Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Der Geschmack des Heraustretens aus unserer Welt

Frage: Es gibt Menschen, die empfänglicher für bestimmte Aktivitäten sind, und es gibt Menschen, die weniger empfänglich sind. Wie empfehlen Sie mit der Bürgschaftserklärung zu arbeiten, damit sie sich wirklich im Herzen eines jeden einprägt, damit alle von diesem Dokument leben und es gemeinsam ergänzen?

Meine Antwort: Es ist unmöglich, das ständig zu tun. Doch selbst eine einfache Impulseinwirkung auf den Menschen, wenn du eine solche Möglichkeit in ihm entstehen lässt und er sich gezwungenermaßen über seinen Egoismus erhebt, in dem Maße, in dem er beginnt, das Gefühl der Sicherheit, des Fehlens jeglicher Probleme und Sorgen von uns zu bekommen, – selbst so etwas schubst ihn aus unserer Welt heraus. Denn die ganze Welt wird von uns durch Sorgen und ständige Probleme wahrgenommen, weil unser Egoismus uns zwingt, so zu denken und zu handeln.

Aus diesem Grund erzeugt selbst eine Impulseinwirkung aufeinander, die
selbst für kurze Zeit das Gefühl der Bürgschaft in dem Menschen entstehen
lässt, eine solche Bestrebung nach dem Aufstieg über sich selbst in ihm,
dass er tatsächlich beginnt, danach zu suchen, wie er es zu einem
Dauerzustand machen könnte. Auf diese Weise wird es zu einem Mittel für
unser Vorankommen.

Ich hoffe sehr, dass wir infolge unserer Anstrengungen auf dem Kongress in
der Wüste zumindest solche konkreten Abschaltungen von unserer Welt
erreichen. Dann kommen die Menschen auf den Geschmack des Heraustretens aus
unserer Welt und beginnen daraufhin, zielgerichteter zu handeln.

Frage: Wie kann das während der Morgenunterrichte, Workshops,
Freundesversammlungen und gemeinsamen Mahlzeiten für die
Kongressvorbereitung genutzt werden?

Meine Antwort: Wir müssen absolut in der gleichen Richtung arbeiten: es
müssen ständig solche Übungen gemacht werden, bei denen ich hoffe, durch
meine Bestrebung, durch meine innere Anstrengung so die Freunde zu
beeinflussen, dass sie beginnen, meine Fürsorge für sie zu spüren und sich
von ihrem Egoismus zu befreien. Denn es besteht keine Notwendigkeit darin,
auf eine besondere Veranstaltung zu warten – wir können das jeden Tag und
jede Stunde wiederholen, und letztendlich wird alles klappen.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 30.12.2012

Die Frauen werden es schaffen!

Frage: Oft fällt es den Frauen schwer, miteinander zu interagieren. Wie können wir uns dazu bewegen, die Freundinnen zu unterstützen, uns um die Frauengruppe zu kümmern, an den gemeinsamen Frauenaktivitäten teilzunehmen, wenn allein der Gedanke daran, miteinander zu kommunizieren, unerträglich ist?

Meine Antwort: Das gibt es nur am Anfang, besonders bei den Frauen, weil sie es nicht gewohnt sind, miteinander zu interagieren. Jede Frau ist quasi für sich, sie braucht keinen Umgang mit den anderen, wichtig ist, dass sie eine Beziehung zu einem Mann hat.

Doch für den spirituellen Aufstieg ist eine Verbindung zwischen den Frauen
und ihre gemeinsame Einwirkung auf die Männer notwendig. Aus diesem Grund
muss ein höheres Ziel sie dazu bewegen, sich zu verbinden, wonach sie
anfangen werden, zu spüren, dass sie über ihre tierische Voreingenommenheit
aufsteigen und zusammen sein können. Sie werden es schaffen! Sie schaffen es
jetzt schon, das spüre ich.

Unsere Frauenorganisation ist wahrscheinlich die einzige weltweit, die
demonstrieren kann, wie die Frauen sich über ihrer individualistischen Natur
wirklich verbinden können.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 30.12.2012

Wundermittel Bürgschaft

Frage: Zurzeit bereitet sich die gesamte Weltgruppe mit bebendem Herzen auf den Kongress in der Arava vor, die Aufregung steigt. Vor kurzem haben Sie uns empfohlen, zu versuchen, die Bürgschaftserklärung in einem Absatz zusammenzufassen, damit sie das Herz eines jeden berührt. Was ist das für ein Absatz, den Sie in die Erklärung mitreinnehmen würden?

