Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Böse'

Das unerträgliche Zusammenleben

Frage: Sie sagen, dass ein Ehepaar eine korrigierte Familie vorspielen soll. Doch was soll man tun, wenn das Böse sich ständig zwischen den Ehepartnern enthüllt, wenn sie sich oft streiten, einander nicht respektieren oder nicht verstehen?

Meine Antwort: Leider hat keiner von uns eine notwendige Erziehung genossen, keiner wurde auf das Familienleben vorbereitet. Wir müssen sowohl den Mann als auch die Frau erziehen und ihnen die Herstellung von einer richtigen gegenseitigen Beziehung miteinander und mit den Kindern beibringen.

Das ist das Problem der egoistischen Entwicklung: jeder meint, er wüsste, was zu tun ist. Keiner bereitet den Menschen auf das Leben vor. Anstatt den Menschen zu erziehen, bringen wir ihm mit Müh und Not irgendeinen Beruf bei. Das ist der Grund, warum wir heutzutage eine so tiefgehende Krise haben.

Die familiäre Krise wird unerträglich. Nach den Versuchen, zusammenzuleben, versinkt die Welt in einer allgemeinen und totalen Verzweiflung. Dabei ist uns nicht klar, dass die Familie die Grundlage allen Lebens ist. Ohne sie wird das Leben nicht fortgesetzt.

Der Mensch wird nach einer Antwort suchen müssen, und diese Antwort klingt folgendermaßen: „Mann und Frau – die Shechina zwischen ihnen“. Wir müssen begreifen: die egoistische Entwicklung hat uns in eine Sackgasse geführt: wir können einander nicht mehr ertragen.

Uns wird nur die Wichtigkeit des Ziels helfen, welches wir nur erreichen können, wenn wir eine korrigierte Familie haben, die die Kinder richtig erzieht. Nur unter diesen Bedingungen erlangen wir die Ähnlichkeit mit der Natur, mit dem Schöpfer, enthüllen Ihn, verschmelzen mit Ihm und erlangen das ewige Leben auf der spirituellen Stufe.

Nur das spirituelle Ziel wird den Menschen dazu verpflichten, eine richtige Familie zu gründen – mit Kindern und mit einer richtigen gegenseitigen Beziehung zwischen den Ehepartnern.

Auszug aus dem Gespräch über Frauen, 08.03.2011

Eine Quelle mit lebendigem Wasser

Frage: Warum ist es bei den großen Kongressen viel leichter über die gegenseitige Ablehnung hinwegzukommen?

Meine Antwort. 1. Bei einem Kongress ist ein Mensch nicht in seiner Gruppe. Er verschwindet in einem Ozean von Leuten, mit denen er keinen näheren Kontakt hatte, und daher konnte er seine Bosheit gegen sie nicht enthüllen.

2. Bei den Kongressen arbeiten wir nicht daran, das Böse in uns zu enthüllen, sondern wir erwecken eher die Tugenden. Allerdings kommen diese Tugenden trotz dem Bösen, das bereits enthüllt wurde und um Kräfte für die Zukunft zu erlangen.

Folglich spüren Menschen, die in der Gruppe nicht an sich selbst arbeiten, keinen Drang danach, zu einem Kongress zu kommen. Sie sehen das nicht als eine Chance zum Aufstieg. „Was werde ich dort tun? Springen? Singen? Ich kann genauso am Fernseher oder im Internet zuschauen, zu einer Zeit, die mir angenehm ist!“

In Wirklichkeit besteht ein grosser Unterschied zwischen einer virtuellen und einer physischen Teilnahme an einem Kongress, weil bei der letzteren ein Mensch Energie, Geld und große Anstrengungen aufbringt, um daran teilzunehmen. Darüber hinaus können wir die Wichtigkeit des physischen Kontakts nicht vor der Erlangung der Empfindung der höheren Welt für nichtig erklären. Daher ist der Kongress für Menschen gedacht, die dorthin zu kommen wünschen, um das Böse zu erkennen, das sie früher angesammelt haben und ebenso für jene, die sich danach sehnen, dort die Kräfte zu erhalten, um die Verwirklichung des Bösen in Zukunft überwinden zu können.

