Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Unser vierstöckiges Zuhause

Wenn wir gerade mit dem Kabbala-Studium begonnen haben, glauben wir, dass es leicht verlaufen und uns ständig eine unglaubliche Begeisterung schenken wird, die der Mensch für gewöhnlich am Anfang empfindet.

Doch später kommt die Zeit, wenn man bereits in die Tiefe gehen muss, in die Tiefe des eigenen Egoismus, und dann werden wir mit unangenehmen Empfindungen konfrontiert.

Der Körper will das alles nicht besonders gern: morgens zum Unterricht aufstehen, studieren, auf Erholung verzichten, sich Gedanken machen, sich weit von der Spiritualität entfernt sehen, spüren, dass man keine Verbindung mit den anderen möchte und nicht an das Geben denkt, sondern nur das Empfangen versteht.

Auf diese Weise beginnen wir, die „Grube“ wahrzunehmen, die in unserem Herzen gegraben wird. Ferner hängt alles davon ab, inwieweit es uns gelingt, uns in das eigene Ego zu vertiefen – mit Hilfe der Umgebung, weil man es alleine unmöglich schaffen kann. Und selbst wenn es unangenehm ist und der Egoismus leidet, wird der Mensch dazu bereit sein, zu enthüllen, wie sehr er dem Geben entgegengesetzt ist, weil er keine einzige Eigenschaft davon besitzt. Und aus seiner Verzweiflung, aus diesen Abstiegen und dem Verlust der Begeisterung entsteht sein Vorankommen.

Das heißt, die Grundlage, auf der das spirituelle Gebäude aufgebaut wird, ist nicht gerade angenehm. Es ist ein leeres „Loch“, das im Herzen ausgegraben wurde, es ist ein Hineingraben in die „Erde“, in das eigene Verlangen, in die Dunkelheit, in die Erkenntnis des eigenen Egoismus und der Gegensätzlichkeit zum Geben. Und nur derjenige, der dazu in der Lage ist, das auszuhalten, und bereit ist, methodisch zu arbeiten, indem er die Umgebung für sich erschafft, die bereit ist, ihn zu unterstützen, wird Kraft erhalten und keine Angst haben, immer tiefer in sich hinein zu graben und auf diese Weise voranzukommen.

Dann wird er einen Grundstein legen, auf dem er sein Gebäude errichten kann, d.h. durch die Gruppe nach dem Licht verlangen, das zur Quelle zurückführt und dieses Gebäude errichtet. Je tiefer er hineingräbt, desto höher wird das Gebäude sein. Denn es steht geschrieben: „Der Schöpfer hat das Eine gegenüber dem Anderen erschaffen“

Wir beginnen mit einem „Nullzustand“ und steigen zunächst eine Stufe tiefer, anschließend können wir die gleiche Stufe höher steigen. Wir steigen zwei Stufen tiefer – und steigen genauso viele Stufen höher. Auf diese Weise laufen wir alle Stufen durch: 0-1-2-3-4 und erreichen das Ende der Korrektur, indem wir vier „Exile“ und vier „Erlösungen“ durchlaufen.

Heute haben wir den letzten Zustand des Exils erreicht, deshalb haben wir die letzte, endgültige Erlösung vor uns.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 13.05.2011

Wer ist mit mir?

Frage: „Wie können wir, Ihre Studenten, uns mit Ihrer Seele verbinden?“

Meine Antwort: Was ist gemeint „mit mir?“ Ihr seid mit mir, wenn ihr euch selbst annulliert, Euer Verlangen gegenüber meinem einschränkt.
Wenn ihr an Unterrichten teilnehmt, heißt das nicht zwangläufig, dass ihr mit mir seid. Das ist noch nicht das Studium im wahrsten Sinne.

Im Grunde genommen, sollte die Vereinigung innerlich sein; sie erfolgt nicht über die Worte, die ihr hört. Wir verbinden uns durch Verlangen, Ziele und gemeinsame Aktionen. Derjenige, der die Eigenschaft des Gebens in die Tat umsetzt, ist derjenige, der studiert. In diesem Fall studiert ihr wirklich die Weisheit. Ihr werdet die Weisheit, das Licht von Chochma (Weisheit) von mir nicht erhalten können, wenn ihr nicht das Licht von Chassadim (Barmherzigkeit) als Gefäß aktiviert. Und Chassadim bedeutet Selbst-Annullierung und Vereinigung, wenn ihr dafür bereit seid.

