Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Der Atheismus, die Religion und die Kabbala

Frage: Welchen Stand nimmt die Kabbala gegenüber ungläubigen und religiösen Menschen ein? Ich sehe, Sie versuchen irgendwie die ganze Zeit zwischen den beiden zu lavieren.

Meine Antwort: Sie haben recht.

Die Religion hält den Schöpfer dem Menschen ähnlich, das heißt, dass Er sich in Abhängigkeit der Handlungen des Menschen ändert. Darüber hinaus hat jede Religion nach eigenem Belieben eine eigene Vorstellung von dem Schöpfer und seinen Gesandten. Sie sind gezwungen, miteinander auszukommen oder einander zu bekriegen; denn ihre Meinung ist die Frage des Glaubens und damit ohne Beweise. Wer der Stärkere ist, der hat recht. Oder wir werden so handeln, als würden die anderen nicht existieren, dabei bleibt jeder in seiner Glaubensgemeinde.

Aber sie alle verbindet eins: Gottes Verhalten dem Menschen gegenüber ist davon abhängig, wie der Mensch sich zu Gott oder anderen Menschen verhält, das heißt, Gott verändert sich, mal ist er zornig, mal ist er gnädig. So sieht es der Mensch aus seinem Leben, seinem Schicksal heraus. Das bedeutet, man kann Gott mit Geschenken überhäufen, für das Paradies bezahlen, ihn gut einstimmen – und dann wird er gut zu euch sein. Die Sünden lassen sich durch den Gesang der Gebete bedecken; es besteht die Möglichkeit, sich vor Bestrafung und Richten freizukaufen. Ich gebe Almosen und wende den Schicksalsschlag von mir ab. Alles ist darauf aufgebaut, dass das äußere Verhalten des Menschen das Verhalten Gottes zu ihm ändert.

Atheisten verhalten sich zu Gott wie zur Natur: denn sie ist konstant, mechanisch und hat keinen eigenen Verstand und keine Planung. Sie hängt nicht von unserem Verhalten ihr gegenüber ab, sondern nur von unseren „mechanischen“ Einwirkungen auf sie.

Die Kabbala sieht die Natur und den Schöpfer als ein und dasselbe. Aber Er hat den Verstand, die Planung, das Ziel. Er hat Gefühle. Deswegen hat Er den Menschen im Laufe der Entwicklung (Evolution) in dieser Weise erschaffen, mit Gefühlen und mit Verstand, in zwei gegensätzlichen Systemen, als Egoist, d.h. mit dem Wunsch, in jedem Moment seiner Existenz Genuss zu bekommen. Er hat ihn auf so eine Weise geschaffen, damit der Mensch sich mit Hilfe der Methodik der Kabbala und der Naturkräfte (das umgebende Licht), ändert und dem Schöpfer dadurch ähnlich wird.

Damit erreicht der Mensch seine Unabhängigkeit (in anderen Zuständen wird er vollständig von der Natur und seinem Egoismus angetrieben, ist unfrei), Vollkommenheit, Ewigkeit und die Verschmelzung mit dem Schöpfer (den Status des Schöpfers). In der Kabbala ist der Schöpfer unveränderlich, absolut, absolut gut, und deshalb kann er sich nicht ändern; es verändert sich nur derjenige, der zuvor schlechter/besser aber nicht absolut war. Deshalb handelt es sich bei der Ansprache zum Schöpfer um eine Ansprache zu sich selbst, zur Selbsterkenntnis der Notwendigkeit, sich zu korrigieren, wie der Schöpfer zu werden – ein Vorbild der Güte.

Also, die Atheisten ändern die Welt, die Religiösen bestürmen den Schöpfer mit Bitten, und die Kabbalisten korrigieren sich selbst – dabei korrigieren sie die Welt.

Unser Problem besteht darin, dass wir das Wichtigste vergessen

Unser Problem besteht darin, dass wir ständig den Schöpfer vergessen! Es ist klar, dass wir in der Gruppe arbeiten; denn es steht geschrieben, dass alles von ihr abhängt und wir nur dort die freie Wahl haben. Nur dort kann ich das tun, was von mir abhängt.

Ein anderes Mittel ist die Verbreitung. Wir verstehen, dass, wenn wir für die breite Öffentlichkeit verbreiten, wir uns in die Bestrebungen der Anderen einfühlen, unsere Verlangen aneinander weitergeben können.

