Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Entwicklung'

Das höhere Programm wartet auf dein Mitwirken

Frage: Wenn der Schöpfer ein Programm unserer Entwicklung hat, wozu sollen wir uns einmischen und versuchen, es zu umgehen?

Meine Antwort: Es gibt ein natürliches Entwicklungsprogramm, genannt „Natur“. In der Natur gibt es einen Motor, der rotiert und die ganze Entwicklung vorantreibt, wir leisten ihm Gehorsam und schreiten so bereits jahrhunderte- und jahrtausendelang voran, auf diese Weise entwickeln wir uns. So geschah es im Laufe der gesamten menschlichen Existenz auf dieser Erde.

Doch im gleichen Programm steht ebenfalls, dass der Mensch sich allmählich bis zu einem solchen Zustand entwickeln soll, in dem er selbst an dessen Arbeit mitwirken kann. Die Kraft, die in der Natur enthalten ist, beeinflusst ständig das Verlangen und entwickelt es. Und in diesem Verlangen entwickelt sie ebenfalls einen Punkt, der aus der Wurzel der Seele hervorgeht.

Und in einem bestimmten Moment beginnt in uns außer dem Verlangen zu genießen auch noch dieser Punkt lauter zu werden. Es kommt die Zeit, in der er beginnt, sich bemerkbar zu machen und von dem Menschen zu verlangen, ihn zu realisieren.

Die Realisierung dieses Punktes verläuft über dem Verlangen, und aus diesem Grund nimmt der Mensch eine gewisse Spaltung in sich wahr und findet sich vor der Wahl wieder: entweder seinem Ego – einem einfachen irdischen Verlangen: Essen, Sex, Familie, Geld, Macht, Wissen – zu folgen oder diesen spirituellen Punkt zu entwickeln und herauszufinden: wer bin ich, wo komme ich her, wo ist die höhere Kraft, wozu lebe ich und was ist der Sinn des Lebens?

Der Punkt im Herzen beginnt, all diese Fragen zu stellen, und versetzt den Menschen in große Verwirrung. Und dann kommt er auf irgendeine Weise zu der Wissenschaft der Kabbala – ebenfalls entsprechend dem Programm! Es gibt im Leben keine Zufälle, alles, was in dieser Welt geschieht, steigt aus der höheren Welt zu uns herab. Und ob du den zweiten Weg gehst oder nicht, ob du alle Möglichkeiten erhältst, um ihn zu realisieren, ist ebenfalls vom Schöpfungsprogramm vorherbestimmt.

Du studierst jetzt nicht, weil du diese Wahl selbst getroffen hast. Es gab einfach Kräfte, die auf dich eingewirkt und dir zu verstehen gegeben haben, dass es sich lohnt, dies zu tun. Deine Freiheit beginnt erst dort, wo du direkt vor der Wahl stehst, dich einer kabbalistischen Gruppe anzuschließen oder nicht, oder sogar noch tiefer im Inneren – ob du bereit bist, auf deinen Egoismus zu verzichten, um dich ihr anzuschließen, oder nicht.

Die Wahl liegt nur zwischen zwei Verlangen: dem Verlangen, das auf sich selbst gerichtet ist, oder dem Verlangen, das von mir weg und nach außen gerichtet ist. Hier triffst du wirklich eine Wahl. Das Verlangen, welches auf sich selbst gerichtet ist, wird als ACHaP, der untere Teil des Parzuf, bezeichnet. Das Verlangen, welches nach außen gerichtet ist, bezeichnet man als Galgalta we Ejnaim, den oberen Teil des Parzuf. Und in der Mitte befindet sich ein Gebiet, genannt Klipat Noga, wo du scheinbar Entscheidungen triffst.

Auch hier kommt die Frage auf, worauf deine Entscheidungen basieren und wie du von oben beeinflusst wirst, damit du dich so und nicht anders entscheidest.

