Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Aus unseren Schwierigkeiten lernen

Frage: Wir sagen, dass übermäßger Verbrauch auf Kosten anderer geht. Doch müssen wir, um das Böse darin zu erkennen, am Ende des Films nachschauen?

Meine Antwort: Nein. Der Schöpfer hat keinen Mangel an Mineralien, Vitaminen, Öl, Benzin, Wasser oder etwas anderem. Er arrangiert für uns in dieser Welt Schwierigkeiten, sodass wir damit beginnen, uns unseres Verlustes bewusst zu werden. Der Schöpfer zeigt dir nicht, dass du die spirituelle Welt in Wirklichkeit vorüberziehen lässt, denn dann würdest du die Freiheit der Wahl verlieren. Stattdessen unterwirft Er dich den Schlägen dieser Welt, aus denen du das Böse deiner Natur erkennen kannst. Du enthüllst nicht den Schöpfer als die Ursache deiner Schwierigkeiten, sondern deinen eigenen Egoismus.

Dann, unfähig ihn zu korrigieren, beginnst du zu bedauern, dass du ihn besitzt. Auf diese Weise erkennst du allmählich das Böse. Was also sollst du damit tun? Wie kannst du aus dieser Falle aussteigen? Langsam aber sicher kommst du der Lösung näher.

Fehlende Mittel, Naturkatastrophen und Menschen, die voneinander stehlen, sind letzten Endes alles künstliche Dinge. Das ist „Kleingeld“, dazu bestimmt, uns zu helfen, die Tatsache zu enthüllen, dass wir einander die spirituelle Welt wegnehmen.

Warum sollte ich tatsächlich das, was ich habe, mit dir teilen und mich selbst nur mit dem Nötigsten zufriedengeben? Es geschieht nur, damit ich daraus lerne und die Verlangen erwerbe, die zur Spiritualität streben. Das ist das Ziel, und alles ist von Anfang an auf diese Weise aufgebaut. Andernfalls hätte jeder Mensch seinen eigenen Planeten.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 22.06.2011, „Matan Tora (Die Gabe der Tora)“

Sei neidisch auf Freunde

Bemerkung: Heute, in den Zeiten des Überdrusses, weiß ich bereits im Voraus, dass es sich für mich nicht lohnt, mich anzustrengen, um einen neuen Mercedes zu kaufen. Denn nach ein paar Monaten wächst die Lust nach Neuem und ich werde etwas anderes wollen …

Meine Antwort: Das stimmt, doch wir sprechen nicht mehr von einem Mercedes, sondern von einem spirituellen Ziel. Wenn es etwas gibt, was für dich höher als dieses Ziel liegt, dann wirst du vom Weg abkommen. Das ist klar.

Bemerkung: Aber das spirituelle Ziel an sich ist für mich auch nicht klar. Ich weiß nicht, was das ist.

Meine Antwort: Daraus resultiert die Frage: Treibt es dich dazu an, die Wahrheit herauszufinden? Wenn nicht, dann kommst du nicht voran. Jeden Tag musst du eine innere Berechnung durchführen: „Einerseits: was habe ich, und andererseits: was habe ich nicht? Und wann werde ich es haben?“

Wie willst du ansonsten ohne Richtung, ohne Druck, vorankommen, um das Gewünschte zu erreichen? Wenn du nicht jeden Augenblick das Ziel vor dir siehst, wirst du es niemals erreichen können. Oder glaubst du, dass du mit einem bezahlten Ticket im Zug sitzt?

Anders gesagt: Du liegst wie auch alle anderen auf der faulen Haut und wartest darauf, durch Leiden vorangetrieben zu werden. Du sitzt einfach die Zeit ab und tröstest dich damit, dass es ebenfalls etwas bewirken wird. Ist es so?

Bemerkung: Natürlich. Wie kann ich mich aber zwingen, diese tägliche Überprüfung durchzuführen? Denn ich bin nicht Herr über meine Gedanken.

Meine Antwort: Bitte deine Freunde darum, dich ein wenig anzustacheln. Sie befinden sich Tausende von Stufen über dir – warum beneidest du sie also nicht? Warum schämst du dich nicht vor ihnen?

Um dich herum gibt es Menschen, die den Machsom bereits überquert haben. Du weißt zwar nicht, was das ist, doch das Wort hast du schon mal gehört. Diese Menschen nehmen die Spiritualität wahr, in einem geringen Maße, aber – sie nehmen sie wahr. Und was ist mit dir?

