Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Wunsch'

Der Feiertag des ersten Sieges über sich selbst

Unser egoistischer Wunsch heißt „die Griechen“ oder das „Wissen“, was bedeutet, dass wir mittels unserer Vernunft und unserem heutigen Gefühl vorankommen wollen. Denn worauf können wir uns eigentlich noch verlassen oder stützen? Nur darauf, was wir schon haben. Hier entsteht aber ein Problem, weil wir mit diesen Kelim nicht die spirituelle Welt betreten können.

Aber die spirituelle Welt befindet sich hier und jetzt und es existiert keine Entfernung, die wir überwinden müssen, sondern nur eine Dimension, in der wir sie begreifen müssen.

Wir begreifen die spirituelle Welt in unseren zusätzlichen Sinnesorganen, die wir über dem eigenen Wissen und der Rationalität entwickeln müssen, d.h. über dem Ego, das wir hierzu richtig vorbereiten müssen, um darin zum ersten Mal zu beginnen, die spirituelle Welt wahrzunehmen.

Der Krieg ‚Makkabäer ‚beschreibt diesen Prozess symbolisch und der Sieg in diesem Krieg heißt Chanukka, was „sie blieben hier stehen“ oder „Chanu Ko“, die Erholung auf dem Wege bedeutet. Dieser Zustand heißt „Chafez Chessed“ (nichts für sich zu wünschen) oder Bina, die als Offenbarung des Schöpfers oder die erste Korrektur des Egos verstanden wird.

Auf dieser Etappe erhebt sich der Mensch über sein Ego und beginnt, die zusätzliche Empfindung zu entwickeln, die mit „dem Geben“ bezeichnet wird. Mit ihrer Hilfe beginnt er, die spirituelle Welt zu empfinden. Obwohl der Mensch die spirituelle Welt empfindet, verhält er sich in dieser Realität immer noch passiv, wie der Embryo im Fruchtwasser.

Es heißt „die Erholung“ eben, weil der Mensch in Wirklichkeit noch nicht bereit ist, über das klare Wissen und die Wahrnehmung zu verfügen, die „das Begreifen“, die Klarheit und die Offenbarung beinhalten, wonach er zum Schöpfer wird und die ganze spirituelle Welt lenkt. Wenn man diesen Zustand und die Situation mit dem Gast und dem Gastgeber gegenüberstellt und den wachsenden Wunsch zu genießen nicht beachtet, befindet man sich dann auf der Stufe von Chanukka, wo der Mensch auf das Empfangen verzichtet. Es ist schon eine geistige Arbeit des Menschen, d.h. er möchte nichts bekommen, an der Spiritualität nicht aktiv teilnehmen, sondern darin nur anwesend sein.

Deshalb ist es an diesem Feiertag verboten, das Kerzenlicht zu benutzen und es nur anschauen. Dazu wird es angenommen, dass zur Chanukka ein Wunder geschieht, weil der Ausgang aus unserem Ego nach draußen erfolgt, anders gesagt das Wunder des Sieges über die Selbstsucht, nach dem Auszug aus Ägypten: die Befreiung von den Wünschen und den Gedanken, die uns in dieser Welt festhalten und nicht zulassen, die spirituelle Welt zu empfinden.

Kabbala Grundkurs

Die Methodik der Korrektur in der Mittleren Linie

Vor Baal haSulam existierten zwei Methoden der Korrektur (des Kabbalastudiums) – mittels der Vernunft (die Methode von АRI) und mittels des Herzens (die Methode von Baal Schem Tow).

Baal HaSulam vereinigt zwei dieser Herangehensweisen in der Mittleren, dritten Linie, er schafft die wirksame, deutliche, einfache Methodik, die den modernen Seelen passt. Und nur dadurch können wir die Korrektur erreichen.

Die Kabbala, als eine Wissenschaft, ist auf den Werken von АRI aufgebaut, und die innere Arbeit stammt vom Baal Schem Tow.

Baal haSulam schreibt sein Buch „Die Lehre der Zehn Sefirot“ auf der Grundlage „des Baum des Lebens“ von АRI, er passt das Buch an unsere Generation an.

