Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Allgemeiner Charakter der Wissenschaft Kabbala

Jegliches Verständnis (Erfassung durch den Verstand) hat zwei Komponenten. Die erste ist das Begreifen der Materie, d.h. die Natur der Körper in der existierenden Wirklichkeit. Und die zweite ist das Begreifen der von den Körpern gelösten Form, d.h. der Form des Verstandes und des Verständnisses selbst. Die erste Komponente stellt die Erkenntnis der Materie dar, welche eine forschende ist und als Physik bezeichnet wird. Die zweite Komponente stellt die Erkenntnis der Form dar, welche eine forschende ist und als Theorie der Logik bezeichnet wird.

Die Erkenntnis der Materie unterteilt sich in vier Teile

In der Erkenntnis der Materie kann man sich manchmal auf die Forschung dessen beschränken, was sich über der Natur befindet und als Wissenschaft von dem, was sich hinter den Schranken der Natur befindet, bezeichnet wird. Gemäß dem, was der hohen Vernunft bekannt ist, hebt man darin vier Teile hervor:

  • 1. Eine Erkenntnis der Materie, die zu dem Teil gehört, der als Naturwissenschaft bezeichnet wird und einen empirischen Charakter hat.
  • 2. Eine Erkenntnis der Materie, die zu dem Teil gehört, der als Naturwissenschaft bezeichnet wird, und die Wissenschaft davon darstellt, was sich hinter den Schranken der Natur befindet.
  • 3. Eine Erkenntnis der Materie, die zu dem Teil gehört, der als primär bezeichnet wird, und einen empirischen und praktischen Charakter hat.
  • 4. Eine Erkenntnis der Materie, die zu dem Teil gehört, der als primär bezeichnet wird, und eine Wissenschaft von dem darstellt, was sich hinter den Schranken der Natur befindet.

Erkenntnis der Form

Die Erkenntnis der Form stellt die Erkenntnis des Schöpfers dar. Und die Erkenntnis der Materie stellt die Erkenntnis der Stufen dar, welche als Welten und Parzufim bezeichnet werden. Und das hat immer empirischen Charakter.

Höchstes Prinzip: Eins, Einzig, Einheitlich

Eins: es ist selbstverständlich, dass der Schöpfer Eins ist. Er schließt die ganze Wirklichkeit und alle Zeiten in sich ein: die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft- weil Einer nicht geben kann, was es in Ihm selbst nicht gibt. Und wenn die ganze Wirklichkeit und die Existenz der Wirklichkeit nicht in Ihn eingeschlossen wären, so könnten sie nicht aus Ihm resultieren und von Ihm ausgehen. Und das ist jedem Forscher offensichtlich, trotz aller Ungereimtheiten, die wir in der Existenz der Wirklichkeit finden. Und wisse, dass dies eine Erforschung ist, welche die Kabbalisten als Eins bezeichneten. Den Beginn für diese Erforschung machte Abraham. Er gelangte zur Schlussfolgerung (dies ist im Buch Sefer Jezira erläutert, und daher rechnet man das Abraham zu), dass keine zwei Mächte existieren, eine Macht des Guten und eine Macht des Bösen, sondern alles einzig durch das Gute gelenkt wird.

Einzig: verweist darauf, dass man in Einigung mit dem Schöpfer bleibt, sogar wenn man sich schlecht wird, und dieser Zustand verändert sich nicht- bei jeglichen Arten der Beziehungen des Schöpfers mit Seinen Geschöpfen. So kommt zum Beispiel ein Patient zum Arzt, damit dieser ihm den Holzsplitter herausziehen würde. Und sobald der Arzt ihn entfernt und dem Patienten Schmerz zufügt, bedeutet dies nicht, dass er sich verändert hat und nun zum Bösen handelt. Wie der Arzt und der Patient zuvor in guter Beziehung zueinander standen, so haben sie diese auch beibehalten, sogar während der schmerzvollen Behandlung. Dieser Zustand wird als Einzig bezeichnet.

Einheitlich: verweist darauf, dass das Wesen Seines Verhältnisses zu den Geschöpfen als Des Schöpfers nicht mehr als die Offenbarung eben dieser Seiner Einzigkeit ist, da sich in ihr die ganze Güte, die ganze Weisheit und die Verschmelzung wiederspiegeln.
 

Die Erkenntnis der Materie ist empirisch

Die Erkenntnis der Materie ist die Erkenntnis der Wechselbeziehungen in der ganzen existierenden Realität, der Formen ihrer Existenz und der Ordnung (Reihenfolge) des Abstiegs vom Ursprünglichen Plan bis zu dieser Welt, wie von oben nach unten als auch von unten nach oben. Und das Hauptprinzip der Erkenntnis davon ist die Erkenntnis von Ursache und Folge des Geschehenden, weil dies ein volles Bild der ganzen Wissenschaft gibt, ähnlich wie dies in den Naturwissenschaften und der Biologie geschieht.

Erkenntnis der Nutzung

Die Natur dieser Stufen ist so, dass der Erkennende im Moment deren Erreichens eine ungewöhnliche Güte und mit nichts vergleichbaren Genuss verspürt. Das geschieht einfach infolge seines Eintritts in den Willen des Schöpfers. Und der Schöpfer lenkt die Welt nicht anders als mithilfe zweier gleicher Kräfte, indem er durch den Genuss im Augenblick der Handlung anzieht, welche auszuführen eben dieser Genuss zwingt. Und wenn Er nicht will, dass etwas gemacht werden würde, so entfernt er dies durch Leiden, welche das Geschöpf bei der Ausführung der Handlung verspürt, und daher stellt es diese ein. Und dieses Gesetz wird gänzlich in allem Lebendigen eingehalten, und im Menschengeschlecht, gemäß seiner Bestimmung. Und daher verkompliziert sich seine Lenkung, indem sie sich stündlich und sekündlich verändert. Manchmal tritt dieses Gesetz zurück und stattdessen wirkt ein Gesetz, nach welchem die Gewohnheit zur zweiten Natur wird.

Die Natur der Stufen

Die Natur der Stufen für den Erkennenden ist genauso wie die Natur alles Lebendigen. Mit anderen Worten wird das Gesetz des Erhalts von Belohnung und Strafe unentwegt eingehalten und kann nicht gebrochen werden. Und sogar die Gewohnheit wird es nicht verändern.

