Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Unbelebt, pflanzlich, lebend und sprechend

In der Spiritualität existieren vier Niveaus der Entwicklung des empfangenden Verlangens: unbelebtes, pflanzliches, tierisches und menschliches.

Das Verlangen entspricht jener Kraft, die darin existiert.

Wenn es die Kraft des unbelebten Niveaus ist, dann behält das Verlangen seine Struktur und widersteht nach Möglichkeit den äußeren Kräften, damit diese nicht nach innen geraten und es nicht zerschlagen. Es gibt mehr oder weniger feste Materialien, je nach der Kraft des Verlangens der unbelebten Form. Man kann einige Materialien sehr schwierig spalten, und andere sind im Gegenteil nachgiebig. Fraglich ist auch, welche Materialien letzten Endes standfester gegenüber der äußeren Einwirkung sind. Ungeachtet der Erschütterungen und der Durchdringung von außen können die Gummireifen den Schlag halten, wobei der Stein- oder eiserne Reifen um Vieles schneller zerbrochen ist.

Auf diese Weise können wir die innere Härte unserer Verlangen prüfen: inwiefern unsere Verlangen den inneren Veränderungen widerstehen können. Sogar in unserer Welt ist der Unterschied zwischen Gummi und Eisen sichtbar, wobei Gummi fähig ist, den äußeren Veränderungen standzuhalten, wird aber bei „der durchdringenden“ Einwirkung gebrochen.

Nach dem unbelebten Niveau folgt das Pflanzenniveau. Sein Verlangen ist größer und mächtiger, es ist schon fähig, den äußeren Einfluss zu ertragen, ihn zu sortieren und die nützlichen Elemente zu verwenden. Es prüft die äußeren Faktoren, absorbiert die nützlichen und weist die schädlichen ab.

Somit wird hier schon eine sehr komplizierte Analyse durchgeführt, für welche das Verlangen des pflanzlichen Niveaus seine Struktur kennen soll, d.h. wie und wofür sie existiert und was für es nützlich und was schädlich ist. Bei den Pflanzen erfolgt diese Analyse instinktiv, so dass man daraus verstehen kann, wie man auf der spirituellen pflanzlichen Stufe zu handeln hat.

Das Verlangen des tierischen Niveaus kann seine Umgebung wählen, weshalb es über die Möglichkeit verfügt, seinen Platz zu wechseln. Für die Vermehrung ist die Verbindung mit einem Partner notwendig. Die Geburt ist hier die wahrhafte Schöpfung, als ob der Schöpfer das neue Geschöpf erschaffen würde. In der Spiritualität funktioniert es genauso: solange der Mensch nicht über die Kraft Bina verfügt, kann er nichts bewirken.

Das Verlangen des tierischen Niveaus kann verschiedene Formen annehmen. Ihm sind schon die Erscheinungsformen der kleineren und der größeren Verlangen bekannt. Somit nimmt die tierische Stufe ihr Leben vollständig wahr. Die Tiere sorgen sich um die Nachkommenschaft, ziehen diese groß. Insgesamt gilt auf diesem Niveau das instinktive, innere Programm der Erkenntnis des eigenen Lebens, auch dann, wenn dieses beschränkt und unvermeidlich ist.

Die Tiere bewegen sich, sie fühlen, wo es ihnen gut und wo es ihnen schlecht geht. Sie können ihre Umgebung analysieren. Die Pflanzen wirken nicht auf ihre Umgebung ein, sie verteidigen sich nur gegen ihre schädlichen Elemente und öffnen sich in einem gewissem Grad den nützlichen äußeren Bedingungen, und zwar der Sonne, der Luft, der Feuchtigkeit usw.. Die Tiere wählen und ändern ihre Umgebung, bewegen sich, wählen die Orte für das Leben und die Vermehrung. Sie empfinden in einem gewissen Grad ihren Nächsten, sie versammeln sich in Rudeln, in denen eine klare Ordnung und Hierarchie herrscht.

Das alles sind schon sehr tiefe Situationen, welche jedoch nach wie vor instinktiv realisiert werden.

Auf dem menschlichen Niveau, das uns betrifft, soll alles über dem empfangenden Verlangen, oberhalb der Beschränkung, empfunden werden. Man muss nur verstehen, dass dem Menschen die Bekanntschaft mit der neuen Welt auferlegt ist.

