Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Mensch'

Ohne schöne Worte

Frage: Wenn wir anfangen, Druck auf unseren Egoismus und Schläge auf ihn zu verspüren, wie können wir uns dann richtig an die Gruppe wenden? Worauf sollten wir uns konzentrieren?

Meine Antwort: Wenn der Mensch keine innere Forderung an die Gruppe hat, was soll er ihr sagen? Was auch immer wir tun, wir tun es aus dem Verlangen heraus. Wenn der Mensch noch nicht erkennt, wozu er sich an die Gruppe wenden soll, wird er sich nicht an sie wenden.

Ich wende mich an die Gruppe, wenn ich mich hilflos fühle, wenn ich sehe, dass keine mir zur Verfügung stehenden Mittel helfen, dass ich nicht in der Lage bin, mich zu korrigieren und etwas zu erreichen. Meine ganze Klugheit, mein ganzes Potenzial bringen nichts.

Nur dann bin ich bereit, Freunde um Hilfe zu bitten. Die Forderung entsteht in mir aus der Suche heraus, wenn ich mich aus diesem schrecklichen Zustand retten will. Erst dann stelle ich fest, dass ich mich nur an die Gruppe wenden kann.

Ich wende mich entweder äußerlich oder innerlich an sie. Selbst wenn die Freunde das nicht wahrnehmen, doch ich will bereits Unterstützung und Kraft von ihnen bekommen. Und dann richte ich mich mit einer Bitte an sie.

Kann ich sonst etwa auf den Rat der Gruppe hören oder sie um Hilfe bitten? Denn leeres Gerede nützt hier nichts, es wäre, als würde ich den Mond anbellen. Nur wenn in mir ein echtes Verlangen herangereift ist, wende ich mich an die Freunde. Es ist unwichtig, ob sie das spüren oder nicht – denn in meinem Appell ist die Kraft des Verlangens enthalten, die ihn auch echt macht.

Auszug aus dem Unterricht über einem Artikel von Rabash, 23.02.2011

Was mich zu der Wurzel meiner Seele führen wird

Frage: Wie soll ich die Enthüllung der Wurzel meiner Seele beschleunigen?

Meine Antwort: Indem sich der Mensch in die Gruppe einfügt, erweckt er das höhere Licht, das ihm zeigt, wie sehr er der Verbindung entgegengesetzt und wie weit er von den Anderen entfernt ist, wie sehr er sie verachtet, hasst und zurückweist.

Was ist die Wurzel meiner Seele? Das ist mein Platz im System des gemeinsamen Verlangens, welches vom Schöpfer erschaffen wurde. Ich kann sie nur unter der Bedingung enthüllen, dass ich mich mit allen anderen Seelen vollkommen verbunden habe, denn nur dann werde ich meine Rolle in dem gemeinsamen Organismus verstehen.

Deshalb besteht unsere Korrektur in der Erweckung des Lichts, welches uns mit dem gesamten System verbinden wird. In diesem Fall hilft selbst die Abstoßung der Vereinigung den eigenen Platz zu enthüllen.

Der Prozess der Klärung seiner Einstellung gegenüber den anderen Seelen ist allmählich und langwierig, denn der Mensch enthüllt seinen wahren Platz und seine Rolle in dem Gesamtsystem nur nach der Erlangung der Erkenntnis und dem Einschluss in alle Anderen, wenn die Kraft des Gebens in ihm anfängt, die Form des Empfangens zu bestimmen, d.h., wenn das Geben größer als das Empfangen wird. Das geschieht dadurch, dass das Licht in ausreichendem Maße auf ihn eingewirkt hat.

Lass also das Licht wirken und stimme dem Erlangen der Eigenschaft des Gebens zu!

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 18.02.2011

Der erste Mensch, namens Adam

Frage: Wie ist der Parzuf Adam haRishon – ein Teil der höheren spirituellen Welten, den wir aus der “ Lehre der Zehn Sfirot“ kennen – mit dem ersten Menschen (Adam haRishon) verbunden, mit dem Menschen Adam also, welcher den Schöpfer offenbart hat?

