Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Entwicklung'

Über den Begrenzungen der vorläufigen Welt

Kabbalisten sind Wissenschaftler, welche die Natur der Begrenzungen, erschaffen von unserem physischen Körper, das heisst über den Rahmen unseres egoistischen Verlangens hinaus, studieren. In diesem Verlangen verspüren wir eine bestimmte Wirklichkeit, die wir Welt nennen, in der wir existieren.

Wenn ein Mensch hingegen die Chance, die Sehnsucht und die Mittel hat, das Verlangen des Gebens zu erlangen, beginnt er durch sein Verlangen eine neue Wirklichkeit zu spüren, wie gesagt wurde. „Ich sah eine entgegengesetzte Welt.“ Dann verspürt ein Mensch zwei Wirklichkeiten: Er fährt fort, die alte Welt in seinem Verlangen zu empfangen zu fühlen und er nimmt eine zusätzliche, neue Welt in seinem Verlangen zu geben wahr.

Das egoistische Verlangen besitzt einen bestimmten Zeitrahmen des Vorhandenseins im Innern eines Menschen und solange es dort ist, verspürt ein Mensch Leben in dieser Welt. Das Verlangen durchlebt drei Phasen: Empfängnis, Aufwachsen und Erwachsensein (Ibur-Yenika-Mochin). Das Verlangen wächst durch diese Phasen und wird dann stufenweise schwächer, bis es vollkommen verschwindet.

Diese Phasen legen die Sinnesempfindung unseres Lebens fest, Geburt, Kindheit und Erwachsenenalter. Ein Mensch lebt sein Leben, wird dann älter und stirbt. Er verspürt den Tod, denn in seinem Verlangen zu empfangen kann er nichts mehr länger spüren.

Hingegen ist Leben im Innern des Verlangens zu geben nicht so zeitlich begrenzt wie das körperliche Leben. In ihm empfangen wir eine unbegrenzte Empfindung der Wirklichkeit. Es hängt nicht von unserem Verlangen zu geben ab, denn das Geben ist nach „außen“ gerichtet, ungleich dem egoistischen Verlangen, das nach innen gerichtet ist. Daher besitzen wir immer die Gelegenheit zur Entwicklung. Unser Verlangen zu geben geht niemals zu Ende oder stirbt, weil es fortfährt sich ohne Einschränkungen auszudehnen.

Aus diesem Grunde verspürt ein Mensch im Verlangen zu geben ewiges Leben. Und weil diese Erfüllung niemals endet, sondern im Gegenteil größer wird, wird ein solches Dasein ewig und vollkommen genannt. Um mit diesem Zustand vertraut zu werden, muss man zuerst eine Reihe von Handlungen ausführen, um sich das Verlangen zu erarbeiten, in dem man dieses spirituelle Leben empfindet.

Aus dem 1.Teil des Täglichen Kabbalah Unterrichts vom 14/03/2011 über Gegenseitige Bürgschaft

Die zielgerichtete Entwicklung des Egoismus

Wahrer Egoismus entwickelt sich in uns, wenn wir uns vereinen wollen. Er fängt nach dem „normalen“ Egoismus an. Normalerweise hassen wir andere, sind begierig, uns von ihnen einen Vorteil zu verschaffen und uns über sie zu erheben.

Auf der tierischen Stufe gibt es das nicht, da es nur für die sprechende Stufe charakteristisch ist: Zumindest in irgendeiner Form müssen wir uns dem anderen überlegen fühlen.

Doch wenn ein Mensch sich immer noch mit anderen über seinen Egoismus vereinen will, enthüllt er Abneigung unvorhergesehenen Ausmaßes. Es zeigt sich, dass eine Kraft, die dem entgegen steht, sich zu vereinen, in seine Natur hineingelegt wurde. Selbst dann, wenn ein Mensch sich mit anderen vereinen möchte, kann er es deshalb nicht zustandebringen. Sein Verlangen zu empfangen denkt nur an sich und sorgt sich nur um sich selbst, während es andere hasst und zurückweist.

