Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Mensch'

Lasst uns experimentieren!

Auszug aus der 3. Kongresslektion in Berlin

Frage: Kabbala ist eine experimentelle Wissenschaft. Können wir diesen Kongress als ein Experiment betrachten?

Meine Antwort: Jeder von uns ist ein Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kabbala, in dem Sinne, dass er ein Experiment an sich selbst durchführt und die Umsetzung der Kabbala, ihre Schlussfolgerungen und ihre Richtigkeit in sich selbst spürt.

Nehmen wir an, ich habe vor 30 Jahren das allen bekannte Buch Shamati gelesen und vielleicht ein Hundertstel von einem Prozent davon verstanden. Später, während ich es Jahr für Jahr immer wieder gelesen und dessen Ergebnis an mir gespürt habe, habe ich das, was mit mir geschieht, mit dem, was im Buch steht, verglichen und mich jedes Mal gewundert, wie genau alles, was mit mir passiert, in diesem Buch wirklich beschrieben ist. Und so lese ich seit über 30 Jahren dieses Buch Shamati (ich habe es 1979 bekommen) und stelle natürlich jedes Mal fest, dass dieses Buch von mir handelt.

Es wird sich mir auch in zehn Jahren als eine Quelle offenbaren, in der alles über mich geschrieben steht. Alles! Weil der Mensch, der es geschrieben hat, natürlich unten wie alle anderen Menschen angefangen hat, aufgestiegen ist und es von einer solchen spirituellen Stufe geschrieben hat, die ich noch nicht erreicht habe.

Wenn ich noch höher aufsteigen würde, würde ich plötzlich feststellen, dass das Buch nicht mehr über jene Zustände spricht, die ich durchlaufe. Dabei würde es für mich klar sein, ich würde deutlich sehen, dass der Verfasser nur eine bestimmte und keine höhere Stufe erreicht hat.

Das können wir bei einigen Verfassern von kabbalistischen Büchern beobachten. Obwohl das auf keinen Fall ihre Verdienste schmälert! Sie haben bis zu jener Stufe geschrieben, die sie erreicht haben, und so macht das jeder von uns.

Andererseits welches Recht haben wir, nach den Kabbalisten, die bereits gelebt haben, etwas zu deuten, zu schreiben oder nachzuschreiben? Es ist so, dass wir das schreiben, was auf unseren Stufen richtig ist. Und gerade weil wir klein sind, können wir das alles ausschreiben. Auf diese Weise ist es für diejenigen, die Kabbala entdecken, leichter, den Kontakt mit unserem Material als mit diesen großen Werken herzustellen, weil jene Kabbalisten sie von einer sehr hohen Stufe geschrieben haben.

Doch letztendlich führen wir wirklich ein Experiment an uns selbst durch, und dieses Experiment werden wir unser Leben lang durchführen, bis wir das Ende der Korrektur erreicht haben. Deshalb sage ich, dass Kabbala im Gegensatz zu allen anderen Wissenschaften nicht außerhalb des Menschen funktioniert. Du erforschst nichts außerhalb von dir, sondern immer an dir und in dir. Also lasst uns experimentieren!

Auszug aus der 3. Kongresslektion in Berlin, 28.01.2011

Wo beginnt der Mensch?

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin

In jedem Menschen entstehen Verlangen, und er versucht, sie zu erfüllen. Andererseits gibt es Menschen, die diesen widersprechen bzw. widerstehen. Auch das wird vom Schöpfer gesteuert. Wir werden von Ihm wie Schachfiguren bewegt.

Wir verfügen über keinen freien Willen, deshalb hat es keinen Sinn, den Menschen als gut oder als schlecht zu beurteilen. Und er sollte auch keine Folgen oder keine Reaktionen auf seine Handlungen erwarten: weder Himmel noch Hölle, noch Sonstiges. Wie es in dem Buch Sohar geschrieben steht: „Wir alle sind den Tieren ähnlich“.