Die Tora spricht oft davon, wie sich Menschen früher an einer Quelle trafen, um sich mitzuteilen und Verbindungen herzustellen. So sollten wir uns bei einem Kongress wie Menschen fühlen, die sich an einer Leben spendenden Quelle in der Wüste versammelt haben, und aus dieser Quelle können wir die lebensnotwendigen Kräfte von Bina empfangen (Wasser ist die Eigenschaft des Gebens, die Qualität von Bina).

Aus dem 2.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 07/03/2011, Der Sohar

Enthülle, Korrigiere, Erfülle!

Es gibt nur zwei Elemente in der Realität: den Schöpfer und das Geschöpf.

Am Ende fühlt das Geschöpf den Reichtum, den der Schöpfer ihm gibt. Und wenn das Geschöpf sich ändert, geschieht das, weil der Schöpfer es ändert, sei es zum Guten oder zum Schlechten, in allerlei unterschiedlichen Formen, was von subjektiven Empfindungen abhängig ist.

Wir geben den Einwirkungen des Schöpfers auf das Geschöpf, abhängig davon was uns enthüllt wird, unterschiedliche Namen: “Gericht” und “Gnade”, “gut” und “böse”. So oder so gehen die Definitionen nicht über gut und böse hinaus, denn sie sind durch unser Verlangen dazu bestimmt Genuss zu empfangen.

Es gibt schlichtweg viele Arten von Gut und Böse, denn das Verlangen nach Genuss besteht aus verschiedenen Stufen. Das Licht hat mit seinem Einfluss verschiedene Formen darin eingeprägt. Daher unterscheiden wir drei Arten des Einflusses vom Schöpfer:

* das Licht, das die Gefäße enthüllt;
* das Licht, das die Gefäße korrigiert;
* das Licht, das die Gefäße erfüllt.

Das ist die Regel: Enthüllung, Korrektur, Erfüllung.
Dieser Prozess besteht aus vielen Stufen, die zu jedem Verlangen und Gruppen von Verlangen gehören, welche ineinander fließen. Sie alle werden gemäß ihres Levels von Awiut (Grobheit) in Tiefe und Stärke unterschieden, und ihre Vermischung erweckt in uns Tausende und Abertausende von Reaktionen.

Zum Beispiel ist ein Teil meines Verlangens in einem Zustand der Enthüllung, ein anderer Teil geht durch die Korrektur und ein dritter Teil kann schon erfüllt sein. Die Wechselbeziehungen der Verlangen sind so verschieden und verändern sich so sehr, dass wir eine unzählige Menge von Reaktionen und Empfindungen erleben. Sie formen das Bild der Welt, in der wir existieren.

Letztendlich nehmen wir nur die Manifestationen der Kraft der Verlangen wahr, das in unserer Wahrnehmung in viele Teile zerbrochen ist. Normalerweise können wir die Verlangen, ihre Gruppen und Kombinationen und besonders die Zustände, die wir erleben, nicht kontrollieren. Deshalb müssen wir in unserem Voranschreiten nur die größte Nähe zum Schöpfer anstreben, der Eigenschaft der Liebe und des Gebens; in Richtung Einheit.

Wir erwecken durch dieses Streben das Licht, seine Stärke und seine Manifestation. Wenn es uns erreicht, gehen wir in unseren Verlangen durch die Zustände der Enthüllung, der Korrektur und der Erfüllung.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 1.03.2011, Schriften von Rabash

Die ersten Versuche

Frage: Je mehr Anstrengungen für den Erfolg der Gruppe wir unternehmen, desto mehr fühlen wir, dass wir für unseren Egoismus arbeiten…

Meine Antwort: Wir sollten uns darüber freuen, denn das ist die Enthüllung des Bösen. Ohne dass wir das Böse enthüllt haben, werden wir das Gute nicht erreichen können.

Ich sehe also, dass ich aus meinen Handlungen für die Gruppe letztendlich nur den eigenen Nutzen ziehen will. Was soll ich denn weiter tun?

Es ist so, dass allein dieser „Punkt der Offenbarung“ nicht ausreicht, damit kann ich nichts anfangen. Meine Handlung muss eine Richtung, einen Vektor haben. Anderenfalls bleibt meine innere Kraft bloß ein Potential, ähnlich einem abgedrosselten Motor, selbst wenn es ein guter Motor von 200 Pferdekräften ist – doch wie geht es weiter?