Trotz all meiner Anstrengungen, mich mit anderen zu verbinden, decke ich diese Kraft, genau diesen Egoismus auf, den wir als zielgerichtet definieren. Es geht nicht nur darum, anderen weh zu tun, sondern um die Eigenschaft, die der Einheit widerstrebt. Nur diese Art des Egoismus führt mich zur Veränderung. Ich spüre, dass es genau das ist, was ich umwandeln muss. Es ist eine Art Ergänzung zur letzten, der vierten Stufe der Entwicklung des Verlangens.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 18.03.2011, über die Prinzipien globaler Erziehung

Wandle Traurigkeit in Freude um

Frage: Sie sagen, dass das Anzeichen für die Spiritualität die Freude ist. Warum muss man dann, um in die spirituelle Welt eintreten zu können, zuerst die Verzweiflung erreichen?

Meine Antwort: Man soll sich nicht künstlich in eine Depression hineintreiben, das ist ganz gegen unsere Natur. Doch wenn der Mensch die Verzweiflung spürt, dann ist es bereits eine Möglichkeit, ein neues Leben zu beginnen, dann ist es ein Grund, eine neue Entwicklung zu starten.

Der Mangel an Freude ist ein Antrieb zum Vorankommen, doch das bedeutet nicht, dass es gut ist, traurig zu sein. Man muss versuchen, Traurigkeit in Freude umzuwandeln. Wenn wir Schweregefühl und Wehmut empfinden, bedeutet das einen Mangel an Verbindung mit der Umgebung.

Keiner kommt bereits voller Freude und erfüllt, denn die Menschen kommen zu Kabbala auf der Suche nach einer neuen Erfüllung, enttäuscht von diesem Leben und mit einem Leeregefühl. Doch das Heilmittel besteht darin, gerade diesen Zustand der Wehmut schätzen zu lernen – und nicht in ihm zu verweilen, sondern ihn als ein Sprungbrett für die spirituelle Entwicklung wahrzunehmen.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 18.03.2011


Drogen und spirituelle Entwicklung gehören nicht zusammen

Frage: Kann ein Mensch Drogen nehmen, um sich zu entspannen, und sich gleichzeitig auf dem spirituellen Weg befinden?

Meine Antwort: Wenn ein Mensch Drogen oder Alkohol nimmt, um auf diese Weise schlechte Laune loszuwerden, schaltet er sich selbst ab und nutzt nicht die einzige wertvolle Empfindung, die den Menschen zum Ziel bringt – den Mangel an Freude.

Freude zu empfinden bedeutet, das Leben zu spüren. Wenn es keine Freude gibt, dann ist es ein Zeichen dafür, dass er nicht lebt und dass er suchen muss! Doch anstatt danach zu suchen, worin das Leben besteht, nimmt er Drogen oder trinkt Wodka und schaltet auf diese Weise das unangenehme Gefühl ab – und beraubt sich so der Möglichkeit, voranzukommen.

Es gibt keine Möglichkeit, voranzukommen, wenn der Mensch auf diese Weise abschaltet. Bei den Kabbalisten war es üblich, ein wenig Alkohol während der Mahlzeiten zu trinken, etwa 30 Gramm, um die Befangenheit gegenüber den Freunden loszuwerden, nur um dem Menschen zu helfen, die Barrieren der Bedingtheit und der Einschränkung, die durch die Erziehung und von der Gesellschaft übernommen wurden, zu durchbrechen, damit es ihm leichter fällt, sich mit den Freunden zu verbinden – und nur dafür.

Doch seine Wehmut und Freudlosigkeit durch Alkohol oder Drogen zu unterdrücken bedeutet, sich einfach den Weg zum spirituellen Vorankommen zu versperren. Wir dürfen das, was uns die Natur, der Schöpfer, schenkt, nicht vernichten, sonder müssen es richtig nutzen. Wenn ich unangenehme Gefühle in mir unterdrücke oder selbst wenn ich sie einfach reduziere, ist es bereits ein Problem – ich gehe nicht mehr gemeinsam mit dem Schöpfer, als wären wir Partner.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 18.03.2011

Dazu bestimmt (verdammt), zusammen zu sein

Frage: Kann der WE! Kongress die allgemeine Lage in der Welt, die jetzt solche harten Zeiten durchmacht, beeinflussen und verbessern?

Meine Antwort: Harte Zeiten haben noch nicht begonnen. Wehe uns, wenn wir tatsächlich durch den Pfad des Leidens in Richtung Einheit, die die Welt heutzutage zu erreichen hat, voranschreiten.