In der Tat, worin besteht dein freier Wille? Selbst wenn es in dir eine Illusion dessen entsteht, geschieht es nur, weil dir nicht klar ist, was genau du willst. Der Schöpfer gibt dir absichtlich solche Anweisungen, solche lenkenden Signale, die einen Anschein von freien Handlungen entstehen lassen, aber auch nicht mehr.

Deswegen bedeutet die Erkenntnis dessen, dass „es niemanden außer Ihm gibt“, in erster Linie die Erkenntnis dessen, dass wir alle Rädchen in einem gewaltigen Getriebe sind.

Wo beginnt nun der Mensch? Der Mensch beginnt mit dem freien Willen. Und um diesen zu erlangen, muss er sich bis dahin entwickeln. Deshalb entwickelt er sich zuerst im Laufe der Jahrtausende in seinem Egoismus, der von oben von dem Schöpfer gesteuert wird, später erwacht in ihm der „Punkt im Herzen“. Mit anderen Worten: es entsteht ein weiteres Verlangen, ein zusätzliches, eins, das allen anderen entgegengesetzt ist. Es zerbricht den Menschen in Einzelteile, es quält und lähmt ihn.

Natürlich kommt dieses Verlangen ebenfalls vom Schöpfer. Es kann von nirgendwo sonst herkommen, es entsteht nicht einfach aus der Luft. Denn der Mensch ist eine Schöpfung. Deshalb macht uns der Punkt im Herzen noch lange nicht frei – frei vom Schöpfer.

Wovon kann er sonst „frei“ sein? Wenn es nur eine einzige Kraft gibt, die alle von oben steuert, kann mein freier Wille nur darin bestehen, diese Kraft neutralisieren zu können.

Wie kann ich das erreichen? Mehr noch: angenommen, ich habe diese Kraft neutralisiert, was wird dann aus mir? Über welche Kräfte, über welchen Verstand werde ich dann verfügen? Wie werde ich dann wählen können? Wodurch werde ich vorangetrieben? Es ist vollkommen unklar. Wenn es zwei Kräfte gäbe, würde ich zwischen ihnen wählen können. Wenn es aber nur eine Kraft gibt, dann gibt es keinen freien Willen? Wozu ist dann alles erschaffen worden? Um diesen Ameisenhaufen zu steuern?

Nein, es gibt jedoch einen Sinn. Er besteht darin, die Schöpfung, also den Menschen zwei entgegengesetzte Kräfte beherrschen zu lassen, damit er, indem er zwischen ihnen wechselt, ein Beispiel am Schöpfer nimmt, sich Seine Eigenschaften aneignet, eine Kopie von Ihm für sich zieht. Schritt für Schritt, Eigenschaft für Eigenschaft überträgt er allmählich immer mehr Informationen vom Schöpfer auf sich selbst und kann letztendlich vollkommen dem Schöpfer ähnlich werden.

Dann beginnt der Mensch in dem Ausmaß seiner Ähnlichkeit mit dem Schöpfer sich selbst so zu steuern, wie der Schöpfer ihn steuern würde. Und sogar viel besser.

Denn es offenbart sich in ihm ein absichtlich erschaffenes Verlangen: er will dem Schöpfer entgegengesetzt sein. Doch stattdessen beginnt er, indem er das Programm, die Methode der Lenkung vom Schöpfer übernimmt, entgegen seinem Egoismus sich selbst richtig zu lenken.

Also hat der Schöpfer den Menschen böse erschaffen. So steht es auch geschrieben: „Ich habe das Böse erschaffen. Gleichzeitig habe Ich dir die Methode gegeben, dieses Böse zum Guten zu korrigieren. Dann wirst du Mir ähnlich und frei, indem du selbständig alle Handlungen an dir selbst vornimmst.

Du hast zwei Zügel in der Hand: deine verdorbene egoistische Natur und deine gute altruistische Natur. Nimm das an, ziehe eine Kopie von Mir und kleide dich in diese ein. Dann wirst du Adam heißen, was von „dome“ – dem Schöpfer ähnlich – kommt.

