Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Gebet'

Eine Bitte, die man nicht ablehnen darf

Ein Gebet soll direkt zum Ziel gerichtet sein und von keinen speziellen Bedingungen abhängen, mit deren Hilfe ich mehr Hindernisse überwinden kann, stärker und konzentrierter arbeiten kann. Wenn ich beginne, meine Bitte so zu formulieren, dann sind meine Gedanken bezüglich des Ziels unrein, weil ich eben irgendwelche Bedingungen aufzähle. Eigentlich brauche ich nur das Eine: mich selbst zu annullieren, die Stufe des Embryos zu erreichen, damit mein altes „Ich“ verschwindet.

Ich verwandle mich in den Samentropfen, aus welchem ich mich einst entwickelt habe. Ich will solchen Zustand erreichen, in welchem von mir nichts übrig bleibt, außer diesem spirituellen Gen, das aus der höheren Stufe hinuntergestiegen ist. Ich will mich daraus, aus dem Punkt im Herzen, aus der Wurzel meiner Seele entwickeln, die nicht mehr egoistisch oder zerbrochen ist.

Heute ist sogar mein Punkt im Herzen zerbrochen, weil meine Bestrebung zum Schöpfer egoistisch ist, ich handele, um Ihn zu begreifen, um zu gewinnen, zu verstehen, zu fühlen. Aber ich wünsche, dass meine Herangehensweise sich verändert und mein Punkt im Herzen den anderen Charakter erwirbt, nur für das Geben arbeitet. Darum bitte ich.

Das heißt, ich will keine bestimmte Form annehmen: ich fordere weder die Kraft noch das Verständnis oder die Sensibilität. Ich bitte nur um die minimale Verschmelzung! Ich danke dem Schöpfer für meine Erschaffung und für die gegebene spirituelle Bestrebung, ich flehe ihn an, damit meine spirituellen Gene (Reshimot), dieser Punkt, der Tropfen, sich an Ihn anbindet und entwickelt.

Alle übrigen Bitten sind schon überflüssig und werden niemals richtig formuliert sein. [121368]

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 25/11/13

Angezogen vom Zentrum

Frage: Wenn wir uns in der Verbreitung an die Öffentlichkeit engagieren, stoßen wir auf Situationen, in denen die uns begegnenden Ansprüche weit unsere Fähigkeiten übersteigen. Wie können wir damit umgehen?

Antwort: Das Wichtigste ist, dass du einen intensiven Wunsch danach hast, anderen zu helfen. Er sollte die Intensität und Schärfe erreichen, der dich mit neuen, genaueren Unterscheidungen versorgt. Du verstehst dann, was MAN ist – die Sehnsucht nach Korrektur, welche einer inneren Klärung entspricht.

Die Vorstufe davon ist, dass du in die Mitte der Gruppe einbezogen werden willst, da dies der einzige Ort ist, an dem du deinen Mangel erfüllen und erhöhen kannst. Dies geschieht dann, wenn du die Quelle des Lichts in der Mitte der Gruppe entdeckst, die Quelle der Kraft der Verbindung und Einheit. Du kannst sehen und verstehen dass du bereits in der Nähe von MAN bist, gemäß deiner Anziehungskraft auf die Mitte der Gruppe. Sie ist dort, damit du entdeckst, dass du sie erfüllen kannst.

Kommentar: Meine Freunde und ich fühlen es bereits..

Antwort: Das ist schön. Plötzlich sind sie lieb zu dir. Zuerst hast du dich nicht um sie gekümmert, und die Ratschläge der Kabbalisten erschienen dir wie trockene Worte in den Büchern. Doch nun wirst du durch ein inneres Bedürfnis heraus, das du von anderen und von der Öffentlichkeit erhältst, zu ihnen hingezogen.

Die Freunde sind jetzt wichtig, da du ohne sie nicht in der Lage bist, dich zu erfüllen. Du kannst deine Seele nicht finden – die Krönung deiner Arbeit – bis du nicht alles miteinander verbindest, so dass die Mängel der Öffentlichkeit durch dich in die Mitte der Gruppe und zum Schöpfer gelangen. [118735]

Aus dem 1. Teil der täglichen Kabbala Lektion 15/10/13, 

Wie kommt man zum Tor der Tränen?

Kongress in Bulgarien. Lektion 4

Frage: Es wird gesagt, dass wir zum “Tor der Tränen” kommen sollen. Wie können wir sichergehen, dass wir uns selbst nicht täuschen?

