Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Reue für das Versäumte

Rabash, Shlavey Sulam, 1985/86, Artikel 36, „Was ist die Vorbereitung auf die Selichot [Vergebung]?“: Bevor man den Schöpfer um Vergebung bittet, muss man sich bewusst machen, worin das Wesen der Sünde besteht.

Ich bitte nicht um Vergebung für die ursprünglichen, angeborenen Untugenden, die in meiner Natur liegen. Im Moment stehen sie nicht im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit, denn „die Regungen des menschlichen Herzens sind von Jugend an böse”. Ich bewerte nicht den bösen Trieb selbst, sondern nur meine Bemühungen: Hätte ich mich schon darüber erheben, Schirme errichten und eine Haltung der Hingabe, Liebe und Einheit entwickeln können? Hätte ich nach dem Prinzip „Liebe deckt alle Sünden zu” handeln können?

Gerade für die Nachlässigkeit in diesen Bemühungen muss ich Buße tun und Reue zeigen, darüber muss ich weinen. Denn die Shechina trauert nicht darüber, dass sie uns ihren verdorbenen, zerbrochenen Zustand beschert hat, sondern darüber, dass wir nicht versuchen, sie wiederzubeleben, sie aus dem Staub zu erheben, obwohl die Umstände es uns erlauben, dies zu tun.

Das Licht, das zur Quelle zurückführt, kommt entsprechend meinen Bemühungen. Wenn es unabhängig davon käme, würde es mir das vom Schöpfer verursachte allgemeine Zerbrechen zeigen. Wenn jedoch der Zufluss des Lichts durch meine Bemühungen oder deren Fehlen reguliert wird, offenbart es nur meinen unvollständigen Teil, den ich bereits hätte einbringen können.

Man sollte nicht bedauern, dass man in gewissen Dingen unbegabt oder talentlos geboren wurde. Nehmen wir an, es mangelt mir an körperlicher Kraft, Intellekt, Gedächtnis oder Lernfähigkeit, so sollte man sich darüber nicht beklagen. Wenn mir etwas nicht gegeben wurde, dann brauche ich es auch nicht. Auch wenn ich keine besonderen Fähigkeiten habe und deshalb mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe, muss ich offensichtlich mein Leben lang unter diesen Bedingungen arbeiten.

Im Allgemeinen sagt die Gesamtheit meiner persönlichen Eigenschaften nichts darüber aus, ob ich gut oder schlecht bin. Vielleicht bin ich als Verschwender, Faulpelz oder Machtmensch geboren worden. Die Tatsache, dass ich mit diesen Eigenschaften geboren wurde, bedeutet jedoch, dass ich ihnen keine Beachtung schenken sollte.  Diese muss ich nicht korrigieren, sondern nur meine Teilnahme an dem Prozess, der mir über meine gesamte Natur hinweg offenbart wird. Wenn ich dort, über meiner Natur, faul bin, muss ich für diese Faulheit „ein Opfer bringen” und am Versöhnungstag (Jom Kippur) über diese Nichtbeteiligung weinen. Ich bereue nicht meine ursprünglich verdorbenen Verlangen, sondern dass ich tatsächlich etwas hätte korrigieren können, als ich eine Chance von oben erhielt und sie nicht genutzt habe.

Wer sich also nicht bemüht hat, entdeckt auch nichts Böses in sich. Wer sich jedoch bemüht hat, entdeckt, dass er schlecht ist, allerdings nur in dem Maße, in dem er etwas hätte korrigieren können, es aber nicht getan hat.

Wir sind nicht dafür verantwortlich, alles zu korrigieren, was die spirituellen Systeme vor uns verdorben haben. Es handelte sich dabei um einen systemischen Schaden. Wenn wir jedoch das korrigieren, was uns aufgetragen wurde, wird das gesamte System wieder funktionsfähig sein. Denn es wurde nur deshalb verdorben, weil eine Komponente namens „Mensch” (Adam) darin eingedrungen ist. Wenn wir also die Beteiligung des Menschen am System korrigieren, korrigieren wir alles.