Wir haben also eine Möglichkeit, uns der Höheren Lenkung zu entziehen, keine Marionetten zu sein und nicht mehr zu sagen, dass „es niemanden außer Ihm gibt“. Es gibt noch eine Kraft außer Ihm – das ist die Kraft jenes Menschen, der eine Kopie vom Schöpfer zieht und alles an Seiner Stelle macht. Und darin besteht in Wirklichkeit die Freiheit des Willens, weil wir in diesem Fall mit zwei entgegengesetzten Eigenschaften der Schöpfung arbeiten: mit dem Egoismus und der Eigenschaft des Gebens.

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

Die Verbindung mit den Freunden ist die Verbindung mit dem Ziel

Frage: Was fehlt mir, um das kabbalistische Wissen im alltäglichen Leben zu realisieren? Ich empfinde eine tiefe Kluft zwischen dem, was ich verstehe, und dem, was ich durchlebe.

Meine Antwort: Es gibt nur eine Lösung – die Entwicklung zu beschleunigen. Dafür sind ein intensiveres Studium und eine größere Verbindung mit den Freunden notwendig. Es bedarf keines Geldes, keiner Verehrung, keiner Macht, keiner sonstigen Anstrengungen – nichts, außer dem Gedanken, damit das nicht vergessen wird.

Das Wichtigste ist die Verbindung zwischen uns. Trotz seiner Abneigung möchte der Mensch sich anstrengen und Verbindung zu den Freunden halten, um die Wichtigkeit des Ziels zu erkennen. Und wenn er diese Wichtigkeit erreicht hat, „gibt er sie weiter“ – er verbreitet sie für die Anderen.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 04.02.2011

Wer hilft mir?

Baal HaSulam, Shamati, „Es gibt nichts außer Ihm“: Nicht nur, dass der Mensch in seiner spirituellen Arbeit nicht fortschreitet, keinen Lichtblick vor sich sieht – es scheint sogar, als würde er sich zurück entwickeln , das heißt, er hat keine Kraft, den Willen des Schöpfers, der ihn vorwärts treibt, noch nicht einmal „für sich selbst“ (lo liShma) auszuführen.

Es entsteht kein echtes egoistisches Verlangen, welches in der Lage wäre, etwas zu überwinden. Es kommt eine Art Kraftlosigkeit, Gleichgültigkeit, Automatismus auf. Mag es gehen, wie es wolle – es wird mit dem Strom geschwommen. Ein bisschen besser – ein bisschen schlechter.

Und nur durch wahres Überwinden aller Hindernisse, durch den Glauben über dem Verstand, kann er sich vorwärts bewegen.

Was bedeutet „durch wahres Überwinden, durch den Glauben über dem Verstand“? Wenn der Mensch trotz seines Verlangens und seiner Gedanken, ohne auch nur im Geringsten dazu bereit zu sein, damit beginnt, sich mit dem Lehrer, mit der Gruppe , dem Studium und den Büchern zu verbinden. All das zusammen nennt man „Umfeld“ – „Umgebung“.

Doch auch in dem Fall, dass er beginnt, sich damit zu verbinden, wird er hin und her gerissen – in Bezug auf den Lehrer, auf die Gruppe, auf die Quellen und die Bücher. Mal will er – mal will er nicht, mal glaubt er – mal glaubt er nicht, mal hat er keine Lust mehr – mal zieht es ihn nach vorn usw.

Die Schwierigkeiten nehmen zu, und schon glaubt der Mensch, dass dieser Weg zu wenig Anziehendes, zu wenig Bemerkenswertes, zu wenig von dem hat, was vorwärts lockt. Hier gibt es keinen Funken, nichts, wofür es sich lohnen würde, sein Leben, seine Karriere oder seinen Erfolg zu opfern.

Im Endeffekt fällt der Mensch. Sein Abstieg ist ernsthaft, echt, tief und ziemlich lang anhaltend. Dadurch kommt er zum endgültigen Entschluss, dass weder die Gruppe, noch der Lehrer, noch die Bücher, noch die investierten Kräfte, also nichts auf der Welt ihm helfen kann, außer der einzigen lenkenden Kraft – der Schöpfer.

