Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Bitte'

Um die innere Kraft des Gebens zu beten

Frage: Was bedeutet das, den Schöpfer zu bitten? Muss man sich hierfür in Seine Eigenschaften einkleiden?

Meine Antwort: Unter einer Bitte wird ein gesuchter und geforderter Zustand verstanden, in dem ich um meine Veränderung bitte, d.h. das eigene Verlangen zeige. Ich beurteile mich selbst (und das bedeutet, zu beten – „leyitpalel„), ich erforsche die Eigenschaften, an denen es mir fehlt, und wie ich mir die Kraft des Gebens aneignen kann.

Ich enthülle folglich, dass diese Kraft sich innerhalb der Gesellschaft befindet. Wenn ich in diese Gesellschaft eingehe und die Wünsche der Freunde mit ganzem Herz und der Seele empfinde, wenn ich also mit ihnen innerlich verbunden bin, dann werde ich sofort die Kraft des Gebens finden. Gerade darum bete ich.

Ich bete um die Erreichung eines solchen Zustandes, in welchem ich alle Menschen als vollkommen und verbunden sehe. Dieser Zustand heißt Schechina, die Versammlung der Seelen (Knesset Israel). Ich will dort sein und ich bete darüber, dass in mir diese Vereinigung aller Seelen (Knesset) realisiert wird, welche „direkt an den Schöpfer“ (Israel, Yashar-El) gerichtet ist.

Dabei wende ich mich nicht an irgendeine äußere, unabhängig existierende Kraft und nicht an den Wunsch, der nur vorgestellt ist. Alle Gebete sind zu Malchut (der Welt Azilut oder der Welt der Unendlichkeit), zur Vereinigung zwischen den Menschen gerichtet, innerhalb welcher wir das gegenseitige Geben offenbaren. Ich will, dass mir ein solcher Zustand enthüllt wird und darum bitte ich.

Und es gibt hier einen sehr feinen Moment, um nicht zu beginnen sich irgendein Idol, oder ein Heiligenbild vorzustellen, denn es geht nur um den Zustand, in dem wir durch die Kraft des vollkommenen Gebens verbunden sind!

Richtiger wäre, diese Kraft als eine Eigenschaft zu betrachten, weil die Kraft als etwas fremdes wahrgenommen wird, und die Eigenschaft dagegen ist etwas, was mir mehr eigen ist. Es sind sehr feine Unterschiede, aber gerade sie bestimmen die Klarheit meines Herangehens, und sind deshalb prinzipiell.

Es wird gesagt: „Es gibt nichts außer Ihm“, aber wir müssen es uns in Form eines Zustandes im vollkommenen System vorstellen. Dann können wir sicher sein, dass wir uns nicht irren werden.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 22.09.2011

Eine ehrliche Bitte um Hilfe

Frage: Wenn es eine Einschränkung des Empfangens gab, warum fühlen wir keine Scham, wenn wir Bitten und Gebete (MAN) nach oben schicken?

Meine Antwort: Wir schämen uns nicht, weil wir um Hilfe bitten das Geben zu erreichen, und nicht zu unserem eigenen Wohl. Deswegen muss man sich nicht schämen!

Du kannst berechnen: „aber die gesamte Korrektur geschieht aufgrund der Scham, die von Malchut der Welt der Unendlichkeit empfunden wird!“ Jedoch schäme ich mich nicht, wenn ich diese Bitte erhebe, weil ich nicht für mich selbst frage, vielmehr frage ich für mich selbst nur für absolut notwendiges, so dass ich den Rest geben kann!

Es gibt dabei keine Scham. Ganz im Gegenteil: das ist hier Ehrenhaft für mich, denn ich werde in der Lage sein, anderen zu geben, was ihnen niemand anders geben kann! Jeder hat solch einzigartige Fähigkeiten, in denen die Arbeit, die durch ein einziges Individuum vollbracht wird, von niemand anderem getan werden kann. Denn jeder einzelne hat seine eigene persönliche Wurzel in der gemeinsamen Seele. Deswegen ist er in der Lage um Stärke zu bitten, um zu leben und um gesund zu sein, um Wissen und Fähigkeiten zu erlangen – wenn diese Dinge gebraucht werden, um Handlungen des Gebens auszuführen.