In der spirituellen Welt gelten die 620 Verlangen auf jeder Stufe:

Das unbelebte Niveau ist bereit, jeder beliebigen Einwirkung der Selbstsucht zu widerstehen, da es sich unter dem Schirm, unter dem Schutz der Beschränkung aufhält, die allen egoistischen Verlangen auferlegt ist

Das Pflanzenniveau verwendet den empfangenden Wunsch, beginnt ihn zu korrigieren und klärt aus der egoistischen Schale der Klipot und mittels des Lichtes, das zur Quelle zurückführt, auf, was für ihn nützlich und was schädlich ist. Es saugt das Nützliche ein und stößt das Schädliche ab, öffnet und schließt sich, und alle seine Bewegungen sind auf das Geben gerichtet. Allerdings existiert es unter dem Einfluss der Gemeinsamkeit, ohne persönliche Analyse, und bewirkt nichts selbständig. Auf der pflanzlichen Stufe behalten die Geschöpfe im Rahmen des allgemeinen Wunsches ihre Struktur bei und ändern sich nur zusammen. Anders gesagt, der Mensch ist hier fähig, sich über dem persönlichen egoistischen Verlangen aufzuhalten, aber kann noch nicht die Umgebung beeinflussen oder wechseln, diese in seinem Inneren erfassen und korrigieren.

Das tierische Niveau ist mit seinem empfangenden Verlangen schon fähig, in der Welt des Schöpfers fast ohne Grenzen zu leben.

Der Mensch kann die Umgebung, die ganze Welt einschließen, und wird folglich „zum Gerechten, zur Grundlage der Welt“.

Baal HaSulam schreibt darüber im 115. Artikel der „Shamati“, der auch „Unbewegt, pflanzlich, lebend und sprechend“ heißt.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 09.11.2012

Wann entstehen spirituelle Probleme?

Kongress in Georgien. Lektion 3

Frage: Als während des Workshops die Frage gestellt wurde: „Wie können wir uns über unsere Unterschiede erheben, um Gemeinsamkeiten zwischen uns zu finden?“, haben wir versucht, es zu klären, und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir keine Unterschiede zwischen uns feststellen können. Gibt es also nichts, worüber wir uns erheben können?

Meine Antwort: Wenn es keine Unterschiede zwischen euch gibt, dann ist es nicht gut. Es gibt keine Probleme?! Das heißt, alle scheinen nett, freundlich zu sein, alle stehen einander nah, alles ist gut? Dann ist das keine Gruppe.

Frage: Sollen wir nach Problemen suchen?

Meine Antwort: Nein, ihr sollt nicht nach Problemen suchen.

Es ist so, dass wenn wir richtig miteinander arbeiten und nach Einheit streben, dann decken wir Probleme auf.

Wenn wir uns einfach so treffen und in der Gruppe studieren, gemeinsam Raummiete bezahlen, in der Verbreitung arbeiten und zwischen uns alle möglichen Missverständnisse entstehen, dann sind es einfache, menschliche Missverständnisse, die es überall, in jeder Gemeinschaft gibt. Wir ärgern uns sehr über diese ganzen Probleme, wir streiten miteinander, manchmal gehen die Gruppen sogar auseinander oder werden von manchen Menschen verlassen. Das sind ganz und gar nicht die Probleme, von denen wir reden.

Echte, spirituelle Probleme entstehen dann, wenn Menschen einander entgegenstreben und nicht, wenn sie einfach die Miete zusammen zahlen, gemeinsam studieren usw. Und dieses Streben erzeugt Widerstand, alle möglichen Zusammenstöße.

Sie nehmen diese Zusammenstöße als Eifersucht, Neid, Unstimmigkeiten wahr – keine gewöhnlichen, alltäglichen, sondern innere Unstimmigkeitenauf der spirituellen Ebene. Sie empfinden sich als spirituell entgegengesetzt, spüren großen Neid in Bezug aufeinander und andere ähnliche Abstoßungen.

Solche Beziehungen entstehen dann, wenn sie versuchen, sich zu verbindenund sich eine entgegenwirkende Kraft bildet – genau diese Bewegung der Abstoßung voneinander ist der böse Trieb. Das heißt, es ist nicht einfach die egoistische Eigenschaft des Menschen und seine Natur, sondern eben das, was in einer kabbalistischen Gruppe, die der Einheit entgegenstrebt, entsteht.