Wie oft ist der Mensch ab- und wieder aufgestiegen, welche Zustände sind durch ihn hindurchgegangen – und all das nur, damit er die vollkommene, absolute Abhängigkeit vom Schöpfer allein verspürt.

Könnt ihr Euch vorstellen, wie oft der Mensch von beiden Seiten geschlagen, geschüttelt, weggestoßen und angezogen werden muss, wie oft ihm die riesige Anzahl von Kräften und alle möglichen Ursachen für seine Zustände gezeigt werden müssen, um ihn letztendlich zu überzeugen, dass es nichts außer einer einzigen Kraft gibt. Wenn sie mir nicht hilft, hilft mir keiner. Nur sie kommt mir zur Hilfe, wenn ich danach verlange.

Und da bekommt der Mensch ein Bedürfnis danach, vom Schöpfer unbedingt Hilfe zu erhalten. Diese Forderung entsteht ebenfalls nicht einfach so, nicht augenblicklich, sie wächst im Menschen allmählich an, gewinnt an Klarheit, an Heftigkeit und Beharrlichkeit. Es ist mit einem Kind zu vergleichen, das um jeden Preis auf seinem Willen besteht: es verlangt nur nach dem Gewünschten und lässt sich von nichts Anderem überzeugen. Einen solchen Zustand müssen wir erreichen. Und in einem solchen Zustand hilft uns der Schöpfer wirklich.

Und nur einem, der sich tatsächlich dem Schöpfer nähern will, um sich nicht mit dem Wenigen zufrieden zu geben, das heißt, damit er nicht auf der Stufe eines kleinen, unvernünftigen Jungen bleibt, gibt man Hilfe von Oben, damit er nicht sagen kann, dass er nun „Gott sei Dank“ alles hat.

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

Ein anderer Ausweg

Wir begehen unterwegs oft Fehler. Wir glauben, dass es noch andere Kräfte außer dem Schöpfer gibt, die uns helfen können. Plötzlich tauchen wir wieder in unseren Beruf oder in unsere Hobbys ein. Wir verzweifeln an der spirituellen Entwicklung und setzen unsere Hoffnung in uns selbst, in die Umgebung.

Wir sind von vielen Hindernissen umgeben, die uns vom Weg abbringen: ein bisschen Religiosität, ein bisschen Mystik, irgendwelche andere Methoden, unser Dasein erträglicher zu machen.

Doch all das ist vergänglich. Am Ende dieser Irrungen, die lange andauern können, kommt der Mensch dennoch an der gleichen Stelle an. Er begreift, dass er hier vor einer Mauer steht und unbedingt, um jeden Preis den Schöpfer enthüllen muss. Das Problem besteht hier nicht darin, dass er das nicht will…

Der höhere Zustand, zu dem der Mensch gelangen muss, ist ein besonderer Zustand. Ich muss mich nicht über den Egoismus erheben, damit es mir besser geht. Denn in diesem Fall entscheide ich mich einfach für einen besseren Zustand aus zwei möglichen, ich verfahre also nach dem alten egoistischen Prinzip. Und von dem Menschen wird verlangt, dass er anfängt, etwas Anderes zu wollen.

Baal HaSulam schreibt darüber in dem Artikel „Es gibt nichts außer Ihm“:

Wenn der Mensch irgendeinen Verstoß begangen hat, dann muss er natürlich bereuen und bedauern, dass er das Gesetz gebrochen hat. Und hier muss man auch die Reihenfolge von Bedauern und Schmerz ermitteln – in welchem Punkt er den Grund sieht, der ihn zum Verbrechen führte, und diesen Punkt soll er bedauern.

Dann muss der Mensch erkennen, dass er gesündigt hatte, weil der Schöpfer ihn zur Seite zurückwarf. Es stellt sich heraus, dass der Schöpfer derjenige war, der ihn in den Schmutz eintauchen lies.

Genauso muss der Mensch auch im Zustand des Aufstiegs klar erkennen, dass es nur aus dem Grund geschieht, weil das Licht ihn aufsteigen lässt.

