
Eine Frage, die ich erhielt: Wie sollen wir uns täglich auf das Lesen des Sohar vorbereiten?
Meine Antwort: Wir sollten gemeinsam nach dem Licht, das uns erneuert, streben. Dies ist ein sehr einfaches Motto, bei dem „zusammen sein“ die Bedeutung von „sich verbinden“ hat. Aber wofür verbinden wir uns? Es geschieht, damit jeder von uns durch das Licht, das erneuert, beeinflusst wird, welches unsere böse Natur korrigiert, nämlich den Mangel an Verlangen, sich zu verbinden.
Alles kann innerhalb einer Absicht gefunden werden. Da ist Malchut, die Versammlung der Seelen, und wir müssen uns darin durch eine gemeinsame Bitte an Yesod verbinden, damit es uns das Licht der Korrektur und das Licht der Fülle gibt. Das ist alles. Das sollte die Absicht für den kommenden Kongress sein.
Wenn wir darüber nachdenken und verstehen, dass unsere gesamte Zukunft von dieser Verbindung abhängt, da sie uns an die Kraft des Gebens angleicht, dann brauchen wir nichts anderes. Wir sollten die Geschichte über den Empfang der Tora am Fuße des Berges Sinai erneut lesen, da wir genau in derselben Situation sind. Es steht geschrieben, dass sich jeder Mensch beim Berg Sinai stehend sehen soll, um die Tora zu empfangen.
Die Tora wird uns jeden Tag gegeben. Aber wir werden erst dann imstande sein, sie entgegen zu nehmen, wenn wir uns alle als ein Mensch mit einem Herzen verbinden und gegenüber dem Schöpfer stehen, der ebenso Einer ist. Dann werden wir den Kontakt mit Ihm aufbauen und das Umgebende Licht empfangen.
Wir müssen uns für diesen Zustand vorbereiten, wo unsere Seelen ihr individuelles Ego abstreifen und sich verbinden, um das Licht der Korrektur anzuziehen. Das Licht ermöglicht uns unsere Verbindung und in ihr werden wir den Schöpfer enthüllen.

Wenn wir den Sohar studieren, sollten wir uns fühlen, als würden wir am Fuße des Berges Sinai stehen, gegenüber unserem egoistischen Verlangen, welches unsere Natur ist. Wir haben bereits geprüft und sind davon überzeugt, dass wir unfähig sind, unsere Natur zu kontrollieren; wir können damit nicht einmal in unserem materiellen Leben erfolgreich sein.
Entsprechend des Höheren Plans wird unsere Natur uns absichtlich zu größeren Störungen führen. Aus diesem Grund müssen wir das Licht, welches erneuert, erbitten, welches als die Tora bezeichnet wird. Es steht geschrieben, „Ich erschuf die böse Neigung und gab die Tora für dessen Korektur,“ da uns das Licht der Tora erneuert.
Dies ist der Zustand, wo wir am Fuße des Berges Sinai stehen und Hass zwischen allen spüren. Aber wir hassen diesen gegenseitigen Hass zwischen uns, und dies führt uns zu einer gewaltigen Forderung, denn nur die Kraft der Tora – das Buch Sohar, welches uns mit dem Licht, das erneuert, erleuchtet, ist imstande, unsere Natur zu verändern. Dieses Buch wird uns helfen, unsere Augen und unser Herz zu öffnen und die spirituelle Dimension zu erreichen.
Wenn wir das Buch Sohar jeden Tag mit dieser Absicht studieren, dann werden wir am Fuß des Berges Sinai sein. Wenn wir alle unsere Bemühungen verbinden und unsere gesamten Kräfte auf diese gemeinsame Forderung ausrichten, dann gibt es für uns eine große Chance, Licht in die Welt zu bringen.