Meine Antwort: Adam war der erste Mensch, der den Schöpfer offenbart hat, ein Mensch, wie du und ich. Er hatte einenVater und eine Mutter, lebte in dieser Welt, und erreichte einst den Zustand, worin ihm die höhere Kraft, der Schöpfer offenbart wurde.

Er empfand ein solches Verlangen, dass er begonnen hat, darüber nachzudenken: wofür lebe ich – woher bin ich gekommen- warum – wer lenkt mich? Solche Gedanken hat jeder von uns. Auf diese Weise hat er die spirituelle Welt enthüllt.

Er unterschied sich jedoch dadurch, dass er über eine sehr feine Seele verfügte, welche nicht so grob, keinen so einem entwickelten Egoismus besaß, wie wir heute haben. Deshalb war es für ihn leichter, diese Offenbarung alleine zu erlangen. Es war das erste spirituelle Gen (Reschimo), das in diesem System der zerbrochenen Seelen offenbart wurde, am Anfang des Aufstiegs von unten nach oben – und es war Adam, der erste Mensch, der den Schöpfer offenbarte.

Der Parzuf Adam haRishon dagegen ist ein spirituelles Objekt, das von oben mithilfe Seir Anpin und Nukwa der Welt Azilut bei der Verbreitung der Welten von oben nach unten geschaffen wurde. Seir Anpin und Nukwa erheben ihn bis zu ihrem Niveau, und später sogar bis zum Niveau Aba we-Ima, wo er die Verschmelzung (Siwug) zwei Teile, des männlichen und des weiblichen Teils erzeugt: Adam und Chawa, welche Aba we-Ima ähnlich sein können, und die mit der Absicht des Gebens handeln.

Aber wenn er diese Verschmelzung erzeugt, dann offenbart er, dass er selbst keine Absicht des Gebens hat und deshalb zerbricht. Es ist derselbe Parzuf Adam HaRischon, den wir in der Wissenschaft der Kabbala studieren – die allgemeine Seele eben.

Seine Teile fallen infolge des Zerbrechens nach unten, sie steigen also solange hinunter, bis sie den Boden erreichen, und dann fängt die Klärung an. Zuerst erfolgen die zahlreichen Offenbarungen auf dem unbelebten, pflanzlichen und tierischen Niveau, die über keine Freiheit des Willens verfügen, und auf welche das Licht einwirkt um sie zu verbinden, ohne eine Bitte ihrerseits zu brauchen.

Aber nachdem sich diese Klärungen angesammelt haben, sind die Wünsche der folgenden Stufe an der Reihe, d.h. zum ersten Mal wird das informative Gen der menschlichen Stufe aus allen zerbrochenen „Reschimot“ offenbart. Diese neue Reschimo wird zum ersten Mal auf der menschlichen („sprechenden“) Stufe enthüllt, die auch Adam hieß, und sich dem Menschen unserer Welt offenbarte, der vor 5771 Jahren lebte.

Er war also der erste Mensch, der von „unten nach oben“, das heißt aus unserer Welt den Schöpfer begriffen hat. Und er war ein Mensch wie wir – nur der erste, in dem eine solche Reschimo offenbart wurde.

Er hatte keine kabbalistische Gruppe, keine Umgebung, da er eben der erste war. Aber die Korrektur beginnt man mit der hellsten Reschimo, weshalb es genügte, ihm das kleinste spirituelle Erwachen von oben zu geben, und er strebte schon selbst weiter nach der Enthüllung und machte sie auch. Die Reschimot, welche danach offenbart wurden, wurden immer gröber.

Diesen Tag der ersten Offenbarung der spirituelle Welt, des Schöpfers, durch den Menschen unserer Welt feiern wir als den Anfang des Neuen Jahres, Rosch HaShana.

Und die Welt war „fünf Tage früher“ geschaffen, das heißt Adam hat irgendwie schon begonnen, die höheren Welten, Sfirot, Parzufim in seinem Inneren zu empfinden, so dass im Laufe dieser ersten Woche zu ihm die Offenbarung kam.