Du machst in deinem Herzen Platz für jede Seele, und dann werden alle Seelen diesen Platz füllen. Die Gesamte Wirklichkeit kehrt zu dir zurück. Allerdings kehrt sie gerade durch deine Annullierung zurück.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 30.4.2011

Vierhundert Jahre am Berg des Hasses

Frage: Gehen alle unsere Absichten direkt in den Mund des Pharaos, um ihn zu füttern?

Meine Antwort: Es hängt alles davon ab, was diese Absichten sind. Der Pharao ist eine bestimmte Kraft, das Ego was sich gegenüber dem Licht enthüllt. Er ist eine Reserve des Egoismus, das Verlangen zu empfangen, welches wir erschaffen müssen.

In der Weisheit der Kabbala gibt es keinen „Pharao“ ohne „Israel“, d.h. das Streben in Richtung des Schöpfers im Menschen, der arbeitet, um sich mit den anderen zu vereinigen und das Geben zu erreichen. Deswegen erschafft ein Mensch im Grad seiner Bemühungen in Richtung des Gebens den Pharao, entwickelt seine Verlangen (Kelim) in sich, aus welchen er später flieht und die er danach korrigiert, um dadurch belohnt zu werden.

Die gesamte Arbeit in Ägypten liegt im übereinkommen mit dem Pharao und darin ihn groß zu machen, stark und reich, das bedeutet unser Ego von dem winzigen Punkt unseres natürlichen Egoismus zum Status des Schöpfers wachsen zu lassen. Was gibt uns dieser gesamte Egoismus letztendlich? Er gibt uns die Verlangen nach Essen, Sex, Geld, Ruhm und Wissen, ein winziges Ego in unserer Welt, ein physisches Ego, welches nichts mit Spiritualität zu tun hat. Dieses irdische Ego verlangt nicht einmal nach Korrektur.

Indem wir beginnen an unserer Vereinigung zu arbeiten, entdecken wir Wut, Entfremdung und Gleichgültigkeit in unserer Einheit.

Im Grunde ist das die Enthüllung des Bösen, aber nur wenn ein Mensch es als solches betrachtet. Am Ende kann er sagen, dass er sich mit den anderen nicht verbinden kann und dass es nicht seine Aufgabe ist, noch bevor er angefangen hat. Und einige beginnen, werden aber schwach und „Sterben in Ägypten“.

Aber es gibt diejenigen, die es ertragen, dank dem Verständnis, dass sie keine Wahl haben. Sie halten daran fest, immer und immer wieder, obwohl sie sehen, dass sie weitermachen, um zu verlieren. Und geben ihr bestes, um sich mit den Freunden zu verbinden, die Gruppe zu stärken, trotz ihrer Bemühungen sehen sie, dass nichts hilft. Im Gegenteil, sie erfahren ein Verlangen, ihre Freunde zu kritisieren und sie alle zusammen aus den Augen zu schaffen. Und einmal mehr überkommt sie dieser Blitz des Egoismus.

Deshalb wird alles was ein Mensch verdient, all seine Anstrengungen immer wieder von seinem Ego aufgebraucht, dem Pharao, welcher wächst und gedeiht. Der Mensch selbst baut all diese Eigenschaften in sich auf, durch seine eignen Anstrengungen. Später erreicht er die Stufe, auf der er sein Ego nicht länger aufrecht erhalten kann. Und dann empfängt er alle Gefäße des Pharaos (Kelim), die Verlangen.

Mit anderen Worten beginnt das ägyptische Exil genau mit der Arbeit des Menschen in Richtung der Vereinigung mit den Freunden. Was verdiente Israel tatsächlich, nachdem sie aus Ägypten flohen, als der Schöpfer sie befreite? Sie verdienten die Vereinigung am Berg Sinai (dem Berg des Hasses), zusammen als „ein Mensch mit einem Herzen“, aber nur für einen Moment, bis sie das „goldene Kalb“ formten und wieder fielen. Aber diese Abstürze sind heute von anderer Natur, im Gold, was sie aus Ägypten trugen, nahmen sie die „Ägyptischen Gefäße“ mit, um sie davor zu retten und zu erneuern.

Aber dennoch, was wollten sie während all dieser Jahre des Exils? Sie wollten in sich eine Einheit schaffen, die sie am Ende, am Berg Sinai, erreichten. Und ohne diese schrittweisen Anstrengungen, dem Berg Sinai zu trotzen, wären die „400 Jahre des ägyptischen Exils“ für euch nicht durchlaufen worden.

