Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Spirituelle Arbeit'

Wofür der Schöpfer bestraft

Frage (aus Facebook): Wenn der Schöpfer alles regelt, warum sollte ein Mensch dann bestraft werden? Schließlich hat er keine Freiheit in seinem Handeln.

Antwort: Wenn der Schöpfer alles regelt, haben wir anscheinend nichts zu tun. Er wird an alles denken und wir können es uns so bequem wie möglich machen, warten und schauen, was später passieren wird. Aber uns wurde der Egoismus gegeben, der dem Schöpfer entgegengesetzt ist. Wir müssen ihn ändern, so dass man Ihm gleichen wird. Das ist unsere Arbeit. Wenn wir uns damit beschäftigen, werden wir gute Antworten vom Schöpfer erhalten. Und wenn nicht, werden wir von Ihm bestraft und dazu gezwungen. Das ist das ganze Managementsystem.

Der Schöpfer führt uns dazu, zu verstehen, wo wir sind, was funktioniert, was uns beeinflusst und was von uns erwartet wird. Aber wir müssen ebenfalls, jeder einzelne von uns, mit Ihm als Partner zusammenarbeiten – Er und ich. Also müssen wir uns vorstellen, dem Schöpfer gegenüber zu stehen; und Er beeinflusst uns, indem Er unsere Gedanken und unsere Entwicklung fördert.

Alles, was wir sagen, denken und fühlen, kommt von Ihm. Aber Er erwartet auch eine eigene Antwort von uns. Obwohl Er auch derjenige ist, der die Antworten herbeiruft, müssen wir das verstehen und uns mit Ihm verbinden. Dann werden neue Zustände in unserem Leben enthüllt werden und wir werden erkennen, wie das Leben ruhiger, bequemer, ausgeglichener und sicherer wird. Das Einzige, was wir brauchen, ist in direkten Kontakt zum Schöpfer zu kommen.

Das ist etwas, das wir tun können

Aus KAbTV “News with Michael Laitman” 11/30/16

[198310]

Ein System, das nicht im Verstand erfasst werden kann

Tora, Deuteronomium 14:21: Ihr sollt kein Aas essen. Ihr könnt es dem Fremden geben, der in euren Städten ist, dass er es esse oder verkauft es an einen Ausländer; denn ihr seid ein heiliges Volk dem Herrn, eurem Gott…

„Der Fremde, der in euren Städten ist“ sind Eigenschaften, die Sie nicht als die Ihren beachten, von denen Sie befreit sind und die Ihnen außerhalb der Grenzen Ihres Wunsches gesandt werden. Es sollte dennoch existieren, denn die ganze Welt befindet sich innerhalb eines Menschen.

In dieser Welt gibt es eine große Anzahl von Nationen und ethnischen Gruppen, die anderen Gesetzen und Bräuchen folgen. Warum? Es zeigt uns, woraus unsere Wünsche bestehen. Wir müssen daher verstehen, dass es hierarchisch eine Menge von allen möglichen Wünschen in uns gibt – von den unkorrigierten, die noch korrigiert werden müssen (heute befinden sie sich auf der Stufe der so genannten Nationen der Welt), bis hin zu den höchsten.

Die gesamte Hierarchie wird nur nach der Möglichkeit verwirklicht, die Wünsche zum Wohl der anderen zu verwirklichen. Ausländer und Fremde können entweder in Ihr Haus eintreten, das bedeutet die Wünsche, mit denen sie bereits für das Geben arbeiten, oder sie können draußen bleiben. Alles hängt davon ab, wie sie sich anpassen und korrigieren.

Frage: Können wir sie Klipot (unreine Wünsche) nennen?

Antwort: Klipot sind die Wünsche, die außerhalb Ihrer Stadt sind. Sie müssen noch genährt werden. Es gibt aber bestimmte Schritte bei deren Ernährung, die sich jedoch nur in dem Umfang offenbaren, wie sie für weitere Korrekturen und das Geben notwendig sind. Dies ist ein sehr ernstes, riesiges, globales System. Es ist unmöglich, es mit dem Verstand zu begreifen; man erfasst es nur innerlich, wenn es in den Sinnen auftaucht. Sie können schließlich das Ganze in Ihren Sinnen wahrnehmen, jedoch ist es unmöglich, es mit dem Verstand zu beschreiben.

