Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Familie'

Ein Volk

Frage: Der Mensch lernt anhand von Beispielen. Welche Beispiele sollte er um sich herum sehen?

Meine Antwort: Er soll die Gegenseitigkeit, die gute Beziehung zueinander, welche sich über der Selbstsucht befindet, sehen. Denn die Arbeit besteht gerade darin; im Aufstieg über die Selbstsucht.

Im Leben kommt es in der Regel vor, dass ich mit jemandem nicht klar komme, dass mir jemand gleichgültig ist, oder dass ich jemanden überhaupt nicht bemerke. Auf der Arbeit interessieren mich meine Kollegen nicht: Ich begrüße sie nur, und tue nichts darüber hinaus. Aber wir sollen absichtlich über die Selbstsucht aufsteigen wollen – um uns von den Leiden zu erretten. Auf der Ebene dieser Welt führen wir die gleiche Arbeit durch, die wir auch in der Spiritualität vollbringen werden: Wir beginnen, eine wärmere Beziehung zueinander zu zeigen. Warum? Weil wir gezwungen sind, die Verbindung aufzubauen. Denn darin steckt die besondere Kraft, welche unsere Probleme erleichtern kann.

Somit soll unser Herangehen folgendes sein: Über der Entfremdung und der Gleichgültigkeit bilden wir – vielleicht nicht gleich die Liebe – aber eine gegenseitige Beziehung, damit wir uns wie ein Volk fühlen.

Nicht von ungefähr lässt die heutige Krise die Grenzen einstürzen und demonstriert uns anschaulich, dass alle Menschen miteinander so verbunden sind, als ob sie alle in einem Land leben würden. Wenn wir alle unsere Systeme zu einem Ganzen verbinden, dann werden wir uns über die Krise erheben können.

Folglich zeigt sich, dass ich die Kräfte und die Richtung von der Umgebung bekommen soll, indem sie mich nur in Einem überzeugen, darin, dass unsere Vereinigung alle Leiden vermeiden kann. Alles Negative wird sich wie „nach einer Bewegung des Zauberstabes“ ins Positive verwandeln.

Frage: Also spricht man nur über die guten Beziehungen?

Meine Antwort: Ja. Das reicht. Eigentlich interessieren mich die anderen Menschen kaum, aber gemeinsam können wir daran arbeiten, um in der Verbindung zwischen uns, eine bessere Gesellschaft aufzubauen, die voller Kraft, Gesundheit und Optimismus sein wird.

Auszug aus dem Unterricht nach der Zeitung „Hauma“ („Das Volk“), 12.08.2012

Werft diese krumme Brille weg

Frage: Könnten Sie ein konkretes Beispiel für die korrigierten familiären Beziehungen vorführen? Bis jetzt war es für mich nicht ganz klar.

Meine Antwort: Zum Beispiel scheint es bei der Frau so zu sein, dass der Mann sie nicht unterstützt und sie sich deshalb einsam fühlt. Aber sie muss sich ihm gegenüber so verhalten, als ob sie seine hundertprozentige Unterstützung empfinden würde. Statt sich dadurch beleidigt zu fühlen, weil ihr Mann sie gar nicht unterstützt, bedankt sie sich dafür, dass seine Unterstützung ihr sehr hilft.

Was wird der Mann darauf antworten? Erstens wird er erstaunt sein, weil er doch auf die Auseinandersetzung, auf den Konflikt mit der Frau vorbereitet war. Er wird denken, dass sie ihn einfach verspottet. Aber diese Situation ist nicht nur verdreht, sondern sie ist das Gegenteil vom entgegengesetzten Gegenteil… Sie sieht deine Mängel, trägt sie auf sich über und spricht mit dir über deine Vorzüge, welche sie dann erkennen würde, wenn ihre Selbstsucht sie nicht daran hindern würde.

Frage: Es ist unverständlich, wie ich etwas sagen kann, wenn ich es doch nicht empfinde?!

Meine Antwort: Verstehen Sie, wir sehen nicht die Welt um uns herum, sondern nur uns selbst! Jeder Mensch besitzt einen „Filter“ vor den Augen, der ihn nur das erkennen lässt, was für ihn gut oder schlecht ist. Anhand dieses Filters kann ich mich entweder entfremden oder mich dem Nützlichen nähern. Auf diese Weise agiere ich eben in dieser Welt.

