Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Ein Volk, das aus einer Idee gewoben ist. Teil II

Andere Völker entstanden auf natürliche Weise aus Stämmen, die bestimmte Regionen der Erde bewohnten, auf der Grundlage eines gemeinsamen Territoriums, einer gemeinsamen Kultur, einer gemeinsamen Erziehung, einer gemeinsamen Sprache und später auch einer gemeinsamen Geschichte. Es entstanden große und kleine Völker, dann schlossen sie sich der einen oder anderen Religion und dem einen oder anderen Glauben an, und alles verlief seinen gewohnten Gang.

Das Volk Israel hingegen entstand auf seltsame Weise aus einer besonderen Organisation, aus einem beispiellosen sozialen Phänomen. Ein Mann namens Abraham „brachte“ der Menschheit eine einzigartige Idee, ein Ideal, eine Bestimmung ein, die sich auf die Rolle und das Leben der gesamten Menschheit bezog – und rief von überall her besondere Menschen zusammen, denen der Sinn des Lebens, der Lebenszweck, die Verbindung zur Höchsten Kraft und deren Offenbarung wichtig waren.

Anders ausgedrückt: Die Idee, die diesem Volk zugrunde lag, war sehr hoch, unnatürlich, sozusagen „nicht von dieser Welt“. Es ging nicht darum, sich irgendwo abgeschieden niederzulassen, die eigenen Grenzen zu bewachen, sich vor Nachbarn zu schützen und dergleichen.

Die Menschen wurden nicht durch grundlegende, materielle, ich würde sogar sagen, körperliche, „tierische“ Faktoren verbunden, nicht durch die gewöhnlichen Bedürfnisse des Körpers. Das Volk Israel organisierte sich um völlig andere Grundpfeiler, auf einer anderen Ebene, philosophisch und konzeptionell höher als alle anderen Völker.

Außerdem hatten diese Menschen keinen gemeinsamen Wohnsitz. Abraham sagte ihnen lediglich, dass die Zusammengehörigkeit um eine spirituelle Idee herum erfordere, „wie ein Mensch mit einem Herzen“ zu leben, in brüderlicher Liebe, um in ihrer Mitte den Schöpfer zu offenbaren, d. h. die Eigenschaft des Gebens und der Liebe – und deshalb liege ihr Platz auf der Erde gemäß diesen Prinzipien in Kanaan. Dorthin machten sie sich auf den Weg.

Auf diese Weise wurde das Land, in dem das Volk lebte, durch sein Ziel bestimmt, durch seine Übereinstimmung mit diesem Land in seinen Eigenschaften. Ein „künstliches“ Volk ließ sich an einem „künstlichen“ Ort nieder. Deshalb ist die Verbindung des Volkes Israel mit seinem Ort einzigartig: Solange die Menschen an der Idee der Einheit festhielten, lebten sie hier, und als das Volk aufhörte, den spirituellen Bedingungen der Vereinigung und der Nächstenliebe zu entsprechen, geriet es auch mit seinem Wohnort in Dissonanz, und dieser stieß es aus, warf es hinaus.

Nirgendwo sonst sind wir auf einen ähnlichen historischen Präzedenzfall gestoßen, dass ein bestimmtes Gebiet, d. h. die leblose Natur, auf diese Weise auf seine Bewohner reagiert.

Es gibt noch viele weitere „seltsame“ Phänomene, die mit diesem Volk verbunden sind. Ohne sein Wesen und seinen Ort zu kennen und zu spüren, können wir nicht verstehen, was mit ihm geschieht. Und doch dient die Geschichte selbst nur dazu, Zeit und Raum für sein Wirken im Rahmen einer besonderen historischen Mission zu schaffen.

Hier müssen wir verstehen, was Abraham seinen Anhängern gelehrt hat. Er erklärte ihnen, dass es einen Plan gibt, nach dem das Volk Israel verpflichtet ist, sich in der Zeit der Besserung wie ein einziger Mensch mit einem einzigen Herzen zu vereinen, um seine Höhe zu erreichen.

Anschließend muss er eine Spaltung durchlaufen, d. h. anstelle einer harmonischen Verbundenheit den gegenteiligen Zustand innerer seelischer Zerrissenheit und Zersplitterung offenbaren.

Dies wird sich in seinen Beziehungen zu seinen Nachbarn und zur Höchsten Kraft widerspiegeln, die alles ordnet. Dann, während der Zeit der Verbannung und der gegenseitigen Entfremdung, werden sich die Söhne Israels unter alle Völker zerstreuen und in deren Mitte eine besondere Vorbereitungsarbeit leisten.

