Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Entwicklung'

Das Wunder des Entstehens eines neuen Lebens

Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt – das sind die wesentlichen Elemente der Entwicklung. Selbst in diesen materiellen Vorgängen gibt es vieles, was uns unbekannt, verborgen und unserem Einfluss entzogen ist.
Es ist schwer, die Feinheiten dieses Vorgangs zu verstehen, geschweige denn ihn zu steuern und seinen inneren Beweggrund zu ergründen. Zweifellos gehört die Empfängnis zur Kraft des Schöpfers.
Die Geburt des menschlichen Körpers gehört zur tierischen Ebene, während die Geburt auf der menschlichen Ebene eine spirituelle Geburt ist. Es geht um den Menschen unserer Welt, in dem dank eigener Anstrengungen und durch den Schöpfer von oben gelenkter Prozesse eine höhere Kraft, ein höheres System, zu entstehen beginnt. Dadurch wird er fähig, sich Mensch, Adam, zu nennen, das heißt, dem Schöpfer ähnlich zu sein – jenem höchsten, sich in ihm entwickelnden System.
Wir fühlen, dass es ein Geheimnis gibt, wie sich aus einer einzigen Zelle plötzlich neues Leben zu entwickeln beginnt. Daran ist eine uns unbekannte Kraft beteiligt, die der Zelle den Anstoß zur Entwicklung gibt. Wir spüren dies auch im gewöhnlichen materiellen Leben und empfinden daher die Schwangerschaft und die Geburt eines Menschen als Wunder.
Und umso größer ist dieses Wunder im Spirituellen. Und das Schwierigste ist der erste Eintritt in die spirituelle Welt, das heißt in das Wahrnehmen der spirituellen Kräfte, die auf den Menschen einwirken. Er fühlt seine Seele, die sich aus einem Punkt heraus zu entwickeln beginnt, und verbindet sich mit den Kräften, die auf sie einwirken. Das ist der Beginn der Seele, die spirituelle Empfängnis aus einem Tropfen spirituellen Samens.
Es dauert viele Jahre, bis diese spirituelle Empfängnis erreicht ist und eine Verbindung zwischen der höheren Kraft und den Kräften des Menschen zustande kommt. Wenn dieser sinnliche Kontakt im Menschen zum ersten Mal stattfindet – seine erste Verbindung mit der höheren Kraft, dem Schöpfer –, verändert dies seine gesamte Weltanschauung grundlegend.
Er beginnt, sich selbst und den Schöpfer anders wahrzunehmen, nämlich als Partner, und begreift, dass er erst in dem Moment, in dem er zur vollständigen Selbstannulierung bereit ist, ein neues Leben beginnen kann. Seine gesamte Einstellung gegenüber dem Leben, sich selbst und dem Schöpfer verändert sich.
Zuvor ging alles von seinem natürlichen, egoistischen Verlangen aus. Doch nun fühlt er, dass er bereit ist, sich von seinem Egoismus zu lösen, dass er das dafür notwendige Verständnis und die Kraft besitzt und bereit ist, sich ein Dasein jenseits des Egoismus vorzustellen und im Sinne des Gebens zu handeln. Das heißt, er möchte für den Schöpfer handeln, ohne in diesem Moment einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen.
Diese Loslösung vom Verlangen nach Genuss ist einer der Bestandteile der Empfängnis und der anschließenden Geburt in der spirituellen Welt.
Alle Handlungen, die zur spirituellen Entstehung führen, kann der Mensch nur in der Gruppe vollziehen, indem er durch sie Kräfte von oben, vom Schöpfer, empfängt. Der Schöpfer befindet sich im Inneren der Gruppe. In dem Maße, in dem der Mensch bereit ist, sich ihr hinzugeben, erhält er Kräfte des Gebens, die ihm helfen, aus sich selbst einen Menschen zu formen. Andernfalls bleibt er ein toter Samen, der noch nicht begonnen hat, sich zu entwickeln.
Alle Kräfte für die Entwicklung kommen aus der Gruppe, aus dem Zehner. Deshalb kann man erst dann von spiritueller Entstehung sprechen, wenn man weiß, wie man einen Zehner bildet, sich zusammenschließt und sich in ihn einbringt.

[#276776]
Aus dem Unterricht zum Thema „Ibur (Empfängnis)“

Wie man die Entwicklung beschleunigt

Rabash schreibt in seinen Artikeln, dass man jedes Mal die Gesellschaft oder die Gruppe verändern muss, da dies der einzige Faktor ist, der die Entwicklung beschleunigen kann. Doch was bedeutet „beschleunigen“eigentlich? Es verändert nichts an den Zuständen selbst. Die Reshimot befinden sich bereits in uns, und wir müssen alle „geplanten“ Zustände durchlaufen. Die Frage ist nur, wie schnell wir sie durchlaufen und welche Einstellung wir dabei zu ihnen haben. 