Frage: Wie hängt Reue mit den Beziehungen zwischen Freunden zusammen?

Antwort M. Laitman: Es heißt, dass der Versöhnungstag die Sünden eines Menschen gegenüber seinen Nächsten nicht sühnt. Ich muss für das, was ich angerichtet habe, Buße tun und gleichzeitig daran denken, dass auch dies vom Schöpfer verursacht wurde. So oder so, ich bereue nicht mein Böses als solches. Ich bedauere, dass dieses Böse, dieses Gefühl der Trennung vom Schöpfer, noch  immer in mir steckt. Und dann korrigiere ich es.

Daher sollte ich auch Freude empfinden, wenn ich das Böse aufdecke.

Frage: Es gibt keinen Menschen, der seinem Nächsten nicht etwas Böses angetan hat, wenn auch unbeabsichtigt. Wie kann ich dieses Böse wiedergutmachen? Wie kann ich um Vergebung bitten?

M. Laitman: Durch die Anstrengungen, die in die Verbindung investiert werden. Das ist die Zahlung.

Es gibt keine Notwendigkeit und keine Handlung, die das, was ich getan habe, wiedergutmachen könnte. Alles Schlechte, was ich getan habe, führte zur Spaltung. Und alles Gute, was ich tun kann, führt nur zur Vereinigung. Die Formen und Details sind nicht wichtig, das Wesentliche ist genau das: entweder Trennung oder Einheit. Wenn ich mich an diesen Ansatz halte, werde ich keinen Fehler machen.

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Aus der Lektion zum Artikel von Rabash.

Was kann man tun, wenn man innerlich ausbrennt?

Bemerkung: Ich habe ganz normal gelebt, ganz normal gearbeitet, war voll bei der Arbeit, und plötzlich wurde alles leer, alles wurde sinnlos. Es gibt Arbeit, es gibt einen Job, es gibt Geld, aber ich sehe keinen Sinn darin.

Antwort: Das ist ganz normal. Das ist menschliches Wachstum. Das ist die schrittweise Entwicklung des Menschen.

Der Egoismus wird nicht erfüllt. Er ist immer noch derselbe Egoismus, unsere Grundlage. Früher wurde er erfüllt, er genoss die Arbeit, die Ehre, den Ruhm, das Wissen, das Geld, die Möglichkeit, all das irgendwie zu verwirklichen, und heute ist das nicht mehr der Fall. Ihm ist die Meinung der anderen egal, ihm ist der Aufstieg auf irgendeiner Leiter nicht mehr wichtig.

Man kann sagen, dass es eine Art Müdigkeit gibt, so wie bei jedem Metall, jedem Material. So ist es auch hier.

Bemerkung: Das nennt man „Burnout”, es gibt sogar einen Begriff dafür.

Antwort: Burnout. Es ist ein guter Ausdruck, ja.

Der Egoismus hat auf eine andere Arbeitsweise umgeschaltet. Es reicht ihm nicht mehr, dass er alles bekommt – das, was früher Zufriedenheit, Erfüllung, Eitelkeit hervorgerufen hat und so weiter. Heute reicht es nicht mehr. Was soll man tun? Ich weiß nicht, wofür ich etwas tun soll, wofür ich leben und arbeiten soll. Ich weiß es nicht! Das interessiert mich überhaupt nicht.

Es gibt einfach keine Befriedigung, keine Erfüllung, keine Sättigung. Wofür lohnt es sich zu arbeiten oder sogar zu leben? Nein. Das war’s. Gib mir eine Tablette und Schluss. Die Menschen werden bald soweit sein!

Bemerkung: Ja, ich habe das Gefühl, dass sie so weit sind, das ist sicher.

