Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Genuss'

Am Anfang – ein Lichtfunke

Ich kann in mir selbst nichts direkt ändern. Ich kann mich überhaupt nicht „berühren“. Ich habe keinen Zugang zu meinem Verlangen zu empfangen.

Nehmen wir zum Beispiel unser Sehvermögen. Die Wissenschaftler gingen vom Augapfel zum Sehnerv und von dort zu anderen, komplexeren Systemen des Organismus. Dabei untersuchten sie, was wir und wie wir sehen und wie sich dieser Vorgang korrigieren lässt.

Im Ergebnis gelangten sie zu dem, was man das “Lustzentrum” nennt. Wenn man dieses Zentrum zu erforschen beginnt, wird man schnell feststellen, dass es sich um eine bestimmte Struktur im Großhirn handelt, die auf der Grundlage biochemischer Reaktionen funktioniert.

Dahinter, dort, wo man mit dem Skalpell nicht mehr hinkommt, befindet sich jener Teil von uns, den man als fühlenden Teil bezeichnet. Das ist das spirituelle „Kli“ (Gefäß). Dorthin gelangt man auf keinen Fall. Das ist das Verlangen selbst! 

Alles andere sind nur materielle Hüllen des Verlangens, durch die es wirkt und sich ausdrückt. Zu dem Verlangen selbst können wir nicht vordringen.

Was nehmen meine Augen dann wahr? Lichtfunken, die, sagen wir, in ein schönes Bild gekleidet sind. Ich betrachte ein schönes Bild und empfinde Freude daran. Was bedeutet das? Das Bild an sich birgt keinerlei Genuss. In ihm steckt ein Lichtfunke, der genau meinem „Kli“ entspricht. Jemand anderes würde dieses Bild vielleicht mit Gleichgültigkeit oder sogar mit Abscheu betrachten. Mich hingegen erfüllt es mit Genuss.

Das bedeutet. Der spirituelle Funke, der sich in dem Bild verhüllt, wird von mir über die Augen wahrgenommen und durchläuft alle Systeme, 

bis er am Ende in der materiellen, biologischen Kette freigesetzt wird und in die Quelle meines spirituellen Genusses eintritt – in das spirituelle Verlangen.

Der gesamte Weg, den dieser Funke vom Bild über die Augen und durch sämtliche Systeme des Organismus zurücklegt, ist lediglich ein Übertragungskanal.

Am Anfang steht der Lichtfunke, am Ende das Verlangen zu empfangen. Das ist alles.

Alle unsere Sinnesorgane sind lediglich Übertragungskanäle.

So leben wir in dieser Welt: Es sind dieselben Lichter und Kelim, nur dass sich zwischen ihnen noch ein Vermittler befindet. Daraus erkennen wir, dass wir keine Macht über das Licht und das Kli haben. Sie sind vollständig von uns getrennt und befinden sich außerhalb unseres Körpers. Verändern können wir sie nur, indem wir das Umgebende Licht anziehen.

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Aus einem Unterricht von Rabash, 07.08.26

 

Wie man die Entwicklung beschleunigt

Rabash schreibt in seinen Artikeln, dass man jedes Mal die Gesellschaft oder die Gruppe verändern muss, da dies der einzige Faktor ist, der die Entwicklung beschleunigen kann. Doch was bedeutet „beschleunigen“eigentlich? Es verändert nichts an den Zuständen selbst. Die Reshimot befinden sich bereits in uns, und wir müssen alle „geplanten“ Zustände durchlaufen. Die Frage ist nur, wie schnell wir sie durchlaufen und welche Einstellung wir dabei zu ihnen haben. 

Wenn wir einen bestimmten Zustand durchleben und ihm positiv gegenüberstehen, das heißt, uns bewusst ist, dass er mit unserer Entwicklung zusammenhängt, dann empfinden wir das Geschehene  als etwas Gutes, Positives. Wenn wir jedoch etwas nicht durchleben wollen und durch Leiden dazu gezwungen werden, dann empfindet man das Geschehen als negativ. Unser inneres, persönliches Empfinden verändert sich entsprechend unserer Einstellung zu dem, was geschieht.

Man kann das mit einer Operation vergleichen. Ich hatte Atembeschwerden und wartete zwei Wochen auf die Operation. Wenn ich nicht gelitten hätte und man mir einfach gesagt hätte: „Du musst dich hinlegen, und wir werden dich operieren“, worin hätte dann der Unterschied bestanden?

