Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Spirituelle Arbeit'

Hungernde aller Länder, vereinigt euch!

Baal HaSulam, „Das Wesen der Wissenschaft Kabbala“: Die ganze Menschheit soll am Ende ihrer Entwicklung die Offenbarung des Schöpfers erlangen.

Frage: Das bedeutet, dass jeder Mensch den Schöpfer im Endeffekt offenbaren soll?

Meine Antwort: Unbedingt.

Frage: Was passiert, wenn er über kein solches Verlangen verfügt?

Meine Antwort: Jeder Mensch will leben, und es ist  das Verlangen, den Schöpfer zu offenbaren, d.h. die Höhere Kraft zu offenbaren, die über alles herrscht, die alles erfüllt und die das Leben aller Geschöpfe ewig und vollkommen unterstützt. Jeder Einzelne ist wie eine Zelle der allgemeinen Seele: er gibt und empfängt, er nimmt mit allen anderen am allgemeinen Leben teil, und zwar in dem Maß, in welchem sein Verlangen zu genießen es erlaubt. Der Mensch verwirklicht sich vollständig, zu hundert Prozent, und in diesem Ausmaß fließen durch ihn die Kräfte des Lebens, dank welchen er nicht nur sich selbst empfindet, sondern auch jene Gemeinsamkeit, zu der er gehört.

Letzten Endes werden wir das Ende der Korrektur erlangen, es wird die Form des Menschen (Adam) geben, der sich dem Schöpfer auf allen Stufen angleicht. Infolge der endgültigen Korrektur werden alle gleich sein, und ich weiß nicht, ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie sich das alles verwirklichen wird. Wenn wir über die korrigierten Gefäße verfügen werden, dann werden wir erst verstehen, was das bedeutet. Denn auch dieser Zustand existiert schon, wir müssen uns nur in ihn einreihen. Somit machen wir all unsere Handlungen entlang der Linie, die durch viele Kreise verläuft, und nicht im Schlusskreis der endgültigen Korrektur, wo jeder und alle, ohne Unterschiede, absolut gleich sind, wo jeder Einzelne alle Anderen einschließt.

Frage: Heute sind 99 % der Menschheit über die Probleme des materiellen Lebens besorgt. Mit welchem Verlangen werden sie zum Schöpfer gehen?

Meine Antwort: Zuerst werden sie sich uns anschließen, weil sie erkennen werden, dass sie alleine das materielle Leben nicht begreifen können. Überall kriselt es: den Schuldnern nimmt man die Häuser weg, die Lebensmittel werden teurer, die Produktion stagniert, die Arbeitslosigkeit wächst… Was kann der Mensch tun? Auf der Suche wird er den starken Wunsch des Überlebens offenbaren. Für das Überleben wird er zu allem bereit sein.

Die Zukunft hängt davon ab, inwiefern wir den Menschen das kabbalistische Wissen oder seine äußerliche Hülle – die Bürgschaft, vermitteln können. Es ist notwendig, dass die Menschen verstehen: nur die Vereinigung wird ihre Bedürfnisse befriedigen. Der Mensch wird bald für die Annäherung an die anderen bereit sein.

Im Altertum gab es für die Kabbalisten eine Bedingung: „Iss ein Stück Brot mit Salz, trinke ein wenig Wasser, schlafe auf der Erde“. So werden auch die Menschen die letzten Worte der Prophezeiung verstehen: „… bemühe dich in der Tora, und du wirst glücklich sein“. Was ist hiermit gemeint? „Sich in der Tora zu bemühen“ bedeutet, etwas zu tun, was mit der Vereinigung verbunden ist und zur Liebe zwischen den Menschen führt. „Die Тоra“ ist die Bürgschaft. Und dank ihr werden die Menschen etwas zu essen haben. So ist die erste Etappe eben.

Nachdem die Menschen sich im Rahmen der integralen Ausbildung mit der Erziehung beschäftigen, und auch an den Seminaren teilnehmen, werden sie vereinigt werden und fühlen, dass ihr Leben leichter und besser geworden ist. Folglich werden sie die Methode bewerten. Denn die Kabbala ist die Methode der Vereinigung, die uns erlaubt, vom grundlosen Hass zur Bruderliebe überzugehen.

