Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Über dem Verstand = ohne Selbstsucht

Frage: Wir sollen uns danach richten, was wir sehen, wir sollen unsere Sinnesorgane und unseren Verstand verwenden. Andererseits gibt es das Prinzip des Aufstiegs „über dem Verstand“, mittels welchem die Wissenschaft der Kabbala ihre Forschungsmöglichkeit ausdehnt. Wie kann man richtig vom eigenen Verständnis zum Aufstieg über ihn kommen?

Meine Antwort: Die ganze Höhere Welt liegt über unserem jetzigen Verstand – anders gesagt, über dem Egoismus. Somit bedeutet „über dem Verstand“ – nicht aus der Selbstsucht.

Dabei verringern wir den Bruch zwischen den Stufen. Indem wir ein neues, allumfassendes Netz der Wechselbeziehung offenbaren, sehen wir darin die Grundlage aller Naturgesetze, als ob die Natur sich auf diesem Netz ausruhen würde – und wir beginnen, darin die Teilchen, das Feld, die Mechanismen zu unterscheiden, welche den Menschen in Betrieb setzen. Wir dringen in solche Schichten ein, zu denen im Vergleich die Atome uns als etwas Grobes erscheinen. Vor uns offenbaren sich die Absichten, die Kräfte, welche der Materie zuvorkommen, welche die Atome, die Wellen, die Lichtausstrahlung aktivieren …

In unserer Wahrnehmung gehen wir um Vieles näher zum Anfang über und sehen alles mit der neuen Absicht, im widerspiegelnden Licht Chassadim – über unserem jetzigen Verständnis.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Welt“, 14.12.2012

Dem Angreifer verzeihen?

Kongress in Nowosibirsk, Lektion 3

Frage: Nehmen wir an, jemand hat mich beleidigt. Ich wende mich an den Schöpfer, bitte um Liebe und versuche, den Angreifer durch das Prisma der Liebe zu sehen: er ist groß, das sind meine unkorrigierten Eigenschaften, die in mir zum Vorschein kommen. Sollte ich mit meinem Angreifer darüber reden?

Meine Antwort: Der Angreifer hat nichts damit zu tun. Vor uns befindet sich der Schöpfer, der Sich auf diese Weise zeigt. Doch es geht nicht darum, alles zu verzeihen.

Wenn ihr euch dazu entschieden habt, auf eine solche Einwirkung des Schöpfers auf euch zu reagieren, ausgehend davon, dass ihr euch mit Ihm verbindet möchtet, dann könnt ihr euch verteidigen und dem Angreifer antworten.

Doch versucht in erster Linie, den Kontakt mit dem Schöpfer zu sehen, in dem Angreifer oder in jedem anderen Objekt bzw. jeder anderen Situation die Erscheinung des Schöpfers zu sehen. Es bedeutet jedoch nicht, dass ihr ihm verzeihen müsst. Nein! Letztendlich müsst ihr zu ihm die gleiche Beziehung aufbauen wie er zu euch – gegen den eigenen Egoismus und gegen ihn.

Auszug aus der 3. Lektion des Nowosibirsk-Kongresses, 07.12.2012

 

Herzliche Beziehung zum Freund führt zum Schöpfer

Wenn ich mich zum Schöpfer ausrichten möchte, muss ich Herzlichkeit in Bezug auf den Freund empfinden, einen heißen „himbeerfarbenen Ball“, eine solche Haltung, durch die ich meine Beziehung fortsetze – bis hin zum Schöpfer. Denn ich liebe den Freund eben dafür, dass sich der Schöpfer in ihm befindet.

Der Schöpfer zeigt Sich mir in Form der Geschöpfe, dieser Welt – in Form Seiner Verhüllung. Wenn ich die Liebe zu dieser Welt erreichen kann, dann bedeutet das, dass ich die Liebe zum Schöpfer – zu demjenigen, der diese Welt erschuf und sich in ihr verbirgt – letztendlich auch erreichen werde.