Antwort: Warum nicht? Das ist die Befreiung von Leiden. Ich möchte alles vergessen und einfach einschlafen.

Frage: Gib uns jetzt eine Tablette. Ihr habt uns jetzt, sagen wir mal, in diese Sackgasse geführt. Ich habe sogar genau gespürt, dass es so kommen wird, ich war mir fast sicher, dass es so kommen wird. Was soll ein Mensch in einer solchen Situation unternehmen?  Sie behaupten die ganze Zeit, dass es einen universellen Aufschrei geben wird.

Antwort: Ja, aber dieser Schrei ist das Bewusstsein des wahren Verlangens, den Sinn des Lebens zu verstehen. Das heißt, wofür brauche ich das alles? So sehr, dass sogar Kinder, das Wichtigste für einen Menschen, besonders für eine Frau, keine Freude mehr bereiten.

Und alles ist da, absolut alles ist da, aber ich kann nicht einmal mechanisch meine Arbeit machen, etwas für sie tun. Na ja, was soll’s! Das ist echte Verzweiflung über die Unerfülltheit des egoistischen Klis.

Frage: Wann kommt denn nun die Erlösung?

Antwort: Die Erlösung von diesem Zustand kommt, wenn ein riesiger Aufschrei zum Himmel aufsteigt und die Menschheit danach versteht, wozu sie eigentlich existiert. Nicht vorher.

Erst dann, wenn sich ein echtes Bedürfnis nach dem Verständnis des Sinns des Lebens zeigt. Wir werden es erleben!

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Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman”

 

 

Gebt mir eure Wünsche!

Frage: Wie verbinden wir uns miteinander?

Antwort: Ich habe den Wunsch, etwas Erhabenes zu erreichen – in die höhere Welt zum Schöpfer aufzusteigen, zur Wurzel meiner Seele, zu etwas Unbekanntem.

Ursprünglich ist in jedem Menschen dieses Streben angelegt – das Streben, seine Wurzel, den Sinn seines Lebens zu erkennen. Es liegt in jedem von uns, doch bei dem einen zeigt es sich jetzt, bei einem anderen zeigte es sich in einer früheren Inkarnation, und bei einem dritten wird es sich in der nächsten zeigen.

Meine Wurzel befindet sich im Schöpfer. Von dort bin ich in diese Welt herabgestiegen. Und jetzt streben wir beide wieder nach oben. In jedem von uns ist diese Wurzel der Seele, der Punkt im Herzen, erwacht.

Weder du noch ich können mit unseren einzelnen Punkten etwas erreichen. Aber wir werden es schaffen, wenn wir sie verbinden – wenn du meinen Punkt mit deinem vereinst und ich deinen mit meinem.

Wie? Dafür müssen wir uns bemühen, unsere Herzen zu verbinden. Die eigentliche Einheit wird von oben kommen – durch das Licht, das zur Quelle zurückführt –, doch dafür musst du von allen, die hier sind, ihre spirituellen Wünsche erwerben.

Du erwirbst sie durch deine Bitte. Das Verlangen bewegt alles, denn es ist der Stoff der Schöpfung. Ich will, ich sehne mich danach, dass ihre zum Schöpfer gerichteten Wünsche zu meinen werden. Ich möchte, dass in mir ein einziges großes Verlangen entsteht, das aus all den individuellen Wünschen besteht.

Fang an, darüber nachzudenken, und du wirst sehen, wie dich das den Menschen näherbringt – nicht so sehr körperlich, sondern innerlich: Du wirst beginnen zu fühlen, was in ihren Herzen ist, und dein eigenes spirituelles Verlangen wird sich aus einem Punkt in eine Sphäre, in eine „Kugel“, in ein „Gefäß“ verwandeln.

Und in diesem gemeinsamen Verlangen wirst du den spirituellen Strom, das spirituelle Leben, spüren.