Doch bei allen diesen Handlungen – während des Studiums, bei der Verbreitung, in der Gruppe – vergessen wir, dass wir sie nur ausführen, um dem Schöpfer Genuss zu bereiten. Dieses Verständnis verlieren wir immer wieder. Wir nehmen Ihn nicht wahr, also scheint Er für uns nicht zu existieren.

Manchmal erinnern wir uns an Ihn und denken: „Nun gut, irgendwann später werde ich dazu kommen“. Doch das ist falsch – ich bin nicht mehr wie ein Pfeil auf das Ziel ausgerichtet! Jede meiner persönlichen Anstrengungen, auch die Kleinste, muss von einer solchen Absicht begleitet werden, in der „das Endziel im Ursprungsgedanken enthalten ist“, und ich tue alles dafür, um dem Schöpfer Genuss zu bereiten, obwohl ich Ihn anfangs nicht wahrnehme und nicht weiß, wer Er ist.

Doch ich suche ständig, wie es in den Psalmen geschrieben steht: „Nachts in meinem Bett“ – sprich flach liegend, in einem Zustand, in dem der „Kopf“ und die „Füße“ (alle Sefirot) auf einer Höhe sind und es nichts gibt, weder Verstand noch Gefühle, also in einer vollkommenen Dunkelheit. Und dennoch „suche ich die Liebe meiner Seele“. Und obwohl ich nicht weiß, wo ich suchen soll und was das ist, stimme ich mich jedes Mal künstlich auf diese Suche ein, immer und immer wieder, und allmählich bekomme ich ein Gefühl dafür. Es beginnt zu funktionieren.

Das umgebende Licht soll genau dadurch angezogen werden, dass alle Handlungen auf die Freude für den Schöpfer gerichtet sind. Ansonsten heißt es, dass du eine Handlung begonnen, sie aber nicht zu Ende geführt hast. Sie wird dir nicht das nötige Ergebnis bringen.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 05.07.2011

Die Antlitze des Schöpfers

Wir sind entsprechend unserer Natur und dem Charakter unseres Handelns Empfangende. Je mehr man aber empfängt, um zu geben, umso höher steigt man als Gebender auf. Die Handlung an sich ändert sich nicht, was sich ändert, ist nur dein Bezug dazu. Und genau das verwandelt dich von jemandem, der empfängt, in jemanden, der gibt.

Kann der Schöpfer es wahrnehmen? Man kann dazu sagen, dass sich für den Gebenden nichts ändert, aber es ändert sich nur für den Menschen etwas. Denn dem Vollkommenen kann man nichts hinzufügen. Alle Seine Resonanzen und Eindrücke offenbaren sich in Wirklichkeit immer in dir selbst – und zwar in der Gestalt des Schöpfers, die du geformt hast.

So kannst du dich in Übereinstimmung mit Ihm bringen: du glaubst, dass Veränderungen in Ihm stattfinden würden, dass du Ihm mehr oder weniger Genuss bereiten würdest. Du würdest in gleicher Weise mehr leiden oder Genuss von Ihm empfangen, wie sehr Er von dir leidet oder Genuss empfängt usw.

Alle diese Beziehungen zeigen sich in der Schöpfung selbst – und zwar nur, um sie auf die Stufe des Schöpfers zu erheben, d.h. sie mit Vollkommenheit zu vervollständigen, welche der Eigenschaft des Gebens hervorgeht. Aus diesem Grund erscheint es, als würde der Schöpfer mit der Schöpfung spielen, nur um sie zu erziehen.

Auch den Kindern zeigen wir verschiedene Gesichtsausdrücke: wir lachen mit ihnen, machen ernste Gesichter, zeigen, dass wir uns ärgern – das alles der Erziehung wegen, um dem Kind möglichst viele Schattierungen zu zeigen, welche es lehren würden, mit sich selbst und der Umgebung richtig zu arbeiten. Aber in Wirklichkeit lenkt uns immer die Liebe, und nichts anderes.