Meine Antwort: Der Sinn der Bürgschaft besteht darin, dass wir jedem Freund das Gefühl geben, dass er automatisch, auf eine natürliche Art und Weise, wider Willen aufhört, das Bedürfnis nach der Sorge um sich selbst zu verspüren – dadurch neutralisieren wir seinen Egoismus. Deshalb steht in den authentischen Quellen geschrieben, dass die Bürgschaft die notwendige Bedingung für die spirituelle Entwicklung ist.

Uns ist klar, dass das spirituelle Feld sich über unserem Egoismus befindet
und wir uns über ihm – in der Eigenschaft des Gebens – bewegen müssen. Doch
wie wir zu dieser Eigenschaft des Gebens gelangen sollen, können wir uns
nicht vorstellen. Wir sehen, dass wir ständig mit demselben Egoismus, nur in
seinen verschiedenen Variationen konfrontiert werden. Er beherrscht uns,
macht mit uns alles, was er will, und wir können ihn nicht loswerden und uns
nicht über ihn erheben.

Es wurde mit Absicht so gemacht, damit wir die Eigenschaft des Gebens nur in
der Vereinigung erreichen können, denn das Wichtigste ist nicht der Aufstieg
über den Egoismus, sondern die Vereinigung zwischen uns.

Wenn wir uns verbinden und in dieser Verbindung auf die Freunde einwirken,
beginnen sie, ihren Egoismus zu verlieren. Wir umsorgen sie so, wie eine
Mutter ihr Kind umsorgt, und sie fühlen sich in völliger Sicherheit, denken
nicht an sich selbst und verspüren keine Unruhe. Dabei nimmt eine derart
ausgerichtete Einwirkung auf den Freund ihm automatisch den Egoismus und
gibt ihm die Möglichkeit, sich auf die spirituelle Arbeit zu konzentrieren.
Genau das ist die Kraft der Bürgschaft, ihr besonderes Wundermittel.

Deshalb, wenn wir ein solches Zusammenwirken in uns entwickeln und das
Gefühl der Bürgschaft einander geben, werden die Menschen, die diese
Wahrnehmung von uns bekommen, einfach aus ihrem Egoismus „rausspringen“,
durch den „Glauben über dem Verstand“ aufsteigen und sofort beginnen, die
Höhere Welt wahrzunehmen.

Das hängt nicht vom Menschen, sondern eben von seiner Umgebung ab, die wir
selbst mit Hilfe der gegenseitigen Bürgschaft erschaffen, indem wir uns
völlig darauf konzentrieren, einander bis zu einem Zustand zu ergänzen, in
dem jeder von uns die allgemeine Unterstützung wahrnimmt.

Deshalb bedeutet Bürgschaft das ausgerichtete Zusammenwirken zwischen uns,
welches in jedem von uns das Gefühl der absoluten Sicherheit und eines
natürlichen Herauskommens aus seinem Egoismus erzeugt.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 30.12.2012

Wer stark ist, bekommt mehr Hindernisse

Frage: Inwiefern hängen die Anstrengungen bei der Verbindung mit der
Reaktion des Schöpfers darauf zusammen? Was macht Er mehr: helfen oder Hindernisse bereiten?

Meine Antwort: Je stärker wir sind, desto mehr hilft Er uns, indem er uns Hindernisse bereitet.

Denn je stärker du bist, desto größere und qualitativ andere Hindernisse stehen dir zu – nicht einfach nur quantitative Hindernisse, wie wenn ich früher, sagen wir mal, 20 Zentimeter hoch gesprungen bin und nun zwei Meter hoch springen muss. Nein.

In der spirituellen Welt wachsen die Stufen qualitativ. Dort musst du ganz
andere Aufgaben lösen. Und das verwirrt dich genauso, weil du dich an eine
bestimmte Erscheinungsform des Schöpfers, an bestimmte Arten von
Hindernissen gewöhnt hast und plötzlich sind es ganz andere.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 23.12.2012

Der rettende Kokon

Kongress in Nowosibirsk, Lektion 6

Frage: Es steht geschrieben: „Alles ist in den Händen des Himmels, außer der Furcht vor dem Schöpfer“. Wo und wie kann ich die Wichtigkeit des Ziels erhalten, um an die Furcht vor dem Schöpfer zu denken?