Aus dem zweiten Teil der Täglichen Kabbala Lektion vom 21.4.2011, Das Buch Sohar

Stehen an der Schwelle

Frage: Was bedeutet das Konzept „Geheimnisse der Tora“?

Meine Antwort: Ein „Geheimnis“ ist etwas, das ich nicht enthüllen kann, obwohl es klar ist, dass es existiert. Ich erlebe die Wahrnehmung eines „Geheimnisses“, wenn ich an der Schwelle von etwas Neuem stehe, bevor ich die Tür öffne.

Außerdem sind, ohne Bezug zu mir, die „Geheimnisse der Tora“ die Lichter, die von Atik verborgen werden. Sie befinden sind im Kopf von Arich Anpin in Form einer verborgenen Weisheit. Diese Lichter sind verdeckt, weil wir augenblicklich keine Bedeckung für sie haben, die uns befähigen würde, sie zu unterscheiden. Aber für mich sind sie kein Geheimnnis, da ich sie nicht spüre.

Das wirkliche Geheimnis ist der Vorhang, den ich spüre. Das Exil zum Beispiel ist die Erwartung der Erlösung, die als extrem notwendig, doch noch nicht erlangt, empfunden wird. Im Innern eben jener Empfindung der Leere skizziere ich schon die Konturen der zukünftigen Erfüllung. Das bedeutet, sich selbst im Exil zu empfinden: Ich verstehe und fühle, was ich möchte und alles was mir fehlt, ist die Verwirklichung.

Das Gleiche gilt für ein „Geheimnis“: Ich spüre, dass mir die Eigenschaft des Gebens fehlt, sodass ich im Innern ihres Lichts von Chassadim das Licht von Chochma enthüllen würde. Die Erkenntnis, die mir dieses Licht bringt, ist vor mir verborgen.

Aus dem 4. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 26.04.2011, „Einen Teil enthüllen, verhüllen von zwei“

Die ehrenvolle Aufgabe, ein Gerechter zu werden

Frage: Wie kann man vom Zustand „Sünder“, der nicht in der Lage ist, den Schöpfer zu rechtfertigen, zum Zustand „Gerechter“ übergehen?

Meine Antwort: Sich als „Sünder“ wahrzunehmen ist ein sehr guter, nützlicher Zustand, ohne den es nicht geht. Während in dir der Egoismus erwacht, du dich aber „unter dem Schutz der Tora“ befindest, hast also etwas, worauf du dich stützen kannst, – hast du das Licht, dank welchem du verstehst, dass du einen Fall, einen Abstieg durchlebst.

Du fällst, weil du noch nicht das neue Verlangen, welches sich gerade in dir enthüllt, korrigiert hast. Und darum nennst du dich „Sünder“.

„Sünder“ ist eine spirituelle Stufe, und zwar eine sehr ehrenvolle. Das bedeutet, dass ich einen Zustand erreicht habe, in dem der Schöpfer versteht, dass Er mir eine noch größere Last aufbürden kann und ich sie korrigieren kann! Er lädt mich quasi ein und teilt mir eine noch wichtigere, zusätzliche Aufgabe zu.

Ich habe jedoch noch nicht geschafft, diese zusätzliche Last zu korrigieren, und kann mich diesbezüglich nicht auf das Geben ausrichten, und deshalb halte ich mich in diesem Zustand noch für einen Sünder. Ich zerfresse mich jedoch nicht deswegen – sondern rechtfertige den Schöpfer, danke Ihm, freue mich auf die Möglichkeit, die sich mir eröffnet hat.

Das ist etwas ganz anderes, als das, was sich ein normaler Kleinbürger dabei denkt, wenn er das Wort „Sünder“ hört, – es ist im Gegenteil ein sehr würdevoller Zustand. Aus der gesamten Mannschaft hat der Anführer ausgerechnet mich ausgesucht und mir gesagt: „Nur du bist in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen!“

Mir wird also eine zusätzliche Belastung des Herzens gegeben, und damit mach ich mich auf den Weg zu einem Sondereinsatz. Doch im Moment bin ich noch ein Sünder – bis ich die Aufgabe erfüllt habe und zu einem Gerechten geworden bin.

