Ein Gespräch über den spirituellen Weg der Frau. Teil I
Moderator: Wir haben viele Fragen von Frauen erhalten, die sich in Israel und anderen Ländern mit der Kabbala beschäftigen.
Das ist ein bekanntes Phänomen – von Frauen kommen immer besonders viele Fragen.
M. Laitman: Wer eine Frage stellt – insbesondere eine Frau –, spürt schon im Voraus, dass die Antwort ihn nicht zufriedenstellen kann. Das ist tatsächlich so, denn die Frau entspricht jenem allgemeinen, unerfüllten Verlangen, das im Universum existiert. Und bis zu einem endgültig korrigierten Zustand wird in diesem Verlangen immer ein Mangel an Erfüllung spürbar sein.
Wir werden die Fragen lesen und dadurch herausfinden, mit welcher Methode und in welcher Reihenfolge wir letztendlich zur Erfüllung und zum Ende der Korrektur gelangen können. Aber ich glaube nicht, dass die Fragen versiegen werden – das ist von Natur aus unmöglich, und das ist gut so!
Moderator: Frage: Was ist das Wichtigste im Leben einer Frau, woran wird sie beurteilt? Und was ist in ihrem Leben unwesentlich, nebensächlich?
M. Laitman: Ob sie verurteilt wird oder nicht – das hat nichts mit der Kabbala zu tun. Es gibt weder einen Richter noch ein Gericht, auch wenn die Kabbalisten in dieser Form angeblich erklären, was dem Menschen für seine Taten im Leben zusteht. Es steht geschrieben, dass er vor dem höchsten Gericht und dem Richter erscheint, doch dies ist nur eine allegorische Ausdrucksweise. Der Mensch muss wissen, dass er selbst sowohl Richter als auch Gericht ist, und entsprechend handeln. Er muss die Ähnlichkeit mit dem Schöpfer erreichen, denn das Wort „Adam“ (Mensch) leitet sich vom Wort „edame“ (ich werde ähnlich werden) ab. Deshalb richtet er sich selbst entsprechend dem Grad seines Fortschritts hin zu der Eigenschaft, die als „Geben“, als Kraft der Liebe bezeichnet wird – die der Schöpfer selbst ist.
Das ist das Wesentliche im Leben einer Frau: die Eigenschaft des Gebens und der Liebe zu erlangen. Wie es in der Tora heißt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – das ist die große Regel der Tora.“ Die Tora spricht von einem allgemeinen Gesetz des Universums, einem Gesetz, das die gesamte Realität umfasst und sie lenkt. Das ist der Schöpfer – die Eigenschaft der Liebe und des Gebens. Liebe ist ein Gefühl, während das Geben die Handlung ist, die sie zum Ausdruck bringt. Wir müssen dahin gelangen, dass alle unsere Wünsche und Absichten diesem allgemeinen Gesetz entsprechen.
Obwohl wir uns als dessen völliges Gegenteil betrachten und die Aufgabe unreal und weltfremd erscheint, müssen wir dies dennoch erreichen, denn „das Gesetz ist gegeben und darf nicht missachtet werden“. Wir müssen diesem Gesetz genau folgen, und diese Verpflichtung obliegt letztendlich sowohl Männern als auch Frauen.
Unser Leben erscheint uns heute schwerer, weil wir von den Schlägen der Natur getroffen werden, die wir aufgrund unseres Ungleichgewichts mit eben dieser Kraft erhalten. Diese immer heftiger werdenden Schläge zwingen uns zur Erkenntnis, dass wir nur unter der Bedingung „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ und folglich durch den Akt des Gebens existieren können.
Aus dem Programm, Gespräche mit Dr. Michael Laitman „Über die spirituelle Entwicklung der Frauen“ – Fragen und Antworten
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