Und dann werden sie sich wieder versammeln, wieder auf die Höhe der Einheit aufsteigen – und im Aufschwung die gesamte Menschheit zur Einheit führen. So wird die Geschichte enden, d. h. die allgemeine Korrektur der Menschheit, worin das Ziel der Schöpfung, das Ziel der Existenz der Menschheit im Zustand „dieser Welt“ besteht.

Der Geschichte ist eine Frist von sechstausend Jahren zugeteilt, beginnend mit dem Moment, als sich das Programm in dieser Welt erstmals einem Menschen namens Adam offenbarte, bis hin zum letzten Menschen, der die letzte Korrektur vornehmen und damit den historischen Schlusspunkt setzen wird.

Nun ist eine besondere Zeit angebrochen. Nach einem langen, zweitausendjährigen Exil können und müssen wir dem gesamten Volk Israel und der ganzen Welt offenbaren, was auf der Tagesordnung steht. Wir müssen allen sagen:

„Meine Herrschaften, eine schicksalhafte Zeit steht bevor, denn jetzt erhalten wir beide Zügel der Herrschaft in die Hand: „Plus“ und „Minus“ – zwei Naturkräfte. Sie sind für uns vorbereitet, und mit ihrer Hilfe müssen wir eine integrale Verbindung zwischen uns herstellen, die Gesellschaft zur Harmonie führen und die Stufe der Hingabe und Liebe erklimmen. Das liegt in unseren Händen. Beide Kräfte werden uns dabei helfen, und selbst die negative Kraft wird zu einer ‚Hilfe durch das Gegenteil‘ werden. Es wartet Arbeit auf uns. Lasst uns also an die Arbeit gehen.“

Mit diesem Aufruf müssen wir uns an die Welt, an uns selbst und an die Höhere Kraft wenden und dabei alle möglichen Mittel nutzen.

Denn wir haben die Freiheit erhalten, diese Wahl zu treffen, sowie ein Programm, einen Prozess mit einem „Drehbuch“, das bis zum „Happy End“, d. h. bis zur endgültigen Korrektur, ausgearbeitet ist. Und deshalb muss man die aktuelle Situation nur ausgehend von dieser Aufgabe, aus der Perspektive des „programmatischen“ Plans betrachten und verstehen, was dieser von uns verlangt.

Genau aus dieser Perspektive betrachte ich das, was heute in Israel geschieht – und nicht aus der Perspektive der Medien oder der Psychologie unserer Nachbarn. Welchen Sinn hat es, sich in die Feinheiten der israelischen und arabischen Mentalität zu vertiefen, wenn dieses ganze Bild höchst oberflächlich ist? Eine solche Analyse erlaubt es nicht einmal, die auflodernden Flammen zu löschen. Wir müssen die Tendenzen der Natur verstehen, die die aktuellen Prozesse in Gang setzt – und dann werden wir erfahren, wie das Problem tatsächlich gelöst werden kann.

(Aus dem 452. Gespräch über das neue Leben, 13.11.2014)

Sackgasse, Schöpfer und der Sinn des Lebens

In der Natur gibt’s keine Sackgassen. Die Sackgassen, die sie uns in den Weg stellt, sind nur dazu da, damit wir hochspringen, diese Hürde überwinden und uns weiterentwickeln.

Sackgassen gibt’s nur auf unserer Ebene, wie Stufen. Wie klettert ein kleines Kind die Stufen einer Treppe hinauf? Es krabbelt mühsam auf allen Vieren und so weiter. Deswegen werden uns diese Enttäuschungen, Höhen und Tiefen gegeben. Wir wachsen mit deren Hilfe.

Frage: Heißt das, dass das Wachstum eines Menschen darin besteht, diese Sackgassen zu überwinden, aber sie dabei wahrzunehmen? Ist das richtig?

Antwort: Wahrnehmen? Er kann nicht einmal aufstehen, er krabbelt auf allen Vieren!

Frage: Heißt das, dass ich zu einem Gefühl einer Sackgasse vor mir kommen muss?

Antwort: Ja. Du musst verstehen, dass es Hindernisse vor dir gibt – das sind nämlich die Stufen einer Leiter des Aufstieges.

Frage: Wohin gehe ich denn? Hier ist die Leiter. Wohin gehe ich von Sackgasse zu Sackgasse?

