Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Wie richtet man die Absicht aus?

Frage: Was ist eine Absicht?

Antwort: Die Absicht hilft dir, dich auf mich auszurichten, so kann ich stärker auf dich einwirken.

Wenn du mir zum Beispiel ein Geschenk bringst, wirst du von mir mehr empfangen, aber nicht, weil ich dir etwas schuldig bin, sondern weil du mehr von mir verlangen wirst! Dann wirst du mich besser hören, mich stärker als verpflichtend empfinden und mehr von mir wahrnehmen.

Wir befinden uns in einer Welt, in der wir beginnen können, miteinander in Kontakt zu treten, buchstäblich ausgehend von sehr primitiven, einfachen, egoistischen Beziehungen und sogar von noch weiter unten, auf der Stufe ganz gewöhnlicher zwischenmenschlicher Beziehungen. Diese werden bereits unser spirituelles Verhältnis zueinander beeinflussen und den Beginn einer spirituellen Wahrnehmung ermöglichen.

Unsere Welt ist auf erstaunliche Weise als Voraussetzung für spirituelle Aufstiege geschaffen. Wir können darin beginnen, uns völlig von Null an zu entwickeln, ohne zunächst in irgendeiner Weise mit der nächsten Welt verbunden zu sein.

Frage: Nehmen wir an, Sie nehmen einen gewöhnlichen kabbalistischen Text zur Hand. Was bedeutet Ihre Absicht, und wie wirkt sie?

Antwort: Ich lebe in diesem Text. Da ihr eine Verbindung zu mir habt, wird all das an euch weitergegeben.

Ich richte keine besonderen Absichten euch gegenüber aus, sondern vertiefe mich einfach in den Text. Ich befinde mich auf einer bestimmten Stufe, von der dieser Text spricht, und ihr empfangt aufgrund der Verbindung zu mir einen kleinen Teil davon.

Von eurer Seite besteht ein Bedürfnis, etwas von mir zu empfangen. Deshalb erhebt ihr eure Wünsche zu mir, während ich meinen Wunsch, das zu erfassen, wovon der Text spricht, noch höher erhebe – zu dem Kabbalisten, der ihn geschrieben hat.

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Aus dem Gespräch: „Bei mir klingelte das Telefon.Wie richtet man die Absicht aus?“ 28.10.23 

 

Wovon hängt die Absicht ab?

Rabash, Artikel 1989/40 „Was bedeutet, jeden Tag werden sie wie neu in deinen Augen sein‘ in der Arbeit“

In Bezug auf den Vers „An diesem Tag gebietet dir der Schöpfer, dein Gott, diese Gesetze und Vorschriften zu befolgen und du sollst sie mit ganzem Herzen und ganzer Seele erfüllen und achten“ erklärten unsere Weisen aus (Rashi, dritter Abschnitt zu Tawo, in Jitro 13,10): „An jedem Tag werden sie für dich wie neu in deinen Augen sein, als hättest du sie heute am Berg Sinai empfangen, als ob dir gerade heute geboten worden wäre, sie zu befolgen.“

Was bedeutet „jeden Tag werden sie für dich wie neu sein“? Das Verlangen, zu empfangen, ist nicht neu. In derselben Form existiert es seit Anbeginn der Schöpfung und wird immer bestehen. „Sie werden in deinen Augen wie neu sein“ bedeutet, dass sich die Erneuerung nur auf die Absicht bezieht, zu geben.

In seiner Absicht befindet sich der Mensch immer mal im Aufstieg, mal im Abstieg und durchläuft fortwährend verschiedene Klärungen. Gerade anhand der Absicht beurteilen wir den Menschen.

Ursprünglich hat der Mensch überhaupt keine Absicht. Er hat sich einfach daran gewöhnt, Handlungen auszuführen, zu denen er durch seine Erziehung angehalten wurde, sei es eine religiöse oder eine weltliche Erziehung. Das nennt man die Ausführung erlernter Handlungen oder das Verhalten eines entsprechend erzogenen Menschen.

Natürlich gibt es hier keine Absicht, sondern die Gewohnheit wird zur zweiten Natur, sowohl für diejenigen, die eine religiöse Erziehung erhalten haben, als auch für diejenigen, die eine weltliche Erziehung erhalten haben. Das hat nichts mit dem zu tun, was wir “Absicht” nennen, da darin noch nichts von dem enthalten ist, was wir “Mensch” nennen.