Meine Antwort: Die Wichtigkeit des Ziels erhält man nur in der Gruppe, doch
dabei muss in ihr eine solche Spannung, eine solche Elektrisiertheit
herrschen, die beim Betreten des Raumes ein Gefühl aufkommen lässt, das
durch Mark und Bein geht. Schafft eine solche Bedingung!

Aufgrund dieser Spannung, dieser Elektrisiertheit innerhalb der Gruppe,
entsteht die Ehrfurcht vor dem Schöpfer, weil ich mich nicht in nötiger
Absicht befinde, den Anderen nicht helfe usw.

Es ist jedoch keine Spannung, die auf den Schultern lastet. Im Gegenteil,
sie wird fließend sein, sie wird dich schützen, tragen, halten und
umströmen, wie elektrische Ladung eine Kugel umströmt. Du wirst dich in
ihrem Inneren wie in einem Kokon fühlen.

Auszug aus der 6. Lektion des Nowosibirsk-Kongresses, 09.12.2012

Regen, der sich auf das Feld ergießt

Frage: Wie kann ich etwas geben, was ich selbst nicht habe, denn ich befinde mich ganz und gar im Materiellen?

Meine Antwort: Du musst nichts geben! Du musst nur wissen, wie du dich verwirklichen kannst. Von uns wird kein Wunsch verlangt, den wir nicht haben. Es steht in der Tat geschrieben: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ – doch diese Liebe wird von uns nicht verlangt. Von uns wird lediglich verlangt, zu verstehen, wo wir uns richtig verwirklichen können.

Das Problem besteht darin, dass wir eine Unmenge an Handlungen durchführen, doch nicht an der Stelle, wo es sein soll, vergleichbar mit Regen, der sich in die Wüste ergießt, anstatt sich auf ein Saatfeld zu ergießen. Alles muss an seinem Platz sein. Wenn du die Saat an der richtigen Stelle aussäst – in fruchtbaren Boden, das bewässert wird – dann geht sie auf. Wenn du sie aber im Wüstensand vergräbst, wird nichts daraus.

90% all unserer Anstrengungen in diesem Leben vergeuden wir für Dinge, für die keine Notwendigkeit besteht. Es lohnt sich noch nicht einmal, in ihre Richtung zu schauen, doch wir tun es… Deshalb besteht das Problem nicht darin, dass wir keine Kraft haben, sondern darin, dass wir sie an einer unpassenden Stelle verschwenden. Das ist der einzige Grund.

Der Ort, an dem wir alle unsere Anstrengungen bündeln müssen, außer dem Notwendigen für das materielle Leben (Essen und Familie), ist die Gruppe. Wenn wir alle unsere Kräfte in die Gruppe investieren, werden wir mit der höchsten Geschwindigkeit vorankommen. Stattdessen vergeuden wir jeden Augenblick unsere Kräfte und verzetteln uns.

Deshalb sollten wir uns nicht beklagen, dass wir keine Ergebnisse erzielen können. Wir verfügen über die nötige Kraft, wir müssen sie nur in die richtige Richtung lenken.

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung zu TES, 20.12.2012

 

Die Grenze, an der das Böse zum Guten wird

Baal HaSulam, Artikel „Einführung zu Talmud Esser HaSefirot“, Punkt 78: „Selbst wenn die ganze Welt sagt, du seist rechtschaffen, sieh dich in den eigenen Augen als boshaft,” besonders in deinen eigenen Augen.Dies bedeutet, dass man sich selbst als boshaft betrachten soll, solange einem nicht die Öffnung der Augen für die Tora zuerkannt wurde. Mache dich nicht selbst zum Narren, indem du dich in der gesamten Welt als rechtschaffen darstellst.

Die Menschen verfügen über keinen eigenen Willen, wenn es um gute oder böse Handlungen geht. Was die Spiritualität, die angeborenen natürlichen Qualitäten eines Menschen betrifft, so zählt es nicht, wie schön oder gebildet oder ungezogen jemand ist. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem jemand eine Offenbarung und ein Zeugnis des Schöpfers verdient, welches seine guten Absichten garantiert, bis dahin bleibt er böse.

