Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Laitman hautnah: Das Geheimnis der Wiedergeburten der Seelen

„Laitman hautnah“ – Unbefangene Interviews mit dem weltberühmten Kabbalisten Rav Dr. Michael Laitman über die Themen Spiritualität, Weisheit der Kabbala und den Sinn des menschlichen Lebens.

Geheimnisvolles Puzzle des Schöpfers

Wir müssen uns in allen unseren Wünschen verbinden, um das Ziel zu erreichen – das sind Verbindungen zwischen uns, von welchen wir keine Ahnung haben. Das ist ein Puzzle, das der Schöpfer für uns aufgestellt hat, und wir müssen versuchen, dieses zusammenzubauen.

Wir versuchen, so nah wie möglich aneinander zu kommen, aber die Verbindung zwischen uns, um in diesen Kontakt zu kommen, ist nur unter der Bedingung möglich, dass das nur der Schöpfer tun kann. Wir selbst sind nicht in der Lage, miteinander in Kontakt zu kommen, noch weniger, uns zu verbinden. Der Schöpfer muss in der Eigenschaft des Gebens zwischen uns sein, welche uns verbindet.

Je mehr wir einander näher kommen, desto größer wird die Ablehnung zwischen uns, wie zwischen zwei positiven und zwei negativen Polen der Magnete – je mehr man versucht, sie durch die mechanische Bewegung zueinander zu bringen, desto mehr werden sie durch ein magnetisches Feld abgestoßen.

Was ist zu tun? Der Schöpfer muss hier als Klebstoff fungieren. D.h., die Kraft des Gebens muss größer als die des Empfangens sein, und so verkleben sie sich miteinander, nicht durch die Annullierung der Abstoßungskraft, sondern indem man beginnt, sie zu benutzen. In unserer Welt gibt es kein Beispiel dafür, aber im Spirituellen wandelt sich die Abstoßungskraft in Anziehungskraft um.

Wir verstehen nicht, wie das möglich ist. Dir bleibt die Abstoßungskraft, das Ego mit seinem Verlangen auch, aber es funktioniert in umgekehrter Weise. In unserer Welt gibt es nichts Vergleichbares, und wir verstehen nicht, wie die abstoßende Kraft als eine Kraft der Anziehung arbeiten kann. Dafür ist eine besondere Eigenschaft namens „das Licht, das zur Quelle zurückführt“ vonnöten, welche plötzlich der Abstoßungskraft die Möglichkeit gibt, der Anziehungskraft und der Verbindung näher zu kommen, nicht um sich zu annullieren – ohne sich in die gegenteilige Kraft zu verwandeln -, sondern um so zu bleiben wie sie ist.

Aus der Lektion nach dem Buch Sohar, 18.10.2012

Was erweckt mich?

Manchmal erlebt der Mensch Zustände, in denen er lustlos ist. Nichts Bestimmtes zieht ihn an: weder die Einheit der Freunde noch das Verständnis der kabbalistischen Texte, noch das Empfinden oder die Verbindung mit etwas Wichtigem. Er denkt nicht an jene inneren Schritte, die er im Laufe des Tages – in der Gruppe oder auf der Arbeit – tun muss. Er ist wie tot. Es ist nicht so, als würde er es spüren – er spürt gar nichts, er schläft.

Worum kann der Mensch in einem solchen Fall bitten? Um zwei Dinge:

  • Mehr Nähe zu der Gruppe. Dann werden „Strömungen“, die durch seine Freunde hindurch fließen, auch durch ihn fließen, ihn aufrütteln und in Bewegung setzen.
  • Das anfängliche Verlangen, sich selbst dem Licht zu überlassen – es soll seine Einwirkung auf ihn ausüben und ihn zum Leben zurückbringen.

Wenn ich also keine bestimmte Forderung habe, die durch Verlangen oder Begeisterung hervorgerufen wird, dann brauche ich diese beiden Faktoren. Der eine wirkt von der Seite des Gefäßes, der andere von der Seite des Lichts.

Erstens möchte ich mich den Freunden zugehörig fühlen, damit durch mich alles hindurch fließt, was auch durch sie hindurch fließt. Hier ist das Wichtigste, dabei zu sein. Ich komme, setze mich hin und höre zu – doch ich höre auf der spirituellen Ebene zu, ich öffne meine inneren „Schleusen“ für die Strömungen, die durch die Gruppe hindurch fließen.

Und zweitens lasse ich das Licht auf mich einwirken, durch mich strömen, mich erfüllen und zum Leben erwecken.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 23.10.2012

Einer bedeutet alles

Frage: Was bedeutet der Begriff „Einer“?