Ich erkenne die reale Welt nicht, die außerhalb von mir existiert, weil ich ständig die Augen zudrücke. Ich verstehe die Außenwelt nicht und kenne nichts darüber. Sie erscheint vor mir in Form des Bildes, welches mir mein egoistisches Verlangen zeichnet.

Wenn ich jedoch beginne, dieses egoistische Verlangen wie den Feind wahrzunehmen, weil ich die Welt als das Gute erkennen möchte, dann werde ich sofort diese egoistische, krumme Brille abnehmen wollen. Deshalb spreche ich positiv über alles, was mir als schlecht vorkommt. Dabei lüge ich nicht, weil ich mich dir gegenüber wie eine Mutter zu ihrem Kind verhalte und mir alle deine Eigenshaften gefallen.

Wenn ich also die egoistische Brille abnehmen werde, dann werde ich dich anders wahrnehmen, denn um mich herum existiert nur die vollkommene Welt .

Frage: Aber diese krumme, kritische Brille habe ich immer noch an?!

Meine Antwort: Du willst jedoch erkennen, was sich in Wirklichkeit dahinter verbirgt, dich über deinen Verstand erheben. In diesen Linsen ist doch deine natürliche Selbstsucht eingelötet. Und deshalb schaust du durch diese Linsen deine zweite Hälfte an und siehst in ihr nur die Mängel.

Wenn es die gewöhnliche Brille wäre, dann hättest du sie einfach abnehmen und wegwerfen können – aber diese Linsen sind in dir eingepflanzt Und deshalb sollst du alles Schlechte als das Gute erkennen, weil du dich daran erinnerst, dass du immer durch die krumme Brille schaust.

„Alle Verbrechen wird die Liebe überdecken“, was bedeutet, dass anstelle der Verbrechen nur die Liebe bleiben wird. Du magst alles, was in deinem Partner ist. Du bemerkst einfach keine Mängel, weil die Gewohnheit zur zweiten Natur wird. Bemühe dich ununterbrochen, bis deine neue Wahrnehmung zur Gewohnheit wird!

Lasst uns an der Stelle vereinbaren, dass wir uns von diesem Augenblick und weiter zu Hause so benehmen werden, als ob wir beide vollkommen wären und zwischen uns keinerlei Widersprüche entstehen würden. Als ob wir füreinander das Maximum an Gutem tun wollen, um folglich wie ein Körper zu sein. Nicht physisch, im Bett, sondern seelisch, innerlich. Nach einer Menge solcher Übungen werden Sie sehen, wie diese Beziehung sich plötzlich verwirklicht.

Aber natürlich ist hierfür der öffentliche Druck seitens der Umgebung nötig, als ob ihr dieses endlose Seminar niemals verlassen würdet. Ihr befindet euch ständig in der richtigen Absicht. Dann wirst du plötzlich erkennen, wie die Natur innerhalb und außerhalb von dir beginnt, sich zu verändern. Die Welt wird dir anders vorkommen, du selbst und alle Beziehungen werden sich verändern. Wie geschrieben steht: „Ich habe die andere Welt gesehen“.

Es scheint eine Art psychologischer Übung zu sein, aber darin gibt es eine sehr große Tiefe. Wir brauchen eine kollektive Kraft, die uns beeinflussen und helfen wird, solche Trainings zu beginnen. Aber hier gibt es eine sehr wichtige Bedingung: der Lehrer in solcher Gruppe soll aus „Bnei Baruch“ sein.

Auszug aus dem 33. Gespräch über das neue Leben, 12.07.2012

Mütterliches Kapital

Frage: Sie sagen, dass wir unter heutigen besonderen Umständen die Hilfe seitens der Frauen benötigen. Was ist das für eine Kraft, ohne die wir es nicht schaffen?

Meine Antwort: Es hat mal jemand gesagt, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau steht. Offenbar, je erfolgreicher er ist, desto ernsthafter – milde ausgedrückt – geht sie an die Sache ran.