Wenn wir Artikel über den bösen Trieb des Menschen lesen, dann ist in ihnen jener Egoismus gemeint, der über der spirituellen Vereinigung, über dem Bestreben, zusammen zu sein, die innere Verbindung zu finden, entsteht.

Dort entsteht bereits die spirituelle Abstoßung. Darum steht geschrieben: „Ich erschuf den bösen Trieb und ich erschuf (das Licht) die Tora zu dessen Korrektur“. Dabei steht geschrieben: „Den bösen Trieb hat der Mensch von Geburt an“. Was bedeutet „von Geburt an“? Von der Geburt des Menschen in uns.

Ab welchem Stadium beginnt die Geburt des Menschen in uns? – Wenn wir versuchen, uns zu verbinden, um zu einem gemeinsamen Menschenbild zu werden, und in uns der Widerstand erwacht. Genau das ist der böse Trieb des Menschen in uns. Und von da an soll die Korrektur zu ihm kommen.

Doch davor haben wir nichts zum Korrigieren. Alle unsere kleinen tierischen Probleme in der Familie, auf der Arbeit und untereinander, wenn wir einfach zusammenkommen, um etwas zu studieren, über etwas zu diskutieren, sagen wir mal, über den Raum oder das Programm – das alles hat nichts mit der Spiritualität zu tun, sondern geht ihr nur voraus.

Darum steht im Sohar geschrieben, dass wenn die Schüler von Rabbi Schimon (und sie waren große Kabbalisten, auf einer sehr hohen Stufe, weit über die Grenzen der Erkenntnis von gewöhnlichen Kabbalisten hinaus) zum Studieren zusammenkommen und einander entgegenstreben, entdecken sie großen Hass untereinander, und jeder von ihnen spürt, dass er bereit ist, die anderen einfach zu verbrennen.

Frage: Was ist dann das Rezept für die möglichst korrekte Vorbereitung auf diese „Verhärtung des Herzens“, wenn ich genau weiß, dass sie kommt?

Meine Antwort: Nur das Streben nach Verbindung. Wenn diese Verbindung richtig ist, werdet ihr riesigen gegenseitigen Hass, Abstoßung, Neid, Stolz und andere egoistische Eigenschaften empfinden. Ich wünsche es euch.

Frage: Wenn wir diesen Zustand überwinden, wo gehen wir dann hin?

Meine Antwort: Wenn ihr diesen Zustand überwindet, geht ihr nirgendwo hin. Denn wenn ihr ernsthaft untereinander arbeitet, stellt ihr fest, dass ihr diesen Zustand nicht überwinden könnt. Und dann entsteht das Bedürfnis nach dem Schöpfer in euch, damit Er euch miteinander verbindet.

Auszug aus der 3. Kongresslektion in Georgien, 06.11.2012

Was schätze ich an dem Freund?

Kongress in Georgien. Lektion 2

Die Liebe zu den Freunden besteht darin, dass ich niemanden von ihnen liebe. Ich wünsche mir naturgemäß, jeden von ihnen mir unterwürfig zu machen – sie sollen mir dienen und das tun, was ich will. Oder überhaupt: wozu brauche ich sie? Sie sollen ganz verschwinden.

Das ist eine „normale“ Haltung des Menschen allen anderen gegenüber.

Die Liebe zu den Freunden besteht darin, dass mir ihre Eigenschaften, ihre mentalen oder physischen Probleme oder im Gegenteil Erfolge, egal sind – für mich sind nur die Punkte im Herzen wichtig. Sie sind das, was ich liebe. Alles andere muss ich nicht lieben.

Im Grunde genommen ist noch nicht einmal das Geschlecht wichtig. Wir müssen Abstand  von den äußeren Erscheinungen gewinnen, uns möglichst weit von ihnen entfernen. Dann beginnen alle andern Faktoren einander plötzlich zu ergänzen.

