Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Kabbala'

Kabbala und Humor

Mir wurde folgende Frage gestellt: Wie stehen Kabbalisten dem Humor gegenüber? Gibt es kabbalistische Witze?

Meine Antwort: Im ersten der 12 Jahre, die ich an Rabash’s (Baruch Ashlag) Seite verbrachte, war ich ziemlich erstaunt darüber, wie sehr er Humor, unerwartete Situationen und unkonventionelle Ansichten liebte.

Solche Dinge mögen Kabbalisten einfach, weil sie immer jung bleiben. Warum? Weil die Seele kontinuierlich wächst und das spirituelle Wachstum bewirkt, dass sich ein Kabbalist wie ein Kind fühlt. Egal wie er nach außen erscheint, ein Kabbalist wird seiner selbst nie überdrüssig.

Neben dem „jung bleiben“ ist es für einen Kabbalisten auch charakteristisch, dass er sich einer ständigen inneren Revolution aussetzt, mit sich selbst streitet, sich analysiert und Schlüsse über seine eigenes Selbst oder seine Beweggründe zieht.

Ein Kabbalist betrachtet seine irdische (egoistische) Natur von der Seite, aus der Sicht der Höheren Natur – dem „Punkt im Herzen“ oder der Eigenschaft des Gebens heraus – genauso wie der Schöpfer ihn betrachten würde – und so versucht er, diese Sicht zu rechtfertigen.

Ein Kabbalist erfährt ständig innere Widersprüche, welche er nicht durch Beschwichtigungsversuche oder Zustimmung lösen kann, sondern nur, indem er das, was „gegen ihn“ ist (Geben) über das stellt, was „für ihn“ (Empfangen) ist.

So sind Humor und Anekdoten Möglichkeiten, Widersprüche zu überwinden – sie alle basieren auf den Ungereimtheiten des Lebens und ähneln daher spirituellen Situationen, die jedem Kabbalisten bekannt sind.

Kabbala Akademie

Warum enthüllt sich die Kabbala

Frage: In der jüdischen Tradition glaubte man, dass das Buch Zohar nicht von einer unvorbereiteten Person gelesen werden darf. Besteht hier eine Gefahr?

Antwort: Es geht nicht darum, dass das Buch Zohar gefährlich ist und einem Menschen Schaden zufügen kann. Es lag daran, dass die Menschen noch unentwickelt waren. Der Mensch und die gesamte Menschheit entwickeln sich schließlich im Laufe der Zeit weiter.

Es gab eine Zeit, in der die Menschheit noch nicht an dem Punkt angelangt war, an dem sie das Bedürfnis hatte, einen Sinn für die Höhere Welt zu entwickeln.

Heute ist es anders. Wir befinden uns in einer Welt, die wir nicht kennen und nicht verstehen. Genau dieser Mangel an Verständnis deprimiert uns und führt uns in das Ungewisse. Wir haben die Verpflichtung, die höhere Welt zu enthüllen – aus diesem Grund wird die Kabbala offenbart.

Frage: Findet ein Mensch ein Buch oder findet ein Buch einen Mensch?

Antwort: Der Mensch ist im Prinzip ein absolut beherrschbares Wesen. Wir haben keine Ahnung, was im nächsten Moment unserer Existenz passieren wird, aber es ist tatsächlich vorherbestimmt. Um das im Voraus zu erkennen, gibt es die Kabbala.

Aus einem Gespräch zum Thema „Fragen zu kabbalistischen Büchern“, 22.10.2019

[278699]

Offenbaren, probieren und überzeugen Sie sich

Frage: Laut der Kabbala kann ich die Eigenschaften des Schöpfers als das Absolute betrachten und zu Ihm, entsprechend von „süß-bitter“, eine Analyse von „wahr-falsch“ durchführen. Das einzige Problem ist, warum sollte ich glauben, dass der Schöpfer die Eigenschaft des Gebens  ist? Ich fühle es nicht, ich sehe es nicht.

Antwort: Das müssen Sie nicht. Der Punkt ist, dass dies nicht irgendeine Theorie ist, die wir jemandem aufzuzwingen wollen.