Man kann einen Menschen auf jede beliebige Weise erziehen und genau so wird er bleiben. Hier gibt es noch keinen Menschen. Als Mensch wird derjenige bezeichnet, der aus freier Wahl in sich das Bild des Adam formt, der dem Schöpfer ähnlich ist.

In diesem Prozess besteht zunächst die Absicht „um seiner selbst willen“ (Lo Lishma) und anschließend „um des Schöpfers willen“ (Lishma).

Zu „Lo Lishma“ gehören alle Anstrengungen des Menschen ab dem Moment, in dem er beginnt, an dem Punkt im Herzen zu arbeiten und eine gewisse Erweckung zur Annäherung an den Schöpfer erhält. Obwohl dies viele Jahre dauern kann – zehn oder fünfzehn Jahre, abhängig von der Anzahl und vor allem von der Qualität seiner Anstrengungen gilt: Wenn er nach all diesen Jahren, in denen er Aufstiege und Abstiege erlebt hat, sich einmal entfernt und sich ein anderes Mal annähert und verschiedene Zustände durchläuft, schließlich die richtige Absicht um des Schöpfers willen erlangt, dann werden all seine Anstrengungen während seiner Inkarnationen (er schafft es möglicherweise nicht, alles innerhalb einer einzigen Inkarnation zu vollenden) in die erworbene Absicht um des Gebens willen aufgenommen und für immer in seine Arbeit eingehen.

Alles andere, was er durch seine Erziehung erhalten hat, gehört nicht zur Stufe des Menschen und wird nicht berücksichtigt. 

So schreitet er in Bezug auf die Absicht voran, indem er ständig etwas hinzufügt, während er Abstiege und Aufstiege durchläuft.

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Aus einer Lektion zum Artikel von Rabash, 08.09.2026

 

Der Zustand, der als „Anstrengung“ bezeichnet wird

Denn es gilt die Regel: Niemand kann eine Handlung vollbringen, wenn er dabei keinen Genuss empfindet. Eine Arbeit, bei der man während des Tuns keinen Genuss hat, nennt man „Mühe“. (Rabash, Artikel 1987/27 Was sind „Segen und Fluch“ in der Arbeit?)

Wenn ich einerseits etwas tun möchte, andererseits aber dazu nicht in der Lage bin, weil ich keinen Belohnung für diese Handlung sehe, dann handelt es sich um Anstrengung.

Wir können uns eine Belohnung für alles Mögliche vorstellen, außer für das Einzige, was unserer Natur widerspricht: die Absicht, um des Gebens willen zu handeln. Solange es sich um die Absicht handelt, etwas zu erhalten – was auch immer das sein mag –, kann ich darin immer einen gewissen Nutzen erkennen.

Ich kann mich davon überzeugen, mir alles so vorzustellen, dass ich zumindest einen Anhaltspunkt finde und das Gefühl habe, dass es sich lohnt. Wenn es jedoch um eine Handlung um des Gebens willen geht, gibt es in meinen Kelim keine damit verbundene Freude, sie ist dort nicht spürbar, und dann kann ich sie nicht ausführen.

Versuche dir eine Handlung vorzustellen, bei der du alles gibst, was du hast – bis zum letzten Tropfen. Wenn du sie richtig ausführst, wirst du dabei keinerlei Freude empfinden können. Man könnte darin zwar Freude an der Anerkennung und noch etwas anderem finden, aber wir sprechen hier von der richtigen Ausführung.

Somit gibt es nur eine einzige Handlung, bei der wir uns in eine Situation versetzen können, in der uns der Antrieb fehlt, sie auszuführen. Das nennt man „Anstrengung“. Anstrengung sind meine Versuche, eine Handlung zum Zwecke des Gebens auszuführen, die offenbaren, dass ich dazu nicht fähig bin. Dieser Zustand an sich wird „Anstrengung“ genannt.

Frage: Wie führe ich sie aus?

Antwort: Was bedeutet „ausführen“? Du kannst es nicht, bist dazu nicht fähig, aber wenn du selbst feststellst, dass es tatsächlich so ist – das nennt man bereits Anstrengung.

