Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Der Mensch auf dem Esel

Frage: Mit dem Verstand begreife ich, was Sie sagen, doch im Herzen spüre ich, dass ich absolut nicht bereit bin, mich zu annullieren, um mich mit den anderen zu verbinden. Wie schaffe ich es, dies zu wollen?

Meine Antwort: Wir werden niemals den höheren spirituellen Zuständen näher kommen wollen. Und es ist gut, dass wir es selbst erkennen! Der Mensch versteht, dass er unter keinen Bedingungen die wahre Spiritualität und nicht irgendwelche von ihm eingebildete Märchenwelt will, in der er zwischen Engeln umherflattern und alles, was er will, tun wird, in der er die volle Macht erhalten und alle Welten von einem Ende bis zum anderen sehen wird.

Und wenn wir beginnen zu verstehen, was die wahre spirituelle Realität bedeutet, die höher als jeder egoistische Nutzen, den wir uns vorstellen können, ist, dann wollen wir sie natürlich nicht mehr.

Wir müssen jedoch verstehen, dass alle Veränderungen in uns nur durch das höhere Licht, das zur Quelle zurückführt, vollzogen werden. Es muss auf uns einwirken und uns neue Eigenschaften verleihen. Nur durch die Erkenntnis dieser Eigenschaften – durch das Verständnis, die Empfindung, die Macht über sie – werden wir beginnen, die Welt bereits aus ihnen heraus wahrzunehmen. Auf diese Weise werde ich allmählich zu einem Menschen.

Ich werde beginnen, wahrzunehmen, dass über dem tierischen Körper, mit dem ich mich heute identifiziere, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Höheren aufgebaut wird, eine neue Form, ein Kli, genannt „der Mensch“ in mir, d.h. „dem Schöpfer ähnlich“ (Adam, Mensch kommt vom Wort dome/ähnlich). Dieser Mensch reitet quasi meinen „Esel“ (Esel/Hamor kommt vom Wort Homer/Material), meine früheren Verlangen.

Und jener Mensch, der den Esel reitet, ist derjenige, der den Schöpfer versteht und spürt. Jedoch nicht der Esel selbst!

Diese Erschaffung des Menschen in uns kommt durch das Licht, das zur Quelle zurückführt. Und nicht, weil wir es selbst so sehr wollen – natürlich nicht! Unser Esel (d.h. wir heute) will nicht, dass der Mensch kommt! Denn der Mensch beginnt über den Esel zu herrschen.

Und der Esel will das Gewünschte für sich empfangen… Deshalb ist es nur natürlich, dass wir heute nicht den wahren spirituellen Zustand wollen. In dem Maße unseres Vorankommens beginnen wir zu verstehen, dass die spirituelle Welt etwas ganz anderes ist, als das, was wir erwartet haben, und dass wir sie nicht mehr wollen.

Das weitere Vorankommen ist nur durch den Einfluss der Gruppe möglich, die uns die Wichtigkeit der spirituellen Erkenntnis einredet. Nur in diesem Ausmaß werden wir vorankommen können, in uns selbst werden wir keine Kraft dafür finden.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 15.03.2011

Leben auf der Stufe des Gebens

Im Prozess der Wiedegeburt ist die einzige Sache, die sich verändert, unsere Gesinnung oder „Bekleidung“, jedoch nicht der innere, grundlegende Zustand. Es ist überhaupt unmöglich, über diesen Zustand bezüglich Leben oder Tod zu sprechen.

Das Licht, das sich im spirituellen Parzuf entwickelt, heisst das Licht des Lebens. Wenn es den Parzuf verlässt, kommt Tod. Indessen gehen Dinge in der Spiritualität niemals durch Leben oder Tod, wie wir diese verstehen, weil ein Mensch immer über seiner Erfüllung steht. Er befindet sich auf der Ebene des Schirms und des Reflektierten Lichts, im Zustand des Chafetz Chesed, weil er die Ebene des Gebens erlangt hat.

Wenn das Licht kommt, dann ist das gut, da ein Mensch es um des Gebens willen empfangen kann und ihm dies mehr Leben schenken kann. Und wenn das Licht des Lebens geht und das Licht der Hassadim zurückbleibt, ist es ebenso Leben, jedoch ein geringes Mass davon, bis es die winzigste Lichtstärke erreicht, die das blosse Minimum liefert, einen Traumzustand. Dennoch ist ein Mensch, so oder so, immer mit der Kraft des Lebens verbunden.