Aber wenn man seine gesamte Lehre im Komplex betrachtet, dann sind die 4 Werke: „Die Lehre der Zehn Sefirot“, „Panim Meirot“, „Die Einführung in die Wissenschaft der Kabbala“ und „die Einleitung zum Sulam Kommentar“ – der „Physik“ der Höheren Welt gewidmet und basieren auf der Lehre von АRI, und alle übrigen Artikel sind der inneren Arbeit des Menschen gewidmet und sind auf der Methode von Baal Schem Tow gegründet.

Das Licht der Korrektur kommt beim Studium der „Physik“ der Höheren Welt zu uns – aber es kommt nur durch die Gruppe!

Wenn die Gruppe nicht richtig organisiert ist, nicht zusammen lernt und sich nicht wünscht, vereinigt zu werden – dann ist es unmöglich, das Licht anzuziehen.

Die Gruppe ist der Magnet, welcher das Licht anzieht, das zur Quelle zurückführt. Und sie soll eine solche Form haben, die zur Korrektur bereit ist, alle sollen darauf warten!

Wir müssen 1) das Übel und den Mangel der Vereinigung enthüllen, 2) den erwünschten Zustand – den Zustand der allgemeinen Verbindung enthüllen – und denken, dass wir aus dem ersten Zustand in den zweiten mit Hilfe der Kraft übergehen werden, die das Licht heißt, das zur Quelle zurückführt.

Die Gruppe ist verpflichtet, diese Formel zu verstehen, denn sie kann anders kein Licht heranziehen. Das geistige Gefäß, der Wunsch – soll dem Licht vorangehen.

Dafür wurde das gesamte Geschöpf geschaffen, es entwickelt sich aus der Welt der Unendlichkeit – um in sich das Bedürfnis zur Enthüllung des Schöpfers zu erschaffen.

Wir brauchen den Schöpfer nicht zu enthüllen, es ist auch nicht erforderlich, das Licht zu offenbaren! Wir müssen das Geschöpf entdecken!

Wir müssen verstehen, dass die Schöpfung nicht dafür geschaffen wurde, um ein Punkt zu bleiben, und um als Tier zu leben – sie muss zur Persönlichkeit werden, die selbständig ist und über die Freiheit des Willens verfügt. Deshalb soll unser Wunsch die Handlung von oben („Kli kоdem le or“) hervorrufen.

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Was ist die Leere?

Frage: Gibt es in der Weisheit der Kabbala ein analoges Konzept zur Leere?

Antwort: Die Leere ist eine besondere Kategorie von Wünschen, die nicht erfüllt werden können, und deshalb fühlen wir eine Leere bzgl. des gewünschten Inhalts. Jemand, der solche Fragen stellt, fühlt dann den Wunsch, das Ziel des Lebens zu erreichen und seinen Sinn zu verstehen, warum dieses Leben zu Ende geht, was nach dem Tod geschieht und warum das Leben absurd und zufällig ist.

Mit anderen Worten, die Leere ist der Wunsch, etwas zu erreichen, was zunächst unerreichbar bleibt, weil unser Anliegen in der Erfüllung eines Wunsches mit Vergnügen und Befriedigung besteht. Und wenn diese Erfüllung nicht eintritt und nicht existiert, nennt man das Leere.
Aus der Kabbalalektion in Russisch vom 1/31/16

[180614]

Spiel mit Empfindungen

Frage: Du sagst oft, dass die Weisheit der Kabbala eine Wissenschaft ist, die mit den Sinnen begriffen wird. Aber eine Wissenschaft kann doch nicht ohne den Intellekt studiert werden und ohne zu denken?

Meine Antwort: Natürlich ist das unmöglich. Die Weisheit der Kabbala wird nicht mit den Sinnen begriffen, sondern wir fühlen die Emotionen. Dann überprüfen wir diese Emotionen: wir teilen auf, wir stellen Vergleiche unter ihnen an, wir geben ihnen abgestufte Nummerierungen, als würden wir sie abwägen. In der Tat spielt die Kabbala mit Empfindungen. Aber sie ordnet sie systematisch an, und wir beginnen die Interaktionen der Wünsche zu sehen und erkennen, welches Gefühl in jedem von ihnen aufsteigt.