Baal HaSulam schreibt darüber in der „Einführung zum Buch Sohar“ (Punkt 33):

Der Schöpfer wünscht sich, dass diese Bilder, die nur in den Seelen der Empfangenden gezeichnet werden, so gesehen werden, als würde Er selbst daran beteiligt sein, um die Erkenntnis der Seelen maximal zu erhöhen. So zeigt auch ein Vater, der mit seinem geliebten Sohn spielt, lediglich einen kleinen Teil von sich, indem er Bedauern oder Zufriedenheit ausdrückt, obwohl er weder das eine noch das andere empfindet. Er tut es lediglich, um seinen Sohn zu entwickeln und sein Verständnis zu erweitern.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Gabe der Tora“, 26.06.2011

Lass dich selbst nicht bestechen, wenn du nach der Wahrheit suchst

Frage: Wie können wir an der Forderung nach der Wahrheit dranbleiben, damit wir am Ende enthüllen werden, dass wir uns selbst belügen?

Meine Antwort: Wenn ein Mensch in der Lage ist, an der Wahrheit festzuhalten, dann ist er sehr glücklich. Wir sehen, dass es viele Menschen in der Welt gibt, die die Wahrheit nicht brauchen und die sich nicht fragen, warum sie leben.

In anderen existiert diese Frage bereits, aber eher aus der Sichtweise „Wofür leide ich?“. Das bedeutet, dass es keine Frage nach dem Sinn des Lebens ist, sondern darüber, wie man den Genuss des Lebens findet, jetzt, wo du einen bitteren Geschmack empfindest anstelle eines süßen.

Und es gibt andere Menschen, die nicht nach einem besseren Leben fragen, sondern nach der Wahrheit dahinter. Und es gibt Menschen, die nicht nach der Wahrheit des Lebens fragen, sondern danach, wer uns dieses Leben schenkte, nach dem Schöpfer. Und diese Fragen drehen sich nicht länger um mich selbst; denn ich kümmere mich nicht länger darum, wer ich bin und was in meinem Leben auf die eine oder andere Weise passiert. Ich möchte Ihn kennenlernen, den Schöpfer erreichen und in Ihm leben – in der Urquelle, der Wurzel.

Es gibt viele Stufen dieser Einstellung, die vom Verlangen des Menschen abhängen, seiner Empfindung und Erreichung. Hier hängt alles von der Wurzel der Seele desjenigen und den derzeitigen Lebensumständen ab, d.h. auf welcher Stufe seiner Entwicklung er sich befindet. Aber sogar wenn uns auf unserer derzeitigen Stufe nicht die Chance gegeben wird, nach der Wahrheit zu fragen, dann können wir diese Verlangen in uns durch das Mittel der Umgebung entwickeln, „des Lehrers, der Gruppe und der Bücher“, und diesen Weg voranschreiten. Jedoch ist es nicht einfach und es fordert von dir, zu enthüllen, was sich in deinen eigenen Tiefen befindet, in deinen informierenden Genen, den Reshimot.

Aus dem ersten Teil der täglichen Kabbala Lektion vom 20.06.2011, Schriften des Rabasch

Nur durch Ihn erfreut sich mein Herz

Bina wächst und gewinnt an Dynamik, an Kraft. Das geschieht aufgrund der Tatsache, dass sie sich wünscht, die Bereitschaft des Gebens zu intensivieren, so ähnlich wie der Schöpfer, Keter, zu sein, und Malchut aufgrund der Tatsache, dass sie sich wünscht, mehr Licht von Chochma zu erhalten , was ihr vom Schöpfer zukommt. Denn – sie will sich ihm opfern! – Und das bedeutet, sie ist verpflichtet, mehr von Ihm zu bekommen. So definiert sich das Maß ihrer Bereitschaft zu geben.

Der Inhalt, den der Schöpfer ursprünglich Malchut gibt – und welche in ihr in der Welt der Unendlichkeit ist, bevor sie anfängt zu arbeiten – ist nur die einfachste, unbelebte Ebene, Nefesh de Nefesh. So war Malchut die Welt der Unendlichkeit bis zur Einschränkung [Zimzum]. Denn die Schöpfung war nicht in der Lage, mehr zu fühlen!