Antwort: Du gehst, um den Sinn des Lebens zu verstehen, um den Sinn des Lebens zu begreifen.

Frage: Worin besteht er? Ich steige doch zu etwas hinauf. Wohin steige ich von Sackgasse zu Sackgasse hinauf?

Antwort: Ich steige hinauf, damit diese Stufen des Aufstiegs in mir solche Wünsche, Eigenschaften und Qualitäten hervorbringen, in denen ich den Sinn des Lebens offenbaren kann. Und den gibt es! Ich sehe ihn aber nicht, ich fühle ihn nicht, ich kann ihn weder anfassen, noch wahrnehmen.

Und als Ergebnis dieser Aufstiege, wenn ich wie ein kleines Kind auf allen Vieren von Stufe zu Stufe krieche und versuche, mich hochzuziehen, entwickle ich in mir Verstand und Gefühle, um den Sinn dieses Aufstiegs zu begreifen.

Und auf einmal verstehe ich, dass dieser Sinn zwischen den Stufen liegt.

Frage: Gibt es ein Ende dieser Stufen?

Antwort: Es ist irgendwo ganz weit weg, fast nicht greifbar. Wozu auch? Ich fange an zu fühlen, dass dies nämlich das Leben ist.

Das ist nämlich das Leben, wenn du auf jeder Stufe Enttäuschungen hast, die Notwendigkeit, Kraft zu finden, die Notwendigkeit, ein genaues Ziel, einen Vorsatz zu finden. Sonst hast du keine Kraft: wofür, warum, was wirst du als das richtige Ziel, als die richtige Entscheidung betrachten oder nicht. Und so weiter.

Das heißt, im Ergebnis des Aufstiegs von diesen Stufen, wirst du dich als wachsend und schöpferisch wahrnehmen.

Frage: Was treibt mich jedoch an? Ist das der Wunsch, diese Sackgasse zu überwinden oder mich an etwas oder Jemanden anzunähern?

Antwort: Nein, du willst gar nicht mehr so sehr eine bestimmte Endstufe erreichen. Du fängst an, Freude daran zu empfinden, dass du sie durchläufst. Zwischen den Stufen fängst du an, die Weisheit, die Klarheit dieser Stufen zu fühlen.

Frage: Werde ich anfangen, diese Lenkung zu fühlen?

Antwort: Das nennt man „mi maasecha ikarnucha“ – „aus deinen Taten erkenne ich dich“, dass du aus den Stufen selbst, aus der Art und Weise, wie sie für dich geschaffen wurden, und gleichzeitig, wie du geschaffen wurdest, um dich über sie zu erheben, aus all dem beginnst du, den Schöpfer dieser Stufen zu erkennen. Und das ist das Wichtigste.

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Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman“

Was kann man tun, wenn man innerlich ausbrennt?

Bemerkung: Ich habe ganz normal gelebt, ganz normal gearbeitet, war voll bei der Arbeit, und plötzlich wurde alles leer, alles wurde sinnlos. Es gibt Arbeit, es gibt einen Job, es gibt Geld, aber ich sehe keinen Sinn darin.

Antwort: Das ist ganz normal. Das ist menschliches Wachstum. Das ist die schrittweise Entwicklung des Menschen.

Der Egoismus wird nicht erfüllt. Er ist immer noch derselbe Egoismus, unsere Grundlage. Früher wurde er erfüllt, er genoss die Arbeit, die Ehre, den Ruhm, das Wissen, das Geld, die Möglichkeit, all das irgendwie zu verwirklichen, und heute ist das nicht mehr der Fall. Ihm ist die Meinung der anderen egal, ihm ist der Aufstieg auf irgendeiner Leiter nicht mehr wichtig.

Man kann sagen, dass es eine Art Müdigkeit gibt, so wie bei jedem Metall, jedem Material. So ist es auch hier.

Bemerkung: Das nennt man „Burnout”, es gibt sogar einen Begriff dafür.

Antwort: Burnout. Es ist ein guter Ausdruck, ja.

Der Egoismus hat auf eine andere Arbeitsweise umgeschaltet. Es reicht ihm nicht mehr, dass er alles bekommt – das, was früher Zufriedenheit, Erfüllung, Eitelkeit hervorgerufen hat und so weiter. Heute reicht es nicht mehr. Was soll man tun? Ich weiß nicht, wofür ich etwas tun soll, wofür ich leben und arbeiten soll. Ich weiß es nicht! Das interessiert mich überhaupt nicht.