Und in demselben Programm steht fest, dass wir Kabbala überall auf der Welt verbreiten müssen. Anderenfalls kommt die Welt nicht zur Korrektur, denn sie handelt nur entsprechend einem natürlichen Entwicklungsprogramm wie alle anderen Ebenen der Natur. Wir müssen alle diese Ebenen richtig benutzen: den Rest der Menschheit sowie die tierische, die pflanzliche und die unbelebte Natur – in Gedanken, in Handlungen, in der Absicht, um sie an uns anzuschließen und gemeinsam mit der ganzen Schöpfung von der Stufe dieser Welt zur Stufe der höheren Welt aufzusteigen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Zusammenfassende Einführung (Pticha kolelet)“, 27.05.2011

Das Mosaik der Weltschöpfung, in der du fehlst

Weltkongress „NOI“, Rom, Lektion 1

Das Ziel unserer Entwicklung – der allgemeinen Naturkraft gleich zu werden, jener großen und integralen Kraft, die auf alles Einfluss hat.

Diese Kraft umfasst alle Naturkräfte, die wir in unseren Wissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie, Zoologie, Botanik, Geologie, Astronomie entdecken. Alles gliedert sich in dieses einheitliche Gesetz ein.

Es ist ein integrales Gesetz, das wir als eine gütige gegenseitige Verbindung enthüllen, die alle Teile der Realität vereint, Teile, die untereinander durch gegenseitige Liebe und gegenseitiges Geben verbunden sind.

Und dieses ganze System ist integral, analog, und in ihr befindet sich alles in vollständiger Harmonie außer dem Menschen. Und in diesem System, wie in einer großen Sphäre, existiert ein Teil, der als der „Mensch“ oder die „Menschheit“ genannt wird, und welcher unvollkommen ist.

Es ist der wichtigste Teil, der am meisten entwickelt ist und gleichzeitig aber auch unentwickelt, denn er hat die ganze Natur bewusst zu füllen.

Die unbelebte, pflanzliche und tierische Natur existieren innerhalb dieses Systems instinktiv und erfüllen die Gesetze, da sie nicht darüber nachdenken, wie sie zu leben haben. In ihnen wirken die Naturkräfte, welche ihnen überhaupt keine Wahl lassen, überhaupt keine innere Freiheit. Diese Kräfte wickeln sie in alles ein, so dass sie die Befehle der Natur 100%ig befolgen.

Hingegen verfügt der Mensch über die Freiheit. Für ihn wird ein leeres Teil innerhalb des Systems freigehalten. Damit er diesen leeren Ort ausfüllen kann. Wie aus einem Stück Teig hat er aus sich eine Form zu kneten, die sich genau in das Naturmosaik einfügt, und sich mit allen ihren Teilen auf tausenderlei Art verbindet.

Dieses Mosaik ist nicht flach und auch nicht dreidimensional, sondern mehrkantig und überdimensional – auf psychologischen, psychosomatischen, spirituellen und materiellen Ebenen – in allen möglichen Verbindungen mit allen Formen der Natur. Wir entdecken in unseren Wissenschaften nur einen winzigen Teil aus dem ganzen System von Gesetzen der Sphäre. Und all dies haben wir zu lernen.

Auszug aus der Lektion 1 des Weltkongresses „NOI“ in Rom, 21.05.2011

Der Schüler wie der Lehrer

Baal HaSulam, 10. Brief: „Wenn ein Schüler ins Exil geht, wird sein Lehrer mit ihm verbannt.“ Aber wie können die egoistischen Ansprüche, die den Studenten bei seinem Studium überwältigen und so stark an ihm arbeiten, dass er vom spirituellen Weg abkommt – trotz seiner Verbindung mit dem authentischen Kabbalalehrer?

Das passiert alles aufgrund der Tatsache, dass der Schüler während es Abstiegs denkt, dass sich sein Lehrer auch im Abstieg befindet. Und es ist wirklich so, da er vom Lehrer nur in dem Maße Hilfe empfangen kann, wie er die Größe seines Lehrers bemisst.