Aber dann beginnt die Schöpfung zu überlegen, wie man sich selbst einschränkt, wie sie einen anti-egoistischen Bildschirm erschafft, wie man mit diesem Bildschirm nun zum Schöpfer gelangt und sagt: „Gib mir mehr Licht, damit ich dir mehr geben kann!“

Schließlich will der Schöpfer nur, dass die Schöpfung von ihm alles erhält – das bringt ihm Vergnügen. Und so entwickelt die Schöpfung ein noch stärkeres Verlangen . Er macht mich zu einem kleinen Käfer – und ich will Ihm ein Verlangen von der Größe der Unendlichkeit entgegenbringen und dies füllen, weil ich mir wünsche, dass er noch mehr genießt.

Und deswegen komme ich zu Ihm mit einem neuen Verlangen. In Malchut der Unendlichkeit bis zur Einschränkung hatte ich nur ein Gramm des Begehrens, im Licht von Nefesch de-Nefesch, d.h. nicht beweglicher, schwach brennender Verlangen. Und nach diesem Vergleich, zum Schluss der Korrektur, kann ich Ihm den Wunsch erfüllen, welcher in „Tarah“ 620 Mal grösser ist als im Licht NaRaNChaY. Wir können nicht einmal messen, wie viel Mal stärker dieses Licht ist.

Aber warum mache ich das alles? Ich möchte dem Schöpfer große Gefäße des Verlangens bringen, damit er diese füllt und dadurch genießt.

Mein Genuss liegt darin, dass Er genießt. Und sein Genuss ist, dass Er mich füllt und mich so erfreut. Wir beide erfüllen uns gegenseitig. Und jetzt muss ich mich nicht schämen, dass ich ein so großes Verlangen habe, das der Schöpfer zu füllen hat. Und ich bin mir sicher, dass ich das nur tue, damit Er sich an mir erfreuen kann, und „Nur durch Ihn erfreut sich mein Herz.“

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel über „ die Lehre der 10 Sfirot „, 30.05.2011

Es gibt keine Fehler in der Spiritualität

Frage: Das Buch Sohar enthält viele Gleichnisse und irdische Bilder. Warum sind sie dennoch so wichtig, obwohl sie uns nur verwirren und von der richtigen Absicht abbringen?

Meine Antwort: Alles, was der Mensch sagt, welcher sich in der Heiligkeit, d.h. im Wunsch des Gebens befindet, kommt aus seinem Verständnis, aus seiner Wahrnehmung und aufgrund seines Aufenthalts im Verlangen des Gebens, und nicht einfach so oder ausgedacht aus seinem Kopf.

Infolgedessen, dass sein Wunsch des Genusses „geheiligt“ wurde, d.h. die Eigenschaft des Gebens erlangt hat, so dass er sich darin aufhalten konnte, empfindet er folglich diese Eigenschaft. Deshalb nimmt er eine Art des Ausdrucks des Schöpfers in sich wahr und gibt diese in solcher Form weiter. Denn er selbst erschafft diese Gestalten nicht, und sie entstehen auch nicht in seiner Vorstellung, und jene Form des Schöpfers, die er enthüllte, ruft in ihm jene Gestalt, jenes Bild hervor, welches er an uns weiter gibt.

Darum sollen wir all diese Gleichnisse nutzen und uns mit ihnen verbinden. Und obwohl wir sie noch nicht verstehen, verspreche ich euch, dass es dennoch die Zeit kommen wird, wenn wir diese letzten Endes verstehen werden. Außerdem werden wir die gleiche Stufe erreichen und in uns wird das gleiche Bild, die gleiche Gestalt und Ausdruck entstehen.

Deshalb verstehen die Kabbalisten einander. Und wir sind diejenigen, die sie nicht verstehen. Aber in dem Maße, in welchem wir uns damit verbinden, worüber sie sprechen, beginnen wir sie besser zu verstehen.

Nicht ohne Grund ist es im Chassidut üblich, dass wenn in Notizen des Ravs Fehler auftauchen – segnet man sie, weil er sie so geschrieben hat – was für uns als ein Zeichen der Heiligkeit gilt.

Dies entspringt der Tatsache, dass ein sich in der Heiligkeit befindender Mensch keine Fehler machen kann. Du glaubst, er hätte einen Fehler gemacht, weil Du selbst unkorrigiert bist. Und dies wird „Glaube über dem Verstand“ genannt.

Auszug aus dem Unterricht vom 30.05.2011, Der Sohar

Der Geschmack des Genusses

Alles, was wir brauchen, ist die Entwicklung des Verlangens. Ich erinnere mich daran, wie eine der Arbeiterinnen meiner Poliklinik einst das hausgemachte Essen der jemenitischen Küche mitbrachte.

