Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Zur Einheit durch die Wüste

Frage: Wie kann der Mensch erkennen, dass er begonnen hat, an der Vereinigung mit den Freunden zu arbeiten? Woran kann das gemessen werden?

Meine Antwort: Die Arbeit an der Vereinigung kann an der Enttäuschung gemessen werden, wenn der Mensch spürt, dass er jedes Mal scheinbar im Kreis läuft oder sogar noch tiefer sinkt.

Ich habe meine Abstoßung den anderen gegenüber überwunden, habe mir gewünscht, mich mit ihnen zu verbinden, habe begonnen zu planen, wie ich das umsetzen kann, wie ich mich ihnen nähern kann, wie ich mich gemeinsam mit ihnen beteiligen kann. Dann habe ich begriffen, dass unsere Einheit nicht äußerlich, sondern innerlich sein muss, dass ich mich mit ihnen mit dem ganzen Herzen und der ganzen Seele verbinden und sie nicht einfach an der Hand halten oder sie an die Schultern fassen muss.

Ich habe so viele Anstrengungen unternommen – und habe unsere Einheit vergessen. Und wieder habe ich mir Mühe gegeben – und habe wieder vergessen. Während ich über die Spiritualität, über das Ziel, welches ich erreichen muss, nachdenke, denke ich nicht an meine Freunde. Vor allem entstehen in mir andere Vorstellungen von der Spiritualität – als von den Enthüllungen, Lichtern, Erfüllungen. Ich glaube, dass die Spiritualität alle meine Verlangen wie in der Materialität erfüllen wird, als wäre es eine gewöhnliche Erfüllung mit dem Genuss innerhalb des Verlangens. Das heißt, ich versuche die Spiritualität auf egoistische Art und Weise zu erreichen. Dadurch erkenne ich, dass ich mich noch im Exil befinde.

Ich strebe die ganze Zeit nach der Spiritualität, nach der Einheit, ich richte mich jedes Mal korrekt aus – auf die Vereinigung mit den Freunden, auf die Festigung in der Gruppe, in der Verbreitung, auf die Einheit und die Bürgschaft. Ich verstehe, dass ich von ihnen abhänge und sie von mir abhängen, und strenge mich jedes Mal an, um mich an den Gedanken festzuhalten, dass die Spiritualität unsere gegenseitige Verbindung über dem Verlangen jedes Einzelnen ist.

Und nach allen meinen Anstrengungen und richtigen Gedanken werde ich wie von einem Schlag auf den Kopf betäubt – und ich kehre wieder zu den früheren Gedanken an das Materielle zurück: „Und wo ist mein Nutzen?! Wo ist die Spiritualität?! Was habe ich bekommen? Es hat sich nichts in mir enthüllt…“

Das bedeutet, dass der Pharao alle meine Anstrengungen verschlingt. Und so ist es jedes Mal. Ich versuche, mich über mein Ego zu erheben, mich mit allen zu verbinden, soweit ich nur dazu im Stande bin, ich baue die Gruppe auf, um eine richtige Umgebung für mich zu erschaffen, die in der Lage wäre, mich zu unterstützen, – und plötzlich denke ich wieder: „Und wo ist mein Gewinn – in mir? Was habe ich verdient? Was habe ich gefunden? Was habe ich erreicht? Wo ist die Erfüllung?“ Das heißt, ich warte auf die Erfüllung meiner egoistischen Verlangen und nicht auf die Enthüllung des Gebens zwischen uns.

So verschlingt der Pharao jedes Mal alle meine Anstrengungen – bis er sie alle endlich ausspeit, wie geschrieben steht: „Die Güter, die er verschlungen hat, muss er wieder ausspeien“ [Hiob 20:15]. Wenn meine Anstrengungen das volle Maß erreicht haben, bekomme ich alles, was der Pharao in sich gehortet hat, wieder – jedoch nicht auf einmal, sondern nach und nach. Als erstes erhebe ich mich über alle diese Verlangen, das heißt, ich „fliehe aus Ägypten“, dann enthülle ich sie allmählich in Form des „goldenen Kalbes“, der „Späher“ und anderer egoistischen Verlangen, doch das ist bereits auf der Ebene der „Wüste“.