Denn mit den Punkten im Herzen ergänzen wir einander nicht – wir verbinden sie einfach, in ihnen herrscht Einvernehmen zwischen uns. Und sobald wir die Punkte im Herzen verbunden haben, beginnen sich alle unsere vollkommen unterschiedlichen Charaktere und Eigenschaften plötzlich wie Zahnräder untereinander zu verbinden. Genauso sind zwei Kupplungsscheiben miteinander verbunden – und der ganze Mechanismus beginnt sich fehlerlos zu drehen. Wenn wir die Punkte im Herzen miteinander verbinden und uns über alle anderen Eigenschaften erheben, ohne sie zu beachten, erreichen wir die ideale Verbindung zwischen uns.

Wie machen wir das? Ich liebe und schätze an dem Freund sein Bestreben nach der Einheit, nach dem Schöpfer. Ich finde, dass er mir darin überlegen ist, darin ist er höher als ich, danach strebt er mehr als ich. Auf diese Weise sehe ich die Freunde als „die Größten der Generation“ sozusagen. Wenn ich den Freund in dem Wichtigsten erhebe, ohne seine anderen irdischen Eigenschaften auch nur im Geringsten zu beachten, komme ich ihm auf diese Weise näher, stelle mich unter ihn. Und so verbinden wir uns.

Als „Freundesliebe“ wird eine eben solche Verbindung unserer Punkte im Herzen zu einem Ganzen bezeichnet, ausgenommen alles andere. Und dabei müssen wir einander helfen. Ich kann meinen Freunden in der Gruppe alle möglichen Gefälligkeiten erweisen, ihnen bei irgendwelchen irdischen Problemen helfen, aber nur wenn wir wirklich Teile einer Gruppe darstellen und versuchen, unsere Punkte zu vereinen.

Kabbala verhält sich sehr hart einer gewöhnlichen Hilfeleistung gegenüber. Warum? Weil sie die Absicht von dem Menschen verlangt! Und hier muss ich mich einer sehr genauen Analyse unterziehen: wozu mache ich das? Nicht einfach, weil mir jemand leid tut, weil mir das peinlich ist, weil ich nicht als kaltherzig dastehen will usw. Nein, ich stelle mir eine andere Bedingung – ich möchte es tun, weil wir dadurch Einheit erreichen. Und nur deshalb!

Auszug aus der 2. Kongresslektion in Georgien, 06.11.2012

 

Was bedeutet „Gruppe“?

Kongress in Georgien. Lektion 2

Frage: Unter welchen Bedingungen können wir sagen, dass die Gruppe Erfolg hat, dass sie sich dem Ziel entgegenbewegt?

Meine Antwort: Die Gruppe, die sich dem Ziel entgegen bewegt, ist eine Versammlung von Menschen, die ein gemeinsames Ziel haben, welches sie kennen, welches sie untereinander erkennen, wahrnehmen. Sie studieren gemeinsam kabbalistische Quellen, prüfen sich anhand dieser Quellen, arbeiten daran, ihre Punkte im Herzen zu vereinen. Das heißt, das Wichtigste für sie ist, sich zu verbinden, ohne auf andere Eigenschaften zu achten.

Wenn der Mensch der Einheit entgegenstrebt, um den Schöpfer zu enthüllen, genügt das, damit er zu meinem Freund wird, selbst wenn er in allem anderen ein sehr unangenehmer Mensch zu sein scheint – es ist unwichtig. Allmählich werden wir alle erkennen, wie wir uns aneinander anpassen, einander näher kommen können.

Die Gruppe ist eine Versammlung von Menschen, die verstehen, dass sie, um den Schöpfer zu erreichen, an sich arbeiten, studieren und ein bestimmtes Leben führen müssen. Sie müssen regelmäßig zusammenkommen und in Kontakt miteinander sein, der sie ständig zur Verbindung anregen sollte.

Einfach nur einen Raum zu mieten und sich dort zu treffen bedeutet noch lange nicht, dass die Gruppe es zu etwas gebracht hat. Wir treffen uns physisch, lesen zusammen, gehen wieder auseinander und schon sind wir eine Gruppe? In der Kabbala wird alles nicht durch physische Körper, sondern durch innere Erweckung bestimmt.

Als Gruppe wird das Streben der Punkte im Herzen, zu einem Ganzen zu werden, verstanden. Nur dann wird das als „Gruppe“ bezeichnet. Darum müssen wir noch viel daran arbeiten.

