Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Gedanken'

Die Einheit enthüllen

Wenn ich sage: „Es gibt niemanden außer Ihm“, dann bedeutet es, dass ich die Rolle, die ich in dieser Welt erfüllen muss, auf mich auferlege und nicht einfach mit dem Strom schwimme, indem ich einen Augenblick nach dem anderen durchlebe, nach dem Motto: komme was wolle.

Im Gegenteil: ich konzentriere meine Verlangen und Gedanken in jedem Augenblick darauf, meine Verbindung mit der Welt zu korrigieren, indem ich danach strebe, die einzige lenkende Kraft in ihr zu enthüllen. Diese Anstrengung von mir heißt: „Wenn nicht ich selbst mir helfe, wer hilft mir dann“.

Sagen wir, ich bin krank und gehe zum Arzt, doch dabei kümmere ich mich nicht einfach um die Gesundheit meines tierischen Körpers, sondern denke daran, dass ich dadurch alles an diese einzige Kraft anschließe. Denn sowohl der Arzt als auch das Heilmittel und ich selbst sind in ein gemeinsames System mit einbezogen. Der Arzt wird vom Schöpfer gelenkt, und auch das Heilmittel wurde dank Ihm entdeckt.

Mit anderen Worten: alles, was mir als getrennt voneinander existierend vorkommt: der Arzt, das Heilmittel, meine Krankheit, ich selbst – all das muss ich an eine einzige Quelle anschließen.

Und später, wenn ich geheilt bin, muss ich sagen, dass es von Anfang an alles eins war. Der Schöpfer hat einfach die ganzen Umstände so gelenkt, nur damit ich sie in mir verbinde und Seine Einheit für mich enthülle.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Brief von Baal HaSulam, 18.02.2011

Der Prozess hat begonnen

An den neuesten Ereignissen in der Welt sehen wir, wie die Massen in Bewegung gesetzt werden und zu Wellen anwachsen. In gleicher Weise macht ein großer Vogelschwarm in der Luft synchrone Bewegungen, als ob er von einem gemeinsamen Gedanken zusammengeschweißt wurde.

Daher werden die Massen in der Welt eine zunehmende Einheit demonstrieren und eine vereinte Kraft wird plötzlich in ihnen auftauchen. Die Menschen werden nicht mal verstehen, warum das geschieht. Fakt ist, dass sie die Fähigkeit erhalten, sich in Erwartung der Korrektur der Welt, mehr als zuvor zu vereinen. Genau wie Vögel werden sie synchrone Handlungen machen, ohne den Grund dafür zu erkennen. Sie tun es durch die inneren Befehle der Natur.

Dann werden wir tausende und hunderttausende von Menschen sehen, die sich auf den Straßen vereinen und irgendwo hingehen. Das wird plötzlich geschehen, scheinbar ohne jeden Grund, ohne eine anfängliche Vorbereitung von einigen Monaten. Ihre Wellen werden überall auf der Welt, von einem Ort zum anderen rollen.

Heute sehen wir schon, wie das geschieht und wie das von einem Land ans andere, wie ein Virus, weitergegeben wird. Dies sind äußere Zeichen eines inneren Phänomens: Diese Massen erheben sich, um sich durch Vereinigung und gemeinsame Handlungen zu korrigieren.

Auf diese Weise wird diese gemeinsame Anstrengung allmählich organisierter und bestimmter. Offensichtlich verstehen die Menschen das Wesen und die Ursache dessen nicht, was geschieht. Sie schreiben das Verlangen, das in ihnen erwacht, äußeren Faktoren zu, doch das ist nur eine Augenbinde, sodass die Menschen nicht erkennen können, was tatsächlich geschieht. In der Zwischenzeit entwickelt sich ihr Verlangen nach Genuss, geht durch die verschiedenen Phasen seiner Entwicklung: unbelebt, pflanzlich, tierisch und menschlich.