Es liegt daran, dass der spirituelle Aufstieg in zwei Etappen vollzogen wird. In der ersten Etappe spürt der Mensch die völlige Abhängigkeit von der Höheren lenkenden Kraft. In der zweiten Etappe begreift er, dass das ganze Lenkende um ihn herum und das Lenkende in ihm drin die gleiche Kraft ist. Sowohl das Böse als auch das Gute ist diese Kraft. Es gibt keine Belohnung und keine Bestrafung. Und natürlich gibt es auch nichts, was vor ihm liegt, weil alles vorprogrammiert ist und er lediglich ein ausführendes Instrument in den Händen des Lichts ist.

Und anschließend erwacht in dem Menschen der Punkt im Herzen, mit dessen Hilfe er zu der Umgebung geführt wird. Die richtige Umgebung beinhaltet den Lehrer, die Bücher und die Gruppe. Während der Mensch versucht, nach den alten Regeln mit ihnen zu arbeiten, kann er dem schließlich dennoch nichts Spirituelles abgewinnen, denn er verbindet sich, vereint sich mit ihnen mit Hilfe des eigenen Egoismus.

Wozu sind diese ganzen Etappen notwendig? Denn es gibt noch viel mehr Etappen, die tiefer gehen und feiner sind. Sie alle dienen dazu, dem Menschen zu zeigen, dass es hier eines anderen Ausweges bedarf. Gehandelt werden muss nicht, damit es dir in deinem Egoismus besser geht, sondern damit du dich mit der für dich äußeren Umgebung, mit der für dich äußeren Kraft – mit dem Schöpfer – verbindest.

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

Die Nacht des Auszuges aus Ägypten

Frage: Was bedeutet es, dem Schöpfer zu danken?

Meine Antwort: Nach allen Anstrengungen, die von mir in der Verbreitung, im Studium und in der Gruppe verlangt werden, gerate ich in Verzweiflung und beginne, mein egoistisches Verlangen getrennt von mir zu spüren. Genauso fühlt der kranke Mensch seine Krankheit und ihre Ursache, eine Schmerzzone, die er herausfindet und isolieren möchte.

Dann beginnt die Arbeit an dem Auszug aus Ägypten, nach der Trennung von seinem egoistischen Verlagen. Der Mensch versucht sich davon zu trennen und schafft es nicht. So vergehen die erste und die zweite ägyptische Plage.

Danach beginnt der Mensch zu empfinden, dass die Veränderungen seines Bösen Triebes vom Schöpfer hervorgerufen werden. Wie die Tora erzählt, benachrichtigt der Schöpfer Moses, dass er die Kräfte des Pharaos erhöht, damit Er Sich über ihn erheben und Sich zeigen kann.

Der Mensch beginnt zu sehen und zu verstehen, dass die gesamte Arbeit vom Schöpfer ausgeübt wird. Er führt ihn aus der egoistischen Berechnung, dann lässt er ihn los und der Mensch fällt zurück. Danach holt der Schöpfer ihn wieder, und lässt ihn wieder fallen. Von Mal zu Mal erlangt der Mensch das Wissen und die Empfindung, dass, wenn der Schöpfer nicht so an ihm handeln würde, er für immer in Ägypten bzw. in seinem egoistischen Verlagen bleiben würde.

Diese Eindrücke sammeln sich, werden immer klarer und stärker, bis der Mensch zu schreien anfängt, bereit für alles, nur um von seinem Ego loszukommen. Genau das ist „ die ägyptische Dunkelheit”, die Nacht des Auszuges aus Ägypten.

Es gibt im Menschen keine größere Dunkelheit als diese, doch wenn er weiß, dass er dem Schöpfer folgt, dann wählt er sie aus. Er wählt sie, nicht aus seinem Verlangen zu genießen heraus, sondern, weil vor ihm der Schöpfer schreitet.
Das erlangen wir durch ständiges Arbeiten.

