Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Kräfte'

Das System der gegenseitigen Fürsorge ist der Schlüssel zum Erfolg

Frage: Wie kann man sich davor schützen, sich mit den äußeren Handlungen zufrieden zu geben?

Meine Antwort: Wenn der Mensch weiß, dass nur die Absicht zum Erreichen des Ziels, welches er ständig für sich klärt, ihn der Spiritualität näher bringt, dann nimmt er die Handlungen nicht als das Wichtigste wahr. Die Absicht ist jenes Kli, in welches er die Belohnung empfängt, deshalb finden alle Klärungen in der Absicht statt. Handlungen ohne Absicht werden überhaupt nicht berücksichtigt.

Es kann sein, dass der Mensch dem Schöpfer Genuss bereitet, jedoch mit der Absicht, den Genuss für sich selbst zu empfangen. Das ist die größte unreine Kraft/Klipa. Einer größeren Stufe des Gebens steht eine größere Klipa entgegen: es ist die gleiche Handlung, doch die Absicht ist entgegengesetzt.

Von außen kann man das nicht erkennen – der Mensch strebt scheinbar der Spiritualität entgegen. Der Pharao, der sich in ihm befindet, – das Verlangen zu empfangen – führt alle Anweisungen des Schöpfers genauestens aus. Der Mensch handelt entsprechend seinem Verlangen und mobilisiert alle Kräfte, jedoch damit es ihm selbst gut geht. Er denkt ständig an den Schöpfer, weil das die Quelle des Genusses ist, und versucht alles für diese Quelle um des eigenen Wohls willen zu tun. Das wird als Pharao, als Todesengel bezeichnet.

Wie in jedem anderen Fall können allein eine klare Vorstellung von dem Ziel und die gegenseitige Unterstützung davor bewahren. Ohne Zusammenwirken gibt es keine Chance, nicht von dem Weg abzukommen und nicht abzustürzen. Die heutige Generation gehört zur Generation der Korrektur, und deren Erfolg hängt nur von der gegenseitigen Unterstützung ab: die Korrektur findet mit Hilfe der Bürgschaft und der gegenseitigen Fürsorge statt. Es gibt keine andere Quelle, aus der die richtige Energie und die richtige Ausrichtung geschöpft werden können.

Und das ist gut, denn damit kann man sich immer beschäftigen, indem man nach einer noch engeren Vereinigung verlangt. Und wenn wir spüren, dass sie nicht echt ist, sondern nur äußerlich, dann ist es ebenfalls gut. Ein solcher Weg ist leichter als ein individueller, obwohl jeder von jedem abhängt. Nur ein gemeinsames Streben nach der Vereinigung und die Annullierung eines jeden hinsichtlich der höheren Stufe – des Lehrers, der Gruppe und der Bücher – können vor der Selbstzufriedenheit bewahren.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 31.12.2010

Alles kommt vom Schöpfer

Rabash, Shlavey haSulam, 1990, Artikel 7, „Mensch und Tier“: Der Schöpfer schickt dem Menschen ein Geschenk – einen „Armen“, d.h., Armut des Verstandes, wenn der Körper nicht versteht, wie er zum Wohl des Schöpfers arbeiten kann. Denn das ist gegen die Natur.

Dann erkennt der Mensch, dass er nicht nur im Verstand, sondern auch in den Taten arm ist: keine einzige Tat führt er zum Wohl des Schöpfers aus, sondern alles nur zu seinem eigenen Nutzen.

Frage: Bleibt das Gefühl der Armut für immer, bis zum Ende der Korrektur, bestehen?

Meine Antwort: Offensichtlich wächst es auch noch jedes Mal.

Hier gibt es aber folgendes Problem. Nehmen wir an, ich fühle mich leer und habe zu nichts Lust. Ich gebe mich zufrieden mit diesem Zustand, ich bin in ihm „begraben“ und finde keine Kraft zum Vorankommen. Und eigentlich tut es mir auch nicht so sehr weh.

Vielleicht „schmerzt“ es aber bereits ein wenig und ich versuche, etwas dagegen zu unternehmen.

Es kann aber auch sein, dass ich die Situation nicht als Bestrafung von oben, als Hindernis, welches ich überwinden muss, wahrnehme, sondern nehme diese Dinge als neue Kelim an.

Das ist ein sehr wichtiger Moment. Wenn ich diesen Zustand als eine „Belastung des Herzens“ ansehe, fällt es mir schwer, aus ihm herauszukommen, ich weiß nicht, was ich tun soll und warum es mich überhaupt trifft.