Zuerst wird der Mensch seine materiellen, lebensnotwendigen Bedürfnisse befriedigen, er beginnt später ein wenig besser zu verstehen und zu fühlen, was in seinem Leben geschieht und wie es eigentlich zu verbessern ist. Dann wird ihm die Abhängigkeit von den anderen Menschen offenbart, und er wird daran denken, wie ihnen zu helfen ist, wie sie einander gegenseitig zufrieden stellen können. Eine solche Wechselwirkung schafft die Überzeugung, die Perspektive, die Hoffnung auf eine gute Zukunft für die Kinder. Folglich wächst das Verlangen des Menschen, zusammen mit dem Begreifen der Methode, und er versteht, dass nur die Vereinigung zum Erfolg führt.

Andererseits meinen heute alle, dass der Erfolg in der Isolierung von den anderen Menschen liegt. In Amerika zum Beispiel unterschreiben die Bürger auf der Regierungswebseite eine Petition für den friedlichen Austritt der einzelnen Staaten aus den USA. Einerseits ist das ein gutes Vorhaben: es kann die Macht „aufrütteln“, das bevorstehende Verständnis zu beschleunigen und zu verstärken; und andererseits handelt es sich um eine separatistische Tendenz, um „eine hoffärtige Isolierung“. Die Menschen sind noch weit vom Verständnis entfernt, dass man gerade mittels der Vereinigung alle Probleme lösen kann. In Wirklichkeit soll die ganze Welt das Böse und die zerbrochenen Gefäße offenbaren. Deshalb erfolgt hier eine sehr wirkungsvolle Entwicklung der Ereignisse, die zulassen wird, alle Mängel offen zu legen..

Jedoch schauen wir jetzt in die Zukunft und sprechen über die wahre Krise, wenn der Mensch zu allem bereit ist, nur um sich ernähren zu können: „Sie wollen, dass ich mich vereinige, so bitte, ich tue alles. Sagen sie mir, was ich tun soll, aber geben sie mir bitte zu essen“. Er versteht, dass er sich nur mittels der Vereinigung vom Tod retten kann. Und im Endeffekt arbeitet jeder entsprechend seinem Verlangen, denn so ist das allgemeine Einheitssystem aufgebaut.

Was die Offenbarung des Schöpfers betrifft, so wird sie dank dem erfolgen, dass sich die Menschen  an die Art „Israel“ anschließen werden, d.h. an die Menschen, in denen das Begreifen des Schöpfers lebendig ist. Galgalta we-Ejnaim verbindet sich mit АCHaP. Das bedeutet nicht, dass die „Hand“ infolge der richtigen Handlungen klüger wird. Auch wenn sie schreiben kann, wird die Fähigkeit jedoch von der Vernunft gesteuert. Folglich werden wir zusammen arbeiten, weshalb der Gewinn doppelt so groß ausfällt. Jedem wird der Schöpfer entsprechend seiner Stufe, seinem Verlangen offenbart, wobei alle fühlen werden, dass sie eine allgemeine Handlung machen. Die Lichter steigen immer von Galgalta we-Ejnaim zu АCHaP herab, wobei die Gefäße des АCHaP die Mitwirkung von Galgalta we-Ejnaim, die Verbindung mit dem Schöpfer, fühlen. Und so wird es bis zum Ende der Korrektur erfolgen.

In diesem System wird niemand erniedrigt oder benachteiligt. In Wirklichkeit sind wir alle wie Zwerge im Vergleich zu den großen Kabbalisten. Aber dann, am Ende der Korrektur, werden alle verbunden sein …

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Das Wesen der Wissenschaft Kabbala“, 14.11.2012

Wie bittet man, damit die Bitte in Erfüllung geht?

Frage: Was ist ein Gebet?

Meine Antwort: Als Gebet wird die Arbeit im Herzen bezeichnet. Doch warum ist es Arbeit? Weiß ich etwa nicht, was ich will? Nein. Ich weiß weder, was ich will, noch was ich wollen muss. Darin besteht unsere ganze Arbeit – uns richtig zu entwickeln.