Es gibt einfach keine Befriedigung, keine Erfüllung, keine Sättigung. Wofür lohnt es sich zu arbeiten oder sogar zu leben? Nein. Das war’s. Gib mir eine Tablette und Schluss. Die Menschen werden bald soweit sein!

Bemerkung: Ja, ich habe das Gefühl, dass sie so weit sind, das ist sicher.

Antwort: Warum nicht? Das ist die Befreiung von Leiden. Ich möchte alles vergessen und einfach einschlafen.

Frage: Gib uns jetzt eine Tablette. Ihr habt uns jetzt, sagen wir mal, in diese Sackgasse geführt. Ich habe sogar genau gespürt, dass es so kommen wird, ich war mir fast sicher, dass es so kommen wird. Was soll ein Mensch in einer solchen Situation unternehmen?  Sie behaupten die ganze Zeit, dass es einen universellen Aufschrei geben wird.

Antwort: Ja, aber dieser Schrei ist das Bewusstsein des wahren Verlangens, den Sinn des Lebens zu verstehen. Das heißt, wofür brauche ich das alles? So sehr, dass sogar Kinder, das Wichtigste für einen Menschen, besonders für eine Frau, keine Freude mehr bereiten.

Und alles ist da, absolut alles ist da, aber ich kann nicht einmal mechanisch meine Arbeit machen, etwas für sie tun. Na ja, was soll’s! Das ist echte Verzweiflung über die Unerfülltheit des egoistischen Klis.

Frage: Wann kommt denn nun die Erlösung?

Antwort: Die Erlösung von diesem Zustand kommt, wenn ein riesiger Aufschrei zum Himmel aufsteigt und die Menschheit danach versteht, wozu sie eigentlich existiert. Nicht vorher.

Erst dann, wenn sich ein echtes Bedürfnis nach dem Verständnis des Sinns des Lebens zeigt. Wir werden es erleben!

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Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman”

 

 

Zur Existenz auf zwei Ebenen

Frage: Was ist der Unterschied in der Wahrnehmung des Lebens zwischen einem Kabbalisten und einem gewöhnlichen Menschen?

Antwort: Der Unterschied liegt in dem Punkt, der „Tod“ genannt wird. Für jeden Menschen auf dieser Erde wird alles unterhalb der Schwelle des Todes wahrgenommen: Er lebt – lebt und stirbt.

Wenn er sich jedoch vorstellen könnte, dass er sowohl in seinem Körper als auch außerhalb seines verstorbenen Körpers lebt, dann hätte er eine ungefähre Vorstellung davon, dass sich dem Kabbalisten gleichzeitig zwei Daseinsformen offenbaren: unsere Welt und die Höhere Welt – die nächste Dimension, die in unserer Welt auf einer anderen Frequenz existiert.

Dadurch verändert sich selbstverständlich die gesamte Lebensphilosophie, die Einstellung zu sich selbst, zu anderen, zum Ziel der Schöpfung, zu den menschlichen Idealen und zu seinen Plänen.

Grundsätzlich verstehen wir nicht, dass die tiefste, unbewusst in uns existierende und alles bestimmende Triebkraft die Angst vor dem Tod ist. Sie treibt uns ständig zu irgendetwas an. Wir erschaffen Kultur und Wissenschaft, um uns abzulenken, um irgendeinen Schutz vor dieser Angst zu finden.

Wir versuchen ständig, dieser Frage zu entkommen, denn wenn sie sich in uns erhebt, verliert das Leben seinen Sinn. Warum Kinder gebären, wenn am Ende alles vergeht, wenn alle sterben? Schließlich bedeutet jeder Geburtstag auch eine Annäherung an den Tod.

Die Kabbala löst diese für die Menschheit wichtigste Frage von Leben und Tod, indem sie dem Menschen ein ewiges, vollkommenes Dasein offenbart – noch während seines irdischen Lebens.

Wenn er auf die nächste Stufe aufsteigt und gleichzeitig auf beiden Stufen existiert, dann kann er wahrhaft Großartiges vollbringen! Er kann auf der irdischen Ebene richtig leben, rational und mit einem wahren Bezug zu anderen, denn ihn hält nichts mehr zurück. Das Empfinden der Ewigkeit überdeckt absolut alle Probleme – absolut alle!

