Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Ob in mir der Mensch wächst?

Frage: Was wird unter dem Geben an den Nächsten verstanden, und warum gibt es keine direkte und unverzügliche Strafe bei Nichterfüllung des Gesetzes des Gebens an die Gesellschaft?

Meine Antwort: Das Geben an den Nächsten bedeutet, ihm zu helfen, sich dem Ziel anzunähern. Anderenfalls handelt es sich nicht Geben – ausgenommen der Hilfe bei der Versorgung mit lebensnotwendigen Mitteln. Jeder braucht  Existenzmittel – denn das unbelebte, pflanzliche und tierische Niveau muß von etwas leben. Aber im Großen und Ganzen muss man dem Nächsten nur bei der Entwicklung zum Stadium des Menschen helfen.

Was die unverzügliche Strafe für die Nichterfüllung des Gesetzes des Gebens betrifft, so ist sie unmöglich. Denn die unverzügliche Strafe hätte dich dann ebenso, wie die unbelebte, pflanzliche und tierische Natur getroffen: du hast etwas falsch gemacht – hier kommt sofort deine Strafe, hast du alles richtig gemacht – bekommst die Belohnung. Dann hätte man dich einfach „programmiert“, ebenso, wie das Tier.

Aber welchen Nutzen hast du, wenn in dir der Mensch nicht wächst? Der Mensch in dir kann nur bewusst, infolge des Verständnisses und der Selbstentwicklung, der Aneignung von neuen Eigenschaften und neuen Werte wachsen. Dieser neue Mensch in dir strebt nach oben hinauf, will sich über dem lebensnotwendigen Existenzniveau erheben, um dort nach den Lösungen zu suchen.

Der Mensch entwickelt in sich etwas, was dem Schöpfer gleicht. Mein Körper, meine ganze Welt gehört zum unbelebten, pflanzlichen und tierischen Niveaus. Aber jetzt steige ich höher hinauf und baue den menschlichen Teil auf, der dem Schöpfer gleich ist. In unserer Welt gibt es nichts Vergleichbares und gerade das wird zu meinem wahren “Ich”, während ich alles anderen nur im Rahmen der lebensnotwendigen Existenz unterstütze.

Deshalb funktioniert das Prinzip „geben und nehmen“ nicht, passt das System der Gebote und der Verbote nicht.  Denn ich muss etwas oberhalb von meinem jetzigen Ich bilden.

Frage: Wer führt eigentlich die Naturgesetze nicht aus: die Schöpfung oder der Schöpfer, der es ihr erlaubt?

Meine Antwort: Natürlich, der Schöpfer. Er lässt das deswegen zu, damit wir den Vorteil des Lichtes über die Finsternis lernen.

Aber die Frage besteht hier in meiner Bestrebung, in meiner Tendenz. Ja, ich werde aufsteigen und wieder fallen, aber will ich das wirklich? Neige ich dazu? Schätze ich diesen Weg und diese Bestrebung? Von mir wird die Anstrengung gefordert: „Willst du, dass etwas geschieht, oder nicht? Entwickle in dir die Neigung, das Bedürfnis dazu“. Aber wie? Ich stelle doch „den Berg“ des egoistischen Verlangens dar. „Du hast eine Umgebung, die Gruppe, den Lehrer, die Bücher, das Licht, das zur Quelle zurückführt, – alles Notwendiges. Die Arbeit wird aber von dir erwartet“.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Welt“, 08.02.2013

Die Selbstannullierung ist der Anfang aller Anfänge

Frage: In welcher Form beeinflusst der Höhere den Unteren: gibt Er dem Unteren eine fertige Form oder nur die Energie, die Kraft?

Meine Antwort: Was gibt die Mutter dem Embryo? Das Blut, die unbelebte Stufe. Aus dieser unbelebten Stufe im Embryo entwickelt sich schon die pflanzliche und die tierische Stufe. Aber wie kommt ihre Form zustande? Die Form entsteht infolge der Annullierung seitens des Embryo. Im Maß seiner Annullierung wird er bereit sein, die Form des Höheren anzunehmen.

Jedoch gibt der Höhere ihm die Form innerhalb der Selbstannullierung des Unteren – das eine hängt unmittelbar von dem anderen ab. Deshalb gibt es hier keine eindeutige Antwort. Der Höhere gibt dem Unteren das einfache, abstrakte Licht – und auf diese Weise erfolgt alles in den Beziehungen zwischen allen Stufen. Der Untere nimmt dieses einfache Licht, das Licht der Unendlichkeit, an, denn für ihn ist der Höhere die Unendlichkeit, er kennt nichts anderes, was höher wäre. Aber wenn er dieses Licht annimmt, dann beginnt er im Maß der Selbstannullierung und der Ähnlichkeit mit dem Höheren, im Maß seines Verständnisses und der Empfindung, in seinem Inneren die neue Form abzubilden. Jedes Mal ergänzt er seine Form auf diese Weise.