Zwei Teile in den Erforschungen der Materie

In den Erforschungen der Materie unterscheidet man zwei Teile: den ersten- die Wirklichkeit; den zweiten- deren Existenz, Quantität und Qualität, welche die Existenz der Stufen garantieren, und die Methode deren Erkennens: durch wen und mithilfe von was.

Dementsprechend empfindet man große Bitterkeit in den Zuständen zwischen den Stufen, sodass die Erkennenden sich schmerzhaft an ihnen stechen. Und das ist so eingerichtet, damit sie nicht an ihnen stehen bleiben würden, wie dies bei einfachen Tieren geschieht. Doch manchmal kommt es vor, dass die Erkennenden zurückkehren, indem sie sich an die Genüsse erinnern, die sich dort befinden.

Klipa: es gibt keine Rückkehr ins Spirituelle

Doch wenn man zurückkehrt, ist dies bereits eine andere Stufe, die im Bezug auf die erste Stufe als egoistisch bezeichnet wird (Klipa).

Zwei Teile in der Erkenntnis der Nutzung

In der Erkenntnis der Nutzung existieren zwei Teile. Der erste ist das Spirituelle, der zweite- die Klipa. Manchmal kehren Kabbalisten kraft irgendeiner Notwendigkeit dorthin zurück, wo sich größere Genüsse befinden, um eine bestimmte Handlung auszuführen. Doch sie treten unverzüglich daraus aus und kehren an ihren Platz zurück, und die Rückkehr ist eine spirituelle Handlung. Doch in der Mehrheit der Fälle kehren dorthin nur diejenigen zurück, die sich erschrocken haben und über einen schwachen Wunsch verfügen, die versuchen, die Überwindung des für sie bitteren Weges zwischen den Stufen zu vermeiden. Und sie bleiben dort stecken, da sie sich nicht auf die Höhe des ersehnten Gipfels erheben können. 

Mittel der Einflussnahme durch Namen

Das Mittel der Einflussnahme durch Namen besteht in der Anziehung eines großen Genusses, wenn diese innere Kraft auch in seinen Freund weitergeleitet werden kann, der sich dadurch inspiriert, und {er} ihn auf diese Weise heilen oder seinem Willen unterwerfen kann.

2. Nutzung der Kabbala zu pragmatischen Zwecken

Schaden an jeglicher Übertreibung (Anhäufung)

Das, was vom Schöpfer erwünscht ist, regt das Geschöpf zu Handlungen an, durch das Licht des Genusses, welches im Erwünschten enthalten ist. Und dem Ausführen von etwas, was der Schöpfer nicht wünscht, wird durch das Licht der Leiden vorgebeugt, welches im Unerwünschten enthalten ist Und an jeder Übertreibung gibt es Schaden. „ Der seinen Besitz mehrt, vermehrt Sorgen“. Denn es gibt eine Grenze für jeden Wunsch des Schöpfers, der eine Ausführung von einer Menge an Handlungen bei dem Aufstieg auf den Stufen der Entwicklung wünscht. Und wenn es für jeden Genuss keine Grenze gäbe, so wäre das Geschöpf in der Ausführung einer einzigen Handlung im Laufe seines ganzen Lebens eingesunken, und würde nicht weiter aufsteigen. Und daher beschränkte dies die Höhere Lenkung durch Leiden, die das Resultat eines jeden übermäßigen Genusses sind. 

Belohnung auf der tierischen und der menschlichen Stufen

Es gibt einen nahestehenden Genuss, in dem es keinen Begriff von Hoffnung gibt, da er in nächster Zeit erreicht werden wird, und es gibt einen zwar fernen, doch „erwarteten“ Genuss, den man später zu erreichen erhofft. Der erste wird als eine sinnliche Belohnung, und der zweite- als eine Belohnung im Verstand bezeichnet. Der erstere eignet sich für jedes Tier, dessen Erhalt ist garantiert und von Ausfällen (Störungen) sicher. Der zweite eignet sich nur für den Menschen, der sich mit Erforschungen beschäftigt, und ist Pannen ausgesetzt. Denn da die Belohnung später eintritt, wird sie für den Einfluss von Störungen zugänglich, die deren Erhalt verhindern können. 

Kraft ist der Lohn durch die „Kraft der Motivation“

Die Belohnung im Verstand und die sinnliche Belohnung, welche die Belohnung auf der menschlichen Stufe und die Belohnung auf der tierischen Stufe darstellen, sind zwei Kräfte der Höheren Lenkung, mittels welcher alles Lebendige jene Funktion ausübt, die ihnen von der Höheren Lenkung auferlegt wurde.

Wahres Kriterium von Wissenschaftlern

Doch auch die Menschheit selbst unterteilt sich in eine Vielzahl an Stufen, da sie in der Empfindung der Entwickeltheit eines jeden Menschen gemessen wird, in dem Maße wie er sich von der tierischen Welt löst und sich der Stufe Mensch nähert. Ein unentwickelter Mensch kann nicht lange Zeit auf die Belohnung warten. Er wählt eine solche Arbeit, die sofort bezahlt wird, sogar wenn der Lohn kleiner sein wird. Ein entwickelter Mensch kann sich beherrschen und eine Arbeit wählen, deren Bezahlung höher ist, doch wesentlich später ausgezahlt wird. Ein wahres Kriterium von Wissenschaftlern hängt von der Stufe der Entwicklung des Pragmatismus in jedem ab, und derjenige, der den Moment des Erhalts der Belohnung hinauszuzögern vermag, kann einen höheren Lohn erreichen.  

Was die Entwicklung ist

Dementsprechend kann man sehen, wie eine große Zahl an denjenigen, die ihre Bildung abgeschlossen haben, die Genuss und eine gebührende Belohnung für ihre Mühen hätten bekommen können, das Studium abbrechen, auf den Markt gehen und ihre Kenntnisse an Massen verlaufen, wobei sie Belohnung erhalten. Doch die wenigen, die sich zurückhalten können, fahren damit fort, sich im Studium zu perfektionieren, jeder gemäß der Entwicklung seiner Fähigkeiten, weil sie eine größere Belohnung erhalten wollen, zum Beispiel, zu den Großen oder zu den Mächtigen der Welt zu werden. Und natürlich beneiden bei Ablauf einer Zeit ihre Kameraden sie nicht wenig.  

