Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Spirituelle Arbeit'

Die neue Welt hängt von euch ab

Kongress in Krasnojarsk. Lektion 4

Frage: Früher dachten die Menschen, dass  die Führer, die Staats- und Regierungschefs, die  soziale Ordnung und die Wirtshaft verändern.

Meine Antwort: Im allgemeinen tun sie dies, aber heute macht es der Schöpfer. Außerdem wird es in unserer Welt keine Führer mehr geben; ihre Zeit ist vorbei. Ein Führer ist jemand, der die Welt mittels Macht und ein wenig  Vernunft leitet. Das funktioniert nicht mehr! Ein moderner Führer muss die neu aufkommende  Weltordnung verstehen – doch solche Führer gibt es nicht!

Deshalb sucht die Elite. Sie braucht euch! Ihr werdet sehen, wie ihr plötzlich zu den Führern vordringt und ihnen erklärt, was zu tun ist – und sie werden auf euch hören. Sie werden das, was ihr ihnen ratet, durch ihre Zwangsmethoden umsetzen und so alle integralen Aufgaben wirksam verwirklichen.

Sie werden die integrale (ganzheitliche) Erziehung in der Bevölkerung und den Schulen einführen und Gesprächsrunden organisieren,  grünes Licht für Programme zu diesen Themen im Fernsehen und allen Kommunikationsmedien geben. Sie werden gezwungen sein dies zu tun, weil die ganze Wirtschaft beginnen wird zu kollabieren. An allen Ecken und Enden wird es blutige, gewaltsame Auseinandersetzungen geben. Das Volk wird das nicht einfach so auf sich beruhen lassen, während die Führer ihnen nichts zu geben haben.

Außerdem werdet nur ihr und niemand anderer kommen und etwas Klares sagen können; jeder wird erkennen, dass die alten, allen bekannten und akzeptierten Grundsätze, nicht mehr funktionieren.

Deshalb hängt die neue Welt von euch ab!

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Krasnojarsk, 14.06.2013

„Die Regale des Universums“

Frage: Wie verbinden sich die Welten und die Seelen?

Meine Antwort: Das ganze Universum ist wie ein Schrank, der für Bücher bestimmt ist, und wir stellen die Bücher hinein. Er soll aus zehn Regalen, Sefirot (Emanationen des göttlichen)) bestehen und die ganzen unbelebten, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Stufen sollen diese „Regale“, diese Sefirot, ausfüllen. Die unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen, die diese „Regale“ entsprechend ihrer Struktur ausfüllen, heißen für den Menschen „seine Welt“.

Erkennt der Mensch diese Struktur, dieses „Regal“? – Nein. Er empfindet nur das unbelebte, pflanzliche und tierische Niveau. Die innere Struktur der Welt, die entsprechend HaWaYaH geordnet sein soll, sieht er nicht. Er sieht nur das, was sie ausfüllt. Ich sehe die Bücher und nicht die Regale. Die Regale sind ein Baukomplex, der sich von oben erstreckte. Wenn ich beginne, diese Regale richtig auszufüllen, dann offenbare ich, dass es hier eine bestimmte Ordnung gibt. Und davor erkenne ich diese Struktur nicht.

Dasselbe geschieht bei uns, in unserer Welt. Wir entwickeln uns und offenbaren allerlei Erscheinungsformen. Plötzlich enthüllt sich, dass die Notenzeichen sich in einer bestimmten Ordnung befinden sollen, dass die Farben auf die besondere Art und Weise geordnet sind, und sogar die Schallwellen in bestimmten Umfängen auch geordnet sind. Diese Ordnung betrifft alles. Innerhalb jeder unbekannten Erscheinungsform, die ich erforsche, beginne ich, eine bestimmte, besondere Ordnung, die besondere Gesetzmäßigkeit, zu offenbaren. Ich offenbare, wie diese Erscheinungsform die Wurzel HaWaYaH , das „Regal“, ausfüllt. Dabei offenbare ich diese „Regale“ nicht im Voraus.