Das ist genau das, was „Leben“ in der Welt der Wahrheit bedeutet. Das ist meine Existenz: Mein Leben ist nur in dem Maß möglich, indem ich geben kann. Meine Handlungen sind ausschließlich geben. Und der Geist der durch mich fließt hält mich am Leben, welches zum Geben bestimmt ist. Das ist es, was als eine spirituelle Stufe bezeichnet wird.

Aus dem 4. Teil der Täglichen Kabbala Lektion vom 25.08.2011, Einführung in die Weisheit der Kabbala

Die vertrockneten Körner beleben

Unsere Freiheit der Wahl besteht darin, sich in die Gruppe einzugliedern und in der Lage zu sein, gegen den natürlichen Egoismus zu arbeiten. Aus der Gruppe bekomme ich das Streben zur Spiritualität und zum Geben sowie zur Bitte (Man) um den Schirm (Massach) und um das Licht (Or Choser) – in dem Maß, in dem ich es wirklich will.

Aber wenn ich das alles nicht wirklich will, wie kann ich dann den Wunsch bekommen?! Wir sind deshalb auf eine solche Stufe gestellt worden, die keine Verbindung zur Spiritualität hat und völlig materiell ist! Sie bleibt mir erhalten, selbst wenn ich zur letzten Stufe vor dem „Gmar Tikun“ aufsteigen werde; ich werde also diese Stufe immer wahrnehmen, welche „diese Welt“ heißt. Und ich kann mich hier mechanisch, ohne jedes Verlangen, verpflichten, mich innerhalb der Gruppe aufzuhalten und von ihr den Einfluss, ohne jegliches Bedürfnis meinerseits, bekommen.

Auf diese Weise wird die richtige Umgebung in mir das Bedürfnis zum Geben wecken, das mich zwingen wird, zu lernen und an allen Gruppenaktivitäten teilzunehmen. Und im Endeffekt wird sie mich an den Schirm und an das reflektierende Licht bringen.

Deshalb baut der Mensch die Umgebung und die Rahmenbedingungen um sich auf, welche ihm zeigen, inwiefern er sich spirituell entwickeln will. Dann kann er ohne jedes Verlangen, ohne jedes Bedürfnis und selbst bei der Abneigung weiterarbeiten. Aber wenn ihm irgendwelches Anfangsstreben zur Spiritualität gegeben ist, dann ist er verpflichtet, sich in die richtige Gruppe zu integrieren, welche im Menschen das Bedürfnis zum Spirituellen bilden wird.

Wie im Buch Sohar geschrieben ist, haben sogar die Schüler der Gruppe von Rabbi Schimon am Anfang des Studiums in sich den großen gegenseitigen Hass empfunden. Niemand hatte das Verlangen zur Nächstenliebe und jeder fühlte, dass er die Gruppe und die Freunde hasste. Auch wir kommen in Wirklichkeit in einem solchen Zustand zum Unterricht – wie die vertrockneten, toten Körner. Wir kommen rein mechanisch, ohne Herz und Vernunft.

Dann setzen wir uns und beginnen zu lernen, zuerst mechanisch, ohne eine Forderung im Herz. Wir beginnen zu sprechen, aber wir lügen dabei, denn keiner will die Vereinigung. Wir beginnen von weitem und ziehen allmählich mittels des Studiums das Licht heran, das zur Quelle zurückführt und uns dadurch verändert.
Dieses ferne, umgebende Licht beleuchtet unseren egoistischen und zerbrochenen Wunsch und verändert ihn allmählich. In seinem Inneren beginnt der Punkt im Herzen immer mehr aufzuwachen. So steht der Mensch von den Toten auf.