Das ist wirklich ein Wunder. Ich erinnere mich, wie ich zu dieser Operation kam. Ich konnte es kaum noch erwarten. Ich legte mich auf den Operationstisch und wartete nur darauf, dass man mir schnell die Narkose gab, damit ich als ein anderer Mensch wieder aufwachen würde. So war es tatsächlich! Das war ein sehr interessantes Gefühl. Ich empfand eine große Freude, als ich mich auf diesen Tisch legte! Ich hatte überhaupt keine  Angst, ich wollte nur, dass dieser Zustand so schnell wie möglich zu Ende geht.

Das beschleunigt die Zeit und gleichzeitig empfindet der Mensch Genuss statt Leiden.

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Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 04.08.2026

 

Das Licht der Freude

Kommentar: Wir haben Grund zur Freude! Denn wir nähern uns dem Zustand, an dem wir uns über das egoistische Verlangen erheben und uns mit dem Verlangen zu geben verbinden können- mit dem Schöpfer. Wir empfangen dann das gesamte Höhere Licht, das uns mit wahrer Freude erfüllt.

So sind wir geschaffen. Wer daher wahre Freude erlangen möchte, muss sich mit seinen Freunden und mit dem Schöpfer verbinden. Von dort empfängt er das Licht der Freude, das sein Inneres erfüllt.

Alles hängt davon ab, welche Wünsche wir erfüllen, es gibt materielle und spirituelle Freude. Alles hängt davon ab, welche Wünsche wir erfüllen. Materielle Freude entsteht, wenn wir unsere egoistischen Wünsche nach Genuss befriedigen. Spirituelle Freude hingegen entsteht, wenn wir die Wünsche des Gebens offenbaren und erfüllen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Verlangen ist wie der zwischen Himmel und Erde. 

Wenn wir spirituellen Genuss empfangen, fühlen wir uns über Zeit, Raum und Bewegung stehend. Zeit, Ort, Bewegung und Veränderung verlieren ihre gewohnte Bedeutung.

Wir erheben uns über die Materie, über unsere materielle Welt und über unser materielles Selbst. Das verleiht uns große Kraft, auf unserem Weg dem Schöpfer immer weiter entgegenzukommen.

Hoffen wir, dass es uns allen gelingt, eine solche spirituelle Freude zu erlangen.

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Aus dem Unterricht: „Wir vermehren die Freude. Tag der Einheit zu Purim“

 

Wenn der Schöpfer aus der Wahrnehmung verschwindet …

Frage: Warum wird der Zuwachs an Egoismus in der Vorbereitungsphase nicht als großes Verlangen wahrgenommen?

Antwort: Ein größeres Verlangen zu empfangen, das zum Menschen kommt, senkt ihn von seiner Stufe herab. Doch er empfindet es nicht als größeren Egoismus, sondern als zusätzlichen Genuss.

Das neue Verlangen zu empfangen, das sich offenbart, gibt ihm diese Möglichkeit und verpflichtet ihn gewissermaßen dazu. Er spürt nicht, dass das Verlangen gewachsen ist, sondern dass der Genuss intensiver sein kann, wenn er sich am Genuss selbst ausrichtet und nicht am Gebenden.

Was verdirbt die Verbindung zum Schöpfer? Das neue Verlangen! Es löscht nicht den Genuss aus, sondern die Empfindung des Gebenden. Würde der Genuss verschwinden, würde der Mensch Leere empfinden und sofort erwachen. Stattdessen bleibt die Füllung bestehen, aber der Schöpfer verschwindet aus der Wahrnehmung.

Zudem betört die Süße des Genusses den Menschen. Allmählich gewöhnt er sich an diesen Zustand: Er empfängt Genuss für sich selbst, selbstverständlich nicht um des Schöpfers Willen, da er sich noch im Zustand „Lo Lishma“ befindet. Gleichzeitig möchte er jedoch unter keinen Umständen die Verbindung zum Schöpfer verlieren und sucht unaufhörlich nach ihr.

Er möchte spüren, dass er sich in der Welt des Schöpfers befindet – in einer Art Sphäre, die vom Schöpfer erfüllt ist – und versucht ständig, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Das sind die Anstrengungen. Er bemüht sich mit allen möglichen Mitteln und schließlich füllt die Summe seiner Anstrengungen sein „Gefäß“ und er überquert den Machsom.