Und dieser Prozess geschieht nicht nur in Einzelnen, sondern in einer großen Masse von Menschen.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Schriften von Rabash

Wo ist das Ergebnis?

Frage: Gestern habe ich den ganzen Tag darüber nachgedacht, dass das Weltkli sich auf das Ziel ausrichten soll. Hat es geholfen, die Bürgschaft zwischen uns zu stärken?

Meine Antwort: Wir können die Ergebnisse unserer zufälligen, momentanen Handlungen nicht sehen. Alles, was wir tun, wird von dem Gesamtsystem „absorbiert“. Der Mensch muss viele Jahre arbeiten – und plötzlich erhält er das Ergebnis. Warum? Er hat Dinge korrigiert, die sehr weit von ihm entfernt sind, und dennoch gehören sie zu der gleichen Seele, zu seiner Seele. Und solange sie in ihrer unteren, in der tiefsten Schicht nicht korrigiert ist, wird er sie nicht im geringsten Maße wahrnehmen können.

Und darum bedarf es Zeit, bis alle Teile seiner Seele sich in seiner Wahrnehmung untereinander vereinen. Erst dann wird er sie als sein eigenes System empfinden können.

Gestern hast du den Gedanken an das Ziel nicht losgelassen und dennoch kein Ergebnis gespürt. Mehr noch: ein ganzer Monat solcher Überlegungen kann genau auf die gleiche Weise enden. Es kann aber auch sein, dass das richtige Ergebnis genau das Gefühl dessen Fehlens ist, welches in dir einen neuen, starken Impuls auslöst.

Wir müssen einfach arbeiten. Das Gesamtsystem ist groß und vor uns verborgen. Wir investieren unsere Anstrengungen darein, ohne zu wissen, mit welcher Geschwindigkeit sich das Ergebnis nähert und wie es sein wird – doch die Enthüllung kommt schlagartig!

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 02.03.2011

Jeder ist verantwortlich

Frage: Was bedeutet eine Gruppenvorbereitung auf den Unterricht und erweckt sie das umgebende Licht in einem größeren Maße?

Meine Antwort: Eine Gruppenvorbereitung verlangt von jedem, die Verantwortung für die ganze Gruppe zu übernehmen.

Was bedeutet das Prinzip „wenn nicht ich mir helfen werde, wer tut es dann“? Es bedeutet, dass ich für die Erweckung der Gruppe verantwortlich bin und somit mich selbst und die ganze Welt zur Seite der Rechtfertigung neige.

Ich sorge dafür, dass die Freunde das Ziel nicht einmal für einen Augenblick vergessen: Wozu sind wir hier? Welche Stufe müssen wir erreichen? Die Stufe des „Menschen“ (Adam), dem Schöpfer ähnlich. Das muss äußerst wichtig für uns sein – dann werden wir während des Unterrichts das Wichtigste nicht vergessen, und die unwesentlichen Gedanken werden uns noch nicht einmal für eine Sekunde aufsuchen.

Ich sorge dafür, dass es bei allen Freunden so ist. Durch meine Fürsorge für alle helfe ich jedem, diesen Kurs zu halten. Wenn die ganze Gruppe auf diese Weise aufgebaut ist, erwartet uns ein ziemlich kurzer Weg zum Erfolg.

Einer alleine kann erfolgreich sein, nur wenn er ein Auserwählter, eine besondere Seele ist. Uns aber wird nur die Vereinigung retten. Ich sehe hier keine Auserwählten. Jeder glaubt, dass ihm der individuelle Weg offen steht, doch das ist sicherlich nicht der Fall. Und besonders heutzutage, wenn keine Notwendigkeit an den Auserwählten besteht.

Im Gegenteil: heute müssen sich die Massen dem Korrekturprozess anschließen.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 01.03.2011

Die Natur ist eingefroren und wartet auf deine Entscheidung

Frage: Welche Kraft erhebt die Welt am Samstag, nachdem Adam HaRishon geboren ist und bevor er in Sünde fällt?

