Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Empfangen'

Purim kabbalistisch betrachtet

Purim ist ein großartiges Fest: es steht für die große Furcht vor der Vernichtung und die Riesenfreude über die Erlösung danach. 

Traditionell wird dieses Fest groß gefeiert, vor allem, weil es zu diesem Feiertag gehört, uneingeschränkten Alkohol zu konsumieren, damit man „nicht mehr zwischen dem bösen Haman und dem gerechten Mordechai unterscheiden“ kann.

Die Hauptbotschaft der Erzählung,  die zu Purim gelesen wird, Magliat Esther (Buch Esther 1.1-10.3) liegt darin, dass Mordechai, der Inbegriff des Guten, dem schlimmsten Übel, symbolisiert durch Haman, hilflos gegenübersteht. Einzig und allein die Einheit zwischen ihnen kann das Böse überwinden.

Die Charaktere in der Erzählung beschreiben die verborgenen Kräfte, die in uns als Individuen und zwischen uns Menschen wirken. Sie sind immer vorhanden und steuern unsere spirituelle Entwicklung. Mordechai steht für die Eigenschaft von Barmherzigkeit. Er stellt die reine Güte dar und will nichts für sich selbst. Uns dagegen zeigen sich heute immer wieder neue „Hamans“, und zwar in uns und in der physischen Welt um uns. Das Gegenmittel gegen dieses Übel bleibt die Vereinigung. Sobald wir Menschen uns vereinen, sind wir gerettet; schaffen wir dies nicht, droht uns irgendwann die Vernichtung.

Der Plan der Schöpfung, die Eigenschaft der Barmherzigkeit als Herrscher der Welt einzusetzen, ist ein wichtiges Element, auf das die Erzählung hinweist. Würde die Welt von der Barmherzigkeit, von Mordechai, regiert, wären alle Menschen glücklich. Bei uns jedoch regiert Haman, die Bosheit. Weil die Eigenschaft „Mordechai“ nichts für sich selbst will, hat sie nicht den Wunsch zu regieren und bleibt uns deshalb verborgen.

Die Höhere Kraft muss „Mordechai“ als Eigenschaft der Barmherzigkeit zwingen, die Herrschaft anzunehmen. Darum setzt sie eine Bedrohung ein, die groß genug ist, um „Mordechai“ zum Handeln zu bewegen. Es ist dies die drohende Vernichtung, die nicht nur Mordechai, sondern auch das gesamte Volk Israel betreffen würde. Diese Bedrohung personifiziert Haman, der das Gegenteil von Barmherzigkeit darstellt – der rücksichtslose Wunsch, zu verbrauchen, zu besitzen und ohne Rücksicht auf andere zu genießen. Kurz gesagt, Haman symbolisiert den reinen Egoismus.

Auch die Kostüme, die an Purim getragen werden, sind symbolisch zu betrachten. Purim ist nicht die jüdische Version von „Halloween“. Die Verkleidungen stehen für die Verborgenheit der Kräfte, die dieses Szenario der großen Furcht vor der Vernichtung, und die Riesenfreude über die Erlösung innerhalb eines jeden Menschen auslösen.

Die Hamantaschen sind ein süßes, dreieckiges Gebäck, das an Purim zubereitet wird. Sie stellen die Korrektur der egoistischen Wünsche dar. Diese findet statt, sobald sich alle Menschen vereint haben. Aus diesem Grund sind diese Taschen süß gefüllt. DIe Süße symbolisiert die Freude der Einheit.

Wenn alle Menschen vereint sind, muss man nicht mehr auf der Hut sein oder einander misstrauen, da dann alle Menschen wie Eins sind. In diesem Zustand wird es überflüssig, zwischen Haman und Mordechai zu unterscheiden – das Betrunkensein symbolisiert diesen berauschenden Zustand der Einheit

Der Feiertag Purim lehrt uns, dass alles Leid als Folge unseres Getrenntseins entsteht. Wenn Menschen sich spirituell vereinen, werden sie zum Licht für die Völker der Welt, indem sie das Licht der Vereinigung verbreiten.