Darum fordere: „Ich will eure Wünsche! Braucht ihr meine? Ich bin bereit, bitte. Lasst uns nur eine Gruppe bilden, in der jeder sein Herz mit den Herzen der Freunde verbinden will.“

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Aus der 1. Lektion des Kongresses in der Arava

Die Lenkung des Schöpfers erfassen

Frage: Sie sagten einmal: „Wenn man von Oben nicht abgetrennt wird.“ Das ist vielen Kabbalisten widerfahren, als sie gegen ihren Willen vom Spirituellen abgetrennt wurden.

Antwort: Von Oben aus könnte alles gemacht werden, absolut alles! Schließlich sind wir in diese Maschine hineingesetzt worden. Wir existieren in ihr.

Dennoch haben wir die Möglichkeit, über unserer Existenz in dieser Maschine zu fühlen, dass wir in ihr leben, in ihr arbeiten, nach einem bestimmten Plan ins Leben gerufen werden und ein bestimmtes Programm ausführen. Das heißt, wir können in uns das Verständnis entwickeln, dass wir kontrolliert werden, und so den Lenkenden verstehen, Ihn rechtfertigen, alles über Ihn erfahren und Ihm gleich werden.

Wir werden aber dennoch immer absolut alles tun, was Er in uns hervorruft. Wir stehen ständig unter seinen Befehlen.

Doch seine Lenkung über uns zu offenbaren, sie als gut, richtig, wahr, unendlich harmonisch und vollkommen zu erkennen und so durch das Erfassen des Lenkenden an Ihn anzuhaften – das ist unser Ziel. Dadurch erheben wir uns auf die Ebene des Lenkenden, auf die Ebene des Schöpfers, wir erfassen, verstehen und werden wie Er. Es ist, als würden wir unser eigenes Programm starten, uns selbst verwirklichen.

Im Prinzip widersprechen wir Ihm in keiner Weise. Wir erkennen einfach, dass dies das Vollkommenste ist, und tun es ohne Aufforderung. Es stellt sich heraus, dass wir auf der höchsten Ebene der Erkenntnis, selbst wenn es keine Befehle von Seiner Seite gäbe, genau dasselbe tun würden. Das heißt, wir ersetzen gewissermaßen den Schöpfer.

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Aus dem Gespräch „Bei mir klingelte das Telefon. Existenz in Erkenntnis“

 

Wie kann man das Gebet aus dem Herzen erwecken?

Frage: Wie kann man erreichen, dass die Worte des Gebets ein wahres Gebet aus dem Herzen erwecken – idealerweise aus einem gemeinsamen Herzen?

Antwort: Das ist tatsächlich eine tiefgehende Frage.

Jeder von uns hat scheinbar einen gewissen Chissaron (Mangel). Doch was fehlt uns, damit sich unsere persönlichen Empfindungen des Exils, also der Trennung vom Schöpfer, zu einem gemeinsamen Verlangen vereinen?  Das ist eine sehr schwierige Frage.

Was bedeutet es, wenn es in einer Gruppe Wünsche gibt, die sie nicht erfüllen kann? Solche Wünsche verbinden sich mit den Mängeln anderer Gruppen. So entsteht ein umfassenderes, vollkommeneres Verlangen, und auf ein solches wird der Schöpfer mit Sicherheit antworten.

Mehr kann man dazu nicht sagen. Das alles wird im Herzen empfunden. Unsere Worte jedoch löschen buchstäblich unsere Empfindungen aus, das Fundament dieser Worte, sodass das Gesagte leblos bleibt.

Das Problem ist: Du hast deine Worte vorbereitet, vielleicht sogar tief darüber nachgedacht – aber wenn du sie aussprichst, spürst du ihre Leere. Leer! Ohne etwas Echtes, das den Schöpfer berühren oder erschüttern könnte.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Zuerst fordern und bitten.“

 

Ein Patent für ein glückliches Leben

Glück – das ist die Erfüllung der schärfsten Wünsche des Menschen. In der Regel entsteht es im Kontrast zum Gefühl der Unzufriedenheit.