Das bedeutet, dass du beginnst zu verstehen, wofür alles existiert – damit du immer tiefer in diese Ewigkeit eintauchst, in die Wahrnehmung des Schöpfers, in das Empfinden dieser allumfassenden, ewigen, vollkommenen und harmonischen Natur. Damit du dich immer mehr mit Ihm vereinigst, Ihn erkennst und Ihm ähnlich wirst. Dann begreifst du dein irdisches Dasein als die Verwirklichung einer höheren Möglichkeit, die dir gegeben wurde.

Es gibt keine jenseitige Welt. Wenn du während dieses Lebens die geistige Welt erreichst, dann hast du sie erreicht. Und wenn nicht, dann musst du erneut in denselben Zustand zurückkehren, in dem du dich jetzt befindest, und deinen Weg fortsetzen.

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(Aus dem Gespräch „Mein Telefon hat geklingelt. Leben oder Tod“)

Komm näher zu mir

Das Lied „Denn du hast meine Seele gerettet“ (Ki Hilatsta Nafshi) ist ein Dankeslied eines Menschen, der die Stufe erreicht hat, auf der er erschaffen wurde – jenseits unserer Welt – und der schließlich die Antwort auf den Sinn des Lebens gefunden hat.

Unsere Seele wird auf den höheren Stufen des Wissens geformt, ähnlich wie der Körper eines Embryos im Mutterleib. Die Seele wird allmählich geformt, beginnt herabzusteigen und gröber zu werden. Sie kleidet sich in Hüllen, die der Materie immer näherkommen, bis sie in den physischen Körper eintritt.

Spirituelles Erlangen bedeutet, zu denselben Stufen aufzusteigen, auf denen die Bildung deiner Seele begann. Dort beginnst du, ihre Wurzel, ihre Grundlage zu erkennen, und entdeckst, warum du ein bestimmtes Schicksal hast und was nicht nur in diesem Leben, sondern in einer ganzen Reihe von Leben für dich vorgesehen ist, bis du dein spirituelles Potenzial vollständig erfüllst und deine Seele in den Zustand bringst, der für sie vorbestimmt war.

Das Erreichen der Wurzel der Seele gibt einem Menschen eine Antwort auf die Frage, wie er leben soll. Das ist besonders heute von großer Bedeutung, wo wir völlig verloren sind und nicht wissen, was wir mit unserem Leben anfangen sollen.

Dies ist ein Lied des Dankes an den Schöpfer dafür, dass er dich zur Wurzel deiner Seele erhoben hat und dir ermöglicht hat, deine Seele zu erkennen.

Es ist ein Lied über die Annäherung an die höhere Kraft, an die Wurzel der Seele, an die höhere Erkenntnis, wenn ein Mensch einen Dialog mit dem Schöpfer beginnt und den Schöpfer zu ihm sagen hört: „Komm näher zu mir.“

[142024]

Aus KabTV „Gespräche mit Michael Laitman“ 

Die Erhabenheit des Schöpfers im Zehner

Mit dem Schöpfer in Kontakt zu kommen, seine Größe zu spüren, ist nur in der Verbindung der Menschen untereinander möglich. Aber wir haben keine natürliche Neigung zu solcher Nähe, sie ist uns nicht von Geburt an gegeben.

Wir sehen, je weiter die Welt fortschreitet, desto feindseliger und fremder wird sie,  jeder scheint sich mehr und mehr abzusondern und von den anderen zu entfremden. Wie kann uns solch eine  Entwicklung dem Schöpfer näher bringen? Es ist, als ob der gesamte Fortschritt der Menschheit in die entgegengesetzte Richtung unseres Ziels führt. Wenn man mit Menschen über Vereinigung, Einheit und Liebe spricht, müssen sie lachen. Selbst wenn sie zustimmen, dass dies das Leben besser machen würde, scheint es ein unrealistisches und unerreichbares Ziel zu sein.

Wir haben also eine ernsthafte Arbeit zu leisten, um den Zehner zu vereinen, einen echten Kampf um die Bedeutung des Ziels und auch um die Werkzeuge, dieses Ziel zu erreichen. Schließlich haben wir für beides keinen Wert.

Wie ist es möglich, dass ein so wichtiges Ziel und die Mittel zu seiner Erfüllung, die uns auf die Stufe der Ewigkeit und der Vollkommenheit erheben, unserem Sinn, unserem Verständnis und unserem Blickfeld völlig entzogen sind? 