Auszug aus einem Unterricht über den Artikel von Rabash „Was heißt der Verbot den Menschen zu begrüßen bevor man den Schöpfer begrüßt hat in der spirituelen Arbeit“, 23.01.2011

Der zweifache Boden des Internets

Frage: Sie sagten mal, dass das Böse sich innerhalb der Beziehung zwischen Freunden offenbart. Doch wenn der Mensch alleine studiert, durch das Internet, und er keine gemeinsame Arbeit mit den Anderen macht, wie offenbart er das Böse?

Meine Antwort: Ich sehe, dass die Menschen ins Facebook gehen, oder in andere soziale Netzwerke, und einfach leben innerhalb dieser Netzwerke. Dort ist Leidenschaft, Liebe, die Menschen verheiraten sich sogar, wenn sich danach rausstellt, daß es tasächlich Mann und Frau sind 🙂  .

Obwohl dieses Netzwerk voller Lügen und Schmutz ist, sollte es respektiert werden. Vor langer Zeit gingen wir mit Rabash an einem Stadion vorbei, er sagte: „Dieser Platz sollte respektiert werden, er bringt den Menschen Freude!“.
Das gleiche ist es mit dem Internet. Mit seinem Müll, welchen es beinhaltet, verbindet es die Menschen. Es provoziert sie, zwingt sie, das Böse aus sich heraus zu lassen, das sich tief in ihrem Inneren verbirgt, die Eifersucht, der Hass, die Wollust, das Streben nach Ruhm, die Lügen. Was gibt es dort nicht alles… Doch dadurch realisieren wir eine große Anzahl an Reshimot (Informationsgenen).

Die ganze Menschheit befindet sich dort, und alle lügen ständig, möchten einander überlisten, wetten miteinander und schieben aufeinander alles ab. Habt ihr eine Ahnung, was es für eine Arbeit mit dem Ego ist?! Auf welchem Feld hättest du sie zusammen führen können?.. Auf welchem Platz?..

Und so, mit der Hilfe der virtuellen Verbindung, realisieren die Menschen ihre Reshimot, und im Bewusstsein der Natur ihres Ego´s schreiten sie voran.
Warum können wir, die das Verlagen nach der Offenbarung des Schöpfers/der Eigenschaft des Gebens besitzen, unsere spirituellen Reshimot nicht richtig durch die virtuelle Verbindung realisieren? Ich bin überzeugt, dass das gesamte Internet sich nur dafür entwickelt hat. Die Zeit der Beschleunigung des Endweges ist gekommen, und wie in anderen Dingen, haben die Menschen aus ihrem Bedürfnis heraus solch eine Verbindung entwickelt.

Deswegen sollen wir zwischen uns so ein soziales Netzwerk organisieren, damit jeder Freund, unabhängig davon, ob er in einer physischen Gruppe ist oder nicht, in der Lage ist, alle zu fühlen und ständig verbunden mit uns zu sein, in gemeinsamen Ideen, gemeinsamen Bemühungen, Arbeit, dem Studium und dem Umgang miteinander.
Auszug des Unterrichtes nach dem Artikel, „Charakter der Wissenschaft der Kabbala“, 20.01.2011

Hinter den Wörtern des Sohar…

Frage: Wenn der Sohar über den Menschen spricht, sind damit seine Verlangen gemeint?
Meine Antwort: Nach dem Buch Sohar ist „der Mensch“ eine gleichende Eigenschaft des Schöpfers. Selbstverständlich geht es hier um die Verlangen. Denn die Umrisse eines Menschen, die vor unserm Auge erscheinen, existieren in der Wirklichkeit gar nicht. Das ist ein Spiel unserer Einbildung.
Angenommen, du siehst ein Bild auf dem Bildschirm des Computers. Existiert es in der Realität? Es existiert etwas im Gedächtsnis des Computers, und dort geschehen alle Handlungen.