Wenn wir einen bestimmten Zustand durchleben und ihm positiv gegenüberstehen, das heißt, uns bewusst ist, dass er mit unserer Entwicklung zusammenhängt, dann empfinden wir das Geschehene  als etwas Gutes, Positives. Wenn wir jedoch etwas nicht durchleben wollen und durch Leiden dazu gezwungen werden, dann empfindet man das Geschehen als negativ. Unser inneres, persönliches Empfinden verändert sich entsprechend unserer Einstellung zu dem, was geschieht.

Man kann das mit einer Operation vergleichen. Ich hatte Atembeschwerden und wartete zwei Wochen auf die Operation. Wenn ich nicht gelitten hätte und man mir einfach gesagt hätte: „Du musst dich hinlegen, und wir werden dich operieren“, worin hätte dann der Unterschied bestanden?

Das ist wirklich ein Wunder. Ich erinnere mich, wie ich zu dieser Operation kam. Ich konnte es kaum noch erwarten. Ich legte mich auf den Operationstisch und wartete nur darauf, dass man mir schnell die Narkose gab, damit ich als ein anderer Mensch wieder aufwachen würde. So war es tatsächlich! Das war ein sehr interessantes Gefühl. Ich empfand eine große Freude, als ich mich auf diesen Tisch legte! Ich hatte überhaupt keine  Angst, ich wollte nur, dass dieser Zustand so schnell wie möglich zu Ende geht.

Das beschleunigt die Zeit und gleichzeitig empfindet der Mensch Genuss statt Leiden.

[360090]

Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 04.08.2026

 

Geld allein macht nicht glücklich

Anmerkung: Im Rahmen langjähriger Studien haben Wissenschaftler aus Großbritannien herausgefunden, dass ein hohes Einkommen einen Menschen nicht glücklich macht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Personality and Social Psychology Bulletin“ veröffentlicht.

Antwort: Auch wenn die Menschen wissen, dass „Geld alleine nicht glücklich macht“, wollen sie dennoch Geld. Wenn du einen Menschen von heute fragst, was er lieber hätte, Geld oder Glück, denke ich, er würde antworten: „Geld. Mit Geld kann ich mir dann auch Glück kaufen.“

Der Egoismus, der sich derzeit in der gesamten Menschheit offenbart, braucht außer Geld nichts. Früher waren die Menschen nicht so egoistisch. In ihnen entstanden auch andere Bestrebungen, ihr Egoismus verlangte keine so allumfassende Erfüllung.

Anmerkung: Sie widerlegen also gewissermaßen diese Studie, in der es heißt, dass Menschen Familie, Kinder und Freunde als Glück betrachten.

Antwort: Sie sind zu diesem Fazit gekommen, nachdem sie sehr gründlich geprüft hatten, ob man alles mit Geld kaufen kann, und festgestellt haben, dass das nicht funktioniert.

Aber wir haben unsere absolute Entwicklung noch nicht vollendet. Wir befinden uns in der letzten Phase, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Menschheit erkennt bereits, dass Geld kein Glück bringt und dass Glück letztendlich wichtiger ist als Geld.

Aber andererseits: Wenn das Glücksgefühl nicht auf einer materiellen Grundlage beruht, dann ist dieses Gefühl unecht. Das ist genauso, als würdest du dir eine Droge spritzen: „Ich bin glücklich“. „Was ist los?! Warum, wie, was?!“ – „Glücklich“.

Du hast eine Art Spritze bekommen und wirst von einer Welle der Wonne überflutet. Du spürst kein Leid und keine Leere mehr, musst nach nichts streben und nichts unternehmen. Du kannst nicht einmal das Leiden und die Wünsche anderer Menschen verstehen. Du kannst mit niemandem verbunden sein! Du stehst einfach wie ein Idiot mitten in der Welt und dir geht es gut.

Frage: Heißt das also, dass Glück die Entwicklung aufhält?

Antwort: Natürlich! Hätten die großen Künstler, Schriftsteller und Musiker nicht gelitten, wären sie nicht innerlich unglücklich gewesen – egal, ob sie ein Stück Brot hatten oder nicht – unglücklich in ihrer inneren Suche, in ihren Leiden, hätten sie dann überhaupt etwas geschaffen?! Niemals! Glück liegt also nicht in der Definition, die wir ihm sofort zuschreiben.

Glück kann man nur im Gegensatz zum Unglück empfinden, nur im Gegensatz zur Suche, zum Leiden, wenn du strebst und erreichst, strebst und erreichst! Aber wenn du strebst und erst später erreichst, was du gestrebt hast, ist das kein Glück!