In der Kabbala messen wir sehr genau all diese Empfindungen und geben ihnen einen numerischen Namen, bestimmen ihre Kraft, ihre Richtung, ihre Eigenschaften usw. Deshalb handelt es sich um eine Wissenschaft der Empfindungen. Die Weisheit der Kabbala wird als die Wissenschaft der Empfindungen beschrieben, weil der einzige Stoff in unserer Welt der Wunsch ist; und was man in dem Wunsch fühlt, wird Empfindung genannt, die sich anfühlt wie das Licht, das auf den Wunsch einwirkt und ihn beeinflusst. Das bedeutet, dass wir beim Messen der Veränderungen im Wunsch das Licht messen, das auf ihn einwirkt und ihn beeinflusst.

Frage: Was kommt zuerst, der menschliche Verstand oder der Wunsch?

Meine Antwort: Zuerst kommt der Wunsch und der Verstand folgt, so entwickeln wir uns. Woher kommt der Verstand eines Kindes? Er ist nur das Ergebnis der Entwicklung des Wunsches. Je größer der Wunsch eines Menschen ist, umso mehr braucht er den Verstand, um all seine Wünsche zu erfassen und sie zu kontrollieren.

Aus der Kabbalalektion in Russisch 1/17/16

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„Jenseits der Zeit“

Zeit. Sie ist eine innere, persönliche, psychologische, egoistische Wahrnehmung, wenn man die Zeit als Differenz misst, zwischen dem Moment, wenn man etwas will oder nach etwas strebt und dem Zeitpunkt, wenn der Wunsch in Erfüllung geht.  Man empfinde diese Zeitspanne als Mangel an Erfüllung.

Wenn man alles sofort erhalten würde, was man möchte, wenn jeder Wunsch sofort in Erfüllung ginge, dann würde man die Zeit nicht mehr spüren. Das nennt man „jenseits der Zeit“. Nehmen wir an, wir würden das Gewünschte mit Lichtgeschwindigkeit bekommen, dann wäre die Zeit auf null. Unsere ganze Natur existiert unterhalb der Lichtgeschwindigkeit und alle Prozesse geschehen mit begrenzter Geschwindigkeit. Und deswegen spüren wir die Zeit. Denn die Zeit, die Geschwindigkeit und die Entfernung sind miteinander verbunden.

Wenn wir theoretisch gesehen alles auf der Stelle bekommen würden, würden wir keine Zeit mehr fühlen.

Wie kann man einen Zustand erreichen, in dem die Zeit auf null ist, das heißt, wenn die Geschwindigkeit unendlich und die Entfernung auf null reduziert wäre, wenn der Raum sich zu einem Punkt zusammenzöge?  Wenn man eine Handlung durchführen könnte, in dem Augenblick, wenn sie einem in den Sinn käme?

Das ist nur mit der Eigenschaft des Gebens möglich, die vom Menschen abhängt.

Wenn wir von der heutigen Verbindung zu der Verbindung übergehen würden, wo jeder von dem anderen empfängt, wo jeder geben möchte und das auch kann, und jeder hat ja etwas zu geben, was der andere auch empfangen möchte, dann würden wir keine Zeit mehr wahrnehmen.

Zeit – es ist eine Gewohnheit, es ist ein rein psychologischer Parameter. Und unsere Wissenschaft spricht auch schon darüber.

Was brauchen wir, wenn wir über das wirkliche Leben sprechen, über die richtige Anwendung der Zeit, die uns gegeben ist? Wir müssen wissen, wie man die Eigenschaft des  Gebens  erreicht, um mit ihrer Hilfe die Stufe, die außerhalb von Zeit, Raum und Bewegung liegt, zu erlangen.

Denn wenn die Zeit auf null ist, dann gibt es keine Bewegung, keinen Raum und alles befindet sich an einem Punkt. Einen solchen Zustand können wir erreichen, wenn wir unsere Eigenschaft von Nehmen zum Geben korrigieren.