Durch unsere Anstrengungen, die Verbindung zu „einem Ganzen“ zu erreichen, werden wir korrigiert und an diesem Feiertag auch etwas beschwipst. Deshalb: vereinigt euch in Freude!

Geschrieben/bearbeitet von Student*innen des Kabbalisten Michael Laitman.

Innere und äußere Gebote

Frage: Warum gibt es Gebote, die als äußere Handlungen ausgeführt werden können, wie z. B. das Anlegen von Tefillin und es gibt Gebote, die nur als innere Kategorien ausgeführt werden, wie z. B. „Du sollst dir kein Götzenbild machen“, “ du sollst den Schöpfer ehren“ usw.?

Antwort: Das zeigt, dass es Gebote gibt, bei denen wir uns innerlich auf eine bestimmte Haltung gegenüber einem Menschen oder einer Handlung ausrichten müssen. Das Wichtigste beim Erfüllen dieser Gebote ist unsere Einstellung.

Es gibt auch Gebote, bei denen es nicht auf die Einstellung gegenüber einem Menschen oder einer Sache ankommt, sondern nur auf die physische Ausführung. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Gebote voneinander. Das heißt aber nicht, dass ein Gebot wichtiger als das andere ist, sondern dass man sie nach solchen Kriterien analysieren kann.

Frage: Warum sagt Baal HaSulam, dass es nur zwei Gebote in der Welt gibt: Empfangen und Geben?

Antwort: Das bezieht sich auf die Handlungen des Menschen. Deshalb nennt Baal HaSulam sie auch so: die Gebote des Empfangens und die Gebote des Gebens. Das heißt, wir sollen von jedem Menschen, der Welt, der Natur lernen zu empfangen und entsprechend zu geben. Wir tun praktisch nichts anderes.

Frage: Hängt das irgendwie mit der Einteilung der 613 Gebote in das, was man tun darf und was nicht, zusammen?

Antwort: Nein. Das ist eine völlig eigenständige Einteilung.

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Aus der Fernsehsendung „die spirituellen Zustände“, 21.11.2023.

Super-Egoismus

Frage: Warum ist es so schwierig, einige Aspekte in der kabbalistischen Gesellschaft umzusetzen? In einer gewöhnlichen kapitalistischen Gesellschaft ist das doch viel leichter möglich.

Antwort: Auf der körperlichen Ebene hat man Mittel, ein materielles Interesse, ein Interesse am Empfangen. In der kabbalistischen Gesellschaft hingegen ist es ein spirituelles Interesse, ein Interesse am Geben, am Schenken: „Wie soll ich geben? Wem sollte ich etwas schenken? Warum beschenken? Wo?“

Die Menschen wachsen schließlich aus dem Egoismus heraus. Deshalb muss ich mich umstrukturieren! In dem Maße, in dem ich mich verändere, kann ich zum Geben kommen und es umsetzen.

In der Körperlichkeit geht der Mensch in Einklang mit seiner Natur! Man führt einem Menschen vor, was er tun kann, macht ihm Angebote, zeigt die lukrativen Seiten des Geldes. Wer möchte nicht gerne Geld verdienen? Wer will nicht, Besitztümer erwerben und sich bei seinen Nachbarn brüsten: „So gesund bin ich! So reich bin ich! So stark bin ich! So viel Glück habe ich! Und wer bist du?“

Es geht alles nach unserer Natur, in Übereinstimmung mit ihr! Hier braucht man nur Motivation und sonst nichts. Der Egoismus wird in einem Menschen aufgeblasen, nach dem Motto: Mach weiter und verdiene dir „Medaillen“.

In einer kabbalistischen Gesellschaft, in einer Gesellschaft des Gebens und der Liebe, ist das nicht der Fall. Wo ist dieses Geben? Wo ist diese Liebe? „Wem soll ich etwas schenken, geben? Einem Erdling, den ich nicht kenne, und ich muss mir überlegen, wie ich ihm ein gutes Gefühl geben kann?“ Meine egoistische Natur, die noch nicht verschwunden ist, wird mir das nicht erlauben!