So beschreibt der Sohar diese großen Kabbalisten, die sich auf den Stufen GA“R der Welt Azilut befanden und deshalb für uns ein solches Buch schreiben konnten. Aber in Wirklichkeit hat jeder vor dem Unterricht ein riesiges Fallen. Kurz vor dem Korrekturende hat sich Rabbi Schimon als Schimon vom Markt empfunden, der das ganze spirituelle Begreifen verloren hat.

Sie konnten sich jedoch umarmen und verbinden, weil sie sich in dieser Welt befanden und ihre materiellen Verlangen (die physischen Körper) empfanden. So konnten sie sich einander mittels des einfachen Gesprächs „aus dem Mund ins Ohr“ inspirieren lassen, und das auf der Stufe, auf welcher kein spirituelles Geben möglich ist.

Aber darin ist eine besondere, große Kraft enthalten, welche dir zulässt, ständig den neuen Anfang zu nehmen, die Verbindung mit der Spiritualität mittels der Verbindung unserer Verlangen aufzubauen, welche dir heute als die materiellen Körper erscheinen. Auf diesem Wege wachen wir auf, um das Ziel der Schöpfung zu erreichen und um immer höher aufzusteigen, bis wir am Ende der Korrektur ankommen.

Und nur, wenn wir die endgültige Korrektur, alle vorhergehenden Stufen, einschließlich die Stufe dieser Welt, erreichen, werden sie alle, wie ein Teppich zusammengerollt, sich an Malchut der Welt der Unendlichkeit anschließen. Diese Schlusshandlung wird als „Sivug rav paalim u-mekabziel“ – die große Verschmelzung beschrieben. Und danach kehrt die ganze Realität in die Unendlichkeit zurück.

Aber bis dahin werden wir in der Empfindung dieser Welt auf der untersten Stufe der spirituellen Treppe existieren, weil wir ohne sie niemals die geistige Handlung selbständig ausführen werden. Deshalb bestimmt der Mensch selbst, inwiefern er zur Heiligkeit aufsteigen will, aus der Stufe dieser Welt, welche vom Spirituellen ganz abgetrennt ist. Somit bietet diese Stufe immer die Freiheit der Wahl für den Eingang in die spirituelle Welt.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 29.07.2011

Der gesamte Weg ist eine Suche

Frage: Können Sie alle Zustände beschreiben, die wir von unserem heutigen Zustand bis zur aufrichtigen Bitte um das Geben durchlaufen müssen?

Meine Antwort: Es sind keine klaren, für uns verständlichen, konsequent fortlaufenden Stufen. Diese Zustände ändern sich – sie kommen und gehen.

Es ist aber klar, dass der Mensch ganz am Anfang glaubt, alles selbst, ganz allein, erreichen zu können und von niemandem abhängig zu sein – weder vom Lehrer noch von der Gruppe. Er denkt, dass ihm die Bücher genügen, um vorankommen zu können.

Später erwartet ihn eine Offenbarung – die Frage ist nur, wie viel Zeit er dafür brauchen wird. Manchmal stopft der Egoismus ihm dermaßen die Ohren und die Augen zu, dass er nichts sieht, und so können Jahre vergehen. Manchmal geht es aber schneller.

Doch alle Schritte, die wir durchlaufen müssen, sind Stufen der Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit, das Ziel zu erreichen, und der Abhängigkeit vom Lehrer, von der Gruppe, von der unternommenen Anstrengung auf diese oder jene Art und Weise. So steigen wir Stufe für Stufe auf, bis wir die Erkenntnis erlangen, dass wir nur vom Schöpfer abhängen, der alle vorangegangenen Faktoren vereint: als ich auf den Lehrer, die Bücher und die Gruppe angewiesen war…

Jetzt enthülle ich, dass alles in Ihn eingebettet ist – in diese Erkenntnis, die als „Schöpfer“ bezeichnet wird. Und dann erkenne ich wirklich, dass alles um mich herum, außer mir selbst, Er allein ist und dass es niemanden sonst gibt. Ich begreife, dass ich nicht in der Lage bin und dass ich nicht kann, und dennoch muss ich mich beugen und ständig auf der Suche nach Ihm sein.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 05.07.2011


Angst führt zum Gebet, und Liebe zur Dankbarkeit

Frage: Welches Gebet ist notwendig, um von den Schattenseiten des Egoismus zu den „Heiligen Schattenseiten“ überzugehen?