Am Anfang konnte ich nichts probieren, ich verstand einfach nicht, was das Essen soll – weil dieser Geschmack weit von dem entfernt war, den ich gewohnt war. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und probierte das Essen – so dass ich allmählich den Geschmack dieser Küche mochte.

Ebenso wird das Kleinkind in diese Welt geboren, und hat noch keine Empfindung für Geschmäcker. Später beginnt es,sich je nach den Bräuchen und den Vorlieben der Gesellschaft, daran zu gewöhnen und Geschmack an diesem Essen zu finden. Denn ohne Geschmack, ohne Verlangen danach, gerade dieses Gericht zu kosten, kann man es niemals genießen.

Man könnte natürlich essen, um nicht zu verhungern, aber wir sprechen über die Genüsse. Als ein lebensnotwendiges Minimum kannst du die Genüsse dieser Welt empfangen, aber alles, was darüber hinaus läuft, ist nur dann zugänglich, wenn du das Geben genießen möchtest.

Frage: Baal HaSulam schreibt, dass hierfür nur die psychologische Umstellung benötigt wird. Was stellt sie als solche dar?

Meine Antwort: Wir verstehen nicht, wie man die Liebe und das Geben genießen kann. Dabei ist ein „Geliebter“ nicht einfach mein Kind, um das ich mich „definitiv“ gerne sorge. Nein, es handelt sich eher um die fremden, fernen und verhassten Menschen.

Es gleicht dem Essen einer fremden Küche, die ich nicht mag. Und ich beginne absichtlich, in mir die Geschmäcke zu entwickeln, das Herangehen, die Nähe, das Verständnis zu suchen. Allmählich kommen in mir die entsprechenden Wünsche auf – dann fühle ich plötzlich, dass ich diesen Menschen mag.

Hier entsteht schon folgende Frage: wenn ich ihn mag – dann wird mein Geben doch wieder egoistisch? Denn ich genieße es doch?

Das ist richtig, aber während ich liebe, hebe ich den vorigen Hass nicht auf. Er ist ständig in mir, er wächst mit, wie bei Rabbi Schimons Schülern, die im Buch Sohar schrieben, wie sie zunächst einander hassten , und später zur Liebe gelangten. Jedes Mal kommen wir in zwei Linien voran, erheben wir die Liebe über den Hass, wie gesagt wird: „die Liebe wird alle Verbrechen verhüllen“.

Gerade zusammen ergeben der Hass und die Liebe den Geschmack, „den Saft“, die Stärke des Genusses. Sie sind wie zwei Zügel. Wenn du den Hass annullierst , dann bleibt von der ganzen Stärke des Genusses nur der kleine materielle Bruchteil übrig. Wenn du dagegen über den Hass hinaufsteigst, ihn mit dem Schirm der Liebe abdeckst, dann bekommst du ein großes Gefäß mit dem riesigen Genuss.

Auszug aus dem Unterricht über die „Einführung in die Wissenschaft der Kabbala“ (Pticha), 23.05.2011

Entfremdumg bedeutet Abstieg, Vereinigung bedeutet Aufstieg

Weltkongress WE!, New Jersey, Lektion 8

Shamati, Artikel 34 „Der Vorteil des Landes liegt in allem“: …Somit verweist ihn jeder Zustand auf den ihm entgegengesetzten spirituellen Zustand, und deswegen gibt dem Menschen jeder Sturz, den er als Entfernung vom Schöpfer, von der Einigung mit den anderen, und in ihnen von der Einigung mit dem Schöpfer, wahrnimmt, die Gelegenheit, zwischen diesen gegensätzlichen Zuständen zu unterscheiden.

Aus den Fällen (Stürzen) soll also der Mensch das Verständnis des Nutzens an einem Aufstieg, an einer Annäherung erhalten. Anders hätte der Mensch keine Möglichkeit, die Wichtigkeit dessen einzuschätzen, dass man ihn von Oben näher bringt und ihm Aufstiege gewährt. Wie es geschrieben steht: Der Vorzug des Lichts – aus dem Dunkeln.

Denn die Einigung unter uns, das Verstehen der Einigung als Verstehen des Schöpfers, der Höheren Kraft, können wir nur anhand unserer Entfremdung einschätzen.