Wenn ich in der Eigenschaft „Chafez Chessed“ (der nichts für sich will) arbeite – im „Geben um des Gebens willen“, dann enthüllen sich die gleichen Verlangen mit den Erfüllungen des Pharaos, und genau diese helfen mir, das Böse zu enthüllen. Denn in der „Wüste“ habe ich nichts, „Chafez Chessed“ hat kein Verlangen. Doch in dem Maße, in dem ich dieses egoistische Verlangen aus dem Pharao herausziehe, kann ich es korrigieren, indem ich es in eine immer größere Eigenschaft des „Gebens um des Gebens willen“ verwandle – bis ich diese ganze Stufe abgeschlossen und meine „40 Jahre Wanderung durch die Wüste“ beendet habe. Auf diese Weise kommen wir voran.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 21.04.2011

Ein gemeinsames Ziel für beide

Frage: Worin besteht die Arbeit von Mann und Frau bei der Annullierung des Verlangens zu genießen in der spirituellen Welt?

Meine Antwort: Es gibt keinen Unterschied bei der Arbeit von Mann und Frau, weil sie beide das Verlangen, Genuss zu empfangen, sind, sie sind beide Egoisten.

Jeder von ihnen muss die Wichtigkeit des Ziels erheben, sprich die Offenbarung der höheren Kraft und deren Verbindung mit allen Menschen, um die spirituelle Welt zu enthüllen.

Und weil es die Wichtigkeit des Ziels gibt, annulliere ich mein Ego und verzichte auf verschiedene Dinge, die ein Hindernis für dessen Erreichung darstellen. Ich höre nicht auf, das Essen und das Leben zu genießen, ich verzichte auf gar nichts in dieser Welt, sondern arbeite lediglich an der Wichtigkeit des Ziels.

Wir sagen, dass unsere Welt wichtig für uns und voll von großen Genüssen ist, doch die spirituelle Welt ist noch wichtiger und anziehender für mich. Ich achte also quasi in dem Maße dieser Wichtigkeit nicht auf jene Dinge, die mich daran hindern, die Spiritualität zu erlangen, – auf diese Weise komme ich voran.

Auszug aus dem öffentlichen Vortrag „Kabbala für alle“, 08.03.2011

Der Weg zur Gruppe

Unsere Welt ist aus dem Verlangen zu empfangen gefertigt und durch Genuss kontrolliert, dem dieses Verlangen ständig hinterherläuft. Wir werden beständig entweder durch die Abwesenheit von Vergnügen gepeinigt oder durch das zuwinkende Licht aus der Zukunft, welches uns zur Entwicklung zwingt.

Wenn ein Mensch mehr oder weniger erkennt, was er oder sie möchte, wird dies als das „Entwicklungsgen“ (Reshimo) angesehen, welches ein Teil des Verlangens darstellt, das irgendwie das zukünftige Vergnügen erkennt und sich genau danach sehnt. Eine solche Entwicklung geschieht in unserer Welt auf natürliche Weise. Neue Verlangen entfalten sich ständig in uns, während ihnen das Umgebende Licht gegenüber steht, welches Verlangen an sich heranzieht, um Vergnügen zu bereiten.

Der Mensch besteht im Wesentlichen aus dem Verlangen, das sich danach sehnt, sich selbst gut zu fühlen. Und wenn wir plötzlich aufhören, irgendein Vergnügen zu spüren, fühlen wir eine unmittelbare Unterbrechung und einen Mangel an Energie weiterzumachen, da dieses wünschenswerte Verlangen genau die Energiequelle für uns gewesen ist.