Es heißt: „Der Mensch würde diese Handlung nicht ausführen, wenn er nicht wüsste, dass er für seine Anstrengung eine Belohnung erhält.“ Was ist also zu tun? Man muss das Bewusstsein für die Bedeutung der Absicht um des Gebens willen stärken. Aber wie? Wozu? Hier gerät der Mensch in eine Situation, in der er nichts mehr tun kann. Er offenbart seine Schwäche, wenn er erkennt, dass er – egal, worauf er zurückgreift – auf seine eigenen Kräfte, auf seine Natur, auf sein Bewusstsein – keinerlei Kontakt zur Absicht um des Gebens willen hat.

Wenn der Mensch jedoch gleichzeitig alle möglichen äußeren Eindrücke sammelt und von anderen hört, dass die Absicht das Wichtigste sei, obwohl er selbst keinen Geschmack daran findet und dazu auch nicht fähig ist, dann hat er zwei Extreme, zwei Pole, und daraus entsteht ein Gebet, auf welches er eine Antwort erhält.

Diese beiden Faktoren hängen miteinander zusammen: Wenn ich daran arbeite, die Bedeutung der Absicht zum Geben zu erkennen, wird mir immer deutlicher vor Augen geführt, dass ich sie nicht habe. Dabei darf man nicht darauf hinarbeiten, seine Unfähigkeit so schnell wie möglich zu erkennen. Es ist unmöglich, negativ zu arbeiten – das ist eine Selbsttäuschung.

Du bist verpflichtet, daran zu arbeiten, dennoch spirituelles Handeln zu erreichen und es zu vollbringen. Und dann wird dir im Gegensatz dazu gezeigt, dass du dazu unfähig bist. Man muss immer positiv arbeiten.

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Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash von 18.08.2026

 

Das Tempo des Fortschritts beschleunigen

Unsere einzige Wahl besteht darin, das Tempo des Fortschritts zu beschleunigen.

Nehmen wir an, diese Welt würde bei ihrem derzeitigen Tempo erst in 100.000 Jahren zur Endkorrektur gelangen. In seinen früheren Kreisläufen hat der Mensch einen Teil des Weges auf natürliche Weise zurückgelegt, und jetzt kann er gemeinsam mit der Welt den gesamten Weg, der bis zur Endkorrektur noch verbleibt, schneller zurücklegen – zum Beispiel nicht in 70.000 Jahren, sondern in 7–10 Jahren.

Wie können wir uns also nicht beeilen? Die einzige Wahl, die wir haben, ist: Gas geben oder halt nicht. Dem Menschen kommt es so vor, als müsse er etwas Außergewöhnliches tun, aber man muss einfach dasselbe tun, nur schneller.

Geschwindigkeit, Rhythmus, Tempo – das ist der Einsatz innerer Anstrengung für das, was ich benötige. Zum Beispiel: Um mich noch etwas mehr mit einem Freund zu verbinden, setze ich mich selbst mehr unter Druck. Noch etwas mehr lernen – ich setze mich wieder unter Druck. Das heißt, all das Gleiche zu tun, aber mit größerer Anstrengung.

Was bringt es, wenn ich von einer Ecke zur anderen laufe? Was kommt dabei heraus außer Wind? Unter Geschwindigkeit versteht man den Einsatz eigener Anstrengung in jeder Kleinigkeit, die ich erforschen und präzisieren muss.

So wie du jetzt zweieinhalb Stunden im Unterricht sitzt, so bemühe dich, gefasster und konzentrierter auf den Unterricht und sein Ziel zu sein – und nichts darüber hinaus. Damit diese Absicht nicht verschwindet, halte sie ständig fest. Vor dir müssen nur der Unterricht und sein Ziel stehen. Und das bedeutet bereits, dass du auf dem richtigen Weg bist. Wenn du dich in diesen Gedanken vertiefst und Angst hast, ihn zu verlieren, dann erhöhst du die Geschwindigkeit.

Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash von 11.05.2026

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Die Bereitschaft, im Glauben über den Verstand zu gehen

Der Glaube über dem Wissen  ist kein Gewinn für den Verstand, sondern der Erhalt einer anderen Fähigkeit, die wir nicht besitzen. Es ist ein anderer, übernatürlicher Kanal, ein sechster Sinn, Spiritualität, die Korrektur vom Kli des Empfangs, die Kraft von Bina. Wie gelangt man dazu? Durch Nachdenken, Arbeit, Höhen und Tiefen.