Andererseits kann ich diesen Zustand mit Freude enthüllen, als ein Sprungbrett zu einer neuen Erkenntnis. In die mich bedrückende Schwere hat der Schöpfer sich selbst eingebracht: „Du willst Mich erkennen? Bitte schön“. Selbstverständliche stehe ich vor etwas mir noch Unbekanntem – ich nehme aber bereits einen Durchbruch vorweg.

Die Wissenschaft der Kabbala unterscheidet sich sehr von allen Herangehensweisen, die der Mensch für sich ausgearbeitet hat. In der Kabbala lernen wir uns gegenüber zwei Seiten einer Medaille richtig, also gleich zu verhalten: gegenüber dem „Engel des Lebens“ und dem „Todesengel“, dem Schöpfer und dem Satan, dem Licht und der Finsternis. Denn alles kommt vom Schöpfer, es gibt nichts außer Ihm.

In keiner einzigen Handlung kann eine direkte oder eine indirekter Einwirkung erkannt werden – alles kommt von Ihm, und alles ist auf die Korrektur gerichtet. Allein unsere Wahrnehmung verleiht diesem „Strom“ eine direkte oder eine indirekte Form. Jedoch muss der Mensch in jedem Zustand zu sich selbst sagen, dass dieser eindeutig vom Schöpfer kommt.

Die Menschheit, die von der Finsternis umgeben ist, hat einige Informationen der Wissenschaft der Kabbala entnommen und angefangen, die Einheit in „Gut“ und „Böse“ aufzuteilen, eine Grenze zwischen der Finsternis und dem Licht, dem Schöpfer und dem Satan zu ziehen. Auf diese Weise sind Mythen über den Kampf zwischen den „guten“ und den „bösen“ Kräften entstanden. Hier muss der Mensch in erster Linie begreifen, dass es außen nichts gibt – alles geschieht in seinem Inneren.

Und zweitens, dass es keinen Unterschied zwischen „Gut“ und „Böse“ gibt. Das Gesamtbild wird nur im Zerrspiegel meines Egoismus gebrochen und zweigeteilt. Doch in Wirklichkeit kann das, was mir als Böse vorkommt, was ich als „Schmutz“ bezeichne, Licht sein.

Auf welcher Grundlage bilde ich meine Meinung? Wenn ich mich bereits im Licht befinde und die herannahende Finsternis erkenne, dann kann ich das behaupten.

Doch eigentlich gibt es in der spirituellen Arbeit eines Menschen keine Situationen, in denen er irgendwelche Eigenschaften, Kräfte oder Handlungen nicht auf den Schöpfer beziehen sollte.

Uns obliegt nur eins: die Details unseres unausgeglichenen Bildes richtig zusammenzusuchen und zusammenzusetzen, um die Einheit zwischen Israel, der Tora und dem Schöpfer und das Prinzip „Es gibt nichts außer Ihm“ zu erreichen. Dadurch ergänzen wir uns selbst in jedem Augenblick und in jedem Zustand zu dem, was wir diesmal vom Schöpfer erhalten haben.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 09.02.2011

Die gekränkte Ehre

Frage: Manchmal kommt es im Leben vor, dass mich jemand beleidigt und ich mich sehr gekränkt und demütigt fühle. Wie ist die genaue Reihenfolge der Analyse einer solchen Situation?

Meine Antwort: In unserem jetzigen Zustand können wir keinen richtigen Bezug zu der Realität herstellen. Wir haben uns auf halbem Wege zwischen Himmel und Erde verirrt. Ich habe den Schöpfer noch nicht enthüllt, befinde mich aber nicht mehr in der vollkommenen Verhüllung. Alle möglichen Weisheiten – Zitate, Sprüche, Wissensfetzen – nehme ich als Enthüllung wahr, doch dem ist nicht so. Alles ist in mir durcheinander geraten.

Darum schreibt Baal HaSulam in der Einführung zu TES, dass der Mensch in diesen Jahren seine Entwicklung maximal vorantreiben muss. Denn es geht um die Zeit eines großen Durcheinanders, wenn ich die Wahrheit nicht begreifen kann, aber mit der Lüge nicht mehr einverstanden bin. Mich schleudert es einfach von einer Seite zur anderen.