Deshalb ist die Selbstannullierung der Anfang aller Anfänge!

Auszug aus dem Unterricht nach „der Lehre der Zehn Sefirot“ „, 28.01.2013

An der Verbindung arbeiten!

Frage: Wie können wir einem Freund helfen, für den die Verbreitungsarbeit wichtiger als die Gruppenarbeit geworden ist, was sich negativ auf die Gruppe auswirkt?

Meine Antwort: In erster Linie sollte er verstehen, dass die Verbindung mit den Freunden das ist, was ihn in die Höhere Welt führt. Wenn er nicht an die Gruppe gebunden werden kann, bedeutet es, dass er einfach vor der spirituellen Arbeit, vor der spirituellen Verbindung davonläuft.

Ich verstehe, dass man immer davor weglaufen und sich der Verbreitung widmen möchte, denn dort fühlt man sich groß, wichtig usw. Doch vor der Verbindung in der Gruppe kann keiner davonlaufen, jeder muss mit aller Kraft versuchen, zusammen mit den Freunden zu sein, wie fehlerhaft sie einem auch erscheinen mögen!

Es ist so, dass du sie in dem Maße deiner Unkorrigiertheit siehst, deswegen solltest du weder sich selbst noch sie rechtfertigen, du solltest nichts tun, außer einfach an der Verbindung arbeiten. Achte nicht auf ihre Fehler, als würdest du sie nicht sehen – arbeite du an der Verbindung!

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 03.02.2013

 

Das Leben erscheint wie ein Augenblick oder ein Augenblick wie ein ganzes Leben

Wie geschrieben steht: „Mache dir einen Rav und kaufe dir einen Freund.“ Dies bezieht sich auf die Verbindungsarten, die wir zwischen uns und zwischen uns und dem Schöpfer erreichen können. Unsere Korrektur vom Zerbrechen hängt von dieser Verbindung ab. Denn wir entdecken die spirituelle Wirklichkeit in den korrigierten Gefäßen – in den Verbindungen zwischen ihnen – in dem Ausmaß, in dem wir uns verbinden, das Zerbrechen überspringen und es korrigieren.

In der körperlichen Wirklichkeit leben wir in unserem Verlangen, bis wir die körperlichen Reshimot (die spirituellen Gene) auf der tierischen Stufe erfüllen. Wenn ein Reshimo ausgereizt ist und ein anderes hervorkommt, empfinden wir das als unseren Tod. Und die Geburt eines neuen Reshimo wird als weiteres Leben bezeichnet, als eine neue „Reinkarnation“.

Jedoch können wir ständig die spirituellen Reshimot erneuern, indem wir jedes Mal die Verbindung zwischen uns korrigieren. Versteht ein Mensch, dass er diese spirituellen Reshimot erfüllen, sie klären und korrigieren kann, dann empfindet er in den korrigierten Reshimot seine nächste Existenzstufe, also das spirituelle Leben.

Das körperliche Leben wird von einem Reshimo auf der tierischen Stufe erfüllt, und wenn es vollständig erfüllt ist – was bedeutet, dass es die Phasen von Ibur (Schwangerschaft), Jenika (Säugling) und Mochin (Verstand) durchläuft –, stirbt der Mensch. Auf der „Sprechenden Stufe“ jedoch können wir viele Reshimot erfüllen, indem wir sie ständig ändern und ersetzen; wir können in ihnen unseren Fortschritt bzgl. der Erlangung der spirituellen Welt empfinden.

Im Gegensatz zur körperlichen Welt, die in den körperlichen Reshimot verspürt wird, fühlen wir die spirituelle Welt in den korrigierten spirituellen Reshimot, also innerhalb der Verbindungen zwischen uns. Es zeigt sich, dass wir gleichzeitig in zwei Welten leben: in körperlichen Reshimot, also im Empfinden unseres Körpers – und in verdorbenen spirituellen Reshimot, indem wir die verdorbene Verbindung zwischen uns spüren.

Wenn wir diese Verbindung korrigieren, dann entdecken wir in den korrigierten Reshimot die spirituelle Stufe: anstelle einer zerschmetterten Welt empfinden wir die korrigierte Welt. Entsprechend spüren wir die neu korrigierten Verlangen und – in ihnen – das Licht, das sie je nach Stufe ihrer Verbindung füllt.

