Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Empfindungen'

Wenn die Zeit verschwindet

„Vorwort zum Buch Panim Meirot“, Punkt 12: Das ist die geheime Bedeutung der Existenz von Zeit in unserer Welt.

Zunächst teilten sich die zwei oben genannten Gegensätze in zwei voneinander getrennte Wesen auf, also in ein System von reinen Welten und Sitra Achra, was der verborgene Sinn des Gesagten ist: „Eines gegenüber dem Anderen erschuf der Schöpfer“, in denen sich immer noch keine Korrektur verwirklichen kann, da sie sich in einem Träger befinden müssen – dem Menschen.

Somit brauchen wir die Existenz von Zeit, damit diese zwei Gegensätze im Menschen einer nach dem Anderen entstehen.

Es ist unmöglich, die zwei Gegensätze – die Eigenschaften des Schöpfers und der Schöpfung – sofort direkt miteinander zu verbinden.

Aus diesem Grund müssen wir uns schrittweise fortbewegen, indem wir zuerst in ein leeres Verlangen eintauchen und dann die Korrektur vornehmen und uns mit dem Licht erfüllen, und darauf folgen wieder die Leere, die Korrektur und das Licht.

Während wir auf diese Weise ab- und aufsteigen, kommen wir von unten nach oben voran, indem wir unser Verlangen vergrößern und es durch die Absicht zum Geben korrigieren.

Nur diese Veränderungen geben uns das Zeitempfinden. Und wenn sich das Verlangen und die Absicht in uns nicht verändern würden, hätten wir die Zeit nicht wahrgenommen und würden in einem unveränderlichen Zustand bleiben. Deshalb gibt es in der Welt der Unendlichkeit, wenn alles bereits korrigiert ist, keine Zeit.

Sich in dem spirituellen Raum zu befinden bedeutet, sich an einen Zustand, an ein Prinzip, das über allen Dimensionen liegt, anzuheften. Deshalb empfinden wir dort keine Zeit.

Dieser Zustand ist uns sogar aus dem alltäglichen Leben bekannt: wenn wir mit Spielen oder Arbeiten beschäftigt sind, merken wir nicht, wie die Zeit vergeht.

Wahrscheinlich durchlaufen wir eine Menge Zustände, doch darüber hinaus sind wir auf einen einzigen Punkt fixiert – dann nehmen wir die Zeit nicht wahr.

Das heißt, die Zeit hängt nicht davon ab, wie wir uns durch Auf- und Abstiege, durch Zustände des Klein- und Großseins bewegen, sondern inwieweit wir dieser einen Richtung, dem einzigen Punkt der Verschmelzung, trotz aller Schwankungen ergeben sind. Dann empfinden wir die Zeit nicht.

Deshalb erheben wir uns in der spirituellen Welt über die Zeit. Denn den Machsom zu durchqueren bedeutet, sich an dieses Prinzip zu halten. Dann fängst du an, wahrzunehmen, was es bedeutet, über der Zeit zu sein.

Hier gibt es nichts Mystisches – wir erheben uns in unseren Empfindungen über die Dimensionen, und aus diesem Grund verschwindet die Zeit.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Vorwort zu Panim Meirot“ vom 07.07.2010

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Mitten in der Nacht wird es einen hellen Tag geben…

Weil wir aus dem Wunsch „Genuss zu empfangen“ geschaffen sind, wird unsere geistige Arbeit nachts durchgeführt.

Wenn wir aber nicht den Genuss empfinden, dann können wir prüfen, ob wir fähig sind, etwas zu machen, ohne dass die Belohnung bestimmen würde, wie viel gearbeitet wird, sondern die Arbeit an sich – d.h. nicht die Enthüllung des Schöpfers, sondern der Glaube daran, dass wir Ihm dadurch Genuss bereiten können. Und um Ihm Genuss zu bereiten, und nicht dafür, um uns selbst zu befriedigen, können wir nun “ nachts“ arbeiten – in den Zuständen, wenn wir den Genuss nicht empfinden.

Deshalb wird jedes Mal in unserem Wunsch „Genuss zu empfangen“, eine neue Schicht des noch nicht korrigierten Wunsches hervorgerufen, welche die Belohnung, die Füllung erfordert. Dann können wir an diesem fehlerhaften Wunsch arbeiten, damit darin das Streben erscheint, nicht für Bezahlung zu arbeiten, sondern um dem Schöpfer Genuss zu bereiten, damit nicht die Eröffnung des Schöpfers als Belohnung gilt, sondern die Arbeit für Ihn. Dann wird sie aus dem Begreifen der Größe des Schöpfers stammen.