Ach ja, du siehst es nicht und bist deswegen nicht neidisch. Richtig. Doch du siehst es nicht, weil in ihnen die Absicht um des Gebens willen herrscht. Wenn sie diese für dich ein wenig öffnen würden, würdest du zurück zu deinem nutzlosen Mercedes fliehen. Darum öffnen sie sich nicht. Versuche aber trotzdem, neidisch auf ihre Erkenntnis zu sein. Du musst es einfach tun.

Der Schöpfer ist bereit, uns die Unendlichkeit zu schenken, wir sind aber nicht in der Lage, etwas außer einem dünnen Leuchten zu empfangen, welches Er uns schickt, um unser Dasein solange aufrechtzuerhalten. Wir sollten darüber nachdenken, wie wir zur Scham kommen können. Und dazu sind Übungen zwischen uns und der Gruppe nötig. Ohne diese wird nichts klappen.

Solange der Mensch das System von gegenseitigen Beziehungen mit der Gruppe nicht auf die Weise aufgebaut hat, auf die er seine Beziehung mit dem Schöpfer aufbauen möchte, wird sich nichts verwirklichen oder enthüllen. Es ist so, als ob du einen Baukasten mit ganz vielen kleinen Bauteilen bekommen hättest, um die richtige Konstruktion aus ihnen zusammenzubauen. Wenn du sie zusammengebaut hast, bekommst du eine Aufgabe für Erwachsene.

Anderenfalls gibt es leider oder zum Glück kein Vorankommen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Gabe der Tora“, 23.06.2011

Wer steht dem Lehrer am nächsten?

Morgenunterricht aus Moskau

Frage: Was bedeutet die Nähe zum Rav und die Überlieferung von Mund zu Mund?

Meine Antwort: Die Nähe zum Rav bedeutet nicht, dass der Mensch ihm physisch nahe steht – das spielt keine Rolle. Die Nähe zum Rav bedeutet, dass der Mensch spürt, dass der Lehrer alles, was er hat, an ihn weitergeben kann und will, doch nur in dem Maße, in dem der Mensch sich selbst dafür öffnet. Denn beim Kontakt, bei der Kommunikation, ist eine Übereinstimmung zwischen demjenigen, der weitergibt, und demjenigen, der empfängt, notwendig.

Das bedeutet zum einen, dass der Glaube daran, dass Rav ständig weitergibt und dass es etwas gibt, was von ihm empfangen werden kann, vom Schüler abhängt, und zum anderen, dass der Schüler verstehen muss, dass er nur in dem Ausmaß seiner Empfindlichkeit gegenüber dem, was vom Rav ausgeht, empfangen kann.

Im Großen und Ganzen hängt natürlich alles vom Schüler ab. Nur vom Schüler! Vom Lehrer hängt praktisch nichts ab. Andererseits muss der Schüler vollkommen auf das Empfangen eingestellt sein. Was bedeutet auf das Empfangen? Auf die Übereinstimmung. Das heißt, seine Gedanken, Gefühle und Ausrichtungen müssen wenigstens geringfügig mit denen des Lehrers übereinstimmen, wenigstens zu einem Prozent. Er muss von ihm empfangen wollen, er muss auf die gleiche Wellenlänge eingestellt sein. Und dann wird er es können.

Das Studium besteht aus zwei Teilen:

1. „Von Mund zu Ohr“ – verbale Kommunikation, wenn ich mit dem Mund spreche und der Schüler durch das Ohr wahrnimmt.

2. „Von Mund zu Mund“ – mit „Mund“ ist der gemeinsame Schirm gemeint, der sich im Mund des spirituellen Parzuf befindet.

Wenn wir also auf die Weise kommunizieren, dass der Schüler nicht auf einer Stufe mit dem Lehrer sein will oder es noch nicht kann, dann hört er. Er kann hören, ohne es zu wollen, ohne sich besonders anzustrengen, er kann sogar gegen den Lehrer sein – und er wird ihn doch in gewisser Weise verstehen.

Es ist noch kein gemeinsamer Schirm, kein gemeinsames Bestreben, keine gemeinsame Verbindung, bei der sie wenigstens zu einem Prozent verbunden sind. Wenn sie verbunden sind, empfängt er in dem Maße dieser Verbindung Informationen von Mund zu Mund, d.h. in dem Maße dieses Schirms, dieses Bestrebens. Das ist das, was angestrebt werden sollte. Es ist die Arbeit am eigenen Egoismus, die nicht einfach, jedoch möglich ist, und dann fließt alles, was der Lehrer hat, zum Schüler über.