Antwort: Wir können uns selbst nicht täuschen, weil man uns von oben so schüttelt, dass wir im Endeffekt unbedingt zur wahren Bitte an den Schöpfer über die spirituelle Rettung kommen werden. Wir sollen einfach versuchen, alle Forderungen maximal zu erfüllen um den Prozess der Entwicklung zu beschleunigen. Ich verspreche es ihnen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie diese Methode funktioniert.

So entwickeln wir uns eben. Die Hauptmasse der Menschen, die alltäglich an unserer Entwicklung teilnimmt, geht vorwärts, und ich hoffe, dass es wirklich, in der allernächsten Zeit beginnen wird, allen sichtbar zu werden.

Schon heute können wir sicher sein, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden, weil die Tora und andere kabbalistische Bücher es uns klar machen. Ihr beginnt zu fühlen und zu verstehen, worüber dort erzählt wird. Deshalb macht euch keine Gedanken, ihr werdet früher oder später dennoch weinen.

Die Tränen sind Bestätigung für eigene Kraftlosigkeit, für den kleinen Zustand („Tor der Tränen“), in dem ich nichts tun kann und verstehe, dass nur der Schöpfer alles erfüllen kann.

Frage: Aber wie kann ich prüfen, dass ich dazu wirklich gekommen bin, und mich selbst nicht betrüge?

Antwort: Macht euch keine Sorgen, euch wird bald alles klar werden. Macht alles, was von euch abhängt, und in euch werden unerwartet alle neuen Zustände offenbart werden. Es sind die neuen Reshimot. Wenn diese offenbart werden, dann erscheinen beim Menschen die neuen Empfindungen. Geht einfach vorwärts und ihr werdet sehen, wie alles von sich aus entsteht. [120253]

Auszug aus der 4. Lektion des Kongresses in Bulgarien, 01/11/13

Um andere bitten

Frage: Wie kann man um das Licht für die leidenden Menschen bitten, und gleichzeitig den Schöpfer rechtfertigen?

Antwort: Zuerst muss man die Korrekturen begehen. Ich bete zum Schöpfer anders: „So, wie Du mir als Gut und das Gute schaffend offenbarst wirst, ohne ein Körnchen des Bösen in Deinen Taten zu haben, und mich mittels Leiden zum Guten richtest, auch wenn ich diese Leiden mit dem Schmerz offenbare, verstehe ich dennoch, dass alles nur zum Guten ist, weshalb ich Dich darum bitte, Sich den anderen Menschen zu offenbaren, um Dein Wohl ihnen zu zeigen“.

Man kann anders fragen: wie können wir den Schöpfer für die eigenen Leiden rechtfertigen?

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass alles zum Guten führt. Die schlimmsten Ereignisse, Mängel, Finsternis, wird in Form des „Materials“ der nächsten Stufe offenbart. Das alles ist für unsere Entwicklung notwendig, weshalb wir sowohl für das Böse, als auch für das Wohl danken und Ihn segnen.

Was die anderen Menschen betrifft: wir fühlen, dass die Welt leidet, und sollen uns damit an den Schöpfer wenden. Wir sollen uns an den Schöpfer wenden und dabei erkennen, dass es in Wirklichkeit den Menschen an einer Sache – an der Offenbarung des Schöpfers mangelt. Nur die Enthüllung des Schöpfers wird alle ihre Probleme sofort lösen. Denn der ganze Überfluss stammt vom Licht. Erst dann werden sie sich als reich, gesund und erfolgreich fühlen.

Dementsprechend wende ich mich an den Schöpfer und sage : „Bitte, helfe ihnen, damit ihnen Dein Wohl offenbart wird“. Denn es tut mir weh, wenn sie Dich verfluchen.

Leidend, verflucht der Mensch automatisch, ohne ein Wort zu sagen, den Schöpfer. Somit zwingt ein beliebiger Zustand, der niedriger als „der Kreis“ der Unendlichkeit liegt, im selben Maß auch mich, Ihn zu verfluchen. Dabei sind meine Schlussfolgerungen unwichtig, denn meine Empfindung reicht vollkommen.

Frage: Wie kann man sich die Offenbarung des Schöpfers in ihnen und in mir richtig vorstellen?

Antwort: Ich verlange für mich keine Offenbarung, ich brauche nur die Möglichkeit, Ihm und ihnen zu dienen. Ich möchte dem Schöpfer mittels meiner Bemühungen dienen. Es ist eben die Arbeit, die auf mich, auf das „Bindeglied“ auferlegt ist. [120275]

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 11/11/13

Zwei Gebete: Das persönliche und das der Gruppe

Es gibt zwei Gebete. Das erste Gebet (МaN ) existiert, um sich in АCHaP des Höheren einzureihen, der die in ein Ganzes verbundene Gruppe repräsentiert. Galgalta Ejnaim des Unteren, die sich mit dem Höheren verbindet, bin ich, der sich in die Gruppe wie in eine Gebärmutter einfügt, d.h. ich möchte in der Umgebung existieren, die auf mich einwirkt und mich vollständig versorgt.