Frage: Warum beschäftigen wir uns damit, wenn doch im Voraus bekannt ist, dass all dies der Schöpfer tut?

Antwort: Warum bist du dir so sicher, dass der Schöpfer dies tut? Denn für dich sind das alles nur Bezeichnungen, leere Worte, du lebst nicht darin. Es steht geschrieben, dass es eine höhere Kraft gibt, die alles lenkt, „es gibt niemanden außer Ihm“. Na und? Du hast davon gehört, aber du lebst nicht in dieser Offenbarung, identifizierst dich nicht damit.

Dabei bestimmt diese Identifikation all unsere Gedanken und Handlungen. Ich fühle mich wie ein Handschuh, der auf die Hand des Schöpfers gestülpt ist. Er bestimmt alles, was in mir geschieht, angefangen bei der Bewegung der Atome bis hin zur Bewegung der Gedanken und Wünsche. Von Ihm hängt jedes Ergebnis ab, sowohl am Anfang als auch am Ende. So spüre ich die Manifestation des Schöpfers in mir.

Kann ich behaupten, dass der Schöpfer der König ist, wenn ich das nicht habe? Kann ich sagen, dass ich damit einverstanden bin? Würde ich selbst, ohne Zwang, dasselbe tun, was Er tut? Das ist alles leeres Gerede. Ich weiß nicht, wer Er ist.

Deshalb sagt Rabash, dass es einen König der ganzen Welt gibt und einen König Israels. Über den König der ganzen Welt sagen alle: Der Schöpfer ist groß!

Den König Israels begreift man durch echtes Streben nach Ihm – „Yashar Kel“, direkt zum Schöpfer. Streben bedeutet die Bereitschaft, sein Wissen beiseite zu lassen und im Glauben über dem Verstand zu gehen. Darin liegt der Unterschied zwischen der Sichtweise der Tora und der Sichtweise der Massen.

Es reicht nicht aus, das nur zu sagen. Alle glauben, dass sie sich bereits in der Endkorrektur befinden, während die Zustände Israels durch sehr ernsthafte Arbeit erreicht werden, indem sie all ihre Wünsche und Absichten gegenüber dem Schöpfer so ausrichten, dass sie wie die Seinen werden. Erst dann gelangen sie zu dem Zustand, in dem sie sagen können, dass der Schöpfer der König der ganzen Welt ist.

Was ist die Welt? Die Welt ist mein ganzes Ich, und ich habe geprüft und gespürt und stimme zu, dass Er mich führt. Und worin besteht diese Zustimmung? Darin, dass ich selbst dann, wenn Er nicht existieren würde, dennoch dasselbe tun würde. So erschaffe ich das Bild des Schöpfers in mir. Das bedeutet, dass ich von Null bis zur Unendlichkeit wachse. Ich wachse und erreiche Seine Stufe.

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Aus der Lektion nach einem Artikel von Rabash, 10.062026

 

Sich dem umgebenden Licht annähern

Wenn sich ein Mensch schlecht fühlt, so wie ein gewöhnlicher Mensch „von nebenan“, dann veranlasst ihn das noch nicht zu dem Gedanken, dass es eine besondere Lösung gibt. Er denkt nicht darüber nach, woher dieser schlechte Zustand kommt, wozu er dient, wie er ihn vermeiden kann und wohin er führen könnte

Warum hat er noch nicht dieses Bewusstsein? Der Grund dafür ist, dass das umgebende Licht der höchsten Stufe bislang die gegensätzlichen Kelim des Menschen beleuchtet – Kelim, die nur empfangen und genießen wollen, ohne jegliche Verbindung zum Geben, zum Schöpfer – und dieser Zustand ändert sich nicht.

Wenn jedoch diese Kelim – selbst wenn der Mensch noch ganz in Egoismus und Selbstgenuss versunken ist – beginnen, kabbalistische Bücher zu studieren, dann werden sie, wie Baal HaSulam schreibt, schon allein durch den Wunsch, etwas zu erfahren – nicht um sich zu reinigen, sondern einfach um zu erfahren –, das umgebende Licht auf sich ziehen, das den „Reiz der Heiligkeit“ zu ihnen hinzieht. Und dann wird der Mensch allmählich verstehen, dass es etwas gibt, das man „Geben“ nennt, und dass dies vielleicht etwas Gutes ist.