So entwickelten wir uns beständig, entlang den Abläufen der Reshimot, die sich in uns automatisch verwirklichten, ohne dass wir uns dessen bewusst waren. Diese Abläufe sind jedoch endlich und sie sind an einem Ende angekommen! Und jetzt machen sie Platz für ein vollkommenes einzigartiges, spirituelles Gen, in dem das Reshimo (Verlangen) und das Umgebende Licht, das es erleuchtet, nicht zusammenpassen und sogar zueinander entgegengesetzt sind.

Und es stellt sich heraus, dass ich nicht weiss, wie ich dieses Licht, das mich peinigt, empfangen kann. Irgendetwas ruft aus mir heraus, jedoch weiss ich nicht, wie ich es erreichen kann, denn zuerst muss ich ihm gleich werden, um einen antiegoistischen Schirm für dieses Licht zu erhalten.

An diesem Punkt verharrt der Mensch in seiner Spur und kann sich nicht weiterbewegen. Alles was er tun kann ist sich zu fragen „Wozu ist dieses Leben gut und was soll ich weiterhin tun?“ als wäre er in eine Sackgasse geraten. Diese Periode kann lange dauern, weil jede spirituelle Entwicklung uns viele innere Bemühungen abverlangt, bis sich ein Mensch daran gewöhnt und empfänglich dafür wird.

Und letztendlich nimmt er doch eine bestimme Veränderung in seinem Leben vor: Er kommt an einen Ort, an dem er vernimmt, dass es möglich ist, dieses neue Verlangen zu verwirklichen, um Erfüllung zu erlangen. Er versteht noch nicht, wie er das alles bewerkstelligen soll, beginnt jedoch sich voran zu bewegen, entlang den Graden des Verstehens: 0-1-2-3-4, welche bis zum Ende gegangen werden müssen, bis zum letzten 4.Grad, damit er etwas von diesem Abschnitt seiner Entwicklung verstehen wird.

Und dann startet er eine andere, neue Folge 0-1-2-3-4, und so weiter. Und dies alles kann viele Monate dauern. Jedoch jetzt, während er sich entlang dieser vorbereitenden Stufen bewegt: 0-1-2-3-4, spürt ein Mensch, dass an diesem Ort ein Geheimnis verborgen ist, das ihn anlockt und nicht fortgehen lässt.

Somit wird man allmählich bereit, solche Bedingungen zu hören wie die „Gruppe“ und „Korrektur“, welche mit ihrer Hilfe erbracht werden muss, genauso wie über die Korrektur der ganzen Welt. Es ist ein sehr langer Prozess. Der Zweck ist jedoch, dass ein Mensch letztendlich versteht, dass es ihm an einer neuen Kraft mangelt: Der Gleichwertigkeit zwischen der Natur seines Verlangens und ihrer Erfüllung.

Verlangen muss seiner Erfüllung entsprechen! Er ist das Verlangen, Vergnügen zu empfangen, jedoch muss er am Schenken Spass haben, und dann wird er erfüllt. Im Grunde ist die Erfüllung, vor der er steht, die Erfüllung im Schenken. Und um Freude am Schenken zu erlernen, wird ein Mensch zur Gruppe herangeführt, wo er stufenweise zu verstehen beginnt, wohin er geführt wurde und was dort geschieht.

Er beginnt plötzlich zu verstehen, worüber all die Artikel berichten, die er zu lesen und zu diskutieren pflegte, ohne irgendeine Idee darüber zu haben, worüber er sprach und ohne irgendein Verständnis darüber zu besitzen, warum er sich dort befand und wie er dorthin gelangte. Doch jetzt kann er allmählich verstehen, dass die Gruppe in der Tat der Ort der Verwirklichung seiner spirituellen Erfüllung ist; er begreift, dass er nur mit ihrer Hilfe dazu in der Lage sein wird, die Art seiner Erfüllung vom Empfangen zum Schenken zu verändern.

Wenn er das tut, wird er in der Lage sein, sich am Licht zu erfreuen, das kommen und ihn erfüllen wird, in dem Maße in dem er sein Verlangen, sich am Schenken zu erfreuen, ausdehnt.