Meine Antwort: Es gibt eine Kraft, die als ein „Erwecken von Oben“ (Itaruta de Laila) bezeichnet wird. Sie kann einfach als das Höhere Licht betrachtet werden, das sich aus der Welt der Unendlichkeit ausdehnt, wobei wir nicht wissen wie und warum. Doch in Wahrheit gibt es kein „Erwecken von Oben“ ohne ein „Erwecken von unten“ (Itaruta de Letata), vom Geschöpf selbst.

Es gibt eine Kette von Informationsgenen (Reshimot), die sich entfalten, die von den unbelebten, pflanzlichen, tierischen und sprechenden Stufen absteigen und sich nacheinander aufklären. Die Reshimot der unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen entfalten sich auf natürliche Weise, unbewusst und von selbst, denn dort gibt es keinen freien Willen.

Sie entfalten sich nacheinander und kommen schließlich zu dem Zustand, wo es einen Sprung zu einer neuen Stufe gibt. Woher das kommt, wissen wir nicht. Doch es geschieht, weil die Vorbereitung auf der unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen abgeschlossen sind und plötzlich beginnt man zu spüren, das sich der eigene Zustand verändert hat. Man fängt an, anders zu denken, Dinge anders zu sehen und alles anders zu empfinden.

Der Grund dafür ist, dass die Reshimot, die außerhalb unseres Bewusstseins, dem Verstehen, der Vorbereitung und dem freien Willen sind und die auf natürliche Weise bestimmt werden, realisiert wurden. Der Schöpfer bereitet alle Bedingungen für einen vor, damit man seinen freien Willen einsetzt und jetzt muss man alleine arbeiten.

Es ist den Vorgängen, die im Körper stattfinden, ähnlich. Man braucht sich keine Gedanken darüber machen, wie sich alle Atome und Moleküle darin bewegen, wie der Metabolismus und verschiedene innere Systeme arbeiten. Stellt euch vor, wie komplex diese Prozesse mit einer unendlichen Anzahl von Bedingungen sind und alle arbeiten sie automatisch.

Die spirituelle Entwicklung ist dem gleich: Die Höhere Kraft bringt uns an den Punkt, an dem unser freier Wille beginnt. Und dies breitet sich im gesamten System, dem gesamten Verlangen, das vom Schöpfer erschaffen wurde, der gesamten unbelebten, pflanzlichen und tierischen Natur, ihrem riesigen System, aus. Aber es ist nicht unsere Arbeit und es geschieht Dank der Wechselwirkung des Lichts und dem Verlangen automatisch.

Das Licht wirkt auf die Verlangen, die Verlangen reagieren auf das Licht und auf diese Weise strebt die gesamte Welt, das ganze Universum, alles danach, Gleichgewicht zu erlangen. Die einzige Ausnahme ist der Mensch!

Heute ist es so in unserer Welt: Die gesamte Natur befindet sich im Gleichgewicht, doch das Problem ist der Mensch, der seinen freien Willen einsetzen und dieses Gleichgewicht herbeiführen muss. Weil in der spirituellen Welt alle Ereignisse vor Adams Sündenfall, einschließlich dem Fall selbst, unter der Lenkung der Kraft von Oben (Itaruta de Leila) durch die Kette der Reshimot stattgefunden hat, bis wir zu dem Platz unseres freien Willen kommen, friert dort alles ein und wartet, bis der Mensch eine Entscheidung trifft.

Dieses geschieht gerade in unserer Welt: Die Natur wartet auf unsere Entscheidung. Sie wird Druck auf uns ausüben, weil die Reshimot der unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen sich anstauen und uns zahlreiche Probleme auf allen Ebenen der äußeren Welt bringen, bis wir uns auf unserer sprechenden Stufe endlich entscheiden, dass wir für unsere Korrektur vorwärts gehen müssen.