Zu dem Gedanken, dass dies etwas Gutes ist, führt den Menschen das umgebende Licht. Gerade dank der Tatsache, dass in ihm nun bereits diese Korrektur vorhanden ist – der Gedanke, dass Geben etwas Gutes ist –, kommt der Mensch dem umgebenden Licht näher und verbindet sich in gewisser Weise mit ihm. Ihre Richtungen stimmen bereits überein.

Dann kann der Mensch vom umgebenden Licht Kräfte empfangen, die in ihm diese Eigenschaft entwickeln – die „Anziehungskraft der Heiligkeit“, die Eigenschaft des Gebens. Auf diese Weise, steigt er auf, indem er sich in dieselbe Richtung bemüht.

Deshalb brauchen wir keinerlei Vorkenntnisse, keinerlei besondere Eigenschaften. Jeder Mensch kann das Buch aufschlagen und sich wünschen, all seine Nöte loszuwerden, indem er es liest, ohne etwas zu verstehen. Und das ist alles. Man kann bei Null anfangen.

Nach und nach, während er voranschreitet, verfeinert sich seine Absicht, und er beginnt jedes Mal besser zu verstehen, wo sich jene Spitze befindet, auf die er seine Gedanken klarer und präziser ausrichten muss. So wird er zunehmend erfahrener.

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Aus einem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 07.04.2026

 

Schreib eine Beschwerde an den Schöpfer

Aus einem Brief: „Vor langer Zeit durfte ich einmal das überwältigende Gefühl der Ganzheitlichkeit und des Friedens der gesamten Existenz spüren. Ich umfasste alles, was in der Welt und jenseits der Welten existiert.

Ich bin ein gesunder Mensch, habe nie Drogen genommen, arbeite als medizinische Psychologin in einer Klinik und helfe jeden Tag Menschen in verschiedenen psychisch schwierigen Situationen.

Deshalb weiß ich, wovon die Kabbala spricht – von der Kraft, die uns von oben leitet. Aber ich kann mich nicht mit den Methoden der höheren Macht abfinden, sie sind grob, gnadenlos, unmenschlich. Was soll ich tun, wie soll ich leben? Es tut furchtbar weh.“

Antwort M. Laitman: Schreiben Sie eine Beschwerde nach oben: „Es reicht! Ich kann nichts mehr.“ Schreien Sie, beschweren Sie sich.

S. Vinokur: Sind Sie für eine direkte, ständige Verbindung?

M. Laitman: Wenn ein Mensch zu schreiben beginnt, wird er verstehen, dass er nichts zu schreiben hat, dass er die Führung von oben einfach nicht versteht. Wie gnadenlos, streng oder unlogisch sie auch sein mag, er wird einfach verstehen, dass er nicht nur niemanden hat, an den er schreiben kann, sondern auch nichts zu schreiben hat. Was offensichtlich von Anfang an in ihm selbst angelegt ist.

S. Vinokur: Das heißt, dieses Gefühl der Gnadenlosigkeit und dergleichen ist im Menschen selbst vorhanden, aber um ihn herum gibt es das nicht?

M. Laitman: Natürlich nicht.

S. Vinokur: Sie sagen also: „Man muss schreiben”. Die Schlussfolgerung lautet also: Man muss schreiben, fordern? Wozu? Was soll man auf dieses Blatt Papier oder in diese Notiz schreiben?

M. Laitman: Einen Brief an den Schöpfer. Briefe an den Schöpfer. Schreiben Sie einfach: „Erster Brief, zweiter Brief”. Nur vernichten Sie sie nicht. „Erster Brief, zweiter Brief, dritter Brief“ und so weiter. Und dann schauen Sie, was dabei herauskommt. Sie können ein Buch davon veröffentlichen.

S. Vinokur: Das heißt, Sie sagen: sogar physisch schreiben? Einfach einen Stift nehmen und schreiben?

M. Laitman: Physisch. Das ist gut. Besser mit einem Stift als mit dem Computer. Danach wird man sehen, wer deine Hand führt.