Wenn der Mensch aber entdeckt, dass er darin nicht begabt ist, bittet er um Hilfe von oben. Und die Höhere Kraft kommt zu ihm durch die Gruppe. Denn der Mensch hat sonst keine Verbindung mit dem Höheren. Er beginnt, diese “ Hilfe von oben“ zu suchen und verzweifelt nach vielen Versuchen, bis er versteht, dass „von oben “ eben „durch die Gruppe“ bedeutet. Wenn er sich in die Gruppe einreihen wird, so kann er dadurch die Kraft bekommen, die seine Natur von der empfangenden in die gebende verändern wird, und er wird fähig sein, „nachts“ zu arbeiten, und dabei den Schöpfer segnend. Dann arbeitet der Mensch nicht, um die leeren egoistischen Wünsche auszufüllen, die die Füllung erfordern, vielmehr hebt er sich mit Hilfe dieser „Nacht“ zum Geben hinauf. Der Mensch fordert nicht, dass „die Nacht“ vergeht, denn der Tag besteht für ihn darin, dass er für das Geben arbeitet. Wenn er in seinen Wünschen nicht „das Licht“ fühlt, und über eigene Wünsche hinweg arbeitet, dann empfindet er „den Tag“, ohne seine Bedürfnisse zu erfüllen.

Deshalb hält er sich in den Empfindungen der bekommenden Wünsche wie in „der Nacht“ auf, wogegen ihm in den Empfindungen der gebenden Wünsche „der Tag“ leuchtet.

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Einheit ist die neue Realität

Eine Frage, die ich erhielt: Was ist Einheit? Ist das eine innere Empfindung oder Enthüllung irgendeiner Kraft?

Meine Antwort: Einheit ist eine neue Realität, von der wir keine Ahnung haben. Das ist eine Art neue Materie, die du vorher nicht wahrgenommen hast und in welcher Eigenschaften enthalten sind, die nicht von dieser Welt sind – Eigenschaften des Gebens.

Wenn du dich dieser Materie anschließt, in ihr lebst, dann beginnst du eine andere, eine neue Dimension zu enthüllen, als ob du auf einem anderen Planeten gelandet bist. Du enthüllst diese neue Dimension in den Eigenschaften dieser Materie – im Geben.

Darum bedeutet Einheit nicht nur Vereinigung unter uns, gute Beziehungen, Sicherheit. Es ist die Enthüllung einer neuen Eigenschaft, die es in unserer Welt nicht gibt.

Wenn wir diese Eigenschaft erlangen, dem Schöpfer ähnlich werden, enthüllt sich alles in unserem Verstand und unseren Gefühlen, in der Einheit mit Ihm.

Wir brauchen nichts anderes zu tun, als nur die Einheit zu erreichen. Und das liegt in unserer Kraft. Darüber steht geschrieben: „Wir werden tun und wir werden hören“.

Das heißt, wir können alle möglichen Handlungen vollbringen, uns anstrengen, alles in unserer Macht stehende tun – gemeinsam studieren, uns verbinden, wie die Kabbalisten es uns empfehlen, wie Rabash es in seinen Artikeln beschreibt.

Natürlich wird uns das nicht gelingen. Doch wir müssen zu einem solchen Zustand gelangen, über den geschrieben steht: „Und sie schrieen über ihre Arbeit“, wir müssen zu einem inneren Schrei gelangen, weil wir diesen Zustand erreichen müssen, dazu aber nicht in der Lage sind. Dann wird es geschehen. Doch es muss ein wahres Gebet, ein wahrer Schrei sein.

Die Grundlage dafür haben wir bereits geschaffen. Jetzt müssen wir nur die Eigenschaft der Einheit erreichen. Die neue Materie, die sich als Verbindung mit den anderen enthüllt, ist bereits eine spirituelle Materie.

Das ist in einem gewissen Maße bereits das spirituelle Gefäß, das vor dem Zerbrechen existiert hat. Doch sobald wir es enthüllen, enthüllen wir auch sofort die spirituelle Existenz, den Schöpfer, in ihm.

Deshalb muss jeder von uns und wir alle zusammen im Laufe des Tages versuchen, uns, soweit es geht, nur darum zu kümmern.