Kraft des Ziels

Ein Kriterium der Entwicklung der Generationen besteht in der Kraft der Zurückhaltung, die es erlaubt, den Moment des Erhalts der Belohnung hinauszuzögern und eine höhere Bezahlung zu wählen. In solchen Generationen mehrten Sich Schöpfer (Erfinder) sowie solche, die große Errungenschaften zu verzeichnen haben. In unserer Generation existiert aber die größte Anzahl an solchen, die über ähnliche Eigenschaften verfügen, weil ihre Empfindungen in höchstem Maße zur Seite der Zurückhaltung entwickelt sind, sowohl hinsichtlich der Ausdauer als auch hinsichtlich der Stärke der Bemühung.

Zurückführende Kraft oder die „Kraft der Motivation“

Nichts Lebendiges führt auch nur irgendeine Bewegung aus, die nicht auf den Erhalt der Belohnung ausgerichtet wäre. Diese Bewegkraft wird als die Kraft des Ziels bezeichnet, und die Stufen unterscheiden sich voneinander nur durch die Empfindung der Belohnung, d.h. durch die Stufe der Entwicklung. Derjenige, der entwickelter ist, ist empfindlicher, und daher ist ihm die Kraft des Ziels in höchstem Maße eigen, sodass er seine Bemühungen maximal vermehren kann.  

Und das zweite ist, wie bereits oben gesagt wurde, die Kraft der Erwartung der Zeit des Empfanges einer Belohnung. Die Kraft der Motivation wird durch zwei Parameter bestimmt. Erstens- die Empfindung der Größe des Ziels. Diese Empfindung bestimmt die Größe des Lohns, wenn einer, der empfindlicher ist, eine höhere Belohnung und eine größere Motivationskraft erhält. Und auch die Kraft der Erwartung im Verlauf einer längeren Zeitperiode, wenn sogar zum Empfang einer höheren Bezahlung ein entwickelter Körper von Nöten ist, der über die Empfindung von Entferntheit verfügt. Und die ganze zyklische Entwicklung der Menschheit stellt nichts anderes als diese zwei erwähnten Empfindungen dar: die Empfindung der Größe des Ziels, und die Empfindung der Entferntheit- mit deren Hilfe sich das Niveau der Wissenschaft hebt, indem es entlang der Stufen zum höchsten Punkt emporsteigt.

Pragmatische Nutzung der Wissenschaft Kabbala

Die erwähnten Empfindungen beherrschen hauptsächlich diejenigen Erkennenden, für welche die Genüsse einer jeden Stufe unheimlich groß sind, und die Belohnung daher immer nahe ist.

Kraft des Genusses und Kraft des Verstandes

Außerdem unterscheidet man noch die innere Kraft, und das Wissen, was ein und das Selbe ist. Doch hinsichtlich des Empfängers, der aus Körper und Verstand besteht, werden sie als zwei Kräfte empfunden: im Körper- der Geist der Ruhe, und im Gehirn- ein großer Verstand. Und der Körper muss seinen Geist verlieren, wenn er sich zum Empfang des Wissens erhebt.

Wesen des Geheimen und seine Teile

Zu unserer Zeit hat sich eine Vielzahl an Belesenen angehäuft, die Bemühungen unternehmen, um ihren Beschäftigungen mit der Kabbala die Gestalt einer experimentellen wissenschaftlichen Forschung zu verleihen, und die diesem Thema viel nachdenken widmen. Dennoch fanden sie dafür noch keine ansehnliche wissenschaftliche Basis, auf die man sich stützen und der man Aufmerksamkeit schenken sollte. Und das, weil es ihnen an Kenntnissen über die Quelle dieser Mysterien fehlt, welche zu erreichen der menschliche Verstand nicht in der Lage ist.

Das Problem besteht in der Unkenntnis der Massen, die unfähig sind, auch nur ein wenig bei solchen Dingen Durchblick zu gewinnen. Sie vermischen zu Einem unterschiedliche Arten des Geheimen.

In der Wissenschaft der Kabbala gibt es drei Teile, welche die Erkenntnis der Materie, die Erkenntnis der Form und die Erkenntnis der Nutzung darstellen. Im dritten Teil, welcher als die Erkenntnis der Nutzung bezeichnet wird, führen diejenigen, die sich der Kabbala widmen, die zu ihr pragmatisch eingestellt sind, Handlungen aus, die nicht der Natur entsprechen, wenn sie zurückkehren, auf jene ersten Stufen, wo sich viele Genüsse befinden, wodurch sie die ihnen nötige Energie deutlich vergrößern. Ähnliches kann man bei primitiven Menschen beobachten, wenn einer, der über einen starken Wunsch verfügt, denjenigen unterdrückt, dessen Wunsch schwächer ist als bei ihm, und ihn dazu zwingt, entgegen seinem Wunsch zu handeln. Und der fügt sich dem, was der Besitzer eines stärkeren Wunsches will, ohne nachzudenken und ohne zu verstehen, entgegen seinem Eigennutz.

Auf die gleiche Wiese können auch die Erkennenden, wenn sie Anstrengungen zur Erreichung von Stufen unternehmen, die eine riesige Energie und innere Kraft fordern, zu einem gewissen Grad ihre Freunde beeinflussen. Denn die Natur des Spirituellen gleicht der Natur von Fischen im Meer, wenn der Größere den Kleineren verschlingt, wenn er auf ihn konzentriert ist. Und hier wirkt allein der Gedanke. Genauer gesagt, nicht der Gedanke, sondern der Wunsch und die innere Kraft, weil ein Gedanke sogar den Denkenden selbst nicht in Bewegung versetzen kann, und wie wird er dann seinen Freund zur Tat anregen können? Doch der Wunsch nimmt das Profil des Gedankens des Besitzers eines stärkeren Wunsches an und wirkt auf denjenigen ein, dessen Wunsch verglichen mit ihm kleiner ist. Die Psychologen bezeichnen dies als die „Kraft des Gedankens“, doch das ist ein Fehler, da es der Wunsch, und kein Gedanke ist.

Diese wirkende Kraft ist so stark, dass sie fähig ist, im Freund solch markante Bilder hervorzurufen, als würde er sie selbst in seinem Gehirn zeichnen. Und was die Kontrolle angeht, so ist sie unvergleichbar höher als über den Gestalten, die er selbst kreiert. Denn zu seiner Vorstellungskraft verhält er sich kritisch, und wenn er sie zurückweist, so wird sie geschwächt und kann überhaupt nicht funktionieren. Wenn er dagegen vom Freund einen Eindruck erhält, befindet er sich im Zustand von Anarchie und die Maschine, die als das Gehirn bezeichnet wird, ist vollkommen untätig. In diesem Fall hat er niemals eine kritische Einstellung, und dasjenige imaginäre Bild, welches er vom Freund empfing, wirkt in ihm frei von jeglicher Kritik, als wäre das lange da und vollkommen abgestimmt, wie eine Art altertümlichen Wissens.