Einerseits gibt es niemanden außer dem Schöpfer. Ich stehe vor Ihm. Wie soll ich die Realität wahrnehmen, wenn um mich herum nur Er ist? Und wo bin ich selbst? Wenn Er mich angeschrien hat, soll ich Ihn daraufhin ebenfalls anschreien? Aber das ist doch der Schöpfer. Also muss ich mich ständig zurückhalten? Vollkommene Ergebenheit demonstrieren, sogar unter Androhung des Todes? Auch solche Ansichten sind verbreitet.

In Wirklichkeit können wir in solchen Fällen nicht viel empfehlen. Denn der Mensch wird jede Sekunde Veränderungen unterzogen.

Aus diesem Grund schreiben uns die Kabbalisten einen bestimmten Handlungsablauf vor, der durch die Verhüllung bedingt ist. Warum geben sie uns diese Ratschläge? Weil wir dem Einfluss zweier Kräfte unterliegen. Der Schöpfer hat nicht den einfachsten Zustand erschaffen, in dem ich vor Ihm stehe und Ihn enthülle, ohne mich von irgendetwas ablenken zu lassen. Wer bin „ich“? Mein Ich sind die Kräfte der Absonderung und der Trennung vom Schöpfer. Dabei stellen sich diese Kräfte mir als ich selbst und als etwas außerhalb von mir dar, aber nicht als Schöpfer. Und der Schöpfer ist für mich ein Ideal, unsichtbar und ungreifbar.

Die trennenden Kräfte verhüllen Ihn vor mir, und ich muss sie zu einem Ganzen vereinen. Diese Kräfte trennen, entfernen mich vom Schöpfer, verdecken Ihn vor mir. Sie werden in zwei Welten unterteilt: die innere und die äußere. Im Grunde genommen gehören sie zur gleichen Natur der Trennung, des egoistischen Verlangens, doch mir kommen sie geteilt und gegensätzlich vor.

Ich muss sie also miteinander verbinden und gerade in diesen Kräften die Trennung erkennen. Während ich die Handlung, den Gedanken, das Verlangen und alles um mich herum betrachte, vereine ich das Innere und das Äußere – nur um die Einheit zu erreichen. Und in diesem Fall, wenn ich dazu in der Lage bin, mache ich keine Fehler.

Hier müssen wir nur ein einziges Prinzip anwenden: „Der Mensch urteilt entsprechend dem, was er sieht“. Ich versuche nicht, den Alleinigen, der vor mir verborgen ist, zu erreichen. Doch sobald ich alle Kräfte – meine und die der Anderen – zu einem Ganzen vereint habe, enthülle ich im Inneren den alleinigen Schöpfer.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 10.02.2011

Die Bitte ist nicht ehrlich, die Antwort aber echt

Wenn der Punkt im Herzen uns in die Gruppe geführt hat, beginnen wir, alle möglichen Handlungen auszuführen, noch ohne zu wissen, was, wie und wofür. Wir haben noch keine Absicht zu geben (liShma) und kein Bedürfnis danach.

Das ist die unbelebte Stufe der Umsetzung: wir haben uns bereits einem gewissen Prozess angeschlossen, eilen jedoch noch nicht dem Ziel entgegen, wir sind dazu noch nicht in der Lage. Wir entwickeln uns ähnlich der unbelebten Natur – unter der Einwirkung der Umgebung und ausschließlich in Übereinstimmung mit ihr, ohne unsere eigenen Kräfte einzusetzen.

Diese Phase in der Absicht lo liShma wird in Etappen unterteilt. Während sich der Mensch von der spirituell unbelebten Natur erhebt, beginnt er zu verstehen, dass alles anders sein soll: „Wo ist mein freier Wille? Was wird aus mir?“ Er macht einfache, überlegte, praktische Schritte und erkennt, dass er Teil eines besonderen Prozesses werden kann, der ihm erlauben wird, über das höhere System das Tempo und die Form seiner Entwicklung zu bestimmen.

Wie? Der Mensch glaubt, dass er, indem er Anstrengungen während des Studiums unternimmt, das Licht, das zur Quelle zurückführt, anziehen wird. Er widmet sein Leben der Erreichung des spirituellen Ziels und arbeitet in der Gruppe, studiert, verbreitet und strebt dabei nach der Erlangung der Eigenschaft des Gebens, der Absicht liShma, der Nächstenliebe.

Selbst wenn es noch ein falsches, künstliches Verlangen sein soll, zieht der Mensch dennoch das Licht dadurch an. Das System der Verbindung ist so aufgebaut, dass selbst unechte Aufrufe und Absichten das Licht dennoch in Bewegung setzen.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 07.02.2011

Wie können wir unser Schicksal beeinflussen?