Zum Beispiel schenkt der Hunger das Gefühl des Genusses an der Speise, die Trennung – das Gefühl der Freude beim Wiedersehen mit einem geliebten Menschen usw. Mit anderen Worten: Wir sind so geschaffen, dass wir das Positive nur aus dem Negativen heraus empfinden können.

Da stellt sich die Frage: Lohnt es sich überhaupt, nach Glück zu streben, wenn wir uns zuerst in Leiden stürzen müssen, um uns danach glücklich zu fühlen?

Die Sache ist die, dass die kabbalistische Methode dem Menschen ermöglicht, Glück gleichzeitig mit dem Gefühl des Mangels zu empfinden. Das heißt, in dem Moment, in dem ich etwas koste, empfinde ich sowohl die Sehnsucht nach diesem Geschmack als auch seine Erfüllung.

Ich muss das nicht zeitlich trennen – jetzt leide ich, und dann empfange ich. Deshalb haben Menschen, die sich mit der spirituellen Praxis beschäftigen, keine Frage der Zeit. Sie existieren außerhalb von ihr und durchlaufen gleichzeitig Zustände von Leiden und Erfüllung, Hunger und Sättigung.

Das ist die Weisheit der Kabbala – die Wissenschaft des Empfangens! Sie lehrt den Menschen, das Erwünschte nicht in einem Monat oder einem Jahr zu empfangen, sondern genau in dem Moment, in dem er es wünscht. Dabei wirken zwei sich scheinbar widersprechende Kräfte – Minus und Plus – gleichzeitig in einem Paar.

In unserer Welt gibt es das nicht. Hier gibt es einen großen Minus, zu dem wir praktisch keinen Plus erhalten. Das Empfangen von Genuss nach der kabbalistischen Methode hingegen ruft in uns selbst das Verlangen danach und seine Erfüllung hervor.

Frage: Aber wie kann man das tun? Wie kann man dennoch glücklich werden in dieser Welt?

Antwort: Das ist nur möglich, wenn ich mich nicht selbst, sondern durch andere erfülle. Darin liegt das Geheimnis des Glücks, denn mich selbst kann ich niemals erfüllen. Wenn ich aber die Wünsche anderer empfinde und in mich aufnehme, dann erfülle ich, indem ich sie erfülle, auch mich selbst – denn ihre Wünsche werden zu meinen. Es zeigt sich, dass ich mich selbst durch die Existenz in anderen erfülle.

Das Geheimnis besteht darin, dass ich aus mir heraustrete, außerhalb meiner selbst Wünsche entdecke, sie als meine annehme und erfülle. Das heißt, sowohl das Verlangen als auch seine Erfüllung befinden sich außerhalb von mir, doch genau das ist meine Seele.

Frage: Erfüllen wir dabei auch die materiellen Wünsche eines Menschen?

Antwort: Wir stillen alle seine Wünsche – aber nur in einem bestimmten Maß. Die materiellen Wünsche eines Menschen werden nur in dem Maß erfüllt, das für seine Existenz notwendig ist, nicht mehr. Die spirituellen Wünsche hingegen – in dem Maß, in dem wir gemeinsam aufsteigen wollen, denn mein Aufstieg und sein Aufstieg sind miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig.

So schenkt uns das Erfüllen der Wünsche anderer das Gefühl des Glücks.

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Aus der TV-Sendung „Kurze Geschichten“, Teil 2

Auf welches Gebet antwortet der Schöpfer?

Frage: Heute beginnen viele Menschen zu beten, selbst jene, die früher eher pragmatisch eingestellt waren. Die Frage lautet: „Was ist ein gutes Gebet?“ Das heißt, welches Gebet wird vom Schöpfer erhört?