Die unbelebte, pflanzliche und tierische Natur drängt uns, damit wir auf dem Weg der Korrektur auf unserer menschlichen Stufe weitermachen.

Aus dem 3. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, Talmud Esser Sefirot

Von Worten zu realen Gefühlen

Im Studium der Wissenschaft der Kabbala ist eine besondere Eigenschaft verborgen. Das Licht, d.h. die korrigierende Kraft, die in den kabbalistischen Büchern enthalten ist, führt den Menschen zur Quelle zurück.

Das Licht ist das innere Wesen der Methode, und dementsprechend wird die Wissenschaft der Kabbala als der innere Teil der Tora bezeichnet.

Während wir uns mit ihr beschäftigen, erwecken wir das höhere Licht, das sich im Studium, in der Gruppe, in unserer wechselseitigen Beziehung verbirgt, – und diese Kraft baut wirklich eine Verbindung zwischen uns auf und bringt jedem die gewünschten Veränderungen, damit die Absicht zu geben die egoistische Absicht über allen unseren Verlangen letztendlich ablöst.

Der Mensch denkt ständig an den Zustand, in dem er sich während der Vorbereitung auf das Studium zusammen mit der Gruppe und während des eigentlichen Studiums befindet, wenn er nach Veränderungen mittels des Lichts, das zur Quelle zurückführt, verlangt. Das ist alles, was er braucht. Denn nur eine solche Vorbereitung betrifft seinen freien Willen, die einzige freie Handlung in seinem Leben in dieser Welt und entlang der ganzen spirituellen Leiter.

Aus diesem Grund sollte man sich so stark wie möglich darauf konzentrieren, so oft es geht mit sich selbst darüber reden, alle Details klären, damit sie deutlicher, gefühlstiefer werden, damit sie es uns endlich ermöglichen, von den Worten abzuschalten und zu den Gefühlen, zum inneren Verständnis überzugehen. Dann wird es in mir immer als die wichtigste Grundlage des Daseins leben, für die allein ich sorgen muss. Alles andere wird von selbst dazu kommen.

Dann werde ich sehen, dass mein ganzes Leben und das ganze Leben der Welt nur um diese Achse kreist, um alle an diesen entscheidenden Moment heranzuführen – jeden entsprechend der Wurzel seiner Seele, mit einer größeren oder kleineren Stärke. Das Ziel des Schöpfers ist es, die Menschheit an diesen Punkt heranzuführen.

Womit auch immer ich geboren werden und was auch immer ich bis jetzt erreicht haben mag, es ist mir von oben gegeben worden. Nun aber, da ich mich in der Gruppe befinde, muss ich die Wichtigkeit des Ziels – des Gebens und der Verschmelzung mit dem Schöpfer – erhöhen. Und realisiert wird es durch das Studium in einer richtigen Umgebung, wenn ich nach dem Licht, nach dem „Wundermittel“ verlange. Wenn der Mensch den Gedanken daran nicht loslässt, realisiert er sein Leben mit maximaler Effektivität.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 24.03.2011

Du kannst einen Diamanten nicht durch eine Formel ersetzen

„Einführung in den Sohar,“ Artikel „Das siebte Gebot,“ Abschnitt 225: Im Merkawa (Streitwagen/ Gebilde) des Throns befindet sich rechts das Antlitz eines Löwen und links das Antlitz eines Rindes. Das Rind heisst „ein ganzes (Tam) Rind“, weil sich im Merkava des Throns eine Inschrift des Bundes befindet.

Frage: Ist es möglich ein Lexikon der spirituellen Ausdrücke zu schaffen, das unserer Stufe angemessen ist und die verschiedenen Wörter des Sohars wie „Rind“, „Gebilde“ (Merkawa), „Löwe“, „Schlange“ und so weiter erklären könnte? Das könnte dazu beitragen die Wörter, die uns an physische Bilder erinnern mit spirituellen Kräften gemäss ihrer Definition zu ersetzen, während wir lesen. Ist dies ein richtiger Ansatz, den Sohar zu studieren?