Außerdem kann er die innere Kraft seines Freundes so sehr in sich aufsaugen, dass er in einem gewissen Maße empfinden wird, was der Andere fühlt, sogar die Bilder, die in seinem Gedächtnis abgedruckt sind; er wird mit ihnen in Kontakt treten, aus ihnen das Gewünschte ausgliedern und dem Freund vermitteln können. Und er verneint die Existenz Höherer Kräfte, da sie zwar nur Fäulnis bekommen, sie aber dennoch bei ihr bleiben und dies ständig nutzen, indem sie die ihnen notwendige Energie mehr vermehren, als mithilfe wahrer Kabbalisten.

Drei Komponenten der Verhüllung der Wissenschaft

Es gibt drei Komponenten der Verhüllung der Wissenschaft Kabbala: die erste ist- keine Notwenigkeit; die zweite- Unmöglichkeit; dritte- zu einer Verhüllung verpflichtet der Respekt vor dem Schöpfer. Und gehen wir auf jede Einzelne von ihnen genau ein.

Erste Komponente- keine Notwendigkeit

Natürlich meint dieser Teil keinerlei Mangelhaftigkeit. Die Rede ist nur von de Reinheit des Wissens, weil nachlässiger Umgang mehr zerstört als die Zerstörer selbst. Denn die in der Welt existierenden leeren Menschen sind Menschen mit einem nachlässigen Umgang. Mit anderen Worten lenken sie sich mit unnötigen Dingen ab, und verkünden das, was dessen nicht bedarf. Und daher wird keiner als Schüler angenommen, bevor er nicht schwört, dass er sich von Zerstörern solcher Art fern halten wird- bis er eine entsprechende Korrektur erreicht.

Zweite Komponente- unmöglich

In diesem Teil ist ein Schwur natürlich nicht von Nöten. Doch da man eine Enthüllung in der Sprache der Fehler vollziehen und dabei in den Augen der Massen gut aussehen kann, ist auch hier ein Schwur- die entsprechende Korrektur- notwendig.

Dritte Komponente- zu einer Verhüllung verpflichtet der Respekt vor dem Schöpfer

Dieser Teil ist am größten verhüllt, und viele fielen hier. Und wisse, das alle Zauberer, die irgendwann in der Welt existiert haben, und alle Wahrsagen nur aus Offenbarungen dieser Art abstammten. Und die Schüler, die diesen Anforderungen nicht entsprachen, gingen den fehlerhaften Weg und begannen, alle zu unterrichten, die ihnen den Weg kreuzten, ohne zu prüfen, ob sie dazu geeignet sind. So begann man, die Wissenschaft der Kabbala zur Erreichung von menschlichen Zielen zu nutzen- der Befriedigung der Leidenschaft und der Erreichung von Ehrungen. Und man schändete sie, indem man begann, sie auf dem Markt zu verkaufen, was als die pragmatische Kabbala bezeichnet wird. 

Publikationen vom Dr. M. Laitman. Basierend auf Werken vom Baal HaSulam.



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Eine Hommage an Baal HaSulam

Der Jahrestag von Baal HaSulam ist ein besonderer Tag des Gedenkens und der Dankbarkeit gegenüber einer besonderen und außergewöhnlich erhabenen Seele, die als Gesandter des Schöpfers in diese Welt herabgestiegen ist, um uns den Weg, den Eintritt in die höhere Welt zu eröffnen, damit wir dies bereits hier, noch in diesem Leben, erreichen können.

Baal HaSulam hat sehr viel dafür getan, eine Brücke zwischen unserem materiellen Gefäß und dem Spirituellen zu schlagen, die es uns ermöglicht, mit ihm und durch ihn mit dem Schöpfer in Verbindung zu treten. Er hat einen sehr langen und besonderen Weg beschritten, so wie einst Baal Shem Tov und Ari. Es steht nicht in unserer Macht, das einzuschätzen, was diese Seele vollbracht hat.

Letztendlich müssen wir dem Schöpfer dankbar sein, dass er uns eine solche Seele, eine so große Stütze, gesandt hat. Wenn wir aus den Büchern des Baal HaSulam lernen und uns mit seiner Hilfe dem Ziel nähern, müssen wir diesen außergewöhnlichen Menschen, dieses besondere Werkzeug, das eine Verbindung zwischen uns Unten und denen Oben herstellt, wertschätzen, ihm danken, ihn verehren und lieben.

Wir müssen stolz auf diese Ehre sein und noch mehr Verpflichtungen auf uns nehmen, um der Verbindung mit einer solchen Seele würdig zu sein. Wir sind nicht in der Lage, seinen Beitrag für uns und seine Kraft zu begreifen, aber dennoch müssen wir ihn lieben, so wie Kinder ihre Eltern lieben. So müssen auch wir uns dieser Seele nähern und uns an sie anhaften, die in unserer Zeit den Weg zum Schöpfer eröffnet hat. Ohne ihn hätten wir keinerlei Chance.

Es gab viele Kabbalisten, aber in unserer Zeit gibt es keine andere Methode, die es ermöglicht, den Schöpfer in der Praxis zu offenbaren und seine Partner und Helfer bei seiner Arbeit an der Schöpfung zu werden. Dank Baal HaSulam sind wir mit unseren kleinen Seelen in der Lage, zu seinem Aufstieg beizutragen und gemeinsam mit ihm auch zu unseren.