Wir erkennen, dass die Welt global wird, durchdrungen von ganzheitlichen Verbindungen und gegenseitiger Beeinflussung, was auch „Schmetterlingseffekt“ genannt wird. Wir werden keine Freiheit voneinander besitzen. Wir sind vollkommen abhängig voneinander, jeder von jedem.

Wir nehmen nicht wahr, in welchem Ausmass diese Verbindung uns einengt und uns selbst von der geringsten freien Handlung entfernt. Es ist entsetzlich, sich selbst in dieser Situation wiederzufinden, in der Verfassung, wo sich jeder in der Hand seines Egoismus, dem Hass gegen die anderen und in den egoistischen Kalkulationen befindet.

Plötzlich spürst du, dass du durch tausende von Ketten beengt bist und selbst im Geringsten von Leuten abhängig bist, welche dir völlig gleichgültig sind. Wie kann man überhaupt in einem solchen Zustand leben?
Wir können nirgendwohin laufen: wir können uns nicht voneinander trennen und uns voneinander entfernen. Im Gegenteil, unsere Verbindung wird zunehmender fester werden und zu einer buchstäblich vollständigen, gegenseitigen Abhängigkeit in allem werden.

Wenn die Massenmedien uns über die Ereignisse berichten, die sich in der Welt ereignen, glauben wir, dass wir diese nur als Zuschauer wahrnehmen. Jedoch hängen wir in Wahrheit von jeder in Libyen produzierten Gallone Öl ab, von allem was in Frankreich und in der Türkei und so weiter passiert. Mit anderen Worten, es ist nicht nur das, was bei meinen Nachbarn passiert, sondern alles, was sich am anderen Ende der Welt ereignet, und es ist unmöglich, sich vor dieser Verbindung zu verstecken.

Von jetzt an müssen wir letztendlich erkennen, dass die Weisheit der Kabbala der Welt die Methode der Korrektur gibt, ohne welche die Menschheit verloren sein wird, und aufhören wird zu existieren.

Kabbala lehrt uns, wie wir die höhere Kraft an uns heranziehen können. Wir selbst haben nicht die Kraft hierzu! Sie erklärt uns, wie wir die höhere Kraft enthüllen können, die Ordnung in unsere Beziehungen bringen wird. Letzten Endes haben wir keine Ahnung, wie Frieden und Ordnung in der Welt zu stiften sind, und nähern uns lediglich einem Weltkrieg, der auch in der Kabbala als ein möglicher Weg der Entwicklung beschrieben ist, falls wir die uns vereinigende Kraft nicht anziehen.

Während dem bevorstehenden Kongress haben wir die besondere Gelegenheit, die Kraft in die Welt zu bringen, welche sich auf uns und die Welt in einer wohlwollenden Art und Weise auswirkt. Ohne diese Kraft werden wir erkennen, wie die Welt mit einer furchterregenden Geschwindigkeit und in einer sehr unschönen Weise untergeht.

Aus dem Unterricht über die Vorbereitung für den WE! Kongress vom 10/03/2011

Damit das Böse von der Welt verschwindet

Unsere ganze Arbeit besteht nicht in der Korrektur unserer angeborenen Eigenschaften und nicht in der Erschaffung einer bequemeren Welt für unsere Existenz.

All das Böse, das sich in uns enthüllt, soll möglichst schnell zum Vorschein kommen und uns sein wahres Gesicht zeigen. Das heißt, unsere Aufgabe besteht lediglich darin, unsere Entwicklung zu beschleunigen, um schneller „von einem Bild ins nächste“ zu kommen.

Ich muss daran arbeiten, dass die inneren Bedingungen sich so schnell wie möglich in mir ändern – meine Gedanken und Verlangen, das Herz und der Verstand sich erneuern und ich auf diese Weise zu einem immer fortgeschritteneren, zu dem wahren Zustand übergehe. Alles hängt davon ab, wie ich mich selbst zu einer immer größeren Entwicklung meiner Empfindsamkeit vorantreibe, wodurch ich meine Wahrnehmung dem Licht näher bringe.