Wir versuchen nicht, jemanden zu verführen. Wir bieten den Menschen an, zu sehen, wie die Kabbala die Struktur der Welt der Menschen und seine Interaktion mit der Welt erklärt. Wie es die Natur des Menschen, die Natur der Gesellschaft zeigt. Wie sie uns zeigt, wie wir zu dem bequemsten Zustand kommen können.

Frage: Das ist alles klar. Die Kabbala behauptet, dass der Mensch ein Verlangen zu Empfangen ist. Im Prinzip kann sich jeder selbst überprüfen. Schon nach ein paar Monaten Unterricht versteht man, dass es keine einzige Handlung gibt, die man für jemanden anderen tut. Alles ist für sich selbst, alles ist nur um zu empfangen. Das ist klar. Wo kann man überprüfen, dass der Schöpfer die Eigenschaft des Gebens und der Liebe ist?

Antwort: Darüber wird gesagt: Offenbaren, probieren und überzeugen Sie sich.

Frage: Ist das ein Grundsatz?

Antwort: Natürlich. Sie müssen Ihre Eigenschaften und Sinne so weit entwickeln, dass Sie beginnen, Ihn zu spüren. Es gibt Dinge, die wir nicht empfinden, wie zum Beispiel eine allgemeine Kraft die als eine Art Strahlung um uns herum wirkt und die ich in ihrer natürlichen Form nicht spüren kann. Mir wird angeboten, solche Sensoren zu entwickeln, durch die ich anfangen werde, den Schöpfer zu spüren.

Frage: Genauso haben Wissenschaftler, lange bevor sie das Mikroskop erfunden haben und verschiedene Mikroben entdeckten, es als Maxime angenommen, dass es einige kleine Elemente geben muss. Ist es das Gleiche mit dem Schöpfer?

Antwort: Ja. Für jemanden, der es nicht versteht, ist es nur eine Vermutung.

Aus der Fernsehsendung „Spirituelle Zustände“, 22.04.2019

[277535]

Ist die Natur empfindungsfähig?

Menschen, die auf religiöse Weise an Gott glauben, schreiben Ihm Gefühle und Gedanken zu und kommunizieren mit Ihm so, wie man es mit jedem mächtigen Individuum tut, das unser Schicksal bestimmt: Wir streben danach, Ihm zu gefallen, und suchen im Gegenzug seine Gunst. Wie aber steht es mit der Natur? Ist sie empfindungsfähig? Sollten wir ihr gefallen? Und falls ja, dann wie?

Die Weisheit der Kabbala unterscheidet nicht zwischen Natur und Gott. Im Essay „Der Frieden“ erläuterte der große Kabbalist des 20. Jahrhunderts, Baal HaSulam, dass Natur und Gott gleichbedeutend sind. Wenn wir also von der Natur sprechen, dann reden wir eigentlich von Gott, und wenn wir von Gott sprechen, dann beziehen wir uns sozusagen auf die Natur.

[Rest des Beitrags lesen →]

Das Wesen der menschlichen Natur

Frage: Die Menschen haben ihr ganzes Leben lang für die Freiheit gekämpft. In der Erklärung der Menschenrechte steht: „Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. Sind Sie mit dieser Aussage einverstanden?

Antwort: Insofern es die Grenzen der Natur nicht überschreitet.

Das Problem ist, dass der Slogan „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ von den Menschen auf der Grundlage dessen verkündet wird, was sie durch ihre Erziehung verstehen und was sich vor ihren Augen abspielt. Die Kabbala spricht hingegen von den Naturgesetzen. Das ist viel breitgefächerter und klingt wahrscheinlich anders.

Vom Standpunkt der Natur aus kann der Mensch nicht frei sein, da er in seinem Egoismus feststeckt. Wie kommen wir da wieder raus – darin liegt das Problem. Ich bin von Natur aus so, er ist anders: gut, böse, nervös, eifersüchtig, etc. Wir haben eine Vielzahl von schlechten und guten Eigenschaften. Was sollen wir also tun?