Daher misst die Wissenschaft der Kabbalah den körperlichen Empfindungen keinerlei Bedeutung zu, die unser Leben und Sterben umfassen. In der Kabbalah haben diese Begriffe eine völlig andere Bedeutung, die in nichts dem gleichen, was wir unter ihnen verstehen.

Aus dem 4.Teil des Täglichen Kabbalah Unterrichts vom 10/03/2011 über Leben und Tod

Anweisungen zur Entfachung eines spirituellen Funkens

Für einen Augenblicke können wir bereits in die spirituelle Wirklichkeit aufsteigen und daran teilnehmen, sogar bevor wir beständig dort zu leben beginnen – alles hängt lediglich von der Stärke der Verbindung zwischen uns ab. Wenn wir eine bestimmte, minimale Ebene erreichen, die für die Wahrnehmung der spirituellen Welt erforderlich ist, werden wir verspüren, wie wir uns ihr annähern und an ihr teilnehmen.

Kabbalisten geben uns genaue Ratschläge, was zu tun ist, damit wir nicht in der Finsternis umherwandern – durch Tasten die geeignete Verbindung suchend, welche es uns erlauben würde, in die spirituelle Welt zu gelangen (denn jetzt spüren oder verstehen wir sie nicht, sondern funktionieren statt dessen entsprechend unserem Egoismus).

Wir sammeln alle diese Ratschläge und versuchen diese in einer Methode zu formulieren, die für unsere Zeit, Gegebenheiten und Qualitäten angemessener ist. Es ist unmöglich, durch persönliche Anstrengung in die Spiritualität vorzudringen.

Der gleiche Lichtfunke, der aus der spirituellen Welt hervorbrach und unser gesamtes Universum und uns in ihm erschuf, muss uns verändern. Er gebiert ein spirituelles Gefäß aus unserem „Punkt im Herzen“, dem in jedem von uns platzierten spirituellen Funken.

Dieser große Funken hat sich in eine Vielzahl von winzigen Funken aufgeteilt und jeder von uns besitzt einen Teil davon. Wir müssen ihn anwachsen lassen. Wir benötigen das Licht, welches auf uns einwirkt und uns entwickelt, uns wachsen lässt, wie ein kompletter Körper aus einem Samentropfen heranwächst, mit einem Embryo beginnend, hin zu einem kleinen Menschen und dann zu einem Erwachsenen. Das Problem ist jedoch, dass wir nicht wissen, wie wir den Einfluss des Lichts auf uns hervorrufen können.

Daher brauchen wir nur den Ratschlägen der Kabbalisten so genau wie nur möglich zu folgen, dies ist das gesamte Geheimnis des Erfolgs. Folge einfach den Anweisungen und du wirst schließlich an einen Punkt gelangen, an dem du diesen Mechanismus „aktivieren“ wirst, und er wird plötzlich anfangen zu arbeiten!

Aus dem 2. Unterricht Metzoke Dragot Congress vom 25/02/2011

Ein Tsunami in den Tiefen deiner Seele

Frage: Wie sollte unsere Einstellung gegenüber jenen Naturkatastrophen sein, denen wir heutzutage genauso wie anderen Problemen gegenüber stehen?

Meine Antwort: Wir leben in einer besonderen Zeit – unser egoistisches Verlangen zeigt uns unsere Unausgeglichenheit gegenüber allen Stufen der Natur.

Die unterste Stufe der Natur ist jene des Unbelebten, in welchem sich uns nun unsere Ungleichheit mit der Natur im Allgemeinen offenbart. Das Gleiche gilt auch für die übrigen Stufen: Pflanzlich und tierisch. Nur bemerken wir dies momentan nicht.

Wir befinden uns in einer schrecklichen Krise, einer „Beziehungskrise“ mit dem Engel, den man „Domem“ (unbelebt), „Zomeach“ (pflanzlich) und „Chai“ (belebt) nennt. All diese Formen der Natur drücken unseren gigantischen Mangel an Übereinstimmung aus und zeigen uns unsere Gegensätzlichkeit. Unser Verpflichtung besteht darin, dies zu korrigieren, denn nur der Mensch vermag durch die eigene Korrektur die übrigen Teile der Natur zu verbinden.