Ich muss mein Verlangen „starten“, es auf eine bestimmte Handlung ausrichten. Das bedeutet, dass ich zwei Punkte habe, aus denen der Vektor eben erstellt wird. Diese Ausrichtung wird meiner Kraft durch den Verstand gegeben. Das ist der Grund, warum Kraft und Verstand gut „zusammen arbeiten“ können. Das ist eine Gesetzmäßigkeit.

Obwohl ich also an meiner Einstellung gegenüber der Gruppe verzweifelt bin, erschafft es noch keine Möglichkeit zum Handeln. Nun muss ich meinen Zustand mit dem Ziel verbinden.

Gerade habe ich gespürt, dass ich mir selbst zuwider bin. In meinen Handlungen bzw. in einer meiner Handlungen ist der Egoismus zum Vorschein gekommen: das habe ich für mich selbst getan, ich konnte es nicht auf die Freunde richten.

Als erstes sollte man daran denken, dass es niemanden außer Ihm gibt. Es liegt nicht daran, dass es mir nicht gelungen ist, sondern daran, dass der Schöpfer diese Situation und deren Analyse für mich erschaffen hat. Es stellt sich heraus, dass ich wegen meines Egoismus nichts tun konnte, weil der Schöpfer mir etwas beibringen, mir zeigen wollte, dass ich mich in der Gewalt des Egos befinde.

Was soll ich nun tun? Wozu wollte Er, dass ich das spüre? Damit ich dadurch die Wichtigkeit des Ziels erkenne – der Eigenschaft des Gebens, die dem, was mir gerade enthüllt wurde, entgegengesetzt ist.

Woher nehme ich denn diese Wichtigkeit? Eben aus diesem Zustand heraus. Denn es gibt kein Licht ohne Kli. Im Vergleich zu was nehme ich mich als böse wahr? Im Vergleich dazu, wie ich das Geben verstehe, indem ich mir vorstelle, dass ich besser vorgehen und mich gegenüber den Freunden anders verhalten könnte.

Das sind bereits zwei Punkte!

Wie kann ich mich nun von dem Punkt der eigenen Erbärmlichkeit und Widerwärtigkeit zum Punkt des Gebens bewegen? Was fehlt mir? Mir fehlt die Kraft. Eben danach muss ich verlangen.

Doch auch das ist noch nicht alles. Wozu soll ich danach verlangen? Um mich selbst zu umschmeicheln? Um keine Abstoßung mehr mir selbst gegenüber zu empfinden? Denn mein Egoismus leidet aufgrund der jüngsten „Offenbarung“. Dann bin ich also nach wie vor ein Egoist, nur nach einer weiteren Windung, auf der nächsten Stufe der Selbstverliebtheit.

Nein, ich will nicht, dass meine Arbeit oder deren Ergebnisse den eigenen Nutzen verfolgen. Ich will eine solche Handlung vollziehen, in der ich den Genuss für den Schöpfer enthülle. Er korrigiert mich, und ich will, dass es Ihm Genuss bereitet.

Dadurch versuche ich, noch ein Stück vorwärts zu kommen, und noch ein bisschen, so weit es geht. So sehen meine ersten Versuche aus, die ich buchstäblich „durchkauen“, auf der Zunge „zergehen lassen“, und um es noch genauer zu sagen – mit den Zähnen „zermahlen“ muss.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 28.02.2011

Über den Baum von Gut und Böse nachsinnend

Wenn wir in uns die Empfindsamkeit für Gut und Böse nicht kultivieren, werden wir nicht wissen, wie wir sie in der rechten Weise zu gebrauchen haben.

Zudem ist wichtig, auf welche Art wir feststellen, was gut und was böse ist, weil für gewöhnlich erachtet ein Mensch das, was seinem Egoismus dient als gut und das, was ihm schadet als böse. Also was ist der Bezugspunkt, der auf die Definition von Gut und Böse verweist? Ist es in Beziehung zu mir, zur Gesellschaft oder zum Schöpfer? Was ist eigentlich „Gut“ und „Böse“?