Antwort: Es wäre richtiger zu fragen: Wovor sollen wir uns fürchten? Denn noch wissen wir es nicht, was ein „Gebet“ heißt. Momentan haben wir mehr Ahnung von Furcht, Vorsicht, Zittern, Unruhe, d.h. von all dem, wovor ich mich hüten muss.

Ein Gebet ist ein Empfinden des Herzens. Und das Herz empfindet entweder Angst – das erste Gebot, oder das Herz empfindet Liebe, nachdem es die Furcht richtig wahrnehmen lernt.

Es gibt immer zwei Hauptgebote: die Furcht und die Liebe. Die Furcht führt uns zum Gebot, zu einer Bitte, und die Liebe zur Dankbarkeit.

Darum ist es erforderlich festzustellen, in welchem Zustand du dich befindest. Wenn du fühlst, dass es dir an Füllung fehlt, dann befindest du dich in Furcht. Aber wovor solltest du dich fürchten, was hütest du dich, zu verlieren oder welchen Zustand und welches Unheil solltest du vermeiden. Stelle diese Fragen!

Wenn du Angst hast, es könne dir etwas Schlechtes passieren, dann muss man sich klar machen: „Es gibt nichts, außer Ihm“. Und wenn du dich fürchtest, etwas zu verlieren, was aktuell in deinem Besitz ist, dann finde es heraus, wie es nach dem Prinzip zu arbeiten gilt: „Wenn ich mir nicht selbst helfe – wer sonst?“. Und diese Klärungen sind das Gebet.

Man darf sie nicht bei Seite liegen lassen, sondern man muss sich mit ihnen so oft wie möglich beschäftigen. Wichtig dabei ist, jeden Zustand zu klären. Und es ist nicht schlimm, wenn du dich im nächsten Augenblick erneut verirrst, und dich selbst sowie die auf dich Einfluss nehmende Faktoren – ich, Umgebung, Studium – nicht findest. Kehre immer wieder zurück und kläre es aufs Neue. So lernst du immer mehr Details, bis du das Ziel der Schöpfung erreicht hast. Und darin liegt unsere Arbeit.

Im Maße dieser Klärungen, wirst du dich auf jeder neuen Stufe immer in vier Stadien der HaWaJaH entwickeln. Wichtig ist, nicht aus diesen inneren Klärungen hinauszugehen.

– wer bin ich, wer lenkt mich,

– wie habe ich mich gegenüber der lenkenden Kraft zu verhalten,

– wie sollen und können wir uns vereinigen und einander suchen,

– wie werden wir Partner, trotz aller Verhüllungen und Probleme nicht verlassen,

– wie kann ich mich über sie erheben, sie rechtfertigen und gerade dank ihrer zu Einsicht und Liebe kommen.
Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 16.05.2011

Ein Gebet für die Gemeinschaft ist ein Gebet für sich selbst

Frage: Ist ein Gebet für die Gemeinschaft immer eine Bitte darum, dass ich sie bis zur Vollkommenheit vervollständige?

Meine Antwort: Ja. Du musst sie aber nur in deinen Augen vervollständigen. Der Gemeinschaft mangelt es an nichts. Außer dir ist alles korrigiert. Jeder urteilt in dem Maße seiner Verdorbenheit. Der Mensch betrachtet die Welt durch das Prisma seiner eigenen Mängel. Wenn du bereits korrigiert wärest, würdest du sehen, dass die ganze Welt korrigiert ist.

Deshalb bedeutet ein Gebet für die Gemeinschaft ein Gebet für deine Gemeinschaft, die sich in dir befindet, für den Ort deiner Shechina – den „Ort“, an dem du den Schöpfer enthüllst. Genau das ist deine Gemeinschaft. Denn du siehst niemals etwas außerhalb von dir, du siehst innerhalb deines Verlangens dein zerbrochenes Gefäß, dein Verlangen.