Daher sind die Katastrophen um uns herum eine Reflexion unseres Selbst. Die gesamte Verantwortlichkeit liegt bei uns. Man kann von dem unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen in unserer Welt nichts verlangen. Sie steigen zusammen mit dem Menschen auf und ab.

Durch die Probleme in den unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen erkennen wir, wie unkorrigiert wir selbst sind. All diese Katastrophen sind eine Spiegelung und eine Demonstration unserer eigenen Fehler, nicht zu erwähnen, die „sprechende“ Stufe der Natur – die menschliche Gesellschaft. Sehen Sie sich die Welt an!

Wir hätten die Möglichkeit, auf dieser Welt ein „Leben wie im Paradies“ zu führen, doch was tun wir? Würde ein Besucher von einem anderen Stern uns dabei beobachten, was wir hier auf der Erde treiben, würde er uns wohl für vollkommen verrückt halten. Wo bleibt unser menschlicher Verstand und unsere Gefühle? Arrangiert ein denkender, intelligenter Mensch sein Leben wirklich auf diese Art? Nur ein Narr oder ein sich Selbst hassender würde so handeln.

Gerade jetzt, in diesem Moment enthüllen wir Schritt für Schritt unseren wahren inneren Zustand. Und nur durch unsere innere Korrektur werden wir Harmonie mit der äußeren Welt erreichen.
Aus dem ersten Teil des Täglichen Kabbala Unterichtes 3/13/11

Damit das Böse von der Welt verschwindet

Unsere ganze Arbeit besteht nicht in der Korrektur unserer angeborenen Eigenschaften und nicht in der Erschaffung einer bequemeren Welt für unsere Existenz.

All das Böse, das sich in uns enthüllt, soll möglichst schnell zum Vorschein kommen und uns sein wahres Gesicht zeigen. Das heißt, unsere Aufgabe besteht lediglich darin, unsere Entwicklung zu beschleunigen, um schneller „von einem Bild ins nächste“ zu kommen.

Ich muss daran arbeiten, dass die inneren Bedingungen sich so schnell wie möglich in mir ändern – meine Gedanken und Verlangen, das Herz und der Verstand sich erneuern und ich auf diese Weise zu einem immer fortgeschritteneren, zu dem wahren Zustand übergehe. Alles hängt davon ab, wie ich mich selbst zu einer immer größeren Entwicklung meiner Empfindsamkeit vorantreibe, wodurch ich meine Wahrnehmung dem Licht näher bringe.

Die Aufeinanderfolge dieser Veränderungen ist bereits in dem in mir enthaltenen Programm gespeichert, und ich kann nur deren Geschwindigkeit beeinflussen. Darin besteht meine einzige freie Wahl und die Art, mich selbst auszudrücken – dem Endzustand, der Verschmelzung mit dem Schöpfer, den ich erlangen will, zuzustimmen.

Deshalb müssen wir zusätzliche Kräfte von der Umgebung erhalten und uns zur inneren Entwicklung, zur Enthüllung des Bösen vorantreiben. Wir müssen verstehen, dass alle Zustände, die sich uns enthüllen, zur Klärung dessen bestimmt sind, was mir fehlt, um die Verschmelzung zu erreichen. Diese Mängel bezeichne ich als Böse.

Die Kraft der Bewegung, die Kraft der Beschleunigung kommt nur von der Umgebung. Wie geschrieben steht: „Neid, Genusssucht und Ehrgeiz führen den Menschen aus dieser Welt“. Denn ich selbst will diese Veränderungen nicht – sie sind gegen meine Natur, und ich will mich nicht in Richtung Geben verändern. Doch dadurch, dass die Umgebung mich anspornt und mir einredet, dass es sehr wichtig ist und es sich lohnt, das zu tun, stürme ich in den Zustand, den ich selbst niemals wollen würde.

Die Umgebung gibt mir die Kraft, meiner Natur zu widerstreben, und aus diesem Grund kann ich so große Veränderungen in Richtung Geben ertragen und bin bereit, mich selbst zu annullieren und auf meinen Egoismus zu verzichten. Sie redet mir ein solches Verlangen, das Geben zu erreichen, ein, das stärker als mein natürlicher Instinkt ist, nach dem Genuss für mich selbst zu suchen. Auf diese Weise beschleunige ich meine Entwicklung und komme voran.