Meine Antwort: Alles hängt, unter uns gesprochen, davon ab, wie wir uns vereinen. Wenn wir eine gemeinsame Wahrnehmung haben, sprechen wir gemäss dieser Empfindung. Wenn wir die Ereignisse nicht in der gleichen Weise empfinden, sie jedoch verstehen (eine niedrigere Ebene als Empfinden), dann sagen wir, wir sprechen in wissenschaftlichen Ausdrücken und Formeln.

Dieser Abschnitt des Sohars benutzt Wörter wie „Rind“, „Esel“, „Thron“ und so weiter. Wenn wir sie mit Kräften ersetzen würden, müssten wir die Art der dargestellten Kräfte genau benennen, aus welcher Sefira oder Eigenschaft sie hervorgeht. Während hier ein Wort benutzt wird, um die gleiche Kraft zu bezeichnen, zum Beispiel „Rind“ oder „ganzes Rind“. Diese Sprache ist präziser, denn sie beruht auf deinem Verständnis, auf welches sie verweist.

Diese verweist nur zum Licht und den Kelim (Verlangen), denn wir besitzen nichts anderes über das wir zu sprechen vermögen. Wie kann ich die Verbindung der Lichter und Kelim für dich in einer bestimmten Form mitteilen? Sollte ich es grafisch darstellen? Eine Melodie spielen? Dir eine Formel geben? Das Bild dieser Welt beschreibt das, was aus ihrer Verbindung hervorgeht? Wie kann ich dir die genaue spirituelle Lage erklären, die Kombination von Licht und dem Kli, über das ich spreche?

Deshalb haben Kabbalisten vier Sprachen begründet, um das höhere System der Steuerung unserer Welt zu beschreiben: Die Sprache des Tanach, Hagaddot (Legenden), Kabbala und Halachot (Talmud), und sie verwenden diese um uns ihre Kenntnisse mitzuteilen. Diese Sprachen sind im Sohar vermischt.

Der Sohar selbst ist hauptsächlich in der Sprache des Talmud (Midrash) geschrieben, wenngleich er auch ein wenig die Sprache des Tanach oder der Legenden verwendet, und Baal HaSulam fügt ihm die Sprache der Kabbala hinzu. Und wenn sie parallel sind, kannst du mehr oder weniger die korrekte Richtung der Gedanken beibehalten.

Jedoch, wie können Sprachen dir helfen, wenn du nicht die spirituelle Kenntnis besitzt und du nicht empfindest, auf was sich der Text bezieht? Nichts kann dir helfen! Du benötigst lediglich, darüber nachzudenken, wie du mehr Einflüsse empfangen kannst, um spüren zu können.

In unserer Welt geschieht das genauso: Du kannst mir alles was du willst erzählen, jedoch habe ich es niemals erfahren, was auch immer du mir erzählst, es ist tot für mich oder im besten Falle ein Szenario; ich mag in der Lage sein, das mir bereits Vertraute durch eine Analogie als etwas vorzustellen.
Wenn ich jedoch nichts über die spirituelle Welt weiss, dann gibt es keine Geschichten, die mir helfen könnten. Aus diesem Grund bemüht sich unser ganzes Studium darum, diese spirituellen Begriffe wahrnehmen zu wollen, damit sich unsere Augen öffnen.

Aus dem 2. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 17/02/2011, „Einführung in den Sohar“

Der erste Mensch, namens Adam

Frage: Wie ist der Parzuf Adam haRishon – ein Teil der höheren spirituellen Welten, den wir aus der “ Lehre der Zehn Sfirot“ kennen – mit dem ersten Menschen (Adam haRishon) verbunden, mit dem Menschen Adam also, welcher den Schöpfer offenbart hat?