Versuchen Sie doch, Ihre Beziehung mit der Gruppe oder Ihrer Familie zu beschreiben. Sie tragen sie in sich! Um sie nach außen darzustellen, bräuchten Sie zahlreiche Bände und könnten noch immer nicht alles beschreiben.

Frage: Ein Mensch denkt, dass dies alles sehr kompliziert ist. Wie können wir das aber erreichen?

Antwort: Es gibt nichts kompliziertes, wenn Sie versuchen, es mit Ihren Gefühlen und nicht mit Ihrem Verstand zu begreifen. Wenn ein Mensch versucht, alles in sich aufzunehmen, dann geschieht alles natürlich.

Von Kab TV „Geheimnisse des ewigen Buches“27/7/16

(198609)

ALL AS ONE! Kabbala-Kongress, 21.-23. Februar 2017, Tel Aviv

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Übergang zu einer neuen Weltordnung

Gedanken von Dr. Michael Laitman zum Thema Musik

Aus dem Buch „Die verborgene Weisheit der Kabbala

Lass die Musik sprechen

Essenz

  • Wenn Worte nicht ausreichen, greift man zur Musik
  • Die zwei Empfindungen (und Stimmungen) der kabbalistischen Musik
  • Musik und die kommende Welt

Für Kabbalisten war das Komponieren von Musik schon immer Teil ihrer spirituellen Ausdrucksform. Dies ist ein untrennbarer Bestandteil ihrer Spiritualität und ergibt sich unmittelbar aus ihrer spirituellen Stufe. Da es in den spirituellen Höheren Welten keine Worte gibt, füllt die Musik diese Lücke. Für musikalische Schüler kann dies nützlicher und mächtiger sein als jedes Buch.

Nicht nur durch Worte

Wenn der Kabbalist beginnt, die Höhere Welt zu offenbaren, betritt er eine neue Dimension. Eine neue Welt enthüllt sich ihm in vollem Ausmaß. Dies ist etwas, das nicht in unserer Welt existiert.

Der Kabbalist nimmt ein vollkommen anderes Bild wahr: Kräfte, die unsere Welt in Bewegung bringen, und Seelen, die nicht in Verbindung mit den Körpern stehen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eins für Kabbalisten. Der Kabbalist erkennt all dies und lebt in einer ewigen und vollkommenen Empfindung, die das ganze Universum umfasst.

Worte reichen nicht aus, um diese tiefe emotionale Erkenntnis zu beschreiben. Wie beschreibt man etwas, das man nicht berühren kann? Die Welten der Kabbala müssen von Kabbalisten „gefühlt“ werden.

Wenn Worte fehlen, verschafft uns die Musik Erkenntnis jenseits unseres gewöhnlichen Verständnisses. Musik hat die Kraft, uns zu „bewegen“ und uns Dinge spüren zu lassen, die jenseits der Worte liegen.

Spirituelle Funken

Wenn die Niederen ihr Leben durch Lieder beginnen… wenn die Höheren ihnen mehr Kraft gewähren, damit die Niederen das Höhere Licht der Weisheit erhalten werden, welches sich im SoN der Welt Azilut enthüllt und in den Engeln, die ihm vorausgehen. Auf diese Weise erhöht der Niedere die Kraft und das Leuchten der Weisheit in den Höheren Welten.

Rav Yehuda Ashlag, Sulam Kommentar zum Buch Sohar

Musik- sie berührt, wo Worte es nicht können

Kabbalisten erklären anhand von Texten die Stufen der Spiritualität, die sie erreicht haben. In ihren Schriften leiten uns Kabbalisten jedoch nur an, wie wir einen Eindruck gewinnen, eine Wahrnehmung und ein Gefühl dieser Realität entwickeln können. Sie schreiben über die Art der Handlungen, die sie in ihrem Inneren vollziehen müssen, mit ihren Verlangen, ihrem Schirm und den Reshimot- mit allem, was in ihrer Seele ist.