Ich kann dem theoretisch zustimmen, aber ich kann es nicht in die Tat umsetzen. Um dies zu tun, muss ich das höhere Licht anziehen, das mich verändern wird, und dann werde ich in der Lage sein, so zu handeln.

Aber wie kann ich wollen, dass das höhere Licht kommt und mich so formt? „Ich weiß es nicht, ich habe Angst. Was ist, wenn ich wirklich anfange, alles wegzugeben? Immerhin besitze ich etwas! Andere Menschen haben nicht einmal das. Kommt herein, ihr guten Menschen, und nehmt alles weg.“ Das wird ein sehr großes Problem sein!

Es wird nur gelöst werden, wenn die ganze Welt allmählich, aber gleichzeitig, mit der allgemeinen Unterstützung der Massen, zu verstehen beginnt, dass es keine andere Lösung gibt: „Wir sind am Ertrinken. Um uns über Wasser zu halten, ist dies das Einzige, was wir tun können!“

Das ist dann der Fall, wenn uns einerseits die Natur an die Gurgel geht und andererseits eine große, breite öffentliche Unterstützung vorhanden ist, wenn, wie bei einem schrecklichen tragischen Ereignis wie einem Tornado, einem Krieg, einem Erdbeben oder einem Tsunami, jeder versteht, dass es keine andere Lösung gibt; wenn es um Leben oder Tod geht, dann wird natürlich nicht auf mehr oder weniger Wohlbefinden Rücksicht genommen.

Aber dazu müssen wir kommen! Es ist wünschenswert, dass wir es jetzt spüren, ohne dass es zu tragischen Ereignissen kommt. Wenn nicht, werden sie eintreten. Wieso sollten wir das erst angesichts von öffentlichen und persönlichen Desastern und Naturkatastrophen tun?! Denn, wir werden uns trotzdem ändern müssen.

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Aus der Sendung “ Ich habe einen Anruf bekommen. Super-Egoismus“

Eine neue Realität die auf dem Geben aufgebaut ist

Kommentar: Welche Veränderungen muss man durchlaufen, um sich von der materiellen Wahrnehmung der Realität in den Parametern der Zeit, der Bewegung und des Raumes zu lösen um zur Erlangung der spirituellen Realität zu gelangen?

Wir nehmen die Realität in unserem Verlangen zu genießen wahr. Was wir innerhalb dieses Wunsches erleben, wird materielle Welt genannt. Wenn wir uns über die Definitionen von Zeit, Bewegung und Raum erheben, gelangen wir zu einer neuen Wahrnehmung – der spirituellen Welt.

Wir sind so sehr in den materiellen Achsen von Raum und Zeit gefangen, dass wir uns nicht vorstellen können, was außerhalb davon sein könnte. Es gibt die Wissenschaft der Kabbala die uns lehrt, wie wir eine neue Wahrnehmung erlangen (Kabbala=Empfang), d.h. einen Sinn für die spirituelle Welt bekommen, die sich in unseren neuen, spirituellen Sinnen offenbart und wie wir von den materiellen zu spirituellen Empfindungen übergehen können. Das ist das Ziel des Menschen.

Das Leben in dieser Welt ist dazu bestimmt, von der materiellen zur spirituellen Wahrnehmung überzugehen. Die Kabbalisten geben uns Ratschläge, wie wir diesen Wandel in uns selbst vollziehen können, um von der materiellen Welt, die auf das Empfangen basiert, zur spirituellen Welt des Gebens zu gelangen.

In dem Maß in dem es uns gelingt, unsere egoistischen Sinne durch altruistische zu ersetzen, werden wir in der Lage sein, die höhere Welt zu erreichen, d. h. die mit den neuen Sinnen wahrgenommene Realität, die auf dem Geben und der Verbindung aufgebaut ist.

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Aus einer Lektion über „Wahrnehmung der Wirklichkeit“, 27.01.2023

Pessach ist der Beginn des spirituellen Weges

Kommentar: Pessach ist für Kabbalisten der höchste Feiertag, da er eine Befreiung von unserem Egoismus, vom Verlangen zu empfangen, von einem Zustand der Trennung vom Schöpfer und der Entfremdung von Freunden darstellt.