Stellen sie sich vor, dass ein Mensch, der nichts  über die Musik, über das musikalische Gehör, das sich Jahrtausende lang entwickelte, nichts über die Musikinstrumente und komponierte Werke weiß, eine Melodie komponiert. Er weiß zwar nicht, was das Komponieren bedeutet, aber die Melodie beginnt in seinem Inneren natürlich zu klingen.

Das Gleiche betrifft die Sprachen. Woher soll ich wissen, dass Hebräisch aus 22 Buchstaben und fünf Endlichen bestehen soll, dass sein Aufbau ebenso geordnet sein soll? Ich weiß davon nichts. Aber indem ich innerhalb der Natur existiere und diese Sprache entwickele, fülle ich die „Regale“ aus. An und für sich heißen die „Regale“ – „die Welt“. HaWaYaH steht schön für uns bereit, sie hat sich von oben nach unten erstreckt. Und wir sollen anhand der eigenen Bemühungen diese „Regale“ von unten nach oben mit den Bücher ausfüllen, die wir schreiben. Darüber ist gesagt, dass wir das Buch Tora auf unserem Herz – auf unserem Verlangen schreiben sollen.

Frage: Sind die Welten lebendig und sich ändernd?

Meine Antwort: Nein. Sie haben einen unveränderlichen Aufbau – 125 Stufen.

Frage: Und die Seelen?

Meine Antwort: Und es gibt auch keine Seelen, wir sollen zu ihrer Bildung beitragen. Es gibt 125 leere „Regale“, und es gibt die zerbrochenen Funken des Lichtes, Gefäße/Kelim. Du sollst das alles ordnen und ausfüllen.

Du sollst dein Verlangen auf „Gehirn“, „Knochen“, „Sehne“, „Fleisch“ und „Haut“ („mocha“, „azamot“, „gidin“, „basar“, „оr“) aufteilen. Du sollst dich „schneiden“, „die Haut“ abnehmen, ihre innere Schicht (das Pergament) vom Äußeren abtrennen und beginnen, auf dem Pergament – auf dem inneren Teil der äußeren „Haut“ zu schreiben. Und dort das Buch Tora nicht auf der äußeren Seite selbst, sondern auf dem inneren Teil der äußeren Seite schreiben. Während du schreibst, beginnst du diese „Regale“ – angefangen mit den ersten Worten „Am Anfang schuf Gott…“ bis zu „Israel“ am Ende – ausfüllen. Dadurch füllst du die 125 Stufen aus.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Das Vorwort, 24.06.2013

Für uns, uns zuliebe und wegen uns

Kongress in Krasnojarsk. Lektion 5

Frage: Wenn innerhalb der Gruppe Zankerei und unverständliche Differenzen entstehen, dann schaden wir vielleicht dadurch den 99 % der Menschheit?

Meine Antwort: Natürlich! Wir sind der vorderste Teil der allgemeinen Seele, der korrigiert wird. Wenn ihr Teil auf dem unbelebten Niveau, und zwar auf der Höhe der 99 %, an der Vereinigung nicht teilnimmt, dann gilt das als normal, weil diese Menschen für uns kein Hindernis darstellen.

Die 99 % sind kein schädlicher Teil der Menschheit! Aber wir sind es, und zwar im Maß der Nichterfüllung unserer Mission. Gerade wir sind das. Somit sollen wir  so schnell wie möglich zur ihrer Korrektur beitragen. Dadurch korrigieren wir uns.

Solange der Mensch an die allgemeine Korrektur nicht gebunden ist, kann er dem allgemeinen System keinen Schaden hinzufügen. Du kannst mir widersprechen: „Wie ist das mit der Ökologie usw.?“. Das alles ist Blödsinn, weil alles für uns, uns zuliebe und wegen uns geschieht.

Frage: Wenn wir für das äußerliche Publikum arbeiten, dann denken wir nur daran und nicht über die Einheit in der Gruppe …

Meine Antwort: Die Einheit in der Gruppe ist dafür notwendig, um mit den Massen richtig zu arbeiten. Deshalb sind in diesem Fall die Prioritäten ihnen und nicht uns gegeben.