„Ich bete für die Gemeinschaft!“ – Außer dir braucht niemand dein Gebet und all die schönen Worte, die deine Lippen verlassen: „Ich arbeite für die Gemeinschaft!“ Das ist alles nur Scheinarbeit.

Du weißt noch nicht einmal, wie verschlossen in dir selbst du bist, und nur dein inneres Verlangen musst du korrigieren. Das nennt sich „Gemeinschaft“, „Welt“ – alles ist in dir drin, wie geschrieben steht: „Der Mensch ist eine kleine Welt“.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 10.05.2011

Den Höheren oder sich selbst verändern wollen

Ein Gebet ist die Verbindung des Menschen mit der höheren Kraft, die seine ganze Wahrnehmung dieser Kraft zum Ausdruck bringt. Es gibt Menschen, die beten, wobei sie um ein besseres Leben in dieser Welt bitten, es gibt Menschen, die um die zukünftige Welt beten, es gibt auch Menschen, die scheinbar gar nicht beten und nicht an die höhere Kraft glauben.

Und dennoch machen sie sich Gedanken über ihre Zukunft, und jeder dieser Gedanken nennt sich Gebet. An wen ich mich dabei wende, ist bereits eine andere Frage: an die Natur, an das Schicksal, an irgendeine Ungewissheit, an meinen zukünftigen Zustand oder an die höhere Kraft, die je nach meiner Bitte heute böse und morgen gut sein kann.

Ein Gebet ist meine Handlung in Bezug auf den nächsten Augenblick, die Hoffnung, einen bestimmten Zustand zu erreichen. Das heißt, in diese Definition wird eine Vielzahl von Zuständen miteinbezogen, doch sie alle werden zweigeteilt, je nach dem, zu wem ich bete: zu Demjenigen, der sich verändert, und es liegt in meiner Kraft, ihn zu zwingen, sich zu verändern?

Und hier fangen die Menschen an, nach geheimen Methoden zu suchen, die ihnen ermöglichen würden, die höhere Kraft zu steuern, damit sie gutmütiger wird und die Realität und die Welt verändert. Auf dieser Hoffnung, den Höheren gütig stimmen zu können, basiert die gesamte mystische und religiöse Suche. Ein Mensch dieser Welt, der in seinem Egoismus lebt, hält es für möglich.

Es gibt jedoch eine andere, sehr seltene Herangehensweise, die besagt, dass die höhere Kraft sich nicht verändert – und du musst wissen, wie du dich selbst verändern kannst, indem du Kräfte benutzt, die dir von Natur aus gegeben sind! Das ist die kabbalistische Herangehensweise, die allen anderen Herangehensweisen entgegensteht.

Es ist unwichtig, ob der Mensch glaubt, dass es einen Gott oder mehrere Götter gibt, ob er es sich vorstellt, gegenüber der Natur oder einer anderen höheren Kraft zu stehen – wichtig ist seine Einstellung ihr gegenüber. Sucht er danach, wie er die Kräfte der Natur nutzen und sich selbst verändern kann, um das von ihm ausgesuchte Ziel zu erreichen – und dementsprechend hängt alles von ihm und von seiner Verbindung mit dieser Kraft ab?

Oder betrachtet er nicht sich selbst, sondern schaut nach außen und sucht nach Methoden, die höhere Kraft verändern zu können? Genauso, wie er sich auf egoistische Art und Weise danach sehnt, die ganze Welt verändern und alles für sich selbst ausnutzen zu können, geht er auch an die höhere Kraft heran und sucht danach, wie er Sie im eigenen Interesse ausnutzen kann und was er machen kann, damit Sie ihm mit der Güte zurückzahlt.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 09.05.2011

Den Schöpfer enthüllen? – Auftrag angenommen!