Wenn aber die Menschen alle zusammen nach einem Ziel streben, weil sie begreifen, dass sie nur durch Verbindung über alle Gegensätzlichkeiten in dieser Eigenschaft den Schöpfer herausheben und dabei das Zerbrechen überwinden können, dann werden sie zu einer Gruppe.

Daraus folgt, dass alle unsere gegensätzlichen Eigenschaften ein einziges egoistisches Verlangen sind. Alle unsere egoistischen Verlangen, die im Widerspruch zueinander stehen, befinden sich jetzt quasi in einem Sack. Und über diesen Eigenschaften vollziehen wir eine Einschränkung (Zimzum) und bauen einen Schirm (Massach) auf und richten unsere Punkte zum Schöpfer, zur Ähnlichkeit, zum Geben aus.

Also bleiben unsere vereinten egoistischen Verlangen unten, und unsere Absichten zur Vereinigung, zum Bestreben nach dem Schöpfer, zur Ähnlichkeit mit Ihm befinden sich oben, über ihnen. Auf diese Weise beginnt sich bei uns bereits die Seele, sprich ein gemeinsamer Parzuf, zu bilden.

Es existiert eine einzige Seele. Es gibt keine Vielzahl von Seelen. Alle und jeder hat nur ein einziges Kli (Gefäß). Wenn wir es quasi erschaffen, stellen wir auf diese Weise plötzlich fest, dass es dieses bereits gibt! Wir haben nur versucht, es zu erkennen und haben durch unsere Versuche plötzlich entdeckt, dass wir darin bereits existieren, weil diese einzige ganzheitliche Schöpfung bereits existiert und das Zerbrechen nur in Bezug auf unser Bewusstsein stattgefunden hat. Und wenn wir nach vorne streben, erheben wir uns über unsere heutige Wahrnehmung.

Auszug aus der 2. Kongresslektion in Georgien, 06.11.2012

Die allgemeine Pflicht

Kongress in Georgien. Lektion 1

Frage: Kann jeder Mensch entlang der spirituellen Treppe hinaufsteigen, und was wird mit den Menschen passieren, die nicht hinaufsteigen können?

Meine Antwort: Jeder Mensch soll und wird verpflichtet sein, das Gleichgewicht, die Harmonie mit der Natur, mit dem Schöpfer, mit den anderen Menschen zu erreichen. Jeder!

Was wird mit den Menschen passieren, die es nicht wollen? Die Natur wird sie mit dem Stab zum Glück vorantreiben sowie so lange schlagen, bis sie es endlich wollen. Sie wird sie so hart schlagen, dass keine Aufseher notwendig sein werden. Dann wird der Mensch allmählich beginnen, sich zu fragen: „Warum geschieht das? Warum passiert mir das? Was mache ich falsch?“, denn die Schläge belehren ihn allmählich.

Die Kabbala hilft uns anhand der wenigen Schläge, anstelle von hunderten und mehr, zu verstehen, was von uns verlangt wird. Im Prinzip macht sie nichts anderes, indem sie uns einfach hilft zu verstehen, worin das Problem des Lebens besteht, und wie es zu lösen ist.

Auszug aus der 1. Lektion des Kongresses in Georgien, 05.11.2012

Die spirituelle Sehkraft und und das spirituelle Gehör

Kongress in Georgien. Lektion 1

Frage: Was bedeutet die spirituelle Sehkraft und das spirituelle Gehör?

Meine Antwort: Das erste Stadium des Begreifens heißt „ich hörte“ und das zweite Stadium „ich sah“. Aber es handelt sich nicht um die Ohren und die Augen, sondern um das Niveau, die Tiefe des spirituellen Begreifens.

Wenn der Mensch den Zustand „tue niemandem etwas Böses an“ erlangt, dann befindet er sich im Zustand „ich hörte“. Wenn er außerdem das Niveau „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ erreicht, dann wird er das Niveau „ich sah“ erlangen.