Wir wurden mit einem Eintritt in die höchste Welt gewürdigt, und die Entscheidung liegt in unseren Händen.
Noch vor zweihundert Jahren war es undenkbar, dass absolut weltliche Menschen wie wir, ohne jegliche Vorbereitung und Verbindung zur Tora, überhaupt eine Chance hätten, sich der Spiritualität anzunähern. Doch nun ist die Seele von Baal HaSulam gekommen und hat uns den Weg geebnet, und wir können diesen Tunnel nun allein dank unseres reinen Verlangens durchschreiten.
Das Wichtigste ist das Verlangen. Es spielt keine Rolle, dass ein Mensch im materiellen Sinne befleckt ist – in der Spiritualität wird dies nicht berücksichtigt. Wenn man auf die andere Seite des Schirms in die spirituelle Welt hinübergeht, sieht man den Menschen dort wie auf einem Röntgenbild: Man sieht weder Fleisch noch Fett – nur Knochen, also das Wesentliche. Und entsprechend dieser Essenz, entsprechend unserem Verlangen, werden wir in der Spiritualität aufgenommen.
Ich freue mich sehr, dass es um uns herum, in der Welt, bereits so viele Menschen gibt, die in ihrem inneren Wesen nach der Wahrheit streben und entsprechend ihrem Verlangen bereit sind, mit Hilfe der Methode von Baal HaSulam diesen Schritt zu machen und Vollkommenheit zu erlangen.
Der Schlüssel ist ganz einfach: Es ist unsere Verbindung. In dem Maße, in dem wir uns verbinden, kommen wir voran; wenn wir uns noch mehr verbinden, kommen wir noch weiter voran. Dieser Tunnel übt ständig Druck auf uns aus, presst uns zusammen und zwingt uns, uns immer mehr zu verbinden, bis wir so weit zusammenrücken, dass wir durch ein Nadelöhr passen.
Das Geheimnis des Erfolgs liegt allein in der Verbindung.

[233540]

Aus der Mahlzeit „Jahrestag von Baal HaSulam“

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Wie richtet man die Absicht aus?

Frage: Was ist eine Absicht?

Antwort: Die Absicht hilft dir, dich auf mich auszurichten, so kann ich stärker auf dich einwirken.

Wenn du mir zum Beispiel ein Geschenk bringst, wirst du von mir mehr empfangen, aber nicht, weil ich dir etwas schuldig bin, sondern weil du mehr von mir verlangen wirst! Dann wirst du mich besser hören, mich stärker als verpflichtend empfinden und mehr von mir wahrnehmen.

Wir befinden uns in einer Welt, in der wir beginnen können, miteinander in Kontakt zu treten, buchstäblich ausgehend von sehr primitiven, einfachen, egoistischen Beziehungen und sogar von noch weiter unten, auf der Stufe ganz gewöhnlicher zwischenmenschlicher Beziehungen. Diese werden bereits unser spirituelles Verhältnis zueinander beeinflussen und den Beginn einer spirituellen Wahrnehmung ermöglichen.

Unsere Welt ist auf erstaunliche Weise als Voraussetzung für spirituelle Aufstiege geschaffen. Wir können darin beginnen, uns völlig von Null an zu entwickeln, ohne zunächst in irgendeiner Weise mit der nächsten Welt verbunden zu sein.

Frage: Nehmen wir an, Sie nehmen einen gewöhnlichen kabbalistischen Text zur Hand. Was bedeutet Ihre Absicht, und wie wirkt sie?

Antwort: Ich lebe in diesem Text. Da ihr eine Verbindung zu mir habt, wird all das an euch weitergegeben.

Ich richte keine besonderen Absichten euch gegenüber aus, sondern vertiefe mich einfach in den Text. Ich befinde mich auf einer bestimmten Stufe, von der dieser Text spricht, und ihr empfangt aufgrund der Verbindung zu mir einen kleinen Teil davon.

Von eurer Seite besteht ein Bedürfnis, etwas von mir zu empfangen. Deshalb erhebt ihr eure Wünsche zu mir, während ich meinen Wunsch, das zu erfassen, wovon der Text spricht, noch höher erhebe – zu dem Kabbalisten, der ihn geschrieben hat.

[318682]

Aus dem Gespräch: „Bei mir klingelte das Telefon.Wie richtet man die Absicht aus?“ 28.10.23 

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Wovon hängt die Absicht ab?

Rabash, Artikel 1989/40 „Was bedeutet, jeden Tag werden sie wie neu in deinen Augen sein‘ in der Arbeit“

In Bezug auf den Vers „An diesem Tag gebietet dir der Schöpfer, dein Gott, diese Gesetze und Vorschriften zu befolgen und du sollst sie mit ganzem Herzen und ganzer Seele erfüllen und achten“ erklärten unsere Weisen aus (Rashi, dritter Abschnitt zu Tawo, in Jitro 13,10): „An jedem Tag werden sie für dich wie neu in deinen Augen sein, als hättest du sie heute am Berg Sinai empfangen, als ob dir gerade heute geboten worden wäre, sie zu befolgen.“

Was bedeutet „jeden Tag werden sie für dich wie neu sein“? Das Verlangen, zu empfangen, ist nicht neu. In derselben Form existiert es seit Anbeginn der Schöpfung und wird immer bestehen. „Sie werden in deinen Augen wie neu sein“ bedeutet, dass sich die Erneuerung nur auf die Absicht bezieht, zu geben.

In seiner Absicht befindet sich der Mensch immer mal im Aufstieg, mal im Abstieg und durchläuft fortwährend verschiedene Klärungen. Gerade anhand der Absicht beurteilen wir den Menschen.

Ursprünglich hat der Mensch überhaupt keine Absicht. Er hat sich einfach daran gewöhnt, Handlungen auszuführen, zu denen er durch seine Erziehung angehalten wurde, sei es eine religiöse oder eine weltliche Erziehung. Das nennt man die Ausführung erlernter Handlungen oder das Verhalten eines entsprechend erzogenen Menschen.

Natürlich gibt es hier keine Absicht, sondern die Gewohnheit wird zur zweiten Natur, sowohl für diejenigen, die eine religiöse Erziehung erhalten haben, als auch für diejenigen, die eine weltliche Erziehung erhalten haben. Das hat nichts mit dem zu tun, was wir “Absicht” nennen, da darin noch nichts von dem enthalten ist, was wir “Mensch” nennen.

Man kann einen Menschen auf jede beliebige Weise erziehen und genau so wird er bleiben. Hier gibt es noch keinen Menschen. Als Mensch wird derjenige bezeichnet, der aus freier Wahl in sich das Bild des Adam formt, der dem Schöpfer ähnlich ist.

In diesem Prozess besteht zunächst die Absicht „um seiner selbst willen“ (Lo Lishma) und anschließend „um des Schöpfers willen“ (Lishma).

Zu „Lo Lishma“ gehören alle Anstrengungen des Menschen ab dem Moment, in dem er beginnt, an dem Punkt im Herzen zu arbeiten und eine gewisse Erweckung zur Annäherung an den Schöpfer erhält. Obwohl dies viele Jahre dauern kann – zehn oder fünfzehn Jahre, abhängig von der Anzahl und vor allem von der Qualität seiner Anstrengungen gilt: Wenn er nach all diesen Jahren, in denen er Aufstiege und Abstiege erlebt hat, sich einmal entfernt und sich ein anderes Mal annähert und verschiedene Zustände durchläuft, schließlich die richtige Absicht um des Schöpfers willen erlangt, dann werden all seine Anstrengungen während seiner Inkarnationen (er schafft es möglicherweise nicht, alles innerhalb einer einzigen Inkarnation zu vollenden) in die erworbene Absicht um des Gebens willen aufgenommen und für immer in seine Arbeit eingehen.