Antwort: Der Schöpfer hört alle Bitten, alle Gebete! Die Frage ist nur, auf welche davon er antwortet.

Alles was ein Mensch verlangt, wofür er schreit, bittet oder fleht, all das wird gehört. Die entscheidende Frage ist: Worauf reagiert der Schöpfer?

Nur in dem Maße, in dem die Bitte von unten, also vom Menschen, mit Seinem Plan, mit Seinem höheren Willen übereinstimmt. Wenn unsere Wünsche mit dem Wunsch des Schöpfers übereinstimmen, dann geschieht es.

Frage: Was für ein Wunsch muss es in diesem Fall sein?

Antwort: Der Wunsch nach Annäherung, Verbindung und Verschmelzung der Menschen untereinander in völliger Ähnlichkeit zueinander, in einem Zustand der Liebe. Das ist es, was der Schöpfer will. Seine höchste Eigenschaft im Verhältnis zu den Menschen ist die Liebe.

Kommentar: Das heißt, egal in welchem Konflikt wir uns befinden, egal wie sehr wir uns hassen…

Antwort: Wir sind dennoch verpflichtet, zu dieser Verbindung zu gelangen.

Frage: Soll man darum beten, dass in einem die Liebe zu denjenigen entsteht, die man hasst?

Antwort: Ja.

Frage: Was ist Liebe?

Antwort: Liebe ist, wenn man sich mit all seinen physischen, moralischen, psychologischen und sonstigen Eigenschaften, Qualitäten und Kräften, vollständig darauf ausrichtest, allen außerhalb von einem zu helfen und sie zu erfüllen.

Liebe ist, wenn man sich vom egoistischen Denken abwendet.

Frage: Wird dieses Gebet erhört werden?

Antwort: Es wird mit Sicherheit erhört werden. Wenn man es wirklich will. Nicht wenn man es nur ausspricht, sondern wenn man es tatsächlich im tiefen Inneren wünscht.

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Aus der Fernsehsendung „Nachrichten mit Michael Laitman”

 

Zum Fest der Liebe

Frage: Der 15. Aw gilt laut jüdischer Tradition als Fest der Liebe. Die Menschen suchen ihr ganzes Leben lang nach Liebe. Man kann sagen, dass sie das begehrteste Gut ist. Es ist nicht leicht, sie zu finden und doch gibt der Mensch nicht auf und setzt seine Suche fort.

Selbst nach einer Enttäuschung, verlieren sie nicht die Hoffnung, von vorne anzufangen und eine neue Liebe zu finden. Man sagt, dass Liebe ein Wunder sei. Was macht die Liebe so anziehend, dass wir für sie zu allem bereit sind?

Antwort: Die Menschen suchen nach Liebe und können sie in dieser Welt nicht finden. Denn Liebe ist das Ergebnis der Verbindung unseres Verlangens, unserer Basis und seiner Erfüllung. In der Kabbala wird das Verlangen als Gefäß bezeichnet und das Licht als Füllung, denn die Schöpfung ist das Verlangen und der Schöpfer ist die Füllung.

Wir müssen diesen Zustand vollständig begreifen, damit unser Verlangen mit dem höheren Licht erfüllt wird und sich auf der Stufe der Höheren Kraft erhebt, indem es sich quantitativ und vor allem qualitativ entwickelt. Deshalb jagen wir ständig der Liebe hinterher.

Um zu verstehen, was Liebe wirklich ist, müssen wir auf die spirituelle Wurzel schauen, denn ohne sie können wir nicht verstehen was geschieht. Es gibt ein wichtiges Phänomen in unserem Leben das alle erfasst, denn niemand kann sich von der Liebe befreien und gleichzeitig weiß niemand, was sie wirklich ist.