Es fragt sich, warum der Schöpfer sich in der Welt und nicht in der Tora verbirgt. Weil die Welt seine Verhüllung ist, und wenn ich das Licht der Tora nutze, enthülle ich zuerst, dass der Schöpfer sich in der Welt verbirgt, und enthülle dann Ihn selbst.

Die Etappen der Annäherung an den Freund sind Etappen der Annäherung an den Schöpfer, etwas anderes gibt es nicht. Das alles nennt sich der Weg der Liebe entsprechend seinem Endziel und dem, was wir in seinem ganzen Verlauf erreichen. Selbst auf der allerersten kleinen Stufe enthüllt sich uns der Hass und danach, ihm gegenüber, die Liebe. Und so ist es jedes Mal, auf jeder Stufe: Hass und Liebe.

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zu TES, 13.12.2012

Wenn die Wichtigkeit des Ziels fehlt

Kongress in Nowosibirsk, Lektion 4

Frage: Was sollen wir tun, wenn uns die Wichtigkeit des Ziels fehlt? Manchmal kommen Freunde zum Unterricht und schlafen sofort ein. Wie soll die Gruppe für die Größe des Schöpfers und die Wichtigkeit des Ziels sorgen?

Meine Antwort: Es ist unwichtig, wenn jemand einschläft, das kommt vor. Der Mensch kam mit letzter Kraft und schlief ein. Was kannst du tun? Wie kannst du ihn aufmuntern, wenn er „tot“ ist, im wahrsten Sinne des Wortes.

Er ist im Moment eine „Pflanze“, kein Mensch, du kannst ihn nicht aufwecken. Die Menschen brauchen Schlaf, Nahrung und haben andere natürliche Bedürfnisse. Du kannst nichts dagegen tun, du musst es akzeptieren. Ohne dass er sein Minimum an Schlaf gehabt hat, wenigstens 5-6 Stunden, und ordentlich gegessen hat, sagen wir mal, ein paar Mal am Tag, kannst du nichts von ihm verlangen.

Frage: Das ist klar. Unklar ist, wie die Gruppe für die Wichtigkeit des Ziels sorgen muss?

Meine Antwort: Für die Wichtigkeit des Ziels muss die Gruppe ständig sorgen, doch nicht so, dass es im lästigen Sprücheklopfen ausartet, was keiner hören will. Es muss dafür gesorgt werden, dass es dem Menschen „durch Mark und Bein“ geht.

Wie macht man das? Versuch es einfach! Denk die ganze Zeit daran. Wenn du daran denkst, dann wird es eine Wirkung auf die Freunde haben.

Das ist unsere Arbeit, und wir können nicht vor ihr weglaufen. Wir werden vom Egoismus getrieben. Darin ist er dem Schöpfer entgegengesetzt.

Wenn wir die nächste Stufe erreichen, werden ganz andere, sehr ernsthafte Bedingungen für die spirituelle Arbeit entstehen: Hass, Probleme, Intrigen.

Das geht alles vom Schöpfer aus! Und wir müssen das akzeptieren, vorausgesetzt der Mensch schadet wirklich nicht dem spirituellen Weg dadurch, dass er „ein Loch ins Boot bohrt“. In diesem Fall haben wir das Recht, ihn von diesem Boot zu entfernen – aus der Gruppe zu schmeißen.

Und wenn der Freund schläft, lege ihm ein Kissen darunter, wie du es für deinen Sohn machen würdest.

Auszug aus der 4. Lektion des Nowosibirsk-Kongresses, 07.12.2012

Fürsorge für die Welt

Kongress in Nowosibirsk, Lektion 5

Frage: Wie äußert sich die Ehrfurcht vor dem Schöpfer in unserer Arbeit mit der Welt?

Meine Antwort: Die Ehrfurcht vor dem Schöpfer äußert sich in der Ehrfurcht vor der Welt, ob wir sie korrigieren können.

Ich muss wirklich Angst davor haben, ob ich alles dafür tue, damit die Welt nicht nur nicht leidet (obwohl es das primäre Stadium der Ehrfurcht ist), sondern auf einem leichten Weg zum Schöpfer gelangt. Denn der Schöpfer ist absolut nicht daran interessiert, dass jemand auch nur einen Augenblick leidet, und die Leiden der Welt hängen nur davon ab, wie ich sie zum Schöpfer führe. Ich bin dafür verantwortlich.