Deswegen ist sein Lehrer in diesem Moment erniedrigt und schwach, so wie der Schüler ihn sieht – und das bedeutet, dass der Lehrer zusammen mit dem Schüler fällt. Das Ägyptische Exil beginnt mit „ein neuer König erhebt sich über Ägypten, der Josef nicht kennt“ – eine neue Kraft im Verstand von jedem, der von seiner vorherigen Stufe fällt (und sein Lehrer tut das mit ihm).

Deswegen, „kennen“ sie „Josef (den Gerechten)“ nicht und stellen ihn sich genauso wie sich selbst vor. Und das ist der Anfang des Bundes; denn der gerechte Mann würde sie ansonsten vor Sklaverei und Exil beschützen.

Dieser Abschnitt beschreibt keine historischen Vorgänge, sondern vielmehr einen Menschen, der seine „spirituelle Geschichte“ genau jetzt lebt. Seit dem Moment, in dem sein Herz beginnt, nach dem Sinn des Lebens zu suchen, wird er an einen Ort geführt, an dem er spirituell wachsen kann und den Sinn seines Lebens versteht, sein Geheimnis enthüllt, d.h. dass er eine kabbalistische Gruppe und einen Lehrer findet.

Und dann hängt alles davon ab, wie sehr er schätzt, was er empfängt: die Gruppe, kabbalistische Texte und den Lehrer. Und sein „Ägyptischer Bund“, das Exil, durch sein Ego enthüllt, beginnt mit der Ablehnung seines Lehrers.

Am Ende weist der Lehrer ihm den Weg. Wäre es nicht so, würde ein Mensch dieser Welt nie zur Wahrheit gelangen, die vor uns verborgen liegt; es gibt keine Möglichkeit, sie alleine herauszufinden. Alle Seelen werden entsprechend der Kette angeordnet: AHAP des Höheren steigt in GE des Unteren hinab, und nur durch das Anheften an die Ehemaligen können wir fortschreiten.

Deswegen beginnt das ägyptische Exil, wenn der Schüler seinen Lehrer abweist, was eine natürliche Entwicklung ist, die er durchleben muss. Zuerst merkt er gar nicht, was überhaupt passiert und dass er vom Weg abkommt. Er denkt, dass er alles richtig macht: Er entwickelt sich, versteht und fühlt immer mehr und kann seine eigenen Entscheidungen treffen und beurteilen, weiß, welche Schritte er tut.

Mit anderen Worten: Er hat eine Meinung über alles, was auf dem „einfachen Verstand“ basiert und „Logik“, während er vergisst, dass alles gut ist und gut nur in Bezug auf seinen persönlichen Egoismus und nicht in Bezug auf den „Lehrer, die Bücher und die Gruppe“ ist, wo man immer auf den Weg „Glaube über Verstand“ voranschreiten sollte.

Es heißt, dass sie Josef nicht länger fühlten (den inneren Gerechten), d.h. dass ein Mensch nicht länger den Punkt in seinem Herzen wahrnimmt, welcher vorher in ihm mit Entwicklung verknüpft war, dem spirituellen Weg und dem Geben in einem bestimmten Grad. Und er durchtrennt die Seile mit spirituellem Voranschreiten vollständig, da er nichts zum Anlehnen hat, wenn der Lehrer, der seinen Weg bestimmte, weg ist.

Ein Mensch denkt, dass er sich weiter entwickelt, während ihn diese Entwicklung nur tiefer in den Bund treibt, den er noch entdecken wird. Es gibt nichts, was wir tun können; es sind alles notwendige Stufen, die man durchleben muss.

Aus dem ersten Teil der täglichen Kabbala Lektion vom 20.04.2011, Baal HaSulams Brief 10

Lasst keine Stufen aus, ihr werdet sie noch brauchen

Frage: Wozu sind alle diese Jahrtausende, Kreisläufe und Leiden nötig gewesen? Das Wichtigste geschieht doch jetzt.

Meine Antwort: Das Verlangen zu genießen muss diese ganzen Etappen durchlaufen und in jeder dieser Etappen, selbst in der kleinsten, eine Entscheidung für sich treffen, dass dieser Zustand miserabel ist und dass man den Weg fortsetzen, noch ein Gramm Verlangen hinzufügen und einen Millimeter höher zu einer neuen Eigenschaft aufsteigen muss.