Und deshalb möchte ich mich an alle unsere Frauen wenden – sowohl an diejenigen, deren Männer mit uns studieren, als auch an jene, die nicht verheiratet sind. Zeigt den Männern bei jeder Gelegenheit, dass die Frauen Vereinigung und Korrektur von ihnen erwarten. Sie sollen sehen, dass in jeder Frau eine sehr große Besorgnis über die aktuellen Bedrohungen, die sich immer mehr ausbreiten, existiert – damit wir uns über den jetzigen Zustand erheben und ihn korrigieren.

Jede Frau soll das zeigen. In der Familie werden selbstverständlich die größten Erfolge erzielt, wenn der Mann spürt, dass die Frau reale spirituelle Handlungen von ihm erwartet.

Es ist sehr wichtig, dass jede Frau Anstrengungen unternimmt. Denn Frauen besitzen eine besondere Gabe, die es ihnen erlaubt, sogar ohne Worte, auf der Gefühlsebene Männer zu erwecken, Verlangen in sie hineinzubringen und sie in die richtige Richtung zu steuern. Das ist nicht einfach eine weibliche, sondern eine mütterliche Eigenschaft.

Und der Mann, weil er nicht gebären kann, bleibt in gewisser Weise ein „Kind“ und verfügt über die entgegengesetzte Neigung – zuzuhören. Wir, Männer, brauchen also sehr die weibliche Unterstützung.

Frage: Die Frau verspürt von Natur aus einen ständigen Mangel. Worauf soll dieser heute gerichtet sein?

Meine Antwort: Die Welt befindet sich in einer Krise, und diese Krise ist entstanden, damit wir sie mit Hilfe der Vereinigung korrigieren können. Zuerst verbinden wir uns in den Gruppen, dann im Volk Israel, auf dem „Gebiet“, woher das Licht, das zur Quelle zurückführt, kommt, und später in der ganzen Welt. Wir müssen dafür sorgen, dass die Korrektur in dieser Reihenfolge stattfindet. Das ist das, was die Frau von ihrem Mann und überhaupt jede Frau von jedem Mann verlangen soll. Sanft, aber unnachgiebig. Das können sie…

Auszug aus dem Unterricht nach der Zeitung „Ha Uma“ („Die Nation“), 12.08.2012


Ein Labor, das dem Zuhause am nächsten ist

Anscheinend ist es nur natürlich, dass die Menschen heute nicht miteinander auskommen. Von der Seite der Natur wird die Möglicheit geboten, zu existieren und miteinander zu leben, vorausgesetzt, dass wir von Anfang an verstehen, ein Familienleben zu beginnen, um uns über die eigene Natur zu erheben. Und genau das hilft uns, Erfolg zu haben und bereitet uns auf den Weg in die ganz große Welt vor, welche sich vor uns eröffnet.

Die Familie, das Eheleben, wird genau die Art der Schule sein, die uns auf das Leben vorbereitet: wie ein kleines Kind, welches im Kindergarten, zu Hause in der Familie, in der Schule, ausgebildet und erzogen wird, um für die Ankunft in das Erwachsenenleben vorbereitet zu sein – wie auch wir uns in den eigenen vier Wänden, im Rahmen einer Familie, der ehelichen Beziehungen vorbereiten, in ein neues Leben einzutreten.

Es gibt keine anderen Rahmenbedingungen, die genauso auf diesen Zweck angepasst wären und gleichzeitig genauso natürlich wären. Wenn man dieses Prinzip der ganzen Menschheit erklären würde, die sich heute in einem zerstörten, zerrissenen Zustand befindet, und welche so wenig Glück und Freude in der Familie sieht, dann würden viele Vorteile des Familienlebens in den Vordergrund treten. Diese würden die Menschen zur Heirat ermutigen.

Denn heute, unabhängig davon, mit wem man auch spricht, kriegt man zu hören, dass die Menschen sich nicht wünschen, eine Familie zu gründen. Entweder haben sie schon versucht, diese zu gründen, sind enttäuscht und/oder stehen kurz vor der Scheidung. Daher ist es notwendig, dem Menschen zu erklären, dass gerade in dieser Form, durch die Korrektur des Lebens in seiner Familie, er das Leben in der korrigierten Welt erreichen kann.Anderenfalls gibt es keine Möglichkeit, ein gutes Leben zu erreichen.