In der Tat sagen die Schriften: „Führen sie bestimmte Handlungen aus, und dadurch werden sie bestimmte Dinge entdecken.“ Sie beschreiben aber nicht, was wir fühlen werden, denn es ist unmöglich, Gefühle in Worte zu fassen.

Es ist, als ob man jemandem ein neues Gericht präsentieren würde und sagte: „Versuche es und du wirst wissen, was ich meine.“ Ob bitter oder süß- man kann nur erahnen, was ein Mensch verspüren und wie er dies erleben wird. Doch die Empfindung selbst wird nur der Mensch selbst spüren, der das Angebot annimmt, und niemand sonst. Die Kabbalisten haben es also sehr schwer, uns zu vermitteln, was sie fühlen, was sie erkennen und was sich vor ihnen enthüllt- was die verborgene Welt ist.

Nur ein Medium kann die Freude eines Menschen zum Ausdruck bringen, dem sich die Höhere Welt offenbart hat, und das ist die Musik. So schrieben die Kabbalisten neben Artikeln und komplexen Schriften auch Melodien und Lieder. Es ist eine weitere Möglichkeit für sie, ihre Empfindungen in klarer Weise zum Ausdruck zu bringen, von Herz zu Herz, durch Melodien, ohne Worte, damit diese Melodien unsere Herzen durchdringen und uns verändern- uns darauf „einstimmen“, die Höhere Welt zu erkennen.

Praktische Umsetzung

Selbst die Musik kann die Eindrücke der Höheren Welt nicht präzise vermitteln, weil wir nicht die gleichen Kelim (Gefäße), die gleichen Sinnesorgane oder die gleichen inneren Eigenschaften besitzen wie jene Kabbalisten, die die Höhere Welt erreichten und wahrnahmen. Dennoch gibt uns die Musik einen Eindruck der Höheren Welt, ein ähnliches Gefühl- und doch nur eine schwache Kopie.

Bade im Licht

Kabbalistische Musik drückt die spirituellen Zustände der Kabbalisten aus.

Die Melodien wurden komponiert, um zwei unterschiedliche Stufen in der Spiritualität zu beschreiben. Die erste ist das Leid, das daraus resultiert, dass man sich vom Schöpfer entfernt. Dieses Gefühl erzeugt traurige Musik, ausgedrückt durch ein Flehen nach Annäherung. Die zweite Emotion ist Freude, resultierend aus der Annäherung an den Schöpfer. Dieses Gefühl bringt fröhliche Musik hervor, ausgedrückt durch Dankesgebete. Wenn Sie kabbalistischer Musik lauschen, hören und fühlen Sie diese beiden unterschiedlichen Zustände in der Musik.

Diese beiden Stimmungen zusammengenommen beschreiben die Beziehung der Kabbalisten zum Schöpfer und ihre Vereinigung mit dem Schöpfer. Obwohl uns einige Melodien zu Tränen rühren, lieben wir sie, da sie das Leid ausdrücken, mit dem man umzugehen lernen muss, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen. In der Kabbala wird dies „Versüßung des Urteils“ genannt.

Die Musik taucht den Hörer in ein wunderbares Licht. Wir müssen nicht alles darüber wissen, bevor wir sie hören, weil das Verborgene unbeschreiblich ist. Aber die Musik wirkt schnell und direkt in unseren Herzen. Sie immer und immer wieder zu hören, ist eine sehr besondere Erfahrung.

Wenn Sie die Musik fühlen, brauchen Sie sich nicht die verschiedenen Ebenen der spirituellen Welten vorzustellen, die in den Büchern beschrieben werden. Diese Stufen existieren nirgends, außer in Ihnen selbst, und verführen Sie daher.

Was ist also so besonders an dieser Musik, dass jeder sie verstehen kann, auch wenn er nicht die spirituelle Stufe des Komponisten erreicht hat? Von Kabbalisten komponierte Musik zu hören, verschafft uns die Möglichkeit, ihre spirituellen Empfindungen zu erkennen.