Auf der neuen Stufe angekommen, erscheint alles wunderbar, doch einige Augenblicke später fehlt bereits etwas, etwas stimmt nicht. Und wieder wird das Böse enthüllt – bis hin zu einem Punkt, an dem es einfach nicht mehr weiter geht. Anfangs schien alles so schön zu sein, und nun ist es nicht auszuhalten, und man ist gezwungen, zur nächsten Stufe aufzusteigen.

Auf diese Weise überwinden wir eine Unmenge an Stufen, wobei wir am Anfang gerührt sind und uns zum Schluss vor Schmerz krümmen. Ohne diese Eindrücke nehme ich keinen Kontrast zwischen Licht und Finsternis wahr, ich habe kein Gefäß, das aus diesen beiden gegensätzlichen Details der Wahrnehmung aufgebaut ist. Und ohne das Gefäß werde ich nichts haben, womit ich letztendlich nach dem Licht der Unendlichkeit verlangen kann.

Aus diesem Grund muss ich diesen ganzen Weg, viele Tausende von Stufen durchlaufen und die ganze Schönheit und Unerträglichkeit jeder von ihnen erfassen. Auf diese Weise nähern wir uns der letzten Stufe an, und selbst hier, im Geben und in der Liebe, steigen wir ab, ähnlich Rabbi Schimon, der zu einem „Markthändler“ werden musste, bevor er das Ende seiner Korrektur erreicht hat.

Was ist das für ein Zustand? Wohin ist er abgestiegen? Auf der vorletzten 124. Stufe musste er feststellen, dass sie die schlimmste von allen ist – wie „Schimon vom Markt“. Und dann, nachdem er sie mit der nächsten Stufe verglichen hat, ist er zur Vollkommenheit aufgestiegen.

Je höher du aufsteigst, desto schlimmer kommt dir die Stufe vor, von der du zur nächsten übergehen musst, und zwar dermaßen schlimm, dass du nicht in der Lage bist, sie auszuhalten.

Letztendlich, wenn du alle positiven und negativen Eindrücke gesammelt hast, bringst du sie hoch. Das Negative wird zur Tiefe deines Gefäßes und das Positive zu deiner Reaktion auf das Geben, und du erhältst ein ganzheitliches Gefäß.

Wir hoffen auf einen gewissen „Sprung“, doch es gibt keine Sprünge. Ein Kind, was erst ein Jahr alt ist, kann nicht gleich ins Alter von fünf Jahren überspringen. Kann es etwa auf eine langsame, schrittweise Entwicklung verzichten? Diese verlorenen Jahre würden ihm später sein ganzes Leben lang fehlen. Seine Wahrnehmung wäre in allen Bereichen mangelhaft. Die Vorbereitung des Gefäßes ist notwendig, und daran führt kein Weg vorbei.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit des Willens“, 13.05.2011

Der Lohn für meine Arbeit

Wenn ich den Funken des Gebens – die Kraft, die in der Lage ist, meinem Egoismus entgegenzuwirken – in mir entwickeln möchte, versuche ich, mich mit Freunden zu verbinden, gemäß der Methode, die der Lehrer vermittelt, mit Hilfe des Lichts, das während unseres gemeinsamen Studiums angezogen wird.

Und dann beginne ich zu spüren, wie mein Verlangen, das Ziel zu erreichen, wächst, denn ich investiere so viel Kraft darein und versuche zu klären, was das wahre Geben im Vergleich zum Empfangen, die Einheit im Vergleich zur Trennung, die Gruppe im Vergleich zu einem einzelnen Menschen bedeutet.

Und wenn ich durch die Gruppe genau nach der Einheit, nach dem Geben, nach dem Schöpfer strebe, erziele ich dadurch, dass ich viel studiert und viel Kraft investiert habe, genau das ungekehrte Ergebnis – das Gefühl der Entfremdung.