Aus dem 4.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 23/03/2011, Vorbereitung für den WE! Kongress

Damit das Böse von der Welt verschwindet

Unsere ganze Arbeit besteht nicht in der Korrektur unserer angeborenen Eigenschaften und nicht in der Erschaffung einer bequemeren Welt für unsere Existenz.

All das Böse, das sich in uns enthüllt, soll möglichst schnell zum Vorschein kommen und uns sein wahres Gesicht zeigen. Das heißt, unsere Aufgabe besteht lediglich darin, unsere Entwicklung zu beschleunigen, um schneller „von einem Bild ins nächste“ zu kommen.

Ich muss daran arbeiten, dass die inneren Bedingungen sich so schnell wie möglich in mir ändern – meine Gedanken und Verlangen, das Herz und der Verstand sich erneuern und ich auf diese Weise zu einem immer fortgeschritteneren, zu dem wahren Zustand übergehe. Alles hängt davon ab, wie ich mich selbst zu einer immer größeren Entwicklung meiner Empfindsamkeit vorantreibe, wodurch ich meine Wahrnehmung dem Licht näher bringe.

Die Aufeinanderfolge dieser Veränderungen ist bereits in dem in mir enthaltenen Programm gespeichert, und ich kann nur deren Geschwindigkeit beeinflussen. Darin besteht meine einzige freie Wahl und die Art, mich selbst auszudrücken – dem Endzustand, der Verschmelzung mit dem Schöpfer, den ich erlangen will, zuzustimmen.

Deshalb müssen wir zusätzliche Kräfte von der Umgebung erhalten und uns zur inneren Entwicklung, zur Enthüllung des Bösen vorantreiben. Wir müssen verstehen, dass alle Zustände, die sich uns enthüllen, zur Klärung dessen bestimmt sind, was mir fehlt, um die Verschmelzung zu erreichen. Diese Mängel bezeichne ich als Böse.

Die Kraft der Bewegung, die Kraft der Beschleunigung kommt nur von der Umgebung. Wie geschrieben steht: „Neid, Genusssucht und Ehrgeiz führen den Menschen aus dieser Welt“. Denn ich selbst will diese Veränderungen nicht – sie sind gegen meine Natur, und ich will mich nicht in Richtung Geben verändern. Doch dadurch, dass die Umgebung mich anspornt und mir einredet, dass es sehr wichtig ist und es sich lohnt, das zu tun, stürme ich in den Zustand, den ich selbst niemals wollen würde.

Die Umgebung gibt mir die Kraft, meiner Natur zu widerstreben, und aus diesem Grund kann ich so große Veränderungen in Richtung Geben ertragen und bin bereit, mich selbst zu annullieren und auf meinen Egoismus zu verzichten. Sie redet mir ein solches Verlangen, das Geben zu erreichen, ein, das stärker als mein natürlicher Instinkt ist, nach dem Genuss für mich selbst zu suchen. Auf diese Weise beschleunige ich meine Entwicklung und komme voran.

Und weil ich das ganze Böse zielgerichtet enthülle, wandelt es sich sofort zum Guten um. Darüber steht geschrieben: „Schau sie nur an – und sie werden gleich zu Staub zerfallen“. Alles hängt von unserer Wahrnehmung jener schlechten Eigenschaften ab, die sich uns enthüllen.

Wenn wir das ganze Übel auf der Welt als unsere Mängel der Wahrnehmung empfinden, wird uns klar, was korrigiert werden muss, um zwei Welten zu einer zu vereinen. Dafür müssen wir immer mehr unsere Umgebung erwecken, um mit deren Hilfe solche Korrekturen unseres Zustandes zu erreichen, dass wir nichts Böses auf der Welt mehr sehen werden!