Pessach ist der Beginn des spirituellen Weges bei dem wir uns von den Fesseln des Egoismus, der uns erstickt und uns am atmen hindert befreien.

Wir wollen uns davon erlösen, damit wir vorankommen, um uns untereinander zu verbinden und zu einem gemeinsamen Kli von Adam HaRishon, einer gemeinsamen Seele zurückzukehren, um die spirituelle Welt, das Licht, den Schöpfer und uns alle zusammen als Eins zu fühlen.

Aus diesem Grund ist dieser Feiertag so wichtig. Es gibt keinen wichtigeren Feiertag als Pessach. „Pessach“ bedeutet „überspringen“ (pasakh), indem wir von einem Zustand des egoistischen Empfangens zum altruistischen Geben übergehen.

Der Austritt aus unserem Egoismus, aus unserem Verlangen zu empfangen, aus dieser vom Schöpfer künstlich geschaffenen weltlichen Natur, ist in der Tat ein großes Fest. Damit beginnt eine faszinierende Reise ins Spirituelle.

Der Mensch muss spüren, dass er ein spirituelles Kli braucht, dass er alle Teile seiner Seele so unterbringen will, dass sein gesamtes inneres Verlangen erfüllt wird und alle seine Gedanken und Bestrebungen sich nur noch um den Punkt der Verbindung mit dem Schöpfer drehen. Wenn er diesen Zustand erreicht hat, bedeutet es, dass er sich bereits auf den Auszug aus Ägypten vorbereitet hat.

Ohne ein Gefühl des Exils ist es unmöglich, die Befreiung zu erlangen. Der Vorteil des Lichts wird nur aus der Dunkelheit heraus offenbart. Wenn der Schöpfer uns also zu einem Zustand führen will, der dem Schöpfer gleich ist, muss er uns durch das Exil führen.

Der Unterschied zwischen Exil (gulah) und Erlösung (geulah) ist nur der Buchstabe „alef – א „, der für den Schöpfer steht. Wenn der Schöpfer in unserem Leben zu erscheinen beginnt, wird das Exil zur Erlösung.

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Aus einer Lektion über Pessach, 06.03.2023

Der Unterschied zwischen Azmuto und Licht

Die „Lehre der Zehn Sefirot“ besagt, dass es einen Unterschied zwischen Azmuto und Licht gibt.

Azmuto ist etwas Unbegreifliches, die Wurzel der Schöpfung. Licht ist das, was von dieser Wurzel ausgeht, sich ausbreitet und weiterhin viele verschiedene Arten der Schöpfung hervorbringt.

Baal Sulam schreibt, dass sich das Licht von Azmuto gerade durch seine Form unterscheidet, da das Licht bereits eine direkte Eigenschaft der Schöpfung enthält – den Wunsch zu empfangen, in Azmuto gibt es so etwas nicht.

Frage: Kann man sagen, dass Azmuto die Essenz des Schöpfers ist? Gibt es im Schöpfer überhaupt keinen Gedanken etwas für sich zu empfangen?

Antwort: Der Schöpfer ist die Quelle von allem, was existiert. Alles ist in Ihm. Man kann nicht viel über Ihn sagen, da man nichts über Ihn weiß.

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Aus der Fernsehsendung „Die Lehren der Zehn Sefirot (TES)“, 01.01.2023

Die Scham dem Gebenden gegenüberzutreten

„Je unkorrigierter die Gefäße des Empfangens noch sind, desto unfähiger sind wir den Empfang des Genusses vom Schöpfer zu erweitern, und zwar aufgrund der Angst vor der Veränderung der Form, denn „jemand, der isst, was nicht sein Eigen ist, fürchtet sich, dem Geber ins Gesicht zu schauen.“ („Das Studium der Zehn Sefirot“, Teil 1, Innere Betrachtung, Kap.5, Pkt. 22)

Wenn ich nicht wie der Schöpfer werde, verliere ich am Ende ständig.