Es wurden unzählige Romane und Bücher geschrieben, viele Filme gedreht, die ganze Menschheit dreht sich nur um das Thema Liebe, aber niemand weiß, was sie ist. Das liegt daran, weil die Liebe aus einer höheren Quelle stammt – vom Schöpfer, der die niedere Kraft, also die Schöpfung, erschaffen hat, damit diese sich dem Schöpfer annähert und sie in Liebe vereint.

Was könnte schöner sein! Das ist eine sehr bewegende Geschichte: Die höhere Kraft hat uns alle erschaffen, damit wir uns ihr nähern, uns umarmen und in Liebe verbinden. Wir verstehen aber nicht, was diese Liebe ist, denn sie muss wahrhaftig sein. 

Alle träumen von wahrer Liebe, besonders Frauen. Frauen spüren ein größeres Bedürfnis nach Liebe, aber auch sie wissen nicht, was sie wirklich ist.

Wahre Liebe bedeutet, dass man den anderen liebt und nicht sich selbst! Man erfüllt seinen Partner und man wird nicht durch ihn erfüllt. Es geht also überhaupt nicht um Sexualität, sondern darum, dass man alle Wünsche des anderen erfassen möchte und sich daran erfreut, ihn zu erfüllen. Das ist Liebe.

Eine solche Liebe kann völlig unabhängig von der Beziehung zwischen Mann und Frau sein. In der Kabbala werden der Gebende als „männlich“ und die Empfangende als „weiblich“ bezeichnet, unabhängig vom biologischen Geschlecht. Dieses Prinzip ist spirituell und geht über körperliche Unterschiede hinaus.

Um wahre Liebe zu erfahren, muss man sich über seinen Egoismus erheben. Man liebt nicht, weil es als angenehm oder schön erscheint, nicht wegen des Aussehens oder den Eigenschaften des anderen.

Man achtet weder auf ein schönes Gesicht, Beine, Haare, noch auf äußere oder innere Eigenschaften der Frau. Man sucht danach, wie man sie erfüllen kann, indem man sich über jede egoistische Einstellung ihr gegenüber erhebt.

In diesem Sinn kann auch ein Mann das Objekt spiritueller Liebe sein. Die Kabbala spricht von der Liebe zu Freunden, einer Verbindung, die weder körperlich noch intim ist, sondern auf gegenseitigem Geben beruht. Liebe bedeutet, dass jeder bereit ist, sein inneres Verlangen zu offenbaren, damit es vom anderen erfüllt werden kann und umgekehrt. So entsteht eine gegenseitige, bedingungslose Verbindung, die man als Verschmelzung bezeichnet.

Man spürt die innersten Wünsche seines Nächsten und bemüht sich, sie zu erfüllen, während er dasselbe für mich tut. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand Mann oder Frau ist, diese Art von Liebe ist rein spirituell und unabhängig von Körper oder Geschlecht.

In einer solchen Liebe kann es nicht einen geben der liebt und einen anderen der geliebt wird. Jeder ist gleichzeitig Gebender und Empfangender.

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Aus dem 601. Gespräch über das neue Leben

 

Der Anfang der Weisheit ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer

Kommentar: Im Buch Sohar heißt es: „Der Anfang der Weisheit ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer, ebenso der Beginn jeder Erkenntnis. Denn die Furcht gilt als Ursprung, sie ist das Tor, das zum Glauben führt. Auf diesem Gebot ruht die ganze Welt.“

Die Ehrfurcht vor dem Schöpfer ist das grundlegende Fundament, das alles durchdringt und trägt. Der Mensch empfindet Ehrfurcht vor dem Schöpfer, der die Wurzel von allem ist, alles lenkt und ordnet. Es existiert nichts außerhalb dieser Höheren Kraft, die alles umfasst.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der Mensch unabhängig vom Schöpfer existieren und selbst Entscheidungen treffen kann. So etwas gibt es in der Natur nicht. Nur der Schöpfer tut alles, deshalb ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer die Wurzel von allem. Den Schöpfer zu fürchten bedeutet, vor der Größe dessen zu fürchten, der überall herrscht und alles lenkt, als die einzige Kraft in der Welt, von der der Mensch zu hundert Prozent abhängig ist.