Auszug aus der 5. Lektion des Kongresses in Krasnojarsk, 14.06.2013

Warum nimmt die Bevölkerung des Planeten zu?

Kongress in Krasnojarsk. Lektion 2

Frage: Wie kann man den Menschen, die von der Kabbala weit entfernt sind, einfach erklären, dass, obwohl die Bevölkerung des Planeten ständig zunimmt, die Seele ewig und unveränderlich ist?

Meine Antwort: Die Bevölkerung des Planeten nimmt infolge der weiteren Zerkleinerung der allgemeinen Seele zu. Da wir weiterhin herabfallen und die spirituelle Unterstützung verlieren, so wird auch unsere Selbstsucht größer. Um sie leichter zu korrigieren, werden die Teilchen der Seele immer kleiner. Anderenfalls würden wir mit dieser riesigen Selbstsucht nie zurechtkommen.

Die Seele ist die einzige für alle, und wir sind ihre separaten Teilchen. In dem Maß, in welchem wir uns vereinigen können, offenbaren wir diese Eigenschaft, dieses Gefäß, das „die Seele“ heißt.

Auszug aus der 2. Lektion des Kongresses in Krasnojarsk, 14.06.2013

Das Leben und der Tod mit den Augen eines Kabbalisten

Krasnojarsk: Die erste Lektion vor dem Kongress

Frage: Wir sind mit Ihnen die Menschen einer Generation. Wie kann man heute, wenn man die Offenbarung verschiedener Laster der heutigen Jugend beobachtet, die für uns einst ein Tabu waren, in sich dennoch die Kräfte finden, diese Menschen zu lieben? Angenommen ein Autofahrer überfährt ein Kind, so dass es in den Armen seiner Mutter stirbt. Wie kann man danach den Mörder lieben?

Meine Antwort: Es geht nicht darum, den Mörder zu lieben. Sie führen ein äußerstes Beispiel vor, aber ich werde versuchen, es zu erklären. Es ist notwendig, dass die Mutter bis zu dem Niveau hinaufsteigt, auf dem sie alles sehen wird, was in Wirklichkeit geschehen ist: dass nichts in unserer Welt durch den Menschen selbst realisiert wird, sondern entsprechend des Systems der Wechselwirkung aller Menschen erfolgt, sowie von der einzigen Höchsten Kraft initiiert wird, das uns zum Ziel führt.

Was bedeutet „ihr Kind“? Das gestorbene Kind ist ihr Kind auf dem tierischen Niveau, und auf dem folgenden, menschlichen Niveau ist es ein Teil des Systems, das zuerst erscheint (geboren wird) und dann verloren geht (stirbt). Wenn ich das ganze System offenbare, dann sehe ich darin keine Laster. Ich erkenne, dass alles nur eine einzige Kraft lenkt.

Aber in diesem Fall befinde ich mich nicht auf dem Niveau, auf dem sich die Mutter befindet, die, Gott behüte, sieht, wie ihr Kind getötet wird. Ich empfinde das alles anders. Ich bin schon keine Mutter mehr, und es gibt kein Kind. Wir alle sind verbunden, und ich verstehe schon, dass sowohl das Leben als auch der Tod von mir ganz anders wahrgenommen werden sollen. Das ist die ununterbrochene Veränderung der Zustände. Denn worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen dem, was wir in unserem Körper empfinden und den Empfindungen außerhalb des Körpers? Das sind verschiedene Niveaus der Wahrnehmung. Wir studieren das alles in der Wahrnehmung der Realität.

Deshalb gibt es auf Ihre Frage, in der Art, wie Sie diese Frage gestellt haben, keine Antwort. Man kann der Mutter, die sich auf dem gewöhnlichen materiellen Niveau der Entwicklung befindet, nicht erklären, was mit ihrem Kind geschehen ist. Aber der Mensch, der die spirituelle Realität begreift, nimmt alles natürlich anders wahr.