Die Aufeinanderfolge dieser Veränderungen ist bereits in dem in mir enthaltenen Programm gespeichert, und ich kann nur deren Geschwindigkeit beeinflussen. Darin besteht meine einzige freie Wahl und die Art, mich selbst auszudrücken – dem Endzustand, der Verschmelzung mit dem Schöpfer, den ich erlangen will, zuzustimmen.

Deshalb müssen wir zusätzliche Kräfte von der Umgebung erhalten und uns zur inneren Entwicklung, zur Enthüllung des Bösen vorantreiben. Wir müssen verstehen, dass alle Zustände, die sich uns enthüllen, zur Klärung dessen bestimmt sind, was mir fehlt, um die Verschmelzung zu erreichen. Diese Mängel bezeichne ich als Böse.

Die Kraft der Bewegung, die Kraft der Beschleunigung kommt nur von der Umgebung. Wie geschrieben steht: „Neid, Genusssucht und Ehrgeiz führen den Menschen aus dieser Welt“. Denn ich selbst will diese Veränderungen nicht – sie sind gegen meine Natur, und ich will mich nicht in Richtung Geben verändern. Doch dadurch, dass die Umgebung mich anspornt und mir einredet, dass es sehr wichtig ist und es sich lohnt, das zu tun, stürme ich in den Zustand, den ich selbst niemals wollen würde.

Die Umgebung gibt mir die Kraft, meiner Natur zu widerstreben, und aus diesem Grund kann ich so große Veränderungen in Richtung Geben ertragen und bin bereit, mich selbst zu annullieren und auf meinen Egoismus zu verzichten. Sie redet mir ein solches Verlangen, das Geben zu erreichen, ein, das stärker als mein natürlicher Instinkt ist, nach dem Genuss für mich selbst zu suchen. Auf diese Weise beschleunige ich meine Entwicklung und komme voran.

Und weil ich das ganze Böse zielgerichtet enthülle, wandelt es sich sofort zum Guten um. Darüber steht geschrieben: „Schau sie nur an – und sie werden gleich zu Staub zerfallen“. Alles hängt von unserer Wahrnehmung jener schlechten Eigenschaften ab, die sich uns enthüllen.

Wenn wir das ganze Übel auf der Welt als unsere Mängel der Wahrnehmung empfinden, wird uns klar, was korrigiert werden muss, um zwei Welten zu einer zu vereinen. Dafür müssen wir immer mehr unsere Umgebung erwecken, um mit deren Hilfe solche Korrekturen unseres Zustandes zu erreichen, dass wir nichts Böses auf der Welt mehr sehen werden!

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Es gibt kein Übel auf der Welt, alles ist notwendig und erfüllt seine Rolle“, 13.03.2011

Die Kraft der Anfänger

Frage: Lindern die Kabbalisten die Leiden der Welt durch ihre spirituelle Entwicklung?

Meine Antwort: Natürlich. Mehr noch: darin gibt es weder große noch kleine. Die Menschen glauben, dass ein großer Kabbalist das Unheil durch ein Gebet abwenden kann.

In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: gerade Anfänger mit dem kürzlich erwachten Punkt im Herzen, die verwirrt sind und noch nichts verstehen, bewirken mit ihrem noch weit entfernten, kleinen Verlangen mehr als jemand, der schon lange dabei ist.

Ähnlich einem kleinen Kind, das zum Familienoberhaupt wird, können Menschen, die den spirituellen Weg gerade begonnen haben und scheinbar von den realen Handlungen noch weit entfernt sind, mit ihrem einfachen Verlangen und ihren Gebeten mehr als „alte Hasen“ erreichen.

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Das Umweltproblem und der Weg zu dessen Lösung“, 13.03.2011

Die spirituelle Freiheit des Individuums

Es gibt ein Gesetz: der Mehrheit auf der materiellen Ebene und dem Individuum auf der spirituellen Ebene zu folgen. Nehmen wir an, ich trete der Gruppe bei.

Stellt sie für mich die Mehrheit dar? Muss ich auf die Freunde hören? Ich sehe 300 Männer vor mir – das ist bereits eine Kraft.

Wenn sie Forderungen auf materieller Ebene an mich stellen, dann ist es das eine, doch was ist, wenn sie mir Bedingungen auf spiritueller Ebene diktieren? Verstehen sie mehr als ich? Sind sie alle zusammen klüger? Und wie soll ich mich ihnen gegenüber verhalten?