S. Vinokur: Das heißt, alle Tränen, alles auf ein Blatt Papier schütten?

M. Laitman: Alles. Lass alles dort sein.

S. Vinokur: Bekommt der Mensch überhaupt Antworten?

M. Laitman: Dann wird er eine Antwort erhalten. Er wird mit Tränen und Blut schreiben und eine Antwort erhalten.

S. Vinokur: Worum soll man bitten, wenn man schreibt? Worum soll man die höhere Macht, den Schöpfer, bitten?

M. Laitman: Mit Ihm in Einklang zu sein, nichts anderes: „Gib mir die Kraft, mit Dir in Einklang zu sein, denn sonst verfluche ich Dich.“ Und dann geht es weiter, wohin die Hand geführt wird.

Aus der Fernsehsendung „News with Michael Laitman“

Reue für das Versäumte

Rabash, Shlavey Sulam, 1985/86, Artikel 36, „Was ist die Vorbereitung auf die Selichot [Vergebung]?“: Bevor man den Schöpfer um Vergebung bittet, muss man sich bewusst machen, worin das Wesen der Sünde besteht.

Ich bitte nicht um Vergebung für die ursprünglichen, angeborenen Untugenden, die in meiner Natur liegen. Im Moment stehen sie nicht im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit, denn „die Regungen des menschlichen Herzens sind von Jugend an böse”. Ich bewerte nicht den bösen Trieb selbst, sondern nur meine Bemühungen: Hätte ich mich schon darüber erheben, Schirme errichten und eine Haltung der Hingabe, Liebe und Einheit entwickeln können? Hätte ich nach dem Prinzip „Liebe deckt alle Sünden zu” handeln können?

Gerade für die Nachlässigkeit in diesen Bemühungen muss ich Buße tun und Reue zeigen, darüber muss ich weinen. Denn die Shechina trauert nicht darüber, dass sie uns ihren verdorbenen, zerbrochenen Zustand beschert hat, sondern darüber, dass wir nicht versuchen, sie wiederzubeleben, sie aus dem Staub zu erheben, obwohl die Umstände es uns erlauben, dies zu tun.

Das Licht, das zur Quelle zurückführt, kommt entsprechend meinen Bemühungen. Wenn es unabhängig davon käme, würde es mir das vom Schöpfer verursachte allgemeine Zerbrechen zeigen. Wenn jedoch der Zufluss des Lichts durch meine Bemühungen oder deren Fehlen reguliert wird, offenbart es nur meinen unvollständigen Teil, den ich bereits hätte einbringen können.

Man sollte nicht bedauern, dass man in gewissen Dingen unbegabt oder talentlos geboren wurde. Nehmen wir an, es mangelt mir an körperlicher Kraft, Intellekt, Gedächtnis oder Lernfähigkeit, so sollte man sich darüber nicht beklagen. Wenn mir etwas nicht gegeben wurde, dann brauche ich es auch nicht. Auch wenn ich keine besonderen Fähigkeiten habe und deshalb mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe, muss ich offensichtlich mein Leben lang unter diesen Bedingungen arbeiten.

Im Allgemeinen sagt die Gesamtheit meiner persönlichen Eigenschaften nichts darüber aus, ob ich gut oder schlecht bin. Vielleicht bin ich als Verschwender, Faulpelz oder Machtmensch geboren worden. Die Tatsache, dass ich mit diesen Eigenschaften geboren wurde, bedeutet jedoch, dass ich ihnen keine Beachtung schenken sollte.  Diese muss ich nicht korrigieren, sondern nur meine Teilnahme an dem Prozess, der mir über meine gesamte Natur hinweg offenbart wird. Wenn ich dort, über meiner Natur, faul bin, muss ich für diese Faulheit „ein Opfer bringen” und am Versöhnungstag (Jom Kippur) über diese Nichtbeteiligung weinen. Ich bereue nicht meine ursprünglich verdorbenen Verlangen, sondern dass ich tatsächlich etwas hätte korrigieren können, als ich eine Chance von oben erhielt und sie nicht genutzt habe.

Wer sich also nicht bemüht hat, entdeckt auch nichts Böses in sich. Wer sich jedoch bemüht hat, entdeckt, dass er schlecht ist, allerdings nur in dem Maße, in dem er etwas hätte korrigieren können, es aber nicht getan hat.