Auszug aus der 5. Kongresslektion in Berlin

In der Wissenschaft der Kabbala studieren wir die Höhere Welt, wie das Universum aufgebaut ist und welche Kräfte in unsere Welt herabsteigen. In der Höheren Welt existieren Kräfte, und in unserer Welt existieren alle möglichen Objekte, die der Einwirkung dieser Kräfte unterliegen und als deren Auswirkung entstehen.

Die höheren Kräfte werden als „Wurzeln“ und die unteren (jene, die es in unserer Welt gibt) als „Auswirkungen“ bezeichnet. Es gibt keine Welt, die tiefer und schlechter als unsere ist – und das ist schon mal nicht schlecht…

Und alles, was mit uns geschieht, geschieht unter Einwirkung der Kräfte, die zu uns aus der Höheren Welt, aus den Wurzeln herabsteigen.

Es gibt nichts in unserer Welt, was nicht von oben herabgestiegen wäre. Deshalb macht es keinen Sinn, jemanden – einander, Völker, den Staat, die Natur – für etwas zu beschuldigen, all das wird von den höheren Kräften von oben nach unten gesteuert. Und wenn wir dieses ganze Bild nüchtern, real betrachten, werden wir sehen, dass alles von oben herabsteigt.

Das heißt, jedes Problem von uns, egal welches, wird nur dann gelöst, wenn wir zur Ebene dieser höheren Kräfte aufsteigen und sie dort beeinflussen. Dadurch werden wir eine andere Einwirkung auf uns hervorrufen. Das heißt, wir werden nicht mehr von den primären Kräften beeinflusst, sondern von irgendwelchen Auswirkungen davon und von der durch uns ausgelösten Einwirkung. Nur auf diese Weise und auf keine andere werden wir Veränderungen in dieser Welt erzielen können.

Wir haben jahrtausendelang versucht, unser Schicksal durch alle möglichen Methoden und Praktiken zu beeinflussen. Und wir sehen, dass es zu nichts führt. Wir können uns nicht an den Schöpfer wenden – Er hört uns nicht (derjenige, den wir uns unter dem Schöpfer vorstellen). Und alle unseren Handlungen in dieser Welt führen ehe zu gar nichts. Im Endeffekt kommt alles dennoch so, wie es kommen soll.

Wir, die bereits genug Jahre auf dieser Welt verbracht haben, können uns das alles wunderbar vorstellen und deshalb auch der Wissenschaft der Kabbala recht geben, die davon spricht, dass es auf der Ebene unserer Welt keine Lösung gibt. Die Ebene der Entscheidungsfindung ist die Höhere Welt.

Aus diesem Grund bekommen wir gerade in der heutigen Zeit, in der die Menschheit real vor einem ernsthaften Problem steht, indem sie eine gemeinsame, globale Krise erreicht hat, und alles, was mit uns unten geschieht, bereits in ein solches gemeinsame Bild involviert ist, eine Möglichkeit zusammenzukommen und Einfluss auf all diese gemeinsamen Kräfte zu nehmen. Im Prinzip müssen wir aber nur eine von ihnen beeinflussen, denn es gibt nur eine Höhere Kraft, die einfach in mehrere einzelne Unterkräfte, die auf uns einwirken, unterteilt ist.

Auszug aus der 5. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

Wo beginnt der Mensch?

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin

In jedem Menschen entstehen Verlangen, und er versucht, sie zu erfüllen. Andererseits gibt es Menschen, die diesen widersprechen bzw. widerstehen. Auch das wird vom Schöpfer gesteuert. Wir werden von Ihm wie Schachfiguren bewegt.

Wir verfügen über keinen freien Willen, deshalb hat es keinen Sinn, den Menschen als gut oder als schlecht zu beurteilen. Und er sollte auch keine Folgen oder keine Reaktionen auf seine Handlungen erwarten: weder Himmel noch Hölle, noch Sonstiges. Wie es in dem Buch Sohar geschrieben steht: „Wir alle sind den Tieren ähnlich“.

In der Tat, worin besteht dein freier Wille? Selbst wenn es in dir eine Illusion dessen entsteht, geschieht es nur, weil dir nicht klar ist, was genau du willst. Der Schöpfer gibt dir absichtlich solche Anweisungen, solche lenkenden Signale, die einen Anschein von freien Handlungen entstehen lassen, aber auch nicht mehr.