Wir stehen heute einem grossen Problem gegenüber: Während unserer gesamten Vergangenheit haben wir getan, was für uns selbst das Beste war. Wir haben die Freiheit besessen Rohöl und Gas zu verteilen, unsere Umwelt zu verschmutzen und über nichts besorgt zu sein, bis wir eine Möglichkeit bekamen, mit Entsetzen zu sehen, was wir angestellt haben. Allerdings gibt es kein Zurück. Wissenschaftler sagen, dass das Schicksal des Globus entschieden ist: Wir haben die Grenze zur Umkehr bereits überschritten und können das zerstörte Heil nicht mehr wiederherstellen.

Das, was wir als gut empfunden haben, hat sich in schlecht verwandelt. Wären wir in der Vergangenheit empfindsamer und in der Lage gewesen, die Dinge im rechten Licht zu sehen, hätten wir das, was wir getan haben, nicht getan. An dieser Stelle hängt unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen, in hohem Masse von unseren Gefühlen ab. Letzten Endes ist das Verlangen die Hauptkraft und der Verstand entwickelt sich daneben um zu erfüllen, was das Verlangen wünscht. Intelligenz wächst nur ,um das Verlangte zu erlangen.

Ich denke darüber nach, was ich zu erreichen verlange und je mehr ich wünsche, um so mehr denke ich darüber nach. In Übereinstimmung damit entwickeln sich meine Bemühungen zu verlangen, was ich ersehne. Daher, neben einem grossen Verlangen ist immer ein grosser Gedanke, während sich neben einem kleinen Verlangen ein kleiner Gedanke befindet. Auf diese Art sind wir geschaffen. Diese Entwicklung findet auch in den lebenden Zellen statt genauso wie im gesamten Menschen.

Somit wird sich unser Verstand , indem wir eine grössere Empfindsamkeit für „Gut“ und „Böse“ entwickeln, im selben Masse entwickeln und wir werden weiser werden. Die einzige Frage ist, welche Kriterien werden wir verwenden um festzulegen, wann wir es mit gut und wann wir es mit böse zu tun haben?

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbalah Unterrichts vom 18/02/2011, „Die Freiheit“

Zum bevorstehenden Kongress in Nordamerika

Frage: Worin besteht die Wichtigkeit des bevorstehenden Kongresses in Nordamerika und warum sollte man daran teilnehmen?

Meine Antwort: Unsere Welt befindet sich in einer sehr gefährlichen Lage, andererseits ist diese Lage sehr interessant und sensibel. Diese Situation herrscht im Moment in der ganzen Welt.

Und auf diese riesige und weite Welt können nur wir einen Einfluss ausüben, diejenigen, die sich mit der Kabbala beschäftigen, die als „Isra-El“ (Yashar-Kel, direkt zum Schöpfer) bezeichnet werden und über eine Verbindung mit der höheren Kraft verfügen – mit der einzigen Kraft, die in der Welt regiert.

Wenn wir uns verbinden und diese höhere Kraft beeinflussen wollen, um deren gute Einwirkung hervorzurufen, dann ist das im Grunde genommen die einzige Möglichkeit für die Welt, sich dem Guten zuzuwenden und den Weg des Guten zu gehen. Ansonsten wird sie den Weg der Leiden gehen, entsprechend dem Überhang, der beim Zusammenstoß von Gut und Böse in der Natur entsteht.

Es liegt nur in unseren Händen, durch unsere Verbindung eine gute Entwicklung in die Welt hineinzubringen und gute Zeiten für sie einzuläuten. Am 1. April kommen wir auf dem Kongress in Amerika, in New Jersey, zusammen, wodurch uns eine besondere Gelegenheit geboten wird, uns von dieser wichtigsten Weltmacht, von der meistens der stärkste Einfluss ausgeht, an die ganze Welt mit der positiven, richtigen Kraft zu wenden, die den Erfolg mit sich bringen wird.

Aus diesem Grund empfehle ich allen, die dazu in der Lage sind, zu kommen. Wir werden dort an unserer Verbindung arbeiten, werden versuchen, die höhere Kraft an uns heranzuziehen und sie in das Gesamtsystem der Verbindungen zwischen den Menschen hineinströmen zu lassen, damit diese Energie durch das ganze Netz fließt. Und ich hoffe, dass wir positive Auswirkungen in der ganzen Welt wahrnehmen werden. Alles hängt von uns ab.