Wenn ich nicht wie der Schöpfer werde, versinke ich in einem Gefühl der Scham, welches mich erniedrigt, mich auf den Boden drückt und mir erklärt, wie unbedeutend ich bin.

Ich schäme mich dafür, dass ich nicht wie der Schöpfer bin, ich bin das Gegenteil von ihm.

Aus der Fernsehsendung: Das Studium der Zehn Sefirot (TES). 

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Lo Lishma: etwas zu korrigieren haben

Frage: Ist die Absicht Lo Lishma zu erreichen eine obligatorische Stufe der spirituellen Entwicklung?

Antwort: Ja, natürlich. Jedes Mal, wenn uns offenbart wird, dass wir mit der Absicht von Lo Lishma, d.h. zum eigenen Vorteil, handeln. Dann verlangen wir, dass das Licht zur Quelle zurückkehrt, die Absicht von Lo Lishma mit der altruistischen Absicht von Lishma korrigiert wird.

Es gibt 613 Verlangen, wenn man bei einem von ihnen zum eigenen Wohl handelt nennt man es Lo Lishma. Wenn man aufgrund dieses Wunsches handelt, um etwas zu geben, ist das Lishma. Es handelt sich um zwei obligatorische Zustände, von denen einer aus dem anderen hervorgeht. Zuerst wird der böse Trieb offenbart, dann wird es durch das Heilmittel der Tora zum Guten korrigiert und die egoistische Absicht wird altruistisch.

Es heißt: „Es gibt keinen Gerechten auf Erden, der Gutes getan und nicht gesündigt hat“. Wir sind verpflichtet, von Lo Lishma zu Lishma zu kommen. Und so verhält es sich auch mit der Korrektur unserer 613 Verlangen.

Nun, wenn ein Mensch seinen bösen Trieb nicht korrigiert, das zur Quelle zurückführende Licht nicht gemäß der kabbalistischen Methode nutzt, wird ihm nicht einmal sein eigenes Böse offenbart. Das Böse, das man in unserer Welt macht, ist nicht das Böse, um das es geht. Man erkennt keine Absicht für sich zu empfangen und man hat keine Verbindung mit dem Material des Verlangens, korrigiert zu werden. Nun, so bleibt man erst einmal „engelhaft“.

Aus dem Unterricht zum Artikel „Die Gabe der Tora“, 01.11.22 

[49642]          

Raum für den Schöpfer schaffen

„Lehre der Zehn Sefirot, Teil 2, Absatz 1: Im Buch Tikunei Sohar steht geschrieben, dass man das Wort „Rohr“ (Zinor) erhält, wenn man die Buchstaben des Wortes „Verlangen“ (Razon) neu anordnet. Der Begriff „Rohr“ entspricht demnach einem Kanal und stellt das Gegenteil vom „Verlangen“ dar, da man sich zwingt, das Gegenteil von dem zu tun, was man eigentlich tun wollte. Wenn wir also von dem spirituellen Gefäß als Ganzes sprechen – vom Verlangen und Schirm zusammen -, nennen wir es „das Rohr“ (Zinor). Und wenn wir vom Licht, Verlangen und Schirm zusammen sprechen, d.h. von Licht, das sich durch ein „Rohr“ (Zinor) ausbreitet, nennen wir es eine „Linie“ (Kav). Und wenn wir von einem Gefäß sprechen, das keinen Schirm hat, nennen wir es „Kreis“ (Igul).

Malchut, die Schöpfung, das Verlangen nach Genuss, erlangt durch alle Arten von Bitten, Gebeten und Forderungen die Eigenschaften des Gebens in sich selbst. Diese neuen Eigenschaften des Gebens verbinden sich mit seiner natürlichen Eigenschaft des Empfangens. Aus dieser Vereinigung der beiden Gegensätze, dem Verlangen zu genießen und der Absicht zu geben, entsteht ein neues Gefäß (Kli). Das Verlangen zu empfangen nimmt die Form des Gebens an, und in der Form dieses Gebens offenbart sich die Verbindung zwischen der vierten Stufe und der Wurzel, der Schöpfung und dem Schöpfer.