Deswegen bedeutet die Erkenntnis dessen, dass „es niemanden außer Ihm gibt“, in erster Linie die Erkenntnis dessen, dass wir alle Rädchen in einem gewaltigen Getriebe sind.

Wo beginnt nun der Mensch? Der Mensch beginnt mit dem freien Willen. Und um diesen zu erlangen, muss er sich bis dahin entwickeln. Deshalb entwickelt er sich zuerst im Laufe der Jahrtausende in seinem Egoismus, der von oben von dem Schöpfer gesteuert wird, später erwacht in ihm der „Punkt im Herzen“. Mit anderen Worten: es entsteht ein weiteres Verlangen, ein zusätzliches, eins, das allen anderen entgegengesetzt ist. Es zerbricht den Menschen in Einzelteile, es quält und lähmt ihn.

Natürlich kommt dieses Verlangen ebenfalls vom Schöpfer. Es kann von nirgendwo sonst herkommen, es entsteht nicht einfach aus der Luft. Denn der Mensch ist eine Schöpfung. Deshalb macht uns der Punkt im Herzen noch lange nicht frei – frei vom Schöpfer.

Wovon kann er sonst „frei“ sein? Wenn es nur eine einzige Kraft gibt, die alle von oben steuert, kann mein freier Wille nur darin bestehen, diese Kraft neutralisieren zu können.

Wie kann ich das erreichen? Mehr noch: angenommen, ich habe diese Kraft neutralisiert, was wird dann aus mir? Über welche Kräfte, über welchen Verstand werde ich dann verfügen? Wie werde ich dann wählen können? Wodurch werde ich vorangetrieben? Es ist vollkommen unklar. Wenn es zwei Kräfte gäbe, würde ich zwischen ihnen wählen können. Wenn es aber nur eine Kraft gibt, dann gibt es keinen freien Willen? Wozu ist dann alles erschaffen worden? Um diesen Ameisenhaufen zu steuern?

Nein, es gibt jedoch einen Sinn. Er besteht darin, die Schöpfung, also den Menschen zwei entgegengesetzte Kräfte beherrschen zu lassen, damit er, indem er zwischen ihnen wechselt, ein Beispiel am Schöpfer nimmt, sich Seine Eigenschaften aneignet, eine Kopie von Ihm für sich zieht. Schritt für Schritt, Eigenschaft für Eigenschaft überträgt er allmählich immer mehr Informationen vom Schöpfer auf sich selbst und kann letztendlich vollkommen dem Schöpfer ähnlich werden.

Dann beginnt der Mensch in dem Ausmaß seiner Ähnlichkeit mit dem Schöpfer sich selbst so zu steuern, wie der Schöpfer ihn steuern würde. Und sogar viel besser.

Denn es offenbart sich in ihm ein absichtlich erschaffenes Verlangen: er will dem Schöpfer entgegengesetzt sein. Doch stattdessen beginnt er, indem er das Programm, die Methode der Lenkung vom Schöpfer übernimmt, entgegen seinem Egoismus sich selbst richtig zu lenken.

Also hat der Schöpfer den Menschen böse erschaffen. So steht es auch geschrieben: „Ich habe das Böse erschaffen. Gleichzeitig habe Ich dir die Methode gegeben, dieses Böse zum Guten zu korrigieren. Dann wirst du Mir ähnlich und frei, indem du selbständig alle Handlungen an dir selbst vornimmst.

Du hast zwei Zügel in der Hand: deine verdorbene egoistische Natur und deine gute altruistische Natur. Nimm das an, ziehe eine Kopie von Mir und kleide dich in diese ein. Dann wirst du Adam heißen, was von „dome“ – dem Schöpfer ähnlich – kommt.

Wir haben also eine Möglichkeit, uns der Höheren Lenkung zu entziehen, keine Marionetten zu sein und nicht mehr zu sagen, dass „es niemanden außer Ihm gibt“. Es gibt noch eine Kraft außer Ihm – das ist die Kraft jenes Menschen, der eine Kopie vom Schöpfer zieht und alles an Seiner Stelle macht. Und darin besteht in Wirklichkeit die Freiheit des Willens, weil wir in diesem Fall mit zwei entgegengesetzten Eigenschaften der Schöpfung arbeiten: mit dem Egoismus und der Eigenschaft des Gebens.

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

Wer hilft mir?