Das sind jene Veränderungen, die wir vollziehen können, indem wir den Weg des Lichts oder den Weg der Leiden wählen. Und wir alle sehen, wie schnell die Welt auf dem Weg der Leiden vorankommt. In dem Buch Sohar steht geschrieben, dass alles vom inneren Teil der Welt, sprich von unserer Gruppe abhängt, die den inneren Teil der Menschheit darstellt. Man sollte sich nicht genieren, sondern es mit aller Ernsthaftigkeit und Verantwortlichkeit angehen.

Deshalb setze ich große Hoffnungen auf diesen Kongress und kann ihn kaum erwarten, weil die Welt sich in einer bedrohlichen Lage befindet, jeden Tag passiert etwas. Ich hoffe sehr, dass wir mit Hilfe von allen, die dort zusammenkommen, sowohl den alten als auch den neuen Studenten, große Veränderungen in der Welt bewirken können.

Und wenn wir dort zum Wohl der Welt handeln, dann steht auch uns zu, höher aufzusteigen – auch wir werden eines Aufstieges würdig sein. Jeder Mensch erhält das spirituelle Vorankommen unter der Bedingung, dass er es zum Wohl der Menschheit benutzt.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Vorwort zu Panim Meirot“, 24.02.2011

Schlechte Nachrichten für den Egoismus

Kabbalisten bringen uns den Weg zu der Wurzel bei, damit jeder die Wurzel seiner Seele erreichen kann. Und das Wichtigste, sagen sie, ist die Absicht.

Oben gibt es eine Kraft, die dazu bestimmt ist, uns zu korrigieren und durch alle Etappen zu dem finalen hohen Zustand zu bringen. Wir müssen jedoch den Aufstieg durch eigene Handlungen einleiten, dem durch die Bitte, durch das Verlangen vorgreifen.

Denn letztendlich müssen wir das wahrnehmen, was wir im Moment nicht in der Lage sind wahrzunehmen. Wir haben nichts, woran wir uns festhalten könnten, wir haben keine Möglichkeit dazu. Dieses Etwas stellt sich uns als nichtig und sinnlos dar. Warum? Weil die Erscheinung, die wir wahrnehmen sollten, das Geben und die Nächstenliebe ist. Genau das ist die Kraft des Schöpfers, die Eigenschaft namens „Schöpfer“, die die gesamte Realität umfasst und ausfüllt.

Doch wir begreifen und spüren es nicht, wir sind nicht in der Lage, uns dem anzunähern. Wir sind dem absichtlich entgegengesetzt erschaffen worden, um das Licht aus der Dunkelheit heraus erkennen und es dann verstehen, spüren und an den Tag legen zu können.

Es ist aber so, dass das Licht an sich uns lediglich blenden würde. Doch wir befinden und entwickeln uns in der Eigenschaft des Empfangens, während wir immer mehr Details der Wahrnehmung erlangen. Und anschließend kommt der Moment, in dem wir am Empfangen verzweifeln und einen Anstoß zur Eigenschaft des Gebens bekommen. Dieser in uns erwachte Funke nennt sich „der Punkt im Herzen“.

Und dann werden wir an die Realisierung herangeführt – wir werden zu dem Lehrer, den Büchern und der Umgebung geführt. Nun können wir aus diesem Funken die echte Eigenschaft des Gebens und der Nächstenlieben entwickeln.

Unsere Arbeit besteht aus allen möglichen Handlungen, dank welchen wir immer mehr den Lehrer, die Urquellen und die Umgebung schätzen lernen, indem wir sie über unseren Egoismus, über die Eigenschaft des Empfangens erheben, damit die Eigenschaft des Gebens in unseren Augen wichtiger als die Eigenschaft des Empfangens ist, damit das Licht in uns ein größeres Ansehen als die Finsternis genießt, damit der Schöpfer mehr als die Schöpfung geschätzt wird.

Ich lese darüber in den Urquellen, also muss ich mich bemühen. Wenn ich jedoch direkt damit zu tun habe, wenn ich einen Plan erstelle, um damit anzufangen, das Geben über das Empfangen in meinen Augen zu erheben und zu achten, offenbart sich in mir die Hilflosigkeit und das Fehlen jeglichen Interesses. Im Gegenteil, ich fühle, dass der Lehrer, die Gruppe und die Bücher mich gar nichts angehen. Alles wirkt fad.

Warum? Weil mein Egoismus, mein Verlangen zu genießen, hier keinen Nutzen erkennt. Im Gegenteil, von diesem Moment an spürt er, dass ihn Verluste erwarten.