Das wird sich uns allmählich als eine kolossale Mission mit großer Verantwortung zeigen.

Auszug aus der 5. Lektion des Nowosibirsk-Kongresses, 09.12.2012

Der Blick auf das eigene Leben mit den Augen des Schöpfers

Frage: Nach dem Kongress in Nowosibirsk spüren wir eine sehr große Verantwortung, als wäre ein neues System der Beziehungen zwischen uns entstanden, bei dem unser ganzes Leben nur in gegenseitiger Fürsorge füreinander verlaufen sollte. Wie können wir die ganze Arbeit bei Null anfangen, wie können wir den ersten Schritt auf dieses neue Feld wagen?

Meine Antwort: Es wurde tatsächlich eine neue Wahrnehmung geboren. Doch die Verbindung an sich ist nicht neu, sie existiert bereits und enthüllt sich uns nur immer mehr. Ich merke, dass ihr euch in einem neuen Abschnitt seht und neue Empfindungen enthüllt habt. Dementsprechend wurde auch der Verstand erneuert, der zusammen mit den Gefühlen arbeitet. Nun besteht die Frage darin, wie wir das Ganze als Tatsache annehmen können, die uns zu einer noch größeren Verbindung vorantreiben würde – alle zusammen, mich eingeschlossen. Genau darin bestand die qualitative Veränderung – ich ordne mich immer mehr in die Gruppe ein, denn ihr habt einen fortgeschritteneren Zustand enthüllt.

Das weitere Vorankommen besteht darin, dass jeder die erreichte Einheit aufrechterhält. Zumindest sollten wir versuchen, das gleiche Gefühl, das während unserer Vereinigung auf dem Kongress entstanden ist, festzuhalten, und zwar trotz der genau entgegengesetzten Zustände, die folgen werden: es werden vollkommen entgegengesetzte Gefühle und Berechnungen aufkommen. Sie werden noch nicht einmal der einstigen Einheit widersprechen, sondern einfach ablenken und vom Weg abbringen, sie werden uns zwingen, wieder wie früher den kleinbürgerlichen Werten hinterherzulaufen.

Und hier sollten wir versuchen, unseren Zustand mit den Augen des Schöpfers zu betrachten, d.h. nicht nur „von unten nach oben“, sondern auch „von oben nach unten“ zu schauen. Das bedeutet, wir sollten uns selbst mit den Augen eines Kindes sehen, das sich für erwachsen hält.

Es blickt nicht einfach von seinem Platz zu den Erwachsenen auf, sondern malt sich aus, es wäre bereits erwachsen, und stellt sich vor, was es dann machen, wie es sein Leben einrichten und sich verhalten würde. Das heißt, wir müssen uns vorstellen, welche Einstellung wir unserem Leben gegenüber in einem bereits „erwachsenen“ spirituellen Zustand haben würden.

Erwachsen sein bedeutet, wie der Schöpfer zu sein. Und ich muss mir vorstellen, dass ich mich neben dem Schöpfer befinde und mein spirituelles Gefäß durch die vollkommene Verbindung aller Verlangen, durch unseren Selbstverzicht und den gegenseitigen Einschluss ineinander bis hin zur Unendlichkeit gebildet wird, so dass jeder von uns das ganze gemeinsame Verlangen und die Enthüllung des Schöpfers darin wahrnimmt.

Es ist unmöglich, das in Worte zu fassen, weil alle unsere Worte einer zerbrochenen Welt und nicht der Einheit entstammen.

Wir sollten versuchen, mit solchen Augen das Leben, die Freunde, den Lehrer, unsere ganze Arbeit zu betrachten und uns auf diese Weise dem Ganzen gegenüber zu verhalten. In unserem alltäglichen Leben, „außerhalb der Tempelmauern“, verhalten wir uns genauso wie alle anderen, ohne uns von ihnen abzugrenzen. Und innerhalb unserer Gruppe müssen wir den korrigierten Zustand sehen. Jeder soll auf diese Weise die Gruppe und sein ganzes Leben von oben betrachten. Dann wird er diesem korrigierten Bild entsprechen. Während des Studiums, mit dem Lehrer und mit der Gruppewird er sich entsprechend der höheren Stufe, die er sich vorstellt, verhalten können. Denn was ist der Schöpfer? Es ist die höhere Stufe. Und das ist alles, was wir brauchen.