Ich sah das an meinem Lehrer. Nach einigen Monaten, nachdem ich zu ihm gekommen bin, ist die Mutter eines seiner Schüler gestorben. Traditionell sollen die Verwandten des Verstorbenen nach seinem Tod eine Woche lang das Haus hüten, um die Trauer zu beachten. Ich bin zu ihnen gekommen, um mitzutrauern, und was sah ich da, keine Trauer?! Sie unterhielten sich miteinander, wie auch vorher, als ob es nichts passierte. Ich war geschüttelt. Damals hat es mich sehr gewundert.

Das heißt, ich habe verstanden, dass diese Menschen das Leben und den Tod ganz anders wahrnehmen. Das ist für sie nicht die Tragödie, kein Abgang aus dem Leben. Wenn du beginnst, das ganze Netz der Kräfte zu empfinden, dann wirst du erkennen, dass nichts verschwindet und niemand nirgendwohin weggeht, sondern nur aus deiner Wahrnehmung der Realität verschwindet. Aber bis heute ist es schwer, alles zu erklären. Man muss sich zur Offenbarung bewegen, dann wird beim Menschen die eigene Lösung aller Fragen erfolgen.

Auszug aus der ersten Lektion vor dem Kongress in Krasnojarsk, 13.06.2013

Ob die Voraussage falsch war?

Frage: Warum hat ein so großer Kabbalist wie Baal HaSulam, der weit voraussehen konnte, in welche Richtung die Korrektur der Welt gehen soll, eine solch vorzeitige Voraussage gemacht, indem er behauptete, dass sich die Methode der Kabbala schon vor Hundert Jahren unter dem Volk ausbreiten sollte?

Meine Antwort: Schon damals, als Baal HaSulam lebte, war es möglich, die Korrektur der Welt zu verwirklichen. Aber er konnte nicht voraussagen, wann sie tatsächlich geschehen wird, weil hierzu der Faktor der freien Wahl des Menschen kommt. Und er wusste nicht, was sie wählen werden!

Er hat gesagt, dass wir eine solche Möglichkeit haben, er irrte sich darin nicht! Aber ob sie auch realisiert wird oder nicht, das konnte er nicht wissen. Das heißt, seine Annahme war kein Fehler, er konnte einfach nicht voraussagen, wie das Volk reagieren wird.

Auszug aus dem Unterricht nach „dem Artikel zur Vollendung des Buches Sohar“, 05.06.2013

Ich lebe in einer Welt, die in mir lebt.

Baal HaSulam, „Die Bürgschaft“: Die Tora wurde den Erzvätern nicht gegeben, damit sie alleine das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”, das den Grundsatz der Tora darstellt, befolgen; das ist unwürdig. Dafür ist ein vorläufiges Einverständnis des ganzen Volkes notwendig. Deswegen hat dieser Vorgang bis zum Auszug aus Ägypten gedauert, bis sie würdig wurden, die Tora einzuhalten bzw. diese zu befolgen. Dann wurden Sie als erstes gefragt: Ist jeder einzelne aus dem Volk einverstanden, dieses Gebot auf sich zu nehmen? Nachdem jeder zugestimmt hatte, wurde ihnen die Tora gegeben.

Demzufolge kann ich in der Zehner Gruppe nichts erlangen, wenn die anderen Freunde mich nicht unterstützten und an der Arbeit mit mir nicht mitmachen. Wir müssen wirklich wie ein Mensch mit einem Herzen werden. Eigene Anstrengungen werden mir nicht helfen, wenn die anderen sich nicht ebenfalls Mühe geben.  So eine Situation erscheint als großes Hindernis, tatsächlich ist sie aber keines.

Wenn ich nicht in der Lage bin, mich in das Modell „ Die korrigierte Zehner Gruppe“ einzuschließen, bedeutet das, dass ich meine persönliche Korrektur noch nicht erlangt habe, nicht zu einem Gebenden geworden bin, noch nicht bis zu einem gewissen Grad mit dem Schöpfer verschmelzen konnte.