Glück umfasst sowohl das Leiden als auch die Freude darüber. Dieser Zustand wird nur in der Kabbala erreicht, wenn die Leere nicht gefüllt wird, sondern wenn sich über ihr eine Füllung aufbaut. Sowohl die Leere als auch die Füllung existieren dauerhaft! Nehmen wir an, ich sehne mich nach etwas und empfinde durch dieses Verlangen Freude und Erfüllung.

Glück ist, wenn wir es richtig definieren, kabbalistisch gesehen, in seiner wahren Form, gleichzeitig ein Zustand absoluten Unglücks und absoluten Glücks, eine Leere und eine Fülle, die sich gegenseitig nicht annullieren.

Dann brauchst du das wirklich nicht mit Geld oder Ähnlichem zu ersetzen, denn deine Leere wird gefüllt und bleibt dabei doch eine Leere. Zum Beispiel isst du etwas und sehnst dich trotzdem die ganze Zeit danach, du trinkst etwas und sehnst dich die ganze Zeit danach, du siehst etwas und sehnst dich die ganze Zeit danach. Das heißt, die Genüsse hören nicht auf, sondern nehmen nur immer weiter zu – und in demselben Maße nimmt die Leere ebenfalls zu!

Das ist die Wissenschaft der Kabbala! Die Wissenschaft, das wahre Glück zu erlangen. Dabei führt dich das Gefühl des ständigen Glücks zum Gefühl der Ewigkeit!

[#180565]

Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman“

 

Der Beschleuniger der spirituellen Entwicklung

Kommentar: Es steht geschrieben: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen.“ Es ist klar, dass jeder von uns denselben bösen Trieb hat.

Meine Antwort: Nein, jeder von uns ist anders als die anderen. Baal HaSulam schreibt im Artikel „Freiheit des Willens“, dass wir alle aus unterschiedlichen Punkten von Adam HaRishon stammen, und es ist uns verboten, jemanden zu unterdrücken, ihn zu etwas zu zwingen, ihn zu verändern, uns in die Kultur anderer Menschen einzumischen oder sogenannten primitiven Völkern gewaltsam Fortschritt aufzuzwingen.

Jeder sollte sich entsprechend seinen persönlichen Eigenschaften entwickeln, denn nur so kann er sein Verlangen zu empfangen verwirklichen. Jeder ist eine eigenständige Schöpfung, und selbst wenn er es wollte, kann er sein Verlangen zu empfangen, seinen Ausgangspunkt, nicht verändern.

Baal HaSulam erklärt, was ein Ausgangspunkt ist und welches Programm seine Entwicklung bestimmt. Es gibt eine vorgegebene Ordnung der Einflüsse in der Gesellschaft sowie Gesetze der Entwicklung der Umgebung; der Mensch kann sich dort nicht gewaltsam einmischen und etwas verändern. Die einzige Veränderung betrifft die äußere Form unter dem Einfluss der Gruppe.

Doch die Veränderung der äußeren Form bedeutet nicht, dass der Mensch zusätzliche Verlangen oder Eigenschaften erwirbt, die vorher nicht in ihm vorhanden waren. Er erlangt vielmehr eine Begeisterung, ein Verlangen nach der Quelle, die er erreichen muss. Dies dient ihm als zusätzlicher Treibstoff, um seine Entwicklung und den Prozess der Korrektur zu beschleunigen. Doch er erwirbt dadurch keine neuen Kelim, keine neuen Eigenschaften oder Gedanken.

Es beschleunigt lediglich das Hervortreten dieser bereits vorhandenen Eigenschaften und bestimmt die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung. Deshalb ist es entscheidend, sich zur Gruppe, zu den Meinungen der Freunde und zur gesamten Struktur der Gruppe mit dem Verständnis zu verhalten, dass alles, was wir von ihr erhalten, ausschließlich als Beschleuniger, als Katalysator dient, der uns Energie zum Handeln gibt.

Doch dieser Beschleuniger besitzt keinen eigenen Charakter; er gibt nur einen zusätzlichen Impuls in die Richtung, in die ich mich bereits bewege. Ich wähle, wohin ich gehe – nicht er. Dasselbe erwarte ich von der Gruppe. Das heißt, ich muss zur Gruppe kommen und zusätzliche Kräfte in der von mir bereits gewählten Richtung verlangen, anstatt dass die Gruppe zu mir kommt und versucht, mich zu „indoktrinieren“.

Jede „Beeinflussung“ durch die Gruppe sollte nur darin bestehen, meine gewählte Richtung zu stärken. Andernfalls wäre es keine freie Wahl. Andernfalls wäre es eine Gruppe, die den Einzelnen unterdrückt.