Doch damit du dieses Bild sehen kannst, existiert nur für dein Wissen und deine Verbindung der Bildschirm vor dir, auf welchem du eine Aufführung, was sich hinter dem Gedächtnis des Bildschirmes verbirgt, sehen kannst. Aber das wirkliche Bild befindet sich im Inneren, in einer Art elektronischer Signale, einer Art von Kräften, die sich in verschiedenen Zusammensetzungen zwischeneinander befinden.
Du siehst die äußeren Symbole dieser Zusammensetzungen, die sehr beschränkt, streng bestimmt sind, weil du nicht in der Lage bist, sie sonst wahrzunehmen. Denn du kannst nicht im Gedächnis des Computers leben, es verstehen und sehen, was dort geschieht.

Das gleiche gilt für das Buch Sohar. Seine Autoren geben uns einen gewissen spirituellen Eindruck, welchen wir jetzt in der Lage sind nur Äußerlich zu hören, und uns in unserer eingeschränkten, nicht korrigierten Wahrnehmung vorzustellen.

Doch diese Vorstellung hat nichts mit dem wahren spirituellen Bild zu tun, welches sich im Inneren, hinter der äußeren Form von Buchstaben, Wörter oder Umrissen verbirgt, die in deiner Einbildung zum Vorschein kommen. Die Autoren des Sohar meinen damit etwas ganz Anderes.

Auszug aus einem Unterrich über das Buch Sohar. Das Vorwort, 20.11.2011

Meilensteine auf dem Weg

Der Feiertag Tu Bi-Schwat, „das neue Jahr der Bäume“, symbolisiert die Früchte der spirituellen Arbeit, des spirituellen Wachstums.

Auf der ersten Stufe verwandeln wir die egoistische Absicht Lo-Lischma in die altruistische Absicht Lischma, in das Geben um des Gebens willen. Indem der Mensch die Eigenschaft der Bina erlangt, wird er zum „Baum auf dem Feld“.

Danach geht er auf der Stufe des Empfangens um des Gebens willen, und der nicht tragende Baum auf dem Feld, wird zu einem früchtetragenden. Das ist das Ergebnis der Arbeit des Menschen, der Stufe des Menschen. Jetzt, mit Hilfe seines „Baumes“ züchtet er die Früchte bzw. erfüllt die Seelen. Er verhält sich zu den Seelen wie die Quelle des Gebens, gleich wie der Schöpfer. Damit wird der Mensch mit dem Schöpfer verglichen und vollendet seine Korrektur.

Im Feiertag Tu Bi-Schat sehen wir, die Kabbalisten, das Ergebnis der gesamten Arbeit des Menschen. Überhaupt spielen alle Feiertage eine doppelte Rolle: Sie verkörpern einen Teil unseres Weges, und zur gleichen Zeit verbirgt sich darin ein Teil, ein Zeichen vom Ende unseren Weges.

Pessach (Ostern), der Feiertag des Auszuges aus Ägypten, weist uns darauf hin, wie und wofür wir unser Ego verlassen. Denn es ist unmöglich aus ihm rauszutreten, ohne vorher das Ziel zu wissen.

Shawuot, der Feiertag Gabe von Tora, wird auch nicht auf das Erlangen der Mittel zur Korrektur, beschränkt, wir wissen warum und wofür wir es bekommen.

Rosh HaSchana, das hebräische Neue Jahr ist der Anfang aller Veränderungen, und im Anfangszustand ist schon das Endergebnis eingeschlossen.

Der Tag der Sühne, Jom Kippur, erinnert uns daran, wofür wir die Kette der Korrekturen durchgehen. Das gleiche gilt für Chanukka und Purim.

All diese in unserer Welt traditionellen Bräuche symbolisieren die Stufen, die Meilensteine auf dem Weg unserer spirituellen Entwicklung. Sie entspringen daraus.

Was gibt es Besonders an ihnen? Am Feiertag Tu Bi-Schwat essen wir Obst und Süßigkeiten, ist es nicht ein zu schwacher Hinweis? Purim erinnert uns auch eher an einen Kinderfeiertag. Doch in Wirklichkeit sind es die wichtigsten Feiertage, und ihre Ergebnisse sind sehr Eindrucksvoll. Denn die Rede ist vom Ergebnis, von der Früchte unserer Arbeit.