Aber dann, wenn jemand eine Offenbarung erreicht hat und das Licht ihn weiter in der Höhe festhält, von da an wird er ein guter Mensch, ein gerechter Mensch sein. Bis dahin sollen wir keine Berechnungen über andere anstellen, darüber, wer schlecht oder gut ist. Was den spirituellen Weg angeht, hängt alles vom Durchkreuzen der heißersehnten Barriere ab – des Machsom.

Auszug dem 3. Teil des täglichen Kabbala-Unterrichtes, 16.12.2012

Hör nicht damit auf, womit du begonnen hast – du bist nicht nur für dich selbst verantwortlich

Wir müssen akzeptieren, dass der spirituelle Weg kontinuierliche Arbeit ist. Nur musst du heute die Gleichgültigkeit besiegen und morgen wirst du es mit Hass zu tun haben – einem so starken Hass, dass du zu allem bereit sein wirst außer dazu. Es kommt ein Zustand auf dich zu, der über deine Kräfte hinausgeht, auch nur an deine Freunde zu denken, da es dir schlimmer als der Tod erscheint. Die Freunde werden in dir eine schreckliche Abneigung hervorrufen. Du wirst nicht in der Lage sein, mit ihnen in Kontakt zu treten, sie anzuschauen, an sie zu denken. Jedoch wird es zur gleichen Zeit die gleiche Art von Arbeit sein: die Wichtigkeit des Ziels und des Schöpfers, der Freunde und der Gruppe anzuerkennen.

Wir müssen ständig von morgens bis abends den gleichen Kurs beibehalten und uns so auf jede Lektion vorbereiten. Soweit wir ein gewisses Maß an Verbindung und Einheit erreichen, werden wir darin die spirituelle Welt entdecken. Das Maß der Einheit ist auch das Maß unserer Spiritualität. Unsere gemeinsame Wahrnehmung wird als „Schöpfer“ bezeichnet, es kommt aus den Worten „Komm“ und „Sieh“ (Bo – Reh). Wo kannst du kommen und sehen? Eben in dieser gemeinsamen Wahrnehmung. Wenn wir nicht daran arbeiten, gibt es auch nichts, worüber wir sprechen können. Wir müssen uns jede Sekunde selbst vorbereiten und uns nur darauf konzentrieren.

Wenn du das nicht willst, verschwende keine Zeit, und dann ist es auch besser, wenn du die weltlichen Freuden genießen gehst. Wenn du dich nicht beim Wichtigsten anstrengst, dann ist dein gesamter spiritueller Weg eine Lüge. Es ist besser, das Leben wie „jeder andere“ zu genießen, um schneller zu verstehen, dass wir endlich etwas tun sollten. Ansonsten ist es, wie es geschrieben steht: „Ein Narr sitzt mit gefalteten Händen und isst sein eigenes Fleisch.“

Rabash sagte oft: „Zur Not kann man das Leben genießen“, weil jemand, der das Leben genießt, dem Schöpfer dafür von Herzen dankt. Du aber quälst und verzehrst dich und verfluchst den Schöpfer. Also geh, hab Spaß, trink ein Bier mit Freunden in der Kneipe, mach einen Spaziergang, verdiene Geld und genieße das Leben. Was ist schon dabei?

Wenn wir das nicht tun, müssen wir in unserer Arbeit zielstrebig voran gehen. Wenn wir es auf uns genommen haben, etwas zu tun, dann müssen wir es tun, was wir auf uns genommen haben und nicht unserer Schwäche erliegen. Das Wichtigste dabei ist das Gefühl der Verantwortung. Denn die gegenseitige Bürgschaft bedeutet eben die gegenseitige Verantwortung: Ich bin verantwortlich für jedermann. Wenn es dabei nur um mich ginge, dann hätte ich alles schon vor langer Zeit aufgegeben. Allerdings bin ich für alle verantwortlich. Mein Gewissen sollte mich nicht ausruhen und nicht entspannen lassen.