Zuvor habe ich das nicht empfunden, ich habe lediglich den Punkt des Gebens wahrgenommen und gehofft, alles erreichen und dieses neue Verlangen befriedigen zu können. Doch nun, anstatt dieses punktuellen neuen Verlangens, empfange ich in diesem Punkt die Empfindung, wie entgegengesetzt und fern ich der Vereinigung, der Verbindung, der Gruppe, dem Lehrer, der kabbalistischen Methode und dem Geben bin. Mich stoßen alle diese Begriffe ab.

Und dann glaube ich, dass ich vollkommen verkehrte Ergebnisse erzielt habe, in Bezug auf das, wonach ich gestrebt habe. Und ich denke: Vielleicht bedeutet das, dass die Methode falsch ist? Ich fange an, an den Büchern, an der Gruppe und am Lehrer zu zweifeln, und begreife nicht, dass dies die richtige Form der Entwicklung ist und ich genau jetzt beginne, meinen wahren Zustand in Bezug auf den Schöpfer, die Eigenschaft des Gebens, zu enthüllen, indem ich erkenne, wie weit ich davon entfernt bin.

Wenn es mir gelingt, diese Empfindung irgendwie zu überwinden und mich dazu zu zwingen, meine Versuche, mich zu verbinden, zu studieren, das höhere Licht anzuziehen, zu einem einheitlichen Teil der Gruppe zu werden, wie es der Lehrer empfiehlt und die Gruppe gemäß ihren Statuten bestimmt hat, fortzusetzen, werde ich mich über dieses Gefühl der Abstoßung und der Entfremdung erheben und spüren können, dass ich tatsächlich ein wenig neue Erkenntnis, neue Kraft, Verbindung gewinnen konnte und vorangekommen bin!

Ich bekomme also ein gutes Gefühl und mache mich mit neuer Kraft an das Studium, an die Arbeit – bis ich von meinem starken Bestreben nach Geben und Verbindung wieder zum Gefühl der Entfremdung und der Kraftlosigkeit, zum Verlust des Interesses komme. Ich denke: „Und das ist der ganze Lohn für meine Arbeit?!“ Ich glaube nicht daran, dass das die Belohnung sein soll!

Wenn die Gruppe den Menschen nicht unterstützt, ist es sehr schwer an die Richtigkeit dieses Weges zu glauben, denn mein ganzes Wesen sagt das Gegenteil: das kann nicht sein! Doch auch dieses Hindernis ist letztendlich überwindbar, denn „was der Verstand nicht schafft, schafft die Zeit“, und letztendlich fange ich an, diesen Berg, auf dem der Königspalast steht, hochzuklettern (Baal HaSulam führt dieses Beispiel in der Einführung zu TES, im Punkt 33 an).

Das ist die richtige Entwicklung, doch wenn sie in unserem egoistischen Verlangen, in unserem Herzen und unserem Verstand, wahrgenommen wird, können wir sie nur schwer objektiv von außen betrachten und über uns selbst als ein unbefangener Richter, der unabhängig von den eigenen Empfindungen ist, urteilen. Hier treffen jedoch immer zwei Gegensätze aufeinander: wir streben nach Geben, nach Verbindung, nach Einheit, nach Spiritualität – und werden zurückgestoßen. Und wir streben trotzdem danach – und werden wieder zurückgestoßen. Auf diese Weise verläuft das Vorankommen.

Und hier hängt natürlich alles davon ab, wie schnell der Mensch diese Abstoßung überwindet und zur Vereinigung zurückkehrt. Einen sehr starken Einfluss darauf hat die Umgebung, die „Stützen auf dem Weg“, die wir für uns selbst durch das Studium und die Arbeit erschaffen, indem wir den Ablauf streng einhalten und uns möglichst eng an das Leben der Gruppe und die Verbreitung binden. Je mehr Kraft der Mensch darein investiert, desto mehr beschleunigt er seine Entwicklung.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 11.05.2011

Der Mensch auf der letzten Stufe der Entwicklung

Frage: Wie wird der Mensch in der letzten Stufe seiner Entwicklung aussehen?