Frage: Im Allgemeinen ist es eine philosophische Frage: Ist die menschliche Natur böse oder gut?

Antwort: Sie ist absolut böse, da ich nur an meinen eigenen Vorteil denke. Vielleicht wünsche ich jemand anderem nichts Schlechtes, aber wenn es für mich von Vorteil ist, dann werde ich ihm/ihr Böses zufügen. Es gibt hier eine „graue Zone“.

Aus Sicht der Kabbala ist ein Mensch, der in dieser Welt existiert, böse! So steht es auch in der Tora, die Natur des Menschen ist ein egoistisches Verlangen, um auf Kosten anderer zu genießen. So sind wir geschaffen! Während Tiere durch ihren Instinkt auf Nahrung, Gesundheit und Fortpflanzung beschränkt sind, will der Mensch die ganze Welt verschlingen, deshalb haben wir keine Handlungsfreiheit. Wir werden vom Bösen beherrscht. Ob es uns gefällt oder nicht, benützen wir andere, da wir so geboren wurden. Hier kommen natürlich die Erziehung, restriktive Gesetze, die Meinung der Gesellschaft hinzu, aber im Allgemeinen ist der Mensch selbst böse.

Die Tora sagt, dass das Böse des Menschen aus seinem Wesen entspringt. Noch bevor er geboren wird, steckt das Böse bereits in ihm.

Aus der Fernsehsendung „Spirituelle Zustände“,29.04.2019

[277543]

Alles als einen höheren Sinn sehen

Frage: Werden uns alle Probleme vom Schöpfer geschickt?

Antwort: Es sind keine Probleme, es sind Einflüsse auf mich. Ich kann sie aber missverstehen und deshalb für unnötig oder sogar schädlich halten. Ich muss verstehen, dass alles vom Schöpfer kommt damit ich mich durch eine richtige Verbindung auf Ihn einstellen kann.

Frage: Der Kabbalist glaubt also, dass jedes Hindernis, wie z.B. eine Krankheit, als positiver Einfluss des Schöpfers gesehen werden kann, da er ihn voran bringen möchte?

Antwort: Auf jeden Fall. Alles, was der Schöpfer tut, zielt darauf ab, dass wir Ihn uns alle zusammen annähern können. Die gesamte Umwelt – unbelebt, pflanzlich, tierisch und menschlich, stellt kein Hindernis dar, um Ihm näher zu kommen.

Ich muss mir angewöhnen, in allem Seinen Einfluss zu sehen und in gleicher Weise zu reagieren. Die Methode, wie man hinter allem eine einzige Kraft sieht, heißt Kabbala.

Aus dem Fernsehprogramm,  „spirituelle Zustände“, 04.02.2019

(275469)

Die Sprache des Schöpfers entschlüsseln

Alles was um uns herum ist, ist der Schöpfer, d.h. das System in dem wir uns wie in einer Matrix befinden. Deshalb glauben die Kabbalisten, dass sie sich nicht in der menschlichen Gesellschaft, sondern im Schöpfer befinden. Jeder muss die richtige Interaktion mit Ihm finden.

Der Schöpfer ist eine einheitliche Kraft, die alles steuert und ständig mit mir durch die Objekte um mich herum spielt: unbelebt, pflanzlich, tierisch und menschlich.

Ich muss herausfinden, wie ich richtig auf sie reagieren kann. Dafür gibt es die Kabbala. Sie sagt mir, wie ich durch die richtige Reaktion auf die unbelebte, pflanzliche, tierische und vor allem menschliche Natur, einen Zustand erreichen kann, der hinter allen Objekten und Erscheinungen eine einzige steuernde Kraft sehen kann. Es wird mir klar werden, was der Schöpfer von mir will und was ich durch meine Reaktion auf die vier Stufen der Natur an Ihn übertragen kann.

Frage: Muss ich es lernen, was diese Kraft,  der Schöpfer mir sagen will, zu entschlüsseln?

Antwort: Ja, dann werde ich Seine Sprache erkennen. Ich werde alles hören: Vögel, Tiere, das Rascheln von Pflanzen, den Wind und das Getöse der Erde.