Alles geschieht innerhalb der Schöpfung. In der kreisförmigen Kugel (Igul), die vorher existierte, erstreckt sich nun eine Linie (Kav). Wir sehen also, wie die Schöpfung in sich selbst Platz macht, damit der Schöpfer eintreten kann. Sie schafft diesen Ort aus ihrem neuen, leeren Verlangen heraus, das sie entwickelt.

Es ist nicht das Verlangen, das es von oben, vom Schöpfer, erhalten hat, denn dann wäre es ein Verlangen nach Genuss, die vierte Stufe selbst, die sich füllen will. Doch das Geschöpf fügt allen Verlangen, die von Natur aus in ihm vorhanden sind, neue Verlangen hinzu, um die Eigenschaft des Gebens zu offenbaren. Und wenn diese Eigenschaft des Gebens zu ihm kommt, dann gibt es bereits einen Ort, an dem sie sich einkleiden und existieren kann.

So kleidet sich der Schöpfer in das Innere der Schöpfung, und wir offenbaren Ihn. Und so wird der Schöpfer (Bore) genannt, was „komm und sieh“ bedeutet.

In dieser Manifestation des Schöpfers offenbaren wir eine bestimmte Ordnung, eine Verbindung zwischen uns, die als “10 Sefirot“ bezeichnet wird. Die erste Sefira Keter ist der Schöpfer, die letzte ist das Geschöpf, Malchut, und die dazwischen liegenden Sefirot sind die Beziehungen zwischen ihnen, in beide Richtungen: von Keter zu Malchut und von Malchut zu Keter.

Diese Sefirot sind „Die Gerade Linie“ (Yosher), sie sind die Hauptkanäle der Kommunikation zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung. Andere sind „runde“ Sefirot (Igulim), sie sind die Verbindung, die die Schöpfung selbst noch nicht verwirklichen kann. Sie fühlt sie nur in eine Richtung, vom Schöpfer zu sich selbst. Der Gast spürt, dass der Gastgeber ihm fast die ganze Welt des Unendlichen noch schenken will. Zusätzlich zu dem, was er im engen Rohr als dünnen Lichtstrahl (Linie) erhalten hat. Der Gast ist jedoch noch nicht in der Lage, diese Unendlichkeit aufzunehmen, und empfindet sie daher als „das umgebende Licht“.

Es gibt also eine „Linie“, d.h. ein mit Licht gefülltes „Rohr“ – wie ein Bohrloch, das, wenn es mit Wasser (dem Licht der Chassadim) gefüllt ist, als „Brunnen“ bezeichnet wird. Das ganze Licht entfaltet sich innerhalb dieses Rohrs, das „Linie“ genannt wird.

Und alles andere bleibt vorerst bestehen, wie „runde“ Gefäße (Kelim) und runde Lichter.

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Aus einer Lektion über die Lehren der Zehn Sefirot“, 27.07.2011

Sukkot-Feiertag: Der dritte Tag von Sukkot – Jakob

Jakob ist die wichtigste spirituelle Eigenschaft, deshalb wird er auch als Vorfahre bezeichnet. Abraham symbolisiert das Geben des Schöpfers und Isaak die Offenbarung des Verlangens zu empfangen, in der Schöpfung.

Jakob ist eine Kombination aus zwei Eigenschaft, des Gebens und des Empfangens, der rechten und der linken Linie, aufgrund der inneren Arbeit eines Menschen. Der Mensch verbindet diese beiden Linien, die von oben kommen, um dem Schöpfer ähnlich zu werden.

Der Mensch, Adam, bedeutet ähnlich (Domeh) wie der Schöpfer. Deshalb ist Jakob der wichtigste dieser drei, weil es sich um Eigenschaften handelt, die sich im Inneren eines Menschen in dem Maße offenbaren, wie er dem Schöpfer ähnlich ist. Und deshalb wird die Eigenschaft von Jakob Tiferet (Pracht, Schönheit, Ehre) genannt, was bedeutet, dass sich die Eigenschaften des Schöpfers in der Schöpfung offenbaren.