Der Pharao verstand selbst, dass er ein Sünder und der Schöpfer ein Gerechter ist. Das heißt, jeder Zustand auf der spirituellen Leiter ist spirituell. Sünder sind hohe Stufen, die den Gerechten vorangehen. Auf diese Weise wechseln sich diese Zustände ab: mal Sünder, mal Gerechter, und wieder: Sünder und Gerechter, immer und immer wieder. Als ob ich mich auf zwei Beinen bewegen würde – das eine eines Sünders und das andere eines Gerechten.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Shamati-Artikel, 02.05.2011

Aus dem Abstieg heraus den Aufstieg erkennen

Weltweiter WE! Kongress, New Jersey, Lektion 8

Wir müssen verstehen, dass „der Gerechte tausendmal fallen und sich wieder aufrichten wird“. Es ist unmöglich, ohne Abstiege auszukommen, denn in ihnen erlangen wir das Verlangen, das Streben nach der Spiritualität.

Je mehr wir während des Abstieges arbeiten, um möglichst schnell aus ihm herauszukommen, je mehr wir versuchen, durch die eigene Kraft aufzusteigen, desto mehr reduzieren wir die Anzahl von Auf- und Abstiegen. Ich füge alles zu einem Auf- und Abstieg zusammen.

Und noch ein Hinweis: wir müssen versuchen, aus dem Abstieg heraus den Aufstieg zu erkennen. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass als Abstieg ein Zustand bezeichnet wird, in dem wir das höhere Licht immer noch wahrnehmen, denn unter dieser Ebene befindet sich der Zustand der völligen Bewusstlosigkeit.

Deshalb müssen wir uns während des Abstiegs auf irgendeine Weise vorstellen, wie der Aufstieg sein wird, was ich in ihm erlangen werde, wie ich mich selbst, die Gruppe, den Schöpfer – jene Kraft, die sich zwischen uns enthüllen wird – sehen werde. Es gibt kein Licht ohne Verlangen/Gefäß/Kli. Ich muss immer die Kraft des Schöpfers, die Kraft des Gebens sehen, die sich zwischen uns, in unserem gemeinsamen spirituellen Gefäß, in der Verbindung zwischen uns enthüllt.

Und deshalb spüre ich während des Abstieges, wie zuwider mir die Vereinigung ist, wie wenig ich sie will, wie entgegengesetzt ich ihr bin, wie wenig ich die Freunde, die Gruppe, und mich selbst in ihr schätze, – aus diesem Zustand heraus muss ich mir die Spiritualität vorstellen. Denn Spiritualität bedeutet nicht, in den Wolken zu schweben. Spiritualität bedeutet, dass ich die Kraft der Vereinigung zwischen uns ergründe, und in ihrem Inneren die spirituelle Welt, das gegenseitige Geben, die Erhebung über der egoistischen Materie. Und auf diese Weise komme ich voran.

Auszug aus der 8. Lektion des WE! Kongresses in New Jersey, 03.04.2011

Der Ort, an dem sich uns der Schöpfer enthüllt

Frage: Wir sagen, dass alles von der Vereinigung zwischen uns abhängt. Doch was stellt diese Vereinigung dar?

Meine Antwort: Wir beginnen unsere spirituelle Entwicklung an einem Punkt, der sich außerhalb der Spiritualität befindet. Und die ganze Zeit stehen wir auf diesem Punkt außerhalb der Spiritualität, der als „diese Welt“ bezeichnet wird, in der wir momentan existieren.

Warum? – Um unabhängig von der spirituellen Welt zu sein. Die spirituelle Welt ist wie eine riesige Sphäre, und wir befinden uns im Moment außerhalb, abseits von ihr. Und dann kann ich in sie hineintreten oder auch nicht. So, als wäre ich selbständig.

Wenn der Punkt im Herzen in mir erwacht, beginne ich, dieser Sphäre entgegenzustreben, obwohl ich mich noch nicht als einen winzigen Punkt neben dieser riesigen überwältigenden Sphäre, in die ich eintreten möchte, vorstelle. Ich werde jedoch von ihr angezogen.

Mit diesem Verlangen, mit diesem Bestreben nach der Spiritualität komme ich in irgendeine Gruppe. Was stellt diese Gruppe dar? Es sitzen Männer beisammen, studieren, sprechen miteinander, begeistern sich gegenseitig, diskutieren, singen, essen. Eine Art Klub – ziemlich merkwürdig, doch es gibt viele derartige Orte auf der Welt.