Sie muss mir keine neuen Ideen bringen. Sie sollte mir lediglich helfen, das zu festigen, was ich bereits habe. Deshalb heißt es, dass jeder von uns der Gruppe geben und entsprechend seiner Investition zurückerhalten soll – nur um ein Vielfaches mehr.

[353101]
Aus dem täglichen Kabbalaunterricht vom 13.02.2026, Rabash, Artikel 18 (1987), „Was ist die Vorbereitung auf das Empfangen der Tora? – 2“

Ein Geschenk wird nur so viel gewürdigt, wie der Empfänger den Geber wertschätzt


News Report (aus dem Science News Magazine):
Die Menschen machen einen Fehler, wenn sie erwarten, dass je mehr sie in Geschenke investieren, desto mehr diese Geschenke wertgeschätzt werden … Empfänger bevorzugen Geschenke, die sie wirklich brauchen oder die eine spezielle persönliche Bedeutung haben. Der Preis spielt keine Rolle. … Es ist in der Tat der Gedanke der zählt …

Mein Kommentar: Wir können in unserer Welt nur so viel empfangen, wie dies ein Tier kann: nur das, was für unsere körperliche Existenz notwendig ist. In dieser Hinsicht sind wir einem Tier vollkommen gleich. Jedes Übermaß, das wir „empfangen“, ist nur zu unserem Nachteil. Es gibt einen weisen Spruch: „Ein bisschen schädliche Nahrung ist gesünder, als zu viel gesunde Nahrung.“ Maßlosigkeit schafft Leere in uns, macht depressiv und bringt uns zu einem endlosen Streben nach illusorischer Erfüllung.

Wie realisiert also der Schöpfer seinen Plan, „alle Geschöpfe mit absolutem und ewigem Vergnügen zu erfüllen“? Dies wird nicht durch die Erhöhung der Quantität der Erfüllung erreicht, sondern durch ihre Qualität. Wir sind nicht in der Lage, mehr aufzunehmen, als das, was für die Existenz unserer tierischen Körper notwendig ist. Wenn wir jedoch begreifen, dass es die Größe des Schöpfers ist, die uns gibt, wird unsere Empfindung von dem was wir von ihm erhalten unendlich erhöht. Denn Er ist unendlich. So können wir die Empfindung eines ewigen und vollkommenen Lebens erreichen. Folglich liegt das Ziel unserer Entwicklung in der Erkenntnis: „Koste und siehe, wie gut der Schöpfer ist.“

 

Basierend auf Absicht

Frage: Womit beginnt die Entwicklung von unserem gegenwärtigen Zustand?

Antwort: Wir müssen unsere Handlungen nicht verändern, sondern ihnen vielmehr die richtige Absicht geben. Das ist der grundlegende Unterschied.

Der Mensch begeht weder gute noch schlechte Taten, alle seine Verlangen bleiben bestehen und müssen erfüllt werden. So wie es vor der ersten Einschränkung, als Malchut noch erfüllt war, gewesen war, so wird es auch am Ende der Korrektur sein. Durch die erste Einschränkung wird jedes Verlangen, mit der Absicht zu geben, erbaut.

Das heißt, der Mensch sollte sich nicht auf seine Handlungen konzentrieren. Der Schwerpunkt liegt auf der inneren Verbindung mit dem Schöpfer. Man lehrt den Menschen nicht, was er tun soll, sondern wie er die Verbindung mit dem Schöpfer herstellen kann. Wenn er den Wunsch verspürt, eine Verbindung zum Schöpfer herzustellen, dann ist die Verschmelzung mit Ihm sein Endziel. Er muss einen Weg für diese Verbindung finden – das ist das sogenannte „Ende des Seils“. 

Genau das lernt der Mensch: Wie man das „Ende des Seils“ ergreift, wie man kontinuierlich an diesem Seil der Absichten aufsteigt. 

Das Erklimmen dieses „Seils“ der Absicht wird als das Erklimmen der spirituellen Leiter von Welt zu Welt bezeichnet, bis man hundert Prozent Absicht, hundert Prozent Verbindung erreicht.

Was die Wünsche des Menschen betrifft, so wird sich die Art seiner Handlungen entsprechend seiner Absicht ändern, doch die Handlungen selbst bleiben unverändert. Er wird weiterhin essen, trinken, Nachkommen zeugen, arbeiten – alles wird so bleiben. 

Ausschließlich durch die innere Absicht wird der Mensch seine Handlungen auf natürliche Weise anpassen. Er braucht sich nicht einzuschränken. Dies wird dadurch geschehen, dass seine innere Welt eine andere Beziehung zwischen Gedanken und Handlungen herstellen und sie filtern wird, aber nur auf der Grundlage seiner inneren Entwicklung, ohne jegliche äußere Unterdrückung von unserer oder einer anderen Seite.