Sowohl das spirituelle Kli als auch das Licht sind verborgen. Deshalb bringt der Schöpfer den Menschen zu einer Gruppe, zu einem Zehner und sagt: „Wähle diese gute Bestimmung!“  Es gibt keinen anderen Ausweg, als sich dafür zu entscheiden, denn rundherum herrscht Dunkelheit, und nur hier ist das Ende des Fadens, an dem man den Sinn des Lebens, seine Essenz, den Grund der Existenz finden kann.

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Die Wahrheit ist nicht schön, aber sie ist die Wahrheit

Es gibt eine Kurzgeschichte von Robert Tompkins mit dem Titel „Auf der Suche nach der Wahrheit“.

„Endlich, in diesem abgelegenen, einsamen Dorf, hatte seine Suche ein Ende.“ In einer baufälligen Hütte am Feuer saß die Wahrheit. Er hatte noch nie eine ältere und hässlichere Frau gesehen.

– Bist du die Wahrheit?

Die alte, runzelige Hexe nickte feierlich.

– Sag mir, was soll ich der Welt sagen? Welche Botschaft soll ich verkünden?

Die Alte spuckte ins Feuer und antwortete: „Sag, dass ich jung und schön bin“.

Die Frage ist folgende. Wir suchen nach der Wahrheit, und wenn wir sie finden, ist sie oft eine alte Hexe. Und wenn es eine Lüge ist, ist sie wunderschön. Ist es also überhaupt notwendig, in dieser Welt nach der Wahrheit zu suchen? 

Diese Allegorie besagt, dass, wenn wir nach der Wahrheit suchen, sie uns oft wie eine alte Frau erscheint, während die Lüge schön ist. Es stellt sich also die Frage: Ist es wirklich notwendig, in dieser Welt nach der Wahrheit zu suchen?

Ja, wir müssen die Wahrheit suchen und nach ihr streben. Die Wahrheit kann sehr hässlich sein, aber sie ist die einzige höhere Wahrheit, die über allem steht, und das macht sie einzigartig und wertvoll.

Kann die Wahrheit schön sein? Wenn wir sie so sehen, dann haben wir einen verzerrten Blick, wir können nicht mehr normal sehen und verkaufen uns an sie.

Wann also fühlen wir die Wahrheit? Um sie zu fühlen, müssen wir uns über unsere angeborenen egoistischen Eigenschaften erheben und uns von ihnen befreien, denn sie lassen uns auf Kosten anderer und der Natur zu unserem eigenen Vorteil genießen. Dann können wir uns der Wahrheit nähern, sie entdecken, und was wir finden, ist unsere einzige Wahrheit.

Sich über unsere angeborenen egoistischen Eigenschaften zu erheben, bedeutet, sich über unsere Vorstellungen von hässlich und schön zu erheben und das, was wir als angenehm oder nicht angenehm empfinden, nach ganz anderen Kriterien zu beurteilen.

Für unser egoistisches Begehren ist „angenehm“, was uns augenblicklich mit Lust erfüllt, und „unangenehm“ ist, wenn wir die Lust, die wir uns wünschen, nicht erlangen können. Die verschiedenen Werte, die wir über unseren egoistischen Wünschen erkennen können, sind umgekehrt: „Angenehm“ ist die Fähigkeit, anderen und der Natur Freude zu bereiten, und „unangenehm“ ist, wenn wir anderen und der Natur keine Freude bereiten oder bereiten können.

Wie können wir also die Wahrheit annehmen? Wir müssen uns über uns selbst erheben, um die Welt von einer höheren Ebene aus betrachten zu können. Dann müssen wir wissen, was wir suchen, wo wir stehen und wo die Wahrheit, die wir suchen, zu finden ist.

Wir brauchen auch viel Mut, um zu suchen und nicht vom Weg zur Wahrheit abzuweichen. Entsprechend unserer egoistischen Natur fliehen wir vor einer solchen Suche und müssen daher einen gewissen Zwang verspüren, um den Weg der Wahrheit zu gehen und auf ihm zu bleiben.

Und welche Wahrheit suchen wir? Es ist der Sinn des Lebens. Wir können den Sinn des Lebens entdecken, erreichen, offenbaren, verstehen, beurteilen und empfinden, wenn wir über uns selbst hinauswachsen.

Was bedeutet es, „über sich selbst hinauszuwachsen“? Es bedeutet zuallererst, dass wir aufhören, alles nach unserem individuellen Geschmack und Verständnis zu beurteilen, nach den unzähligen Bewertungssystemen, die wir in unserem egoistischen Intellekt und Empfinden haben.