Meine Antwort: „Einer“ bedeutet, dass auf der Grundlage einer unendlich großen Anzahl von inneren Eigenschaften, die unterschiedlich und einander entgegengesetzt ist, in allen möglichen Begriffen, nur eine Form herrscht, die alle verbindet, vereint und ergänzt.

Dieser Zustand nennt sich „Einer“, weil er ebenso auf eine unendlich große Anzahl von einzelnen Teilen, die in ihm enthalten sind, auf ihre Form der Verbindung und die Einzigartigkeit eines jeden darin hinweist – das alles ist in dem Begriff „Einer“ enthalten.

„Einer“ schließt in sich die gesamte Realität ein: wie Er eins war und dann in eine Vielzahl von Einzelteilen zerfiel, die ganzen Korrekturen durchlief und alles, was er in diesen Korrekturen erkannte – das alles nennt sich „Einer“. Das heißt, er schließt in sich absolut alle mit ein. Er ist nicht einfach nur „Einer“, sondern im Gegenteil: Er ist Einer, weil alles in ihm enthalten ist.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 21.10.2012

Ein unerträglicher Verlust

Frage: Während eines Ausfluges in St. Petersburg erfuhr ich, dass von den dreizehn Kindern des Zaren Peters der Erste nur ein Kind das Erwachsenenalter erreichte. Dennoch kam er mit diesen Zuständen irgendwie zurecht. Heutzutage sind viele Menschen, wenn sie ein Kind verlieren, schnell bereit, sich das Leben zu nehmen. Warum kann der gegenwärtige Mensch keine gewöhnlichen, normalen Schicksalsschläge ertragen?

Meine Antwort: Das Kind stellt das riesige System der Freude, des Genusses für den Menschen dar. Es ist seine Fortsetzung, etwas, was ihm sehr naheliegt, etwas Eigenes, was er ständig in seinem Inneren trägt, etwas, was ihn erwärmt und nach vorne ausrichtet und in dem er den Sinn des Lebens erkennt. Die Sorge um das Kind verleiht dem Menschen sehr viele gute Empfindungen, sie versorgt ihn mit vielen äußerlichen und inneren Kräften. Deshalb bringt der Verlust eines Kindes großes Leiden mit sich.

Im Prinzip gibt es keinen Unterschied, ob das Kind jetzt oder mit 50 oder 60 Jahren gestorben ist. Allgemein ist uns klar, dass ein Höherer Wille gewisses Unglück gibt. Aber der Mensch kann damit niemals einverstanden sein, denn er ist nicht in der Lage, diesen Verlust zu akzeptieren.

Es gibt nur eine Lösung, nämlich den Menschen auf das äußerliche Feld, das heißt auf das Wohlwollen und das Geben, auf die breitere Palette auszurichten, die ihn unterstützen wird. Oft beginnen solche Menschen sich mit Wohltätigkeit, gegenseitiger Hilfe oder mit dem Geben zu beschäftigen. Das heißt, sie beginnen zu suchen: auf wen können sie ihre Liebe und all das übertragen, was sie den Kindern gegenüber empfunden haben?

Man sollte ihnen dabei helfen, dieses Ziel, diese Beschäftigung zu finden, damit sie sich dadurch wieder beleben können.

Auszug aus der TV-Sendung „Die Konstruktion der sozialen Umgebung“, 24.09.2012

Der Aufstieg zur Absicht

Baal HaSulam, Shamati, Artikel 42 „Elul“: Daher wird einem von Oben die Form der Schwärze gegeben, und dann sieht man, ob die eigene Arbeit in Reinheit geschieht. Das heißt, wenn er auch im Zustand der Schwärze in Freude sein kann, ist dies ein Zeichen, dass seine Arbeit in Reinheit geschieht. Denn der Mensch muss sich freuen und glauben, dass man ihm von Oben eine Gelegenheit gegeben hat, damit er zum Zwecke des Gebens arbeiten kann.

Wenn der Mensch sich über allen Gemütszuständen in Freude befindet, ist das ein Zeichen dafür, dass er sich bereits von seinem empfangenden Verlangen losgelöst hat und voranschreiten kann. Darin besteht immer unsere Überprüfung: Sind wir in unserem egoistischen Verlangen versunken oder können wir uns ein klein wenig über dieses erheben? Der Mensch bittet nicht um gute Stimmung, um die Arbeit fortsetzen zu können, – im Gegenteil, er ist gerade mit der Schwärze, mit schlechter Laune und dem Durcheinander zufrieden. Über all dem ist er zu einer kleinen Anstrengung fähig.