Doch wenn es ein Verlangen ist, was kann ich tun? Ein Neugeborenes schreit, ohne den Grund zu kennen, es fühlt sich einfach nicht wohl. Doch der Mensch, der durch die Enthüllung verschiedener Reshimot (Informationsgene) gegangen ist, Geschmäcke (Taamim) des Empfangens und des Gebens gekostet hat, weiß bereits, was ihm gut tut und was nicht. Deshalb kann er auf ein konkretes Verlangen hinweisen. Es ist nicht einfach ein formloses Verlangen, ein Bedürfnis in seiner reinen Form, sondern ein Verlangen, in dem es bereits alle möglichen Formen und innere Unterschiede gibt.

Was wird also von uns verlangt? Nicht einfach wie ein Neugeborenes zu schreien, sondern genau zu klären, was wir wollen. Nehmen wir an, ich möchte einen Freund, der mir unangenehm ist, liebgewinnen. Dann muss ist ein Bedürfnis danach haben. Es steht geschrieben: „Mache dein Verlangen genauso wie seins“. Wie soll ich es aber tun, wenn ich keine Lust dazu habe?

Vollziehe Handlungen – daraus wirst du sehen, wie wenig du es willst. Doch indem du Handlungen vollziehst, investierst du Kraft, und diese Kraft löst in dir Bedauern aus, dass du das, was du eigentlich wollen müsstest, nicht willst.

Sagen wir mal, ich möchte ein Haus kaufen, doch dafür muss ich Anstrengungen unternehmen und schwer arbeiten. Ich habe dafür weder Kraft noch Lust, ich habe nur den Wunsch, ein Haus zu kaufen. Das ist nicht richtig. Der Mensch muss sein Verlangen auf eine Art und Weise bearbeiten, dass es mit dem Ziel verbunden ist.

Was bedeutet also Gebet? Gebet bedeutet nicht die Bitte an sich, die ich gerade ausspreche. Gebet ist eine Abfolge meiner Handlungen, in denen ich die Bitte formuliere, mit der ich dann lebe. Und jedes Mal bearbeite und korrigiere ich mein Verlangen, damit mein Gebet eine immer korrektere Form annimmt, immer schärfer und präziser wird.

Als Gebet wird Malchut, das Verlangen, bezeichnet, und darum muss ich mich ständig kümmern. Ich muss mir um nichts anderes Gedanken machen, außer um das richtige Verlangen. Darum steht geschrieben: „Gebe Gott, dass wir den ganzen Tag beten“. Es ist kein Gebet, bei dem der Mensch sich auf den Boden wirft oder aus dem Gebetsbuch vorliest. Nein. Gebet bedeutet, dass ich in meinem Inneren Klärungen durchführe, wie geschrieben steht: „Ich bin das Gebet“. Das heißt, der Mensch sagt: „ Das ist mein Gebet, mein Verlangen!“ und nichts, was irgendwo geschrieben, gelernt oder gehört wurde.

Sich von jeglichen Außeneinflüssen zu befreien und in seinem Inneren sein wahres Verlangen, sein wahres Ich zu klären – genau das bedeutet „Ich bin das Gebet“. Genau das ist Malchut. Auf ein solches Gebet erhält der Mensch eine Antwort von Oben, weil das ein geklärtes Verlangen ist.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 19.11.2012

Gebet um die Korrektur

Der Egoismus tut uns Gewalt an, indem er uns in der Knechtschaft hält und uns keine Ruhe lässt. Keinen einzigen Augenblick hören wir auf, egoistische Berechnungen zu seinen Gunsten zu machen, deshalb ist kein Ende in Sicht. Wie können wir uns also aus der Knechtschaft retten und uns mit allen Mitteln in der Forderung festigen, dass wir uns in der Gruppe befinden, studieren, an den Aktivitäten, der Verbreitung, den Workshops, den Freundesversammlungen und Mahlzeiten teilnehmen, nur um die Kraft des Gebens zu erlangen? Das nennt sich Glaube.