Habe ich das Recht dazu, auf die Gruppe einzuwirken? Denn wenn sie als Mehrheit gilt, muss ich mich ihnen beugen und ihre Meinung annehmen.

Doch andererseits geht es um das spirituelle Leben, also muss ich nicht der Mehrheit, sondern dem Individuum folgen. Und dieses Individuum bin ich?

Keine einfachen Fragen. Und sie betreffen jede Gruppe.

Im materiellen Sinne ist mit der Mehrheit mehr oder weniger alles klar. Obwohl es auch hier eine Menge Fraktionen und Bewegungen, Parteien, Regierungen, die Mafia usw. gibt. Die Welt hat keine einheitliche Meinung.

Doch in Wirklichkeit ist das für uns einfach. Ich setze eine Grenze zwischen dem materiellen und dem spirituellen Leben – und dann läuft das materielle Dasein für mich auf das Notwendigste hinaus.

Ich gebe mich damit zufrieden und sorge für ein normales Leben für mich: für das Zuhause, die Arbeit, die Familie, das Einkaufen, die Bank, die Sozial- und Krankenversicherung, den Urlaub, die Rente… Hier höre ich im Grunde genommen auf die Mehrheit, handle so, wie es üblich ist – auf der Ebene der normalen Notwendigkeit. Und damit enden meine Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber. In unserer Welt bin ich versorgt.

Auf diese Weise setze ich den Begriff „der Mehrheit folgen“ um – es geht um die Erfüllung von obligatorischen allgemeingültigen Bedingungen.

Darüber hinaus gilt meine gesamte Aufmerksamkeit der spirituellen Entwicklung. Im spirituellen Leben arbeite ich mit der Gruppe, der sich der Mensch, wie Rabash schreibt, absolut beugen muss. Mit anderen Worten, ich beuge mich der spirituellen Gesellschaft wie der Mehrheit.

Wo ist dann meine Freiheit? Denn im spirituellen Leben muss ich meiner eigenen Meinung folgen.

In Wirklichkeit verfahre ich genau so: ich selbst bestimme das Ausmaß meines Einschlusses in die Gruppe. Das nimmt mir keiner weg. Das ist die Bedeutung des Gesetzes, nach welchem man der Mehrheit folgen soll: jeder von uns ist ein Individuum, und er trifft eine freie Entscheidung, ein Teil der Gruppe zu sein. Hier herrscht kein Gesetz über ihm, und niemand übt Druck auf ihn aus.

Nach dem gleichen Prinzip verbreiten wir die Wissenschaft der Kabbala: wer will – bitte schön, wer nicht will – ist frei.

Also besteht deine Freiheit darin, dich ohne Druck der Umgebung zu beugen. In der materiellen Welt zwingt dich die Umgebung dazu, und in der spirituellen verpflichtet dich niemand zu etwas, auch nicht der Schöpfer. Du musst selbst reifen und die Entscheidung treffen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit des Willens“, 11.03.2011

Wie man die Schläge der Natur verhindern kann

Frage: Lieber Dr. Laitman! Wir, Ihre Studenten in Japan, möchten gerne Ihre Meinung dazu hören, was das Unglück, das Erdbeben und der Tsunami, das uns widerfahren ist, verursacht hat. Nach den Vorhersagen sind in naher Zukunft noch mehr Schläge zu erwarten. Können wir alle solche Ereignisse in Japan und generell, in der Welt, verhindern?

Meine Antwort: Die Natur führt uns auf dem Weg der evolutionären Entwicklung, bis wir uns der Natur angeglichen haben. Die Schläge und Leiden, die wir spüren, sind die Reaktion der Natur uns gegenüber, da wir mit ihr nicht in Übereinstimmung sind. Die einzige Lösung für alle Krisen ist, mit der Natur ins Gleichgewicht zu kommen.

Normalerweise wird das durch die Korrektur unseres Egoismus erreicht. Unser Egoismus wird an unserer Einstellung zur Verbindung mit der gesamten Menschheit als ein einziges Ganzes gemessen. Denn die Natur bezieht sich zu uns genau wie zu einem einzigen Ganzen. Wir werden leiden, bis wir Eins werden.