In welchem Zustand wir uns auch immer befinden, wir messen ihm keine entscheidende Bedeutung bei, sondern erheben uns darüber. Wenn die Lage in der Wahrnehmung der empfangenden Gefäße miserabel erscheint, ich aber über ihnen in der Lage bin, im Geben, in der Einheit und der Liebe zu den Freunden zu arbeiten, dann ist es ein sicheres Anzeichen dafür, dass ich auf dem richtigen Kurs bin. Die Finsternis in den empfangenden Gefäßen zu spüren und darüber, selbst durch die kleinste Anstrengung, der Verbindung, dem Geben entgegenzustreben, darin besteht unsere ganze Arbeit.

Aus diesem Grund müssen wir entsprechende Übungen machen, Lernspiele spielen. Natürlich hat es ein Anfänger in den ersten Jahren nicht leicht, doch dann beginnt er einen Bruch zwischen seiner Empfindung und der Absicht, d.h. zwischen zwei unterschiedlichen Systemen, zu spüren. Es geht ihm mal gut, mal schlecht, und er versteht, dass es unwichtig ist, dass er nur über diesen Empfindungen arbeiten muss, und sie werden ihm jedes Mal verschiedene Einzelheiten der Wahrnehmung eröffnen, die auf dem Weg zum Kennenlernen der Formen der Lenkung des Schöpfers notwendig sind. Alle Empfindungen – ob gut oder schlecht – nimmt er als Güte an, um sich über sie zu erheben und ständig die Ausrichtung auf das Ziel zu halten.

Diese Anstrengungen müssen wir permanent unternehmen und versuchen, dass die Energie des Aufstiegs, die es uns erlaubt, die Zeit und die Mittel rational zu nutzen, auch beim Abstieg erhalten bleibt. Ja, es ist sehr schwer, doch wir sollten das zumindest versuchen. Auf diese Weise schalten wir nach und nach von den empfangenden Gefäßen ab und gehen zu einer anderen Arbeit über, während wir bereits in der Absicht und nicht in der Empfindung leben.

Auszug aus der Vorbereitung auf den Unterricht, 11.10.2012

Fünf Sekunden Leben am Tag

Die Freunde müssen dafür sorgen, dass ich nicht abstürze und ständig an mich denken. Ich muss sie dafür bezahlen, denn sie brauchen die gleiche Unterstützung. Nur wenn wir uns gegenseitig Sorgen umeinander machen, wird keiner von uns abstürzen und das Ziel aus den Augen verlieren. Wir werden einander halten.

Wir haben keine Chance, etwas zu erreichen, wenn nicht jeder alle anderen unterstützt. Anderenfalls werden wir nicht dem Egoismus entkommen können. Genau darin besteht die gegenseitige Bürgschaft.

Wenn ich nicht in der Lage bin, an die andren zu denken, dann bedeutet das, dass sie nicht an mich denken. Das ist sowohl die Ursache als auch die Wirkung, die in der Bedingung unseres gemeinsamen Bundes zusammen existieren – und dann befindet sich der Schöpfer in ihm und erfüllt diesen Vertrag. Und ohne das vergessen wir ihn ganz bestimmt und beginnen, andere Berechnungen zu führen, während wir glauben, voranzukommen, und so vergehen Jahre.

Der Mensch ist nicht dazu in der Lage, sich selbst auf dem rechten Weg zu halten. Wisst ihr, wie viele Augenblicke wir an einem Tag zählen können, in denen wir wirklich vorankommen? Höchstens drei bis fünf Sekunden! Es sind so wenige, weil nicht jeder die Unterstützung von außen hat.

Mein Gefäß des Verlangens befindet sich außerhalb von mir, und ich muss dafür sorgen, dass ich es an mich anschließe. Wenn nicht jeder in Bezug auf die anderen auf diese Weise handelt, dann arbeitet er nicht richtig und zieht deshalb kein Licht, das zur Quelle zurückführt, an. Denn das Licht wirkt nur innerhalb unserer gegenseitigen Fürsorge. Es kommt auf dieser Grundlage, als Antwort auf solche Bestrebungen.

Und wenn es solche Bestrebungen nicht gibt, dann befindet sich das Licht um uns herum im Zustand des passiven Wartens. Mit dessen Größe ist die ganze Welt erfüllt, doch wir müssen es selbst aktivieren. Wir müssen für diese wichtigsten Bedingungen sorgen: Die Bürgschaft besteht in unserer allumfassenden Abhängigkeit voneinander und der Verpflichtung allen gegenüber. Und ohne das erlangt keiner von uns Erfolg, selbst wenn wir das vom egoistischen Standpunkt her betrachten, geschweige denn, wenn es um hohe Absichten geht.