Alles andere, was er durch seine Erziehung erhalten hat, gehört nicht zur Stufe des Menschen und wird nicht berücksichtigt. 

So schreitet er in Bezug auf die Absicht voran, indem er ständig etwas hinzufügt, während er Abstiege und Aufstiege durchläuft.

[361460]

Aus einer Lektion zum Artikel von Rabash, 08.09.2026

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Nicht unterdrücken, sondern entwickeln

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen unserer Methode und der Methode von Yoga? Schließlich machen sie doch etwas Ähnliches?

Antwort: Wir entwickeln den Egoismus. Wir entwickeln ihn! Wenn wir von Einschränkungen sprechen, vom Erlangen der Kraft des Gebens, dann sprechen wir von der Entwicklung des Verlangens nach empfangen.

Entwicklung ist das, worüber bereits die Frage gestellt wurde: „Wenn ich, anstatt Genuss zu erlangen, mich selbst beruhigen möchte, nutze ich dann nicht ein noch größeres Verlangen nach empfangen?“ – Richtig. Es gibt ein Beispiel: Ein Narr leidet und weint vor Leid, während ein weiter entwickelter Mensch nach einem Heilmittel sucht.

Wir sehen das in unserem Leben. Der eine arbeitet von morgens bis abends hart, der andere kommt zur selben Arbeit, schaut zu, wie der erste arbeitet, und fragt sich: „Soll ich auch so von morgens bis abends arbeiten?“ und sucht nach einer Lösung für das Problem. Dann setzt er sich hin, trinkt Kaffee, raucht, während die Maschine die Arbeit für ihn erledigt. Der Wunsch zu empfangen fördert dies und aus dieser Entwicklung heraus gelangen wir zum Wunsch zu geben.

In verschiedenen anderen Methoden hingegen folgt alles aus der Unterdrückung des Verlangens zu empfangen, aus dessen immer geringerer Nutzung. In der Kabbala hingegen lehrt man, ihn immer stärker zu fördern. Du kannst mit deinen tierischen Eigenschaften tun, was du willst, aber nur das Licht, das zur Quelle zurückführt, wird dir helfen, aus diesem Zustand herauszukommen. Keine Einschränkung wird hier helfen. Tatsache ist: Je mehr du dich entwickelst, desto größere Wünsche werden dir jedes Mal gegeben.

[361441]

Aus einer Lektion zum Artikel von Rabash, 27.08.2026

 

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Die Wahl in der Beschleunigung der Zeit

Frage: Worin besteht die Wahl eines Menschen? Denn wenn sie aus dem Wunsch heraus entsteht, für sich selbst zu empfangen, wird es ihm dann nicht gelingen, eine Wahl zu treffen?

Antwort: Die Wahl des Menschen besteht nicht darin, etwas durchzurechnen und zwischen verschiedenen Optionen zu wählen, sondern darin, sich ständig dazu zu zwingen, die spirituelle Arbeit fortzusetzen. Nicht mehr als das. Du wählst keinen Weg. Du entscheidest, woher du noch Kraft für die Anstrengung nimmst, um dich noch ein wenig mehr anzutreiben, noch ein kleines Stückchen voranzukommen. Die Wahl liegt in der Beschleunigung der Zeit.

Welchen Weg kannst du wählen? Verstehst du denn etwas von den Korrekturen, kennst du deinen nächsten oder deinen gegenwärtigen Zustand? Wie soll man von einem zum anderen übergehen? Was wird dabei herauskommen? Natürlich tun wir das nicht selbst. Wenn wir versuchen, gerade ausgehend von unserem eigenen Verständnis voranzuschreiten, ist das einfach nur Unsinn.

Gestern war ein Professor bei mir – ein sehr kluger, scharfsinniger Mensch, ein herausragender Spezialist auf seinem Gebiet, einer der großen Chefs in einem großen Unternehmen, Projektleiter. Er sagt: „Ich muss sehen, ich muss verstehen …“ Das ist sehr schwer zu begreifen. Im Großen und Ganzen können wir theoretisch etwas sehen. Aber was uns selbst betrifft, unseren nächsten Zustand, sieht der Mensch niemals im Voraus. Das ist ja das Schwierigste – sich seines eigenen Bösen bewusst zu werden.

Wir können nur den Druck erhöhen, um voranzukommen und ein wenig von dem zu erkennen, was in der Vergangenheit war. Wirklich zu sehen ist im Moment unmöglich. Erst nach dem Machsom kann man die vergangene Stufe erkennen. Und solange man den Machsom noch nicht überschritten hat, hat man auch die erste Stufe noch nicht erreicht. Alles was wir gerade durchlaufen, ist nur eine Stufe unserer Welt.

[361354]

Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 27.08.2026

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Eine echte Chance, ein neues Leben zu beginnen

Die spirituelle Empfängnis ist das Gefühl, wie sich in mir Wünsche, Eigenschaften, Absichten, Verständnis und Vorstellungen verändern. Meine gesamte innere Welt wird auf den Kopf gestellt.

Zum ersten Mal in meinem Leben spüre ich, dass ich fähig bin, mich von meinen Interessen zu lösen und im Interesse anderer zu handeln, das heißt, mich von meinem „Ich“ zu trennen und das zu tun, was der Schöpfer will und was die Menschheit braucht.

Eine solche Bereitschaft im Menschen ist der Beginn der spirituellen Empfängnis. Ich befreie mich von der Herrschaft des egoistischen Verlangens, das mir diese Welt vorgaukelt, und wende mich dem altruistischen Verlangen zu; dabei fühle ich mich in der Welt des Schöpfers, in der Herrschaft der Gruppe. Das ist keine gewaltsame Versklavung, sondern mein Wunsch, mich hinzugeben, um mich von den Fesseln meines Egoismus zu befreien.

Ich bin noch nicht in der Lage, eine Handlung zum Wohle meines Nächsten auszuführen, aber ich spüre bereits, dass diese Möglichkeit tatsächlich existiert. Das heißt, ich befreie mich aus der Herrschaft des Egoismus und begebe mich unter die Herrschaft des Schöpfers.