Wie kann ich mir selbst etwas Schlechtes zufügen, wenn ich gänzlich aus dem Verlangen zu genießen bestehe? Ich bin dazu einfach nicht in der Lage, eine solche Möglichkeit – sich selbst etwas Schlechtes zu tun – ist in mir nicht vorgesehen.

Wie dann? Meine Annäherung an den Schöpfer ist also eine permanente Entfernung von dem, was mir im Moment als „gut“ vorkommt. Mehr noch, es ist eine Annäherung an das „Böse“. Ist denn so etwas möglich?

Eine Antwort auf diese Frage bekommt man nur von der Wissenschaft der Kabbala.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 23.02.2011


Ein vielschichtiges Filter vor dem Eingang

Frage: Warum wird Kabbala mit Hilfe von sehr unaufdringlichen Methoden verbreitet, indem sie sich nur an diejenigen richtet, die zuhören wollen, während die religiöse Propaganda mit einem solchen Nachdruck betrieben wird? Wenn das Wissen der Kabbala für die Menschen so wichtig ist, warum hat sie eine so passive Herangehensweise?

Meine Antwort: Die Religionen gehen so aufdringlich vor, weil sie nicht das Verlangen korrigieren, den Menschen zur Erkenntnis bringen, die Freiheit des Willens und die Erkenntnis des Bösen in ihm entwickeln müssen. Er muss keine Entscheidung nach seinem freien Willen treffen.

Die Religion verhüllt den Menschen mir ihrer religiösen Bedeckung, verschließt seine Augen, besticht ihn mit allen möglichen Versprechungen und materiellen Vergünstigungen, schüchtert ihn mit Bestrafungen in dieser und in der zukünftigen Welt ein, verspricht eine Belohnung usw. Alle diese Methoden und Glaubensrichtungen wirken im Rahmen dieser Welt mit Hilfe von „Zuckerbrot und Peitsche“. Denn so war es in unserer Welt üblich, gegen das egoistische Verlangen des Menschen vorzugehen.

Doch die Wissenschaft der Kabbala möchte neben dem Egoismus des Menschen seinen Punkt im Herzen entwickeln, damit er sich zwischen diesen beiden Kräften – dem „guten Trieb“ und dem „bösen Trieb“ – befindet. Und dann, wenn er sich in der Mitte zwischen dem Ego und dem Punkt im Herzen wiederfindet, wird er frei sein und wird selbst entscheiden können, mit wem er gehen will. Er wird seinen Egoismus, den bösen Trieb, zum Wohl des guten Triebes verwenden und auf diese Weise immer vorankommen können.

Die Wahl wird immer in seinen Händen bleiben, und er wird Auf- und Abstiege durchlaufen und ständig entscheiden, was, wozu und warum er wählen soll. Kabbala lässt einen Menschen im Menschen aufwachsen – einen Menschen, der dem Schöpfer ähnlich ist, frei denkt und keine Angst davor hat, zu sagen, was er denkt. Er hat vor nichts Angst – es gibt keine Bestrafung und keine Belohnung in der zukünftigen Welt, alles hängt nur von dir selbst ab, von dem, was du jetzt tun wirst.

Kabbala enthüllt dem Menschen die ganze Wahrheit, und nun, wenn du siehst, dass es keine zukünftige Strafe gibt und du alles, was du willst, tun kannst – nun entscheide dich! Und wenn du dich entscheidest, dann bewegst du dich in dem Glauben über dem Verstand, d.h. du erlangst eine völlig andere Herangehensweise an das Leben, die von deinem jetzigen, egoistischen Zustand getrennt ist.

Kabbala lässt den Menschen in seiner Persönlichkeit aufsteigen, sein neues Ich aufbauen, das als „Mensch“ (Adam), dem Schöpfer ähnlich (dome), bezeichnet wird. Diese Form muss er von dem Schöpfer erhalten.

Das ist überhaupt nicht mit Religionen zu vergleichen, die dem Menschen einreden, welche materiellen Handlungen er von früh bis spät ausführen soll: wie er essen, trinken, sprechen und denken soll. Hier ist alles umgekehrt, darum steht geschrieben, dass „die Meinung der Tora der Meinung von Massen entgegengesetzt ist“. Und das bezieht sich auf alle Religionen, Glaubensrichtungen und spirituelle Praktiken. Darin besteht deren prinzipieller Unterschied zu der Kabbala, die neben dem Egoismus eine weitere Komponente, genannt „Punkt im Herzen“, entstehen lässt.