Meine Antwort: Adam war der erste Mensch, der den Schöpfer offenbart hat, ein Mensch, wie du und ich. Er hatte einenVater und eine Mutter, lebte in dieser Welt, und erreichte einst den Zustand, worin ihm die höhere Kraft, der Schöpfer offenbart wurde.

Er empfand ein solches Verlangen, dass er begonnen hat, darüber nachzudenken: wofür lebe ich – woher bin ich gekommen- warum – wer lenkt mich? Solche Gedanken hat jeder von uns. Auf diese Weise hat er die spirituelle Welt enthüllt.

Er unterschied sich jedoch dadurch, dass er über eine sehr feine Seele verfügte, welche nicht so grob, keinen so einem entwickelten Egoismus besaß, wie wir heute haben. Deshalb war es für ihn leichter, diese Offenbarung alleine zu erlangen. Es war das erste spirituelle Gen (Reschimo), das in diesem System der zerbrochenen Seelen offenbart wurde, am Anfang des Aufstiegs von unten nach oben – und es war Adam, der erste Mensch, der den Schöpfer offenbarte.

Der Parzuf Adam haRishon dagegen ist ein spirituelles Objekt, das von oben mithilfe Seir Anpin und Nukwa der Welt Azilut bei der Verbreitung der Welten von oben nach unten geschaffen wurde. Seir Anpin und Nukwa erheben ihn bis zu ihrem Niveau, und später sogar bis zum Niveau Aba we-Ima, wo er die Verschmelzung (Siwug) zwei Teile, des männlichen und des weiblichen Teils erzeugt: Adam und Chawa, welche Aba we-Ima ähnlich sein können, und die mit der Absicht des Gebens handeln.

Aber wenn er diese Verschmelzung erzeugt, dann offenbart er, dass er selbst keine Absicht des Gebens hat und deshalb zerbricht. Es ist derselbe Parzuf Adam HaRischon, den wir in der Wissenschaft der Kabbala studieren – die allgemeine Seele eben.

Seine Teile fallen infolge des Zerbrechens nach unten, sie steigen also solange hinunter, bis sie den Boden erreichen, und dann fängt die Klärung an. Zuerst erfolgen die zahlreichen Offenbarungen auf dem unbelebten, pflanzlichen und tierischen Niveau, die über keine Freiheit des Willens verfügen, und auf welche das Licht einwirkt um sie zu verbinden, ohne eine Bitte ihrerseits zu brauchen.

Aber nachdem sich diese Klärungen angesammelt haben, sind die Wünsche der folgenden Stufe an der Reihe, d.h. zum ersten Mal wird das informative Gen der menschlichen Stufe aus allen zerbrochenen „Reschimot“ offenbart. Diese neue Reschimo wird zum ersten Mal auf der menschlichen („sprechenden“) Stufe enthüllt, die auch Adam hieß, und sich dem Menschen unserer Welt offenbarte, der vor 5771 Jahren lebte.

Er war also der erste Mensch, der von „unten nach oben“, das heißt aus unserer Welt den Schöpfer begriffen hat. Und er war ein Mensch wie wir – nur der erste, in dem eine solche Reschimo offenbart wurde.

Er hatte keine kabbalistische Gruppe, keine Umgebung, da er eben der erste war. Aber die Korrektur beginnt man mit der hellsten Reschimo, weshalb es genügte, ihm das kleinste spirituelle Erwachen von oben zu geben, und er strebte schon selbst weiter nach der Enthüllung und machte sie auch. Die Reschimot, welche danach offenbart wurden, wurden immer gröber.

Diesen Tag der ersten Offenbarung der spirituelle Welt, des Schöpfers, durch den Menschen unserer Welt feiern wir als den Anfang des Neuen Jahres, Rosch HaShana.