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Es gibt kein Übel auf der Welt, alles ist notwendig und erfüllt seine Rolle“, 13.03.2011

Der Prozess hat begonnen

An den neuesten Ereignissen in der Welt sehen wir, wie die Massen in Bewegung gesetzt werden und zu Wellen anwachsen. In gleicher Weise macht ein großer Vogelschwarm in der Luft synchrone Bewegungen, als ob er von einem gemeinsamen Gedanken zusammengeschweißt wurde.

Daher werden die Massen in der Welt eine zunehmende Einheit demonstrieren und eine vereinte Kraft wird plötzlich in ihnen auftauchen. Die Menschen werden nicht mal verstehen, warum das geschieht. Fakt ist, dass sie die Fähigkeit erhalten, sich in Erwartung der Korrektur der Welt, mehr als zuvor zu vereinen. Genau wie Vögel werden sie synchrone Handlungen machen, ohne den Grund dafür zu erkennen. Sie tun es durch die inneren Befehle der Natur.

Dann werden wir tausende und hunderttausende von Menschen sehen, die sich auf den Straßen vereinen und irgendwo hingehen. Das wird plötzlich geschehen, scheinbar ohne jeden Grund, ohne eine anfängliche Vorbereitung von einigen Monaten. Ihre Wellen werden überall auf der Welt, von einem Ort zum anderen rollen.

Heute sehen wir schon, wie das geschieht und wie das von einem Land ans andere, wie ein Virus, weitergegeben wird. Dies sind äußere Zeichen eines inneren Phänomens: Diese Massen erheben sich, um sich durch Vereinigung und gemeinsame Handlungen zu korrigieren.

Auf diese Weise wird diese gemeinsame Anstrengung allmählich organisierter und bestimmter. Offensichtlich verstehen die Menschen das Wesen und die Ursache dessen nicht, was geschieht. Sie schreiben das Verlangen, das in ihnen erwacht, äußeren Faktoren zu, doch das ist nur eine Augenbinde, sodass die Menschen nicht erkennen können, was tatsächlich geschieht. In der Zwischenzeit entwickelt sich ihr Verlangen nach Genuss, geht durch die verschiedenen Phasen seiner Entwicklung: unbelebt, pflanzlich, tierisch und menschlich.

Und dieser Prozess geschieht nicht nur in Einzelnen, sondern in einer großen Masse von Menschen.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Schriften von Rabash

Die Logik einer umgekehrten Welt

Frage: Ich verstehe immer noch nicht, wie die „übernatürliche Kraft“ der kabbalistischen Bücher funktioniert. Wenn mich ein Arzt behandelt, kann ich tatsächlich messen, wie sich mein Zustand bessert: Ich kann meine Temperatur messen und jedem zeigen, dass das Fieber weg ist. Warum können wir nicht zeigen, wie das Umgebende Licht funktioniert und alle Zweifel beseitigen?

Meine Antwort: Wenn ich dem Höheren Licht mit meinem egoistischen Verlangen hinterher laufe, werde ich am Ende nicht mehr als einen winzigen Funken, die „dünne Kerze“ (Ner Dadik) erlangen, das uns mit Lebenskraft erfüllt. Wir können unsere Natur nicht direkt umkehren. Wie könnte es anders sein, wenn ich nur daran denke, wie ich was bekomme, und unfähig bin, daran zu denken, wie ich geben kann, wenn mein ganzes Leben darauf ausgerichtet ist, zu konsumieren, zu erwerben und zu kalkulieren, was in jeder Situation das Beste für mich ist?! Ich kann nichts anderes wahrnehmen!

Neben mir gibt es eine spirituelle Welt, aber ich sehe sie nicht, denn ich spüre nur das, was ich für meinen eigenen Genuss empfangen kann. Und was ich nicht als Genuss gebrauchen kann, kann ich nicht erkennen oder beobachten! Meine Sinnesorgane nehmen einfach nicht wahr, dass Geben ebenfalls Vergnügen bringt, da sie nur erkennen, wie ich Genuss vom Empfangen bekomme. So bin ich erschaffen.