Man muss das Ego an den Punkt im Herzen anschließen, es in dessen Innere hineinbringen und das korrigierende Licht dorthin heranziehen, dann wird diese ganze Konstruktion dem Schöpfer ähnlich, der sich in deinem Inneren enthüllt.

Doch diese Aufgabe ist nicht für jeden. Für den Menschen ist es einfacher, wenn man sich direkt an seinen Egoismus, an das Verlangen zu genießen wendet. Die Religion verspricht ihm, dass er einen Gewinn erzielen wird, wenn er deren Anweisungen folgt, und diese und die zukünftige Welt bekommt. Und sie zeigt ihm Millionen von Menschen, die sich um ihn herum genauso verhalten und mit ihrem Leben zufrieden sind. Wenn man sich auf diese Weise an den Menschen, allein an seinen Egoismus, neben dem es keinen Punkt im Herzen gibt, richtet, dann kann man ihn natürlich damit kaufen, und er wird wie ein Fisch mit einem Netz gefangen. Und es ist gut so, soll er sich in dem religiösen Rahmen befinden, wenn es für ihn ausreicht.

Doch ein Mensch mit einem Punkt im Herzen kann sich nicht damit zufrieden geben. Er kann zu der Religion kommen, prüft sich und geht weiter – er wird trotzdem zu Kabbala kommen. Und dieses ganze „vielschichtige Filter“ ist für Kabbala sehr nützlich. Wozu braucht sie Millionen, die nichts mit der Entwicklung seiner selbst nach dem Abbild des Schöpfers zu tun haben?

Aus diesem Grund verbreiten wir Kabbala auf der ganzen Welt und wollen deren Wissen an alle herantragen – aber zum Studieren kommt ein kleiner Teil (vielleicht 1%) von der ganzen Welt. Und das ist genug! Denn alle Anderen werden infolge ihrer Arbeit alles bereits fertig bekommen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Vorwort zu Panim Meirot“, 20.02.2011

Die Zukunft liegt in der virtuellen Gruppe

Frage: Können wir über die virtuelle Gruppe und über den Computerbildschirm das Böse in den Beziehungen zwischen uns erkennen?

Meine Antwort: Natürlich. Wir befinden uns in einem gemeinsamen Verlangen. Was macht es für einen Unterschied, ob wir nebeneinander sitzen? Ich kann neben dir sitzen und nicht wissen, wie du heißt, und mir nicht dein Gesicht anschauen. Es spielt keine Rolle, ob wir uns in einem Raum oder an verschiedenen Orten befinden.

Die Verbindung ist eine Sache der Empfindung, dazu bedarf es keines physischen Kontaktes. Unsere Welt wird zu einer Welt, die ganz durch virtuelle Verbindungen vereint ist. Und genau so wird unser Verlangen auch sein.

Ich muss nicht mit allen in einem Raum sein. Das Gefühl der Einheit hat nichts mit der physischen Entfernung zu tun, und der Nächste ist nicht derjenige, der mir physisch nahe steht – gemeint ist die spirituelle, gefühlsmäßige Nähe.

Verlangen und Empfindungen werden nicht von der physischen Entfernung beeinflusst. Das gilt sogar für unsere Welt, für die Beziehungen zwischen den Menschen – und besonders, wenn es um spirituelle Verbindung geht. Sie hat überhaupt nichts mit der physischen Entfernung zu tun. Versucht mal, in einer virtuellen Gruppe zu arbeiten, und ihr werdet sehen, dass es keinen Unterschied gibt, ob man zusammen an einem Tisch oder vor seinem eigenen Bildschirm sitzt.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 15.02.2011


Alles kommt vom Schöpfer

Rabash, Shlavey haSulam, 1990, Artikel 7, „Mensch und Tier“: Der Schöpfer schickt dem Menschen ein Geschenk – einen „Armen“, d.h., Armut des Verstandes, wenn der Körper nicht versteht, wie er zum Wohl des Schöpfers arbeiten kann. Denn das ist gegen die Natur.