Wir sehen, wie nutzlos Unterdrückung ist. Was kann die Polizei tun? Was können alle Gefängnisse der Welt erreichen? Nichts! Erziehung kann nur auf einem persönlichen Vorbild beruhen. Das Ziel ist es, dem Menschen eine Verbindung zur Höheren Kraft zu vermitteln, von der er alles erhält. Dadurch wird sich der Mensch letztlich verändern.

Es ist unmöglich, den Menschen mit anderen Mitteln zu verändern. Wir haben in der Geschichte alle möglichen Methoden gesehen und keine hat funktioniert – keine! Man hat im Universum überhaupt nichts zu tun, außer seine Absicht zu verändern.

[344677]

Aus der Lektion zum Artikel „Bürgschaft“

 

Spirituelle Reifung

Kommentar: Ursprünglich, wenn man einen Menschen zu lehren beginnt, ihm erklärt, dass auf der spirituellen Stufe, die „Frau, Sklave oder Kind“ genannt wird, es notwendig ist,für den Schöpfer aus Furcht zu arbeiten… (Rabash, „Shlavej Sulam“, „Halber schekel“ (1))  

Die spirituellen Stufen, die als „Frau, Alter Mensch oder Kind“ bezeichnet werden, sind abhängige Zustände eines Menschen, denn eine Frau ist abhängig von einem Mann, das Kind von den Eltern, ein Alter Mensch von der Hilfe der Jungen.  

Es gibt auch den Zustand „Sklave“, der von seinem Herrn, d.h. von seinem Egoismus abhängig ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, jedem Menschen mit Feingefühl zu begegnen und ihm zu erklären, dass die Kabbala seine Entwicklung fördert.

Die Kabbala kann ihm helfen, besser zu verstehen, wie er sich in dieser Welt verhalten soll. Der Mensch spekuliert bereits: Wenn ich verstehe, wie ich in dieser Welt handeln soll, kann ich reicher, stärker, erfolgreicher und gesünder werden.  

Es wird gesagt,dass man aus Angst vor dem Schöpfer arbeiten soll – also Angst vor Verlust, Versagen oder dem Nicht-Erhalten einer Belohnung. 

Aber wenn dieser Mensch spirituell reift und Weisheit erlangt, kann man ihm bereits erklären, dass es notwendig ist, für den Schöpfer zu arbeiten und ihm allmählich die Geheimnisse der Tora offenbaren.  

Hier beginnt eine äußerst feine Übergangsphase, eine dramatische Situation, ein schwieriger Punkt: Der Mensch erkennt, dass sich die ganze Welt in einem absolut unkontrollierbaren Zustand der Verwirrung befindet. Alles wird von einem flüchtigen Egoismus gesteuert, der in jedem Moment nach allem greift, was er bekommen kann. Dieser Zustand wird Dunkelheit genannt.

In diesem schwarzen Punkt fühlt der Mensch völlige Hoffnungslosigkeit, Verwirrung, Verlust der Selbstkontrolle, von anderen, vom Schicksal. Er sieht, dass alle wie Kaulquappen im Wasser hin und her schwimmen und er kann so ein Leben nicht mehr ertragen.  

Er fühlt sich in der Dunkelheit und versucht, aus ihr herauszukommen, er schreit zum Schöpfer: „Was soll ich tun?!“ In diesem Moment beginnt die höhere Kraft, die Erkenntnisse allmählich zu offenbaren und so kommt es zur Enthüllung des Schöpfers.

Wenn sich dem Menschen das höhere Gesetz offenbart, sieht er deutlich das in unserer Welt herrschende Chaos im Vergleich zur Harmonie. Das ist das Drama – Arbeiten in Spaltung: auf der einen Seite das höchste Gesetz, auf der anderen Seite das völlige Chaos. Das ist der beste Zustand des Menschen, denn hier  spürt er die Hilfe des Schöpfers, die Rettung.  

Und er dankt dem Schöpfer für diesen schwarzen Zustand, denn es ist unmöglich, mit dem rechten Fuß ohne den linken Fuß vorwärts zu kommen. Wenn er das versteht, wartet er auf beides, auf das Gute und auf das Schlechte. Er nimmt beide Zustände richtig wahr, da er erkennt, dass der spirituelle Weg genau dazwischen liegt, in der Mitte.  