Frage: Haben Sie die Möglichkeit, zu wählen, wer Ihnen nah stehen soll und wer nicht?

Meine Antwort: Es hängt nicht vom Lehrer ab, wer ihm nah stehen soll und wer nicht. Derjenige, der sich auf die Stufe des Schülers stellt, ist auch ein Schüler. Manchmal möchte der Lehrer sehr, dass bestimmte Menschen zu seinen Schülern werden, weil sie bestimmte Veranlagungen haben und über sie die Idee vielleicht schneller und deutlicher an die Menschheit weitergegeben werden kann, doch diese Menschen sind dazu nicht fähig, nutzen diese Möglichkeit nicht – und verpassen so die Chance.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 16.06.2011

Der Hochmut des Menschen wird ihn erniedrigen

Frage: In letzter Zeit sagen Sie, dass die Gruppe für einen Menschen so etwas wie die Gebärmutter für den Fötus ist und der Mensch sich so vor der Gruppe annullieren sollte, dass er sich an der Wand dieser Gebärmutter einnisten kann. Was bedeutet das?

Meine Antwort: „Drei Tage des Einnistens eines Samens in der Gebärmutter“ bedeutet, dass ein Mensch sich fest an seine Umgebung klammert: Lehrer, Gruppe und Bücher. Diese drei Komponenten tragen alle eine bestimmte Idee, Quelle, Kraft in sich, mit denen sich der Mensch verbindet.

Er annulliert sich sowohl von der rechten als auch von der linken Seite, und indem er beide Kräfte – die rechte und linke – nutzt, baut er die mittlere Linie auf und verschmilzt dabei mit ihr.

Die rechte Linie ist die Linie des Gebens, auf der sich der Mensch „mit geschlossenen Augen“ bewegt. An die linke Linie wird die ganze Dicke (Awiut) seiner egoistischen Verlangen angehängt, aber dabei ist er bereit, sich der rechten Seite anzuschließen. Die mittlere Linie bedeutet, dass er ein gewisses konstantes Niveau der Verbindung mit seiner Umgebung erlangt und tiefer als dieses Niveau nicht mehr absteigt.

Was auch immer passiert, er hat keine Gedanken und Verlangen mehr, die ihn vollständig von der Kraft des Gebens trennen könnten, von „es gibt niemanden außer Ihm“ und von Dem, der gut ist und Gutes vollbringt“. Und das heißt, dass er sich in der „Gebärmutter“ – in seiner Umgebung -eingenistet hat.

Dies ist der komplizierteste Moment. Und die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg dieser Aktion ist, sich vor der Umgebung zu verneigen. Es steht geschrieben: „Der Hochmut des Menschen wird ihn erniedrigen“.

Frage: Was bedeutet es, sich selbst zu verneigen?

Meine Antwort: Verneigen bedeutet, sich selbst nicht im Weg zu stehen und zu versuchen, es zu hören, zu versuchen, so viel wie möglich von dem, was der Lehrer sagt, wahrzunehmen und die Freunde zu erheben. Sich selbst dafür zu öffnen, die Größe des Ziels von ihnen empfangen zu können. Dies beschleunigt sehr stark die spirituelle Entwicklung des Menschen.

Und wenn es ihm gelingt (und dies ist bei weitem nicht allen gegeben), scheint er quasi auf eine gerade Straße aufzufahren und verkürzt somit seinen Weg – er spart buchstäblich viele Jahre.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 25.03.2011

Die Brüder des Schöpfers

Buch Sohar, Kapitel „Mishpatim [Gesetze]“, Abschnitt 511: Der Schöpfer sprach: „Und du sollst ein heiliger Mensch zu Mir sein.“ Deswegen wurde Israel damit belohnt, „Brüder des Schöpfers“ genannt zu werden, wie es geschrieben steht: „Zum Wohle Meiner Brüder und Freunde.“

Wenn wir den Sohar lesen, versuchen wir alles so zu interpretieren, als würde es in einem Menschen passieren, der danach strebt, sich mit der Umgebung zu verbinden und die Eigenschaft des Gebens in seiner Verbindung mit ihr zu finden. Nur unter der Bedingung, dass er durch das Umfeld die Eigenschaft des Gebens enthüllen kann, von ihm ausgehend in Richtung der anderen, wird das stattfinden und wird das Bild des Schöpfers genannt, welches ein Mensch enthüllt.