Die Schwierigkeit, zur Wahrheit zu gelangen, besteht also darin, sich über das eigene Ich zu erheben. Wenn wir das nicht tun, werden wir immer unter der Kontrolle unserer egoistischen Wünsche stehen, die uns ständig mit Lügen füttern und uns unendlich weit von der Wahrheit entfernt halten.

Doch trotz der unglaublichen Schwierigkeit, die Wahrheit zu finden, fühlen sich immer mehr Menschen von ihr angezogen und sind bereit, sich auf die Suche nach ihr zu machen und verschiedene Anstrengungen zu unternehmen. Wir müssen uns jedoch darauf einstellen, dass es sich um eine alte und unheimliche Wahrheit handelt, wie die hässliche Hexe in der obigen Allegorie sagt. Wir werden ihr zustimmen, eben weil es die Wahrheit ist.

Basierend auf der Fernsehsendung „Nachrichten mit Dr. Michael Laitman“ vom 17. Juli 2023. Geschrieben/bearbeitet von Schülern des Kabbalisten Dr. Michael Laitman. [#315845]

Es gibt keine Wüste ohne Quellen

„Weißt du, was das Gute an der Wüste ist? – sagte er.

– Irgendwo darin sind Quellen versteckt…“.

Antoine de Saint-Exupery

Unter dem Sand gibt es Quellen, überall sind sie vorhanden. So ist auch die Wurzel des Lebens überall, in allem. Deshalb ist das Wichtigste, dass wir uns auf den Sinn, auf die Wurzel des Lebens beziehen, und nicht auf das, was wir äußerlich sehen.

Frage: Sagen Sie mir, was passiert, wenn ich durch die Wüste in meinem Inneren verbrannt werde? Viele Menschen befinden sich in diesem Gefühl, im Gefühl, dass es für sie kein Leben gibt.

Antwort: Die Wüste enthüllt diesen Menschen etwas, das sie vorher nicht wahrnahmen. Auch vor diesem Gefühl gab es kein wirkliches Leben, der Mensch hat dies aber nicht verstanden. Deshalb ist es nun, da er offenbart, dass das Leben in diesem Zustand kein Leben ist, besser als vorher, als er dies noch nicht wusste.

Frage: Und wie kann ich, innerlich verbrannt, verstehen oder glauben, dass dort eine solche Quelle existiert? Wie soll man sich das vorstellen?

Antwort: Man soll denken, dass es einen Sinn des Lebens gibt, dass es ein Ziel gibt, dass es erhabene Naturkräfte gibt, die den Menschen beleben und aufrichten können. Kräfte, die einem zur Quelle des Lebens führen, wenn man sich dies nur von Herzen wünscht.

Frage: Und wie kann man so einen Gedanken in einem so elenden Zustand fassen?

Antwort: Nur, mit Hilfe von anderen Menschen, die den gleichen Gedanken haben. Man muss sich verbinden, muss verstehen, dass man es nur zusammen schaffen kann. Nur mit Hilfe des richtigen Umfeldes.

Frage: Fühlt das Umfeld das Gleiche, die Trostlosigkeit im Innern, und ist auf der Suche nach der Quelle des Lebens?

Antwort: Ja und zusammen müssen sie verstehen, dass diese Quelle in der Verbindung zwischen ihnen verborgen ist.

Aus der Fernsehsendung „Nachrichten mit Michael Laitman“, 31.12.2020

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Lasst uns lernen, damit wir keine Fehler machen

Für jeden gibt es ein Programm, nach dem er sich weiterentwickelt. Kein Mensch kann verstehen wo er ist, warum er mit seinen Eigenschaften, in seiner Familie, zu dieser Zeit, unter den gegebenen Bedingungen geboren wurde.

Er wächst und entwickelt sich. In manchen Seelen führt diese materielle Entwicklung zu der Frage nach dem Sinn des Lebens. Das führt einen zur Wissenschaft der Kabbala, man bekommt die Möglichkeit sich weiter zu entwickeln, über die Grenzen des Materiellen hinaus.

Wenn ein Mensch die ihm gebotene Möglichkeit, die Kabbala zu erlernen, ablehnt, setzt er seine tierische Entwicklung fort. Wenn er die Wissenschaft der Kabbala annimmt, sie aber falsch anwendet, wird er sich so lange im Kreis drehen bis er seinen Ablauf korrigiert.