Baal HaSulam, Shamati, „Es gibt nichts außer Ihm“: Nicht nur, dass der Mensch in seiner spirituellen Arbeit nicht fortschreitet, keinen Lichtblick vor sich sieht – es scheint sogar, als würde er sich zurück entwickeln , das heißt, er hat keine Kraft, den Willen des Schöpfers, der ihn vorwärts treibt, noch nicht einmal „für sich selbst“ (lo liShma) auszuführen.

Es entsteht kein echtes egoistisches Verlangen, welches in der Lage wäre, etwas zu überwinden. Es kommt eine Art Kraftlosigkeit, Gleichgültigkeit, Automatismus auf. Mag es gehen, wie es wolle – es wird mit dem Strom geschwommen. Ein bisschen besser – ein bisschen schlechter.

Und nur durch wahres Überwinden aller Hindernisse, durch den Glauben über dem Verstand, kann er sich vorwärts bewegen.

Was bedeutet „durch wahres Überwinden, durch den Glauben über dem Verstand“? Wenn der Mensch trotz seines Verlangens und seiner Gedanken, ohne auch nur im Geringsten dazu bereit zu sein, damit beginnt, sich mit dem Lehrer, mit der Gruppe , dem Studium und den Büchern zu verbinden. All das zusammen nennt man „Umfeld“ – „Umgebung“.

Doch auch in dem Fall, dass er beginnt, sich damit zu verbinden, wird er hin und her gerissen – in Bezug auf den Lehrer, auf die Gruppe, auf die Quellen und die Bücher. Mal will er – mal will er nicht, mal glaubt er – mal glaubt er nicht, mal hat er keine Lust mehr – mal zieht es ihn nach vorn usw.

Die Schwierigkeiten nehmen zu, und schon glaubt der Mensch, dass dieser Weg zu wenig Anziehendes, zu wenig Bemerkenswertes, zu wenig von dem hat, was vorwärts lockt. Hier gibt es keinen Funken, nichts, wofür es sich lohnen würde, sein Leben, seine Karriere oder seinen Erfolg zu opfern.

Im Endeffekt fällt der Mensch. Sein Abstieg ist ernsthaft, echt, tief und ziemlich lang anhaltend. Dadurch kommt er zum endgültigen Entschluss, dass weder die Gruppe, noch der Lehrer, noch die Bücher, noch die investierten Kräfte, also nichts auf der Welt ihm helfen kann, außer der einzigen lenkenden Kraft – der Schöpfer.

Wie oft ist der Mensch ab- und wieder aufgestiegen, welche Zustände sind durch ihn hindurchgegangen – und all das nur, damit er die vollkommene, absolute Abhängigkeit vom Schöpfer allein verspürt.

Könnt ihr Euch vorstellen, wie oft der Mensch von beiden Seiten geschlagen, geschüttelt, weggestoßen und angezogen werden muss, wie oft ihm die riesige Anzahl von Kräften und alle möglichen Ursachen für seine Zustände gezeigt werden müssen, um ihn letztendlich zu überzeugen, dass es nichts außer einer einzigen Kraft gibt. Wenn sie mir nicht hilft, hilft mir keiner. Nur sie kommt mir zur Hilfe, wenn ich danach verlange.

Und da bekommt der Mensch ein Bedürfnis danach, vom Schöpfer unbedingt Hilfe zu erhalten. Diese Forderung entsteht ebenfalls nicht einfach so, nicht augenblicklich, sie wächst im Menschen allmählich an, gewinnt an Klarheit, an Heftigkeit und Beharrlichkeit. Es ist mit einem Kind zu vergleichen, das um jeden Preis auf seinem Willen besteht: es verlangt nur nach dem Gewünschten und lässt sich von nichts Anderem überzeugen. Einen solchen Zustand müssen wir erreichen. Und in einem solchen Zustand hilft uns der Schöpfer wirklich.

Und nur einem, der sich tatsächlich dem Schöpfer nähern will, um sich nicht mit dem Wenigen zufrieden zu geben, das heißt, damit er nicht auf der Stufe eines kleinen, unvernünftigen Jungen bleibt, gibt man Hilfe von Oben, damit er nicht sagen kann, dass er nun „Gott sei Dank“ alles hat.

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

Sich verbinden und zu einem spirituellen Herzen werden

Frage: In Gedanken meint jeder von uns, dass er bereit und gewillt ist, sich mit allen anderen zu verbinden, doch wenn es soweit ist, dieses Verlangen zu realisieren, scheitern wir.