„New Life“, Folge 356, 22.04.2014  [# 160858]

Ein unendlich langer, gedeckter Tisch

Frage: Warum ist der Aufstieg ein Weg der unendlichen Schläge: der Mensch bemüht sich und zieht das Licht heran, welches seinen Zustand noch mehr erschwert?

Antwort: Erstens ist dieser Weg nicht unendlich. Und zweitens hängen die Schläge davon ab, wie ich sie wahrnehme. Warum ist es unmöglich, diesen Weg eigenständig zurückzulegen? Nicht, weil es mir an Unterstützung fehlt, sondern deshalb, weil ich kein Fernglas habe, in welchem ich die Zukunft sehen könnte. Somit ist immer das äußerliche Instrument notwendig.

Es sind keine Schläge! Ich sollte jeden Schlag als Möglichkeit für den Aufstieg empfinden. Wie es im Psalm Davids № 23 gesagt wird: „Du bereitest mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“ Wenn ich vor mir den gedeckten Tisch mit allerlei Gerichten sehe, dann nehme ich das Gefühl des Hungers wie einen Segen wahr. Alles hängt von der Vorbereitung, der Unterstützung, von jenen Instrumenten ab, mit deren Hilfe ich die Zukunft sehen kann.

Dies eben wird als Unendlichkeit bezeichnet.. Die unendliche Füllung tritt nicht ein, wenn ich satt bin und keinen einzigen Bissen mehr aufnehmen kann. Dieser Weg ist wirklich unendlich, aber in positivem Sinn. Unendlichkeit bedeutet, dass ich ein unendliches Gefäß und  unendliche Füllung habe.

Wenn ich solch eine Korrektur erreicht habe, dass ich jedes Mal mehr und mehr Gerichte probiere, die der Gastgeber für mich vorbereitet hat: gibt es noch einen weiteren Kilometer des gedeckten Tisches. Dementsprechend wächst mein Hunger und mein Appetit die ganze Zeit an, deshalb genieße ich die Empfindung des Hungers, und die Füllung, die zusammen kommen. Das wird eben als Welt der Unendlichkeit bezeichnet.

Das heißt, alles hängt von der Grundlage ab, die ich mir vorbereite. Ich kann mich so vorbereiten, dass ich mich über das Gefühl des Hungers freuen werde. Ich weiß, dass ich jetzt hungrig bin, aber in einer Stunde das Mittagessen bekommen werde, das ich mit Appetit aufesse. Ich muss  mir selbst so eine Impression vorbereiten, dass der Hunger notwendig ist, weil ich mich bald an den Tisch setzen werde, und zwar zusammen mit den Freunden. Und deshalb leide ich nicht unter dem Gefühl des Mangels, weil er ein Bestandteil der Füllung ist. Innerhalb dieses Hungers beginne ich schon die neuen Details herauszufinden, wie ich später genießen werde.

Wenn der Mensch alles sofort bekommt, ohne Mangel zu empfinden, dann wird er keine Empfindung der Füllung haben. Wir sind die Schöpfung, und wir brauchen diese Dunkelheit damit aus dem Kontrast das Licht unterschieden wird. Aber die Dunkelheit kann sehr kurzfristig empfunden sein, um alles andere aus der Liebe aufzuklären. Angenommen, ich würde das Treffen mit dem einstigen Freund erwarten, und erfahren, dass es jetzt unmöglich ist. Und ich beginne, mich an alle unsere Treffen zu erinnern, ich stelle  mir unsere Gespräche vor.

Ich vergrößere diesen winzigen Punkt, den minimalen Wunsch, den leichten Hunger – entwickle alles selbst. Deshalb sind die Schläge nicht nötig. In mir wird sogar die Empfindung des Mangels positiv, erwünscht sein. Ich genieße schon den Vorgeschmack der Zukunft, genieße diese Erwartung. Mein Mangel verwandelt sich in einen Genuss, worin ich das umgebende Licht empfinde, das von weitem leuchtet.