Hier agiert bereits die spirituelle Wahrnehmung der Realität: Ich darf nichts, ganz gleich was es sein möge, als äußerlichen Faktor betrachten. Das Modell der Zehner Gruppe befindet sich in mir, sie ist eine  Projektion meiner inneren Welt, die nur deshalb existiert, damit ich an meinen eigenen Eigenschaften arbeiten kann, so als ob ich sie von draußen, in meinen Freunden  wahrnehme. Es hilft mir, mich zielstrebiger an die Korrektur zu wenden.

Auf jeden Fall enthüllt sich der Schöpfer nicht einem Einzelnen, sondern nur in der „Zehner Gruppe“. Das entspricht dem Konstrukt des Volkes und der ganzen Welt und deshalb muss ich im breiten, vollen Spektrum der Realität arbeiten.

Denn eigentlich ist diese Realität – ich selbst. Meine inneren Eigenschaften betrachte ich wie auf einem Röntgenbild, als ob ich sie von außen sehe in ihrer unbeweglichen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Natur, als ob sich diese von meinem Inneren nach draußen „ausbreiten“.

Das heißt, ich muss darauf achten, die anderen im Blick zu behalten, wie sie in der Korrektur vorankommen und wie ich ihnen mit dem  einen oder anderen helfen kann.

Z.B helfe ich mit Vorträgen zur Integralen Erziehung, oder verbreite die damit verbundenen Inhalte. Wie auch immer, all das geht von mir aus und ist auf eines ausgerichtet: Die Umsetzung der Integralen Erziehung und danach die Umsetzung in den inneren Kreisen, d.h an meinen inneren Verlangen, die noch näher am Punkt im Herzen sind.

Hier kann ich mich bereits dem Kabbala Studium und der Arbeit in der Zehner Gruppe widmen, d.h der Umgebung, die dem spirituellen Funken, der in mir  schimmert, am nächsten liegt.

So muss ich das Gesamtbild sehen. So wird mir klar, dass, wenn ich meinen Blickwinkel einenge und mich ganz und gar nicht um die Welt als Ganzes kümmere, dann kommt auch nichts dabei heraus.

Wenn der Mensch auf diesem Weg, der zur Quelle zurückführt, vom Licht geführt wird, wird allmählich eine richtige Sichtweise geformt. Somit haben  wir nämlich nur das zu erledigen, was uns auferlegt wurde – letzten Endes ändern wir uns selbst. Das Licht wird kommen und dann sehe ich, dass meine Herangehensweise vielfältig und komplex sein muss. Das Licht erzeugt in mir das Verständnis und Empfinden dafür, wie sich die Eigenschaft des Gebens darstellt und wenn ich mich damit einverstanden gebe, bestreite ich den Weg weiter…

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Bürgschaft“,  23.05.2013

Eine Einheit des Gebens

Einige Freunde in den Zehner-Kreisen befinden sich im Aufstieg, andere dagegen im Zustand der Verhüllung und machen die schweren Zustände durch und so ergänzen sie das Verlangen in der Gruppe, den Wunsch im Zehner-Kreis. Wir sind für unsere Zustände ,ob sie uns gefallen oder nicht, nicht verantwortlich, deshalb müssen wir diese für den Aufstieg nutzen.

Sie alle kommen von oben, und deshalb darf man sie nicht kritisieren, und unabhängig von unseren Empfindungen sollen wir sie als ein Mittel zum Aufstieg verwenden.

Der „Zehner-Kreis“ ist eine Zelle und kann nur eine Einheit des Gebens erzeugen. Ein Mensch aus dem Zehner-Kreis, zwei oder drei werden nicht angerechnet. Nur wenn die ganze Gruppe aus zehn Menschen richtig zusammen verbunden ist, wird sie eine zurückgebende Einheit und offenbart das erste Licht: Nefesh de-Nefesh de-Nefesh.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch „Sohar“. Vorwort, 20.05.2013

Mein persönlicher und unser gemeinsamer Schöpfer

Frage: Wie kann der Mensch seine Faulheit überwinden und selbstständig vorankommen, ohne dass er auf die Nadelstiche warten muss, die ihn zum Fortschreiten anregen?