Es ist kein Zufall, dass bei allen alten Kulturen und Gesellschaften im Laufe der gesamten tausendjährigen Geschichte der Menschheit die Familie einen so großen und stabilen Stellenwert besaß. Erst in den letzten Jahren führte plötzlich das Familienleben zum Zerfall. Dies ist eines der Zeichen, dass wir einen solchen Zustand erreicht haben, der uns verpflichtet, uns selbst zu verändern.

Wir haben noch nie den Menschen korrigiert. Wir haben unsere Umgebung, Gesellschaft, Natur korrigiert, bauten alle möglichen Arten von Systemen auf, entwickelten die Technik, die Technologie. Heute haben wir uns derart entwickelt, dass wir nichts verbessern können. Nun ist der Mensch an der Reihe, gerade dann, wenn heute die Familie auseinander fällt.

In früheren Tagen, in vielen Fällen, hat man versucht, für verantwortliche Positionen keine unverheirateten Menschen (einschließlich Kabbala-Studierende) zu nehmen, sondern nur diejenigen, die ein korrigiertes Familienleben lebten. Erst dann hat man die Möglichkeit, sich selbst – wie im kleinen inneren Labor -, ständig zu korrigieren. Gerade deswegen kam es zur solchen Anforderung.

Auszug aus dem 31. Gespräch über das neue Leben 11.07.2012

Frage unseres Blog-Lesers über die Kinderlosigkeit 05.08.2012

Frage: Schon länger als ein Jahr beunruhigt mich die Unmöglichkeit meiner Frau, schwanger zu werden. Wir beide sind schon längst über dreißig, sind aber immer noch kinderlos. Wir haben nicht rechtzeitig an die Kinder gedacht, und müssen jetzt dafür büßen. Meine Frau ist ständig krank, sie hat gynäkologische Probleme. Jeden Monat warten wir mit der Hoffnung auf die Schwangerschaft, aber sie tritt nicht ein. Wir sind so traurig und nervös geworden. Ich studiere schon ca. ein halbes Jahr an der Kabbala-Akademie. Ich bitte Sie, sagen Sie mir, was ich tun muss, welche Veränderungen ich verwirklichen muss, um endlich Vater zu werden.

Meine Antwort: Lassen Sie sich nicht in die Ecke treiben. Solche Beunruhigung, besonders bei den Frauen, verhindert vollkommen ihre Möglichkeit der Empfängnis.

Deshalb ist es Ihre Pflicht, vor allem zu lernen, sich über die Familie, über die Frau zu freuen, unabhängig von Ihrem unerfüllten Verlangen. Die Freude – wie wir lernen – ist ein Zeichen des Lebens, eine wichtige Bedingung.

Weiterhin sollen Sie ab diesem Moment und weiterhin Ihr Zusammenleben so führen, dass Sie Ihrer Frau ununterbrochen die Zeichen der Aufmerksamkeit schenken, und ihr ständig andeuten, dass Sie nur sie mögen, und nicht „ihr Gerät“ für die Geburt der Kinder.

Wir lernen diese tiefen Grundlagen der notwendigen Korrekturen in der Kabbala: Erstens existieren das natürliche Verlangen, Kinder zu haben, sowie alle Vorbedingungen dafür nur im weiblichen Teil der Schöpfung, innerhalb der Frau, deshalb sollen diese nicht durch die psychologischen Störungen, durch die Beunruhigung oder Vorurteile, wie sie in der gegenwärtigen Gesellschaft üblich sind, beansprucht werden. Zweitens ist für das Geschöpf jede Erscheinungsform des Schöpfers, „das Zeichen der Aufmerksamkeit“ von seiner Seite eine Quelle des Lebens. Ebenso erfolgt es in den Beziehungen zwischen dem Mann und der Frau: sie (die Schöpfung) wartet auf das Licht, deshalb nimmt sie jedes beliebige Wort und die Handlung des Mannes als das Zeichen der Aufmerksamkeit oder der Unaufmerksamkeit wahr. Seine Beziehung ihr gegenüber erhöht oder vermindert ihre Lebenskraft und alle ihre natürlichen Möglichkeiten und die Vorbedingungen.

Unterschiede in der Familie überwinden

Integrale Familie – das ist in erster Linie eine Familie, in der beide verstehen, dass sie eine Einheit bilden müssen. Sie müssen sich über ihre natürlichen Unterschiede erheben.