Dann wird ein Mensch „Israel“ genannt, und die enthüllte Eigenschaft des Gebens, die von ihm zu den anderen ausströmt, wird „Schöpfer“ genannt, das Bild, welches zwischen ihm und einem befreundeten menschlichen Wesen erschaffen wird (der „Schöpfer“, Bo-Reh, bedeutet „komm und sieh“)

Aus dem zweiten Teil der täglichen Kabbala Lektion vom 16.05.2011, Der Sohar

Wie können wir den Schöpfer rechtfertigen?

Frage: Die Wissenschaft der Kabbala lehrt uns, dass es „niemanden außer Ihm gibt“ und dass der Schöpfer gut und vollkommen ist. Wenn aber ein Mensch, der das enthüllt hat, Zeuge eines Mordes wird, wie soll er sich dem gegenüber verhalten?

Meine Antwort: Wenn wir Böses in unserer Welt sehen, stellen wir uns die Frage: „Wie kann es sein, dass der Schöpfer gut und vollkommen ist und Gutes vollbringt?“

Alles, wovon die Wissenschaft der Kabbala spricht, bezieht sich auf die Zustände oberhalb des „Machsom“ (der Grenze zwischen der materiellen und der spirituellen Welt). Allein auf diesen Stufen regiert das Gute. Wenn du die Eigenschaft des Gebens erlangst, beginnst du zu verstehen, dass die Welt schön und der Schöpfer gut ist.

Und unterhalb dieser Grenze wird der eine von dem anderen aufgefressen – sowohl im eigentlichen als auch im übertragenen Sinne. Hier können wir keine guten Taten erwarten – im Gegenteil: wir alle werden uns überall auf der Welt immer schlechter fühlen, weil uns das zwingt, unser Ego loszuwerden.

Wenn wir uns wohlfühlen würden, der Schöpfer gut zu uns und das Leben schön wäre, würden wir kleine Egoisten bleiben, die Kleinigkeiten genießen. Nur Leiden treiben unsere Entwicklung voran.

Doch wenn du die Grenze zwischen der materiellen und der spirituellen Welt überschritten hast, entwickelst du dich nach deinem Verlangen weiter, und du brauchst keine Probleme mehr, weil du die Kraft für deine Entwicklung selbst generierst.

Auszug aus der ersten Lektion des UNIDOS-Kongresses in Madrid, 04.06.2011


In Zeiten der Verbindung mit der Höheren Kraft

Frage: Was soll ich tun, wenn ich mich während des Sohar-Lesens nicht auf den Text konzentrieren kann und mich eine Vielzahl von fremden Gedanken überkommt, die nichts mit dem Sohar zu tun haben, weil es die Bilder von Ereignissen aus der Vergangenheit sind?

Meine Antwort: Bevor der Mensch sich an das Studium heranmacht, muss er versuchen, dem Studium eine höhere Bedeutung zu geben, als allen um sich herum stattfindenden Geschehnissen. Alles, was sich gestern oder heute ereignet hat oder noch morgen passiert – nichts davon hat eine Bedeutung im Vergleich zum Studium, denn jetzt verbinde ich mich mit der höheren Kraft, die mein gesamtes Leben ausrichtet, und ich fordere dies sogar aus egoistischem Verlangen, d.h. in materieller Hinsicht.

Darum macht es Sinn, sich jetzt auf das Lesen des Sohars zu konzentrieren und in der Verbindung mit der höheren Kraft zu bleiben, weil ich davon abhängig bin. Dies ist eine übliche, äußere Herangehensweise, und dennoch…

Und wenn in mir während des Studiums alle möglichen fremden Gedanken aufkommen, dann sind es die Hindernisse, die mit unserem unkorrigierten Ego zu tun haben. Es sind Hindernisse auf dem Weg, an denen ich arbeiten muss.