Meine Antwort: So, wie ich es sehe, wird er sich selbst einschränken, um die Natur nur in dem notwendigen Maße zu nutzen und wird keinerlei Mangel spüren, wobei seine ganze Sehnsucht sich auf das Wohlergehen von anderen richtet. Er wird nur soviel nutzen, wie es für eine körperliche Existenz notwendig ist, nur um sein Streben für das Wohlbefinden von anderen zu verwirklichen.

Währenddessen wird der Körper nur das bekommen, was gut, lebenswichtig und am nützlichsten ist, um gesund zu sein. Hinsichtlich der Sehnsucht nach anderen und dem Kontakt mit ihnen, wird es einem Menschen ermöglicht, das integrale System der völligen gegenseitigen Abhängigkeit für sich selbst zu enthüllen. Dabei wird er zur inneren Dimension der Natur gelangen, ihrer inneren Kraft, die vollkommen und ewig ist.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 1.05.2011, „Frieden in der Welt“

In der Spiegelung des Höheren Lichtes

Frage: Wenn der Schöpfer unveränderlich ist, wie kann dann jeder von uns Ihn auf eine andere Weise wahrnehmen?

Meine Antwort: Jeder von uns nimmt den Schöpfer in dem Maße der Entwicklung seiner oder ihrer Seele auf eine andere Weise wahr, entsprechend seiner oder ihrer Verlangen und Eigenschaften. Das ist so, weil der Schöpfer Selbst nicht wahrgenommen werden kann. Niemals fühle ich Ihn; ich fühle mich in Bezug auf das „einfache Höhere Licht“. Und in Bezug zu diesem einfachen Höheren Licht enthülle ich mich selbst.

Wo also bin ich? Du bist die gesamte Welt. Fühlst du es? Ja. Existierst du zusammen mit denen, die um dich sind? Ja. Nun, dann bist du diese ganze Welt. Es ist dein Verlangen, wo du alles wahrnimmst.

Fühlst du, als ob es außerhalb geschieht? Da liegst du falsch. Das alles befindet sich in deinem Innern. Die gesamte Welt befindet sich in dir. Du nimmst deine Realität einfach auf diese Weise wahr, gegenüber dem Höheren Licht. Du nimmst dieses Höhere Licht nicht wahr, aber es existiert und ebenfalls nicht außerhalb, sondern in deinem Innern.

Alles, was du dir jemals vorstellen kannst, ist in deinem Innern, ebenso das Höhere Licht. Doch was ist das Höhere Licht? Du kannst darüber nur aufgrund deines Erlebens darüber sprechen. Wo befindet es sich? Es ist in deinen Verlangen. Alles befindet sich im Menschen. Das geht solange, bis wir tatsächlich die Höhere Kraft enthüllen.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 26.04.2011, Shamati 1

Den Schöpfer enthüllen? – Auftrag angenommen!

Wir müssen verstehen, dass wir uns vor dem Schöpfer – einer Guten und Gutes bringenden Kraft – befinden und dass es niemanden außer Ihm gibt. Worum bittest du Ihn?.. Er verhält sich zu 100% gut dir gegenüber und ändert sich nicht. Worum willst du Ihn bitten? Dass Er sich zu 101% gut dir gegenüber verhält?..

Als unsere Bitte an den Schöpfer wird die Entwicklung unserer Wahrnehmungsorgane bezeichnet. Dann, indem ich mein Verlangen aufbaue und ihm ständig eine immer korrektere Form verleihe, erreiche ich einen solchen Zustand, in dem ich den Schöpfer in all Seiner Fülle, in Seiner wahren Form enthüllen muss. Genau dass wird als Gebet bezeichnet. Dann enthülle ich Ihn.

Ich bestelle bei dem Schöpfer keine Handlungen. Denn Er ist „der Eine, der Einzige, der Alleinige“ und „Es gibt niemanden außer Ihm“. Man könnte sagen, dass Er ständig handelt, man könnte aber auch sagen, dass Er bei nichts handelt, du befindest dich in Ihm – und Schluss, in Ihm gibt es keine Veränderungen. Alles hängt davon ab, wie wir uns den Schöpfer vorstellen.