Ich betrachte die Gruppe als eine gewöhnliche Versammlung von Menschen in dieser Welt. Dann wird mir gesagt: „Du musst dich mit uns verbinden, dich der Gruppe anschließen, an allen Veranstaltungen teilnehmen, dich an allen Diensten beteiligen, bestimmte Aufgaben übernehmen, denn wir haben einen gemeinsamen Job“. Ich bin bereit, was bleibt mir auch anderes übrig… Denn ich sehe einen gewissen Nutzen darin.

Auf diese Weise verbinde ich mich mit diesen Jungs, weil ich verstehe, dass wir gemeinsam wahrscheinlich etwas erreichen werden. Außerdem sehe ich keinen anderen Ort, an dem ich das machen könnte, also füge ich mich.

Allmählich, im Laufe der Jahre, stelle ich fest, dass es an diesem Ort, an dem ich mich befinde, tatsächlich eine innere Verbindung existiert. Ich enthülle das nach einigen Jahren. Und diese Jahre sind nicht umsonst vergangen. Das sind die Jahre meiner inneren Arbeit, in denen das höhere Licht, ohne dass ich das spürte, auf mich einwirkte und eine Vielzahl an Handlungen mit einer Riesengeschwindigkeit in mir vollzog. Dann beginne ich zu hören… Was heißt „hören“? Ich beginne plötzlich auf die innere Verbindung zwischen uns – die Einheit in den Gefühlen und in den Herzen – zu achten, sie wertzuschätzen.

Die Zeit ist einfach gekommen – und ich beginne, mich von diesen Worten beeindrucken zu lassen, sie für wichtig zu halten. Das ist das Ergebnis des Lichts, welches diese ganzen Jahre an mir arbeitete und immer tiefer in mein Herz eindrang – und das Herz begann, auf diese Worte zu reagieren: „Vereinigung“, „Bürgschaft“, „Liebe“, „Geben“, „wie ein Mensch mit einem Herzen“. Ich beginne, innere Reaktionen auf diese Worte wahrzunehmen. Auf jedes Wort entsteht in mir eine bestimmte Reaktion, ich spüre den inneren Kern dieses Wortes.

Und so vergehen noch einige Monate, und noch mehr, und noch mehr… Denn dadurch korrigieren wir unsere Grundlagen – Malchut der Unendlichkeit in unserem Inneren. Bis ich tatsächlich beginne, mich meinen Freunden anzunähern. Ich betrachte sie bereits als Weggefährten auf meinem spirituellen Weg und erkenne, dass dieser Weg in unser Inneres, in unser inneres Zentrum, in unsere innere Verbindung führt. Und dort, wenn wir uns verbinden, ergründen wir alles.

Und wenn ich mir die spirituelle Welt früher als eine riesige Sphäre außerhalb von mir vorgestellt habe, wahrscheinlich irgendwo weit außerhalb des Universums, verbinde ich die Spiritualität jetzt immer mehr mit meiner inneren Empfindung, die sich in der Vereinigung zwischen uns enthüllt.

Diesen Ort gibt es jetzt noch nicht, doch wenn wir anfangen, uns untereinander zu verbinden, erschaffen wir eine neue Realität, die als „der Ort“ bezeichnet wird. Aus diesen gemeinsamen Verlangen werden wir den Ort erreichen, an dem sich uns der Schöpfer enthüllt.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 24.04.2011

Ein Mahl zur Ehre des spirituellen Lebens

Baal HaSulams „Kommentar zur Pessach Haggada“ (Aus dem Artikel „Dies ist für Juda“): „Dieses Brot, das unsere Väter im Lande Ägypten aßen“ (Die Pessach-Haggada): …daraus folgt, dass ihnen die Mizwa, eine Matza zu essen gegeben wurde, als sie noch versklavt waren und der Zweck der Mizwa war für die Zeit der Erlösung, weil sie dann in Eile weggingen.

Dies geschieht immer, wenn wir von einem Zustand in den nächsten überwechseln und die gegenwärtige Stufe verlassen: gefangen in Ägypten, beherrscht durch unser Ego, dem Pharao, unserem störrischen „bösen Trieb“, der uns gefangen hält und uns davon abhält, uns über unseren Neid, unseren Hass, unsere Lust und Begierde zu erheben.