Deshalb schreibt Baal HaSulam, dass er sich über die offenbarten Sünder freut, weil er seine Erwartung mit den schönen Hoffnungen ausfüllt. Wenn es heißt, dass „das Licht die Finsternis schafft“, wird nicht gemeint, dass es in uns eine schlechte Empfindung schafft. Wir segnen die linke Linie: unreine, dunkle, schlechte Linie  – küssen den uns schlagenden Stab. Vor uns können die schrecklichsten Gefahren entstehen, aber wie gesagt wird: „Wende deinen Blick, und sie werden sich in einen Haufen Knochen verwandeln“. Auf dem ganzen spirituellen Weg begleitet uns die Vollkommenheit. [124428]

Auszug aus der Vorbereitung zum Kongress, 31/12/13

Sich das Unmögliche wünschen

Frage: Wenn wir versuchen, die Kraft zu realisieren, die von der höheren Stufe zu uns herabsteigt, dann kommen wir zu der Erkenntnis, dass es unmöglich ist…

Meine Antwort: Absolut richtig. Wir versuchen, das Unmögliche zu tun, etwas, das über unsere Kraft geht.

Kann man vom Esel fordern, dass er die Opernarie singt? Er ist dazu nicht fähig, weder nach der Art seiner Entwicklung, noch gemäß seinen physischen Möglichkeiten. Und wir befinden uns in einer noch weit schlechteren Position. Der Esel hat wenigstens ein Gehör und einen Stimmapparat, wir aber haben nichts von der spirituellen Welt. Wir sind von ihr absolut abgeschnitten.

Denn die spirituelle Welt ist die Eigenschaft des Gebens. Wie kann man sie im egoistischen Wunsch empfinden? Kann sich das Geben ins Empfangen einkleiden? Kann sich das Feuer ins Wasser einkleiden? Natürlich nicht.

Und deshalb ist unser großer Wunsch nicht einfach auf die Abstraktion gerichtet, sondern darauf, dass uns das höhere Licht korrigiert. In diesem Wunsch sollen drei Komponenten verknüpft sein: Israel, die Tora und der Schöpfer. Anders gesagt: ich, die Gruppe und das höhere Licht. Nur das wird mich korrigieren, und alleine werde ich nichts erreichen.

Und deshalb müssen wir МaN auf dem Kongress „die Bürgschaft“ erheben – der Wunsch, die Bitte, das Bedürfnis, dass die Höhere Kraft uns korrigiert. Darin liegt das ganze Wesen, die ganze Aufgabe des Kongresses.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Das Wesen der Religion und ihr Ziel“, 01.12.2011

Die Liebe in einer bequemen Verpackung?

Frage: Ich las in der Zeitung, dass das Gefühl der Liebe von drei chemischen Verbindungen ausgelöst wird, welche man im Prinzip auch in Tablettenform erhalten könnte. Sollten wir uns nicht ein Paket der Liebe anschaffen, das leicht in die Hosentasche passt?

Meine Antwort: Das ist möglich, wenn es um sexuelle Anziehung geht oder um pharmakologischen Seelenfrieden, welcher durch Betrug und Betäubungsmittel einem Menschen vorgaukelt, dass er liebt. Eigentlich gibt es verschiedene Arten der Liebe.

Zum Beispiel liebe ich gebratenen Fisch, und du vielleicht diesen in Form einer Suppe. Aber in der Tat handelt es sich um „Liebe“, wenn ich die Wünsche des Nächsten spüre, die sich in ihm und nicht in mir befinden. Dafür ist zuallererst die Beschränkung der eigenen Wünsche nötig. Nur so bin ich der Eigenschaft des Gebens, Bina, die uns erlaubt, andere zu spüren. Dann kann ich an den Wunsch des Nächsten meinen eigenen anschließen und seine Wünsche mittels eigener Wünsche auffüllen. Das ist das, was wir Liebe nennen.

Auf dem Weg zu ihr erwartet uns ein langer Prozess. Zunächst einmal müssen wir mit uns die erste Kontraktion durchführen (Z“A – Zimzum Alef), die Aufgabe von persönlichem Engagement und vor allem, uns über alle eigenen Wünsche erheben. Dann bewahren sie Schweigen und stehen still. Dann komme ich aus mir heraus, um zu sehen, zu bekommen, um deine Wünsche zu spüren. Ich möchte deine Wünsche annehmen, um sie an mich anzubinden, mir vorzustellen, dass sie sich in mir zusammen mit meinen Wünschen befinden.