Meine Antwort: Alles hängt nur von der Umgebung ab. Mann muss verstehen, dass die Kraft des Aufstiegs bzw. des Fortschritts nur innerhalb der Gruppe zu finden ist, nicht im Menschen selbst, nicht im Studium, nicht im Lehrer und nicht im Schöpfer. Der Fortschritt ist nur möglich, wenn der Mensch eine Spannung  in der Verbindung mit seinen Freunden erzeugt. Diese Spannung zeugt von der Bereitschaft der Seele, die Korrektur zu erhalten.

Wir erzählen unter uns, dass wir uns verbinden möchten, da wir aber alle Egoisten sind, sind all unsere Verlangen zur Verbindung ebenso egoistisch, eigennützig und selbstverliebt. So enthüllt sich uns der Egoismus. Dann bitten wir darum, dass unsere Verbindung nicht für den Egoismus geschieht , sondern dass daraus ein Verlangen des gegenseitigen Gebens wächst, wobei jeder aus sich heraustritt und nicht kalkuliert, wie viel Eigennutzen er aus dieser Verbindung ziehen kann und in der Zukunft noch ziehen wird.

Das ist eine Bitte, um aus sich heraustreten zu können. Das kann in mir nur dann entstehen, wenn ich die anderen darum beneide, wenn ich sehe, wie erfolgreich sie darin sind und ich nicht, denn diese Bitte ist für den Menschen unnatürlich.

Auf diese Weise wird der Fortschritt, die Weiterentwicklung umgesetzt: zuerst aus Neid, ich muss von der Umgebung das Verlangen bekommen, mich um jeden Preis verbinden zu wollen. Danach soll  mir die Umgebung einflößen, dass diese Verbindung nur um des Gebens willen erforderlich ist, dass heißt, dass sie außerhalb von mir existiert. Mir ist das völlig fremd und das passt meinem Egoismus nicht, dennoch will ich es, da ich den anderen nicht nachstehen möchte, oder kleiner sein möchte als sie.

Dann bringen sie mich zu der Kenntnis, dass es notwendig ist, sich an den Schöpfer zu wenden.

Der Schöpfer, an den ich mich wende, unterscheidet sich völlig von dem Schöpfer, an den mich die Gruppe zu wenden verpflichtet. Er ist ein ganz anderer Schöpfer, eine andere Form, die ich mir vorstelle.

Wenn ich mir den Schöpfer selbst vorstelle, ist Er etwas oder jemand, der einen Bezug zu mir hat und der verpflichtet ist, sich um mich persönlich zu kümmern. Wenn ich mich aber an den Schöpfer wende, an den sich die Gruppe wendet, ist es schon unser gemeinsamer Schöpfer der ganzen Gruppe. Das ist ein vollkommen anderes Bild, eine andere Form.

Deswegen bitte ich darum, dass ich ihnen ähnlich sein möchte und genauso geben möchte, wie sie es schon tun. Die Bitte ist an den Schöpfer gerichtet, der der ganzen Gruppe und der ganzen Welt gibt.

Daraus resultiert, dass das Geschöpf, also ich selbst, welches sich an den Schöpfer gewendet hat, kein Egoist ist, der nur für sich selbst bittet, sondern für etwas anderes. Und mein „Ich“ wird zu etwas völlig anderem, und das Bild vom Schöpfer verändert sich, ich bitte auch um andere Dinge, um ein neues Gefühl. So nähert sich der Mensch den spirituellen Begriffen an.

 Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 03.05.2013

Der Gedanke und das Gefühl

Frage: Wie ist im Geschöpf der Gedanke mit dem Gefühl verbunden?

Meine Antwort: Malchut, die ihre Bitte, den schwarzen Punkt des Mangels erhebt, ist eine Empfindung. Aber diese Empfindung kann keine Eigenschaft, keinen Umfang und keine Form annehmen, ohne sich mit der Weisheit (Chochma) und dem Verständnis (Bina) zu verbinden. Diese zwei Kräfte sollen dem rohen, ungeformten Verlangen die richtige Form verleihen, die der Mensch (Adam) heißt und dem Schöpfer ähnlich ist (dome).