Dabei interessiert mich die Sohar-Erzählung nicht. Vor allem muss ich mich darauf einstellen, dass alles Geschriebene in meinem Inneren stattfindet. Selbst wenn ich kein einziges Wort verstehe, ist das unwichtig. Ich muss mich bemühen, alles in mir zu erkennen. Das Wichtigste ist, die im Sohar vorhandenen äußeren Bilder, in meinem Inneren zu erkennen. Somit ist wichtig, dass ich von der äußeren Bertachtung zur inneren Betrachtung übergehe und auf diese Weise das defekte Wahrnehmungsvermögen korrigiere.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht vom 24.05.2001

Das höhere Programm wartet auf dein Mitwirken

Frage: Wenn der Schöpfer ein Programm unserer Entwicklung hat, wozu sollen wir uns einmischen und versuchen, es zu umgehen?

Meine Antwort: Es gibt ein natürliches Entwicklungsprogramm, genannt „Natur“. In der Natur gibt es einen Motor, der rotiert und die ganze Entwicklung vorantreibt, wir leisten ihm Gehorsam und schreiten so bereits jahrhunderte- und jahrtausendelang voran, auf diese Weise entwickeln wir uns. So geschah es im Laufe der gesamten menschlichen Existenz auf dieser Erde.

Doch im gleichen Programm steht ebenfalls, dass der Mensch sich allmählich bis zu einem solchen Zustand entwickeln soll, in dem er selbst an dessen Arbeit mitwirken kann. Die Kraft, die in der Natur enthalten ist, beeinflusst ständig das Verlangen und entwickelt es. Und in diesem Verlangen entwickelt sie ebenfalls einen Punkt, der aus der Wurzel der Seele hervorgeht.

Und in einem bestimmten Moment beginnt in uns außer dem Verlangen zu genießen auch noch dieser Punkt lauter zu werden. Es kommt die Zeit, in der er beginnt, sich bemerkbar zu machen und von dem Menschen zu verlangen, ihn zu realisieren.

Die Realisierung dieses Punktes verläuft über dem Verlangen, und aus diesem Grund nimmt der Mensch eine gewisse Spaltung in sich wahr und findet sich vor der Wahl wieder: entweder seinem Ego – einem einfachen irdischen Verlangen: Essen, Sex, Familie, Geld, Macht, Wissen – zu folgen oder diesen spirituellen Punkt zu entwickeln und herauszufinden: wer bin ich, wo komme ich her, wo ist die höhere Kraft, wozu lebe ich und was ist der Sinn des Lebens?

Der Punkt im Herzen beginnt, all diese Fragen zu stellen, und versetzt den Menschen in große Verwirrung. Und dann kommt er auf irgendeine Weise zu der Wissenschaft der Kabbala – ebenfalls entsprechend dem Programm! Es gibt im Leben keine Zufälle, alles, was in dieser Welt geschieht, steigt aus der höheren Welt zu uns herab. Und ob du den zweiten Weg gehst oder nicht, ob du alle Möglichkeiten erhältst, um ihn zu realisieren, ist ebenfalls vom Schöpfungsprogramm vorherbestimmt.

Du studierst jetzt nicht, weil du diese Wahl selbst getroffen hast. Es gab einfach Kräfte, die auf dich eingewirkt und dir zu verstehen gegeben haben, dass es sich lohnt, dies zu tun. Deine Freiheit beginnt erst dort, wo du direkt vor der Wahl stehst, dich einer kabbalistischen Gruppe anzuschließen oder nicht, oder sogar noch tiefer im Inneren – ob du bereit bist, auf deinen Egoismus zu verzichten, um dich ihr anzuschließen, oder nicht.

Die Wahl liegt nur zwischen zwei Verlangen: dem Verlangen, das auf sich selbst gerichtet ist, oder dem Verlangen, das von mir weg und nach außen gerichtet ist. Hier triffst du wirklich eine Wahl. Das Verlangen, welches auf sich selbst gerichtet ist, wird als ACHaP, der untere Teil des Parzuf, bezeichnet. Das Verlangen, welches nach außen gerichtet ist, bezeichnet man als Galgalta we Ejnaim, den oberen Teil des Parzuf. Und in der Mitte befindet sich ein Gebiet, genannt Klipat Noga, wo du scheinbar Entscheidungen triffst.

Auch hier kommt die Frage auf, worauf deine Entscheidungen basieren und wie du von oben beeinflusst wirst, damit du dich so und nicht anders entscheidest.