Der Sohar, Abschnitt „Tazria (Wenn eine Frau gebiert)“, Punkt 70: „…die Schmerzen der Liebe sind vor den Menschen verborgen.“ Schmerzen der Liebe ist jener Zustand, der uns auch als „Ich bin krank vor Liebe“ bekannt ist. Das bedeutet, dass ich nichts mehr brauche, ich will nur noch geben, beschenken. Mein einziger Wunsch ist es, dein Verlangen zu erfüllen.
Das ist ein Zwischenzustand, in welchem ich sehr gern geben möchte, aber nicht dazu in der Lage bin. Da ich noch keinen Schirm erworben habe, bin ich unfähig, das Licht zu empfangen, um damit dein Verlangen zu erfüllen. Liebe ist jener Zustand, in welchem ich das Verlangen der anderen mehr als mein eigenes verspüre.
Der Sohar, Abschnitt „Tazria (Wenn eine Frau gebiert)“, Punkt 72: Es steht geschrieben, „Offener Tadel ist besser als Liebe, die verborgen ist,“ was bedeutet, dass offener Tadel besser ist. Und wenn der Tadel aus Liebe ist, ist er vor den Menschen verborgen. Gleichermaßen muss jemand, der seinen Freund mit Liebe tadelt, seine Worte vor den Menschen verbergen, so dass sein Freund sich nicht vor ihnen schämen wird. Und wenn seine Worte offen vor den Leuten sind, sind sie nicht mit Liebe.
In unserer Welt streben wir naturgemäß danach, unsere Beziehungen und die Liebe zwischen uns zu verbergen, da Liebe Diskretion erfordert. Wir wollen sie vor allem schützen, was sie potentiell verletzten könnte. Aber was bedeutet es, „sich zu schämen“ oder „gegenüber anderen seine Liebe zu offenbaren“ in der Spiritualität? Wer sind diese anderen? Es sind meine Verlangen.
Wenn ich Verbindung mit dem Schöpfer in einem einzigen Verlangen erreiche, so werden all die anderen Verlangen, in welchen ich mich nicht mit Ihm verbinden kann, als „die Anderen“ bezeichnet. Deshalb muss ich sehr aufmerksam darauf achten, dass sie meine Liebe nicht verletzen, und auch im Auge behalten, dass alles in mir geschieht.

Der Sohar, Abschnitt „Tazria (Wenn eine Frau gebiert)“, Punkt 20:
Wenn die Seele zum Eingang in diese Welt absteigt, steigt sie zuerst zum Garten Eden der Erde ab und sieht die Pracht der Geister der Gerechten, die Reihe für Reihe stehen. Anschließend geht sie zur Hölle und sieht die Niederträchtigen schreien „Ach! Ach!“ und niemand bemitleidet sie. Ihr wird Zeugnis von allem gegeben: die Niederträchtigen bezeugen, wie sie für jede Sünde bestraft werden, und die Gerechten bezeugen die gute Belohnung, die sie für jede Mizwa [gute Tat, Gebot] erhalten. Und das heilige Bildnis steht über ihr, bis sie zu dieser Welt aufbricht.
Der Sohar spricht immer über eine Seele, einen Menschen. Egal ob über den Garten Eden und die Hölle, oder die Gerechten und die Gottlosen gesprochen wird – alle diese sind in einem Menschen beinhaltet.
Wenn wir das System unserer Seele betreten, werden wir in unsere innere Wirklichkeit versinken und alle dortigen Möglichkeiten überprüfen. Dies ist es, was gemeint ist, wenn von der Reise zwischen dem Garten Eden und der Hölle die Rede ist, um zu untersuchen, was dort geschieht. In anderen Worten erschaffen wir so eine Landkarte unseres spirituellen Fortschritts.