Auszug aus der 1. Lektion des Kongresses in Georgien, 05.11.2012

Filtere alles Unnötige heraus

Kongress in Georgien. Lektion 2

Die Kabbalisten schreiben die Gesetze der Gruppe auf, nachdem sie alles selbst erlebt haben. Das Ziel des Aufbaus einer Gruppe besteht darin, sich zu verbinden und dem Schöpfer ähnlich zu werden. Eine Gruppe entsteht folgendermaßen: es kommen Menschen zusammen, die diesen Zustand erreichen müssen. Die Gruppe muss natürlich verstehen, dass sie genau deswegen existiert. Es kommen Anfänger dazu, die das noch nicht verstehen, noch nicht begreifen, doch letztendlich erklären wir ihnen in kürzester Zeit, wofür die Gruppe existiert, und zwar nicht unter Druck, sondern führen sie nach und nach an diesen Zustand heran.

Die Gruppe muss einheitlich sein, es darf keine Schrägstellungen in ihr geben. Das ist kein Unternehmen mit Vorgesetzen und Untergebenen – in einer kabbalistischen Gruppe von Freunden kann es so etwas nicht geben. Es geschieht alles nur gemeinsam.

Auf dieser Grundlage gründen wir alle möglichen Abteilungen, die die Gruppe bedienen, unterstützen, halten, verschiedene Beschäftigungen, Feste, Mahlzeiten usw. organisieren. Das alles muss genauestens mit der Eigenschaft der Einzigartigkeit eines jeden und der Einheit von uns allen in Einklang gebracht werden. Ungeachtet dessen, dass wir alle verschieden sind, müssen wir absolut gleichgestellt sein. Der eine ist klug, der andere dumm, der eine ist fleißig, der andere faul – das spielt keine Rolle. Jeder ist so von Natur aus, und er wird genau in dieser Form gebraucht.

Stellt euch einen Mechanismus vor, in dem einige Teile sich schnell und andere langsam bewegen, einige bewegen sich von rechts nach links und andere drehen sich um die eigene Achse. Jeder hat seine eigene Bestimmung, und das Wichtigste ist, dass jeder seine Rolle für die gemeinsame Einheit maximal erfüllt. Davon werden alle anderen Bedingungen in der Gruppe abgeleitet.

Die wichtigste Bedingung ist die gegenseitige Unterstützung, weil sie zur Verbindung führt. Denn in einem einzelnen Menschen gibt es nichts zum Korrigieren. Jeder von uns ist vollkommen, es gibt nichts Lasterhaftes in ihm, außer einer einzigen Sache – der Verbindung mit den anderen. Deshalb achte ich nicht auf den Charakter eines Menschen, auf sein Aussehen, auf seine widerlichen Gewohnheiten, auf gar nichts. Das alles interessiert mich nicht.

Ich setze einen „Filter“ ein und merke das alles nicht. Der eine ist rothaarig, der andere ist eine Nervensäge, der dritte macht Faxen – sie können mich nerven oder im Gegenteil anziehen, doch es ist unwichtig für mich. Hinter meinem „Filter“ muss ich nur eins sehen, und zwar die Einstellung des Menschen gegenüber der Verbindung. Denn nur das müssen wir in ihm korrigieren. Wenn er daran arbeitet, dann ist er mein Freund, und wenn nicht, dann ist er ein Fremder.

Genauso muss ich auch nicht versuchen, etwas in mir selbst zu verändern, außer der Verbindung mit den anderen. Das ist sehr wichtig. Es wird unheimlich viel Zeit und Kraft damit vergeudet, um mit etwas Unnützem aufzuhören, wodurch wir uns nur noch mehr schaden. So, wie du bist, sollst du auch bleiben. Man sollte kein Gramm Energie für nichts, außer der Verbindung verbrauchen.

Wenn das klar wird, wird die Arbeit geschmeidig und beruht auf Gegenseitigkeit. Sie verwandelt sich ganz zu einer Mahlzeit, zum Streben nach Gegenseitigkeit, nach Liebe.

Alles andere wird nicht bemerkt – es gibt nur eine Bedingung, und die Gruppe muss ihre Aufmerksamkeit ständig darauf richten. Natürlich können am Anfang, sogar in den ersten ein paar Jahren (denn unser Weg ist bei weitem kein kurzer), verschiedene Schräglagen, Missverständnisse entstehen, die Menschen können vergessen, sich aufregen, „explodieren“ usw. Doch nur eins ist wichtig – ob der Mensch die Bestrebung nach Einheit hat. Versucht er diesen Drang in sich zu entwickeln? Wenn ja, dann nehme ich alle seine übrigen Probleme auf mich und leiste ihm Hilfe.