Meine Antwort: Ihr scheitert nur daran, dass jeder von Euch für sich allein dazu bereit ist, jedoch nicht alle zusammen.

Das ägyptische Exil unterscheidet sich von allen voran gegangenen. Warum war der Einzug nach Ägypten mit Hilfe von Josef möglich? Weil Josef (von „Osef“) Ansammlung von allen Kräften und Grundlagen ist.

Es ist unmöglich, das Böse zu enthüllen, selbst wenn alle damit einverstanden sind. Dazu ist die Erfüllung einer Bedingung notwendig: Bereitschaft zur Vereinigung. Noch bevor sie nach Ägypten kamen, haben Josefs Brüder ihn verkauft, sie wollten keine Vereinigung. Sie schienen gerecht zu sein, jeder von ihnen wollte dem Schöpfer dienen, doch sie wollten sich nicht verbinden. Sie wollten sich Josef, der als Grundlage gilt, nicht anschließen.

Und als sie in ihrer Ausweglosigkeit mit Hilfe von Josef nach Ägypten kamen, begannen sie zu enthüllen, wie sehr sie die Idee der Einheit hassen und ablehnen. Und das Exil selbst ist die Enthüllung des Hasses gegenüber der Vereinigung.

Und erst wenn dieser Hass sein volles Maß erreicht hat und seine Herrschaft über den Menschen zu spüren ist, sprich wenn er sich einerseits in der Gewalt des Pharao befindet und andererseits sehr darunter leidet und nicht in der Lage ist, etwas zu erreichen, erst dann geschieht der Durchbruch.

Doch all das geschieht durch die Anstrengung, sich zu verbinden, indem man sich über die eigene Weigerung, dies zu tun, erhebt. Dadurch wird das Exil überwunden. Wir jedoch scheinen an der Grenze zu Ägypten zu stehen und auf der Stelle zu treten.

Die Anstrengung, sich zu verbinden, äußert sich in der gemeinsamen inneren Fürsorge, wenn alle an unsere innere Verbindung denken und sich deswegen Sorgen machen. Dann werden wir spüren, dass es zwischen uns etwas gibt, was uns verbindet, und wir werden alle zu einem Herzen.

Und das ist bereits ein spirituelles Herz, ein spirituelles Verlangen, in dem wir mit dem Schöpfer verbunden sind und das Licht brauchen, welches uns so verbindet, dass wir aus dem gemeinsamen Verlangen heraus Handlungen des Gebens an den Schöpfer vollziehen werden.

Auszug aus dem Gespräch über die spirituelle Arbeit, 17.12.2010

Ein anderer Ausweg

Wir begehen unterwegs oft Fehler. Wir glauben, dass es noch andere Kräfte außer dem Schöpfer gibt, die uns helfen können. Plötzlich tauchen wir wieder in unseren Beruf oder in unsere Hobbys ein. Wir verzweifeln an der spirituellen Entwicklung und setzen unsere Hoffnung in uns selbst, in die Umgebung.

Wir sind von vielen Hindernissen umgeben, die uns vom Weg abbringen: ein bisschen Religiosität, ein bisschen Mystik, irgendwelche andere Methoden, unser Dasein erträglicher zu machen.

Doch all das ist vergänglich. Am Ende dieser Irrungen, die lange andauern können, kommt der Mensch dennoch an der gleichen Stelle an. Er begreift, dass er hier vor einer Mauer steht und unbedingt, um jeden Preis den Schöpfer enthüllen muss. Das Problem besteht hier nicht darin, dass er das nicht will…

Der höhere Zustand, zu dem der Mensch gelangen muss, ist ein besonderer Zustand. Ich muss mich nicht über den Egoismus erheben, damit es mir besser geht. Denn in diesem Fall entscheide ich mich einfach für einen besseren Zustand aus zwei möglichen, ich verfahre also nach dem alten egoistischen Prinzip. Und von dem Menschen wird verlangt, dass er anfängt, etwas Anderes zu wollen.

Baal HaSulam schreibt darüber in dem Artikel „Es gibt nichts außer Ihm“:

Wenn der Mensch irgendeinen Verstoß begangen hat, dann muss er natürlich bereuen und bedauern, dass er das Gesetz gebrochen hat. Und hier muss man auch die Reihenfolge von Bedauern und Schmerz ermitteln – in welchem Punkt er den Grund sieht, der ihn zum Verbrechen führte, und diesen Punkt soll er bedauern.