Wir müssen verstehen, dass wir uns vor dem Schöpfer – einer Guten und Gutes bringenden Kraft – befinden und dass es niemanden außer Ihm gibt. Worum bittest du Ihn?.. Er verhält sich zu 100% gut dir gegenüber und ändert sich nicht. Worum willst du Ihn bitten? Dass Er sich zu 101% gut dir gegenüber verhält?..

Als unsere Bitte an den Schöpfer wird die Entwicklung unserer Wahrnehmungsorgane bezeichnet. Dann, indem ich mein Verlangen aufbaue und ihm ständig eine immer korrektere Form verleihe, erreiche ich einen solchen Zustand, in dem ich den Schöpfer in all Seiner Fülle, in Seiner wahren Form enthüllen muss. Genau dass wird als Gebet bezeichnet. Dann enthülle ich Ihn.

Ich bestelle bei dem Schöpfer keine Handlungen. Denn Er ist „der Eine, der Einzige, der Alleinige“ und „Es gibt niemanden außer Ihm“. Man könnte sagen, dass Er ständig handelt, man könnte aber auch sagen, dass Er bei nichts handelt, du befindest dich in Ihm – und Schluss, in Ihm gibt es keine Veränderungen. Alles hängt davon ab, wie wir uns den Schöpfer vorstellen.

Deshalb bedeutet „beten“ auf Hebräisch „über sich selbst urteilen“. Wir urteilen über uns selbst, wir verändern uns – und durch unsere inneren Veränderungen nehmen wir eine neue, eine andere Realität wahr. Aus diesem Grund sprechen wir immer von der Seite der Verlangen/Kelim, und das höhere Licht/der Schöpfer befindet sich in einem absoluten Ruhezustand.

Deshalb wird die Bitte an den Schöpfer nur darum geäußert, inwieweit ich mich korrigiert habe, neue Wahrnehmungsorgane erlangt habe – und dann erreiche ich in ihnen die Enthüllung „Es gibt niemanden außer Ihm, der gut ist und Gutes tut“. Und von dem Schöpfer selbst gehen niemals irgendwelche Handlungen aus.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 26.04.2011

Wie viel Hass müssen wir noch enthüllen?

Frage: Wie viel Hass muss zwischen den Freunden enthüllt werden, damit wir die wirkliche Bitte um Korrektur erreichen können?

Meine Antwort: Die ersten Reschimo (informative Gene) des Bruches, der mich von anderen abstößt müssen in mir vollständig entfaltet werden. Es wächst zu einer Stufe heran, wo ich sie nicht einfach verachte und ignoriere, sondern tatsächlich möchte, dass sie leiden, getrennt von jedem; und denke, dass ich alleine besser dran bin, wenn ich zu Hause studiere und keinen Kontakt zu anderen habe.

Einige wagten es sogar, zu mir zu kommen und mich um Privatstunden zu bitten. Der Mensch versteht nicht, dass die gesamte Verwirklichung der spirituellen Methode nur in der Gruppe geschieht. Und nach diesem innerlichen Kampf und der Verneinung, Ernüchterung und Verzweiflung, erkennt diese Person mit der Zeit plötzlich seine innere Verbindung mit seinen Freunden. Es ist, als würde er komplett aufhören, ihre physischen Gesichter und Körper zu beachten. Er beginnt, in sie einzudringen und das innere Verlangen nach Spiritualität in jedem zu spüren, sogar solche, welche die Menschen in sich selbst nicht spüren. Er ist praktisch in der Lage ihre Seelen zu berühren.

Und dann kann er sagen, dass er der Vereinigung mit den Freunden nahe gekommen ist. Jedoch entdeckt er an diesem Punkt, wie unfähig er ist, sich mit ihnen zu verbinden und dass er die Hilfe der höheren Macht braucht. Er wünscht sich, diese Kraft innerhalb dieser Verbindung zu finden, so dass sie ihn verbinden möge und er dadurch die Verwirklichung erreicht. Es ist die schrittweise Arbeit der Selbsterlangung, der zunehmend tieferen Stufen.