[225912]

Aus der Fernsehsendung  „Die letzte Generation“,  

Das multidimensionale „Lego“ der Schöpfung

Der Schöpfer erschuf ein einziges Verlangen, das sich ursprünglich in völliger Einheit mit dem es erschaffenden Licht befand – in einer Verschmelzung, die durch die Kraft des Lichts aufrechterhalten wurde.
Dies ist der allererste Zustand – und aus Sicht des Schöpfers bereits ein absolut vollkommener. Doch die Schöpfung empfindet ihn nicht! Schließlich ist dies ein vom Schöpfer geschaffener Zustand, dem das Bewusstsein der Schöpfung fehlt. Im Grunde gibt es hier noch gar kein Geschöpf – es existiert lediglich etwas, das erschaffen wurde und durch die Kraft, die es erschuf, existiert.

Deshalb muss das Geschöpf einen langen Weg zurücklegen, um zum Bewusstsein seiner selbst zu gelangen – und auf diesem Weg gibt es mehrere Etappen. Anfangs existiert es scheinbar gar nicht, als wäre es „aus dem Nichts erschaffen“ (Jesh mi Ajn). Doch am Ende dieses Weges soll das Geschöpf zu „etwas, das aus Etwas hervorgeht“ werden (Jesh mi Jesh) – wie der Schöpfer selbst.

Diesen Unterschied, vom Jesh mi Ajn zum Jesh mi Jesh, überwindet das Geschöpf allmählich, durch seine stufenweise Entwicklung, bis es schließlich eine zweite Natur erlangt – die Natur des Schöpfers.
Doch dafür muss es ständig eigenständig handeln, um sich selbst zu begreifen: Was ist das Geschöpf – Jesh mi Ajn, und was ist der Schöpfer – Jesh mi Jesh, und worin besteht der Unterschied zwischen beiden?

Es muss ständig diese beiden Zustände klären, sich mit ihnen einverstanden oder nicht einverstanden erklären – also zum Ausdruck bringen, was es will, nachdem es die Wahlfreiheit erhalten hat.
So nähert sich das Geschöpf immer mehr der Form des Schöpfers an und übernimmt sie nicht deshalb, weil sie angenehmer oder vorteilhafter ist – also nicht entsprechend seinem natürlichen, egoistischen Streben – sondern weil es tatsächlich die Eigenschaften des Schöpfers erwirbt, die Eigenschaften reines Gebens.

Jegliche Erkenntnis ist nur durch Ähnlichkeit der Eigenschaften möglich. Andernfalls ist es unmöglich, den Schöpfer oder irgendeine Seiner Eigenschaften zu begreifen oder zu verstehen, wenn man nicht selbst über diese Eigenschaft verfügt. Damit das Geschöpf den Schöpfer in seiner ganzen Fülle begreifen und ihm gleich werden kann, teilt der Schöpfer jenen Zustand, in dem Er sich mit der Schöpfung in Einheit befindet, in viele Teile auf – in aufeinanderfolgende Zustände, verschiedene Wünsche und Gedanken.

Man kann sich das vorstellen wie ein „Lego“ oder ein „Puzzle“, aber nicht flach oder dreidimensional, sondern mit einer unendlichen Anzahl von Dimensionen. Und jedes einzelne Teil dieses Legos besitzt unendlich viele Seiten, über die es mit allen anderen verbunden ist – so dass kein einziger Teil etwas Eigenes hat, sondern sein oberer Teil immer zum Höheren gehört und sein unterer Teil zum Niedrigerem darunter.

Sie sind alle so miteinander verbunden, dass keiner etwas Eigenes hat – außer einem einzigen zentralen Punkt: dem Punkt auf dem „Tabur“ (Nabel). Genau dort entscheidet jeder für sich, wie er sich mit seinem Verständnis und seiner Erkenntnis einbringen kann, um an dieser Verbindung, in die er nicht freiwillig geraten ist, teilzuhaben und all seine Kraft und seinen Willen dafür einzusetzen, diese Verbindung aufrechtzuerhalten!

[38127]

Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash

Enzyklopädie der Scham

„Einer, der isst, was nicht Seines ist, fürchtet sich, einem ins Gesicht zu schauen“. Das meint, dass jeder, der die Früchte der Arbeit von anderen verzehrt, sich fürchtet (schämt), seine eigene Gestalt anzuschauen, denn seine Gestalt ist unmenschlich. (Baal HaSulam, „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen“.)

In uns steckt die Eigenschaft der Scham sehr tief und ist ausgeprägt verankert. Wir haben verzweifelte Angst davor, sie zu offenbaren, denn die Scham steht im Konflikt mit unserem Ich, sie verwandelt uns in ein Nichts.

Wenn ich Scham empfinde, die mich in ihrer ganzen Größe durchdringt, dann annulliere ich mich. Diese Reaktion entspringt aus einer höheren Wurzel, aus meiner Gegensätzlichkeit zum Schöpfer, aus einem Verlangen zu empfangen, das dem Licht entgegengesetzt ist. Das Verlangen erkennt, wie sehr es dem Licht in seinen Eigenschaften, in seiner Größe entgegengesetzt ist und empfindet diesen Abgrund als Scham.