Dann erkennt der Mensch, dass er nicht nur im Verstand, sondern auch in den Taten arm ist: keine einzige Tat führt er zum Wohl des Schöpfers aus, sondern alles nur zu seinem eigenen Nutzen.

Frage: Bleibt das Gefühl der Armut für immer, bis zum Ende der Korrektur, bestehen?

Meine Antwort: Offensichtlich wächst es auch noch jedes Mal.

Hier gibt es aber folgendes Problem. Nehmen wir an, ich fühle mich leer und habe zu nichts Lust. Ich gebe mich zufrieden mit diesem Zustand, ich bin in ihm „begraben“ und finde keine Kraft zum Vorankommen. Und eigentlich tut es mir auch nicht so sehr weh.

Vielleicht „schmerzt“ es aber bereits ein wenig und ich versuche, etwas dagegen zu unternehmen.

Es kann aber auch sein, dass ich die Situation nicht als Bestrafung von oben, als Hindernis, welches ich überwinden muss, wahrnehme, sondern nehme diese Dinge als neue Kelim an.

Das ist ein sehr wichtiger Moment. Wenn ich diesen Zustand als eine „Belastung des Herzens“ ansehe, fällt es mir schwer, aus ihm herauszukommen, ich weiß nicht, was ich tun soll und warum es mich überhaupt trifft.

Andererseits kann ich diesen Zustand mit Freude enthüllen, als ein Sprungbrett zu einer neuen Erkenntnis. In die mich bedrückende Schwere hat der Schöpfer sich selbst eingebracht: „Du willst Mich erkennen? Bitte schön“. Selbstverständliche stehe ich vor etwas mir noch Unbekanntem – ich nehme aber bereits einen Durchbruch vorweg.

Die Wissenschaft der Kabbala unterscheidet sich sehr von allen Herangehensweisen, die der Mensch für sich ausgearbeitet hat. In der Kabbala lernen wir uns gegenüber zwei Seiten einer Medaille richtig, also gleich zu verhalten: gegenüber dem „Engel des Lebens“ und dem „Todesengel“, dem Schöpfer und dem Satan, dem Licht und der Finsternis. Denn alles kommt vom Schöpfer, es gibt nichts außer Ihm.

In keiner einzigen Handlung kann eine direkte oder eine indirekter Einwirkung erkannt werden – alles kommt von Ihm, und alles ist auf die Korrektur gerichtet. Allein unsere Wahrnehmung verleiht diesem „Strom“ eine direkte oder eine indirekte Form. Jedoch muss der Mensch in jedem Zustand zu sich selbst sagen, dass dieser eindeutig vom Schöpfer kommt.

Die Menschheit, die von der Finsternis umgeben ist, hat einige Informationen der Wissenschaft der Kabbala entnommen und angefangen, die Einheit in „Gut“ und „Böse“ aufzuteilen, eine Grenze zwischen der Finsternis und dem Licht, dem Schöpfer und dem Satan zu ziehen. Auf diese Weise sind Mythen über den Kampf zwischen den „guten“ und den „bösen“ Kräften entstanden. Hier muss der Mensch in erster Linie begreifen, dass es außen nichts gibt – alles geschieht in seinem Inneren.

Und zweitens, dass es keinen Unterschied zwischen „Gut“ und „Böse“ gibt. Das Gesamtbild wird nur im Zerrspiegel meines Egoismus gebrochen und zweigeteilt. Doch in Wirklichkeit kann das, was mir als Böse vorkommt, was ich als „Schmutz“ bezeichne, Licht sein.

Auf welcher Grundlage bilde ich meine Meinung? Wenn ich mich bereits im Licht befinde und die herannahende Finsternis erkenne, dann kann ich das behaupten.

Doch eigentlich gibt es in der spirituellen Arbeit eines Menschen keine Situationen, in denen er irgendwelche Eigenschaften, Kräfte oder Handlungen nicht auf den Schöpfer beziehen sollte.

Uns obliegt nur eins: die Details unseres unausgeglichenen Bildes richtig zusammenzusuchen und zusammenzusetzen, um die Einheit zwischen Israel, der Tora und dem Schöpfer und das Prinzip „Es gibt nichts außer Ihm“ zu erreichen. Dadurch ergänzen wir uns selbst in jedem Augenblick und in jedem Zustand zu dem, was wir diesmal vom Schöpfer erhalten haben.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 09.02.2011