Was die Abstiege auf diesem Weg betrifft – daran lässt sich nichts ändern. Wie viele es sein werden? Niemand weiß es. Es ist unmöglich zu sagen, wie viel Zeit zwischen Aufstiegen und Abstiegen vergeht, denn das hängt bereits vom Menschen selbst ab – darin liegt seine Anstrengung und seine Wahl.

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Aus dem Unterricht zu einem Artikel von Rabash.

 

Wozu führt das Bewusstsein der Größe des Gebers?

Kommentar: Die Arbeit, die auf das Bewusstsein der Größe des Gebers gerichtet ist, ist unsere einzige Arbeit – wie im Gleichnis vom Gast und dem Gastgeber.

Entweder handelt der Mensch gemäß seinem Willen zu empfangen, oder es erwacht in ihm die Stufe des Menschen – der Punkt im Herzen, die Eigenschaft von Bina, die er infolge des Zerbrechens der Gefäße erhalten hat. Dies ist ein göttlicher Teil von oben, seine Seele, gegenüber der er den Gastgeber empfindet.

Dann bestehen im Menschen bereits zwei Unterscheidungen:

– sein natürliches Verlangen, Genuss vom Gastgeber zu empfangen; und

– der Punkt in ihm, der den Gastgeber selbst als Gebenden empfindet.

Dann führt er zwei Arten von Berechnungen aus: mit Ihm als dem, der Genuss gibt, und mit Ihm als dem Gebenden. In dieser inneren Trennung beginnt bereits die Arbeit. Was ist für mich wichtiger – der Gastgeber selbst, Seine Größe und die Ordnung meiner Beziehung zu Ihm?

Oder ist es mir gleichgültig, wer Er ist und was Er ist, solange ich von Ihm Genuss empfange und mich erfülle? Wenn wir uns richtig entwickeln wollen, müssen wir also ständig das Bewusstsein des Gastgebers, das heißt des Gebers, in uns vergrößern.

Zu Beginn steht der Mensch vor dem Gastgeber und sieht Ihn nicht. Gerade dieses Nicht-Sehen des Gastgebers ist von großer Bedeutung, denn dadurch entsteht im Menschen Scham, das Gefühl, ein Empfangender zu sein. Dadurch erkennt er, dass er seine Wünsche einschränken muss und mit allen Kräften seine Beziehung zum Geber entwickeln soll, sodass der Geber immer wichtiger wird als die von Ihm kommenden Genüsse.

Wenn der Geber wichtiger wird als die von Ihm kommenden Genüsse, beginnt der Mensch, seinen Willen zum Empfangen einzuschränken, und er möchte nicht mehr in ihm arbeiten. Er zieht es vor, in Verbindung mit dem Geber zu sein. Das gibt ihm mehr Genuss, mehr Sicherheit und mehr Erfüllung.

Doch auch diese Erfüllung geschieht noch um zu empfangen, das als Lo Lishma bezeichnet wird. Dennoch zieht der Mensch es vor, mit dem Gastgeber verbunden zu sein und nicht nur mit den Genüssen.

Danach kommt eine Stufe, in der auch eine solche „verbrauchende“ Verbindung mit dem Gastgeber, bei der der Mensch Ihn für seine eigenen Interessen nutzt, ihm nicht mehr richtig erscheint. Denn wenn er die Verbindung mit dem Gastgeber der Verbindung mit den Genüssen vorzieht, erweckt diese Verbindung in ihm das Bewusstsein für die Natur des Geber

Dann beginnt er, der Eigenschaft des Gebens selbst Bedeutung beizumessen. Das wird bereits „der Reiz der Kedusha“ genannt. Diese Eigenschaft wird für ihn so wichtig, dass er nicht mehr durch seine Gefäße des Empfangens mit dem Gastgeber verbunden sein möchte. Vielmehr möchte er mit der Eigenschaft des Gebens selbst verbunden sein und ihr angehören.

Das bedeutet, dass der Mensch beginnt, aus sich selbst herauszutreten und in die Eigenschaft des Gebers einzutreten. Dann sucht er nach Mitteln, durch die er dies tatsächlich verwirklichen kann. Dabei benötigt er weiterhin das Bewusstsein der Größe des Gastgebers – jedoch bereits Seiner Größe als Gebender. Dies wird die reine Bina genannt, die der Mensch erlangen möchte. In dem Maße, wie er sie erlangt, beginnt er dem Gastgeber ähnlich zu werden – zumindest darin, dass er wie Er sein möchte.