Und weil ich das ganze Böse zielgerichtet enthülle, wandelt es sich sofort zum Guten um. Darüber steht geschrieben: „Schau sie nur an – und sie werden gleich zu Staub zerfallen“. Alles hängt von unserer Wahrnehmung jener schlechten Eigenschaften ab, die sich uns enthüllen.

Wenn wir das ganze Übel auf der Welt als unsere Mängel der Wahrnehmung empfinden, wird uns klar, was korrigiert werden muss, um zwei Welten zu einer zu vereinen. Dafür müssen wir immer mehr unsere Umgebung erwecken, um mit deren Hilfe solche Korrekturen unseres Zustandes zu erreichen, dass wir nichts Böses auf der Welt mehr sehen werden!

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Es gibt kein Übel auf der Welt, alles ist notwendig und erfüllt seine Rolle“, 13.03.2011

Die Lösung befindet sich zwischen uns

Frage aus Japan: Wie soll unsere innere Arbeit in den Notsituationen aussehen? Während ich den Unterricht schaue, hören die Erschütterungen nicht auf.

Meine Antwort: In diesen Tagen müssen wir uns noch stärker auf die Einheit konzentrieren und zuversichtlich sein, dass wir gerade durch innere Anstrengungen solche Katastrophen in der Welt verhindern können – sowohl in Japan als auch in allen Regionen, in denen die Menschen im Moment leiden.

Warum leiden sie? Warum schreiten sie nicht auf dem richtigen Weg der Korrektur entgegen? Warum erwachen sie nicht und gehen nicht auf die Straßen mit der Forderung: „Maschiach (Messias) jetzt!“? Mit anderen Worten: warum verlangen sie nicht nach der Korrektur, nach den Veränderungen, nach einem neuen Zustand?

Warum rufen sie stattdessen zum Regierungswechsel auf? Wie wird das ihnen helfen? Es wird keinem davon besser gehen, selbst wenn der libysche Diktator zurücktritt. Den entstandenen Bruch wird der islamistische Radikalismus oder etwas anderes füllen, doch es wird lediglich ein blinder psychologischer Ersatz sein. In Wirklichkeit wird es den Menschen nicht besser gehen. Das ist der Weg der Leiden.

In letzter Zeit rüstet sich die Welt rapide auf. Wir nehmen den eigentlich bereits gestoppten Rüstungswettlauf wieder auf, als wollten wir unsere Kräfte messen. Was für eine Dummheit, sich wie kleine Kinder zu streiten! Doch schau, wie viel Kraft und Ressourcen hineininvestiert werden.

Letztendlich hängt alles von uns ab, von allen unseren Freunden weltweit, die einen Impuls zur Korrektur bekommen haben. Wir selbst müssen uns innerlich verbinden, uns als ein Ganzes wahrnehmen. Dann werden wir in dem Verlangen, die ganze Welt zu vereinen, auch den anderen helfen, sich anzunähern. Denn sie sind unser passiver Teil, sie sind nicht in der Lage, sich durch eigene Kräfte anzunähern, solange wir ihnen nicht die Gelegenheit bieten, sich mit uns zu verbinden.

Wenn der Mensch erweckt wurde und den Punkt im Herzen bekommen hat, kommt er zu uns und schließt sich all denjenigen an, die die Entwicklung vorantreiben und beschleunigen, indem sie die Geschwindigkeit ihrer Arbeit der Geschwindigkeit der Erscheinung von neuen Reshimot anpassen. Dann werden uns keine Kräfte, keine Tsunamis, keine Revolutionen, keine Kriege usw. auf negative Weise zum Vorankommen zwingen.

Alles hängt von unseren Anstrengungen ab, davon, in welchem Maße wir an der Vereinigung arbeiten. Es gibt keine anderen Lösungen für die Welt.

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Das Umweltproblem und der Weg zu dessen Lösung“, 13.03.2011

Die Kraft der Anfänger

Frage: Lindern die Kabbalisten die Leiden der Welt durch ihre spirituelle Entwicklung?

Meine Antwort: Natürlich. Mehr noch: darin gibt es weder große noch kleine. Die Menschen glauben, dass ein großer Kabbalist das Unheil durch ein Gebet abwenden kann.

In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: gerade Anfänger mit dem kürzlich erwachten Punkt im Herzen, die verwirrt sind und noch nichts verstehen, bewirken mit ihrem noch weit entfernten, kleinen Verlangen mehr als jemand, der schon lange dabei ist.