Melodien der kommenden Welt

Die Melodien der Kabbala können als Melodien der kommenden Welt beschrieben werden, weil sie dazu dienen, die Höheren Welten in diese Welt herabzubringen. Singen zieht Segen von Oben herab, der sich in allen niederen Welten manifestieren kann.

In den Worten von Rabbi Elazar Azikri (1533-1600): „Jene, die streben, sollen Lobpreisungen bis zu den spirituellen Höhen, bis zu den Höheren und niederen singen und damit alle Welten durch das Band des Glaubens zusammenhalten.“ (In der Kabbala bedeutet „Glaube“ Erreichung des Schöpfers)

Stimmen Sie Ihr inneres Instrument

Um zu verstehen, was der kabbalistische Komponist in der Melodie ausdrücken wollte, müssen Sie nur zuhören. Dadurch dass die kabbalistische Melodie einen Eindruck der spirituellen Welten vermittelt, berührt sie Sie wahrscheinlich bis zu einem bestimmten Grad.

In jedem von uns steckt eine Seele, und die Seele eines Kabbalisten ähnelt einem Musikinstrument, welches perfekt gestimmt ist und sich sauber anhört, gleich der biblischen Violine König Davids.

Dies war keine gewöhnliche Violine, sondern das innere Kli (Gefäß/Instrument) der Seele eines Kabbalisten. Darin fühlt der Kabbalist die Realität auf eine bestimmte Weise und drückt sie durch eine Melodie aus.

Spirituelle Funken

Wenn ein Mensch sich die Eigenschaft von Bina –Barmherzigkeit- aneignet, fühlt er sich ruhig und gelassen. Rav Baruch Ashlag verdeutlichte dies in seiner sanften Melodie zu den Worten des Psalms 116 „Denn du hast meine Seele befreit.“

Spirituelle Harmonie

Sie können die kabbalistischen Klänge nutzen, um sich mit den spirituellen Wurzeln zu verbinden, von denen sie geschrieben wurden. Entspannen Sie sich und hören Sie die Musik. Die Information liegt in den Noten selbst. Die Noten in der Kabbala sind nicht wahllos oder zufällig. Ihre Harmonien folgen kabbalistischen Regeln und sind entsprechend dem Aufbau der Seele ausgewählt. Sie stellen den Weg dar, der die Leiter hinaufführt. Sie (der Hörer) fühlen, wie die Melodie ungehindert und tief in Ihre Seele eindringt. Sie erkennen darin die Verbindung zwischen Ihrer Seele und den Wurzeln der Noten.

Spirituelle Funken

Singen ist der Ruf der Seele,…das Lied erweckt die Höheren und die niederen in allen Welten. Ein Lied ist wie eine Quelle von Oben, eine Ruhe des Höheren, die göttliche Barmherzigkeit. Das Lied schmückt den geheiligten Namen, Malchut, das Gefäß des Schöpfers. Und dies ist der Grund, warum es das Heiligste des Heiligen ist.

Rav Yehuda Ashlag, Sulam Kommentar zum Buch Sohar

Das Gleiche gilt für die Melodien. Musiker, die kabbalistische Musik zu spielen vermögen, sind dünn gesät. Der Unterschied zwischen dem, der „schön“ spielt, und dem, der „korrekt“ spielt, liegt im Verständnis für die wichtigen Dinge. Das Wichtigste liegt nicht in den Tönen, sondern in den winzigen Nuancen- im Beginn und im Ende des Klangs.

Ich hatte einen wundervollen Studenten, der Violine spielte. „Ich kann nur spielen, wenn du meine Hand halten wirst“, sagte er mir. Und er hatte Recht- kabbalistische Musik transportiert das richtige Gefühl und nicht die richtigen Noten.

Zusammenfassung

  • Musik ist ein weiteres Medium für Kabbalisten, um ihren spirituellen Zustand auszudrücken.
  • Kabbalistische Musik lässt Sie fühlen, was die Bücher durch Text ausdrücken
  • Kabbalistische Lieder drücken das Zusammenspiel zweier Stimmungen aus. Leid über die Entfernung vom Schöpfer und Freude über die Annäherung an den Schöpfer
  • Letztendlich müssen Sie sich nur entspannen, der Musik lauschen und dabei die Gefühle der Kabbalisten aufnehmen, die diese in ihrer Musik enthüllt haben.