Auszug aus der 2. Kongresslektion in Georgien, 06.11.2012

Auf der Suche nach der goldenen Mitte

Frage: Um wessen Korrektur sollen wir während der Naturkatastrophen beten?

Meine Antwort: Um unsere eigene Korrektur. Wir beten darum, dass die Welt in ihrer Bewegung zum Ziel vom Weg der Leiden zum guten Weg wechselt und mit Hilfe des Lichts, welches sie nach vorne zieht, vorankommt.

Denn das Ziel ist unanfechtbar, und deshalb ist die aktuelle Krise keineswegs eine temporäre Erscheinung, obwohl wir die Geschehnisse noch nicht begriffen haben. Das ist kein vorübergehender Zustand, sondern von Tag zu Tag wachsender Druck verschiedener Probleme und Katastrophen – natürlicher, ökologischer, sozialer, anthropogener Art usw. Die Statistik zeigt bereits heute, dass die Katastrophen an Kraft gewinnen. Jetzt ist beispielsweise die weltweite Hungersnot von 2013 an der Reihe. Und das ist nicht das einzige Unglück. Nach den Wahlen in den USA werden wir sehen, wie all jene Probleme, die heute künstlich im Schatten gehalten werden, ans Licht kommen.

Die Situation ist im Moment so, dass die Welt letztendlich die allgemeine Tendenz verdauen und begreifen muss. Aus diesem Grund sollten alle unsere Gebete darum kreisen: „Gib uns Verstand, gib uns Verständnis“. Einschließlich uns alle – denn gerade wir hinken damit hinterher, die Botschaft über die Notwendigkeit der Korrektur in der Welt zu verbreiten und die Methodik umzusetzen. Und wenn wir schon nicht genug Verständnis, Gefühl und Geschick dafür haben, müssen wir  die Welt  auch darum bitten.

Natürlich freuen wir uns nicht für jemandes Unglück, denn das ist der böse Weg, und dem Schöpfer gefällt er nicht. Der Gute und Gutes Vollbringende möchte sich auf diese Weise in jedem Zustand zeigen. Wenn der Schöpfer eine böse Kraft schickt, sprich: die Enthüllung des bösen Triebes in dem Menschen, sagen wir mal, um ein weiteres Prozent erhöht, muss der Mensch es sofort verstehen, an sich arbeiten und den bösen Trieb in den guten verwandeln. Er ermittelt, was gut und was schlecht in der jetzigen Situation ist, und wendet sich dem Licht zu, das zur Quelle zurückführt. Im Idealfall verwandelt sich der böse Trieb genau so nach und nach in den guten Trieb, und im gleichen Maße steigt der Mensch immer höher.

Doch die Kabbalisten erklären uns, dass das Ideal unerreichbar ist, andererseits ist der Weg der Leiden auch unerträglich und wird uns so oder so zwingen, wenn auch zum Teil den guten Weg zu gehen. Denn die Leiden werden einen solchen Grad erreichen, dass die Menschen um den Tod betteln werden, weil sie es nicht mehr ertragen können. Deshalb gehen wir in der Mitte zwischen dem guten Weg und den Leiden.

Doch dafür müssen wir mit aller Kraft das Verständnis dessen, was passiert und wie wir vorgehen müssen, an die Welt herantragen. Und das ist unsere Arbeit. Wenn wir sie aber nicht erfüllen, kehrt das Unheil wie ein Bumerang zu uns zurück.

Wir müssen versuchen, unsere innere Stärke, unsere Einheit, Verständnis, Erkenntnis immer mehr zu stärken, und zugleich müssen wir uns nach außen ausbreiten.

Diese beiden Richtungen sind einander entgegengesetzt. Überhaupt sind in jedem spirituellen Detail immer zwei entgegengesetzte Vektoren, zwei Kräfte, zwei Ideen, zwei Gedanken, enthalten – und zwischen ihnen finden wir die mittlere Linie.

Genauso ist es in der laufenden Arbeit: wir müssen unsere „Zentrumgerichtetheit“, das Verlangen, uns zu verschleißen und uns nur mit dem spirituellen Aufstieg durch die Verbindung zu beschäftigen,  kompensieren. Deswegen gehen wir nicht nur mit der Botschaft über die Kabbala, sondern auch über die Bürgschaft in die Welt hinaus.