Wir müssen uns bemühen und die richtigen Interpretationen finden: die Entfremdung zwischen uns bedeutet Abstieg, die Einigung zwischen uns bedeutet dagegen Aufstieg, bis wir in der Entfremdung, d.h. im Abstieg die Abwesenheit des Lichtes und in der Einigung, d.h. im Aufstieg die Anwesenheit des Höheren Lichtes, des Lichtes des Gebens und der Liebe empfinden.

Wir müssen jederzeit die spirituellen Eigenschaften, die spirituellen Begriffe für uns richtig interpretieren. Dann werden wir uns langsam an sie gewöhnen und beginnen, in diesen uns heute abscheulichen Worten – Einigung, Liebe, Annährung – die höchsten spirituellen Werte zu sehen.

Das heißt nur dann kann er die Nähe zum Schöpfer schätzen und hochhalten, mithilfe welcher man die Güte und den Genuss erreichen kann, die im Schöpfungsplan eingeschlossen sind, welcher Seinen Willen darstellt, den Geschöpfen Genuss zu schenken.

Auszug aus der 8. Lektion des WE! Kongresses in New Jersey, 03.04.2011

Einheit für alle

Frage: Was bedeutet, sich verbinden zu wollen? Wie fühlt sich Verbindung an?

Antwort: Wahrscheinlich kommen solche Fragen in unserer Moskauer Gruppe in Zusammenhang mit dem bevorstehenden Kongress in Moskau auf: „Was ist Verbindung? Wozu sich verbinden? Wozu veranstalten wir diesen Kongress?“ Eine richtige Frage.

Wozu sollen wir uns verbinden? Ehrlich gesagt, kann man das nicht erklären. Wenn in einem Menschen ein Reshimo (ein Informationsgen) von der Vereinigung enthalten ist, in der er sich einst in einem gemeinsamen Verlangen befand, in ihm den Schöpfer enthüllt und diese Wahrnehmung verloren hat, und diese Reshimo nun wieder in ihm erwacht, dann sehnt er sich danach, in diesen Zustand zurückzukehren: „Ich will!“

Sagen wir mal, einige Menschen essen gern Frosch Fleisch. So ist es nun mal… Ich habe ein solches Bedürfnis nicht, und für sie ist das einfach ein paradiesischer Genuss. Genauso entsteht das Verlangen nach der Spiritualität, es erwacht einfach. Was soll man dagegen tun?!.. Der eine verspürt ein Verlangen nach Frosch Fleisch, der andere nach Spiritualität. Es erwacht von innen und hängt nicht von uns ab.

Warum hat jemand ein Wunsch danach, Frosch Fleisch zu essen? – Weil er es einmal probiert, einen angenehmen Geschmack verspürt, sich daran gewöhnt, eine entsprechende Erziehung bekommen hat – und nun wünscht er es.

Und der andere befand sich einst in der Spiritualität, in ihm ist ein Reshimo geblieben – und nun erwacht es wieder.

Deshalb kann man den Menschen, die keine Reshimot des spirituellen Zustandes haben, unmöglich erklären, was das Gefühl der Einheit bedeutet. Man kann ihnen aber zeigen, dass es sich lohnt, sich untereinander zu verbinden, weil wir dadurch die allgemeine Krise überwinden können, aus diesem Grund sollten sie sich ebenfalls an diejenigen anschließen, die den momentanen Zustand der Welt verändern wollen. Denn sie gewinnen auch dadurch.

Das müssen wir dem Volk erzählen. Denn sie verstehen nicht, was Spiritualität, Schöpfer, Verschmelzung, Vereinigung, Erkenntnis der Vollkommenheit, der Ewigkeit, der Harmonie mit der Natur oder höhere Sphären bedeuten. Das sagt ihnen gar nichts: „Lass mich in Ruhe! Gib mir etwas in diesem Leben – Ruhe, Sicherheit, Gesundheit… Mehr brauche ich nicht!“ Jeder spricht aus seinem Verlangen heraus.

Wir müssen aber dem Menschen zeigen, dass er sein Verlangen auch nicht erfüllen kann, wenn er nicht gemeinsam mit allen anderen der Vereinigung entgegen strebt, denn danach verlangt die globale, integrale Natur. Wir haben etwas, worauf wir bauen können, wie wir es ihm erklären können.