 

Student und Lehrer, zwei Stufen

Frage: Wann kann ein Lehrer für den Studenten zum Überträger spiritueller Energie werden?

Meine Antwort: Das geschieht, wenn der Lehrer als Kanal dienen kann, durch den das höhere Licht zum Studenten weitergeleitet wird, oder man hilft dem Studenten zumindest dabei, sich mit einer Zehnergruppe zu verbinden, die dann das höhere Licht anzieht.

Frage: Aber bindet der Lehrer nicht den Studenten an sich?

Meine Antwort: Das kann in der Weisheit der Kabbala nicht passieren! Ich erinnere mich an meinen Lehrer Rabash, den letzten großen Kabbalisten. Seine Größe und enorme Wichtigkeit zeigte er nie. Heute lesen wir seine Artikel, die in meiner Gegenwart geschrieben wurden. Ich erinnere mich an alles, was damals geschah, bis ins letzte Detail, an die Jahreszeit, als wir im Park auf einer Bank saßen, als er schrieb. Ich erinnere mich an alles ganz genau, sogar an die Hintergrundgeräusche und die Stimmen um uns herum. Wenn ich heute seine Artikel wieder lese, dann stelle ich fest, dass ich sie tiefer verstehe als in der Vergangenheit, obgleich seither so viele Jahre vergangen sind.

Es ist nicht möglich, einen Lehrer sofort wertzuschätzen, obwohl er seine innere Welt nicht versteckt. Niemand versteckt irgendetwas vor uns. Damals dachte ich mir: „Ich trete in seine Nähe ein. Ich werde an seiner Seite sein, und dann werde ich ihn schütteln und alles aus ihm herausholen, was er hat!“

Da gibt es überhaupt nichts herauszuschütteln. Der Lehrer ist bereit, alles weiterzugeben. Alles hängt nur von der Stufe ab, auf der ihn der Student verstehen kann. Student und Lehrer sind zwei Stufen. Aber wie kann sich ein Student dem Lehrer annähern, von ihm empfangen, absorbieren und von ihm übernehmen? Das ist eine andere Sache und sie ist nicht einfach.

Aus der russischen Kabbalalektion 8/7/16

[198911]

 

Eine gegenseitige Verbindung zwischen zwei Kräften

Frage: Was sind gute Beziehungen und wie beziehen sie sich auf die Spiritualität?

Meine Antwort: Die spirituelle Welt wird enthüllt, wenn jemand sich so ausrichten kann, dass er sich in einer korrekten, gegenseitigen Verbindung zwischen Gut und Böse befindet. Er tötet nicht das Böse und klebt nicht am Guten, sondern er schafft eine Verbindung, bei der die beiden Kräfte einander ergänzen. Es gibt nichts Böses ohne das Gute und nichts Gutes ohne das Böse; es gibt kein Licht ohne Dunkelheit und keine Dunkelheit ohne Licht. Die mittlere Linie muss sie korrekt stabilisieren.

Wenn jemand korrekt handelt, indem er sich zwischen diesen beiden Linien ausrichtet, dann wird sein Egoismus ständig wachsen. Auf diese Weise kann er eine positive Kraft erzeugen. Er stellt sich dem Egoismus entgegen und erbaut sich selbst in der mittleren Linie. Dies fasst die gesamte Methode der Weisheit der Kabbala zusammen, und das ist Erziehung des Selbst.

Sobald eine Person korrekt zwischen den zwei Linien arbeitet, fühlt sie dann die höhere Welt in der mittleren Linie. Das ist der Naturzustand, der aus der exakten Balance zwischen der positiven und der negativen Kraft besteht.

Auf den Stufen von unbelebt, pflanzlich und belebt kooperieren diese Kräfte miteinander auf natürliche Weise, instinktiv, was keinerlei Arbeit erfordert. Aber auf der menschlichen Stufe müssen wir diese gute Kraft in der Natur finden, um die negative Kraft dadurch auszubalancieren und uns so weiter zu entwickeln. Menschen, die die schlimmsten auf der Welt überhaupt sind, können gleichzeitig höher steigen als alle.