Das Einzige, was wir brauchen, ist daher, für die grundlegende Notwendigkeit, die minimale Existenz für die Reshimot auf der tierischen Stufe zu sorgen und so schnell wie möglich mit Hilfe der Korrektur der Reshimot auf der „Sprechenden Stufe“ voranzuschreiten.

Auszug aus dem 1. Teil des täglichen Kabbala-Unterrichts, 23.01.2013, Schriften des Rabash

Erwachsensein

Frage: Ist es typisch für die Bildung einer Gruppe, dass es Zeiten gibt, in denen die Notwendigkeit der Vereinigung sich über die Notwendigkeit von Unterrichten, Workshops, Kongressen oder von der Beteiligung an der Verbreitungsarbeit erhebt?

Meine Antwort: Ich weiß von mir, dass ich immer abwechselnd in dem einen oder anderen involviert war. Plötzlich wollte ich das Material weiter studieren, dann wieder mehr verbreiten, dann wollte ich in der spirituellen Entwicklung engagiert sein oder auch in solch “weltliche” Dinge wie das Erstellen von Buch-Layouts oder die Vorbereitung der Buch-Veröffentlichungen vorantreiben.

Ein Mensch hat immer diese Stimmungsschwankungen in verschiedene Richtungen. Wir müssen alle diese Zustände durchlaufen. Das ist ein natürlicher Prozess unseres Wachstums und dann wird allmählich alles ins Gleichgewicht kommen.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht vom 02.03.2013

Wie soll man Prioritäten setzen?

Frage: Was kann eine Frau tun, wenn die Verbreitung fünf bis sechs Stunden am Tag dauert und es keine Zeit mehr für die Arbeit in der Gruppe, insbesondere die Teilnahme an Workshops gibt? Wie können wir Prioritäten für die verfügbare Zeit setzen?

Meine Antwort: Ich denke, man muss zwangsläufig eine gewisse Zeit der eigenen inneren Arbeit widmen. Auch wenn die Verbreitung in der weltweiten Öffentlichkeit  sehr wichtig ist, weil wir ohne sie nicht voran kommen, wenn man dem inneren spirituellen Fortschritt keine Aufmerksamkeit widmet, dann ist das auch nicht gut.

Du würdest hinter dem Material zurückbleiben. Du würdest nicht mit den anderen sein wie in einem gemeinsamen Team usw. Wir müssen immer noch die Prioritäten so setzen, dass die innere Arbeit, nämlich hauptsächlich die Frauen-Workshops und die allgemeinen Unterrichte und Workshops, nicht zu Gunsten der Verbreitung ins Hintertreffen geraten.

Du solltest deinen Zeitplan verdichten und unsere gemeinsamen Aktivitäten nicht verpassen, insbesondere die Seminare.

Aber ohne die Verbreitung ist es auch unmöglich, nicht weil jemand uns dazu auffordern würde, sondern weil wir nur so im Inneren genau die Lücken aufdecken, die dann mit dem höheren Licht gefüllt werden können. Und wenn wir studieren, ohne das Studierte an andere weiter zu geben, werden wir nur leere Neunmalkluge bleiben, weil wir dann nur mechanische Kenntnisse erwerben, aber keine spirituelle Weisheit.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht vom 02.03.2013

Verbreitung: Der persönliche Nutzen

Frage: Hilft die Verbreitung bei der Überwindung von inneren Hindernissen?

Meine Antwort: In der spirituellen Welt gibt es viele verschiedene „Stützen“, die Hilfe bieten. Ich finde, dass die Verbreitung dem Menschen hilft, weil wir immer und immer wieder ab- und aufsteigen.

Die äußeren Belastungen geben uns die Möglichkeit, uns an einem Prozess zu beteiligen, der nicht nur in uns, sondern auch außerhalb von uns stattfindet, dann dämpfen wir es quasi ab, kompensieren es. Mir hat es sehr geholfen.

Außerdem, wenn du dich auf die Unterrichte und die Lektionen vorbereitest, das Material bearbeitest, bist du mit etwas Äußerem beschäftigt. Du bist nicht ständig in dich selbst vertieft, und das hilft.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 03.02.2013

Ohne Recht auf freien Tag

Frage: Was gilt als Verbrechen in der inneren Arbeit, das die Ergebnisse dieser Arbeit zerstört?

Meine Antwort: Wenn der Mensch mit der inneren Arbeit bereits begonnen hat, jetzt aber zu faul ist, um sie weiterzuführen und jeden Augenblick etwas hinzuzufügen, gilt das als Verbrechen. Denn wenn er sich nicht vorwärts bewegt, bedeutet es, dass er zurückgeht. Es ist nicht möglich, mittendrin stehen zu bleiben.