Auszug aus dem Gespräch über die innere Arbeit, 30.09.2012

Schlendern die Teilchen meiner Seele auf den Straßen?

Frage: Wie kann man im alltäglichen Leben (auf der Straße, im Verkehr usw.) die spirituelle Arbeit optimal ausüben?

Meine Antwort: Ich versuche, alles durch das System der Vereinigung, durch das System der gegenseitigen Ergänzung anzuschauen. Mich interessiert, ob ich durch alles, was ich vor mir sehen werde, eine Erscheinungsform der Wechselwirkung zweier entgegengesetzter Kräfte erkennen werde, die mir auf diese Weise allerlei Bilder zeichnen.

Wenn ich mich auf einem Seminar befinde und vor mir meine neuen Freunde, Partner und Konkurrenten sitzen, wenn ich daran denke, wer von uns besser und wer schlechter antwortet – wie können wir uns einander ergänzen? Wie können wir alle zusammen spielen, um die richtigen Antworten zu finden? ; denn hier existieren viel Verwandtschaft und viele Gegenteile.

Wenn ich mich auf der Straße befinde, warum kann ich dann in jedem, der in mir irgendwelche Gefühle erweckt, einen solchen Partner sehen? Ob ich gegen oder für ihn bin, hat hier keine Bedeutung; denn es ist wichtig, wie ich darauf reagiere. Kann ich diesen Menschen wie meinen Nächsten betrachten? Meine Selbstsucht erlaubt es mir nicht. Wenn ich ihn anders angeschaut und in ihm einen geliebten Menschen gesehen hätte, dann hätte ich sofort meine Beziehung zu ihm geändert.

Man soll also anhand solcher spielerischen Art und Weise mittels des Gebens und des Empfangens die Beziehungen mit anderen klären. Dann werdet ihr flexibler sein, ihr werdet eine sensiblere Sichtweise in Bezug auf diese Welt finden.

Aber die Hauptsache ist natürlich, dass ihr durch diesen Blick beginnen werdet, die lenkende Kraft zu sehen, die euch dieses Bild zeigt, um darin eine Erscheinungsform des Schöpfers, eine lenkende Kraft, zu erkennen.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 23.09.2012

Schluss mit Verschweigen

Was auch immer sich in meinem Leben ereignen mag, ich muss verstehen, dass es von der Höheren Kraft kommt, die zweifelsohne über alles herrscht. Doch noch zeigt sie sich mir nicht als solche, sondern verhüllt, und deshalb empfinde ich Leiden.

Der Schöpfer ist gut und tut Gutes, doch mir gegenüber zeigt Er sich durch einen „Filter“, der alles Gute in etwas Unangenehmes und Hässliches verwandelt. Die Dicke dieses „Filters“ bezeichne ich als „einfache Verhüllung“. Mehr noch: der Schöpfer kann einen weiteren „Filter“ einbauen und mich in die doppelte Verhüllung schicken – und das wird viel schlimmer sein.

Wie kann ich also nun den Vorhang, der das Gute des Schöpfers ins Böse verwandelt, wegmachen? Dafür bitte ich: „Korrigiere mich! Jedoch nicht, damit ich mich von den negativen Empfindungen befreie. Im Gegenteil, sie helfen mir, treiben mich voran. Ohne sie hätte ich überhaupt an etwas ganz anderes gedacht. Sie richten mich zu Dir aus – zu der Quelle dessen, was mir als Böse erscheint. Aus diesem Grund bitte ich um Hilfe – um nicht zu spüren, dass etwas Schlimmes von Dir kommt.

Ich möchte mich nicht hinter dem „Filter“, sondern davor befinden, im direkten Kontakt zu Dir. Nicht um der guten Empfindungen willen, sondern um Dich als gut zu erkennen. Ich möchte Dich preisen, und im Moment verfluche ich Dich wider Willen. Mein Fleisch schreit darum: Mir geht es schlecht und ich verfluche die Quelle dieses Übels. Aber Du hast mir doch das Gefühl gegeben, dass das Böse von Dir kommt. Du verschweigst mir etwas, halb enthüllt und halb verhüllt. Doch ich will Dich nicht mehr verfluchen“.

Frage: Wo ist hier der Platz der Gruppe? Ich kann auch ohne sie um all das bitten.