Wir sind nicht dafür verantwortlich, alles zu korrigieren, was die spirituellen Systeme vor uns verdorben haben. Es handelte sich dabei um einen systemischen Schaden. Wenn wir jedoch das korrigieren, was uns aufgetragen wurde, wird das gesamte System wieder funktionsfähig sein. Denn es wurde nur deshalb verdorben, weil eine Komponente namens „Mensch” (Adam) darin eingedrungen ist. Wenn wir also die Beteiligung des Menschen am System korrigieren, korrigieren wir alles.

Frage: Wie hängt Reue mit den Beziehungen zwischen Freunden zusammen?

Antwort M. Laitman: Es heißt, dass der Versöhnungstag die Sünden eines Menschen gegenüber seinen Nächsten nicht sühnt. Ich muss für das, was ich angerichtet habe, Buße tun und gleichzeitig daran denken, dass auch dies vom Schöpfer verursacht wurde. So oder so, ich bereue nicht mein Böses als solches. Ich bedauere, dass dieses Böse, dieses Gefühl der Trennung vom Schöpfer, noch  immer in mir steckt. Und dann korrigiere ich es.

Daher sollte ich auch Freude empfinden, wenn ich das Böse aufdecke.

Frage: Es gibt keinen Menschen, der seinem Nächsten nicht etwas Böses angetan hat, wenn auch unbeabsichtigt. Wie kann ich dieses Böse wiedergutmachen? Wie kann ich um Vergebung bitten?

M. Laitman: Durch die Anstrengungen, die in die Verbindung investiert werden. Das ist die Zahlung.

Es gibt keine Notwendigkeit und keine Handlung, die das, was ich getan habe, wiedergutmachen könnte. Alles Schlechte, was ich getan habe, führte zur Spaltung. Und alles Gute, was ich tun kann, führt nur zur Vereinigung. Die Formen und Details sind nicht wichtig, das Wesentliche ist genau das: entweder Trennung oder Einheit. Wenn ich mich an diesen Ansatz halte, werde ich keinen Fehler machen.

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Aus der Lektion zum Artikel von Rabash.

Der Gegensatz von Religion und Kabbala: Handlungen versus Absichten


Eine Frage, die ich erhielt: Gemäß Rabash sind diejenigen, die von der Äußerlichkeit zur Innerlichkeit wechseln können, das auserwählte Volk, und unser Herz wird sich mit Hilfe unserer Handlungen verändern. Gleichzeitig erinnern Sie uns ständig, dass die äußeren Handlungen nichts weiter als äußere Zeichen sind, und in keiner Verbindung zur Korrektur der Seele stehen.

Meine Antwort: Wenn Rabash von „äußerer Einhaltung“ spricht, meint er nicht die physische Einhaltung, sondern die Absicht „für sich selbst“. Und die „innere Einhaltung“ zeigt die Absicht „für den Schöpfer“.

Von den physischen Handlungen sagt der Schöpfer: „Es ist mir egal, wie ein Vieh geschlachtet wird; die Gebote wurden zur Korrektur des Menschen gegeben.“ Mit anderen Worten: Die gesamte Verbindung zwischen den Handlungen und den Geboten liegt in unseren Absichten und nicht in den Handlungen selbst. Würde ein Mensch über die Erfolglosigkeit seiner Handlungen Bescheid wissen, wäre er der Kabbala äußerst dankbar dafür, dass sie ihm im Leben die richtige Führung gibt!

Den ganzen Gegensatz zwischen Religion und Kabbala kann man auf die Bewertung der Wichtigkeit von Handlungen und Absichten reduzieren: Was ist wichtig, die Handlungen oder die Absichten? In Wirklichkeit bestreitet die Kabbala die Wichtigkeit der Handlungen (Traditionen) in der Formung und Regelung sozialer Grenzen nicht. Doch die Religion muss ebenfalls akzeptieren, was geschrieben steht – dass die Handlungen ohne die Absichten tot sind und einen Menschen nicht korrigieren können. Die Absichten können nur durch das korrekte Studium der Kabbala geändert werden.

Man muss mit dem Eingeständnis beginnen, dass man nicht perfekt ist – das ist der Stein des Anstoßes! Denn das Hauptziel der Religion liegt darin, dem Menschen ein Gefühl von Stolz und Vollkommenheit für die Einhaltung der Vorschriften zu verleihen. Er denkt, er diene dem Schöpfer und der ganzen Welt, wenn er dies tut, und jeder stehe in seiner Schuld.