Und die Welt war „fünf Tage früher“ geschaffen, das heißt Adam hat irgendwie schon begonnen, die höheren Welten, Sfirot, Parzufim in seinem Inneren zu empfinden, so dass im Laufe dieser ersten Woche zu ihm die Offenbarung kam.

Auszug aus dem Unterricht über die „Lehre der Zehn Sfirot“ „, 22.02.2011

Gebt nicht zu viel Gewürz dazu!

Während des Lesens des Sohar müssen wir fortwährend an die Verbindung zwischen uns denken und basierend auf diesem ständigen, starken Gedanken uns lediglich ein wenig den Text anhören – nur soweit es möglich ist, als Zusatz, als Gewürz.

Der Gedanke an die Verbindung muss aber stark und ununterbrochen sein. Und nur im Rahmen des Möglichen fügen wir den eigentlichen Text hinzu, den Gedanken daran, die Empfindung dessen. Jedoch nur unter der Bedingung, dass diese Grundlage – der ständige Gedanke an die Einheit – nicht verschwindet und nicht abschwächt.

Wir könnten uns mit Leichtigkeit in der richtigen Absicht befinden, wenn wir nur wüssten, dass der Sohar, genauso wie auch die gesamte Tora, nur von den Arten der Verbindung zwischen uns spricht. Deshalb ist alles, was wir studieren, und alles, was wir in diesem Moment als Resultat unserer Arbeit sehen wollen, die Verbindung zwischen uns, die Arten unserer Verbindung, ihre charakteristischen Merkmale, alles, was zwischen uns stattfindet, – über all das steht im Buch Sohar geschrieben.

Und deshalb sprechen wir von ein und demselben Punkt – dem Punkt der Verbindung zwischen mir und den Anderen. Und in diesem Punkt gibt es alle möglichen Arten der Verbindung zwischen mir und allen Anderen. Genau darüber erzählt die Tora.

Deshalb, wenn ich mich korrekt ausrichte, verstehe ich, dass es nur darum geht. Welche Arten der Verbindung gibt es nun zwischen uns? Worin kann ich mich verbinden? Wie kann ich das erkennen?

Das bedeutet, dass wir den Lernstoff erkennen wollen – und ihn nicht beherrschen. Doch durch die Bestrebung ihn zu erkennen, uns zu einem gemeinsamen Verlangen/Kli zu verbinden und alle Arten der Verbindung, von denen die Tora erzählt, zu klären, kommt das Licht, das zur Quelle zurückführt, stellt diese Verbindung her, klärt auf – und dann enthüllen wir es tatsächlich.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht. Das Vorwort, 21.02.2011

Die Korrektur der Seele kommt zuerst

Frage: Kann ein Kabbalist gleichzeitig zwei Ideologien aufrechterhalten und gleichzeitig religiös und Kabbalist sein?

Meine Antwort: Nein, kann er nicht. Die Kabbala gewinnt die Oberhand über die religiöse Ideologie. Ein Kabbalist kann infolge seiner Erziehung, seiner Kultur oder religiösen Traditionen seines Volkes allerlei Bräuche durchführen. Und ich denke, es ist gut, das zu tun.Ich schaue nicht auf die Religion herab.

Doch dies sollte die Kabbala nicht ersetzen, denn das Wichtigste ist für einen Menschen die Enthüllung und Verschmelzung mit dem Schöpfer zu erlangen. Alles, was damit kollidiert, sollte aus dem Weg geräumt werden. Nicht die Religion selbst ist im Weg, sondern ihre falsche Wahrnehmung, zu denken, dass sie die Erlangung des Schöpfers ersetzen kann, dass es ausreicht,anstatt spiritueller Enthüllung, irgendwelche materiellen Handlungen auszuführen, geschriebene Worte nachzubeten und zu denken, dass dies genug ist.