Ich trete unter die Herrschaft der Kraft des Gebens, als würde ich von einem Raum in einen anderen wechseln. Im ersten Raum herrschte der Egoismus, den der Schöpfer dazu bestimmt hatte, mich zu lenken. Ich war ein Sklave des Egoismus, verpflichtet, all seine Forderungen zu erfüllen.

Nun bewege ich mich in einen anderen Raum, in dem der Wunsch nach Geben herrscht, und spüre diesen Übergang. Das nennt man spirituelle Geburt. Allmählich tritt an die Stelle des Egoismus in mir der Wunsch zum Geben und verändert meine Gedanken, Wünsche, Absichten und Handlungen.

Manchmal verschwindet dieser Wunsch zum Geben, kehrt dann aber wieder zurück. Ich möchte ihn mit aller Kraft festhalten, damit er mich nicht verlässt. Manchmal fange ich an,  mit ihm zu spielen, abwägend, was überwiegt: der Wunsch nach Genuss oder der Wunsch zum Geben, und diesen Übergang von einer Herrschaft zur anderen erforschend.

So tauche ich immer tiefer in den Zustand eines spirituellen Embryos ein. Dies dauert neun Monate der Schwangerschaft, bis der Mensch in der spirituellen Welt geboren wird.

[276780]

Aus dem Unterricht zum Thema „Ibur (Empfängnis)“

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Wechsel der Herrschaft

Wir stehen stets unter der Herrschaft des Schöpfers, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind und es nicht spüren. Das heißt, wir nehmen diese Tatsache weder mit dem Verstand noch mit dem Herzen wahr. Wir kommen in diese Welt beginnen zu wachsen, völlig versunken in unserem Egoismus, das heißt, versklavt von einer besonderen Kraft, die uns ein trügerisches Bild vorgaukelt, als gäbe es keine höhere Führung über uns und als würden wir selbst über die Welt bestimmen.

Ein Säugling wächst zum Kind heran, dann zum Erwachsenen. Der Mensch bleibt in der Vorstellung gefangen, dass Menschen wie er selbst über die Welt herrschen. Er glaubt, man müsse nur die anderen in diesem Kampf um Macht und Kontrolle besiegen.

Wenn wir jedoch den Schöpfer offenbaren wollen, müssen wir selbst auf unsere Macht verzichten, beschließen, dass wir nicht herrschen wollen, dass wir die Welt nicht beherrschen wollen und das wir dieses egoistische Streben in uns auslöschen wollen.

Dann stellen wir fest, dass auch der Egoismus nicht uns gehört, sondern einer höheren Kraft zuzuschreiben ist. Das ist eine Überraschung… Früher dachte ich, Egoismus sei ich selbst: Ich will herrschen und Entscheidungen treffen, alles dreht sich um dieses “Ich-Ich-Ich”!

Es stellt sich heraus, dass es nicht so ist. Wenn ich versuche, mich ein wenig aus dem Gefühl meines Ich zu lösen, erkenne ich, dass das nicht ich bin, sondern die höhere Kraft. Das entspricht nicht mehr ganz dem, was ich mir früher vorgestellt habe. Deshalb ändert sich meine Einstellung zu meinem Egoismus und zum Schöpfer. Ich muss anfangen, mich zwischen diesen beiden zu positionieren: auf der einen Seite die egoistische Kraft, die mich beherrschen will, und auf der anderen Seite die Kraft des Schöpfers.

Wenn ich mich mit Hilfe der Gruppe und des Studiums aufhebe, beginne ich mich immer stärker in die Zehnergruppe und in den Schöpfer einzuschließen. Diese beiden Kräfte sind dazu bestimmt, mir zu helfen, die Herrschaft der egoistischen Kraft durch die Herrschaft der Kraft des Gebens und der Liebe zu ersetzen.

Wir befinden uns in der „letzten Generation“. Deshalb müssen wir all diese Kräfte in der Welt erkennen und offenbaren und den Wechsel von der Herrschaft des Egoismus zur Herrschaft einer anderen, uns noch unbekannten Kraft vollziehen. Die gesamte Welt um uns herum verändert sich entsprechend unseren inneren Veränderungen – entsprechend dem, was wir bereits in uns korrigiert haben oder was wir gerade korrigieren.

Die Besonderheit der letzten Generation besteht darin, dass diese Veränderungen eine große Anzahl von Menschen gleichzeitig erfasst – die weltweite Gruppe von Bnei Baruch. Auch die Welt durchläuft ähnliche Prozesse, wenn auch auf einer niedrigeren Stufe. Es ist wie bei Eltern, die mit verschiedenen Problemen des Erwachsenenlebens beschäftigt sind – mit ihrer Arbeit, der Gesellschaft und ihren persönlichen Beziehungen. All das wirkt sich auch auf ihre Kinder aus und verändert ihre Welt und die Atmosphäre im Zuhause.

Deshalb durchläuft die letzte Generation alle qualitativen Veränderungen – jeder entsprechend seiner eigenen Stufe. Die Welt erlebt gewaltige Veränderungen. Selbst die Mittel der Massenmedien, die ursprünglich dazu bestimmt waren, Menschen miteinander zu verbinden, verwandeln sich zunehmend in Mittel der Trennung und Entfremdung.

All dies führt zu einer allgemeinen Erkenntnis des Bösen. Der Mensch beginnt zu erkennen, dass seine egoistische Natur ihn von seinen Mitmenschen und vom Schöpfer trennt. Diese Erkenntnis bringt ihn der spirituellen Geburt näher.

[276842]

Aus einer Lektion zum Thema „Ibur – spirituelle Empfängnis und Entwicklung“

 

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Die einzige freie Wahl

Kommentar: Wenn sich uns der Schöpfer offenbart, befinden wir uns sozusagen im Guten und sind in der Lage, Ihn zu rechtfertigen. Ist dies nicht der Fall, befinden wir uns in einem Zustand des Bösen und verfluchen den Schöpfer.  Was bedeutet „verfluchen“? Wir verfluchen den Zustand, in dem wir uns befinden.