Das bedeutet, dass der Mensch gewissermaßen Galgalta we Ejnaim, die Gefäße des Gebens, erwirbt.

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Aus einer Lektion zu einem Artikel von Rabash.

 

Ein Buch, das Himmel und Erde verbindet

Frage: Was ist so besonders an der Tora, wenn sogar das Buch Sohar lediglich ein Kommentar zur Tora ist?

Antwort: Die Aufzeichnungen, die Moses auf Pergament gemacht hat, sind eine irdische Darstellung der spirituellen Handlungen des Lichts an dem Verlangen, ausgedrückt in materiellen Symbolen.

Alles, was Moses seinen Schülern beigebracht hat, hat er in einem Buch festgehalten. Während der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste schrieben sie die ganze Tora nieder und durchliefen dabei in ihren Aufzeichnungen, in ihren Körpern und in ihrem Geist den gesamten Weg, den sie zurückgelegt hatten, angefangen vom ägyptischen Exil (irdisch und spirituell) über die Wüste (irdisch und spirituell) bis hin zum Land Israel (irdisch und spirituell). All dies geschah in Verbindung von Zweig und Wurzel. Moses drückte diesen ganzen Weg in einer ganz konkreten, symbolischen Form aus.

Der Sohar drückt denselben Vorgang bereits auf einer anderen Ebene, in einer anderen Form aus, da das allgemeine Verlangen nach Genuss, das vom Schöpfer erschaffen wurde, inzwischen einige Schritte vorangekommen ist und sich unter dem Einfluss des Lichts weiterentwickelt hat

Und deshalb muss diesem Verlangen, das Höhen und Tiefen, den Untergang des Ersten und Zweiten Tempels, die Verbannung und die letzte Zerstörung vor der letzten Verbannung durchlaufen hat, eine Methode gegeben werden, die für das Ende der Verbannung, für unsere Zeit, geeignet ist.

Deshalb wurde das Buch Sohar geschrieben, dessen Autoren Anhänger vieler Generationen von Kabbalisten waren, angefangen bei Abraham bis zum Untergang des Tempels. Denn Rabbi Shimon war ein Schüler von Rabbi Akiva, der ein riesiges Licht offenbarte, und deshalb konnte er dies im Buch Sohar zum Ausdruck bringen.

Die Tora ist in zwei Teile aufgeteilt: in die mündliche und die schriftliche Tora, was aus dem Unterschied zwischen Seir Anpin (SA) und Malchut kommt. SA der Welt Azilut heißt „mündliche Tora”, und Malchut der Welt Azilut heißt „schriftliche Tora”.

Die Tora ist die Offenbarung des Lichts. In dem Licht, das zu Malchut kommt, ist alles enthalten, was für ihre Veränderung notwendig ist. Aber es ist noch nicht in die Tat umgesetzt worden und wird deshalb als „mündliche Tora” bezeichnet. Es handelt sich dabei noch um die Arbeit mit den Schirmen.

Und wenn unter dem Einfluss desselben Lichts in Malchut innere Veränderungen stattfinden und sich in ihr festsetzen, wird dies als „geschriebene Tora“ bezeichnet.

Es geht aber nur um die Wirkung des Lichts im Verlangen – vom Anfang der Schöpfung bis zu ihrer Vollendung. Denn es gibt nichts außer dem Verlangen. Unter diesen Wünschen gibt es solche, die sich selbstständig fühlen, getrennt von allen anderen – das sind wir. Sie haben Eigenschaften, die ihnen auf dem Weg der Korrektur helfen können. Und dafür bekommen sie das Gefühl von Mangel, von eigener Unvollkommenheit, von der Erkenntnis des Bösen – so fühlen wir uns.

Genau ihnen muss die sogenannte Tora gegeben werden – eine Anleitung, die ihnen erklärt, wie sie selbst, durch ihre freie Wahl, an ihrer Korrektur mitwirken können, selbst das Licht anziehen können, indem sie sich wünschen, schneller korrigiert zu werden, anstatt darauf zu warten, dass das Licht kommt und sie wachrüttelt.