Das Wichtigste ist, sich in jedem Augenblick an „Es gibt niemanden außer Ihm, der gut ist und Gutes tut“ festzuhalten. So stelle ich mir den Schöpfer vor, der sich in mir befindet, und ich stelle mir vor, was Er in einem solchen Fall von mir verlangen würde. Was würde von mir verlangt werden, wenn ich mich in einem solchen Zustand befinden würde? Wie würde ich mich allem gegenüber verhalten, wenn genau ich derjenige wäre, außer dem es niemanden gibt, der gut ist und Gutes vollbringt?

Ich muss erkennen, dass alle meine Handlungen vom Schöpfer ausgehen: sowohl meine Haltung gegenüber den Freunden als auch gegenüber der Welt – und das alles ist gut und geschieht zum Wohl. Letztendlich wird jeder so spüren, und diese Empfindung entsteht in uns bereits allmählich. Darüber steht auch geschrieben, dass „Groschen für Groschen zu einem großen Kapital anwächst“. Wir unternehmen Anstrengungen, die sich sammeln und letztendlich zu einem Sprung führen: es kommt die Stufe 0, dann die Stufe 1, 2, 3, 4 und dann der Sprung. Und wieder die Stufen 0, 1, 2, 3, 4 und wieder ein Sprung. Auf diese Weise erreichen wir endlich unsere erste spirituelle Stufe.

Auszug aus dem Unterricht zu den Fragen nach dem Kongress in Nowosibirsk, 11.12.2012

 

Die Spiritualität und die Herzlichkeit

Nowossibirischer Kongress, Lektion 2

Frage: Worin unterscheiden sich die Spiritualität und die Herzlichkeit? Es gibt Menschen, die herzlich und angenehm sind, wobei der spirituelle Mensch nicht sehr angenehm für die anderen sein kein. Worin besteht der Unterschied zwischen ihnen?

Meine Antwort: Mit dem herzlichen Menschen, ist der gute Mensch im alltäglichen Leben gemeint, der für eine schnelle Anteilnahme bereit ist. Solch ein Mensch versteht dich, steht dir nahe, zeigt sein Mitgefühl, kann dir helfen usw..

Der spirituelle Mensch ist derjenige, der infolge harter innerer Arbeit, „sich die Zähne ausbeißt“ und trotz dem eigenen Verlangen mittels der riesigen Anstrengungen, sich in etwas absolut anderes verwandelt, was dem Menschen unserer Welt nicht eigen ist – in die Eigenschaft des Gebens, die es in unserer Welt nicht gibt.

Wobei diese Eigenschaft mittels der riesigen Bestrebung, der riesigen Absicht, der riesigen Konzentration der Bemühungen, der Aufmerksamkeit, der harten Arbeit und der stärksten Selbstkontrolle produziert wird.

Wenn der Mensch einen solchen Zustand erreicht, dann entwickelt er eine besondere Beziehung zu den anderen Menschen – die nicht herzlich, nicht zärtlich, nicht gütig in unseren Augen ist, weil er daran denkt, aus uns die spirituellen Menschen zu machen, das heißt die Menschen mit der Seele. Eine solche Aufgabe ist mit der ernsten Absicht, mit dem Druck, und mit der gespannten Arbeit verbunden. Deshalb sind solche Menschen nicht gerade angenehm. Ihre Mission verpflichtet sie die ganze Zeit, zu uns, wie zu den kleinen schwachen Menschen, sich zielstrebig zu verhalten.

Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Mein Lehrer sah mich an, als ob ich aus dem Ton geschaffen wäre, aus dem er etwas modellieren muss, und bewertete, in welchem Maß dieser Ton stöhnen, aber dennoch zulassen wird, ihn zu modellieren. Ich fühlte mich so. Einerseits, ist es eine riesige Liebe, innere Teilnahme und Verständnis. Aber in Wirklichkeit sind die äußerlichen Erscheinungsformen immerhin sehr eigenartig. Das kann nur derjenige bewerten, der das gesetzte Ziel, die Eigenschaft des Schülers und die Arbeit des Lehrers versteht.

Auszug aus der 2. Lektion des Kongresses in Nowosibirsk, 07.12.2012

Die Angst vor der fehlenden Furcht

Frage: Was ist die richtige spirituelle Furcht?

Meine Antwort: Die richtige Furcht sollte bei einem Menschen jeden Augenblick entstehen, und er muss wissen, wie sie korrigiert werden kann, das heißt, er muss um eine noch größere Furcht bitten.

Nehmen wir an, ich würde sehen, dass ich mit den Freunden nicht besonders verbunden bin, und möchte, dass es mir große Angst bereitet. Ich möchte, dass mich eine regelrechte Furcht deswegen ergreift, denn wenn ich nicht genügend mit ihnen verbunden bin, werde ich nichts auf diesem Weg erreichen!

Ich weiß, dass ich mich in sie hineinversetzen und mich selbst verlieren muss. Und doch bin ich dazu nicht in der Lage – wo ist nun meine Angst davor? Wo ist die Unruhe, die mich ständig daran denken lässt, daran, dass es mir fehlt, dass es mir weh tut, dass es meine Existenz bedroht? Diese ewige innere Unruhe und Sorge darf mich nicht verlassen. Ich muss Angst davor haben, dass mir die Furcht fehlt.

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zu TES, 04.12.2012

Ich – Mein Nächster – Der Schöpfer

Baal HaSulam, „Die Welt“: Der praktische Teil einer Nächstenliebe ist das gütige Geben an den Nächsten.

Frage: Was ist „das gütige Geben an den Nächsten“?

Meine Antwort: Es ist das Geben, das dem Verlangen des Nächsten entspricht und für ihn das Gute ist. Dabei sind sowohl meine Vorstellungen über sein Wohl als auch seine eigenen unwichtig, weil das Wohl meines Nächsten durch seinen Dienst an den Schöpfer definiert wird. Ohne diese drei Punkte – „Ich“, „Nächster“, „Schöpfer“ – sind wir verloren. Wenn ich entsprechend den Vorstellungen meines Nächsten arbeiten werde, dann wird er über mich herrschen, und wenn ich selbstsüchtig arbeiten werde, so werde ich zum Sklaven meines Egoismus. Ich brauche etwas Höheres, damit sich die richtige Struktur bilden kann: der Untere, der Höhere und der Höchste über dem Höheren. Nur dann kann ich sicher sein, dass ich mich in der richtigen Linie aufhalte.

Frage: Wo befinde ich mich während des Gebens an den Nächsten?

Meine Antwort: Du bist der letzte Glied einer Kette – innerhalb des Schöpfers. Von da aus kann ich mich sowohl mir gegenüber als auch gegenüber meinem Nächsten richtig verhalten.

Frage: Wo befindet sich dabei mein Ich?

Meine Antwort: Außerhalb von mir und von meinem Nächsten. Ich bin auf der Suche danach, was für ihn gut ist, um die Verschmelzung mit dem Schöpfer zu erlangen. Mein Ziel ist die Verschmelzung mit dem Schöpfer, was mir als ein einziges Wohl vorgestellt ist.

Frage: Was geschieht dann, wenn der Nächste selbst nicht weiß, was er will?

Meine Antwort: Ein kleines Kind weiß auch nicht, was es will. Jedoch sorge ich mich um das Kind, weil ich verstehe, dass es stark, gesund, klug usw.. werden soll. Wenn ich somit die Handlung des Gebens an meinen Nächsten begehe, dann ist er für mich – der Kleine, er ist kleiner als ich. In dieser Situation bin ich der Gebende, und er nimmt mein Geben. Anders gesagt, er hat ein Bedürfnis, das ich befriedige. Folglich soll ich in ihm ein Bedürfnis offenbaren, das meiner Füllung entspricht, denn ich kann ihm kein Brot geben, wenn er Milch verlangt. Und außerdem soll ich in ihm ein Bedürfnis offenbaren, welches ihm einen Nutzen bringt – ein solches, dank dem er sich dem Schöpfer annähern wird.