Die beiden Kräfte findet man scheinbar außerhalb des Menschen, aber wenn wir dem dann nachgehen, erkennen wir die negative Kraft in uns und wir fühlen, welche positive Kraft wir brauchen, mit der wir die negative Kraft ausbalancieren können. All dies ist nur möglich, wenn wir korrekt miteinander in einer Zehnergruppe arbeiten.

Aus der russischen Kabbalalektion 7/3/16

[198633]

Was ist die Furcht vor dem Schöpfer?

Frage: Wenn man einen Gedanken von der höheren Kraft erhält (immer, wenn man im Leben Erfahrungen mit Ereignissen und Prüfungen macht), geschieht dieses nur dank der Anstrengung, sich dem Schöpfer wenigstens ein bischen zu nähern. Die Richtschnur, ob man auf dem richtigen Weg ist, ist immer das Auftauchen eines Gedankens von oben, der vom Schöpfer kommt.

Ist es dieser Glaube, den wir so sehr brauchen, um korrekt in der Spiritualität voranzukommen? Wird die Angst, diesen Gedanken nicht zu empfangen, weil man nicht genügend Anstrengung unternimmt oder irgendetwas uns vom Schöpfer fernhält, Furcht vorm Schöpfer genannt?

Antwort: Die Gottesfurcht ist keine Furcht. Es ist in Wirklichkeit eine Sehnsucht, keine Gelegenheit zu verpassen, Ihm alles zu geben, was man kann. Es gleicht eher der Sehnsucht einer Mutter, die nach allen Mitteln sucht, etwas für ihr Baby zu tun.

[198254]

Zwei Sprachen und ihre Höheren Wurzeln

Frage: Was ist so besonders an der hebräischen und der aramäischen Sprache, das in anderen Sprachen nicht existiert? Wie ergänzen sie sich gegenseitig?

Antwort: Nehmen wir an, dass es möglich wäre, die gesamte Weisheit der Kabbala in die englische Sprache zu übersetzen und sie in dieser Sprache zu erlernen, da es die am weitesten verbreitete Sprache ist, die wir heute benutzen. Es wäre sicher viel einfacher und leichter für alle auf der Welt, da dann grundsätzlich Millionen Menschen die Weisheit der Kabbala lernen könnten.

Das wäre jedoch nicht erfolgreich, weil es eine große Verwirrung zwischen den spirituellen Wurzeln und deren Abkömmlingen gäbe. Es gibt keine Sprache auf der Welt, die mit den höheren spirituellen Wurzeln verbunden ist, außer der Hebräischen und der Aramäischen. Alle Sprachen haben sich in ihrer Entwicklung verändert, außer den beiden.

Wenn jemand aus dem modernen Griechenland jemanden aus dem antiken Griechenland träfe, dann würden sie sich nicht verstehen. Selbst das mittelalterliche und das moderne Französisch sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Und so ist es mit allen Sprachen, außer der Englischen, die nicht solche abrupten, revolutionären Veränderungen durchlaufen hat, weil die Briten konservativer sind.

Die hebräische Sprache stammt vollständig von spirituellen Wurzeln ab, daher ist sie unverändert. Wenn wir heute einen Menschen von vor 3000 Jahre träfen und mit ihm sprächen, dann würden wir mit ihm im selben Hebräisch sprechen.

Natürlich würde er Neologismen wie Flugzeug, Hubschrauber, Pistole usw. nicht verstehen. Aber alle Worte aus den spirituellen Wurzeln sind absolut identisch geblieben. Die Sprache und die Grammatik haben sich im Laufe der Zeit nicht verändert.

Wir lesen Bücher, die vor 3000 Jahren geschrieben wurden, z.B. Sefer Yetzira von Abraham, das vor 3500 Jahren geschrieben wurde, die Tora wurde vor 3000 Jahren geschrieben und der Babylonische Talmud vor 2500 Jahren. Nichts hat sich darin verändert. Wir lesen sie und alles ist verständlich.
Aus der russischen Kabbalalektion 7/24/16

[198775]

Den Menschen bilden

Frage: Tausende Jahre haben Mensch viele Tiere domestiziert. Aber bei einigen besonders grausamen und gefährlichen wurde das nie versucht. Unter ihnen ist ein boshafter Zweibeiner, der sich selbst den unpassenden Namen „Homo Sapiens“ gab. Er vernichtet seine eigene Art in einem Ausmaß, welches bei keinem anderen fleisch- und pflanzenfressenden Bewohnern des Planeten beobachtet wird.