Wir sind untereinander alle völlig unterschiedlich und können uns nicht einmal vorstellen inwiefern. Denn wenn unser Egoismus ausbricht und wir entweder im Affektzustand (Angst oder Reizung) sind oder in einem Zustand des Glücks und der Euphorie, dann kommen in uns solche Neigungen zum Vorschein, von welchen wir nicht einmal ahnen konnten, dass wir sie haben.

Das bedeutet, dass wir trotz unserer Unterschiede zu einer gewissen Art der integralen Zusammenarbeit kommen müssen. Was folgt daraus? Wir brechen den Menschen auf gar keinen Fall und versuchen nicht, ihn zu ändern. Wir treiben ihn zu einer Zusammenarbeit mit Anderen an, wie beim Puzzle, wo die Rundungen und Höhlungen der unterschiedlichen Teile des Bildes eine Verbindung zwischen ihnen erlauben, so dass ein Gesamtbild entsteht. Natürlich werden hier einige Grundlagen der Psychologie gebraucht, die Arbeit mit sich selbst, die Zusammenarbeit mit den Anderen, um gleichzeitig sich selbst und die Anderen zu verstehen. Wenn wir das alles dem Menschen geben, werden sie mit großer Sicherheit anders werden.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 08.07.2012

Um nicht beim zerbrochenen Trog zu landen

Frage: Wenn ich in der Familie zustimmen und einräumen soll, dann genügt es jedes Mal, einfach einen Kompromiss einzugehen?

Meine Antwort: Nein, der Kompromiss nützt nichts. Den Kompromiss erlangt man unter dem Druck der äußeren Kraft: Es bleibt ihnen nichts übrig, sie haben keine Wahl, weshalb sie schon notgedrungen diese Handlung ausführen. Diese falsche Lösung basiert auf der Existenz der egoistischen Zustände, die zwischen den Menschen entstehen.

Sie sollen darüber nach dem Prinzip „zeige mir alle deine Verlangen, und ich werde sie allmählich erfüllen“ hinaufsteigen. „Und wenn du willst, dann kann ich dir von meinen Wünschen erzählen“.

Frage: An der Stelle erinnere ich mich an das Märchen „Über den goldenen Fisch“ – an die Alte, die nur an die Erfüllung der eigenen egoistischen Verlangen gedacht hat.

Meine Antwort: Lasst uns in der Familie etwas anderes vereinbaren. Die Familie ist im Prinzip etwas sehr Nahes, Intimes, Geschlossenes, und nicht die riesige Gesellschaft, in der wir unter dem Druck der Natur die guten Beziehungen mit allen Übrigen schaffen sollen. Lasst uns wenigstens in der Familie diese Einstellung umzusetzen. Wir könnten einach die Gegenseitigkeit vorspielen: Ich fülle deine Verlangen aus, du füllst meine Wünsche aus, wir machen es so, dass jeder mit dem anderen zufrieden ist.

Sie werden erkennen, inwiefern dabei ihre gegenseitigen Forderungen sinken werden: Sie werden plötzlich fühlen, dass sie auf Vieles verzichten können, da es dafür keine Notwendigkeit gibt; sie werden sogar bereit sein, allem zuzustimmen, wobei es ihnen dennoch gut und komfortabel gehen wird.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 08.07.2012

Hausaufgaben für zwei

Frage: Können Sie ein Beispiel für eine gemeinsame praktische Aufgabe vorstellen, die verheirateten Paaren im Verlauf des Kurses der integralen Erziehung aufgegeben wird?

Meine Antwort: Zunächst einmal müssen wir sicherstellen, dass ihr wechselseitiger Einfluss aufeinander konstant bleibt. Darüber hinaus müssen sie in den Pausen zwischen den Sitzungen ständig in Kontakt bleiben, der Austausch ihrer Eindrücke erfolgt alle paar Stunden.