Aus dem ersten Teil der täglichen Kabbala Lektion 3/25/2011, Schriften des Rabasch

Schlechte Nachrichten für den Egoismus

Kabbalisten bringen uns den Weg zu der Wurzel bei, damit jeder die Wurzel seiner Seele erreichen kann. Und das Wichtigste, sagen sie, ist die Absicht.

Oben gibt es eine Kraft, die dazu bestimmt ist, uns zu korrigieren und durch alle Etappen zu dem finalen hohen Zustand zu bringen. Wir müssen jedoch den Aufstieg durch eigene Handlungen einleiten, dem durch die Bitte, durch das Verlangen vorgreifen.

Denn letztendlich müssen wir das wahrnehmen, was wir im Moment nicht in der Lage sind wahrzunehmen. Wir haben nichts, woran wir uns festhalten könnten, wir haben keine Möglichkeit dazu. Dieses Etwas stellt sich uns als nichtig und sinnlos dar. Warum? Weil die Erscheinung, die wir wahrnehmen sollten, das Geben und die Nächstenliebe ist. Genau das ist die Kraft des Schöpfers, die Eigenschaft namens „Schöpfer“, die die gesamte Realität umfasst und ausfüllt.

Doch wir begreifen und spüren es nicht, wir sind nicht in der Lage, uns dem anzunähern. Wir sind dem absichtlich entgegengesetzt erschaffen worden, um das Licht aus der Dunkelheit heraus erkennen und es dann verstehen, spüren und an den Tag legen zu können.

Es ist aber so, dass das Licht an sich uns lediglich blenden würde. Doch wir befinden und entwickeln uns in der Eigenschaft des Empfangens, während wir immer mehr Details der Wahrnehmung erlangen. Und anschließend kommt der Moment, in dem wir am Empfangen verzweifeln und einen Anstoß zur Eigenschaft des Gebens bekommen. Dieser in uns erwachte Funke nennt sich „der Punkt im Herzen“.

Und dann werden wir an die Realisierung herangeführt – wir werden zu dem Lehrer, den Büchern und der Umgebung geführt. Nun können wir aus diesem Funken die echte Eigenschaft des Gebens und der Nächstenlieben entwickeln.

Unsere Arbeit besteht aus allen möglichen Handlungen, dank welchen wir immer mehr den Lehrer, die Urquellen und die Umgebung schätzen lernen, indem wir sie über unseren Egoismus, über die Eigenschaft des Empfangens erheben, damit die Eigenschaft des Gebens in unseren Augen wichtiger als die Eigenschaft des Empfangens ist, damit das Licht in uns ein größeres Ansehen als die Finsternis genießt, damit der Schöpfer mehr als die Schöpfung geschätzt wird.

Ich lese darüber in den Urquellen, also muss ich mich bemühen. Wenn ich jedoch direkt damit zu tun habe, wenn ich einen Plan erstelle, um damit anzufangen, das Geben über das Empfangen in meinen Augen zu erheben und zu achten, offenbart sich in mir die Hilflosigkeit und das Fehlen jeglichen Interesses. Im Gegenteil, ich fühle, dass der Lehrer, die Gruppe und die Bücher mich gar nichts angehen. Alles wirkt fad.

Warum? Weil mein Egoismus, mein Verlangen zu genießen, hier keinen Nutzen erkennt. Im Gegenteil, von diesem Moment an spürt er, dass ihn Verluste erwarten.

Wie kann ich mir selbst etwas Schlechtes zufügen, wenn ich gänzlich aus dem Verlangen zu genießen bestehe? Ich bin dazu einfach nicht in der Lage, eine solche Möglichkeit – sich selbst etwas Schlechtes zu tun – ist in mir nicht vorgesehen.

Wie dann? Meine Annäherung an den Schöpfer ist also eine permanente Entfernung von dem, was mir im Moment als „gut“ vorkommt. Mehr noch, es ist eine Annäherung an das „Böse“. Ist denn so etwas möglich?

Eine Antwort auf diese Frage bekommt man nur von der Wissenschaft der Kabbala.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 23.02.2011