Heutzutage ist es nicht mehr möglich, dass sich der Mensch, wie es in früheren Zeiten der Fall war, auf alle möglichen Arten weiterentwickelt. Damals entwickelte sich die Menschheit in alle Richtungen. Heute verdichtet sie sich zunehmend und konzentriert sich immer genauer auf den Zweck der Schöpfung.

Es gibt  heutzutage nur wenige Menschen auf der Welt, die bereit sind, irgendeine neue Religion oder eine eigene philosophische Schule zu gründen.

Die Gesellschaft hat diese ganzen Fantasien bereits durchlebt. Die Zeit ist reif für eine praktische Übung, um die Methode mit der ein Mensch korrigiert werden kann, zu entdecken und um ihn in Einklang mit der Korrektur der Welt zu bringen.

Der Mensch empfängt ständig Gedanken und Wünsche von oben, vom Sinn seiner Schöpfung d.h. von dem Punkt aus in dem er in der gemeinsamen Seele sein sollte. Von dort kommen ständig alle möglichen Eindrücke zu ihm. Sie gelangen in seinen Geist, in das Herz, in die Sinne und den Verstand. Davon wird er jedes Mal im Leben geleitet und angetrieben um an den Endpunkt zu gelangen. 

Wenn er seine Chance ergreift und das richtige Umfeld wählt, kann er sich schnell und erfolgreich entwickeln. Wenn nicht, wird es lange dauern, da er sich verirrt und schließlich nicht mehr weiter weiß. Am Ende wird er aber sein Ziel erreichen.

Jeder wird irgendwann das Ziel erreichen. Die Frage ist wie lange wir rotieren müssen, das heißt, wie viele Lebenskreise und wie viel Leid wir auf uns nehmen müssen, um schließlich zu erkennen, dass es in diesem Leben keinen anderen Weg gibt, als dem Ziel der Schöpfung näher zu kommen.

Wir befinden uns in einem stabilen, gut organisierten System, das uns ein gewisses Maß an Freiheit lässt, uns erlaubt Fehler zu machen, um daraus zu lernen – oder zu lernen, keine Fehler zu machen.

Aus dem täglichen Unterricht „, 24.04.2022

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Wie viele Leben werden wir noch leben müssen?

Frage: Unterscheiden sich in der Kabbala die Begriffe „Geburt“ und „Tod“ von unseren üblichen Vorstellungen? Soviel ich weiß, feiern Kabbalisten nicht ihren Geburtstag.

Antwort: Nein, auch nicht den Tag des Todes. Es gibt jedoch ein Beispiel für ein solches Fest in der Geschichte. An Lag B’Omer feiern wir den Tag, an dem Rabbi Schimon, der Autor des Buches Sohar, diese Welt verlassen hat.

Tatsache ist, dass Rabbi Schimon sein Werk vollständig fertiggestellt hat. Er widmete sein Leben vollständig dem Werk und gab die Quelle des Lebens, die Methode der Korrektur, an die Menschen weiter. Sobald er dies vollendet hatte, zog er sich sofort aus dem materiellen Leben zurück. Was konnte er in dieser Welt noch tun? Er hat seine Mission erfüllt.

Wir existieren in dieser Welt so oft, so viele Leben, wie es für unsere Vollendung notwendig ist. Dann brauchen wir nicht mehr zurückzukehren. Diese Welt ist von allen der schlimmste Zustand, den es in der Natur gibt.

Kommentar: Wir denken, das Leben ist wunderbar und wunderschön.

Antwort: Wir kennen nichts anderes. Wir haben Angst davor, davon wegzukommen.

Wohin gehen wir? Was wird mit uns geschehen? Wir wissen es nicht. Ein Mensch, der nicht mindestens die ersten zehn Sefirot seiner Seelenentwicklung erreicht hat, stirbt einfach, d.h. sein tierischer Körper stirbt, er taucht wieder in einer tierischen Hülle auf. Er kann die anderen Dimensionen nicht wahrnehmen.

Um in die spirituelle Welt einzutreten, muss man sie betreten, während man in dieser Welt lebt. Der lebende oder sterbende Tierkörper beeinflusst dann in keiner Weise den spirituellen Zustand. Es heißt: “ Sieh deine Welt in diesem Leben.“

Aus der Fernsehsendung  Nahaufnahme „Jenseits der letzten Zeile“

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