Ich wurde vor einen Filter platziert, der nur in eine Richtung filtert: Wenn irgendein Genuss durch ihn zu mir dringt, nehme ich das gerne. Doch wenn es auf der anderen Seite bleibt und nicht in mich eindringt, will ich nicht aus mir selbst heraustreten und es außerhalb erleben.

Aber ist diese Korrekturmethode nicht logisch? Du ziehst genau dieses Licht auf dich, das dich erschaffen hat, sodass es dich ebenfalls umwandeln kann. Was ist daran unlogisch? Ist es, dass du du unfähig bist, dieses Licht mit deinen eigenen Augen zu sehen? Ganz gewiss kannst du sie dazu nicht gebrauchen.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 23.02.2011, „Einführung zum Buch ‘Panim Meirot uMasbirot'“

Wir entscheiden alles!

Frage: Wie sollen wir uns richtig auf den Morgenunterricht vorbereiten? Wie sollen wir die richtige Forderung aufbauen?

Meine Antwort: Wir vergessen, dass wir die Korrekturmethode der Welt bringen müssen und dass wir in diesem Prozess sehr hinterherhinken. Denn solange wir sie nicht an uns selbst anwenden, wird sie nicht in der Welt umgesetzt.

Wir müssen diese Methode an uns selbst realisieren, in der Hoffnung und mit der Absicht, dass sie sich durch die inneren Kanäle, durch die wir alle miteinander verbunden sind, so schnell wie möglich von uns zu den Völkern der Welt ausbreitet. Wir müssen unsere Verbindung mit dem Höheren Licht an sie weitergeben.

Zugleich müssen sie jedoch auch auf der äußeren Ebene vorbereitet werden, indem wir unser Material in einer ihnen möglichst naheliegenden und passenden Form an sie weitergeben – dann werden sie uns wahrnehmen können.

Alle unsere Gruppen sind eine Art Adapter, ein Bindeglied zwischen der Spiritualität und den Völkern der Welt, die wir dem Schöpfer näher bringen müssen.

Wir sind die zentrale Macht auf der Welt, Vertreter des Schöpfers, und müssen uns selbst korrigieren, um die Welt korrigieren zu können, damit wir alle zusammen zu der Verschmelzung mit dem Schöpfer kommen und Ihm Genuss bereiten können.

Baal HaSulam schreibt, dass das Höhere Licht sich gerade über uns in die Welt ergießen muss. Und wenn wir in unserem Inneren uns so organisieren können, dass das Innere für uns über das Äußere dominiert, wird die Welt ebenfalls plötzlich eine größere Beachtung dem Inneren schenken – denn gerade wir bestimmen ihr Verhalten. Wir stellen die Werteskala für sie fest, wir entscheiden für sie, was wichtig und was nebensächlich ist.

Wenn wir die Welt auf der äußeren und auf der inneren Ebene uns näher bringen, werden wir zu einem vereinten Verlangen/Kli. Aus der Sicht des Schöpfers sind wir bereits ein Kli, doch nun wird es durch unsere Anstrengungen vereint.

Wenn wir dieses Ziel über alle Dinge erheben und uns richtig organisieren, wird eine besondere Kraft zur Korrektur für uns von oben kommen. Und wenn wir die Völker der Welt nicht an uns anschließen, werden wir diese Kraft nicht erhalten, denn unsere Bestimmung ist es, sie – ACHaP, die Welt – zu korrigieren!

Aus diesem Grund müssen wir während der Vorbereitung auf den Morgenunterricht daran denken, wie wir die Völker der Welt dem Schöpfer näher bringen können, denn Er will gerade sie. Und du bist das „Königreich von Kohanim“ (Priester), und sie dienen lediglich den Anderen.

Genau so musst du dich fühlen, dann wirst du sehen, welche Kraft, welche Erkenntnis du erlangen wirst!