Bei jedem Paar führen die Partner wechselseitige Arbeit durch: manchmal ist einer „größer“ als der andere, dann ist es wieder umgekehrt, und manchmal sind sie auf Augenhöhe. Darüber hinaus lernen sie im neuen System der Wechselbeziehungen und erledigen täglich ihre Hausaufgaben. Tagsüber machen sie Aufzeichnungen von Punkten wie: wie oft mussten sie sich an das Prinzip erinnern, dass „die Liebe alle Verbrechen überdecken wird „, oder: wie oft musste jeder sein eigenes Ego überwinden, um im Partner eher positive als negative Dinge zu sehen, und an sich selbst die egoistischen Anteile wahrzunehmen wie bei einem Foto-Negativbild, anstatt nur das Positivbild zu sehen. Die Kritik des Partners ersetzt jeder durch Selbstkritik, d.h. durch die Analyse der eigenen Eigenschaften, die den anderen im schlechten Licht erscheinen lassen. Das Ehepaar vermerkt, wie oft sie sich gegenseitig zu Hause unterstützt haben, und wie oft sie mit anderen Paaren kommuniziert haben – sagen wir etwa alle drei bis vier Stunden, am Telefon oder im Internet per Telefonkonferenz.

So schreiten sie voran, treffen sich jeden Tag beim Seminar und bekommen neue methodische Erklärungen. Nach der Ausbildung folgt ein gemeinsames Seminar und Hausarbeiten über das gelernte Material für den nächsten Tag.

Darüber hinaus muss eine bestimmte Zeit der Analyse des Tages gewidmet sein. Vielleicht hat etwas nicht geklappt – wie kann man den Erfolg doch noch erreichen? Vielleicht ist es besser, beim heutigen Lehrgang eine Lektion und einen Workshop zu bestimmten Themen und Fragestellungen durchzuführen, anstatt sich fest an den Plan zu halten, der gestern zusammengetragen wurde.

Auszug aus dem 32. Gespräch über das neue Leben 11.07.2012

Sorgen um die Kinder

Frage: Zur Zeit gibt es eine Menge Konflikte in den Schulen. Jeder Besuch der Schule endet mit einer Auseinandersetzung: Die Lehrer sind nicht zufrieden mit den Kindern, die Kinder nicht mit den Lehrern; die Eltern sind sowohl mit den einen, als auch mit den anderen unzufrieden. Wenn meine Frau von dort kommt, teilt sie mir den Schmerz mit, mit dem sie konfrontiert wurde. Sie sagen, das muss korrigiert werden. Wie kann ich als Mann das Problem lösen, was soll ich tun?

Meine Antwort: Nichts. Was können Sie tun?

Sie müssen das System der Erziehung ändern. Die Erziehung und nicht die Bildung! Die Bildung kann dort gut sein. Und die Lehrer in den einzelnen Fächern können auch gut sein. Aber die Erziehung nicht! Es gibt kein solches Fach, es gibt keine Menschen, die es verstanden haben, wie man die Kinder großzieht, und sich mit der Erziehung beschäftigen. So etwas gibt es noch nicht!

Denken Sie nur darüber nach, was in der nächsten Generation passieren wird! Richtig, es wird sie nicht geben – niemand will eine solche Generation. Deswegen wollen die Menschen keine Kinder haben, oder eine Familie gründen. Wofür denn? Damit es zu dem kommt, was wir heute sehen? Unglückliche Kinder – warum sollte man sie überhaupt gebären?

Wenn euch eure eigenen Kinder wichtig sind, dann trefft euch in der Schule, um in einem bestimmtem Rahmen zu entscheiden, was man mit ihnen weiter unternimmt. Aber euch ist das so was von egal, ihr habt Sie in eine Organisation Namens „Schule“ abgeschoben, ans „Ministerium für die Bildung“ abgegeben, und das war es – ihr möchtet euch nicht mehr mit ihnen beschäftigen. Das sollte aber nicht so sein!

Einmal hatte ich ein Problem mit meinem Sohn. Ich hab ihn in eine besondere Schule eingeschrieben – in ein Internat, und er kam alle paar Wochen nach Hause. Nach eineinhalb Jahren rief man mich an: „Er benimmt sich sehr schlecht, wir wollen ihn ausschließen.“ Ich war empört: „Wie kommt das? Wo war er diese eineinhalb Jahre? Bei euch? Wer hat ihn so gemacht – wie es aussieht Sie selbst? Und jetzt wollen Sie ihn rausschmeißen? Sie verderben die Kinder, und dann werfen sie sie aus ihrem System raus und alles. Wie konnte er so werden, wenn er die ganze Zeit in euren Händen gewesen ist? Und jetzt sollten sie ihn selbst korrigieren“.