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Aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Shamati“

 

Unendlicher Genuss statt „Black Friday“

Frage: Ich habe so lange auf den „Black Friday“ gewartet, um mir ein E-Bike zu kaufen. Am Ende habe ich es gekauft – und plötzlich hatte ich überhaupt kein Verlangen mehr danach, obwohl ich es noch nicht einmal berührt hatte. Warum passiert das?

Antwort: So ist es immer. Solange dich etwas anzieht, was du noch nicht hast, existiert in dir das Verlangen danach und die Erwartung von Genuss. Du stellst dir den Genuss entsprechend dem Mangel, dem unerfüllten Verlangen vor – und empfindest ihn daher doppelt.

Doch sobald du das Gewünschte erhältst, tritt der Genuss in das Verlangen ein, erfüllt es – und schon willst du es nicht mehr wirklich. So sehr, dass das Verlangen nach einem Tag oder sogar nach ein paar Stunden vollständig verschwindet. Genauso wie beim Essen: Du beginnst selbst das köstlichste, besonders begehrte Gericht zu essen – doch jeder Genuss hat ein Ende.

Das Problem unserer Welt besteht darin, dass wir, sobald der Genuss in das Verlangen eintritt und es füllt – wie der Magen durch Nahrung –, plötzlich entdecken, dass der Genuss ein Ende hat. Und so endet alles, sogar das Leben.

Es stellt sich die Frage: Kann man Genuss so empfangen, dass er unendlich ist und ständig wächst, anstatt abzunehmen? Kann man es so einrichten, dass ich mit jedem Empfang immer mehr und mehr genieße – ohne jedes Ende? Dann würde unser Leben unbegrenzt, unendlich, ewig werden. Im Grunde liegt hierin das Geheimnis des ewigen Lebens. Es hängt einzig davon ab, wie wir unser Verlangen nutzen.

Die Frage ist nur: Wie kann man es erreichen, dass ich, je mehr ich empfange, desto mehr verlange – und dass es niemals dazu kommt, dass ich gesättigt bin und mir der Genuss überdrüssig wird, ja sogar widerlich? Ist das möglich?

Die Wissenschaft der Kabbala (hebr. Kabbala vom Wort „empfangen“ – lekabel) heißt deshalb „Wissenschaft des Empfangens“, weil sie davon spricht, wie man empfängt, wie man sich auf unendliche, unbegrenzte Weise erfüllt.

Wenn wir uns miteinander verbinden und der Genuss durch mich hindurchfließt – ich gebe ihn dir weiter, du dem Nächsten, der Nächste dem Dritten und so weiter – und diese Zirkulation ständig zwischen uns stattfindet, dann bleibt der Genuss bei niemandem stehen. Deshalb wird niemand so erfüllt, dass er nichts mehr will. Im Gegenteil: Der Genuss, der durch alle hindurchgeht, erneuert sich ständig, und jeder beginnt, den Genuss zu spüren, der von allen zu ihm zurückkehrt. So entsteht ein Genuss, der sowohl der Größe nach als auch der Zeit nach unendlich ist – das nennt man, dass wir die zukünftige Welt, ein ewiges und vollkommenes Leben, erreicht haben.

So geschieht es, wenn wir wissen, wie man den Genuss richtig empfängt. Deshalb wird diese Weisheit die Wissenschaft des Empfangens genannt – die Wissenschaft der Kabbala.

Frage: Wer beginnt zuerst zu geben? Ich? Oder soll ich warten, bis mir gegeben wird, und dann ebenfalls geben?

Antwort: Nein. Man kommt in eine kleine Gruppe, in der man lernt, wie man sich miteinander verbindet, sodass der Genuss von einem zum anderen übergeht und eine Zirkulation der Energie zwischen euch entsteht. Dann fühlt ihr euch, als würdet ihr – wie in einem Raumschiff – über unsere Materie, über all diese Vergänglichkeit und Begrenztheit von Bewegung, Raum und Genuss hinausgehoben. So tretet ihr in eine andere Dimension ein, jenseits aller Beschränkungen dieser Welt.

Kommt und probiert es aus!

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Basierend auf einem Interview mit dem Kabbalisten Dr. Michael Laitman auf 103FM am 1. Januar 2016. Geschrieben/editiert von Studenten des Kabbalisten Dr. Michael Laitman.