Zur dieser Zeit werden meine Wünsche sich oben befinden, ähnlich wie der Kopf des Parzufs, und deine werden wie der Körper des Parzufs sein, und ich kann sie auffüllen. Ich werde mich immer darum kümmern.

Das ist auch die Arbeit von Bina. In mir gibt es zwei Ebenen: Bina und Zon, d.h. „Kinder“. In abstracto, existiere ich nur in Galgalta we Ejnaim (G „E), wo ich außer dem Minimum nichts brauche. Dann hebe ich dich zu mir, und du wirst alles bekommen, was du willst. Ich befülle dich in mir selbst – in meinem „Leib“, in ACHaP.
Das ist das, was wir „Lieben“ nennen – dem anderen dienen, nach seinen Wünschen.

Gäbe es solche Pillen, würde ich sie in den Wasserspeicher schmeißen, von wo das Wasser in die Wasserleitung fließt. Aber die Pillen gibt es nicht und wird es nie geben, weil das große Sorgfalt erfordert – hier muss man Kraft investieren.

Es scheint unklar, warum der Schöpfer die Pille nicht vorgesehen hat? Genießt er es, wenn er auf unser Leid blickt? Tatsache ist, dass wir die negative Seite und den Weg zur Korrektur selbst erkennen müssen. Auf diesem Weg werden wir jedes Mal vom Schöpfer Kraft für die Analyse, sowie die Kraft für die Korrektur und die Füllung fordern. Dies sind die drei Etappen, ohne die man nicht auskommen kann.

Wenn ich mich nach diesem Bild innerlich aufstelle, beginne ich zu verstehen, was er geschaffen hat. Ich begreife seine Absicht, sein Programm und werde ihm in Status und Niveau immer ähnlicher. Ich verstehe die ganze Wirklichkeit und nehme sie an, durchbohre mit dem Blick die gesamte Breite und Tiefe ihrer Existenz, in vollem Umfang. Diesen Zustand, kann man nicht als Ausgangsposition bekommen. Denn die Schöpfung befindet sich in der Welt der Unendlichkeit, voller Licht, fühlt sich aber an wie ein winziger Tropfen in seinem Ozean.

Ich muss in mir selbst den Wunsch, in die Unendlichkeit zu steigen, enthüllen. Ich muss es selbst verstehen, spüren, es in eigene Verfügung bringen, es unter die Kontrolle des eigenen Strebens bringen, in die eigenen Wünsche einbeziehen. Pillen sind hier machtlos.

Aus dem Unterricht nach der Zeitung „Das Volk“

Zusammenfassung der Prinzipien und Ratschläge aus der Morgenlektion 14/11/2011

*Wir müssen nur über den Einfluss des Lichtes denken, über unser Verlangen, wie ich jeden Moment auf optimale Weise die meiste Zeit unter dem Einfluss des Lichtes stehe. Und ich bin verpflichtet, entsprechend den Ratschlägen der Kabbalisten zu handeln, und öffne damit den Einfluss des Lichtes auf mich.

*Es ist nicht möglich, alleine im Spirituellen zu arbeiten, sondern nur, wenn du die Gefäße der Anderen nimmst und mit ihnen arbeitest. Es gibt im Spirituellen kein eigenes Gefäß – ich bin nur die Absicht des Gebens. Das ist, was von mir übrig bleibt, nachdem ich zur Spiritualität aufsteige. Und ich bin auf der Suche, wem und wo ich etwas geben kann. Das ist mein gesamtes spirituelles Leben, so wie eine Mutter ihrem Kind gegenüber. Und meine ganze Größe liegt darin, wie sehr ich es schaffe, Gefäße ausfindig zu machen, um diese zu füllen. Das ist die Lebenskraft, und wenn du das fühlst dann lebst du und ohne das bist du tot.

*Ein Mensch kann sich selbst die Spiritualität garantieren, in dem Maße, in dem er sich um andere kümmert. Deshalb heißt es, gegenseitige Bürgschaft, und deshalb existiert keine Spiritualität, wenn wir sie nicht erschaffen.