Ähnlich einem kleinen Kind, das zum Familienoberhaupt wird, können Menschen, die den spirituellen Weg gerade begonnen haben und scheinbar von den realen Handlungen noch weit entfernt sind, mit ihrem einfachen Verlangen und ihren Gebeten mehr als „alte Hasen“ erreichen.

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Das Umweltproblem und der Weg zu dessen Lösung“, 13.03.2011

Die spirituelle Freiheit des Individuums

Es gibt ein Gesetz: der Mehrheit auf der materiellen Ebene und dem Individuum auf der spirituellen Ebene zu folgen. Nehmen wir an, ich trete der Gruppe bei.

Stellt sie für mich die Mehrheit dar? Muss ich auf die Freunde hören? Ich sehe 300 Männer vor mir – das ist bereits eine Kraft.

Wenn sie Forderungen auf materieller Ebene an mich stellen, dann ist es das eine, doch was ist, wenn sie mir Bedingungen auf spiritueller Ebene diktieren? Verstehen sie mehr als ich? Sind sie alle zusammen klüger? Und wie soll ich mich ihnen gegenüber verhalten?

Habe ich das Recht dazu, auf die Gruppe einzuwirken? Denn wenn sie als Mehrheit gilt, muss ich mich ihnen beugen und ihre Meinung annehmen.

Doch andererseits geht es um das spirituelle Leben, also muss ich nicht der Mehrheit, sondern dem Individuum folgen. Und dieses Individuum bin ich?

Keine einfachen Fragen. Und sie betreffen jede Gruppe.

Im materiellen Sinne ist mit der Mehrheit mehr oder weniger alles klar. Obwohl es auch hier eine Menge Fraktionen und Bewegungen, Parteien, Regierungen, die Mafia usw. gibt. Die Welt hat keine einheitliche Meinung.

Doch in Wirklichkeit ist das für uns einfach. Ich setze eine Grenze zwischen dem materiellen und dem spirituellen Leben – und dann läuft das materielle Dasein für mich auf das Notwendigste hinaus.

Ich gebe mich damit zufrieden und sorge für ein normales Leben für mich: für das Zuhause, die Arbeit, die Familie, das Einkaufen, die Bank, die Sozial- und Krankenversicherung, den Urlaub, die Rente… Hier höre ich im Grunde genommen auf die Mehrheit, handle so, wie es üblich ist – auf der Ebene der normalen Notwendigkeit. Und damit enden meine Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber. In unserer Welt bin ich versorgt.

Auf diese Weise setze ich den Begriff „der Mehrheit folgen“ um – es geht um die Erfüllung von obligatorischen allgemeingültigen Bedingungen.

Darüber hinaus gilt meine gesamte Aufmerksamkeit der spirituellen Entwicklung. Im spirituellen Leben arbeite ich mit der Gruppe, der sich der Mensch, wie Rabash schreibt, absolut beugen muss. Mit anderen Worten, ich beuge mich der spirituellen Gesellschaft wie der Mehrheit.

Wo ist dann meine Freiheit? Denn im spirituellen Leben muss ich meiner eigenen Meinung folgen.

In Wirklichkeit verfahre ich genau so: ich selbst bestimme das Ausmaß meines Einschlusses in die Gruppe. Das nimmt mir keiner weg. Das ist die Bedeutung des Gesetzes, nach welchem man der Mehrheit folgen soll: jeder von uns ist ein Individuum, und er trifft eine freie Entscheidung, ein Teil der Gruppe zu sein. Hier herrscht kein Gesetz über ihm, und niemand übt Druck auf ihn aus.

Nach dem gleichen Prinzip verbreiten wir die Wissenschaft der Kabbala: wer will – bitte schön, wer nicht will – ist frei.

Also besteht deine Freiheit darin, dich ohne Druck der Umgebung zu beugen. In der materiellen Welt zwingt dich die Umgebung dazu, und in der spirituellen verpflichtet dich niemand zu etwas, auch nicht der Schöpfer. Du musst selbst reifen und die Entscheidung treffen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit des Willens“, 11.03.2011

Verliert nicht euch selbst, wenn ihr in den Anderen aufgeht!

Frage: Der Sohar erklärt, dass das Zerbrechen obligatorisch für die Erreichung der Einheit ist. Müssen wir auf dem bevorstehenden Kongress in New Jersey der Enthüllung des Zerbrechens zwischen uns entgegensehen oder haben wir bereits genug enthüllt, und es ist an der Zeit, die Einheit zu erlangen?