Dem ist überhaupt nicht so. Es steht geschrieben „Jeder muss den Schöpfer erkennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen“. Wir müssen zur Verschmelzung mit Ihm gelangen. Jeder stimmt dem zu, denn das steht geschrieben und es ist unmöglich, zu widersprechen. Jedem ist klar, dass wir „die Arbeit des Schöpfers“ erlangen und uns an Ihn binden müssen. Es steht ebenso geschrieben, dass es das Hauptgebot der Tora ist, deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst. Doch überall reden die Menschen nur darüber, aber sie realisieren es nicht.

Man weiß nicht mal, was Verschmelzung mit dem Schöpfer bedeutet, wie man sich Ihm annähert und Ihm ähnlich wird. Das Problem ist, dass die Religion die Kabbala nach der Zerstörung des Tempels ersetzt hat, nachdem das Volk Israel von der spirituellen Stufe auf die materiellen Stufe zurück fiel und alles was den Menschen blieb, waren die physischen Handlungen als Tradition, um der vorherigen spirituellen Handlungen zu gedenken.

Nun müssen wir lernen, zurück zur spirituellen Stufe aufzusteigen und diesen nationalen Traditionen, die Erlangung des Schöpfers hinzuzufügen. Religion scheint einen Menschen aufzuhalten, scheint ihm zu sagen, dass es genügt, nur die mechanischen Handlungen durchzuführen, die religiöse Menschen tun.

Doch viele Quellentexte sagen, das es nicht genügt, nur die materiellen Handlungen auszuführen, dass es dem Schöpfer egal ist,wie ein Tier geschlachtet wird – koscher oder nicht – und dass die Gebote dazu gegeben wurden, um die Geschöpfe dadurch zu korrigieren. Das bedeutet, dass die Handlung mit der richtigen Absicht ergänzt werden muss. Die Absicht ist das Allerwichtigste, tatsächlich ist es der Mensch selbst. Seine Gedanken und Verlangen sind wichtiger, als die Handlungen. Ein religiöser Mensch führt üblicherweise Handlungen aus Gewohnheit durch, weil er sie von Kindheit an ohne nachzudenken ausführt. Es gibt keine Korrektur, indem er dies tut.

Deshalb wollen wir die Traditionen, den gewohnheitsmäßigen Lebensstil oder das, was Religion genannt wird, die wir als die Kultur oder Tradition eines Volkes wahrnehmen, mit der „Arbeit des Schöpfers“ ergänzen, d.h. die innere Arbeit eines Menschen, wodurch er seine Verlangen korrigiert, um dem Schöpfer ähnlich zu werden. Adam, Mensch, bedeutet „ähnlich“.

Jeder Mensch, säkular oder religiös, muss verstehen, dass Kabbala seinem Leben etwas Zusätzliches geben kann. Sie gibt ihm die Enthüllung des Schöpfers, die Höhere Kraft, die alles lenkt, hinzu. Und wenn man das erkennt, versteht und spürt, dann versteht man, wie man ohne Fehler zu machen voranschreiten kann, sowohl in dieser Welt, als auch in der „kommenden“ Welt, der spirituellen Welt, die einem enthüllt wird.

Wir erlangen die Enthüllung des Schöpfers nicht durch religiöse Handlungen, sondern indem wir uns mit anderen vereinen. Doch diese Handlungen werden nicht ausgelöscht. Sie sind einfach wie ein Zweig, der die spirituelle Wurzel symbolisiert und ein Mensch kann in dieser Kultur bleiben. Dies ist ein Brauch, der weder sein spirituelles Vorankommen behindert, noch ihm hilft. Er erinnert einen einfach daran, dass es spirituelle Handlungen gibt und darum wurde er während der Jahre des Exils bewahrt.

Dem Schöpfer sind unsere physischen Handlungen egal. Ihm ist nur die Absicht wichtig, die man hinein gibt.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 20.02.2011, „Einführung ins Buch ‘Panim Meirot uMasbirot'“