So sollte ich auch nicht auf besondere Gelegenheiten warten. Ich muss jetzt beginnen, mir Gedanken zu machen: Wie werde ich morgen zum Unterricht kommen? Bin ich bereit, mich mit den Freunden zu verbinden und das Licht, das zur Quelle zurückführt, zu ersehnen? Will ich einen „Ort“ für die Anheftung an den Schöpfer schaffen?

Die Größe des Ziels, die Größe des Schöpfers müssen in uns immer stärker brennen.

Auszug aus dem 4. Teil des täglichen Kabbala Unterrichts vom 19.12.2012, „Die Weisheit der Kabbala und die Philosophie“

Des Egos wertvolle Schläge

Baal HaSulam, „Einführung zu Talmud Esser HaSefirot“, Punkt 107: Der Mensch wird so weit des Lichtes des Angesichts gewürdigt, dass jeder von ihm begangener Verstoß – einschließlich sogar derjenigen von ihnen, die er böswillig beging – sich für ihn in eine Mizwa verwandelt. Dank dieser Tatsache wird er froh und glücklich über alle erlittenen Plagen und bitteren Leiden und die zahlreichen Sorgen, die er in seinem Leben seit der Zeit durchlief, als er den zwei Stadien der Verhüllung des Angesichts unterlag.

…verwandeln sich für ihn in einen Faktor der Kausalität und einfache Vorbereitung auf die Ausführung der Mizwa und den Erhalt einer großen und herrlichen Belohnung für sie, auf ewig.

Hiervon lernen wir: Je mehr ich gelitten habe, umso größer ist nun meine Belohnung. Heißt das, es lohnt sich zu leiden, um später eine größere Belohnung zu erhalten? Danach klingt es in unserer Sprache, in unserer egoistischen Wahrnehmung. Vergangenes wird nicht gelöscht, und die Korrektur liegt darin, den Schmerz darüber in Freude zu verwandeln. Anstelle eines Gefäßes, das an Trübsinn, Mangel und Leere, an Kriegen, an Krankheiten, an Schmerzen gelitten hat – also an einer mangelnden Füllung –, fühlen wir nun eine Füllung, und in dieser empfinden wir eine Belohnung und Liebe.

Baal HaSulam, „Einführung zu Talmud Esser HaSefirot“, Punkt 108: Das gleicht einer Geschichte, welche die Menschen von einem Juden erzählen, der ergeben im Hause eines Herren diente, der ihn liebte wie sich selbst. Einmal kam es so, dass der Herr wegfuhr und seine Geschäfte den Händen eines Vertreters überließ. Und dieser Mensch war ein Hasser Israels.

Also tat er Folgendes: Er beschuldigte den Juden und schlug ihn als Strafe fünf Mal vor den Augen aller, um ihn gut zu erniedrigen.

Dies handelt vom Ego und vom Punkt im Herzen eines Menschen, davon, wie das Ego den Menschen dominiert und den als „Jude“ (Jehudi; abgeleitet von der hebräischen Wortwurzel Jehud, was „Einheit“ heißt) bezeichneten „Punkt im Herzen“ bezwingt und schlägt. Dieser Punkt möchte sich mit dem Schöpfer verbinden und leidet unter der Tatsache, dass er es nicht kann. Dies bedeutet, er erhält Schläge von seinem Ego.

Als der Hausherr zurückkehrte, kam der Jude zu ihm und berichtete von allem, was mit ihm geschah. Der Hausherr wurde sehr wütend, rief den Vertreter und befahl ihm, dem Juden sofort in die Hände tausend Münzen für jeden Schlag zu geben, den dieser ihm erteilt hatte.

Der Jude nahm sie und kehrte zu sich nach Hause zurück. Dort fand ihn seine Frau weinend vor. In großer Sorge fragte sie ihn: „Was ist dir mit dem Hausherren zugestoßen?“ Er erzählte es ihr. Dann fragte sie: „Warum weinst du dann?“ Und er antwortete: „Ich weine, weil er mich nur fünf Mal geschlagen hat. Hätte er mich wenigstens zehn Mal geschlagen, hätte ich jetzt zehntausend Münzen.“

In der irdischen Darstellung dieser Geschichte erscheint dies grob und egoistisch. Wir verstehen jedoch, dass die Tora zu uns über die innerliche Welt eines Menschen spricht. Wer dies versteht, interpretiert es richtig.