*Wenn man sich wahrhaftig über seinen Körper erhebt und sich mit dem Kopf verbinden möchte, man den Wunsch nach Verbindung über alle individuellen Ziele stellt, so leuchtet in dem Maß das Licht über die Sefirot, korrigiert sein Verlangen und verbindet dieses individuelle Verlangen mit den Verlangen der Allgemeinheit. Und damit wird das Zerbrechen korrigiert, und dann enthüllt man in dieser Verbindung das Gefäß und das Licht der Seele.

Vorbereitung auf den Unterricht

*Indem wir uns bemühen, einander als verbunden zu sehen, wie ein Mensch in einem Herzen, in dem Ausmaß erwecken wir das Licht, welches auf diese Verbindung Einfluss haben wird, und unsere stärkere Bemühung wirkt sich noch mehr aus, und so beschleunigen wir die Zeit der Korrektur.

*Wir dürfen nicht die allgemeine, kollektive Handlung vergessen; niemand denkt über sich selbst nach, sondern nur über die eine Seele. Nur sie existiert. Und wenn der Mensch über sich selbst nachdenkt, befindet er sich bereits außerhalb der Spiritualität. Im Spirituellen gibt es kein Individuum sondern nur die Allgemeinheit. Deshalb heißt gegenseitige Bürgschaft die Gestaltung des spirituellen Zustandes.

*Der ganze Sohar spricht nur darüber, wie wir uns zu einer Seele verbinden.

Geld – Ware – Geld – Leere …

Das Verlangen zu genießen ist uns absichtlich gegeben. Und wir müssen zwei Kräfte nutzen, die in der Natur existieren: das Verlangen und den Genuss, um daraus das eigene Verlangen „zu formatieren“ und daraus das Gewünschte aufzubauen.

Wir haben keine Kontrolle über unsere irdische Wirklichkeit. Der Genuss wirkt auf das Verlangen ein und entwickelt es, „züchtet“ es mehr und mehr. Und so geht es weiter, bis unsere Zeit kommt, und wir das Gefühl bekommen, dass wir uns selbst nie erfüllen werden.

Es ist nicht überraschend, dass die Menschheit in ihrem Leben zur Verzweiflung kommt, und die allgegenwärtige Krise empfindet: in Beziehungen mit Kindern, Arbeit, Familie und in der Wissenschaft. Und die heutige Enttäuschung wird so global, dass wir verstehen müssen, dass wir es niemals schaffen werden, unsere Verlangen zu befriedigen. Auch das Geld, welches das Symbol jeder Erfüllung war, welche wir für dieses Geld kaufen konnten, wird uns nicht mehr erfüllen, weil wir uns in der Krise befinden.

Darin liegt die Ursache der Wirtschaftskrise, in welche die Welt derzeit eintaucht. Ihre Entwicklung kann noch einige Zeit dauern, aber am Ende muss sich die endgültige Enttäuschung bestätigen, damit wir begreifen können, dass unser egoistischer Wunsch niemals erfüllt wird. Und alle unsere bisherigen Versuche, ihn auszufüllen, waren nur eine Illusion.

Wir waren wie die kleinen, unvernünftigen Kinder oder die Blinden, welche erfolglos versucht haben, ihn auszufüllen.

Nun kommt zu uns endlich die Einsicht. Und jetzt kommen die Enttäuschungen, die bitteren Erfahrungen der gesamten vergangenen Menschheitsgeschichte zusammen, um uns an die große, endgültige Enttäuschung zu führen, vor der die gesamte Welt laut und verzweifelt schreien wird.

Das wird ein einstimmiger Schrei über die gesamte Geschichte des selbstsüchtigen Verlangen, und über die enorme Arbeit, die für es getan wurde. Und das alles nur dafür, um zu erkennen, dass dieser Wunsch ursprünglich nicht für die Erfüllung geschaffen wurde.

So kommen wir zum Punkt, von dem wir beginnen, auf unser Ego zu verzichten und fangen an, es zu korrigieren! Denn am Ende unserer gesamten Entwicklung erwarten uns die Güte und der Genuss. Der Sinn der Schöpfung ist es, den Geschöpfen Genuss zu bereiten.