Um einen Menschen zu domestizieren braucht es nur eine Sache: Einander nicht zu töten. Diese Eigenschaft kann sehr einfach erlernt werden durch gute Bildung. Also warum bringt man uns seit dem Tag unserer Geburt durch Filme, Computerspiele, Lieder und Geschichten bei, die eigene Spezies in großem Maßstab zu töten ?

Weil wir auf ein Leben in einer Umwelt mit viel Konkurrenz vorbereitet werden, die sich jederzeit zu einem Krieg ausweiten kann? Diese Kultur nennt man Kapitalismus. Und macht sich jeder, der den Kapitalismus verteidigt, des Mordes mitschuldig?

Meine Antwort: Das Problem ist nicht der Kapitalismus, Sozialismus oder Kommunismus, keiner der „‑ismusse“ und nicht die Gesellschaft im allgemeinen. Die Wurzel des Problems ist eher die menschliche Natur, die sich stets zum Schlechteren wandelt. Seit wir die Höhlen verließen, verstreuten wir uns über die Erde und gründeten Völker, Gruppen und Klans, formten Staaten und Königreiche. Dies geschah unter dem Einfluss unseres „Egoismus“, der größere Gruppierungen, mehr Subordination und größeren Profit verlangte. Das geschieht nicht, weil wir es so wollen, sondern weil sich unsere Natur so entwickelt – aus dem Inneren.  

Die Natur lehrt uns, wie wir zu handeln haben. Philosophie und alles andere entwickeln sich, nachdem wir anders geworden sind und angefangen haben, über uns selbst zu lernen: was mit uns passiert ist. Die Natur gibt uns Konkurrenzdenken, die Notwendigkeit über einander zu triumphieren und andere zu besiegen. Und wir können nichts dagegen tun.

Wir sehen diese Konkurrenz in kleinen Kindern, wie sie miteinander kämpfen und nichts teilen wollen. Und wir sehen es in allen Beziehungen zwischen Erwachsenen in Gesellschaft, Wissenschaft – in allen Belangen. Besonders tritt dies in Schönheitswettbewerben, sportlichen Veranstaltungen oder bei den Olympischen Spielenes zu Tage. Es blüht bei der Arbeit, im Dienst, im internationalen Handel und Business.

Es ist überall – Konkurrenz und Kampf. Kampf zählt zur Normalität in unserem Leben. Die Beziehung einer Person mit der Bank, dem Chef, dem Leben, der Krankenversicherung, dem Bildungssystem, etc. – all das ist ein Kampf. Wir versuchen nicht, den Prozess aus einem positiven Standpunkt zu verstehen, wie wir unser Leben balancieren und es richtig aufbauen können; sondern wir sehen es als ein Resultat unserer Beziehungen und aus Angst, dass jemand vielleicht das größere Stück bekommt.

Es ist ein schreckliches Leben! Wenn wir es nüchtern betrachten, dann sehen wir, dass es ein ständiger Krieg ist, aber wenigstens ein Krieg, an den wir gewöhnt sind, und kein physischer, bei dem Menschenleben genommen werden. Die richtige Einschätzung von Ereignissen wäre, dass alles von der Natur kommt, die wir nicht ändern können. Wir können nur irgendwie miteinander besser zurechtkommen. Die Natur wird weiterhin die Menschheit in ihrer egoistischen Entwicklung vorwärts treiben.

Deswegen wird eine anti-egoistische Erziehung, über die Psychologen sprechen, der Menschheit nicht weiterhelfen. Nur die Lehre der vernünftigen Interaktion tut es. Wir fangen in kleinem Alter an, setzen ein Kind in einen Kreis und entwickeln langsam die Kenntnis,  dass es nicht „ich“ ist, sondern „wir“. Dieses Training ist sehr ernst. Ich habe es bisher nicht in seiner Reinform in der Psychologie gesehen. Die Kabbalah erklärt die Methode und wir haben sie seit langer Zeit angewandt.