Wir denken manchmal, dass wir es uns leisten können, uns von dieser Arbeit ein wenig zu erholen. Doch in der Spiritualität gibt es keine freien Tage, die Uhr läuft immer weiter und unsere Anstrengungen werden zusammengezählt. Deshalb unterscheidet es sich von unserer Welt, in der es uns möglich ist, stehen zu bleiben und auf der faulen Haut zu liegen, schlafen zu gehen und bis zum nächsten Tag nichts zu tun.

In der spirituellen Welt gibt es so etwas nicht. Vielleicht habe ich keine aktiven Handlungen vorgenommen, doch in dieser Zeit ist eine Vielzahl an Informationsgenen (Reshimot) durch mich hindurchgegangen, und wenn ich sie nicht abarbeite, rolle ich zurück. Deshalb sollte ich dafür sorgen, dass ich ständig in Bewegung bleibe.

Ich würde empfehlen, sich – selbst auf eine passive Art und Weise – einer möglichst starken Einwirkung der Umgebung zu unterziehen: Musik, Lieder zu hören, unser Material zu lesen, sich nochmal den täglichen Unterricht bzw. irgendeine Sendung anzusehen oder anzuhören, mit Freunden zu sprechen. Nur sollte man bei diesen Gesprächen sehr vorsichtig sein, denn sie können einen großen Schaden verursachen, wenn sie nicht richtig genutzt werden.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Brief von Baal HaSulam, 07.02.2013

Ein Geschenk des Schicksals

Frage: Wie sollen wir die Arbeit an der Vereinigung und der Verbreitung miteinander verbinden?

Meine Antwort: Die Verbreitungsarbeit verbindet an und für sich. Gerade während der Verbreitung rücken viele Menschen zusammen, sie bleiben in der Gruppe, verlassen sie nicht, verbinden sich untereinander, finden Freunde, die ihnen nahe stehen.

Ich finde, dass die Verbreitung ein riesiges Geschenk ist, das uns das Schicksal bereitet hat, denn in der Vergangenheit war es nicht möglich, zu verbreiten, und jetzt ist es möglich. Außer der Kabbala gibt es auch die integrale Erziehung, und das ist ein wunderbarer Ort, an dem wir uns verbinden können.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 03.02.2013

Arbeite mit Freude

Aus dem Artikel „Die Sache der Begrenzung“ („Shamati“, № 53): Die Traurigkeit kommt zum Menschen, weil er das Überflüssige ersehnt. Und dies ist der verborgene Sinn von: als Israel kam, um die Tora zu empfangen, brachte Moses die Menschen an den Fuß des Berges, so wie geschrieben steht:” und sie standen am unteren Teil des Berges“. Moses führte sie an das Ende des Gedankens, des Verständnisses und der Vernunft, der niedrigsten Stufe, die es gibt.

Und dies erst dann, als sie einverstanden waren mit einem solchen Zustand; darin zu verweilen ohne jegliches Wanken oder jedwede Bewegung – sogar in einem solchen Zustand zu verweilen, als wären sie in der größten Gadlut und zeigten ihre Freude darüber  – was der verborgene Sinn von „dienet dem Herrn mit Freude“ ist .

Das heißt, während der Zeit der Gadlut ist es nicht passend zu sagen, dass Er ihnen Arbeit gibt, um in der Freude zu sein, denn während der Zeit der Gadlut kommt die Freude von selbst. Vielmehr wird ihnen zur Zeit der Katnut die Arbeit der Freude gegeben, und dann, zur Zeit der Katnut, sollen sie voll Freude sein, obwohl sie Katnut fühlen. Und dies ist eine große Arbeit.

Der Mensch verringert seine gewöhnlichen Bedürfnisse, und erlangt allmählich „den kleinen Zustand“ (Katnut), indem er nichts für sich verlangt. Das, was er für seine Existenz braucht, wird von ihm noch niedriger bewertet, weil er sich um diese Bedürfnisse nur gezwungenermaßen, gemäß seiner Pflicht sorgt.

Aus diesem Punkt fängt der Eintritt in die spirituelle Welt an. Und das Merkmal dieses Zustandes ist die Freude. Vor allem muss man die erste Beschränkung (Zimzum alef), den Schirm und das reflektierte Licht, die Absicht des Gebens erreichen, um soweit als möglich voranzukommen. Folglich wird alles, was der Mensch braucht, nicht als Konsum angesehen. Deshalb ist die ständige Freude ein Merkmal dieses Zustandes: der Mensch muss sich um nichts sorgen, er „badet“ im Licht des Schöpfers, im Meer des Gebens.

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 05.02.2013