Durch diese Arbeit wird der Mensch spirituell. Wir erhalten diese beiden Eigenschaften von oben: eine gute und eine böse Neigung. Eine gute Neigung kommt vom Schöpfer, durch Abraham. Und die böse Neigung, die sich in der Schöpfung offenbart, kommt ebenfalls von dem Schöpfer, der sie geschaffen hat. Aber die richtige Kombination dieser beiden Kräfte wird dank der menschlichen Arbeit verwirklicht, und wir sind verpflichtet, sie zu tun.

Die linke und die rechte Linie löschen sich nicht gegenseitig aus, sondern sie betonen sich gegenseitig. Wenn es eine rechte Linie, das Geben, gibt, dann ist es erlaubt, die linke Linie, das Empfangen, zu wecken. Und dadurch, dass die linke Linie der rechten gegenübersteht, verstärkt sie diese und hebt sie hervor.

Deshalb schließt Jakob beide Linien ein und verstärkt sie. Das Wunder der richtigen spirituellen Arbeit besteht darin, dass die gegensätzlichen Eigenschaften hervortreten und noch mehr zunehmen, und jede betont die andere.

Das liegt daran, dass gegen die Kraft des Gebens die Kraft des Empfangens und gegen die Kraft des Empfangens die Kraft des Gebens steht, jede von ihnen wird lebendiger und wichtiger. Die Eigenschaft Jakobs wird Tiferet (Pracht) genannt, weil sie zwei Gegensätze miteinander verbindet.

Wenn sie sich in der richtigen Form verbinden und sich in der Mittellinie gegenseitig verstärken, zeigt sie sich im Menschen nicht als eine einfache Summe der rechten und linken Linie, sondern als eine Demonstration jedes ihrer Gegensätze und ihrer Erhöhung.

In unserer Welt gibt es nur Dunkelheit und nur Licht. Wenn wir aber die Dunkelheit mit dem Licht mischen, erhalten wir eine Menge verschiedener Formen, die weder im hellen Licht noch in der Dunkelheit zu sehen sind.

Unser ganzes Leben basiert genau auf der Vermischung der linken und der rechten Linie. Wenn wir den Schöpfer offenbaren wollen, brauchen wir die beiden Kräfte des Gebens und Empfangens. Indem wir alle möglichen Kombinationen des einen mit dem anderen in allen Formen schaffen, werden wir die Eigenschaft des Schöpfers im Verhältnis zur Eigenschaft der Schöpfung offenbaren.

Abraham ist der Wunsch zu geben, Isaak ist der Wunsch zu empfangen, und Jakob ist die Kombination des einen mit dem anderen, die Wünsche des Gebens und Empfangens zusammen. Die Kombination dieser beiden Eigenschaften beginnt, sich gegenseitig zu verstärken und zu betonen. Das Ergebnis ist, dass die rechte und die linke Linie in Jakob 620-mal größer zum Vorschein kommen, als sie vor ihrer Verbindung in ihm waren.

Es stellt sich heraus, dass die richtige Kombination der Kraft des Empfangens und der Kraft des Gebens es uns ermöglicht, uns die Kraft des Gebens vor dem Hintergrund des Empfangens 620-mal größer vorzustellen. Es ist der Mittellinie zu verdanken, dass wir die vom Schöpfer geschaffene Schöpfung von einem winzigen Kli, einem schwarzen Punkt, in einem unendlichen weißen Licht auf den Maßstab des gesamten unendlichen Lichts erhöhen. Wie es heißt: „Die Dunkelheit wird wie das Licht leuchten.“

Und dann offenbaren wir den Schöpfer in unserem Kli und erlangen dort das ganze Licht der Unendlichkeit. Aber dieses Kli beginnt mit einem schwarzen Punkt, mit einer leichten Veränderung des Lichts.

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Aus der täglichen Kabbala Lektion vom 5.10.2020, „Sefira Tiferet“