Purim verkörpert die Endkorrektur, den Endweg. Dann unterstützen sich die positiven und die negativen Kräfte und nehmen an der Erreichung des Endzieles teil. Tu Bi-Schwat bedeutet auch die Reifung der Früchte, der Unterschied besteht in der Wahrnehmungsebene. Der Baum auf dem Feld ist die pflanzliche Ebene, und bei Purim handelt es sich um die höheren Stufen.
Auszug aus einem Unterricht über den Artikel von Rabasch „Der Mensch ist ein Baum des Feldes“, 21.01.2011

Der schöpferische Gedanke

Auszug aus der Lektion №2, in Moskau

Das Geschöpf ist ein Wunsch. Der Schöpfer, das Licht, hat den Wunsch, Kli – „für sich“ geschaffen.

Entsprechend Seinem Wunsch Genuss zu bereiten, auszufüllen, die Empfindung des Guten, der Wärme, des Wohls hervorzurufen, hat Er im Geschöpf das Bedürfnis zu diesen Eigenschaften geschaffen, die sich folglich darin zeigen sollen.

Und damit dieser Wunsch nicht automatisch entsteht, damit er zurechtkommt, sich gleich dem Licht ausrichtet, und sich als existierend empfindet, entwickelte sich die Vernunft. Somit ist die Vernunft ein Erzeugnis, und deshalb ist sie – die Hauptcharakteristik des Menschen: „Was wünschst du?“ Es handelt sich nicht um den natürlichen Wunsch, sondern darum, was ich mir mittels der Vernunft unter dem guten Zustand vorstelle.

Die Differenz zwischen dem Erwünschten und dem Vorhandenen stellt den Vektor unserer beliebigen Handlungen dar. Nach diesem Kriterium – nach der Richtung seiner Handlungen, Streben, Erwartungen wird der Mensch eben bewertet.

Unsere Handlungen verwirklichen sich nicht von alleine, sondern unter dem Einfluss der umgebenden Gesellschaft. Der folgende beste Zustand kann willkürlich sein, und wir wählen ihn unter dem Einfluss der Umgebung. Somit wird die Gesellschaft uns und unsere Zukunft bilden.

Und deshalb ist dem Menschen die Vernunft, sowie die Empfindung des Mangels gegeben. Jetzt kann er sich mit Hilfe der umgebenden Gesellschaft zum folgenden Zustand ausrichten, den er selbst ausgewählt hat.

Uns charakterisiert der Vektor der Bestrebungen und seine Größe. Deshalb richten wir niemals über den Menschen in seinem jetzigen Zustand – denn dieser wird im Menschen von oben hervorgerufen. Vielmehr bewerten wir den Menschen nach seiner Handlung, die er bezüglich der Umgebung begeht, um in sich die bestimmte Richtung der Gedanken, der Wünsche zu irgendeinem neuen Zustand hervorzurufen.

Deshalb sollen wir um uns herum eine solche Umgebung erschaffen, die uns den zukünftigen Zustand, wonach wir streben, klar bestimmen wird. Im Einklang mit diesem zukünftigen Bild, das in unserer Einbildung gezeichnet wird, bewerten wir uns und die Gruppe im voraus.

Der Mensch und die Gruppe, werden nur nach dem Vektor bewertet: wohin sie sich und mit welcher Kraft ausrichten. Wenn die Gruppe sich irgendwie kontrollieren möchte, wenn der Mensch verstehen möchte, welche Richtung er gewählt hat, dann soll er immer vor sich das nächste erwartete Bild sehen.

Man muss sich nur darauf konzentrieren, darin leben. Dann wird unsere Vorwärtsbewegung schnell sein, und die Gedanken und Reschimot, die in uns entstehen, werden die unverzügliche Verkörperung bekommen.

Und deshalb ist das Wichtigste – im Gedanken zu arbeiten, sich klar und deutlich die folgenden Zustände vorzustellen. Der Gedanke schafft, baut unsere Zukunft. Er begründet unsere Handlung und wandelt sie in die Realität um.

Auszug aus einem Unterricht über Artikel aus dem Buch „Schamati“, 17.01.2011