Das Trugbild (Fata Morgana)

Eine Frage, die ich erhielt: Stimmt es, dass die Nächstenliebe nur bezüglich des Wunsches zur Spiritualität möglich ist, und ich soll die materiellen Wünsche eines Freundes nicht erfüllen?

Denn ich sehe jetzt, dass ich nicht mal bereit bin, das Fleischstück am Tisch zu teilen.

Meine Antwort: Anfangs reicht uns die Verbindung zum Nächsten in seinem Wunsch, den Schöpfer zu erreichen.

Und später wirst du dich so fühlen, als ob neben dir am Tisch dein kleiner Sohn sitzt – wirst du ihm dann das Stück Fleisch wegnehmen können, um es selbst aufzuessen? So wirst du dich zur ganzen Welt verhalten.

Es ist unverständlich, warum es notwendig ist und was du im Endeffekt bekommen wirst? – Die Antwort auf diese Frage, d.h. das Ziel des Gebens, wird oft vergessen, weshalb uns diese Handlung  als künstlich vorkommt: Du wirst fühlen, dass du dem Schöpfer ähnlich bist und Ihm dadurch den Genuss bereiten, wenn du solche Korrektur erreichst!

Jetzt hast du kein solches Bedürfnis, weshalb die Handlung des Gebens grundlos, gewaltsam aussieht. Es gibt kein anderes Ziel, außer der Ähnlichkeit zum Schöpfer.

Denn dir scheint es nur so zu sein, dass die ganze Welt leidet, und dass es die armen und unglücklichen Menschen gibt. Wenn du dich korrigieren wirst, dann wirst du sehen, dass sie alle reich und glücklich, klug und gesund sind. (Siehe den Artikel von Baal HaSulam „Die Verhüllung und die Enthüllung des Schöpfers“).

Wir verstehen nicht, welche Illusion es ist, in der Welt die Leiden zu sehen. Jedem Menschen wird absichtlich die hässliche Welt gezeigt, um ihm die Empfindung zu geben, wie viel  korrigiert werden soll, um die Vollkommenheit zu erreichen.

Wir sehen, dass jeder anders denkt und die eigene Meinung hat. Woher kommt es? – Weil jeder ein anderes Weltbild sieht. Denn die Welt hat in Wirklichkeit kein Bild, keine Form – alles wird innen, in den Eigenschaften des Menschen geöffnet!

Und wenn ich beginne, die Wahrheit zu öffnen, dann verstehe ich, dass sich hinter allen Bildern dieser Welt, die vor mir wie die Trugbilder in der Wüste entsteht, ein Gedanken verbirgt, der mir solche Realität bildet. Und diese Form ist so schwankend wie das Trugbild selbst, das in der Luft schwebt und sich die ganze Zeit verändert.

Und sich durch diese Gespenster und die Ungewissheit durchzukämpfen, ist nur in der Gruppe möglich, die dir die ganze Zeit den Fokus der Sehkraft auf die Wahrheit korrigiert.

Die Wahrheit ist das Begreifen der Kraft, die das ganze Trugbild verwaltet, damit es uns klar wird, wie und warum diese Kraft gerade diese Formen schafft, und damit wir uns mit dieser Kraft auf der anderen Seite des sichtbaren Bildes dieser Welt verbinden und zusammen arbeiten.

Wie es gesagt ist: „Der Mensch wird geben, um die Wahrheit zu finden“.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Liebe zum Schöpfer und zu den Geschöpfen“

Wenn wir den Schöpfer empfinden wollen

In der Schatzkammer des Schöpfers gibt es alles – außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Diese müssen wir selbst in uns erzeugen. Das bedeutet, dass wir unser egoistisches Verlangen in Furcht verwandeln müssen – aus dem Verständnis heraus, dass wir niemals zur Eigenschaft des Gebens gelangen werden, wenn der Schöpfer uns kein Kli (Gefäß) dafür baut.

Es gibt viele Arten von Angst: Einer fürchtet sich vor der Bank wegen großer Schulden, ein anderer hat sich danebenbenommen und hat Angst vor der Polizei. Und alle von uns fürchten sich vor der Meinung der Gesellschaft, vor dem, was andere über uns sagen könnten. Wir sind in strenge Rahmenbedingungen gepresst, die uns die Regeln des Lebens diktieren – und innerhalb dieser leben wir.