Der Sohar, Abschnitt „Miketz (Am Ende)“, Punkt 100: So erfuhren wir, dass, wenn der Sabbat beginnt, alle Bösen in der Hölle ruhen, und sie haben die Freiheit, sich auszuruhen. Und wenn der Sabbat endet, sollten wir die höhere Freude auf uns hervorlocken, damit wir von der Bestrafung der Bösen verschont werden, welche von dem Moment an verurteilt sind. Und wir sollten erwachen und sagen „Lasst die Annehmlichkeit des Herrn unseren Gott über uns sein“. Dies ist die höhere Annehmlichkeit, die Freude von allem, Mochin de Yeshsut. Und es heißt darüber, „Ihre Wege sind die Wege der Annehmlichkeit“.
Die „Gottlosen“ beziehen sich auf die Verlangen, die uns das Gefühle geben, in der „Hölle“ zu sein. Dies ist ein Gefühl von Scham, welches hervorgerufen wird, weil wir die Eigenschaft des Gebens erkennen und im Gegensatz dazu unsere eigenen unkorrigierten Eigenschaften sehen.
Wir müssen lernen, alle unsere Eigenschaften in solch einem Zustand zu sehen. Die Korrektur unserer Verlangen ist unmöglich, ohne zuvor die „Hölle“ in jedem unserer unkorrigierten Verlangen, welche im Gegensatz zum Schöpfer stehen, wahrzunehmen.
Wenn wir daher in der Lage sind, unsere unkorrigierten Eigenschaften als gegensätzlich zum Schöpfer zu erkennen und zur Korrektur zu gelangen, verwandeln sich alle Wege in „Wege der Annehmlichkeit“. Wir sind diejenigen, die entscheiden, dass dies so ist.

Eine Frage, die ich erhielt: Warum ist es so schwer einzugestehen, dass ich ein Egoist bin und das Böse in mir zu finden?
Meine Antwort: Weil ein Mensch ein lebendiges Wesen ist, besitzt er eine schützende Kraft. Er muss sich selbst, sein Leben, seine Natur und sein „Ich“ schützen, ähnlich wie eine Schale (Klipa) einen Apfel schützt, solange er wächst. Wenn die Schale verletzt ist, verrottet der Apfel, ohne auch nur das Stadium der Reife erreicht zu haben. Deshalb muss es immer eine Schale geben die ihn schützt.
Das Ego ist die Klipa und muss das Verlangen, das sich darin befindet, solange schützen wie dieses wächst. Wenn das Verlangen, das im Innern eingeschlossen ist, vollständig ist, kann die Klipa entfernt werden und das Verlangen (die Frucht im Innern) genutzt werden. Daher schützt uns unser Egoismus ständig, solange wir wachsen, indem er uns nicht erlaubt, das Böse zu erkennen, denn dieses Böse reicht immer noch nicht aus. Wenn es keine Klipa gäbe, würden wir zum Schöpfer schreien und weinen, wie ein kleines Kind, das wegen jeder Kleinigkeit, die ihm geschieht, nach seiner Mutter ruft.
Unser Ego verschließt uns von innen heraus, macht uns ein „steinernes Herz“ und schützt uns davor, den Schöpfer um Korrektur zu bitten. Ein Mensch sagt „Ich bin ein Mann und ich werde dich nicht um irgendetwas bitten. Außerdem wirst du alles tun, was ich will.“ Damit stellen wir uns gegen den Schöpfer und führen mit Ihm einen Machtkampf. Aus diesem Grund sagte der Pharao „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“ Wir wollen, dass der Schöpfer alles tut, was wir wollen. Wir wenden uns nicht mit einer Bitte an Ihn, sondern mit einer Forderung.
In der Tat muss die Forderung präsent sein, doch sie muss von einem vollständigen reifen Ego kommen, der „bösen Neigung“. Dies zu erreichen braucht Zeit, denn es ist für einen Menschen schwer, an den Punkt zu kommen, wo er die Tatsache akzeptiert, dass er ein Egoist ist. Dennoch erreicht man schließlich unter dem Einfluss des Lichts das Ende, einen Zustand, der „das Tor der Tränen“ heißt, wenn ein Mensch fühlt, dass er nichts hat.
An diesem Punkt ist ein Mensch für alles bereit. Er sagt zum Schöpfer: Mach was Du willst. Es ist mir egal, wenn ich nichts bekomme. Es ist mir egal, wenn ich nichts habe. Wenn Du nur aufhören lassen kannst, dass ich bin, wer ich bin! Nimm alles weg, aber bitte hol mich aus diesem Zustand heraus! Ich kann ihn nicht mehr länger ertragen, denn ich bin das Gegenteil vom Geben.“ Dies ist der innere Krisenpunkt, der in einem Menschen enthüllt werden muss.