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Glauben bedeutet Fühlen

Die Frage: Welche Bedeutung hat der Glaube vor dem Machsom?

Antwort: Bevor ein Mensch den Machsom überquert und in die spirituelle Welt eindringt, hat er keinen Glauben.

Der Begriff des Glaubens hat in der Kabbala eine ganz andere Bedeutung, als es im gewöhnlichen Leben üblich ist. Alle Definitionen in der Kabbala verweisen auf ein ganz anderes Niveau.

Der Glaube ist die Wahrnehmung des Schöpfers. Wenn ich Ihn wahrnehme, glaube ich an Ihn. Diese Vorstellung ist der üblichen Vorstellung entgegengesetzt. Im gewöhnlichen Leben ist es üblich, als Glauben eine Einstellung zu bezeichnen, wenn man nichts sieht bzw. wahrnimmt, jedoch glaubt, dass etwas existiert.

Die Kabbala sagt aber, dass dies nicht Glaube, sondern Phantasie ist. Kabbala basiert dagegen nur auf den realen Empfindungen. Entsprechend dem Maß der Wahrnehmung des Schöpfers bekomme ich die Kraft, gegen das Ego zu arbeiten.

Eine Kraft gegen eine andere – positive gegen negative. Dies heißt eben, über die Kraft des Glaubens über den Verstand zu verfügen, also über das Ego und seine Empfindungen.

Ich erhebe mich über mein Ego, weil ich schon höheren Verstand und hoehere Empfindungen verwenden kann. Und wenn ich sie nicht habe, auf welche Grundlage würde ich mich dann stützen?

Auf irgendwelche Erzählungen?

Das ist kein Glaube. Das ist nur ein Spiel, das in dieser Welt wegen der Ausweglosigkeit, um sich irgendwie zu beruhigen, von Menschen gespielt wird. Deswegen muss man die Enthüllung erlangen, damit man zum Glauben kommt! Die Wissenschaft der Kabbala ist die Enthüllung des Schöpfers den Geschöpfen gegenueber, und das heißt Glaube.

Seifenoper mit dem Titel „Mein Leben“

Wir können lediglich die Ver- und Enthüllung in unserem Inneren beeinflussen. Denn wir befinden uns im unveränderlichen und ewigen Universum, das keinen Anfang hat und niemals ein Ende haben wird.

Selbst dann, wenn wir sagen, dass einst das Geschöpf entstanden ist, um die Korrektur zu erreichen, wonach sein Vorhaben beendet wird, indem es in den Schöpfer vollständig eingereiht wird, ist dies falsch, weil wir uns alles unter der Einbeziehung von Zeit vorstellen.

Wir können auch nicht anders, dies ist unsere Natur eben. Das Geschehende geschieht nicht, sondern existiert ständig.

Wir befinden uns innerhalb dieses einzigartigen Systems, das „die Natur“ oder „der Schöpfer“ heißt, in dem keinerlei Veränderungen geschehen. Nur wir ändern uns in unseren Empfindungen!

Engels formulierte folgenden Satz: „das Leben ist die objektive Realität, die uns in den Empfindungen gegeben ist“ – hätte man das Wort „objektiv“, mit „subjektiv“ – ersetzt, wäre die Aussage richtig! Wenn es überhaupt Veränderungen gibt – dann nur in unserem Inneren.

Wie können wir beginnen, uns bewusst und freiwillig zu verändern, um unsere Veränderungen unter Kontrolle zu haben? Es gibt solche Veränderungen in meinen inneren Wünschen, die meinen Blick auf die Realität so ändern, dass ich sie in Form von Problemen, Kriegen oder Leiden empfinde. Und es gibt auch gute Veränderungen, wer weiß jedoch, wie diese zu steuern sind?

Das lehrt uns die Wissenschaft der Kabbala. Und es steht fest, dass, wenn die Realität unveränderlich ist, dann kann ich nur meine eigenen Eigenschaften verändern, wodurch die Weltanschauung beeinflusst wird, und ich kann entscheiden, welche „Seifenoper“ ich unter dem Titel „Mein Leben“ sehen will.

Es heißt aber nicht, dass ich beliebige Filme aller Genres abspielen kann. Es gibt ein Programm, das mich zur Enthüllung des wahrhaften Bildes bringen sollte, wenn alle Verhüllungen verschwinden und ich wahrhaftig den ewigen und vollkommenen Zustand erreiche. Danach werde ich die Realität als beständig und unveränderlich ansehen.