Doch gerade dieser Druck – von der unbelebten Natur, der pflanzlichen und tierischen Welt und den Menschen – ist es, der uns das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Wenn ich ihre Reaktionen nicht spüren würde, würde ich auch diese Welt nicht empfinden. Einerseits bedrückt mich dieser Druck durch mein Umfeld, andererseits bestimmt gerade dieser Druck den Ort meines Daseins – sonst würde ich ihn gar nicht spüren.

Wenn wir also den Schöpfer empfinden wollen, müssen wir spüren, wie Er Druck auf uns ausübt – und in welchem Maß wir im Gegenzug auf Ihn einwirken können. Das bedeutet, eine gegenseitige Verbindung mit Ihm einzugehen.

Wir fürchten uns vor allem Möglichen: vor Problemen in der Schule, in die unser Kind geht, vor Polizei, Ärzten, Vorgesetzten bei der Arbeit, vor den Krankheiten und tausend weiteren möglichen Unannehmlichkeiten. Doch wir merken nicht einmal, wie sehr uns diese Angst lebendig macht.

Denn im Grunde genommen treibt uns nur ein primitives Verlangen an: das Verlangen nach Genuss, das Verlangen, zu empfangen. Und wenn wir spüren, wie das Umfeld ständig Druck auf uns ausübt und uns formt, dann fühlen wir uns lebendig in dieser Welt.

Wenn wir aber in einer anderen, höheren Welt leben wollen, müssen wir in uns Kelim (Gefäße) für deren Wahrnehmung entwickeln. In unserer Welt fürchten wir uns vor der unbelebten Natur (Klima, Stürme usw.), vor der pflanzlichen Natur (Ernte, Nahrung), vor Tieren und Menschen. Letztlich empfinden wir uns als lebendig durch Angst und Druck, die wir von außen spüren – und merken es nicht einmal.

Diese Angst bestimmt unser ganzes Bild vom Leben, die Form der Welt, des Daseins. Wenn der Druck durch das Umfeld verschwinden würde, wenn ich nicht mehr spüren würde, dass ich andere brauche, sie will oder mich vor ihnen fürchte – dann würde ich die Realität nicht mehr fühlen. Und genau deshalb spüren wir den Schöpfer nicht. Wir müssen in uns Furcht oder Empfindsamkeit gegenüber dem Schöpfer entwickeln.

Wenn ich eine andere Realität spüren will – die als Höhere Welt bezeichnet wird, also die Welten Assija, Yezira, Brija, Azilut, Adam Kadmon, die Welt der Unendlichkeit –, dann muss ich mich jedes Mal verändern und mich fragen, welche Verlangen, welche Ängste und welche Klärungen ich gegenüber der äußeren Umgebung haben sollte.

Die Kabbalisten sagen: Wir haben keinen Grund zur Sorge, denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes. Es gibt also nichts, wovor wir uns fürchten müssten. Nur eines ist entscheidend: Wenn wir Seine Güte empfinden wollen, müssen wir ein entsprechendes Kli erschaffen – den Wunsch, Ihm Gutes zu tun. Dann, gemäß der Ähnlichkeit unserer Eigenschaften, werden wir den Schöpfer empfinden und erkennen, dass es keinen besseren Zustand als diesen gibt. Er wird uns Sicherheit, Genuss, Erfüllung bringen – wir müssen dem Schöpfer nur wohlwollend begegnen.

Das Kli, um die Höhere Welt, den Schöpfer, zu spüren, ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Doch eigentlich habe ich nichts, wovor ich mich vor dem Schöpfer fürchten müsste – denn Er wird mir nichts Böses tun. Nur ich selbst schade mir durch meinen Egoismus. Je nachdem, ob ich den bösen oder den guten Trieb wähle, wird mir das Licht, das vom Schöpfer kommt, als Licht oder als Dunkelheit erscheinen. Alles hängt von mir ab.

Wenn ich mit einem passenden Kli in die Schatzkammer des Königs eintrete, kann ich darin einen Teil des Lichts empfangen – und jedes Mal mehr. Der Schöpfer wünscht sich, dass wir Seine ganze Schatzkammer, das gesamte unendliche Licht, in uns aufnehmen – also die Stufen der Leiter bis zur Welt der Unendlichkeit aufsteigen.

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Aus einem Unterricht zum Artikel Shamati 38.