Am Ende der Einführung in das Buch Sohar schreibt Baal HaSulam:

„Und wenn jeder von uns auf sich nimmt, die Wichtigkeit der Kabbala zu verstärken, dann wird jeder die Eigenschaft des Gebens hinsichtlich der Eigenschaft des Empfangens in sich verstärken. Und diese Kraft wird ebenfalls in der ganzen Welt zum Vorschein kommen.“

Somit besteht die richtige Vorbereitung auf den Unterricht darin, daran zu denken, wie alle diese Verlangen („die Völker der Welt“ in uns) zu der Verschmelzung mit dem Schöpfer gebracht werden können.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 11.02.2011

Hütet euch davor, Lotto zu spielen

Frage: Was bedeutet der Weg des Lichts und der Weg der Leiden? Für wen sind es Leiden – für den Egoismus?

Meine Antwort: Selbstverständlich empfinden wir Leiden in unserem Verlangen zu genießen. Aber auch in dem Verlangen zu geben ist es möglich, Leiden zu empfinden. Alles hängt davon ab, was du unter Leiden verstehst.

Stell dir vor, ich hätte Kabbala gefunden, mich der Gruppe angeschlossen und lange Zeit studiert. Und plötzlich gewinne ich mehrere Millionen im Lotto!

Nun verändert sich mein Leben. Was meinst du, ist es der Weg des Lichts oder der Weg der Leiden?

Ich könnte es als den Weg der Leiden bezeichnen, weil ich nun mit diesem Geld durcheinander gebracht wurde und nicht weiß, was ich damit machen soll. Ich war ganz und gar mit Kabbala beschäftigt und muss jetzt an das Geld denken, denn es geht um eine riesige Summe: wo soll es angelegt werden, damit es nicht an Wert verliert, und wie soll es vernünftig verwendet werden?

Also ist es der Weg der Leiden. Denn anstatt ruhig auf einem einfachen und geraden Weg voranzuschreiten, wurde ich gezwungen, eine lange Umleitung zu machen, und ob ich es will oder nicht, muss ich mich nun mit materiellen Dingen beschäftigen, Zeit damit verbringen und mir Gedanken darüber zu machen.

Ich kann das nicht loswerden, und das ist ein sehr großes Problem – das ist wahrhaftiges Leiden hinsichtlich des Verlangens zu geben, des spirituellen Ziels.

Doch hinsichtlich des Verlangens zu genießen müsstest du sagen, dass es der Weg des Lichts sei und dass du eine Belohnung für deine gerechte Arbeit bekommen hättest! Du denkst, dass es ein Segen ist, der dir von oben gegeben wurde.

Deshalb hängt alles davon ab, auf welche Waage du das legst – was du zum Empfangen von Genuss ausgesucht hast.

Auszug aus dem Unterricht über den Artikel „Die Freiheit des Willens“, 18.02.2011

Das System der gegenseitigen Fürsorge ist der Schlüssel zum Erfolg

Frage: Wie kann man sich davor schützen, sich mit den äußeren Handlungen zufrieden zu geben?

Meine Antwort: Wenn der Mensch weiß, dass nur die Absicht zum Erreichen des Ziels, welches er ständig für sich klärt, ihn der Spiritualität näher bringt, dann nimmt er die Handlungen nicht als das Wichtigste wahr. Die Absicht ist jenes Kli, in welches er die Belohnung empfängt, deshalb finden alle Klärungen in der Absicht statt. Handlungen ohne Absicht werden überhaupt nicht berücksichtigt.

Es kann sein, dass der Mensch dem Schöpfer Genuss bereitet, jedoch mit der Absicht, den Genuss für sich selbst zu empfangen. Das ist die größte unreine Kraft/Klipa. Einer größeren Stufe des Gebens steht eine größere Klipa entgegen: es ist die gleiche Handlung, doch die Absicht ist entgegengesetzt.

Von außen kann man das nicht erkennen – der Mensch strebt scheinbar der Spiritualität entgegen. Der Pharao, der sich in ihm befindet, – das Verlangen zu empfangen – führt alle Anweisungen des Schöpfers genauestens aus. Der Mensch handelt entsprechend seinem Verlangen und mobilisiert alle Kräfte, jedoch damit es ihm selbst gut geht. Er denkt ständig an den Schöpfer, weil das die Quelle des Genusses ist, und versucht alles für diese Quelle um des eigenen Wohls willen zu tun. Das wird als Pharao, als Todesengel bezeichnet.