Innerhalb dieser Gebärmutter gibt es allerlei Systeme, die für mein Wohlbefinden verantwortlich sind. Ich muss an nichts mehr denken, außer darin eingeschlossen und aufgenommen zu werden. Die drei ersten Tage der Aufnahme des Samens sind das Wichtigste.

Durch mein Verlangen zur Verbindung mit dem Höheren erwecke ich Ihn und zwinge Ihn, den großen Zustand zu erreichen. Ich wende mich an die ganze Gruppe, weil mir klar ist, dass ich alleine keine Chancen auf Erfolg habe. Deshalb erwecke ich die Gruppe und bete darum: “Lasst uns das Licht, die Kraft der Korrektur vom Schöpfer empfangen, die in uns offenbart wird”. Sie wird in uns offenbart, um die Verbindung zwischen uns zu festigen und zu entwickeln. Als würden wir unseren Inkubator bauen und gemeinsam drum bitten

Das erste МaN ist mein persönliches Gebet, dank dem ich mich in die Gruppe einreihe. Und das zweite Gebet ist allgemein, da wir uns zusammen wie eine Gruppe an den Schöpfer wenden. Der Schöpfer beginnt, sich zu offenbaren, denn als Antwort auf das gemeinsame МaN kommt sofort die Antwort, МaD. [118792]

Auszug aus dem Unterricht nach „TES“, 13/10/13

Das allerwichtigste Gebet

MaN ist eine Handlung, die aus dem Verlangen und nicht aus der Vernunft stammt. Dieses Gebet ist aus dem gemeinsamen Verlangen Bina und Malchut geboren. Wir müssen ein solches Gebet erheben. Wir müssen erkennen, dass es für uns sehr wichtig ist. Das heißt „Erhebung“.

Die gesamte Maßskala befindet sich in meinem Inneren. Ich habe allerlei Forderungen und Verlangen, die ich nach bestimmten Prioritäten ordne. Die oberste Priorität muss ich jedoch der Kraft der Vereinigung geben, innerhalb welcher ich den Schöpfer offenbaren will, um Ihm dadurch Freude zu bereiten.

Sobald ich alle Handlungen, alle Verlangen so verteile, dass die Vereinigung wichtiger als alles anderes ist, erhebe ich МaN. Ich stelle die Notwendigkeit der Vereinigung, der Korrektur und der Offenbarung des Schöpfers (für Seinen Genuss) an die oberste Stelle. Das heißt „Aufstieg“.

Ich schicke diese Bitte weder per Post, noch per SMS zum fernen Stern. Alle Welten befinden sich innerhalb des Menschen – dort fängt alles an, verwirklicht sich und geht zu Ende – alles existiert in seinem Bewusstsein. Deshalb muss ich mich so organisieren, dass sich alle meine Verlangen auf einer Prioritäten-Linie befinden – äußerliche materielle Verlangen: Nahrung, Sex, Familie, Geld, Ehre, Wissen, sowie die Verlangen, die sich dieser Welt entziehen. Auf der obersten Stufe dieser Treppe der Prioritäten muss sich mein Verlangen befinden, den Schöpfer durch unsere Verbindung Zufriedenheit zu geben, um Ihm zu ermöglichen, in uns offenbart zu werden.

МaN bedeutet „Mejn Nukwin“ (weibliche Gewässer). Das Wasser ist Bina, und die Frau, Nukwa, ist Malchut. Somit verbinde ich in meinem Gebet Bina und Malchut; ich verbinde die Teilchen des Verlangens, die Teile Malchuts, mit Hilfe des Wassers – der Barmherzigkeit (Chessed) – mit der Eigenschaft Bina. Ich will, dass sie gemeinsam existieren. Ich erhebe diese Bitte, ich will mich mit anderen dank der Eigenschaft der Barmherzigkeit, Bina, mit der Eigenschaft des Gebens verbinden.

Deshalb heißt meine Bitte „weibliche Gewässer“ oder МaN. Ich erhebe sie; ich halte sie für das Wichtigste. Wenn ich mich bemühe, dieses Verlangen im Herzen mit allen Mitteln zu empfinden, dann ist das ein wahres Gebet: die Erhebung von МaN oder die Absicht.