Wir zerreißen uns zwischen diesen Gegensätzlichkeiten – doch da ist nichts zu machen, es ist schwer, hier die goldene Mitte zu finden. Wir legen abwechselnd den Akzent auf das Innere und auf das Äußere, auf den Zusammenschluss und auf die Verbreitung, wir suchen, wie wir diese Herangehensweisen kombinieren können. Ja, es fällt uns schwer, doch es gibt keinen anderen Ausweg. Mehr noch: eine Seite darf nicht die andere überschatten. Sie müssen immer beide im Blickfeld sein. Denn gerade zwischen beiden kommen wir auf dem richtigen Weg dem Ziel näher.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 30.10.2012

Die Wahrheit über die Wichtigkeit der Freunde

Frage: Was erhöhe ich in meinen Augen, wenn ich mich vor den Freunden beuge?

Meine Antwort: Nichts. Selbstherabsetzung und Erkenntnis der Wichtigkeit der Gruppe, des Schöpfers sind zwei unterschiedliche, wenn auch sich gegenseitig ergänzende Dinge. Für gewöhnlich sprechen wir im Kontext der gegenseitigen Beziehungen mit dem Schöpfer über die Gruppe und im Kontext der gegenseitigen Beziehungen mit der Gruppe über uns selbst. Denn die Gruppe steht zwischen mir und dem Schöpfer.

Frage: Was genau offenbart sich mir, wenn ich die Gruppe in meinen Augen erhöhe?

Meine Antwort: Das korrigierte System der vereinten Seele, die sich am Ende der Korrektur befindet. Das System, das ich heute durch das Prisma meiner Fehler sehe.

Das bedeutet die Größe der Gruppe und auf keinen Fall weniger. Denn das ist die Wahrheit. Und obwohl ich sie noch nicht als Tatsache akzeptieren kann, werde ich sie letztendlich vollkommen begreifen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Gabe der Tora“, 28.10.2012

Nicht die Flucht, sondern der Aufstieg

Frage: Warum wird die negative Kraft in der Welt so klar und vollkommen disproportional zur von uns erweckten positiven Kraft offenbart? Oder vielleicht erwecken wir überhaupt nichts?

Meine Antwort: Die negative Kraft wacht auf, damit du entsprechend ihrem Ausmaß die positive Kraft forderst. Wobei diese Forderung nicht zum Neutralisieren des schmerzhaften Schlages erfolgt, sondern um diesen Schlag nützlich zu machen. Als ob du den Vater, der dich im Verstand unterrichtet, darum bitten würdest, die unangenehme Prozedur dennoch hundertprozentig wirkungsvoll durchzuführen. Du willst die neue Vernunft erlangen und die eigenen Eigenschaften verbessern. Du assoziierst dich nicht mit der Selbstsucht, die den Schlag empfindet. Du gehst aus dir heraus und erkennst: „Meine Selbstsucht hat diese Rüffel verdient, sie soll nur von Nutzen sein, um dich zu verändern“.

Folglich wirst du plötzlich anstelle der Bitternis und der Schmerzen die Süßigkeit empfinden. Die negative Kraft hat dir neben ihrer „schmerzhaften Einwirkung“ geholfen, dich vom egoistischen Verlangen abzutrennen, darüber hinaufzusteigen und für dich zu bestimmen, dass genau ein solches Schema den Nutzen gebracht hat. Anders wäre es unmöglich, sich von der Selbstsucht abzugrenzen.

Somit besteht unsere Arbeit eben darin, nach den Kräften für den Aufstieg über dem Verlangen zu fordern, aber nicht deshalb, weil wir nicht leiden wollen, sondern um sich mit dem Schöpfer gleichzusetzen. Wir bitten darum, das Böse im empfangenden Verlangen zu erkennen, den Schlag zu empfinden, um daraus zum gebenden Verlangen hinaufsteigen zu können. Die Absicht ist wiederum nicht die, den Frieden und die Ruhe zu finden, sondern unsere Möglichkeit, für das Geben zu handeln.

Hier steckt die prinzipielle, sehr feinfühlige Analyse dahinter, welche die Bedingungen für den Machsom schafft. Und wir nähern uns ihm an …

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 30.10.2012