Wie wir es auch versuchen mögen, können wir uns noch nicht über diese egoistischen Eigenschaften erheben und binden uns selbst mit Fesseln, die der Stufe, die dem Exodus aus Ägypten folgt, entspricht. Wir sind noch immer nicht fähig, zu „einem Mann mit einem Herzen“ zu werden und die Bürgschaft zu erwerben, so dass die integrale Kraft der Liebe und des Gebens, die wir als Schöpfer bezeichnen, enthüllt wird.

Darum, während wir noch immer durch den Pharao versklavt sind, müssen wir uns den nächsten Zustand vorstellen und damit „glauben machen“ spielen, wie Kinder, die „erwachsen sein“ spielen, wenn sie aufwachsen. So müssen wir das Leben eines „Erwachsenen“ spielen – das spirituelle Leben.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Unterrichtes, 18.04.2011, „Dies ist für Juda“

Zur Einheit durch die Wüste

Frage: Wie kann der Mensch erkennen, dass er begonnen hat, an der Vereinigung mit den Freunden zu arbeiten? Woran kann das gemessen werden?

Meine Antwort: Die Arbeit an der Vereinigung kann an der Enttäuschung gemessen werden, wenn der Mensch spürt, dass er jedes Mal scheinbar im Kreis läuft oder sogar noch tiefer sinkt.

Ich habe meine Abstoßung den anderen gegenüber überwunden, habe mir gewünscht, mich mit ihnen zu verbinden, habe begonnen zu planen, wie ich das umsetzen kann, wie ich mich ihnen nähern kann, wie ich mich gemeinsam mit ihnen beteiligen kann. Dann habe ich begriffen, dass unsere Einheit nicht äußerlich, sondern innerlich sein muss, dass ich mich mit ihnen mit dem ganzen Herzen und der ganzen Seele verbinden und sie nicht einfach an der Hand halten oder sie an die Schultern fassen muss.

Ich habe so viele Anstrengungen unternommen – und habe unsere Einheit vergessen. Und wieder habe ich mir Mühe gegeben – und habe wieder vergessen. Während ich über die Spiritualität, über das Ziel, welches ich erreichen muss, nachdenke, denke ich nicht an meine Freunde. Vor allem entstehen in mir andere Vorstellungen von der Spiritualität – als von den Enthüllungen, Lichtern, Erfüllungen. Ich glaube, dass die Spiritualität alle meine Verlangen wie in der Materialität erfüllen wird, als wäre es eine gewöhnliche Erfüllung mit dem Genuss innerhalb des Verlangens. Das heißt, ich versuche die Spiritualität auf egoistische Art und Weise zu erreichen. Dadurch erkenne ich, dass ich mich noch im Exil befinde.

Ich strebe die ganze Zeit nach der Spiritualität, nach der Einheit, ich richte mich jedes Mal korrekt aus – auf die Vereinigung mit den Freunden, auf die Festigung in der Gruppe, in der Verbreitung, auf die Einheit und die Bürgschaft. Ich verstehe, dass ich von ihnen abhänge und sie von mir abhängen, und strenge mich jedes Mal an, um mich an den Gedanken festzuhalten, dass die Spiritualität unsere gegenseitige Verbindung über dem Verlangen jedes Einzelnen ist.

Und nach allen meinen Anstrengungen und richtigen Gedanken werde ich wie von einem Schlag auf den Kopf betäubt – und ich kehre wieder zu den früheren Gedanken an das Materielle zurück: „Und wo ist mein Nutzen?! Wo ist die Spiritualität?! Was habe ich bekommen? Es hat sich nichts in mir enthüllt…“

Das bedeutet, dass der Pharao alle meine Anstrengungen verschlingt. Und so ist es jedes Mal. Ich versuche, mich über mein Ego zu erheben, mich mit allen zu verbinden, soweit ich nur dazu im Stande bin, ich baue die Gruppe auf, um eine richtige Umgebung für mich zu erschaffen, die in der Lage wäre, mich zu unterstützen, – und plötzlich denke ich wieder: „Und wo ist mein Gewinn – in mir? Was habe ich verdient? Was habe ich gefunden? Was habe ich erreicht? Wo ist die Erfüllung?“ Das heißt, ich warte auf die Erfüllung meiner egoistischen Verlangen und nicht auf die Enthüllung des Gebens zwischen uns.