Der Mensch empfindet Hiobs Leiden, die unerträgliche menschliche Leiden symbolisieren, und enthüllt seine ganze egoistische Natur bis zur letzten und tiefsten Stufe, um festzustellen, dass er nichts dagegen tun kann. Wie oft er sich auch prüfen mag, findet er kein einziges Korn, aus dem etwas Gutes wachsen könnte.

Das wird als Hiobs Leiden bezeichnet, die nicht überwunden oder geheilt werden können. Denn in Wirklichkeit kann innerhalb unserer Natur kein Ansatzpunkt gefunden werden, mit dem die Korrektur begonnen werden könnte. Das heißt, in uns selbst gibt es keine Kraft, mit deren Hilfe Handlungen des Gebens vollzogen werden könnten.

Es steht jedoch geschrieben, dass der Schöpfer den bösen Trieb und die Tora als Mittel zu dessen Korrektur erschuf. Es gibt also ein Mittel: die höhere Kraft, das umgebende Licht, das zur Quelle zurückführt und zum Menschen unter der Bedingung kommt, dass er nach der Korrektur verlangt. Alles, was wir brauchen, ist, unsere Bitte zu enthüllen, dann wird das Licht auf uns einwirken.

Die Bitte bedeutet das Verlangen, das Bedürfnis nach der Korrektur. Es ist nicht einfach nur das egoistische Verlagen zu genießen, sondern das Bedauern, als Egoist geboren zu sein. Dafür bedarf es der Vorbereitungsarbeit, die von Generation zu Generation geführt wird, den Einfluss der Umgebung, des umgebenden Lichts, welches bis zum Menschen selbst ohne sein Wissen vordringt.

Selbst ohne die Kabbala zu studieren, beginnt der Mensch bereits seinen bösen Trieb kennenzulernen, wie es jetzt, in den Zeiten der Krise, der gesamten Menschheit bevorsteht, um festzustellen, dass wir alle Egoisten sind und es daraus keinen Ausweg gibt. Alles läuft darauf hinaus, dass wir einfach einander auffressen werden. Sieht so etwa das Ende der menschlichen Zivilisation aus? Was sollen wir tun?

Es existiert eine allgemeine und eine persönliche Vorbereitungszeit, die dem Menschen seine böse Natur ein wenig offenbart. Er spürt, dass es keinen Ausweg gibt und er die Natur irgendwie korrigieren muss. Und wenn der Punkt im Herzen in ihm erwacht, beginnt er seine Korrektur. Doch diejenigen, in denen der Punkt im Herzen sich noch nicht enthüllt hat, empfinden wahrhaft Hiobs Leiden, ohne jegliche Hoffnung, sich irgendwie ändern zu können. Denn selbst jegliche Handlungen, die ihnen altruistisch vorkommen, jede Wohltätigkeit und ehrenhafte Regungen entpuppen sich letztendlich als  egoistisch.

Während der Mensch klüger wird, beginnt er zu begreifen, dass aus all dem der gleiche Egoismus spricht, der zu seinen eigenen Gunsten handelt. Wie schön die wohltätigen Organisationen und Handlungen auch aussehen mögen, bringen sie keine Korrektur.

Die Welt ist so erschaffen worden, dass wenn wir nach dem Gesetz der Korrektur der Natur mithilfe des Lichts, das zur Quelle zurückführt, handeln, korrigieren wir sie. Und wenn wir dieses Gesetz nicht befolgen, verwandeln sich unsere besten Handlungen in schlechte. Gerade durch unsere besten Absichten verursachen wir den größten Schaden, ohne auch nur irgendeinen Nutzen zu bringen.

Deshalb schreibt Rabash, dass wenn er sich die ganzen Leiden, die die Welt ertragen musst, anschaut, kann er durch nichts anderes helfen, als um ihre Korrektur zu beten.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Vorwort zum TES, 18.11.2012

Laitman hautnah: alle Leiden haben einen Sinn – die selbstlose Liebe zu erlangen

„Laitman hautnah“ – Unbefangene Interviews mit dem weltberühmten Kabbalisten Rav Dr. Michael Laitman über die Themen Spiritualität, Weisheit der Kabbala und den Sinn des menschlichen Lebens.