Im Buch Sohar heißt es („Einführung zum Buch Sohar“, Punkte 66-81), dass Unglücke zuerst die Besten trifft: in diesem Fall Japan. Doch wenn die Schläge sich verstärken, werden sie auch die Schlechten treffen… Es gibt nur eine einzige Lösung: sich in Liebe zum Nächsten zu vereinen und zu einem globalen, integralen System, so wie die Gesamtheit der Natur zu werden. Dann werden wir beginnen, in uns die Erfüllung durch den Schöpfer zu spüren.

Mein Geliebter verbirgt sich vor mir

Der Schöpfer spielt ein Spiel mit uns, indem Er Sich verbirgt und enthüllt und wieder verbirgt – all dies um uns zu erwecken. Zuerst sind es materielle Empfindungen, wenn wir entweder gut oder böse verspüren, da all diese Veränderungen uns dabei behilflich sind, erwachsen zu werden.

Unterdessen wächst unser Verlangen zu empfangen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ und durchlebt vier Entwicklungsstadien, die unbelebte, pflanzliche, tierische und sprechende Ebene. Letztendlich wird es sich selbst bewusst und versteht die Gründe, warum es sich gut oder böse anfühlt, woher und warum diese Veränderungen stammen.

An dieser Stelle lernen wir nicht nur gute und böse Zustände zu unterscheiden, sondern auch Wahrheit und Lüge, Ursache und Zweck der auftretenden Veränderungen. Wer sendet diese, und wie lässt sich all dieses zusammen miteinander verbinden, was bedeutet, es in vollkommener Form zu realisieren? So schreiten wir in unserer Entwicklung fort.

Kabbala hilft uns die Ursachen und Gründe der Zustände zu verstehen, die wir zu erfahren haben, und dann beginnen wir ein anderes Bild für uns zu schaffen. Es ist nicht der Schöpfer, der verändert, verhüllt und auftauchen lässt, um mit uns zu spielen, sondern vielmehr erscheinen diese Transformationen in uns, in unserem Verlangen zu empfangen, entgegen der ewigen Unveränderlichkeit des höheren Lichtes, dem Schöpfer, der in vollkommener Ruhe verharrt und mitteilt: „Ich habe mein HaWaYaH nicht verändert.“

Alle Änderungen erscheinen im geschaffenen Sein, in dem, der empfängt. Es ist das geschaffene Sein, das verschiedene innere Zustände durchlebt, gut und böse, und deshalb denkt es, dass der Geliebte sich von ihm abwendet und Sich ständig zeigt oder verhüllt.

An dieser Stelle beginnen wir alles mehr in einem wahrhafterem Licht zu erkennen und fangen an zu verstehen, dass wir gegenüber der konstanten, ewigen und vollkommenen höheren Macht stehen. Alle Änderungen erscheinen nur in uns und diese sind das, wofür wir Segen erbitten sollten, damit wir sie richtig nutzen. Zuallererst sollten wir lernen, nicht von diesen Änderungen abhängig zu sein und diese dann zu gebrauchen, um zu schenken, wie es die höhere Macht tut.

Auf diese Weise erreichen wir den Zustand, der folgendermaßen beschrieben wird: „Ich bin für meinen Geliebten und mein Geliebter ist für mich“, wenn die Verhüllung des Schöpfers als ein Segen betrachtet wird, als eine Annäherung an Ihn und eine Verschmelzung mit Ihm. Es hängt lediglich von uns ab, von unserem Verständnis der Wirklichkeit.

Wir sind nicht mehr auf das Glück angewiesen, sondern beginnen eher Ursache und Wirkung zu erkennen, die Logik hinter den Veränderungen. Zuerst lernen wir, dass alle diese Verwandlungen in uns erscheinen, und alles von unserer Korrektur abhängt. Später stellen wir fest, dass diese Korrekturen notwendig sind, nicht um uns gut zu fühlen, sondern um zur Wahrheit zu gelangen.

Und das alles endet mit dem Zustand, wenn das geschaffene Wesen dem ewigen und vollkommenen, unveränderlichen Schöpfer gegenüber steht und eine größere Empfindsamkeit in sich selbst wachruft, um allmählich die Form des Schöpfers, die ewige und vollkommene Form des Schenkens zu erreichen.

Aus dem 1.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 03/03/2011 Schriften von Rabash