Es geht nicht darum, den Schöpfer zu fürchten, im Sinne von Angst, sondern darum, sich davor zu fürchten, sich von dieser allumfassenden Kraft zu trennen. Jeden Augenblick seines Daseins sollte der Mensch, als vom Schöpfer gesandt wahrgenommen werden. Das nennt man Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Der Schöpfer ist die gesamte Natur, einschließlich aller Naturgesetze, die Er festgelegt hat.

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Aus einem Unterricht zum Buch Sohar zum Thema „Ehrfurcht“

 

Der Casimir-Effekt oder der Schritt in eine höhere Dimension

Frage: Wenn man die Richtung zum Licht als positiv und die Richtung zur spirituellen Dunkelheit, zur Nacht, als negativ betrachtet und wir uns aus diesem Minuszustand ins Plus hocharbeiten sollen, wo befindet sich dann der spirituelle Nullpunkt? Was ist das für ein Zustand?

Antwort: Im Spirituellen gibt es keinen Nullpunkt. Wir können ihn uns nicht vorstellen.

Es gibt einen Zustand, der Klipa Noga (die leuchtende Schale) genannt wird, wenn man sich nicht entscheiden kann, zu welcher Seite man sich neigen soll: nur für sich, oder zur Eigenschaft des Gebens.

Dieser Zwischenzustand, der kein Gleichgewicht hat, wird als Null bezeichnet.

Man befindet sich zwischen zwei Kräften der Natur, eine dritte Kraft existiert nicht. Daher ist dieser Zustand instabil und erfordert von mir, sofort eine Entscheidung zu treffen.

Das heißt, der Nullzustand existiert nur in meiner persönlichen Wahrnehmung und nur in dem Moment, in dem ich endlich entscheiden muss, was ich tun soll!

Genau diesen Nullzustand erlebt man wie einen Abgrund… – denn man hat weder das eine noch das andere.

Das ist ein sehr guter Zustand, denn wenn man den vollständigen Nullpunkt spürt, hat man keinen Halt mehr.

Zu anderen Zeiten befindet sich der Mensch entweder im Geben (Heiligkeit) und er muss sich keine Sorgen machen, oder er befindet sich in egoistischen Wünschen (Klipa, Unreinheit) und fühlt sich wie ein Komplize des Pharaos.

Entweder genießt man das spirituelle Leben oder das materielle.

Ein Mensch, der Klipa Noga erreicht, hat das Gefühl, dass er keine Wahl hat: weder Plus noch Minus.

Man befindet sich plötzlich an einem Scheideweg, ohne einen Weg nach vorne. Ein völlig unbestimmter Zustand. Was vorher wie ein schmaler Spalt aussah, öffnete sich plötzlich, und man erkennt einen Abgrund!

Doch genau hier befindet sich der Zugang zur höheren Dimension. Wenn man sich in diesem Moment an den Schöpfer wendet und erkennt, dass es keinen anderen Weg gibt, dann erhebt man sich auf die Stufe höherer spiritueller Energie.

Es ist, als würde man in ein spirituelles Vakuum eintreten und dort den Schöpfer entdecken. In dem Moment, in dem man bereit ist, den Schritt zu tun kommt Er einem entgegen…

In der Quantenphysik wird ein ähnliches Phänomen als Casimir-Effekt bezeichnet: Wenn zwei ungeladene Leiter in einem Vakuum in geringem Abstand voneinander platziert werden, beginnt Energie aus dem Vakuum in sie zu fließen und erzeugt eine Kraft, die sie zueinander hinzieht.

Führt dieses physikalische Experiment durch und man erhält einen anschaulichen Beweis für die Existenz des Schöpfers!

 

Aus dem Abendunterricht zum Buch Sohar

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