Laitman hautnah: Woher nimmt ein Kabbalist die Kraft

„Laitman hautnah“ – Unbefangene Interviews mit dem weltberühmten Kabbalisten Rav Dr. Michael Laitman über die Themen Spiritualität, Weisheit der Kabbala und den Sinn des menschlichen Lebens.

Laitman hautnah: Das Geheimnis der Wiedergeburten der Seelen

„Laitman hautnah“ – Unbefangene Interviews mit dem weltberühmten Kabbalisten Rav Dr. Michael Laitman über die Themen Spiritualität, Weisheit der Kabbala und den Sinn des menschlichen Lebens.

Geheimnisvolles Puzzle des Schöpfers

Wir müssen uns in allen unseren Wünschen verbinden, um das Ziel zu erreichen – das sind Verbindungen zwischen uns, von welchen wir keine Ahnung haben. Das ist ein Puzzle, das der Schöpfer für uns aufgestellt hat, und wir müssen versuchen, dieses zusammenzubauen.

Wir versuchen, so nah wie möglich aneinander zu kommen, aber die Verbindung zwischen uns, um in diesen Kontakt zu kommen, ist nur unter der Bedingung möglich, dass das nur der Schöpfer tun kann. Wir selbst sind nicht in der Lage, miteinander in Kontakt zu kommen, noch weniger, uns zu verbinden. Der Schöpfer muss in der Eigenschaft des Gebens zwischen uns sein, welche uns verbindet.

Je mehr wir einander näher kommen, desto größer wird die Ablehnung zwischen uns, wie zwischen zwei positiven und zwei negativen Polen der Magnete – je mehr man versucht, sie durch die mechanische Bewegung zueinander zu bringen, desto mehr werden sie durch ein magnetisches Feld abgestoßen.

Was ist zu tun? Der Schöpfer muss hier als Klebstoff fungieren. D.h., die Kraft des Gebens muss größer als die des Empfangens sein, und so verkleben sie sich miteinander, nicht durch die Annullierung der Abstoßungskraft, sondern indem man beginnt, sie zu benutzen. In unserer Welt gibt es kein Beispiel dafür, aber im Spirituellen wandelt sich die Abstoßungskraft in Anziehungskraft um.

Wir verstehen nicht, wie das möglich ist. Dir bleibt die Abstoßungskraft, das Ego mit seinem Verlangen auch, aber es funktioniert in umgekehrter Weise. In unserer Welt gibt es nichts Vergleichbares, und wir verstehen nicht, wie die abstoßende Kraft als eine Kraft der Anziehung arbeiten kann. Dafür ist eine besondere Eigenschaft namens „das Licht, das zur Quelle zurückführt“ vonnöten, welche plötzlich der Abstoßungskraft die Möglichkeit gibt, der Anziehungskraft und der Verbindung näher zu kommen, nicht um sich zu annullieren – ohne sich in die gegenteilige Kraft zu verwandeln -, sondern um so zu bleiben wie sie ist.

Aus der Lektion nach dem Buch Sohar, 18.10.2012

Was erweckt mich?

Manchmal erlebt der Mensch Zustände, in denen er lustlos ist. Nichts Bestimmtes zieht ihn an: weder die Einheit der Freunde noch das Verständnis der kabbalistischen Texte, noch das Empfinden oder die Verbindung mit etwas Wichtigem. Er denkt nicht an jene inneren Schritte, die er im Laufe des Tages – in der Gruppe oder auf der Arbeit – tun muss. Er ist wie tot. Es ist nicht so, als würde er es spüren – er spürt gar nichts, er schläft.

Worum kann der Mensch in einem solchen Fall bitten? Um zwei Dinge:

  • Mehr Nähe zu der Gruppe. Dann werden „Strömungen“, die durch seine Freunde hindurch fließen, auch durch ihn fließen, ihn aufrütteln und in Bewegung setzen.
  • Das anfängliche Verlangen, sich selbst dem Licht zu überlassen – es soll seine Einwirkung auf ihn ausüben und ihn zum Leben zurückbringen.