Wenn ich das alles verstehe, dann kann ich auf dem guten Wege vorankommen. Ansonsten muss ich den Leidensweg antreten und darauf voranschreiten. Es handelt sich nur um die Veränderungen innerhalb des Menschen, welcher in der bisher unbekannten Umwelt existiert, die der Schöpfer oder die Unendlichkeit genannt wird. Wir sind nicht in der Lage, die Reihenfolge der Stufen zu verändern, die bereits in uns vorprogrammiert ist. Und wer sind wir eigentlich, um zu verstehen, wie das sein soll?

Aber wir können unser Vorankommen beschleunigen, uns eigenwillig darin einreihen und anstrengen. Und die Geschwindigkeit des Aufstiegs wird uns andere Empfindungen geben.

Denn es ist viel schwieriger sich zum schicksalhaften Ereignis hinzu bewegen, während man damit nicht einverstanden ist, und nicht in der Lage ist, es zu vermeiden. Und etwas ganz anderes ist es auch, zum erwünschten Ziel voranschreiten! Dann wird mir der Weg gefallen, und ich werde dieses mit Freude tun.

Das heißt, alles hängt von unserer Vorbereitung auf die folgenden Zustände ab, welche unvermeidlich kommen werden. Aber meine Bereitschaft bestimmt meine Empfindung und die Geschwindigkeit der Bewegung. Deshalb brauchen wir die Wissenschaft der Kabbala, um uns mit ihrer Hilfe unsere eigene Entwicklung auf dem guten, angenehmen und kurzen Weg zu machen, anstelle des schmerzvollen und langen Weges.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Vorwort zum TES“, 10.06.2010.

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Wir alle sehen den gleichen Film!

Eine Frage, die ich erhielt: Warum sind 90 % der entstehenden Hindernisse mit unserem physischen Körper verbunden? (Ich bin hungrig, ich bin müde usw.)

Das Materielle ist doch nicht so wichtig wie das Spirituelle, und es gibt darin nur den kleinen Lebensfunken?

Meine Antwort: Du fragst, warum uns nicht gegeben wurde, anstelle der materiellen Wünsche mit den spirituellen Wünschen, Lichtern und Schirmen zu arbeiten?

Aber in dem Maß, in welchem du beginnst, die Welt auf der Wellenlänge des Gebens zu betrachten, hörst du gleichzeitig auf, diese Welt zu bemerken. Sie hört auf, für dich maßgebend zu sein.

Du existierst weiterhin in ihr, verbindest dich weiterhin mit den Menschen – gleichzeitig verliert diese Welt ihren eigenen Sinn, weil sie losgelöst vom Höheren existiert.

Denn sie ist nur die Folgerung, das Spiegelbild der Höheren Welten, die dir auf diese Weise die Realität projizieren.

Es gibt beispielsweise eine spezielle Technik, um die mehrdimensionalen Bilder in der Luft mittels Laserstrahlen zu projizieren. Plötzlich entstehen im leeren Raum unterschiedliche Figuren.

Auf die gleiche, illusorische Weise nimmst du diese Welt wahr – denn sie stellt nur den Abdruck der Höheren Welt dar.

Folglich projiziert uns unser egoistischer Wunsch diese Welt, die zunächst nur in dieser Form existieren kann. Und diese Form bleibt sogar bis zum Ende der Korrektur bestehen.

Rashbi kann hier mit uns sitzen und wird unsere materielle Welt sehen, obwohl er selbst vollständig korrigiert ist.

Denn diese Welt wird aus unseren Empfindungen nur nach der allgemeinen, endgültigen Korrektur verschwinden.

Sie existiert aufgrund des allgemeinen Wunsches zu genießen. Und obwohl dieser Wunsch egoistisch ist, ist er dennoch nicht gegen den Schöpfer! Er gleicht sich einfach dem Wunsch eines Tieres an, das leben und genießen möchte.

Deshalb wird er nicht als Verbrechen wahrgenommen, und hier gibt’s nichts zu korrigieren. Man muss diesen Wunsch einfach in seiner tierischen Form nutzen, um daraus den Wunsch des Gebens – die Seele -zu modellieren.

Aus dem Abendunterricht nach dem Buch Sohar, 26.05.2010

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In der Einfachheit liegt die Genialität

Alles kommt von HaWaYaH (Yud-Hej-Waw-Hej) – dem gemeinsamen, einzig bestehenden System, und nimmt seinen Anfang in der Wurzel – in der Spitze des Yud (Kuzo shel Yud).