Deshalb bedeutet „beten“ auf Hebräisch „über sich selbst urteilen“. Wir urteilen über uns selbst, wir verändern uns – und durch unsere inneren Veränderungen nehmen wir eine neue, eine andere Realität wahr. Aus diesem Grund sprechen wir immer von der Seite der Verlangen/Kelim, und das höhere Licht/der Schöpfer befindet sich in einem absoluten Ruhezustand.

Deshalb wird die Bitte an den Schöpfer nur darum geäußert, inwieweit ich mich korrigiert habe, neue Wahrnehmungsorgane erlangt habe – und dann erreiche ich in ihnen die Enthüllung „Es gibt niemanden außer Ihm, der gut ist und Gutes tut“. Und von dem Schöpfer selbst gehen niemals irgendwelche Handlungen aus.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 26.04.2011

Der Ort, an dem sich uns der Schöpfer enthüllt

Frage: Wir sagen, dass alles von der Vereinigung zwischen uns abhängt. Doch was stellt diese Vereinigung dar?

Meine Antwort: Wir beginnen unsere spirituelle Entwicklung an einem Punkt, der sich außerhalb der Spiritualität befindet. Und die ganze Zeit stehen wir auf diesem Punkt außerhalb der Spiritualität, der als „diese Welt“ bezeichnet wird, in der wir momentan existieren.

Warum? – Um unabhängig von der spirituellen Welt zu sein. Die spirituelle Welt ist wie eine riesige Sphäre, und wir befinden uns im Moment außerhalb, abseits von ihr. Und dann kann ich in sie hineintreten oder auch nicht. So, als wäre ich selbständig.

Wenn der Punkt im Herzen in mir erwacht, beginne ich, dieser Sphäre entgegenzustreben, obwohl ich mich noch nicht als einen winzigen Punkt neben dieser riesigen überwältigenden Sphäre, in die ich eintreten möchte, vorstelle. Ich werde jedoch von ihr angezogen.

Mit diesem Verlangen, mit diesem Bestreben nach der Spiritualität komme ich in irgendeine Gruppe. Was stellt diese Gruppe dar? Es sitzen Männer beisammen, studieren, sprechen miteinander, begeistern sich gegenseitig, diskutieren, singen, essen. Eine Art Klub – ziemlich merkwürdig, doch es gibt viele derartige Orte auf der Welt.

Ich betrachte die Gruppe als eine gewöhnliche Versammlung von Menschen in dieser Welt. Dann wird mir gesagt: „Du musst dich mit uns verbinden, dich der Gruppe anschließen, an allen Veranstaltungen teilnehmen, dich an allen Diensten beteiligen, bestimmte Aufgaben übernehmen, denn wir haben einen gemeinsamen Job“. Ich bin bereit, was bleibt mir auch anderes übrig… Denn ich sehe einen gewissen Nutzen darin.

Auf diese Weise verbinde ich mich mit diesen Jungs, weil ich verstehe, dass wir gemeinsam wahrscheinlich etwas erreichen werden. Außerdem sehe ich keinen anderen Ort, an dem ich das machen könnte, also füge ich mich.

Allmählich, im Laufe der Jahre, stelle ich fest, dass es an diesem Ort, an dem ich mich befinde, tatsächlich eine innere Verbindung existiert. Ich enthülle das nach einigen Jahren. Und diese Jahre sind nicht umsonst vergangen. Das sind die Jahre meiner inneren Arbeit, in denen das höhere Licht, ohne dass ich das spürte, auf mich einwirkte und eine Vielzahl an Handlungen mit einer Riesengeschwindigkeit in mir vollzog. Dann beginne ich zu hören… Was heißt „hören“? Ich beginne plötzlich auf die innere Verbindung zwischen uns – die Einheit in den Gefühlen und in den Herzen – zu achten, sie wertzuschätzen.