Und in demselben Programm steht fest, dass wir Kabbala überall auf der Welt verbreiten müssen. Anderenfalls kommt die Welt nicht zur Korrektur, denn sie handelt nur entsprechend einem natürlichen Entwicklungsprogramm wie alle anderen Ebenen der Natur. Wir müssen alle diese Ebenen richtig benutzen: den Rest der Menschheit sowie die tierische, die pflanzliche und die unbelebte Natur – in Gedanken, in Handlungen, in der Absicht, um sie an uns anzuschließen und gemeinsam mit der ganzen Schöpfung von der Stufe dieser Welt zur Stufe der höheren Welt aufzusteigen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Zusammenfassende Einführung (Pticha kolelet)“, 27.05.2011

Ein Mensch, eine Seele, eine Schöpfung

Frage: Erzählt der Sohar über unsere gemeinsame Seele oder über einzelne Seelen?

Meine Antwort: Der Sohar erzählt über die Seele eines einzelnen Menschen. Denn in der gesamten Realität gibt es nichts anderes: einen Menschen, eine Seele, eine Schöpfung, Malchut – egal, wie man das nennt.

Und wenn wir glauben, dass es viele Menschen, viele Verlangen, einzeln und fremd, gibt, dann geht es aus dem Fehlen der richtigen Wahrnehmung der Realität hervor.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 15.05.2011

Unser vierstöckiges Zuhause

Wenn wir gerade mit dem Kabbala-Studium begonnen haben, glauben wir, dass es leicht verlaufen und uns ständig eine unglaubliche Begeisterung schenken wird, die der Mensch für gewöhnlich am Anfang empfindet.

Doch später kommt die Zeit, wenn man bereits in die Tiefe gehen muss, in die Tiefe des eigenen Egoismus, und dann werden wir mit unangenehmen Empfindungen konfrontiert.

Der Körper will das alles nicht besonders gern: morgens zum Unterricht aufstehen, studieren, auf Erholung verzichten, sich Gedanken machen, sich weit von der Spiritualität entfernt sehen, spüren, dass man keine Verbindung mit den anderen möchte und nicht an das Geben denkt, sondern nur das Empfangen versteht.

Auf diese Weise beginnen wir, die „Grube“ wahrzunehmen, die in unserem Herzen gegraben wird. Ferner hängt alles davon ab, inwieweit es uns gelingt, uns in das eigene Ego zu vertiefen – mit Hilfe der Umgebung, weil man es alleine unmöglich schaffen kann. Und selbst wenn es unangenehm ist und der Egoismus leidet, wird der Mensch dazu bereit sein, zu enthüllen, wie sehr er dem Geben entgegengesetzt ist, weil er keine einzige Eigenschaft davon besitzt. Und aus seiner Verzweiflung, aus diesen Abstiegen und dem Verlust der Begeisterung entsteht sein Vorankommen.

Das heißt, die Grundlage, auf der das spirituelle Gebäude aufgebaut wird, ist nicht gerade angenehm. Es ist ein leeres „Loch“, das im Herzen ausgegraben wurde, es ist ein Hineingraben in die „Erde“, in das eigene Verlangen, in die Dunkelheit, in die Erkenntnis des eigenen Egoismus und der Gegensätzlichkeit zum Geben. Und nur derjenige, der dazu in der Lage ist, das auszuhalten, und bereit ist, methodisch zu arbeiten, indem er die Umgebung für sich erschafft, die bereit ist, ihn zu unterstützen, wird Kraft erhalten und keine Angst haben, immer tiefer in sich hinein zu graben und auf diese Weise voranzukommen.

Dann wird er einen Grundstein legen, auf dem er sein Gebäude errichten kann, d.h. durch die Gruppe nach dem Licht verlangen, das zur Quelle zurückführt und dieses Gebäude errichtet. Je tiefer er hineingräbt, desto höher wird das Gebäude sein. Denn es steht geschrieben: „Der Schöpfer hat das Eine gegenüber dem Anderen erschaffen“

Wir beginnen mit einem „Nullzustand“ und steigen zunächst eine Stufe tiefer, anschließend können wir die gleiche Stufe höher steigen. Wir steigen zwei Stufen tiefer – und steigen genauso viele Stufen höher. Auf diese Weise laufen wir alle Stufen durch: 0-1-2-3-4 und erreichen das Ende der Korrektur, indem wir vier „Exile“ und vier „Erlösungen“ durchlaufen.

Heute haben wir den letzten Zustand des Exils erreicht, deshalb haben wir die letzte, endgültige Erlösung vor uns.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 13.05.2011