Wie in jedem anderen Fall können allein eine klare Vorstellung von dem Ziel und die gegenseitige Unterstützung davor bewahren. Ohne Zusammenwirken gibt es keine Chance, nicht von dem Weg abzukommen und nicht abzustürzen. Die heutige Generation gehört zur Generation der Korrektur, und deren Erfolg hängt nur von der gegenseitigen Unterstützung ab: die Korrektur findet mit Hilfe der Bürgschaft und der gegenseitigen Fürsorge statt. Es gibt keine andere Quelle, aus der die richtige Energie und die richtige Ausrichtung geschöpft werden können.

Und das ist gut, denn damit kann man sich immer beschäftigen, indem man nach einer noch engeren Vereinigung verlangt. Und wenn wir spüren, dass sie nicht echt ist, sondern nur äußerlich, dann ist es ebenfalls gut. Ein solcher Weg ist leichter als ein individueller, obwohl jeder von jedem abhängt. Nur ein gemeinsames Streben nach der Vereinigung und die Annullierung eines jeden hinsichtlich der höheren Stufe – des Lehrers, der Gruppe und der Bücher – können vor der Selbstzufriedenheit bewahren.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 31.12.2010

Alles hängt vom Verlangen ab

Frage: Wenn die menschliche Natur das Verlangen zu genießen ist, warum gibt sich dann der größere Teil der Menschheit mit dem Wenigen zufrieden und sucht nicht nach dem ewigen Genuss?

Meine Antwort: Eines Tages traf ich einen alten Freund, noch aus Kindertagen. Schon damals sammelte er Briefmarken. Nachdem ich selbst diese Leidenschaft „überwunden“ habe, schenkte ich ihm meine Sammlung. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Briefmarken in meinen Augen an Wert verloren haben, er aber hat das sehr genossen.

Bei unserem Treffen sagte er zu mir:

– Außer Briefmarken sammle ich jetzt auch noch Briefumschläge.

Er hat das sehr ernst gesagt, also habe ich versprochen, ihm einen Umschlag von uns zu schicken. Es gibt hier nichts zu lachen: der Mensch schätzt etwas, er hat ein bestimmtes Verlangen. Ich wollte noch nicht einmal ein Gespräch mit ihm über die Lichter und den ewigen Genuss anfangen. Wozu, wenn es hier um Briefumschläge und Briefmarken geht.

Alles nimmt seinen Ursprung im Verlangen. Solange ich ein Verlangen danach hatte, sammelte ich auch Briefmarken. Jeder durchläuft als Kind solche Phasen. Und er hat dieses Verlangen behalten – wie soll ich da mein Verlangen an ihn weitergeben? Das ist unmöglich.

Ich habe viele Kinder neben Rabash aufwachsen sehen, von seinen Schülern und Verwandten. Wenn ein Kind ein Verlangen hat, dann hat es dieses Verlangen, und wenn nicht, dann nicht. Du kannst es nicht zwingen. Es sieht, womit du dich beschäftigst, alles Andere hängt von seinen Bestrebungen ab. Da kann man nichts tun.

Wir können also nicht verlangen, dass der Mensch an der Vereinigung arbeitet. Wie viele Menschen weltweit kümmern sich wirklich darum, weil sie die ganze Welt als ein einziges einfaches Licht, eine einzige Kraft sehen wollen? Wer will allein dieses Bild der Realität wahrnehmen, und auch noch so, dass er sich selbst nicht darin wahrnimmt? Entweder hast du ein Verlangen danach oder du hast es nicht.

Ja, mit Hilfe der Gruppe können wir die Entwicklung beschleunigen – aber wiederum ohne einen Druck auf den Menschen auszuüben.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 10.02.2011