Also müssen wir die Schule wieder umrüsten! Wir sehen, welche Generation unsere ablöst, denn wir erziehen sie so.

Wir haben allerdings eine Chance! Sieht, wie alles in der Natur organisiert ist: Wir können aus einem menschlichen Embryo das machen, was wir wollen: von einem Verbrecher bis zu einem Heiligen. Alles liegt in unseren Händen. Und wen erschaffen wir? Einen unglücklichen Menschen, der sein ganzes Leben lang leidet, der seinen Kopf in den Sand steckt, von allem Angst hat, sich vor allem versteckt, das Problem mit Wodka zu lösen versucht und nichts von diesem Leben hat, so lange er nicht davon Abschied nimmt. Wozu braucht man solch ein Leben? Lassen Sie uns endlich der Wahrheit ins Auge sehen, um zu erkennen, was wir getan haben. Das haben WIR getan.

Frage: Also, wenn jemand aus meinen Bekanntenkreis berichtet, dass es Schwierigkeiten in der Schule gibt, können wir im Prinzip zur diesen Schulen gehen und am Beispiel zeigen, wie die Methode der integralen Erziehung funktioniert.

Meine Antwort: Natürlich können Sie! Sie werden sie empfangen. Keiner der Direktoren sagt: „Nein!“ Sie sind ein Diplom-Psychologe, sie besitzen Referenzen, man kennt sie im Fernsehen. Sie wollen eine Lehrstunde, Master-Klasse, und so weiter geben. Bitte tun sie das! Sie werden mit Freude zustimmen. Stellen sie unauffällig eine kleine Kamera auf, um die Schüler nicht in Verlegenheit zu bringen, um anderen die Möglichkeit zu geben, sie von einem anderen Raum aus zu beobachten – heute zu Tage ist das kein Problem.

Frage: Glauben Sie, der Moment ist gekommen, in dem wir bereit sind, den Menschen die integrale Methode zu geben?

Meine Antwort: Schließen Sie die Eltern mit ein, wie wir es in der Schule tun, oder die Schulleitung, die darunter leidet, dass an ihrer Schule die Gewalt ausufert und gedeiht und eine sehr niedrigere Leistungsbereitschaft herrscht. Sie haben zwei Möglichkeiten: entweder durch die Eltern oder durch die Schulleitung. Versuchen Sie, zu handeln. Damit müssen wir anfangen! Sie werden sehen, wie fruchtbar dieser Boden ist. Sie werden keine Hindernisse vorfinden, und es wird keine Gegner in dieser Angelegenheit geben, denn allen tut es weh, zu sehen, was mit den Kindern passiert.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 28.05.2012

Der musterhafte Familienvater

Frage: Viele Familienangehörige unserer Freunde, die sich aktiv an dem Aufbau des Integralsystems beteiligen, beginnen unseren Freunden vorzuwerfen, dass diese fauler geworden sind und irgendwelche notwendigen Sachen nicht mehr erledigen.

Wie soll man sich hier richtig verhalten? Der Mensch soll sich doch für die Familie engagieren und seine Aufgaben erfüllen?

Meine Antwort: Jeder soll seine erforderliche Teilnahme am Familienleben realisieren, wobei er seine Bemühung im Hinblick auf den spirituellen Aufstieg erkennen muss. Du sollst dich um die Familie kümmern. Es geht um die Arbeit mit der selben Selbstsucht, sie ist aber nicht mehr persönlich, sondern eher familiär. Dann kommst du voran.

Frage: Das heißt, ein solcher Mensch soll in den Augen der Nachbarn absolut normal sein, als ob er sich um die Familie sorgen, das Geld verdienen und die materiellen Probleme usw… lösen würde?

Meine Antwort: In einem bestimmten Rahmen. Er soll nicht danach streben, möglichst viel zu verdienen. Seine Sorge gilt den Mitteln, die für die normale Existenz notwendig sind. Er sollte so handeln: Alles über das Notwendige hinaus soll er für die Vereinigung der Welt oder für anstehende Veranstaltungen und für die Verbreitung sparen.

Auszug aus dem Gespräch über die Integrale Erziehung, 30.05.2012