„Ein Mensch ist eine kleine Welt“, in der es zwei entgegengesetzte Seiten gibt: einen Punkt im Herzen und das Herz selbst. Das Herz hasst den Punkt im Herzen, der sich nach Einheit mit dem Schöpfer sehnt.

Je größer das in uns enthüllte Verlangen zu empfangen ist, genannt „grausames egoistisches Herz“, umso stärker greift es den Punkt im Herzen an und verhindert dessen Weiterentwicklung. Der Punkt im Herzen unternimmt verschiedene Versuche, ihm zu entfliehen und voranzukommen, und leidet so an dessen Herrschaft und an seiner eigenen Sklaverei, dem quälenden Exil. Spannung und Kampf zwischen ihnen wachsen konstant an und der Punkt im Herzen empfindet immer mehr Schmerzen, da er sich nicht mit dem Schöpfer verbinden kann.

Dies erschafft ein Gefäß und somit trifft die Füllung ein, die „Als der Hausherr zurückkehrte“ genannt wird. Die Belohnung wird in den gleichen Leiden empfunden, in den gleichen leeren Plätzen, die während dem Exil geschaffen wurden. Das bedeutet, dass es nicht der Wille zu empfangen selbst ist, der erhält, um zu geben – sondern der Kampf gegen ihn.

Auszug aus dem Unterricht nach der „Einführung zum Talmud Esser HaSefirot“, 25.12.12

Wer wird uns helfen, uns über das Ego zu erheben?

Frage: Während des Prozesses der spirituellen Arbeit erreiche ich einen Zustand, in dem ich nicht in der Lage bin, mich über mein Ego zu erheben. Dies erzeugt Spannung in mir, Ärger. Liegt es in des Menschen Macht, sich über das Ego zu erheben, oder kann er nur darum bitten?

Meine Antwort: Ein Mensch kann sich niemals selbst über sein Ego erheben. Er kann dies nur vom Schöpfer erbitten.

Du kannst gegen alle Arten körperlicher Gewohnheiten ankämpfen, z. B. das Rauchen aufhören, eine Diät beginnen, usw., und dabei ein Ego mit einem anderen, das dir mehr zusagt, ersetzen.

Jedoch liegt es nicht in deiner Macht, dich über es zu erheben, da das Ego selbst solch ein Mittel nicht hat. Hierfür muss man das Höhere Licht heranziehen das die entgegengesetzte Eigenschaft des Egos ist, die Eigenschaft des Gebens, die diese Handlung in Kraft setzt.

Nachdem du auf die neue Stufe aufgestiegen bist, wirst du dich darauf „einpendeln“, dich selbst etablieren, sehen und lernen, was auf dieser Stufe seitens der neuen Kraft geschehen ist, und dann wieder fallen, jedoch dieses Mal noch tiefer, an einen noch dunkleren Platz, in schreckliche Verwirrung, sowohl gefühlsmäßig als auch im Bewusstsein.

Manchmal fühlst du dich wie betrunken und manchmal verloren gegangen, ohne Willenskraft, völlig hilflos – und manchmal all das gleichzeitig. Du wirst den Anschein haben, dass die Probleme von allen Seiten auf dich einstürmen, dass das Leben dunkel ist und es vor dir keine Helligkeit und Klarheit mehr gibt.

All dies geschieht, damit du die richtige Verbindung mit der Gruppe, die korrekte dich unterstützende Umgebung organisierst, und mit jedem Moment sagt es dir, dass du dich zum Schöpfer hinwenden musst.

Du musst das in Abhängigkeit deiner Freunde sehen, die dir dies vormachen müssen. Falls einer der Freunde nicht erkennen lässt, dass er sich an den Schöpfer wendet, er sich nach Ihm sehnt und die wichtigste Sache für ihn die Wichtigkeit des Ziels ist, musst du es ihm vormachen, da wir unter dem Einfluss der Gruppe stehen, dem Streben der Gruppe. Du musst spielen, für die Freunde schauspielern, zeigen, dass du ein wahres Verlangen nach Fortschritt hast. Innerlich magst du „tot“ sein, das spielt keine Rolle, äußerlich jedoch musst du um der Rettung der Freunde willen schauspielern.

Auszug aus der 6. Lektion des Kongresses in Nowosibirsk, 09.12.2012