Deshalb erzählst du ihm, dass die Welt nach Vereinigung, dass die Natur nach Einheit verlangt. Du sprichst mit dem Menschen auf seinem Niveau und erzählst ihm nicht vom Schöpfer und der Spiritualität. Vor Ausweglosigkeit wird er sich ebenfalls anschließen. Doch an jeden muss man entsprechend seinem Verlangen herangehen.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 11.05.2011

Kabbala Akademie

Jeden Augenblick über den vorangegangenen setzen

In jedem Zustand des Aufstiegs muss man sich unverzüglich den Zustand des Abstiegs vorstellen. Denn wenn du das kannst, bedeutet es, dass du dich im Aufstieg bereits länger als einen Augenblick befindest. Länger braucht man aber nicht!

Du hast diesen Eindruck bereits bekommen, hast die „Aufzeichnung“ (Reshimo) gemacht, und wenn du sie fortsetzt, beginnst du diesen Zustand egoistisch zu genießen. Du steuerst ihn also nicht mehr, fasst ihn nicht zusammen, richtest ihn nicht korrekt aus, wie es der Fall war, als du ihn angetreten bist – du beginnst ihn einfach zu genießen und ihn in Richtung deines Egoismus zu lenken.

Wenn der Zustand des Aufstiegs länger als einen Augenblick dauert und du es verstanden hast und nicht vorhast, etwas hinzuzufügen, dann muss er als Abstieg verbucht werden. In der Spiritualität ist es so, dass, wenn du nichts hinzufügst, sondern in der gleichen Zeit, im gleichen Augenblick, auf der gleichen Höhe bleibst, du dich in eine Null verwandelst. In der Spiritualität zählt nur die Beschleunigung und nicht die Geschwindigkeit.

Und die Spiritualität befindet sich in der Gruppe – dort, wo die Einheit erreicht wird, denn innerhalb unserer Einheit enthüllen wir den Schöpfer. Wir müssen uns also ständig in Bezug auf diese Einheit prüfen. Wenn ich in die Gruppe den Eindruck von ihrer Wichtigkeit neben der eigenen Nichtigkeit in Bezug auf sie, auf die Wichtigkeit des Ziels, der spirituellen Arbeit, des Schöpfers, der sich in unserer Einheit enthüllt, hineinbringe, dann bewege ich mich in die richtige Richtung.

Nehmen wir an, ich habe Anstrengungen in diese Richtung unternommen und konnte eine gewisse Erkenntnis in Bezug auf die Spiritualität, die Eigenschaft des Gebens, erlangen, habe etwas empfunden und in meinem momentanen Zustand verstanden. Ich kann aber nicht länger als einen Augenblick in diesem Zustand verweilen, nachdem ich ihn in der Empfindung und im Verstand erfasst habe. Denn im nächsten Augenblick werde ich bereits damit beginnen, für mich selbst zu genießen – dadurch, dass ich verstanden und empfunden, dass ich etwas erreicht habe! Das alles wird bereits auf egoistische Art und Weise geschehen.

Aus diesem Grund muss man gleich im nächsten Augenblick das Verlangen seinerseits hinzufügen – nach etwas größerem suchen! Doch wo soll man ein solches Verlangen hernehmen, ständig nach mehr zu streben, um nicht entsprechend seinem Verlangen zu genießen abzusteigen, indem man sich Verzögerung und Erholung gönnt und Genuss aus dem Erreichten zieht?

Rabash schreibt, dass, wenn der Mensch sich im Zustand des Aufstiegs sieht, er unverzüglich damit beginnen soll, nach dessen Erklärung in den Büchern und Artikeln zu suchen, mit diesem neuen, von ihm gerade erreichten Verlangen dort hineindringen und diesen Zustand immer tiefer ergründen. Er macht es, um das zusätzliche Verlangen von dort zu erhalten, welches ihm erlauben würde, weiter aufzusteigen.

Denn wenn wir nicht aufsteigen, fallen wir! Es ist nicht möglich, einen „ebenen Weg“ entlang zu kriechen, in der Spiritualität gibt es so etwas nicht. Wie geschrieben steht: „Kein Augenblick ähnelt einem anderen!“ Ich muss es auf diese Weise tun, damit der nächste Augenblick höher als der vorangegangene liegt.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 12.05.2011