Dann muss der Mensch erkennen, dass er gesündigt hatte, weil der Schöpfer ihn zur Seite zurückwarf. Es stellt sich heraus, dass der Schöpfer derjenige war, der ihn in den Schmutz eintauchen lies.

Genauso muss der Mensch auch im Zustand des Aufstiegs klar erkennen, dass es nur aus dem Grund geschieht, weil das Licht ihn aufsteigen lässt.

Es liegt daran, dass der spirituelle Aufstieg in zwei Etappen vollzogen wird. In der ersten Etappe spürt der Mensch die völlige Abhängigkeit von der Höheren lenkenden Kraft. In der zweiten Etappe begreift er, dass das ganze Lenkende um ihn herum und das Lenkende in ihm drin die gleiche Kraft ist. Sowohl das Böse als auch das Gute ist diese Kraft. Es gibt keine Belohnung und keine Bestrafung. Und natürlich gibt es auch nichts, was vor ihm liegt, weil alles vorprogrammiert ist und er lediglich ein ausführendes Instrument in den Händen des Lichts ist.

Und anschließend erwacht in dem Menschen der Punkt im Herzen, mit dessen Hilfe er zu der Umgebung geführt wird. Die richtige Umgebung beinhaltet den Lehrer, die Bücher und die Gruppe. Während der Mensch versucht, nach den alten Regeln mit ihnen zu arbeiten, kann er dem schließlich dennoch nichts Spirituelles abgewinnen, denn er verbindet sich, vereint sich mit ihnen mit Hilfe des eigenen Egoismus.

Wozu sind diese ganzen Etappen notwendig? Denn es gibt noch viel mehr Etappen, die tiefer gehen und feiner sind. Sie alle dienen dazu, dem Menschen zu zeigen, dass es hier eines anderen Ausweges bedarf. Gehandelt werden muss nicht, damit es dir in deinem Egoismus besser geht, sondern damit du dich mit der für dich äußeren Umgebung, mit der für dich äußeren Kraft – mit dem Schöpfer – verbindest.

Auszug aus der 4. Kongresslektion in Berlin, 29.01.2011

125 Erkenntnisse der Vollkommenheit

Wir existieren in einer einzigen Realität, die vom Schöpfer erschaffen wurde, doch sie offenbart sich nur in dem Ausmaß, in welchem wir ihr in unseren Eigenschaften entsprechen und uns angleichen können. Die Realität selber ist gleichbleibend und unveränderbar, sie heißt die Welt der Unendlichkeit.

Und wir befinden uns im Verlangen zu Genießen, in der zur der Welt der Unendlichkeit entgegengesetzten Eigenschaft, in der Аbsicht zu empfangen, anstatt zu geben. Wir können uns korrigieren, wenn wir immer wieder die nachfolgenden Korrekturen ausführen, und so 125 mal. Jede von uns ausgeführte Korrektur formt in uns eine neue Erkenntnis, und so schreiten wir voran.

Das ist eine stufenweise Erkenntnis nach dem Gesetz der Gleichheit der Eigenschaften, und hier gibt es keine Kompromisse, denn wir befinden uns in einem System, welches selbst wie ein lebender Organismus handelt. Im Ausmaß deiner Übereinstimmung mit dem System, kannst du von ihm empfangen, und wenn du dich nicht in einer Übereinstimmung mit dem befindest, empfängst du entsprechend dieser mangelnden Übereinstimmung. Jedes Mal wirkst du zusammen mit der Natur, gemäß deiner Gleichheit und der Kraft der Eigenschaften, welche du ihr gegenüber einsetzt.

Wenn sich in unserem Inneren nichts ändern würde, würden wir uns die ganze Zeit in ein und demselben Zustand befinden. Aber da sich in uns unsere ständig wachsenden Eigenschaften, Informationsgene (Reshimot), die ganze Zeit verändern, werden wir der Natur gegenüber immer mehr entgegengesetzt. Gerade das empfinden wir, wie eine Ansammlung und Offenbarung von allen möglichen nicht befriedigten Verlangen und Problemen.

So empfinden wir die Kräfte, die von der Seite des Bösen immer Druck ausüben. Diese Kräfte werden uns unvermeidlich zwingen, uns dem Guten zu nähern, d. h. danach zu suchen, wie wir uns der Natur angleichen können.

Auszug aus einem Unterricht über den Artikel „Charakter der Wissenschaft der Kabbala“, 20.01.2011