Auszug aus dem Unterricht über die „Lehre der Zehn Sfirot“ „, 22.02.2011

Beuge dich – und nehme so viel, wie du willst

Frage: Woher erhalten wir Kraft, um die Korrektur zu ertragen?

Meine Antwort: Von der Umgebung. Allein ist der Mensch nicht in der Lage, auch nur um ein Haar voranzukommen. Wenn die Gruppe dir die Erkenntnis der Wichtigkeit des Ziels gibt, indem sie dich die Erbärmlichkeit und die Schäbigkeit des momentanen Zustandes erkennen lässt, dann hast du die Kraft, um aus diesem Zustand zu einem besseren, fortgeschrittenerem zu erwachen.

Anders gesagt: das Geben wird besser in deinen Augen, obwohl es dir zuvor schlechter vorkam. „Wozu soll ich geben und mich mit den Freunden verbinden? – dachtest du. – Es ist mir zuwider, ich bin dazu nicht in der Lage“. Doch die Freunde zeigen dir, dass gerade das die Entwicklung ist. Du siehst, dass alle danach streben, und dann bewegen dich Neid, ein starkes Verlangen und Ehrgeiz auch dazu. Und schon bist du dazu in der Lage.

Aber nur unter der Bedingung, dass du dich vor der Umgebung beugen kannst. Dafür bist du mit allem Nötigen versorgt. Du hast die Kraft des Selbstverzichtes, doch wenn du sie nicht nutzt, dann ist da nichts zu machen. Du wurdest in die Gruppe geführt und dir wurde gesagt: „Nimm“. Von da an beginnt dein freier Wille: nehmen oder nicht nehmen?

„Nehmen“ bedeutet, sich zu annullieren, indem man sich beugt. Bitte, tu es – und du wirst vorankommen. Je kleiner und bescheidener du dich in Bezug auf die Freunde fühlst, desto mehr benötigst du ihre Hilfe. Dann kannst du die Erkenntnis der eigenen Nichtigkeit und der Größe des Schöpfers von ihnen bekommen, um dementsprechend voranzukommen.

Wenn du dich nicht vor ihnen beugst, dann bleibst du wie ein „Gockel“ mit hoch erhobenem Haupt – du bleibst auf der tierischen Stufe.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 21.02.2011

Über der Logik dieser Welt

Frage: Warum wird spirituelle Arbeit auch als „Joch“ bezeichnet?

Meine Antwort: Weil der Mensch sie mit dem Glauben über dem Verstand annehmen soll. Denn jedes Mal vor der Korrektur befindet er sich im egoistischen Verlangen. Darum, wenn er diese Arbeit, die auf die Absicht zu geben gerichtet ist, annimmt, erkennt er darin keinen Nutzen und nimmt sie als ein Joch wahr.

Meine Korrektur kann auf keinem Nutzen basieren. Wenn mir etwas irgendeinen Nutzen bringt, dann handle ich egoistisch. Und umgekehrt, wenn ich die Eigenschaft von Bina, die höher als Malchut ist, in mein Verlangen zu genießen aufnehme, dann wird sie für mich zu einem „Joch“ – zu etwas, was über dem Verstand, dem Gefühl und jeglichem Nutzen liegt.

Wie kann ich das erreichen? Ich füge mich in die Umgebung ein, und sie beeinflusst mich, indem sie mir zeigt, dass es sich lohnt. Auf diese Weise gibt es doch einen Nutzen, jedoch einer anderen Art: er ist durch die Umgebung hervorgerufen und geht nicht aus meinen Vorstellungen hervor. Und dann, wenn ich mich unter der Einwirkung der Umgebung befinde, bekomme ich von ihr die Erkenntnis der Wichtigkeit des Ziels.

Ohne diese Wichtigkeit könnte ich nicht arbeiten, doch aufgebaut wird sie auf dem Vorzug des Gebens vor dem Empfangen. Damit würde ich allein nicht fertig werden. Nur die Umgebung kann mich dazu verpflichten, meine Werte so zu verändern, dass ich das trotz allem will.