Dann ist es bereit, sich zu annullieren, auf seine Existenz zu verzichten- nur um diesen Abgrund nicht mehr zu fühlen. Das ist es, was es dazu bringt, eine Einschränkung vorzunehmen, d.h. sich zu annullieren. Um die Scham loszuwerden, bin ich bereit, ins Nichts zurückzukehren, aus dem ich entstanden bin. Manchmal manifestiert sich ein Körnchen dieses spirituellen Gefühls in uns.

Warum also ist Scham notwendig? Sie hilft uns, zur Anhaftung, zur völligen Übereinstimmung mit dem Schöpfer zu gelangen. Die Scham entspringt der offenbarten Gegensätzlichkeit zwischen uns und dem Schöpfer und hilft uns, diesen Abgrund zu überwinden.

Das bedeutet: Wenn ich mich entwickeln will, muss ich das Gefühl der Scham ständig vertiefen – das heißt, den Abgrund zwischen mir und dem Schöpfer schärfer empfinden –, um mich dadurch genau und sicher voran zu bewegen. Sagen wir, heute schäme ich mich, als hätte ich einen Dollar von Ihm gestohlen. Morgen werden es bereits zwei Dollar sein, übermorgen drei…

Indem ich meine Gegensätzlichkeit hervorhebe und betone, korrigiere ich sie und schreite voran.

So ist die Scham die vordringlichste Empfindung, die mich buchstäblich mit dem Schöpfer „kurzschließt“. Wenn ich die Scham durch Geben korrigiere und mich kontinuierlich über sie erhebe, gelange ich zur Anhaftung. Deshalb ist es gerade die „Anhaftung“, die unseren endgültigen Zustand definiert.

Scham ist ein eigenständiges Geschöpf. Es reicht nicht zwei Verlangen zu haben: Empfangen und Geben, denn dann würde eine direkte Füllung genügen: Der eine gibt, der andere empfängt – es gäbe keine Probleme. Der Schöpfer möchte, dass das Geschöpf ihm ähnlich wird, so hat Er in der Schöpfung dieses besondere Gefühl namens „Scham“ geschaffen, das uns ständig reizt und innerlich aufrüttelt.

Wenn man einem Hund einen Knochen hinwirft, stürzt er sich freudig und ohne jede Scham darauf und beginnt darauf herumzukauen. Der Mensch aber, sofern er sich nicht auf dem Niveau eines Tieres befindet, wird ständig von der Scham angespornt. Was zwingt einen, in diesem Haus zu wohnen, solche Kleidung zu tragen, zur Arbeit zu gehen, eine Familie zu gründen, sich „kulturell zu bespassen“ und so weiter? Das ist die Scham. Was würden sonst die anderen sagen?

Es gibt eine Scham, die mein spirituelles Vorankommen behindert: „Was werden die anderen denken?“ Es gibt noch eine andere Scham – die, gegenüber dem Schöpfer. Wenn ich diese Scham stärke, rückt das Unbehagen gegenüber den anderen in den Hintergrund: „Sollen sie doch reden, sollen sie denken, was sie wollen.“ Ich bin bereit, mich für meine kindliche Unbeholfenheit vor den Menschen zu schämen- wenn mir das nur helfen würde, die wahre Scham vor dem Schöpfer zu empfinden und ich mich in die richtige Richtung bewegen würde.

Scham ist ein Punkt meines Selbst, sein Abbild. In meiner Beziehung zu meiner Umgebung kann mein Egoismus Schaden nehmen, doch in der Beziehung zum Schöpfer geht es um tiefere, ursprüngliche Gegensätze von Eigenschaften.

Die Scham ist als etwas Eigenständiges erschaffen worden- geschaffen, sie existiert nicht in der unbelebten, pflanzlichen oder tierischen Natur, sie ist nur dem Menschen eigen und wird dort entsprechend dem Niveau des Verlangens unterteilt.

Die Scham ist die Ursache der ersten Einschränkung, die Ursache aller Entwicklung. In der Welt der Unendlichkeit war Malchut von Licht erfüllt und mit dem Schöpfer verschmolzen. Es fehlte ihr nur eines – sich von dem Gegensatz des Schöpfers zu befreien. Das ist der Punkt der Scham.

Welchen Unterschied macht das? Vor dir steht ein königlich gedeckter Tisch mit allen Köstlichkeiten gedeckt und der Hausherr stellt dir seinen ganzen Palast, all seine Güter zur Verfügung:

„Alles, was ich habe, gehört dir. Was fehlt dir noch? Willst du nicht Gast im Hause des Gastgebers sein? Gut, dann bin ich nicht mehr der Gastgeber.“

Aber der Gast ist immer noch nicht zufrieden:

„Nicht ich habe das alles gemacht, sondern Du. Ich bin zu einem gedeckten Tisch gekommen.“

„Du willst also wie ich werden- Existierendes aus Existierendem??