Meine Antwort: Versuch es. Wenn du damit anfängst, kommst du durcheinander und erkennst, dass die wahre Bitte nur in der Gruppe möglich ist. Dort bist du sicher vor den Fehlern, dort bittest du wirklich den Schöpfer um die Korrektur, entgegen deinen Verlangen, ob gut oder böse. Letztendlich gibt dir die Gruppe Klarheit: worum genau bittest du, was genau willst du, an wen genau wendest du dich. Das ist der Sinn der Sache.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Verhüllung und Enthüllung des Angesichts des Schöpfers“, 02.10.2012

Eine Bitte um die Wiederbelebung der Toten

Gerade ist ein sehr starker Kongress zu Ende gegangen, und wir fühlen uns müde, gleichgültig, schläfrig, als würde uns eine schwere Wolke umhüllen und zu schwermütigen Greisen machen.

Der Schöpfer nimmt uns das egoistische Verlangen – den Treibstoff, der uns vorangetrieben hat – weg. Davor brannte dieses Verlangen in uns, wir strebten nach der spirituellen Belohnung und sehnten uns nach dem Kampf, um die spirituelle Welt zu erobern. Jeder kam sich selbst wie ein Held vor. Doch er war ein Held, weil in ihm der Egoismus brannte, der ihn zu Errungenschaften vorantrieb.

Der Schöpfer möchte dir helfen und nimmt dir diesen Egoismus weg, damit du an dessen Stelle eine andere Kraft betätigst. Nun musst du, anstatt von hinten angetrieben zu werden, dich selbst von der Größe des Ziels begeistern lassen, damit es dich nach vorne zieht.

Jetzt hast du eine solche Gelegenheit, doch du sagst, dass du keine Kraft und keine Lust hast. Du erinnerst dich, dass du einst vor Verlangen branntest – doch dieses Verlangen war nicht deins, sondern von oben geschenkt. Du wurdest von oben getrieben und in die Gruppe und zu der Kabbala geführt.

Jetzt ist das Verlangen verschwunden und du denkst, dass es besser wäre, die Gruppe zu verlassen und mit der Kabbala aufzuhören, denn sie zieht nicht mehr an. Und wenn es so ist, dann ist an ihr offensichtlich etwas falsch. Jeder urteilt nach seiner eigenen Verdorbenheit.

Und es ist klar, dass, wenn du keine Motivation hast, du nicht in der Lage bist, voranzukommen. Keine einzige Maschine kann ohne Treibstoff funktionieren. Doch wende dich an die Gruppe, an die Bücher, an das Studium – verlange Hilfe von ihnen! Wende dich an den Schöpfer!

Wenn du keine Kraft zu einer solchen Bitte hast, dann fehlt hier die gemeinsame Kraft, die gegenseitige Bürgschaft. Und wenn du um dich herum Freunde siehst, aus denen der Lebensgeist entwichen ist, dann weine wenigstens wie auf einer Beerdigung, dass du solche Freunde verloren hast! Schau, was für ein steinernes Herz – auf jedem liegt ein schwerer Grabstein, der nicht wegzuschieben ist.

Einst brannten sie vor Verlangen und jetzt können sie nur beweint werden. Bald wirst auch du in diese Grube fallen. Doch wenn wir uns im Vorhinein vorbereiten, um einander zu helfen, dann können wir uns aus allen Abstiegen erheben. Und nicht nur aus einer solchen Gleichgültigkeit wie jetzt, sondern auch, wenn wahrer Hass zwischen uns entbrennt. Heute wurde uns nur ein Bonbon weggenommen, wir aber sind es gewohnt, hinter etwas Süßem, etwas Glänzendem und Anziehendem herzulaufen.

Nur die Kraft der Gruppe kann in uns Verlangen aus dem Nichts entbrennen lassen. Im Moment haben wir dieses Verlangen nicht und es kann von nirgendwoher kommen. Doch wir müssen es künstlich entfachen, als würden wir ein Geschäft auf die Beine stellen wollen und Werbung für unsere Ware machen. Das muss zu unserem gemeinsamen spirituellen Geschäft werden und letztendlich ein solches Bedürfnis in uns hervorrufen, dass wir vor Verlangen verbrennen. Doch diesem muss nicht unbedingt etwas zu Grunde liegen.

Manche harren nächtelang vor den Geschäften aus, um sich ein neues iPhone 5 zu kaufen. Lernt daraus, wie Werbung für etwas gemacht wird, indem völlig künstliche Bedürfnisse erweckt werden. Denn genauso künstlich erscheint das spirituelle Ziel für unseren Egoismus.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Talmud Esser HaSefirot, 24.09.2012