Das bedeutet „das Joch des Königreichs der Himmel“ annehmen. Ohne die Umgebung, die eine entsprechende Wertescala in mir aufbaut, ist es nicht möglich. Dabei arbeite ich über dem Verstand, über der rationalen Herangehensweise, über der Logik.

Man könnte meinen: wozu soll ich geben? Was bringt mir das? Meinem egoistischen Verlangen kann ich nicht erklären, dass es sich lohnt. Was wird für mich besser laufen? Wenn ich wenigstens irgendeinen potenziellen Nutzen erkennen würde, doch hier geht es um ein wirkliches „Joch“, wenn ich keine Rechtfertigung für diese Arbeit finde, in nichts. Die Gruppe hilft mir jedoch dabei, deren Wichtigkeit zu erkennen, und dann arbeite ich trotzdem.

Ohne diese Wichtigkeit könnte ich nicht arbeiten, könnte keine auch noch so geringe Aufmerksamkeit dem Geben schenken. Aus diesem Grund ist die Gruppe als Mittel für mich genauso wichtig wie das Ziel.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 20.02.2011

Ein Weg mit lauter Kreuzungen

Wir haben nicht nur die Möglichkeit, die Freiheit des Willens zu erlangen, sondern müssen es einfach tun. Niemand wird davor weglaufen können, denn dazu werden wir von den gesamten Naturkräften getrieben und gezogen – sowohl du als auch alle Anderen, jeder Mensch auf der Welt! Jeder wird seinen freien Willen auf irgendeine Art realisieren müssen.

Vor uns liegen zwei Wege: der Weg des Lichts (der Kabbala) und der Weg der Leiden. Und diese Wahl muss jeden Augenblick von uns getroffen werden! Es bedeutet nicht, dass ich einst an einer Wegkreuzung angekommen bin, einmal die Wahl getroffen habe, rechts oder links abgebogen bin und diesen Weg nun gehen werde.

Ich bin einen Meter auf irgendeinem Weg vorangekommen und bin wieder vor die Wahl gestellt worden, wieder an einer Kreuzung angekommen. Ich habe die Wahl getroffen, habe einen Schritt auf diesem Weg getan – und bin an einer neuen Kreuzung angekommen, wo ich mich erneut entscheiden muss. Bei jedem meiner Schritte werde ich vor die Wahl gestellt, und es liegen zwei Wege vor mir! Ich muss ständig zwischen ihnen wählen, jeden Augenblick – von einem Zustand zum nächsten, in jedem Punkt, den ich durchlaufe und daraus eine Linie, den Weg zu meiner Endkorrektur, zu Gmar Tikun, ziehe.

Und in jedem dieser Punkte muss ich entscheiden, in welche Richtung aus den möglichen 360 Grad (denn ein Punkt hat die Form eines Kreises) ich gehen werde. Doch im Grunde genommen lassen sich alle diese Richtungen zu zwei möglichen Wahloptionen zusammenfassen: zu dem Weg des Lichts und zu dem Weg der Leiden.

Auszug aus dem Unterricht über den Artikel „Die Freiheit des Willens“, 18.02.2011

Die Mittel genauso hoch wertschätzen wie das Ziel

Der Mensch ist von Natur aus in der Lage, nur seinen eigenen egoistischen Willen zu berücksichtigen. Wo immer es ihn hinbringen wird, was immer es in seinen Augen an Wert bringt, er berücksichtigt nur, was für sein Ego wichtig ist. So entwickelt sich ein Mensch.

Weiterentwicklung durch die Forderungen des Willens zu empfangen wird auf der Skala von „bitter oder süss“ geführt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, wendet sich ein Mensch immer in die Richtung der Entwicklung des Egoismus. Innere Befehle des Egoismus führt er unbewusst aus, nicht wissend, woher sie kommen. So leben wir unser Leben, ohne freien Willen, innerem Drängen unserer egoistischen Reshimot gehorchend (informelle Gene).