Nachdem die Bitte in Chochma und Bina hinaufsteigt, beginnen zwei entgegengesetzte Kräfte an ihr zu arbeiten. Eine Kraft allein kann nichts formen, es sind immer zwei Kräfte notwendig, die von den einander entgegengesetzten Seiten aus wirken: die Kraft des Empfangens und die Kraft des Gebens, die aus diesem Rohstoff, aus dem Verlangen des Unteren, die Form Keter bilden.

Denn beide, Chochma und Bina, stammen aus Keter , weshalb Malchut  zu ihnen hinaufsteigt und bittet: „Bildet aus mir die Form, die Ähnlichkeit mit Keter. Ihr stammt aus Keter und kennt es, also bitte, macht mich ihm gleich“, darin  besteht unsere Realisation.

Malchut weiß nicht was Keter darstellt. Es befindet sich oben. Es ist der Endpunkt des Buchstabens „Jud“, den wir nicht begreifen. Aber wir erkennen Ihn nach Seinen Handlungen, das heißt danach, was in uns aufgebaut wird. Wir werden den Schöpfer verstehen können, weshalb das “der Gedanke” heißt.

Und dafür ist kein großer Verstand notwendig, im Gegenteil, je weniger du nachdenkst, desto näher wirst du zur inneren Realität kommen, was eigentlich viel besser ist. Die spirituelle Weisheit hängt nicht von der irdischen Vernunft ab. Kein Kabbalist ist klüger als ein gewöhnlicher Mensch oder wurde als Einstein geboren, sondern er verfügt über mittelmäßige Fähigkeiten im Rahmen dieser Welt.

Das Bedürfnis nach Spiritualität ist nicht die Folge eines besonderen Verständnisses oder einer außergewöhnlichen Sensibilität. Es ist keinesfalls mit irdischen Fähigkeiten verbunden. Deshalb gibt es keinen Grund besorgt zu sein – wenn du ein Verlangen hast, das dich zum Lernen zwingt, dann genügt sogar das. Das ist ein Zeichen dafür, dass du deinen Wunsch entwickeln kannst, allerdings nicht auf der Grundlage von Wissen oder irgendwelcher Weisheiten.

Die Weisheit kommt später, als Folge des spirituellen Begreifens. Zuerst wirst du die Empfindungen offenbaren, und später wirst du klüger werden. Es arbeitet anders als in dieser Welt, wo du alle Berechnungen mit klarem Verstand besser und klüger machen kannst und deshalb ähnlich einem PC funktionierst.

In der Spiritualität ist alles anders, weil das spirituelle Gefäß auf der Empfindung, auf dem Verlangen zu genießen aufgebaut ist. Alle Berechnungen werden innerhalb dieses Verlangens erzeugt. Wenn du dieses Verlangen nicht aufteilst, wenn du nicht beginnst, mit ihm “zu spielen”, dann wirst du kein Material für die Arbeit haben. Womit wirst du dann die Empfindung, das Verständnis, das Begreifen erreichen?

Der Gedanke ist die Kraft Bina, und Bina basiert auf einem starken Gefühl, da sie das Stadium Chochma beinhaltet, das Keter gleich werden möchte. Es erinnert an das Beispiel mit dem Gast, der dem Gastgeber gleich sein möchte, und anders nicht existieren kann.

Das Problem besteht nicht darin, eigenständig zu existieren, sondern darin, dass es unmöglich ist, im Angesicht des Gastgebers zu existieren, ohne ihm in einer guten Verbindung, die Er auch zu dir hat,  ein wenig zu geben. Du kannst ihn nicht wie im Restaurant bezahlen, indem du seine Bewirtung mit Geld kompensierst: den Wert der Lebensmittel, des Stroms, der Arbeit, und noch  20 % mehr. Er erwartet von dir ein Gefühl, das im Gedanken, in Bina offenbart wird. Alles wird durch die Instrumente der Empfindung realisiert.

Deshalb stammt unser ganzer Aufstieg aus der Enttäuschung, der Anstrengung, der materiellen Empfindung des Mangels, die wir in einen spirituellen Mangel umformen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Das Vorwort, 14.05.2013