Die Grundlage der Methode ist, dass ein Kind richtig mit einer Gruppe interagiert und versteht, dass in diesem Fall die Gruppe das persönliche „selbst“ darstellt. Gleichzeitig wird es untrennbar ein Teil der Gruppe, der Gesellschaft, es liebt es und es betrachtet es als zu Hause. Es beginnt, alle Mitglieder der Gesellschaft als sich selbst zu sehen. Und das ist die Aufgabe: Beziehungen aufbauen zwischen Menschen, bei denen sich alle als eine Person fühlen. Später, wenn eine Person zu einer anderen Gesellschaft kommt, nimmt sie ihre Gewohnheiten mit. Natürlich ist ein solcher Übergang nicht einfach; es ist wichtig vorher zu lernen wie.

Deshalb wird die richtige Interaktion mit anderen gelehrt, das Gefühl für den Mitmenschen oder einen Freund entsteht; die Wahrnehmung für die Menschen mit ihren Gedanken, Absichten und den Grad der Nähe zwischen ihnen entwickelt sich. Man fängt an, andere als sich selbst wahrzunehmen. Mit jeder anderen Person hat man einen momentanen Kontakt, entweder positiv oder negativ, aber wenigstens versteht man ihn. So wird aus Konkurrenz durch gemeinsame Aktivitäten und durch Partnerschaft mit Freunden Kooperation.

Frage: Entwickelt man ein Verlangen dafür, dass andere Erfolg haben?

Antwort: Das ist ein notwendiges Gefühl, das die gleiche Plattform für eine gute Verbindung schafft, in der man beginnt, das als einzige Wahrheit zu betrachten.

Frage: Aber Sie sagten, dieses Prinzip stünde gegen die menschliche Natur. Wie funktioniert das?

Antwort: Es steht gegen die menschliche Natur, aber es steht im Einklang mit der Erziehung, die der Mensch bisher genossen hat. Und gerade mit Handlungen, die gegen seine Natur gehen, erhebt er sich darüber. Er versteht, dass jetzt eine größere Kraft in seinen Händen liegt als die ablehnende egoistische Kraft. Das ist eine altruistische, anziehende, vereinende Kraft. Wenn diese Kraft dank seiner Anstrengungen anfängt zu dominieren, sieht er dass die zwei Kräfte, die altruistische und egoistische, einander erschaffen; sie sind dazu bestimmt, gemeinsam zu funktionieren wie plus und minus im elektrischen Strom, wie die Pole eines Magneten, wie Elektron und Proton in Materie. Die zwei Kräfte können nicht ohne einander existieren und der Mensch lernt, mit ihnen richtig zu arbeiten.

Das ist der Anfang einer höheren Psychologie. Psychologen können die positive Kraft nicht in unsere Welt bringen. Aber genau das ist unsere Hauptaufgabe, da unsere Welt vollständig auf der negativen Kraft aufbaut, wie es geschrieben steht: „Ich habe den bösen Trieb geschaffen“ (Traktat  Kiddushin 30b). Das ist die einzige Kraft, die in unserer Welt wirkt. Und sogar die positive Manifestation, die wir sehen, ist aus Konkurrenz heraus geboren.

Die Weisheit der Kabbalah lehrt, wie wir die versteckte positive Kraft in unsere Welt bringen. Wir können sie aufdecken und in unser tägliches Leben bringen. Dann können wir mit den beiden Kräften arbeiten, der Positiven und der Negativen, und dann wird es möglich sein, an uns selbst zu arbeiten.

Frage: Heißt das, dass man sich von Kabbahlisten leiten lassen muss?

Antwort: Es müssen Kabbalisten vereint mit Psychologen sein. Psychologen müssen verstehen, dass sie alleine nicht die Möglichkeiten haben, die Menschen zu verbessern. Das heißt, die Psychologie ist heute ebenfalls in der Krise.