Wenn sich dem Menschen die Möglichkeit bietet mit dem Schöpfer in Verbindung zu treten und eine andere Art der Analyse zu unternehmen, auf der Skala von „wahr oder falsch“, dann muss er, um sie durchzuführen, unmittelbar Unterstützung für diese Selbstanalyse einrichten.

Unterstützung ist die Umgebung. Ohne sie wird ein Mensch für immer in „bitter oder süss“ Erfahrungen verbleiben und wird sicher darin fortfahren, bitter oder süss in verschiedenen Formen zu wählen, gemäss der Stufe der Entwicklung des Egoismus. Und er wird immer eine Einbildung der Weiterentwicklung haben, obwohl er in Wirklichkeit lediglich von Zeit zu Zeit eine verfeinerte Variante von süss wählt.

Wenn ein Mensch wirklich zur Unabhängigkeit gelangen will, kann er dies nur dann tun, wenn er den „bitter oder süss“ Empfindungen mit der „wahr oder falsch“ Analyse entgegentritt. Diese Analyse muss gemäss äusserer Kriterien getan werden, die sich ausserhalb seines Egoismus befinden, welche nur die Umgebung bereitstellen kann.
In diesem Fall befindet sich alles in den Händen des Glücks: Kann ein Mensch vernehmen, welche Unabhängigkeit sich entwickelt, in der er die Möglichkeit besitzt, sie zu formen und zu implementieren? Wenn er, wenigstens in geringem Masse dazu in der Lage ist, dann annulliert er sich vor dem Lehrer, den kabbalistischen Büchern und der Gruppe (der Umgebung).

Er stellt dies voran und begreift dann, dass diese Weiterentwicklung nur von der Erkenntnis der Wichtigkeit abhängt, wie hoch er seine Sicht der Wichtigkeit dieser Umgebung erhebt, verglichen mit der Süsse von egoistischem Verlangen.

Dies ist die Natur unserer Arbeit. Ist ein Mensch in der Lage die Kraft unserer Studien, Gebete und Analysen voll einzusetzen und die Sicht der richtigen Umgebung zu akzeptieren? Letzten Endes ist es nicht etwas Externes, nicht nur die Gesichter der Freunde. Er formt ein inneres Bild der Umgebung und ist bereit sein Haupt vor ihnen zu senken. Und dann empfängt ein Mensch kraft der Umgebung ein Bewusstsein der Grösse des Schöpfers.

Zu Beginn sind es nur zwei: ein Mensch und der Schöpfer. Und jetzt beginnt er diesen Grundsatz zu realisieren. Wenn die Umgebung (die Mittel) für ihn genauso wichtig ist wie das Ziel (der Schöpfer), beginnt er mit diesem Werkzeug korrekt zu arbeiten.

Die Aufgabe eines Menschen ist es, die Umgebung genauso hoch wie den Schöpfer zu bewerten. Und das verlangt beständige Arbeit. Wenn ein Mensch die Umgebung erhebt, weil es ihn zur Erreichung des Schöpfers bringt, dann steigt er zu dieser Stufe auf.

Folglich kann er sich selbst praxisnah testen: Was motiviert ihn in jedem Moment? Ist es ein inneres Drängen, so wie „bitter oder süss“ Empfindungen oder Werte von der Umgebung aufgenommen, so wie „wahr oder falsch“? Und „Wahrheit“ ist die „Grösse“ des Schöpfers. Hierum bemüht sich ein Mensch: Um die integrale Kraft der Liebe und des Schenkens, mit der er sich bis zum Punkt der totalen Anhänglichkeit verbinden will.

Folglich muss die Ansicht über die Umgebung solide und beständig sein, so dass sie jeden Freund verpflichtet, sich an das Ziel zu erinnern (die Grösse des Schöpfers zu erlangen) und an die Mittel (die Grösse der Gruppe zu erlangen). Wenn die Umgebung darüber nachdenkt und diese Analyse als für jeden Moment verpflichtend vor alle Freunde stellt, stellt sie damit einen grossen Beistand für jedermann zur Verfügung.