Das Gespräch des Schöpfers mit dem geliebten Geschöpf

Wenn ich beginne, meine Beziehung zur ganzen Welt zu korrigieren – zu allen anderen Seelen, zu meinen Freunden in der Gruppe und beim Studium –, entdecke ich plötzlich, dass es nur mich und den Schöpfer gibt – und sonst niemanden …

Das bedeutet: Alle Freunde, die ganze Welt, die unbelebte, pflanzliche und tierische Natur, die Menschen, die Seelen – all das sind im Grunde Erscheinungsformen des Schöpfers mir gegenüber. Denn der Schöpfer kann sich mir nicht als Licht ohne Gefäß (Kli) offenbaren – ich hätte nichts, womit ich Ihn wahrnehmen könnte.

Deshalb teilt der Schöpfer die Schöpfung in zwei Teile: das Geschöpf selbst, seine Seele – und alle übrigen Wünsche außerhalb dieses Geschöpfes, die dem Schöpfer zugeordnet sind.

Der hebräische Begriff für Schöpfer, Bore, setzt sich zusammen aus den Worten „Bo – Re“, also: „Komm und sieh“. Wenn sich das Geschöpf mit diesem scheinbar äußeren Kli verbindet, drückt es dadurch seine Beziehung zum Schöpfer aus – und in diesem Gefäß offenbart sich das Licht. All dies gibt dem Geschöpf die Möglichkeit, die Höhere Kraft zu enthüllen.

Dann beginnt das Geschöpf, die „Sprache“ des Schöpfers zu verstehen – das Gespräch, das der Schöpfer mit ihm führt. Manchmal scheint es ihm, als sei dieses „äußere“ Kli höher, über ihm, manchmal niedriger, unter ihm. Manchmal erscheint ihm die Welt wie ein leerer Raum, in dem es absolut nichts gibt. Aber wenn das Geschöpf versteht, dass der Schöpfer für es absichtlich diesen leeren Raum freigemacht hat, damit es ihn selbst mit seinem Verlangen zu geben füllen kann – dann hat es ein Arbeitsfeld erhalten.

In dieser Leere fehlt das Licht des Glaubens, das Licht des Gebens – Chassadim. Und wenn das Geschöpf bereits in der Lage ist, diesen leeren Raum mit dem Licht von Chassadim zu füllen, dann verbindet es sich dadurch mit dem Schöpfer und kann darin auch das Licht von Chochma (Weisheit) offenbaren.

Und es gibt auch umgekehrte Zustände, in denen der Schöpfer das Geschöpf spüren lässt, dass es erfüllt ist. Zuerst fühlt es sich an, als würde man vor einem gewaltigen Licht stehen, das sich aber noch außerhalb von einem befindet – dieses Empfinden wird uns in den ersten neun Sefirot (den TET Rishonot) gegeben.

Der Mensch muss auf diesen Genuss ein Zimzum (eine Einschränkung) machen, seine innere Grenze – bis zu welcher er das Licht aufnehmen kann – auf die Höhe von Nikwej Ejnaim (Öffnungen der Augen) anheben und in den drei Linien arbeiten, um mit dem Massach (Schirm) dieses Licht zu messen, das vor ihm steht – um zu klären, inwieweit man es um des Gebens willen annehmen kann.

So schreiten wir voran, durchlaufen verschiedene Zustände – oft auch unbewusst. Aber sie offenbaren sich nur unter der Bedingung, dass wir nicht vergessen: Es gibt nur ein Licht und ein Gefäß – das für uns in viele Teile aufgeteilt wurde, die wir nach und nach mit der Absicht zu geben an uns anschließen müssen.

Auf diesem Weg stehen uns zwei Hauptetappen bevor:

  1. Die Stufe von Bina (Chafez Chessed, das Verlangen nach Barmherzigkeit), auf der der Mensch noch nicht wirklich in Verbindung mit anderen treten kann. Er lernt lediglich, seinem Egoismus zu widerstehen, sich über seine Wünsche, über all seine enthüllte böse Neigung zu erheben, und erlangt so die Gefäße von GE (Galgalta we Ejnaim – Kopf und Augen).

  2. Danach beginnt er mit der ”Verbindung der Eigenschaften der Barmherzigkeit und des Gerichts“  zu arbeiten– das heißt, er beginnt auch seine empfangenden Wünsche, die in ihn eingeschlossen sind, zum Geben zu nutzen.

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Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash