Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Das schwierigste, einzuhaltende Gebot

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Du sollst dir kein Bildnis oder irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern unter der Erde ist. Bete sie nicht an

und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter an den Kindern straft bis ins dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Barmherzigkeit übt über Tausende, die mich lieben und meine Gebote halten. (Tora, Exodus, Jitro, 20:3-20:6).

Die Gebote gelten als die Grundlage des menschlichen Gesetzeskodex, als Fundament des menschlichen Daseins. Sie werden in allen Religionen, in allen Gesellschaften akzeptiert und gelten als Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. In der Kabbala haben sie eine ganz andere Bedeutung.

„Du sollst keine fremden Götter haben, du sollst dir kein Bild machen“ – ist das am schwersten fassbare aller Gebot.

Das heißt: Ich bin der Einzige! Ich bin körperlos. Man kann Mich nicht abbilden, noch Mich in irgendeiner Weise vorstellen, weder mit den Sinnen noch mit dem Verstand begreifen! Ich gebe euch keinen Anhaltspunkt: Ihr könnt Mich nicht in eure Tasche stecken, in eine Ecke stellen, an die Wand hängen, ein Amulett oder ein Symbol aus mir machen – nichts!

Das ist beim Menschen nicht der Fall. Er ist wie ein Kind, das sich ein Spielzeug schnappt und es wochenlang lang nicht mehr loslässt. Es gibt ihm Trost. 

Ein Mensch geht in den Tempel, betet, beichtet und fühlt sich erleichtert: „Alles wird gut, alles ist in Ordnung.“ Das ist ein Heilmittel für ihn, eine Beruhigung, ein Schutz vor allen möglichen Problemen: soziale, familiäre, usw.

Hier hat man nichts! An wen soll man sich wenden, wenn man sich Ihn nicht vorstellen kann? Das ist ein Problem. Für einen einfachen Menschen in unserer Welt gibt es also keinen Gott. Er kann ihn sich weder vorstellen, noch kann er ihn fühlen. Denn das, worum es geht ist eine Eigenschaft des Gebens, der Liebe, etwas Formloses, das alles erfüllt- und gleichzeitig – nichts Greifbares ist. Wo kann man das enthüllen? Man muss es doch irgendwie wahrnehmen können- aber da ist nichts!

Deshalb kann man sich diesen Gott, die Höhere Kraft von der die Tora tatsächlich spricht, nicht vorstellen, und mit ihr in Kontakt treten. Dazu benötigt man irgendetwas, woran man sich festhalten, an das man sich wenden, sich irgendwie vorstellen kann.

Frage: Warum werden all diese Fäden abgeschnitten? Der Mensch scheint in der Luft zu hängen… Wozu?

Antwort: Damit man Ihn auf einer ganz anderen Stufe findet und auf Seine Stufe aufsteigt. Dann wird man spüren, was man vorher nicht erkennen, fühlen und erfassen konnte, dann wird man ganz neue Sinnesorgane bekommen, sie werden die „fünf Sefirot“ genannt.

Davor gibt es die Fragen: „Welcher Gott? Da ist nichts.“ Natürlich gibt es eine Natur, die mich dreht, die mich voranbringt, die etwas tut: die lenkt, vorantreibt, etwas macht: Sie zwingt einen zu leben, zu existieren, Kinder zu zeugen, sich durch die Gesellschaft zu lenken und sich dann unter die Erde begraben zu lassen. Und das war es.

Ich übertreibe die Dinge absichtlich um zu zeigen, dass der Mensch keine Verbindung zum Schöpfer oder zur Tora hat. Deshalb heißt es, dass die Tora rein ist, denn niemand hat sie je berühren können.

Die Tora ist eine Lehre, sie ist eine spirituelle Mechanik, die völlig losgelöst vom Menschen ist!

Es ist gut, dass man sie als Grundlage für Regeln, das menschliche Zusammenleben und als Rechtssystem zugrunde gelegt hat. Ohne sie wären wir Barbaren!

Ich betone noch einmal, dass diese Regeln und Gesetze nichts mit dem wahren Inhalt der Thora zu tun haben.  Man muss erkennen, dass ihre Stärke, ihre Wahrheit, ihr Innerstes nicht darin liegt, was man in dieser Welt tut, sondern darin, dass sie einen dazu bringt, auf eine höhere Stufe aufzusteigen, auf der wir den Schöpfer offenbaren, auf der es nicht nötig ist, dass Er sich für uns in eine Form oder Erscheinung kleidet.  Man steigt zu solchen Wahrnehmungssorganen auf, in der keine äußere Gestalt nötig ist, da wir selbst aus uns heraustreten.

Deshalb ist das Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ das erste, grundlegende Gebot. Jedes weitere Gebot (denn nicht umsonst sind sie in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet), bestimmt seine Erfüllung und alle nachfolgenden Gebote.

Wenn man dieses Gebot nicht erfüllen kann, sind alle anderen bedeutungslos. Sie führen einen nicht zum Ziel. Dieses erste Gebot muss man ständig vor Augen haben. Um seinetwillen erfüllt man alle anderen.

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Aus der Fernsehsendung „Die Geheimnisse des Ewigen Buches“

 

Den Schöpfer hören

Frage (Idan, 11 Jahre alt): Wenn der Schöpfer mit den Menschen in der Bibel und im Pentateuch sprach, warum spricht Er heute nicht mit uns? Und wenn Er doch mit uns, mit der heutigen Generation, spricht, wie kann man dann davon erfahren?

Meine Antwort: Der Schöpfer spricht ständig mit dir, doch du hörst es nicht. Er wohnt in deinem Herzen und spricht zu dir, doch du willst dein Herz nicht öffnen!

Er klopft an dein Herz, wie an eine Tür, doch du machst nicht auf, weil du Seine Klopfzeichen nicht hörst, dir fehlt das Gehör, Bina, die Eigenschaft des Gebens. Wenn jemand an die Tür klopft, du aber Probleme mit dem Gehör hast, dann hörst du es nicht. „Das Ohr“, das Gehör bedeutet in der Spiritualität die Stufe der Bina, die Kraft des Gebens. Wenn du empfänglich für das Geben, für die Nächstenliebe gewesen wärest, würdest du hören, dass Er zu dir spricht.

Frage: Was sagt Er?

Meine Antwort: Er sagt: „Lass uns umarmen! Lass uns zusammen sein!“ Doch sich mit dem Schöpfer zu umarmen bedeutet, genauso wie Er zu sein, in der Eigenschaft des Gebens und der Nächstenliebe zu leben, und das will ich nicht. „Gib mir etwas für mich persönlich, dann kannst du kommen! Doch damit, was du mir anbietest, komme nicht! Ich will dir die Tür nicht öffnen“, – das sagen wir zu Ihm.

Auszug aus dem Programm „Frage den Kabbalisten“, 18.04.2010

Die Weisheit der Schöpfung ergründen

Frage: Die gesamte Realität beinhaltet das Licht und das Kli, den Schöpfer und die Schöpfung, mich und den Nächsten. Warum erscheint der Sohar dann so schwer und verwirrend?

Meine Antwort: Der Sohar erscheint nur uns schwer und verwirrend, weil wir nicht das gesamte Bild sehen. Uns kommen „ich“ und „die Welt“, meine Verlangen, meine Gedanken, Kräfte, die in dieser ganzen Realität wirken, und Erfüllungen in ihr getrennt voneinander, zerbrochen vor. Aus diesem Grund zeichnet mir diese Kraft des Zerbrechens ein äußerst kompliziertes, verwirrendes Bild. Und alles nur, weil ich das nicht miteinander vereint sehe, und die Trennung bringt mir die Verwirrung.

In dem Maße, in dem wir fähig sind, nicht im Verstand (er nützt nichts!), sondern in den Gefühlen, also in den korrigierteren Kelim/Verlangen alle diese Details der Wahrnehmung vereint zu erkennen – ich, der Nächste, der Schöpfer, das Studium, die Gruppe, die Umgebung, alles, was existiert -, also in dem Maße, in dem ich mich danach sehne, all das zu vereinen, bringen mir diese Anstrengungen das Licht. Und das Licht bringt mich zum Betrachten eines einheitlicheren Bildes, in dem sich alle Elemente allmählich zu verbinden beginnen.

Aus der Verbindung all dieser Gegensätze, die zu unterstützenden und miteinander verbundenen werden, resultiert die ganze Weisheit. Je weiter voneinander entfernt und entgegengesetzter diese ganzen Details des Bildes der Realität, die ich nun miteinander verbinden und einander unterstützend und ergänzend sehe, früher waren, desto tiefer ergründe ich den Schöpfungsgedanken, das Schöpfungsprogramm, den Prozess, den wir durchlaufen.

Aus diesen Gegensätzen heraus fange ich an zu leben, diese erstaunliche Weisheit wahrzunehmen, die höhere Lenkung zusammenzufassen und sie auf die Einzige Kraft zu beziehen.

All das geschieht infolge der Einwirkung des Lichts auf meine zerbrochenen Verlangen und Gedanken, wenn ich will, dass es sie vereint.

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Auszug aus dem Sohar-Unterricht. Das Vorwort

Der Eigenschaft des Gebens dienen

Und sie traten vor den Schöpfer. Und Josua sagte zum ganzen Volk, was Gott Israels gesagt hatte: Über dem Fluss lebten seit Urzeiten eure Vorfahren, Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und sie dienten anderen Göttern. (Propheten, Buch Josua, 24:1-2)

Es gibt nur zwei Möglichkeiten des Seins: Entweder im eigenen Egoismus, in dem wir geboren wurden und uns entwickelt haben, oder über den Fluss zu ziehen und das Land Israel zu betreten, d.h. auf einer ganz anderen Stufe, in einem anderen Verlangen – „in einem anderen Land.“

Deshalb heißt es, dass der Vater Abrahams und der Vater Nahors anderen Göttern dienten, also nicht der Eigenschaft des Gebens und der Liebe, sondern des gewöhnlichen Egoismus.

Das Land ist das „Razon“ (Wunsch). Israel leitet sich vom Wort „direkt zum Schöpfer“ ab.

Wenn der Mensch beabsichtigt, die Stufe, die Eigenschaft des Schöpfers zu erreichen, wird er zu einem vollkommen anderen Menschen. Dafür ist es notwendig, an sich zu arbeiten.

Frage: In der Tora handelt es sich doch um einen Menschen. Was bedeutet es, dass ich einmal gelebt und anderen Göttern gedient habe? Was ist das in mir?

Antwort: Das bedeutet, dass der Mensch ein Egoist war und nur an sich selbst gedacht hat. Doch mit der Zeit erkannte er, dass es in der Welt ein höheres Ziel gibt – ein Ziel, das größer, bedeutender und wahrhaft erfüllender ist. Der Mensch nimmt dieses Ziel an, passt sein Verhalten schrittweise an, um diesem Ziel näherzukommen.

Frage: Von welchen anderen Göttern ist hier die Rede?

Antwort: Von allen egoistischen Götzen, sie sind zahlreich. Jeder verehrt das, was er begehrt – Geld, Macht, Ruhm und andere materielle Wünsche. Diese Götzen sind die Manifestationen unseres Egoismus.

Diejenigen, die die Stufe der Gebens und der Liebe zum Nächsten erreichen wollen, haben nur einen Schöpfer.

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Aus der Fernsehsendung „Geheimnisse des Ewigen Buches“  

 

Scham, die das Herz öffnet

Kommentar: In unserer Welt löscht die egoistische Natur sofort das Gefühl der Scham in uns aus, indem sie in den meisten Fällen eine Rechtfertigung für unser Verhalten findet: dass wir andere ausnutzen, stehlen oder uns etwas aneignen, das jemand anderem gehört. Oft sind wir uns gar nicht bewusst, dass wir egoistische Berechnungen anstellen—dass wir gegenüber anderen egoistisch handeln und die Welt nur aus der Perspektive unseres Vorteils beurteilen.

In diesem Zusammenhang empfinden wir kaum Scham. Doch wenn wir unsere Sensibilität für die Eigenschaft des Gebens und des Empfanges erhöhen würden, indem wir genau prüfen, wo wir wirklich geben und wo nur empfangen und nach welchem Prinzip wir die Welt wahrnehmen, dann würden wir vor brennender Scham erzittern.

Wenn wir die Eigenschaft des Gebens in ihrer ganzen Erhabenheit offenbaren würden und uns in unserer wahren Natur sehen könnten, nämlich als kleine, schwarze Käfer, die nur an die eigene Nahrung denken, danach streben, möglichst viel für sich selbst zu erhaschen, alles verschlingen, was ihnen begegnet—dann würde uns die Scham vor unserer eigenen Nichtigkeit in Bezug auf die wahre Barmherzigkeit verbrennen.

Es ist sogar beängstigend, sich vorzustellen, dass diese Offenbarung plötzlich vor aller Welt sichtbar werden könnte. Man könnte denken, was ist schon dabei? Schließlich sind wir nur Menschen, Geschöpfe, die aufgrund ihrer Natur handeln und es dagegen kein Mittel gibt. Dennoch wäre es uns äußerst unangenehm. Wir würden es vorziehen, zu sterben, als eine solche Schande zu erleben.

Es gibt kein größeres Leid als Scham, denn es liegt dem gesamten Verlangen nach Genuss zugrunde. Die erste Einschränkung wurde durch Scham geschaffen, da sie das menschliche Konzept auslöscht. Die vierte Stufe (Bina Dalet) erhebt sich, sobald sie Scham empfindet, da sie den Wunsch nach eigenständigen Entscheidungen repräsentiert. Scham ist das Gegenteil dieses Gefühls; sie hebt die menschliche Persönlichkeit auf.

Wir sprechen hier von unserem gegenwärtigen Zustand, in dem es noch keine menschliche Stufe gibt, sondern nur eine tierische Stufe, auf der wir nicht einmal für unsere eigenen Taten verantwortlich sind. Alle unsere Eigenschaften haben wir vom Höheren, vom Schöpfer erhalten- daher richtet man alle Vorwürfe an den Schöpfer, der dieses Geschöpf erschaffen hat. Doch wenn wir beginnen, die Eigenschaft des Gebens zu offenbaren- den Schöpfer und uns im Vergleich zu Ihm bewerten, offenbart sich zwischen uns eine so große Kluft, wie wir sie nie für möglich gehalten hätten.

Scham besitzt eine enorme Kraft und nur durch sie haben wir die Möglichkeit, gegen unser Ego anzukämpfen und uns zu korrigieren. Ähnlich wie in der Welt der Unendlichkeit, in der Malchut unter dem Druck der Scham alles aufgab. Diese Scham existierte nicht, weil sie empfing- im Gegensatz zum Schöpfer- sie sich ihrer Eigenschaften schämte, sondern weil sie nicht in der Lage war, zu geben und zu schenken, wie Er. Das ist eine ganz andere Art von Scham- die Scham auf dem Weg zur vollständigen Korrektur in Bezug auf uns.

Unsere Scham offenbaren wir allmählich, Schritt für Schritt. Zunächst schämen wir uns, wenn wir beim Stehlen erwischt werden oder wenn wir andere ausnutzen und ihnen Schaden zufügen. Das Bewusstwerden dieses Schamgefühls hilft uns, die richtige Haltung einzunehmen, damit wir uns nicht mehr wie ein feiges Tier verstecken, das Angst hat, bloßgestellt zu werden. Im Gegenteil: Wir sollten bereit sein, all unser Böses zu offenbaren und uns selbst zu beschämen, um daraus Kraft zu schöpfen, unser Ego zu überwinden und einen “Anti-Ego-Schirm” zu erbitten.  

Der Schirm ist nicht dazu da, die Scham zu unterdrücken, sondern um die Eigenschaften vom Empfangenden zum Gebenden zu verändern. Solange dies nicht geschieht, ist der Mensch bereit, die Scham zu ertragen, denn nur sie öffnet sein Herz und lässt die ganze Wahrheit ans Licht treten.  

Deshalb ist die Verschmelzung mit der Scham untrennbar mit der Korrektur verbunden. Der Mensch sollte keine Angst vor Scham haben, sondern versuchen, sie besser zu spüren und zu verstehen. Das Wichtigste ist, darüber hinauszuwachsen, um mit dieser Eigenschaft zu arbeiten, denn sie führt uns letztlich zur vollständigen Korrektur.

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Aus dem Unterricht zu „Die Gabe der Tora“

 

Enzyklopädie der Scham

„Einer, der isst, was nicht Seines ist, fürchtet sich, einem ins Gesicht zu schauen“. Das meint, dass jeder, der die Früchte der Arbeit von anderen verzehrt, sich fürchtet (schämt), seine eigene Gestalt anzuschauen, denn seine Gestalt ist unmenschlich. (Baal HaSulam, „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen“.)

In uns steckt die Eigenschaft der Scham sehr tief und ist ausgeprägt verankert. Wir haben verzweifelte Angst davor, sie zu offenbaren, denn die Scham steht im Konflikt mit unserem Ich, sie verwandelt uns in ein Nichts.

Wenn ich Scham empfinde, die mich in ihrer ganzen Größe durchdringt, dann annulliere ich mich. Diese Reaktion entspringt aus einer höheren Wurzel, aus meiner Gegensätzlichkeit zum Schöpfer, aus einem Verlangen zu empfangen, das dem Licht entgegengesetzt ist. Das Verlangen erkennt, wie sehr es dem Licht in seinen Eigenschaften, in seiner Größe entgegengesetzt ist und empfindet diesen Abgrund als Scham.

Dann ist es bereit, sich zu annullieren, auf seine Existenz zu verzichten- nur um diesen Abgrund nicht mehr zu fühlen. Das ist es, was es dazu bringt, eine Einschränkung vorzunehmen, d.h. sich zu annullieren. Um die Scham loszuwerden, bin ich bereit, ins Nichts zurückzukehren, aus dem ich entstanden bin. Manchmal manifestiert sich ein Körnchen dieses spirituellen Gefühls in uns.

Warum also ist Scham notwendig? Sie hilft uns, zur Anhaftung, zur völligen Übereinstimmung mit dem Schöpfer zu gelangen. Die Scham entspringt der offenbarten Gegensätzlichkeit zwischen uns und dem Schöpfer und hilft uns, diesen Abgrund zu überwinden.

Das bedeutet: Wenn ich mich entwickeln will, muss ich das Gefühl der Scham ständig vertiefen – das heißt, den Abgrund zwischen mir und dem Schöpfer schärfer empfinden –, um mich dadurch genau und sicher voran zu bewegen. Sagen wir, heute schäme ich mich, als hätte ich einen Dollar von Ihm gestohlen. Morgen werden es bereits zwei Dollar sein, übermorgen drei…

Indem ich meine Gegensätzlichkeit hervorhebe und betone, korrigiere ich sie und schreite voran.

So ist die Scham die vordringlichste Empfindung, die mich buchstäblich mit dem Schöpfer „kurzschließt“. Wenn ich die Scham durch Geben korrigiere und mich kontinuierlich über sie erhebe, gelange ich zur Anhaftung. Deshalb ist es gerade die „Anhaftung“, die unseren endgültigen Zustand definiert.

Scham ist ein eigenständiges Geschöpf. Es reicht nicht zwei Verlangen zu haben: Empfangen und Geben, denn dann würde eine direkte Füllung genügen: Der eine gibt, der andere empfängt – es gäbe keine Probleme. Der Schöpfer möchte, dass das Geschöpf ihm ähnlich wird, so hat Er in der Schöpfung dieses besondere Gefühl namens „Scham“ geschaffen, das uns ständig reizt und innerlich aufrüttelt.

Wenn man einem Hund einen Knochen hinwirft, stürzt er sich freudig und ohne jede Scham darauf und beginnt darauf herumzukauen. Der Mensch aber, sofern er sich nicht auf dem Niveau eines Tieres befindet, wird ständig von der Scham angespornt. Was zwingt einen, in diesem Haus zu wohnen, solche Kleidung zu tragen, zur Arbeit zu gehen, eine Familie zu gründen, sich „kulturell zu bespassen“ und so weiter? Das ist die Scham. Was würden sonst die anderen sagen?

Es gibt eine Scham, die mein spirituelles Vorankommen behindert: „Was werden die anderen denken?“ Es gibt noch eine andere Scham – die, gegenüber dem Schöpfer. Wenn ich diese Scham stärke, rückt das Unbehagen gegenüber den anderen in den Hintergrund: „Sollen sie doch reden, sollen sie denken, was sie wollen.“ Ich bin bereit, mich für meine kindliche Unbeholfenheit vor den Menschen zu schämen- wenn mir das nur helfen würde, die wahre Scham vor dem Schöpfer zu empfinden und ich mich in die richtige Richtung bewegen würde.

Scham ist ein Punkt meines Selbst, sein Abbild. In meiner Beziehung zu meiner Umgebung kann mein Egoismus Schaden nehmen, doch in der Beziehung zum Schöpfer geht es um tiefere, ursprüngliche Gegensätze von Eigenschaften.

Die Scham ist als etwas Eigenständiges erschaffen worden- geschaffen, sie existiert nicht in der unbelebten, pflanzlichen oder tierischen Natur, sie ist nur dem Menschen eigen und wird dort entsprechend dem Niveau des Verlangens unterteilt.

Die Scham ist die Ursache der ersten Einschränkung, die Ursache aller Entwicklung. In der Welt der Unendlichkeit war Malchut von Licht erfüllt und mit dem Schöpfer verschmolzen. Es fehlte ihr nur eines – sich von dem Gegensatz des Schöpfers zu befreien. Das ist der Punkt der Scham.

Welchen Unterschied macht das? Vor dir steht ein königlich gedeckter Tisch mit allen Köstlichkeiten gedeckt und der Hausherr stellt dir seinen ganzen Palast, all seine Güter zur Verfügung:

„Alles, was ich habe, gehört dir. Was fehlt dir noch? Willst du nicht Gast im Hause des Gastgebers sein? Gut, dann bin ich nicht mehr der Gastgeber.“

Aber der Gast ist immer noch nicht zufrieden:

„Nicht ich habe das alles gemacht, sondern Du. Ich bin zu einem gedeckten Tisch gekommen.“

„Du willst also wie ich werden- Existierendes aus Existierendem??

Hier berühren wir einen sehr subtilen Punkt, einen Punkt, der so hoch ist, dass niemand weiß, wohin er letztlich führt- nach Zehntausend Jahren, nach dem Ende der vollständigen Korrektur…

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Aus dem Unterricht nach dem Artikel: „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen.“

Wenn kein Verlangen besteht

Frage: Ist es gut oder schlecht, wenn der Mensch ohne ein Verlangen durch Überwindung lernt?  

Antwort: Es ist gut. Das bedeutet, dass das Ziel erhabener ist, als das eigene, kleine, egoistische Verlangen. Das heißt, man setzt Kräfte ein, um das Ziel zu erreichen. Wenn man ohne Überwindung lernt, stellt sich die Frage, wo die eigene Anstrengung bleibt. Noch problematischer ist es, wenn man Freude beim Lernen empfindet.

Am besten ist es, wenn kein Wunsch besteht und man wie tot die Gruppe darum bittet, irgendeine Gelegenheit zu bekommen, um die Bedeutung des Ziels zu erkennen. Indem man sich vor den Freunden annulliert und alles für sie tut, um die Wichtigkeit des Ziels zu erfahren, wird man durch ihre Inspiration motiviert, in der Früh zum Unterricht zu kommen- das ist das Beste.  

Frage: Bedeutet das, wenn ein Schüler zu Ihnen kommt und sagt: „Was soll ich tun? Ich kann nicht mehr, wie soll ich weiterleben?“ – Ist das der beste Zustand?

Antwort: Ja. Dann sage ich ihm: „Herzlichen Glückwunsch! „Du erkennst, dass du nur ein Tier bist, das nach tierischer Befriedigung strebt und nichts anderes.” 

Frage: Bedeutet das, dass das Lernen mit Freude nur die Anfangsphase ist, wenn man noch nichts erreicht hat?  

Antwort: Das Wichtigste ist die Verbindung mit der Gruppe, mit den Freunden. Denn dadurch empfängt man von ihnen ein zusätzliches Verlangen und steigt höher auf.

Frage: Und wenn man die erste spirituelle Stufe – den Machsom – überschritten hat, ändert sich dann die Wahrnehmung seiner Ablehnung?

Antwort: Wenn der Mensch den Machsom überschritten hat, wirken auf ihn ganz andere Kräfte, andere Berechnungen.  

Frage: Es ist also so, dass vor der endgültigen Korrektur immer eine Art Hinterlist gegen die eigene Natur stattfindet?  

Antwort: Ja, genau. Sonst kann der Mensch, wenn er nicht immer weiter seinen Egoismus offenbart und ihn gleichzeitig korrigiert, um darüber aufzusteigen, nicht vorankommen.

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Aus der Fernsehsendung „Mein Telefon klingelte. Wenn kein Verlangen besteht“

 

Das Fest Schawuot naht

Und siehe, das Schawuot-Fest naht – die Zeit der Gabe unserer Tora. Das bedeutet, dass der Schöpfer sich im Herzen des Menschen kleidet, das heißt, dass sich die Tora im Herzen jedes Einzelnen aus dem Volk Israel kleidet.Rabash, Brief 52

Die Tora kleidet sich ins Herz des Menschen, das heißt, der Mensch spürt in diesen Tagen eine Verbindung mit dem Schöpfer, wie er sie an keinem anderen Tag, zu keiner anderen Zeit, gespürt hat. In diesen Tagen nähert sich der Schöpfer Seinem Volk, und alle empfinden, dass dies ein Feiertag ist.

Und wenn wir diesen Feiertag nicht empfinden, dann sollten wir unser Herz öffnen und in es hineinlassen, was in diesen Tagen erfassbar ist – um zu spüren, dass der Schöpfer innerhalb Seines Volkes weilt. Wenn das Fest nur schwach empfunden wird, sollte man überprüfen, was uns in der Vorbereitung darauf fehlt – also in der Bereitschaft, die Tora zu empfangen.

Wenn die Tora sich ins Herz kleidet und der Mensch das Licht der Tora im Herzen spürt, beginnt er, die Tora entsprechend diesem „Kleid“ auszuführen. Das heißt, der Wille des Schöpfers tritt ins Herz des Menschen ein, und nun verpflichtet ihn das Herz selbst, die Tora mit Liebe und Freude zu erfüllen.

Wenn wir uns an allen Tagen von Pessach bis Schawuot auf den Empfang der Tora vorbereiten, dann werden wir an diesem Feiertag bereit sein, sie zu empfangen. Anfänglich ist das Herz des Menschen egoistisch, doch es verändert sich durch die Zustände, die man durchläuft, und nähert sich schließlich dem an, was der Schöpfer von ihm verlangt. Und das bedeutet, dass sich die Tora im Herzen des Menschen kleidet.

Ein Zeichen dafür, dass der Mensch bereit ist, die Tora zu empfangen, ist seine Zustimmung, sein Herz zu öffnen und all das Licht, das zu ihm kommt, in sich aufzunehmen – um zu empfinden, dass der Schöpfer in seinem Herzen Wohnung genommen hat.

Es heißt, dass als das Volk sich am Fuße des Berges Sinai versammelte, der Schöpfer ihnen eine Bedingung stellte: Entweder ihr empfangt die Tora, oder dies wird euer Grab. Das heißt, es wird eine Bedingung gestellt: Entweder man haftet sich an den Schöpfer an – oder man verbleibt in Trennung. Die Zeit der Wahl ist gekommen. Und wir wählen die Einheit, die Verbindung – und durch diese Entscheidung beginnt das Fest!

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Aus dem Unterricht über den Artikel „Die Gabe der Tora“, 01.06.2025