Hier berühren wir einen sehr subtilen Punkt, einen Punkt, der so hoch ist, dass niemand weiß, wohin er letztlich führt- nach Zehntausend Jahren, nach dem Ende der vollständigen Korrektur…

[59318]

Aus dem Unterricht nach dem Artikel: „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen.“

Das Ende der ägyptischen Sklaverei

Es ist nicht leicht die Frage zu beantworten, wo der Punkt ist, von dem aus ein Mensch bestimmen kann, ob er Genuss vom Egoismus oder vom Geben haben wird. Möchte der Mensch ein Sklave des Pharao oder des Schöpfers sein?

Unsere Hauptaufgabe ist es, einen Punkt zu erreichen, an dem wir darum bitten, einen anderen Herrscher zu bekommen, sodass die Kraft des Gebens, anstatt des Empfangens über uns herrschen wird. Wir studieren Kabbala und führen alle Ratschläge der Kabbalisten aus, damit wir diese Wahl haben können.

Entweder kommen wir durch den Weg des Leidens zu dieser Entscheidung, durch die natürliche Entwicklung der Zeit (Beito) oder durch den Weg des Lichtes (Achishena). Auf dem Weg der natürlichen Entwicklung erwarten uns nur Schläge. Dies geschieht dann, wenn der Schöpfer dem Pharao, unserem Egoismus oder dem Verlangen für sich zu empfangen, jeden möglichen Genuss wegnimmt, und darum erleben wir Leiden. Deshalb sind wir bereit, der Herrschaft des Pharao zu entfliehen und unser Selbst von ihm zu distanzieren. Schließlich zwingt uns die Natur selbst, alles zu vermeiden, was für uns Leiden hervorruft.

Und dann gibt es den Weg des Lichtes, die “Beschleunigung der Zeit” (Achishena). Dies geschieht dann, wenn unser egoistisches Verlangen uns noch erlaubt, Genuss zu empfangen, wir jedoch verschiedene Handlungen ausführen, um eine neue Einstellung zum Verlangen zu geben zu entwickeln. Und obwohl ich egoistischen Genuss empfange und unter der Herrschaft des Pharao stehe, empfinde ich dies nicht als etwas Negatives: Ich genieße das Leben. Aber ich fange an, nach einem Weg zu suchen, mich über ihn zu erheben und nicht länger auf ihn angewiesen zu sein, beginne, die Eigenschaft des Gebens zu schätzen.

Das bedeutet, dass ich versuche, den Weg des Lichtes zu gehen, so dass die Eigenschaft des Gebens auf mich wirkt und mich verstehen lässt, dass der Pharao ein böser Herrscher ist. Das Böse ist nicht der Genuss, den er gibt, sondern das Empfangen dieses Genusses für mich selbst. Dieses völlig neue Kriterium basiert nicht auf Genüssen, sondern auf ihrer Ausrichtung, darauf, wer empfängt: Ich oder die anderen (oder der Schöpfer zusammen mit anderen).

Und dann, anstatt den Weg durch Empfindungen entsprechend von Genuss oder Leiden zu beurteilen, wechsle ich zu einer logischen Berechnung von Gut und Böse, wahr oder falsch. Ich erkenne, dass Wahrheit, das Geben, die Höhere Kraft, der Schöpfer ist und ich will dieses Wahrheit! Und selbst wenn ich mich unter der Herrschaft des Pharao gut fühle, möchte ich mich immer noch am Geben festhalten.

Wenn ein Mensch zu solch einer Erkenntnis kommt, erhebt er sich über die natürliche oder tierische Bewertung (Beito) und trifft auf der Ebene von “Achishena” Entscheidungen und dadurch treibt er sich selbst dazu, aus der Herrschaft des Pharao zu entkommen. Und dann braucht er keine physischen Leiden und Schläge zu erleben, die wir als verschiedene Krisen für das Verlangen zu empfangen in der Welt spüren und die in der Zukunft nur zunehmen werden, wenn wir fortfahren, uns durch den natürlichen Fluss von Eregnissen (Beito) zu entwickeln.

Sein Leiden wird zum Leiden auf dem Weg von “Achishena”, zum Leiden aus Liebe. Letztendlich strebt er zum Geben oder Höheren Licht, um seinen Genuss von egoistisch zum Genuss zu geben zu ändern. Auf diese Weise macht ein Mensch Fortschritte.

[40773]

Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, Schriften von Rabash