Die Zeit ist einfach gekommen – und ich beginne, mich von diesen Worten beeindrucken zu lassen, sie für wichtig zu halten. Das ist das Ergebnis des Lichts, welches diese ganzen Jahre an mir arbeitete und immer tiefer in mein Herz eindrang – und das Herz begann, auf diese Worte zu reagieren: „Vereinigung“, „Bürgschaft“, „Liebe“, „Geben“, „wie ein Mensch mit einem Herzen“. Ich beginne, innere Reaktionen auf diese Worte wahrzunehmen. Auf jedes Wort entsteht in mir eine bestimmte Reaktion, ich spüre den inneren Kern dieses Wortes.

Und so vergehen noch einige Monate, und noch mehr, und noch mehr… Denn dadurch korrigieren wir unsere Grundlagen – Malchut der Unendlichkeit in unserem Inneren. Bis ich tatsächlich beginne, mich meinen Freunden anzunähern. Ich betrachte sie bereits als Weggefährten auf meinem spirituellen Weg und erkenne, dass dieser Weg in unser Inneres, in unser inneres Zentrum, in unsere innere Verbindung führt. Und dort, wenn wir uns verbinden, ergründen wir alles.

Und wenn ich mir die spirituelle Welt früher als eine riesige Sphäre außerhalb von mir vorgestellt habe, wahrscheinlich irgendwo weit außerhalb des Universums, verbinde ich die Spiritualität jetzt immer mehr mit meiner inneren Empfindung, die sich in der Vereinigung zwischen uns enthüllt.

Diesen Ort gibt es jetzt noch nicht, doch wenn wir anfangen, uns untereinander zu verbinden, erschaffen wir eine neue Realität, die als „der Ort“ bezeichnet wird. Aus diesen gemeinsamen Verlangen werden wir den Ort erreichen, an dem sich uns der Schöpfer enthüllt.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 24.04.2011

Die Welt hat den Kopf verloren

Frage: Was ist das größte Problem in der Welt?

Meine Antwort: Das Fehlen einer globalen Regierung ist die größte Bedrohung des Friedens in der Welt und es ist dieser Mangel im Besonderen, der alle modernen Krisen verursacht.
Die G20 Gipfel haben gezeigt, dass die Teilnehmer keine Übereinstimmung in den Hauptstreitpunkten erreichen können. Der Weltdachverband existiert nicht, während eine globale, ganzheitliche Welt ihn einfordert.

Frage: Denken Sie, dass nach den gegenwärtigen Ereignissen in den arabischen Staaten die (muslimischen) Nord-Kaukasus-Regionen von Russland (Tschetschenien, Dagestan, Inguschetien und Kabardino-Balkaria) ebenso Veränderungen, d.h. Unabhängigkeit fordern werden?

Meine Antwort: Ich denke nicht, weil, wie jemand es ausdrückte: „Ich könnte es in Stücken nehmen, jedoch brauche ich alles.“ Unterdessen, was ist falsch daran, Geldmittel und Hilfsgüter vom zukünftigen Opfer zu erhalten und sich darauf vorzubereiten, es auf dessen Kosten vollkommen zu übernehmen? Warum fortgehen, wenn es das Ziel ist, alles, die ganze Welt zu übernehmen?

Frage: Was regt die Entwicklung der Kabbalistischen Gesellschaft an?

Meine Antwort: Wettbewerb treibt die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft an. Der Antrieb für die Entwicklung einer autokratischen Gesellschaft ist Macht und dann Korruption. Der Gebrauch der Macht nicht für soziale Interessen, sondern zum persönlichen Vorteil. Bestechlichkeit kauft den Staat und seine Beamten allmählich auf und infiltriert Behörden mit seinen Leuten.

Eine korrupte Regierung ist jedoch unfähig, das Land zu regieren, weil bestechliche Beamte nur durch ihre persönlichen Interessen motiviert sind. Daher wird eine solche Regierung durch eine Naziregierung, ein nationalistisches Regime ersetzt werden, was zu einem Weltkrieg führen wird. Die Alternative wäre eine Regierung, die durch die Aufrechterhaltung der Gleichheit aller Mitglieder der Gesellschaft und danach der ganzen Welt motiviert ist.