Aus der Fernsehsendung „Spirituelle Zustände“, 04.02.2019

[275379]

Ich bin perfekt! Es ist jeder andere, der schrecklich ist.

Sehen Sie sich den Titel an.

Ist es nicht das, was wir alle denken? Die Welt ist in einem schrecklichen Zustand, schauen Sie sich an, was allein im letzten Jahr passiert ist. Die Menschen sind gemein, feindselig, misstrauisch und streitsüchtig geworden. Was ist auf der Welt passiert, was mit Covid-19, und was ist auf den Straßen passiert, zwischen Schwarzen und Weißen, den Superreichen und, nun ja, allen anderen, zwischen Polizei und Zivilisten. Mit Arbeitslosigkeit und Konjunkturpaketen, die Liste ist endlos. Wohin man auch schaut, man findet nichts Gutes. Die einzige Ausnahme, natürlich, bin ICH. Die Menschen sind schrecklich, aber ich? Mit mir ist alles in Ordnung. Ist es nicht das, was wir alle denken? Und wenn wir alle so denken, mit Ausnahme von vielleicht sehr wenigen, ist es dann ein Wunder, dass unsere Welt so ist, wie sie ist?

[Rest des Beitrags lesen →]

Spirituelle Motivation

Frage: Inwieweit ist das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche in einem integralen Ansatz zur Motivation angemessen?

Antwort: Wir sehen, das die Natur dieses Prinzip ständig anwendet. Sie fragt uns nicht, sie drängt uns nur, das ist alles.

Frage: Halten Sie das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft für akzeptabel?

Antwort: Ja. Auf jeden Fall verstehen wir nur das: entweder Zuckerbrot oder Peitsche. Die Natur, die Gesellschaft kann uns nicht anders beeinflussen, denn wir verstehen nur Belohnung und Bestrafung. Der Unterschied liegt in ihrer Form.

Frage: Was sind die Merkmale der kabbalistischen Motivation?

Antwort: Dies ist eine ganz andere Ebene. Wir erheben uns über Belohnung und Strafe, d.h. über das Wissen, wir versuchen nur durch die Kraft des Gebens, der Liebe, ohne selbstsüchtige Motive zu gehen. Hier eröffnen sich ganz andere Welten, andere Verhältnisse. Man nennt es Glauben über dem Verstand.

Frage: Woher nimmt man die Energie, wenn es keine egoistischen Motive gibt?

Antwort: Von oben. Unsere Natur verfügt über eine sehr interessante, ich würde sagen, einzigartige Energiequelle, die einem Mensch mit einer spirituellen, nicht egoistischen Motivation versorgen kann. Der Mensch wird dann die Arbeit tun.

Die Kabbala verfügt über eine Methode, wie wir diese Energie, diese Motivation, die wir mit unseren Sinnen nicht fühlen, erhalten können.

Frage: Glauben Sie, dass Kinder einfacher zu motivieren sind als Erwachsene?

Antwort: Natürlich, da sich Kinder zu bestimmten, spezifischen Themen, Objekten, Belohnungen hingezogen fühlen. Sie sind also leicht zu manipulieren. Bei Erwachsenen ist es viel schwieriger. Am schwierigsten ist es einem Erwachsenen beizubringen, sich selbst zu manipulieren.

Aus dem Fernsehprogramm, „Kommunikationsfähigkeiten“, 28.08.2020.

(273710)

Den Mythos entlarven – Der böse Blick ist der böse Wille

Eines der häufigsten Missverständnisse ist, dass die Weisheit der Kabbala vor dem bösen Blick schützt. Es existieren sogar Amulette, die davor schützen sollen und mit der Weisheit der Kabbala verbunden werden. Ich wünschte, es wäre so einfach ein paar Dollar zu bezahlen, um mich damit vor Flüchen zu schützen. Doch hier besteht eine falsche Vorstellung des Begriffs “böser Blick”. Laut der Encyclopaedia Britannica ist der “böse Blick” ein Blick, der die Fähigkeit besitzen soll, demjenigen zu schaden, den er trifft. 

[Rest des Beitrags lesen →]