Das ist Keter, „Bestehendes aus dem Bestehenden“ (Jesh mi Jesh). Dort gibt es Licht und Verlangen (Kli), „Etwas aus dem Nichts“ (Jesh mi Ajn), die sich zusammen ausbreiten.
Das Licht wirkt auf das Verlangen ein, das dann verschiedene Formen annimmt, das heißt, das Verlangen zu genießen verändert ständig seine Eigenschaften entsprechend dem Licht.
Der Sohar erklärt, wie alle Eigenschaften aus dem Licht, welches das Verlangen zu genießen erschaffen hat, entstehen, „Etwas aus dem Nichts“, und wie das Licht an diesem Verlangen arbeitet.
Dies ist wahrhaft eine Entwicklungssymphonie: das Einwirken des Lichts auf das Verlangen, der Mangel an Erfüllung, der sich unter dem Einfluss des Lichts verändert, indem er verschiedene Formen und Eigenschaften annimmt und in sich Eigenschaften des Lichts und seine vorherigen Formen einschließt, welche die nachfolgenden Zustände noch mehrere Stufen später beeinflussen.
Der Sohar erklärt uns, wie aus nur zwei Kräften – dem Verlangen zu geben und dem Verlangen zu genießen – die gesamte Vielfalt der Schöpfung entsteht. Und all das ist unmittelbar mit uns verbunden, denn in unserer Welt gibt es auch nichts anderes außer zwei Kräften – schwarz und weiß, Eins und Null, Gut und Böse.
Ganz gleich, über welche Ebenen wir sprechen – die gesamte Schöpfung, unser ganzer Eindruck, all unsere Gefühlsformen und Bilder der Realitätswahrnehmung bestehen aus zwei Kräften.
Die Kabbalisten haben geschafft, diese zwei Kräfte sehr schön in Form von Buchstaben zu erklären. Wenn wir später diese Formen betrachten, werden sie zum Leben erweckt, mit Lebensgeist erfüllt.
An den Buchstaben beginnt man zu erkennen, wie diese Eigenschaften, der Schöpfer und die Schöpfung, miteinander verbunden sind, wie sie ineinander greifen und einander durchdringen, in welcher Richtung, auf welche Art und Weise, worin sie miteinander verschmelzen und worin noch nicht, welche Einschränkungen es gibt.
Uns fehlen die Worte, um diese Beziehungen auszudrücken. Doch der Buchstabe, das Symbol bietet dir ein Modell. Und indem du dieses Modell wahrnimmst, schaltest du in dir die Gesamtheit der Empfindungen, der Beziehungen und all dessen, was in einem Buchstaben enthalten ist, ein.
Und in einem Buchstaben gibt es alles. Er scheint nur eine einfache Form zu sein, doch diese Einfachheit schließt in sich tausende von vorherigen Formen ein, die er bei seinem Abstieg von oben nach unten angenommen hat.
In der Kabbala geht alles aus dringlicher Notwendigkeit hervor. An der Natur selbst, an der Struktur des Menschen und seiner Wahrnehmung haben die Kabbalisten erkannt, dass es keine andere Möglichkeit gibt, die Beziehung zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung auszudrücken, als mithilfe von diesen Symbolen, Buchstaben.

 

Das Schamgefühl, das stärker als der Tod ist

Eine Frage, die ich erhielt: Wie können wir die Empfindung eines solchen Schamgefühls erreichen, welches folglich zur Kontraktion des Egoismus führen wird?

Meine Antwort: Die Scham ist ein sehr erhabenes Gefühl, das nicht direkt am Anfang des Weges empfunden wird. Dies ist die Scham vor dem Schöpfer, vor dem Gebenden, weil Er das Geben ist und ich das Nehmen.

In unserer Welt beschränken wir uns ständig, um nicht zu erhalten, um uns deswegen nicht zu schämen. Wir wollen das Empfangen irgendwie rechtfertigen.

Wir sind bestrebt, das Selbstwertgefühl zu vergrößern, wobei uns das eigene Ich teurer als das Leben ist. Wir sind einverstanden, zu sterben, um nur nicht demütigt zu werden.

Auf diese Weise ist unsere Natur programmiert. Die Menschen sind bereit, den Tod zu akzeptieren, nur um das eigene Ich, den Ehrgeiz, beibehalten zu können.