Hier beginnt die gegenseitige Garantie, und ein Mensch erhält die Möglichkeit, zur Enthüllung des Schöpfers zu gelangen.

Aus dem 1.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichts vom 14/02/2011, Schriften von Rabash

Erlösung vom „Todesengel“

Wenn wir „am Ärmel gezogen“ werden und zur Enthüllung des eigenen Egoismus eingeladen werden, müssen wir uns darüber freuen, denn dadurch erlangen wir die spirituellen Stufen.

Wenn der Mensch von dieser Welt enttäuscht ist, wenn er sich Fragen nach dem Sinn und Zweck seines Daseins stellt, dann kommen diese Fragen vom Punkt im Herzen. Dann wird ihm die Möglichkeit gegeben, die spirituellen Stufen, die Ebenen der Enthüllung des Schöpfers, aufzubauen, bis er das ganze Licht NaRaNCHaY enthüllt.

Dabei verleiht ihm jede auch noch so kleine Stufe ein Gefühl der Ewigkeit, des außerkörperlichen Lebens, das von dem Fleisch getrennt ist. Darüber steht geschrieben: „Deine Welt wirst du zu deinen Lebzeiten sehen“. Auf diesen Stufen spürt der Mensch, dass er sich nicht in seinem Verlangen zu empfangen befindet, sondern über ihm, deshalb nimmt er sein Leben in der Verbindung mit dem Schöpfer wahr, er spürt, dass er in die Ewigkeit eintritt.

Das ist der Grund, warum die Tora als ein Mittel für den Aufstieg zur Freiheit vom „Todesengel“ bezeichnet wird. Wir werden von dem Verlangen zu genießen um des Empfangens willen befreit, welches eben dieser „Todesengel“ ist, und dann erlangen wir das wahre, unvergängliche Leben.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 07.01.2011

Die Melodie der spirituellen Welt hören

Das Bild, das sich einem Anfänger, der das Buch Sohar liest, zuerst zeigt, ist sehr unordentlich. Er wird verwirrt, versteht nicht, welche Art von Sprache es genau benutzt – die Sprache der Kabbala, oder spricht es durch die Lichter, Kelim und Parzufim oder die Sprache von Geschichten.

Oft wird im gleichen Abschnitt im Sohar eine Mischung von Sprachen benutzt. Zum Beispiel spricht er einerseits von Adam, Eva, die Schlange und so weiter. Andererseits spricht er von Malchut und Seir Anpin und wie sie sich vereinigen und SaT oder GaR von Bina erlangen. Das ist so, weil die gleiche Sünde und ihre Korrektur, die in der Tora beschrieben werden, in vier Sprachen beschrieben werden können – jene des Tanach, der Halachot, Hagadot (Geschichten) und der Kabbala. Doch ein Mensch verbindet sie noch nicht alle miteinander.

Trotzdem wird er in dem Maße, in dem er voranschreitet, in seinem mehr korrigierten Kli oder Verlangen, verstehen, wie Dinge aus einer Sprache in eine andere übersetzt werden. Dann kann er die Sprache des Tanach oder Halachot benutzen, um die Dinge, die in der Sprache der Sefirot geschrieben sind, zu erklären. Die Sprache der Geschichten geht tiefer und daher ist es schwieriger, Dinge in ihr zu erklären.

Er kann von einer Sprache zur anderen übergehen, von einem Ausdruck zum anderen, weil er im Wesentlichen ausdrückt, was seine inneren Empfindungen sind oder wie seine normalerweise gegensätzlichen Gedanken sich jetzt in seinem Innern vereinen.

Das ist das Einzige, das wir ausdrücken. Ich brauche keine Sprache, Briefe oder irgendwas! Ich habe Empfindungen (Wahrnehmungen im Verlangen) und den Verstand. Vorher wurden sie durch Hass angetrieben, während ich sie jetzt in Einheit und Liebe umwandle. Mehr als das haben wir nicht. Alles was wir tun ist, die Uneinigkeit und den Zerbruch zu enthüllen und indem wir dies korrigieren, erwerben wir die Inkraftsetzung der Liebe.