Was hängt dann von uns ab? – Das Tempo unseres Voranschreitens. Auch die Richtung unseres Weges hängt von uns ab; letztlich zeigt sie sich darin, wie schnell wir voranschreiten. Es heißt: Der Schöpfer legt die Hand des Menschen auf das gute Schicksal und sagt: „Wähle es für dich.“ 

Nehmen wir an, einem Menschen wird die Möglichkeit gegeben, zum Studium der Weisheit der Kabbala zu kommen, doch er nimmt diese Möglichkeit nicht ernst. Er ist noch jung, vielleicht noch nicht verheiratet, und sagt sich: „Ich werde mich damit beschäftigen, wenn ich mindestens dreißig bin.“

Das heißt, der Mensch hat sich nicht in der Wahl gefestigt, die ihm der Schöpfer gegeben hat. So können mehrere Jahre vergehen. Das bedeutet, dass der Mensch das Tempo seines spirituellen Voranschreitens selbst bestimmt: Entweder stärkt er sich in der ihm eröffneten Richtung, oder er wählt eine andere.

Man könnte fragen: „Liegt das denn in seiner Macht, wo doch alles unter der Herrschaft des Schöpfers steht?“ Aber das kann man über alles sagen. Hier geht es jedoch darum, ob der Mensch die ihm gebotene Möglichkeit genutzt hat oder nicht.

Die Kabbalisten erklären – und das ist uns verborgen –, dass man sich in seinem Leben in einem Zustand scheinbarer Freiheit befindet. In Wahrheit gibt es nur einen Bereich, in dem eine freie Wahl besteht: Im Hinblick auf das Ziel der Schöpfung und die Verbindung mit dem Schöpfer. Die freie Wahl besteht nur darin, die Möglichkeit zu nutzen, sich mit dem Schöpfer zu verbinden. Der Schöpfer ruft den Menschen gewissermaßen zu: „Komm näher zu Mir.“ Wenn der Mensch darauf nicht antwortet, wenn er diese Möglichkeit nicht ergreift, dann ist auch das seine Wahl.

Alles andere – ob wir ein Eis essen oder Kaugummi kauen, Fußball schauen oder schlafen gehen – ist nicht der Ort unserer freien Wahl. Es spielt keine Rolle, wer wir sind: ein Verbrecher, ein Dieb oder ein angesehener und rechtschaffener Mensch. In all diesen Dingen bestimmen wir unser Leben nicht wirklich aus eigenem freien Willen.

Es gibt nur eine einzige freie Wahl: die Verbindung mit dem Schöpfer zu wollen oder sie nicht zu wollen.

[359387]

Aus einer Lektion zum Artikel von Rabash, 21.7.26

 



                                                 Diesen Beitrag drucken               

Das Wunder des Entstehens eines neuen Lebens

Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt – das sind die wesentlichen Elemente der Entwicklung. Selbst in diesen materiellen Vorgängen gibt es vieles, was uns unbekannt, verborgen und unserem Einfluss entzogen ist.
Es ist schwer, die Feinheiten dieses Vorgangs zu verstehen, geschweige denn ihn zu steuern und seinen inneren Beweggrund zu ergründen. Zweifellos gehört die Empfängnis zur Kraft des Schöpfers.
Die Geburt des menschlichen Körpers gehört zur tierischen Ebene, während die Geburt auf der menschlichen Ebene eine spirituelle Geburt ist. Es geht um den Menschen unserer Welt, in dem dank eigener Anstrengungen und durch den Schöpfer von oben gelenkter Prozesse eine höhere Kraft, ein höheres System, zu entstehen beginnt. Dadurch wird er fähig, sich Mensch, Adam, zu nennen, das heißt, dem Schöpfer ähnlich zu sein – jenem höchsten, sich in ihm entwickelnden System.
Wir fühlen, dass es ein Geheimnis gibt, wie sich aus einer einzigen Zelle plötzlich neues Leben zu entwickeln beginnt. Daran ist eine uns unbekannte Kraft beteiligt, die der Zelle den Anstoß zur Entwicklung gibt. Wir spüren dies auch im gewöhnlichen materiellen Leben und empfinden daher die Schwangerschaft und die Geburt eines Menschen als Wunder.
Und umso größer ist dieses Wunder im Spirituellen. Und das Schwierigste ist der erste Eintritt in die spirituelle Welt, das heißt in das Wahrnehmen der spirituellen Kräfte, die auf den Menschen einwirken. Er fühlt seine Seele, die sich aus einem Punkt heraus zu entwickeln beginnt, und verbindet sich mit den Kräften, die auf sie einwirken. Das ist der Beginn der Seele, die spirituelle Empfängnis aus einem Tropfen spirituellen Samens.
Es dauert viele Jahre, bis diese spirituelle Empfängnis erreicht ist und eine Verbindung zwischen der höheren Kraft und den Kräften des Menschen zustande kommt. Wenn dieser sinnliche Kontakt im Menschen zum ersten Mal stattfindet – seine erste Verbindung mit der höheren Kraft, dem Schöpfer –, verändert dies seine gesamte Weltanschauung grundlegend.
Er beginnt, sich selbst und den Schöpfer anders wahrzunehmen, nämlich als Partner, und begreift, dass er erst in dem Moment, in dem er zur vollständigen Selbstannulierung bereit ist, ein neues Leben beginnen kann. Seine gesamte Einstellung gegenüber dem Leben, sich selbst und dem Schöpfer verändert sich.
Zuvor ging alles von seinem natürlichen, egoistischen Verlangen aus. Doch nun fühlt er, dass er bereit ist, sich von seinem Egoismus zu lösen, dass er das dafür notwendige Verständnis und die Kraft besitzt und bereit ist, sich ein Dasein jenseits des Egoismus vorzustellen und im Sinne des Gebens zu handeln. Das heißt, er möchte für den Schöpfer handeln, ohne in diesem Moment einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen.
Diese Loslösung vom Verlangen nach Genuss ist einer der Bestandteile der Empfängnis und der anschließenden Geburt in der spirituellen Welt.
Alle Handlungen, die zur spirituellen Entstehung führen, kann der Mensch nur in der Gruppe vollziehen, indem er durch sie Kräfte von oben, vom Schöpfer, empfängt. Der Schöpfer befindet sich im Inneren der Gruppe. In dem Maße, in dem der Mensch bereit ist, sich ihr hinzugeben, erhält er Kräfte des Gebens, die ihm helfen, aus sich selbst einen Menschen zu formen. Andernfalls bleibt er ein toter Samen, der noch nicht begonnen hat, sich zu entwickeln.
Alle Kräfte für die Entwicklung kommen aus der Gruppe, aus dem Zehner. Deshalb kann man erst dann von spiritueller Entstehung sprechen, wenn man weiß, wie man einen Zehner bildet, sich zusammenschließt und sich in ihn einbringt.

[#276776]
Aus dem Unterricht zum Thema „Ibur (Empfängnis)“



                                                 Diesen Beitrag drucken