So verschlingt der Pharao jedes Mal alle meine Anstrengungen – bis er sie alle endlich ausspeit, wie geschrieben steht: „Die Güter, die er verschlungen hat, muss er wieder ausspeien“ [Hiob 20:15]. Wenn meine Anstrengungen das volle Maß erreicht haben, bekomme ich alles, was der Pharao in sich gehortet hat, wieder – jedoch nicht auf einmal, sondern nach und nach. Als erstes erhebe ich mich über alle diese Verlangen, das heißt, ich „fliehe aus Ägypten“, dann enthülle ich sie allmählich in Form des „goldenen Kalbes“, der „Späher“ und anderer egoistischen Verlangen, doch das ist bereits auf der Ebene der „Wüste“.

Wenn ich in der Eigenschaft „Chafez Chessed“ (der nichts für sich will) arbeite – im „Geben um des Gebens willen“, dann enthüllen sich die gleichen Verlangen mit den Erfüllungen des Pharaos, und genau diese helfen mir, das Böse zu enthüllen. Denn in der „Wüste“ habe ich nichts, „Chafez Chessed“ hat kein Verlangen. Doch in dem Maße, in dem ich dieses egoistische Verlangen aus dem Pharao herausziehe, kann ich es korrigieren, indem ich es in eine immer größere Eigenschaft des „Gebens um des Gebens willen“ verwandle – bis ich diese ganze Stufe abgeschlossen und meine „40 Jahre Wanderung durch die Wüste“ beendet habe. Auf diese Weise kommen wir voran.

Auszug aus dem Sohar-Unterricht, 21.04.2011

Pharao: Der treue Sklave des Schöpfers

Wenn wir das Spiel, das der Schöpfer mit uns spielt, sehen könnten, würden wir verstehen, dass alles, was in unserem Leben geschieht, dazu da ist, uns zu einem einzigen Ziel zu führen: der Notwendigkeit, uns an den Schöpfer zu wenden. Und die Kraft, die uns allmählich entwickelt und uns zwingt, uns an Ihn zu wenden, heißt „Pharao“, der treue Sklave des Schöpfers.

Der Pharao täuscht uns in schlauer Weise, gibt uns Schläge und legt uns auf dem Weg Hindernisse in den Weg: das ist alles die Arbeit des Pharao. Unser Fortschritt hängt davon ab, wie wir diese Schläge, Enttäuschungen und gegebenen Möglichkeiten annehmen. Wir sollten sie nie als zufällige Ereignisse betrachten, sondern in ihnen die „lenkende Hand“ des Schöpfers sehen und darüber nachdenken, wie wir darauf reagieren sollen. Diese Situationen zu klären hilft uns, voranzuschreiten.

Diese Klärung findet nur durch das Mittel unserer Verbindung statt; denn nur dann haben wir die richtige Sichtweise, die es uns ermöglicht zu verstehen, was der Schöpfer will. Letztendlich wird Er von uns fordern, dass wir uns als „ein Mann mit einem Herzen“ vereinen. Wenn wir alles, was uns geschieht, aus diesem Blickwinkel betrachten, werden wir sofort und in der richtigen Weise das enthüllen, was die Höhere Kraft von uns will. Das ist sehr einfach, doch nur, wenn ein Mensch nicht darin versagt, alles, was uns geschieht, von diesem korrekten Blickwinkel aus zu betrachten.

Alle Schläge und Angelegenheiten führen uns dahin, die Eigenschaft des Gebens zu erwerben. Wir bekommen wegen unseres Egoismus und unseres Stolzes diese Schläge und Veränderungen, bis alle diese Schläge und Veränderungen die richtige Einstellung in uns formen, die es uns ermöglicht zu verstehen, wo wir uns in Bezug zur Kraft des Gebens befinden.

Doch in dem Augenblick, wenn wir uns verändern, verstehen wir, dass all das aus Liebe geschah. Der Schöpfer möchte Seine Kraft nicht geltend machen und uns dazu bringen, uns zu beugen. Er war auf unsere Liebe und Hingabe zum Pharao nicht eifersüchtig. Es war nur Seine große Liebe zu uns, die Ihn dazu trieb, uns Schritt für Schritt zu lehren. Und Er hat mehr als wir unter all dem gelitten, was uns geschah, ähnlich dem, wenn Eltern leiden, wenn ihr krankes Kind Impfungen bekommt und sie ihm bittere Medizin geben.

Es gab nie, noch wird es jemals eine negative Behandlung durch dem Schöpfer geben. Es kann nur absolute Liebe geben.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, 20.04.2011, Brief 10 von Baal HaSulam