Die Scham bedeutet eigentlich, wenn ich das Gefühl bekomme, dass mein Ich aufgehoben wird und später verschwindet. Wenn ich den Wunsch und die Erfüllung verliere und nicht dabei spüre, dass ich aufhöre, zu existieren.

Der Mensch stirbt und fühlt nicht, dass er absolut aus dieser Realität verschwindet. Er hat nur das Gefühl, dass er einen Teil verliert, bzw. von der Vergangenheit befreit wird.

Aber wenn ich mich schäme, dann wird  meine geistige Existenz gestrichen. Dieses Gefühl gibt mir zu spüren, dass von mir jetzt nichts übrig bleibt!

Diese Empfindung ist höher als Leben und Tod, sie ist sehr tiefgehend. Man kann ihr nicht widerstehen. Der Mensch ist bereit, sich selbst zu töten, um nur nicht den Punkt seines Ich zu verlieren.

Denn der Körper ist einfach das Tier, und wir haben keine große Angst, ihn zu verlieren. Wir sehen auch, wie die Menschen ihr Leben riskieren. Aber der Schöpfer spielt mit uns, indem Er den Punkt unseres Ichs  konsequent und methodisch aufreizt. Und uns bleibt keine andere Wahl, denn wir sind verpflichtet, irgendwelche Handlungen zu unternehmen, um die eigene Persönlichkeit zu retten.

Die Empfindung, dass ich über dieses Leben hinaufsteigen soll, höher als der Tod hilft mir, meine zweite Natur zu enthüllen. Ich bin bereit, mir sie anzueignen! Man sagt mir „du sollst geben“  und ich bin dazu bereit! Ich bin sogar einverstanden, mich selbst zu verlieren! Damit dieser Punkt meines Ich, weiterhin existiert.

Solche Empfindung kann nur das Licht geben, das zur Quelle zurückführt. Das Licht wirkt auf uns ein und erweckt in uns diesen Punkt, der in unserem Inneren begründet ist – ein Ausgangspunkt “Jesh mi ajin” („Nichtvorhandensein“ bzw. Aus dem Nichts geschaffen sein). Dies ist nicht das Wesentliche des Wunsches „zu genießen“, sondern etwas viel tiefer Gehendes.

Um ein solches Gefühl zu erreichen, sind die kabbalistische Gruppe und das Studium notwendig. In der Gruppe bemühen wir uns, das Modell der geistigen Einheit aufzubauen, wie sie in der Welt der Unendlichkeit existiert.

Während des Studiums und unter Bedingung der Einheit, ziehen wir das Licht heran, das uns folglich zu diesem Zustand erhebt. Es gibt keine anderen Mittel! Nur die Gruppe und das Studium innerhalb der Gruppe.

Gerade dieses beängstigende Gefühl bringt uns der Rettung näher.

Aus dem Unterricht zum Artikel “Einführung in die Wissenschaft der Kabbala”, 14.05.2010

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Das Leben ist nicht immer ein Picknick…

Eine Frage, die ich erhielt: Gerade ist der internationale Kongress in New York (Sohar, Mai 2010) zu Ende gegangen, wo viele Völker und Nationalitäten, etwa tausend Menschen, Repräsentanten von vielschichtigen kulturellen Hintergruenden, vertreten waren. Nach nur 20 oder 30 Stunden verschwanden alle diese Unterschiede, es herrschten Vereinigung und Liebe.

Was fehlt uns, um diesen Zustand ständig zu erleben?

Meine Antwort: Auf dem Kongress haben die Menschen Einheit, Begeisterung und Wichtigkeit des Ziels gespürt. Und 20 Stunden nach dem Treffen können wir uns nur mühsam daran erinnern, wie es war.

Alles entzieht sich unseren Empfindungen und unserem Gedächtnis. Warum können wir bloß nicht so weitermachen und uns ständig darin befinden?

Dieser Zustand kann nicht lange anhalten, wie auch alles in unserem Leben: Der Mensch erreicht die Höhe der Begeisterung und kommt zur Ruhe. Es ist unmöglich, ständig unter einem solchen Eindruck zu stehen.

Das geht aus dem Gesetz der umgekehrten Übereinstimmung zwischen Licht und Verlangen hervor: Mal soll das Licht anwachsen, mal das Verlangen.