Die Kabbala zeigt einem Menschen andererseits nur, wie falsch und unvollkommen er wirklich ist. Er sieht dies im Lichte des Schöpfers, das während des Studiums auf ihn herabsteigt. Dann ist ein Mensch unglücklich über die Ergebnisse seines Studiums. Wenn er jedoch über diese Empfindung hinauswachsen und die Wahrheit über diese Qual hervorheben kann, wird er vorankommen. Und wenn er dazu nicht in der Lage ist, kommt er vom Weg ab.

Punkt 66 von der „Einführung zum Buch Sohar“ erörtert die Notwendigkeit, die Wichtigkeit der Absicht über die physische Einhaltung zu stellen. Der ganze Widerspruch zwischen der Religion und der Kabbala liegt in ihrem Anspruch hinsichtlich dessen was wichtiger ist.

Blog-post: Der Schöpfer hat weder Arme noch Beine
Baal HaSulam Artikel: Das Wesen der Religion und ihr Ziel
 
Kabbala Akademie

Aufstieg zur Absicht

Baal HaSulam, „Shamati“, Artikel 42, „Elul“:

Von oben wird dem Menschen ein Zustand der Dunkelheit gegeben und dann kann er erkennen, wie selbstlos seine Arbeit ist. Wenn er auch im Zustand der Dunkelheit in Freude bleiben kann, ist das ein Zeichen dafür, dass er für den Schöpfer arbeitet. Der Mensch soll sich freuen und daran glauben, dass ihm von oben die Möglichkeit gegeben wird, im Geben zu arbeiten.

Wenn ein Mensch in der Lage ist, über alle Zustände hinweg in Freude zu bleiben, ist das ein Zeichen, dass er sich bereits über sein Verlangen zu empfangen erhoben hat und voranschreitet.

Darin besteht immer unsere Prüfung: Sind wir in das egoistische Verlangen versunken oder können wir uns ein wenig darüber erheben? Der Mensch bittet nicht um gute Laune, um weiterzuarbeiten, im Gegenteil, er ist geradezu zufrieden mit der Dunkelheit, schlechter Stimmung und der inneren Verwirrung. Über all dem ist er zu einer gewissen kleinen Anstrengung fähig.

Ganz gleich, in welchem Zustand wir uns befinden, ist es entscheidend, ob wir uns über das Empfundene erheben können. Wenn man sich in einem schlechten Zustand befindet, aber dennoch in der Lage ist, im Geben zu handeln, in Verbindung und Liebe zu seinen Freunden, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg ist. Unsere Aufgabe ist es, die Dunkelheit in den empfangenden Gefäßen zu spüren und uns, auch mit kleinsten Schritten, darüber zu erheben, zur Verbindung, zur Absicht des Gebens. Darin besteht die ganze Arbeit.

Daher müssen wir entsprechende Übungen durchführen und bewusst „Lernspiele“ spielen. Natürlich hat es ein Anfänger in den ersten Jahren nicht leicht, aber mit der Zeit beginnt man, in sich einen Unterschied zwischen seinem Empfinden und seiner Absicht zu erkennen, also zwischen zwei verschiedenen Systemen.

Mal fühlt man sich gut, mal schlecht und lernt zu verstehen, dass das nicht das Wichtigste ist. Es geht vielmehr darum, mit diesen Empfindungen zu arbeiten. Durch sie erlangt man neue Feinheiten der Wahrnehmung, die notwendig sind, um die Lenkung durch den Schöpfer zu begreifen. Alle Empfindungen, sowohl gute als auch schlechte, nimmt man als gut an, um sich darüber zu erheben und ständig auf das Ziel ausgerichtet zu bleiben. Diese Anstrengungen müssen wir ständig unternehmen. Wir sollten versuchen, die Kraft des Aufstiegs – die es uns erlaubt, Zeit und Mittel sinnvoll zu nutzen – auch in Zeiten des Abstiegs aufrechtzuerhalten. Ja, das ist sehr schwer, aber wir müssen uns bemühen.

So lösen wir uns allmählich von den empfangenden Gefäßen und gehen zu einer anderen Arbeit über. Wir leben bereits in der Absicht und nicht mehr im bloßen Empfinden.

[90042]

Aus der Vorbereitung zum Unterricht