Hierfür soll ich mich an den Nächsten anschließen und zusammen mit ihm die Verbindung mit dem Schöpfer erreichen. Mit anderen Worten, ich soll die Verbindung zwischen dem Nächsten und dem Schöpfer einleiten, wodurch ich ihn befriedigen kann. Womit? Ich bin doch keine Quelle des Lichtes. Wenn ich jedoch meinen Nächsten zur Verschmelzung mit dem Schöpfer bringe, dann bedeutet das, dass ich ihn dadurch ausfülle. Es ist deshalb unmöglich, ohne diese dreistufte Struktur auszukommen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Welt“, 30.11.2012

Unschätzbare Augenblicke der Wahrheit

Aus dem Artikel von Baal HaSulam „Einführung zu Talmud Esser HaSefirot“, Punkt 42: Der einzige Grund, der zur Quelle aller Leiden und Qualen wurde, die wir erdulden, und aller böswilligen Verbrechen und Unachtsamkeitsverstößen, über welche wir stolpern, ist die Nichtigkeit unseres Verständnisses der Höheren Lenkung.

Wenn wir die Höhere Lenkung verstehen, sprich die Höhere Kraft enthüllen und erkennen würden, was sie von uns will, wenn wir alle Beziehungen zwischen uns und dem Schöpfer klären würden, würden „wir uns sofort von allem Kummer und Leid befreien und sofort der Verschmelzung mit dem Schöpfer mit dem ganzen Herzen und der ganzen Seele würdig werden“.

Wir erkennen jedoch nicht den Schöpfer selbst, wie der Mensch fälschlicherweise glaubt. Jede Erkenntnis ist nur durch die Angleichung unserer Eigenschaften möglich, aus diesem Grund bedeutet die Erkenntnis des Schöpfers die Ähnlichkeit mit Ihm in den Eigenschaften. Ich kann Ihn nur in Bezug auf mich selbst prüfen, messen, spüren.

Wenn ich den Schöpfer enthüllen möchte, muss ich Ihm in meinen Eigenschaften ähnlich werden, anderenfalls werde ich Ihn nicht wahrnehmen können. Doch sobald ich mich Ihm in den Eigenschaften annähere und beginne, Ihn zu erkennen, mache ich von diesem Augenblick an selbstverständlich weniger Fehler und verändere mich unwillkürlich immer mehr.

Selbst um zu der allerersten Enthüllung, zu der allerersten Wahrnehmung des Schöpfers zu gelangen, muss ich mich verändern. Deshalb wird mein ganzer Weg in Abschnitte unterteilt, von denen der erste „im Dunkeln“ verläuft, wenn ich handle, indem ich Ratschläge von Kabbalisten befolge und glaube, dass ich auf diese Weise dem Schöpfer näher komme. Ich glaube daran, was in den Büchern steht, und bette mich in die Gruppe ein, ich nehme Beispiel an den Freunden und beginne letztendlich nach und nach, die höhere Kraft wahrzunehmen.

In mir entsteht eine gewisse innere Wahrnehmung des Schöpfers, später entwickelt sie sich immer mehr. Und dann beginne ich bereits zu verstehen, wovon in den Büchern die Rede ist und was die Kabbalisten meinen. Davor habe ich vielleicht zehn Jahre lang einfach nur gelesen, doch erst jetzt nimmt jedes Wort Geschmack für mich an.

Dieser Text geht mir sehr nah, als würde er zu einem Teil von mir werden. Ich verstehe, dass er davon, was in meinem Inneren passiert, erzählt.

Solche Augenblicke, solche Zustände sollten wir anstreben, um keine Fehler mehr zu machen und zu begreifen, was genau die Höhere Kraft von uns will.

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zu TES, 29.11.2012