So wachsen sie abwechselnd und wir schreiten vorwärts, wie auf zwei Beinen, und gehen auf der mittleren Linie, die die rechte und die linke vereint.

Doch ihre Vereinigung geschieht nur , um vorwärtszukommen und dann wieder nach rechts zu rücken, wo wir die Wichtigkeit des Ziels, die Verbindung und das Verlangen, weiterzugehen, bekommen, dann wieder nach links, wo unser Herz belastet wird, damit wir etwas haben, woran wir arbeiten können, und zur mittleren Linie zurückkehren. So bewegen wir uns vorwärts.

Darum kann ein solcher Zustand nicht lange anhalten, das wäre gegen die Natur. Und ich würde sogar sagen, dass es keinen unliebsameren Zustand geben kann, als sich ständig in dem Zustand einer solchen Euphorie zu befinden.

Der Mensch muss fühlen, dass er sich vorwärtsbewegt, dass er arbeitet, einen gewissen inneren Widerstand überwindet und nicht ständig in den Wolken schwebt.

Unsere Arbeit besteht darin, zu spüren, dass wir etwas geben und empfangen, und dann wieder geben und wieder empfangen. Wir müssen den Widerstand, die Handlungen und die Errungenschaften fühlen.

Deshalb gibt es viel mehr Genuss nach einer harten Arbeit und nach schweren Vorbereitungen, die dann in einem so großen Kongress ihren Hoehepunkt und Ausklang finden, wo wir zwei, drei Tage das Erreichte genießen, indem wir Resultate und Früchte unserer Arbeit betrachten.

Doch danach müssen wir zum Zustand der Schwere, des Widerstandes, der Suche, der Klärungen und Korrekturen zurückkehren, um letztendlich wieder zu einem schönen Ergebnis zu kommen.

Das ergibt sich daraus, dass der Schöpfer und die Schöpfung sich gegenüber stehen, wie zwei entgegengesetzte Eigenschaften – das Verlangen zu empfangen und das Verlangen zu geben, und es ist nur durch solche gemeinsamen Aktionen möglich, das Gleichgewicht zwischen ihnen zu erreichen.

Sonst gibt es keine Weiterentwicklung. Es ist unmöglich, im Zustand des Kleinseins (Katnut), in Chafez Chessed zu bleiben – es muss weitergehen!

Aus dem Unterricht in der Gruppe Toronto, nach dem Kongress „Sohar – 2010“

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Das erste Treffen mit dem Licht

Eine Frage, die ich erhielt: Könnten Sie Ihre erste spirituelle Erfahrung beschreiben, das erste Treffen mit dem höheren Licht? Wie kann man sich diese Empfindung vorstellen?

Meine Antwort: Die erste spirituelle Erfahrung ist bei allen gleich, denn eigentlich durchleben die Menschen die gleichen Zustände.

Wenn der Mensch das erste Mal eine Begegnung mit dem Licht macht, spürt er, dass die ganze Welt mit Liebe erfüllt ist – mit einer einzigen warmen Kraft ohne jegliche Grenzen. Das ist ein warmes, gutes Gefühl und so ist auch die ganze Welt.

Der Mensch lebt, sieht andere Menschen, die ganze Welt und gleichzeitig spürt er, dass die Luft dichter, wärmer und sanfter geworden ist. Er fühlt sich einer sanften, milden Haltung gegenüber.
So ist die erste spirituelle Empfindung, die der Mensch erlebt. In der Regel vergisst er sie.

Aber in jedem Fall geschieht das, um dem Menschen einen Beweis, eine Unterstützung zukommen zu lassen, neue Wahrnehmungsgefäße (Kelim) in ihm aufzubauen, damit er weitergehen kann.

Nach dieser ersten spirituellen Erfahrung, die ihm von oben geschenkt wird, muss der Mensch viele Anstrengungen unternehmen, um selbst die gleiche Empfindung – und später milliardenfach stärkere Empfindungen – zu erreichen.

Aber er wird sie bereits beherrschen, sie verstehen und mit ihnen arbeiten können.

Alle diese Eindrücke, vom ersten Tag an und weiter, nimmt der Mensch innerhalb des sich entwickelnden Punktes im Herzen, innerhalb des spirituellen Wahrnehmungsgefäßes (Kli) wahr, und nicht im Rahmen von physiologischen und psychologischen Erscheinungen.

Aus dem 8. Unterricht des Kongresses „Sohar  – 2010“ in New York, 09.05.2010

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