeutet und was Heiligkeit bedeutet und wie wir Heiligkeit aus den Klipot hervorbringen können, wachsen wir dadurch und erlangen Verstand, Sensibilität und Verständnis dafür, was der Schöpfer erschaffen hat: warum Er die Schöpfung schuf, die aus Licht und Dunkelheit, aus dem Wunsch zu genießen und dem Wunsch zu geben gewoben ist und wie wir das eine vom anderen trennen können.

Unser ganzes Leben ist eine Suche, Enttäuschungen, und Schwierigkeiten. All das, damit wir aus all diesen Reibungen zwischen Nehmen und Geben, zwischen Licht und Dunkelheit Funken gewinnen können. Einfach nur Licht oder nur Dunkelheit können uns nicht helfen, sondern nur wenn wir sie miteinander kollidieren lassen, als würden wir einen Stein gegen einen anderen schlagen und Funken sprühen lassen.

Genau diese Funken erfüllen uns und führen zu so hohen Erkenntnissen über die Materie hinaus, dass wir darin den Schöpfer zu erkennen beginnen. In der Schöpfung gibt es keine Möglichkeit, den Schöpfer direkt zu erfassen, Ihn zu verstehen und zu fühlen.

Doch gerade durch diese Reibung, die die Funken erzeugt, welche die Dunkelheit erhellen, können wir beginnen, den Weg zu verstehen, den der Schöpfer für uns vorbereitet hat. Wir durchlaufen viele schwierige Zustände und plötzlich blitzt in völliger Dunkelheit des Unverständnisses eine Erkenntnis auf, dann noch eine und noch eine, die es uns ermöglicht den Schöpfer zu erkennen.

Nachdem wir mehrere solcher Funken entzündet haben, spüren wir bereits, wie wir den Schöpfer und Seine Handlungen kennenlernen müssen.

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Aus dem Unterricht zum Artikel Nr. 36 aus dem Buch „Shamati“

 

Wenn wir den Schöpfer empfinden wollen

In der Schatzkammer des Schöpfers gibt es alles – außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Diese müssen wir selbst in uns erzeugen. Das bedeutet, dass wir unser egoistisches Verlangen in Furcht verwandeln müssen – aus dem Verständnis heraus, dass wir niemals zur Eigenschaft des Gebens gelangen werden, wenn der Schöpfer uns kein Kli (Gefäß) dafür baut.

Es gibt viele Arten von Angst: Einer fürchtet sich vor der Bank wegen großer Schulden, ein anderer hat sich danebenbenommen und hat Angst vor der Polizei. Und alle von uns fürchten sich vor der Meinung der Gesellschaft, vor dem, was andere über uns sagen könnten. Wir sind in strenge Rahmenbedingungen gepresst, die uns die Regeln des Lebens diktieren – und innerhalb dieser leben wir.

Doch gerade dieser Druck – von der unbelebten Natur, der pflanzlichen und tierischen Welt und den Menschen – ist es, der uns das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Wenn ich ihre Reaktionen nicht spüren würde, würde ich auch diese Welt nicht empfinden. Einerseits bedrückt mich dieser Druck durch mein Umfeld, andererseits bestimmt gerade dieser Druck den Ort meines Daseins – sonst würde ich ihn gar nicht spüren.

Wenn wir also den Schöpfer empfinden wollen, müssen wir spüren, wie Er Druck auf uns ausübt – und in welchem Maß wir im Gegenzug auf Ihn einwirken können. Das bedeutet, eine gegenseitige Verbindung mit Ihm einzugehen.

Wir fürchten uns vor allem Möglichen: vor Problemen in der Schule, in die unser Kind geht, vor Polizei, Ärzten, Vorgesetzten bei der Arbeit, vor den Krankheiten und tausend weiteren möglichen Unannehmlichkeiten. Doch wir merken nicht einmal, wie sehr uns diese Angst lebendig macht.

Denn im Grunde genommen treibt uns nur ein primitives Verlangen an: das Verlangen nach Genuss, das Verlangen, zu empfangen. Und wenn wir spüren, wie das Umfeld ständig Druck auf uns ausübt und uns formt, dann fühlen wir uns lebendig in dieser Welt.

Wenn wir aber in einer anderen, höheren Welt leben wollen, müssen wir in uns Kelim (Gefäße) für deren Wahrnehmung entwickeln. In unserer Welt fürchten wir uns vor der unbelebten Natur (Klima, Stürme usw.), vor der pflanzlichen Natur (Ernte, Nahrung), vor Tieren und Menschen. Letztlich empfinden wir uns als lebendig durch Angst und Druck, die wir von außen spüren – und merken es nicht einmal.

Diese Angst bestimmt unser ganzes Bild vom Leben, die Form der Welt, des Daseins. Wenn der Druck durch das Umfeld verschwinden würde, wenn ich nicht mehr spüren würde, dass ich andere brauche, sie will oder mich vor ihnen fürchte – dann würde ich die Realität nicht mehr fühlen. Und genau deshalb spüren wir den Schöpfer nicht. Wir müssen in uns Furcht oder Empfindsamkeit gegenüber dem Schöpfer entwickeln.

Wenn ich eine andere Realität spüren will – die als Höhere Welt bezeichnet wird, also die Welten Assija, Yezira, Brija, Azilut, Adam Kadmon, die Welt der Unendlichkeit –, dann muss ich mich jedes Mal verändern und mich fragen, welche Verlangen, welche Ängste und welche Klärungen ich gegenüber der äußeren Umgebung haben sollte.

Die Kabbalisten sagen: Wir haben keinen Grund zur Sorge, denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes. Es gibt also nichts, wovor wir uns fürchten müssten. Nur eines ist entscheidend: Wenn wir Seine Güte empfinden wollen, müssen wir ein entsprechendes Kli erschaffen – den Wunsch, Ihm Gutes zu tun. Dann, gemäß der Ähnlichkeit unserer Eigenschaften, werden wir den Schöpfer empfinden und erkennen, dass es keinen besseren Zustand als diesen gibt. Er wird uns Sicherheit, Genuss, Erfüllung bringen – wir müssen dem Schöpfer nur wohlwollend begegnen.

Das Kli, um die Höhere Welt, den Schöpfer, zu spüren, ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Doch eigentlich habe ich nichts, wovor ich mich vor dem Schöpfer fürchten müsste – denn Er wird mir nichts Böses tun. Nur ich selbst schade mir durch meinen Egoismus. Je nachdem, ob ich den bösen oder den guten Trieb wähle, wird mir das Licht, das vom Schöpfer kommt, als Licht oder als Dunkelheit erscheinen. Alles hängt von mir ab.

Wenn ich mit einem passenden Kli in die Schatzkammer des Königs eintrete, kann ich darin einen Teil des Lichts empfangen – und jedes Mal mehr. Der Schöpfer wünscht sich, dass wir Seine ganze Schatzkammer, das gesamte unendliche Licht, in uns aufnehmen – also die Stufen der Leiter bis zur Welt der Unendlichkeit aufsteigen.

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Aus einem Unterricht zum Artikel Shamati 38.