Aber es ist möglich darüber zu sprechen, indem wir Worte aus vier Sprachen benutzen, und außerdem ist es möglich, es nur im Innern zu spüren, anstatt es mit Worten zu erklären. Darum ist es einem Menschen, der Spiritualität erlangt hat egal, in welcher Sprache es geschrieben wurde. Er wechselt zwischen den Sprachen hin und her, denn für ihn ist das alles das Gleiche.

Es ist das Gleiche, wie wenn ein erfahrener Musiker auf Noten schaut, die Melodie hört, die die Noten in seinem Innern spielen oder wie wenn ein Chefkoch auf ein Rezept schaut und schon den Geschmack des Gerichtes wahrnimmt.

Aus dem 2. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 16.02.2011, Der Sohar

Wer ist wichtiger?

Frage: Woher erhält der Mensch die Kraft, um zu arbeiten, wenn er noch nicht korrigiert ist?

Meine Antwort: Jeder auch noch so kleine Schritt im Verlangen, in den Gedanken, in der Handlung ist nur dank der Wichtigkeit des Ziels möglich. Nur die Wichtigkeit des Ziels spendet uns Kraft.

Es gibt keine andere „Energiequelle“, die uns auch nur die kleinste Bewegung in der Handlung, im Gedanken oder im Verlangen durchführen lässt. Nur die Wichtigkeit. Außer der Wichtigkeit gibt es nichts.

Von Anfang an ist in mir die Wichtigkeit des egoistischen Verlangens enthalten, und ich muss nach und nach eine immer größere Wichtigkeit des spirituellen Ziels, des Schöpfers, erlangen, damit Er höher ist, als ich es selbst in meinen Augen bin.

Die Arbeit daran wird nur mittels der Umgebung durchgeführt. Wer ist wichtiger: ich oder der Schöpfer? Die Umgebung ist so aufgebaut, dass sie, wenn ich es will, mir helfen kann, den Schöpfer höher als mich selbst zu stellen.

Warum? Diese Frage wird nicht gestellt. Es ist einfach so, dass die Umgebung mich zu dem verpflichten kann, was ich selbst niemals wollen würde. Und wenn ich schon diese Erweckung, den Punkt im Herzen, erhalten habe, dann kann die Umgebung alles andere tun – natürlich, wenn ich meinen Beitrag dazu leiste.

Also arbeiten wir nur daran, was wichtiger ist. Ich oder Er? Ich muss es immer prüfen und muss mich immer an die Gruppe wenden, um den Schöpfer, d.h. die Eigenschaft der Liebe und des Gebens, über mich selbst, d.h. über die Eigenschaft des Empfangens und der Abstoßung von den Anderen, zu erheben. Wenn ich richtig arbeite, ist die Umgebung in der Lage, mich ständig mit dem Kraftstoff zum Vorankommen zu versorgen, damit sich die Wichtigkeit für mich im Schöpfer, im Ziel, in den Anstrengungen, in der Erreichung der Verbindung und der Verschmelzung enthüllt wird.

Nur die Gruppe kann es tun. Und wenn der Mensch sich korrekt ausrichtet, hat er immer Kraftstoff und kein Problem damit, sich vorwärts zu bewegen. Aber nur unter der Bedingung, dass er jede Sekunde prüft, wer für ihn wichtiger ist.

Ausgehend davon muss ich meine Einstellung allem gegenüber im Leben ausrichten. In erster Linie muss ich meine Prioritäten so setzen, dass ich die Wichtigkeit dem Ziel, dem Schöpfer, der Verschmelzung, dem Geben beimesse und mich später allem Anderen zuwende: den Kindern, der Arbeit, der Familie, den Freunden, der Welt – allem. Denn in diesem Fall nimmst du einen richtigen Kurs, um durch sie das Ziel zu erreichen.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 17.02.2011