Meine Antwort: Während des letzten internationalen Kongress in Israel haben wir das Zerbrechen zwischen uns, die Entfernung voneinander ein wenig „gekostet“. Das hatte eine ziemlich starke Wirkung gehabt, die Menschen haben gespürt, dass sie nicht in der Lage sind, sich zu verbinden: „Nur nicht das!“

Diese Empfindung muss uns zum Gebet führen, zu einer solchen Handlung, dass wir darum bitten, uns über diese Trennung erheben zu können. Wir sind nicht in der Lage, sie zu korrigieren – also soll das Licht kommen und korrigieren, wir müssen uns über die Abstoßung erheben, wie geschrieben steht: „Die Liebe wird alle Vergehen bedecken“.

Deshalb empfindet mitunter jeder von uns, während er versucht, sich auf solchen Kongressen mit den Anderen zu verbinden, Abstoßung den Anderen gegenüber und vertieft sich in egoistische Berechnungen: „Wozu brauche ich das überhaupt?“ Oder er spürt im Gegenteil, wie er sich in die Anderen einfügt, als ob er in ihnen aufgehen würde, und kann nicht mehr unterscheiden, wo seine Ansichten, sein Verstand, sein eigenes Ich sind und wohin seine Kritik den Anderen gegenüber verschwunden ist.

Auf diese Weise, bei den scheinbar erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Versuchen, sich in die Anderen einzufügen – indem der Mensch sich annulliert, in den Anderen aufgeht, sich verliert oder indem er im Gegenteil seine Unfähigkeit, sich mit den Anderen zu verbinden, erkennt – klärt er, wie er sich mit ihnen verbinden kann, ohne sich selbst, sein Ich zu verlieren, wie er sich mit allen vereinen und an diese Verbindung sein ganzes Übel, mit all seinem Widerstand und zugleich mit all dem Guten, was es in ihm gibt, anschließen kann, ohne etwas Schlechtes oder etwas Gutes in sich zu annullieren.

Eine solche richtige Klärung ist bereits die mittlere Linie. Das Wichtigste ist, dass der Mensch, indem er sich vor der Gruppe oder einer großen Menschenversammlung auf dem Kongress annulliert, nicht die Fähigkeit verliert, kritisch zu denken, sondern mit der linken Linie weiter arbeitet, in dem Wissen, warum und wie er handelt. Auf diese Weise gibt er seine Awiut/die Dicke des Verlangens an die Anderen weiter, und es entsteht ein starkes Kli, das nach einem Gebet verlangt. Denn wir wollen so, wie wir sind, geliebt werden…

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 10.03.2011

Wie man die Schläge der Natur verhindern kann

Frage: Lieber Dr. Laitman! Wir, Ihre Studenten in Japan, möchten gerne Ihre Meinung dazu hören, was das Unglück, das Erdbeben und der Tsunami, das uns widerfahren ist, verursacht hat. Nach den Vorhersagen sind in naher Zukunft noch mehr Schläge zu erwarten. Können wir alle solche Ereignisse in Japan und generell, in der Welt, verhindern?

Meine Antwort: Die Natur führt uns auf dem Weg der evolutionären Entwicklung, bis wir uns der Natur angeglichen haben. Die Schläge und Leiden, die wir spüren, sind die Reaktion der Natur uns gegenüber, da wir mit ihr nicht in Übereinstimmung sind. Die einzige Lösung für alle Krisen ist, mit der Natur ins Gleichgewicht zu kommen.

Normalerweise wird das durch die Korrektur unseres Egoismus erreicht. Unser Egoismus wird an unserer Einstellung zur Verbindung mit der gesamten Menschheit als ein einziges Ganzes gemessen. Denn die Natur bezieht sich zu uns genau wie zu einem einzigen Ganzen. Wir werden leiden, bis wir Eins werden.

Im Buch Sohar heißt es („Einführung zum Buch Sohar“, Punkte 66-81), dass Unglücke zuerst die Besten trifft: in diesem Fall Japan. Doch wenn die Schläge sich verstärken, werden sie auch die Schlechten treffen… Es gibt nur eine einzige Lösung: sich in Liebe zum Nächsten zu vereinen und zu einem globalen, integralen System, so wie die Gesamtheit der Natur zu werden. Dann werden wir beginnen, in uns die Erfüllung durch den Schöpfer zu spüren.