Wenn ich also keine bestimmte Forderung habe, die durch Verlangen oder Begeisterung hervorgerufen wird, dann brauche ich diese beiden Faktoren. Der eine wirkt von der Seite des Gefäßes, der andere von der Seite des Lichts.

Erstens möchte ich mich den Freunden zugehörig fühlen, damit durch mich alles hindurch fließt, was auch durch sie hindurch fließt. Hier ist das Wichtigste, dabei zu sein. Ich komme, setze mich hin und höre zu – doch ich höre auf der spirituellen Ebene zu, ich öffne meine inneren „Schleusen“ für die Strömungen, die durch die Gruppe hindurch fließen.

Und zweitens lasse ich das Licht auf mich einwirken, durch mich strömen, mich erfüllen und zum Leben erwecken.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 23.10.2012

Einer bedeutet alles

Frage: Was bedeutet der Begriff „Einer“?

Meine Antwort: „Einer“ bedeutet, dass auf der Grundlage einer unendlich großen Anzahl von inneren Eigenschaften, die unterschiedlich und einander entgegengesetzt ist, in allen möglichen Begriffen, nur eine Form herrscht, die alle verbindet, vereint und ergänzt.

Dieser Zustand nennt sich „Einer“, weil er ebenso auf eine unendlich große Anzahl von einzelnen Teilen, die in ihm enthalten sind, auf ihre Form der Verbindung und die Einzigartigkeit eines jeden darin hinweist – das alles ist in dem Begriff „Einer“ enthalten.

„Einer“ schließt in sich die gesamte Realität ein: wie Er eins war und dann in eine Vielzahl von Einzelteilen zerfiel, die ganzen Korrekturen durchlief und alles, was er in diesen Korrekturen erkannte – das alles nennt sich „Einer“. Das heißt, er schließt in sich absolut alle mit ein. Er ist nicht einfach nur „Einer“, sondern im Gegenteil: Er ist Einer, weil alles in ihm enthalten ist.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 21.10.2012

Ein unerträglicher Verlust

Frage: Während eines Ausfluges in St. Petersburg erfuhr ich, dass von den dreizehn Kindern des Zaren Peters der Erste nur ein Kind das Erwachsenenalter erreichte. Dennoch kam er mit diesen Zuständen irgendwie zurecht. Heutzutage sind viele Menschen, wenn sie ein Kind verlieren, schnell bereit, sich das Leben zu nehmen. Warum kann der gegenwärtige Mensch keine gewöhnlichen, normalen Schicksalsschläge ertragen?

Meine Antwort: Das Kind stellt das riesige System der Freude, des Genusses für den Menschen dar. Es ist seine Fortsetzung, etwas, was ihm sehr naheliegt, etwas Eigenes, was er ständig in seinem Inneren trägt, etwas, was ihn erwärmt und nach vorne ausrichtet und in dem er den Sinn des Lebens erkennt. Die Sorge um das Kind verleiht dem Menschen sehr viele gute Empfindungen, sie versorgt ihn mit vielen äußerlichen und inneren Kräften. Deshalb bringt der Verlust eines Kindes großes Leiden mit sich.

Im Prinzip gibt es keinen Unterschied, ob das Kind jetzt oder mit 50 oder 60 Jahren gestorben ist. Allgemein ist uns klar, dass ein Höherer Wille gewisses Unglück gibt. Aber der Mensch kann damit niemals einverstanden sein, denn er ist nicht in der Lage, diesen Verlust zu akzeptieren.

Es gibt nur eine Lösung, nämlich den Menschen auf das äußerliche Feld, das heißt auf das Wohlwollen und das Geben, auf die breitere Palette auszurichten, die ihn unterstützen wird. Oft beginnen solche Menschen sich mit Wohltätigkeit, gegenseitiger Hilfe oder mit dem Geben zu beschäftigen. Das heißt, sie beginnen zu suchen: auf wen können sie ihre Liebe und all das übertragen, was sie den Kindern gegenüber empfunden haben?

Man sollte ihnen dabei helfen, dieses Ziel, diese Beschäftigung zu finden, damit sie sich dadurch wieder beleben können.

Auszug aus der TV-Sendung „Die Konstruktion der sozialen Umgebung“, 24.09.2012