Je nach meinen Bemühungen, es zu tun, wirkt auf mich das Licht, das zur Quelle zurückführt; es weckt in mir eine Menge verschiedener Zustände: Gedanken und Gefühle für die Einheit – und dagegen, für das Geben – und dagegen. Auf diese Weise durchlebe ich verschiedene Zustände, damit ich mehr verstehe, fühle und mehr Erfahrung sammle. So wird mir allmählich klar, was ein wahrhaftes Gebet, МaN, bedeutet

Auf diesem Weg werde ich Enttäuschung und Ungeduld erleben, Angst haben, keinen Erfolg zu haben. Ich werde auch Verwirrung bezüglich der Form des erwarteten Erfolgs empfinden: Tue ich alles für mich selbst oder für die Zufriedenheit des Schöpfers? Hier hilft es sehr, sich das ganze Universum vorzustellen: Die unbelebte Natur, Pflanzen, Tiere, Menschen – alle in Form der eigenen Verlangen, die von mir infolge des Zerbrechens abgetrennt wurden.

Sie erscheinen jetzt vor mir und ich muss sie alle mit mir verbinden, obwohl es mir so vorkommt, als würden sie sich außen befinden. Ich muss mich bemühen, mich dazu so zu verhalten, als würde das alles in meinem Inneren existieren. Dann werden meine Bemühungen auch Gebet – МaN genannt.

Indem ich an der richtigen Wahrnehmung der Realität arbeite und alle ihre Teile mit der Hilfe der Eigenschaft der Barmherzigkeit verbinde, bringe ich das allgemeine Gefäß zu seiner ursprünglichen Form, das heißt dem korrigierten Zustand näher. [118505]

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar. Vorwort 15/10/13

Ich träume davon, zum Sklaven des Gebens zu werden [117036]

Es wird gesagt: „Der Becher des Segens soll voll sein“. Damit das Licht an mir arbeitet, muss ich es darum bitten, dass es alle meinen Verlangen korrigiert.

Ich weiß nicht, welche Verlangen das sind, auch nicht um die Korrektur welchen Teils ich bitte, aber es soll das volle Maß sein. Mir ist nicht bekannt, wie es geschieht und ob ich in die richtige Richtung gehe, um die nötigen Verlangen zu klären. Ich muss einfach ständig daran arbeiten, um mich den Gedanken, den Verlangen und den Handlungen des Gebens hinzugeben und mich in die Gruppe zu integrieren. Bis ich das richtige Gebet erhebe, das eigentlich vom Schöpfer selbst hervorgerufen wird.

Das wahre Gebet ist eine Folge der Einwirkung des Lichts. Denn wir tun außer der Vorbereitung nichts selbst. Das Gebet an sich ist schon das Ergebnis  aller Handlungen und Vorbereitungen, die dem Gebet voraus gehen.

Das Licht wirkt auf uns mittels der kleinen Funken, in der Dunkelheit, in den Zuständen der Hilflosigkeit und Kraftlosigkeit. Bis unsere Verzweiflung an die Grenze gelangt, an welcher der Mensch zu allem bereit ist, nur um zum Sklaven der Eigenschaft des Gebens zu werden, die über ihn herrschen möge und alle seine Gedanken und das Herz ausfüllt.

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 16.09.2013

Jede beliebige Arbeit soll mit dem Gebet enden [116953]

Die Hauptaufgabe des Menschen in dieser Welt ist seine ständige Bereitschaft zum Gebet. Dies ist die einzige Handlung, die etwas bewirken kann. Wir strengen uns physisch, im Herzen, im Gedanken und im Verlangen an, aber diese Tausende Handlungen in den tausenden von Jahren sind im Endeffekt nur dafür nötig, um das Gebet, den Schrei, das richtige Verlangen zu erlangen. Wenn es uns gelingt, das eigene Verlangen richtig wahrzunehmen, dann wird es uns auch gelingen, die Höhere Kraft an uns heranzuziehen, die alles vervollkommnen wird.

Nur das Licht wirkt und nur wir (die Menschen mit dem Punkt im Herzen) können das Licht zu Handlungen erwecken. Und alle anderen Menschen werden dies niemals können oder nur in kleinem Maß, entsprechend dem natürlichen Zeitverlauf oder unseres Einflusses auf sie. Darüber wird es gesagt, dass „die Völker der Welt keine Verbindung mit der Höheren Kraft, mit dem Schöpfer haben“. Das allgemeine Verlangen zu empfangen kann sich entsprechend seiner Struktur nicht direkt mit dem Schöpfer verbinden, sondern nur durch die Menschen, in denen es einen spirituellen Funken gibt.

Deshalb entfernen wir uns selbst und die ganze Welt von dem Schöpfer, wenn unsere Zustände es nicht zulassen, uns selbst zu erwecken. Mit Hilfe der hinaufsteigenden bösen Kräfte, der Empfindung eigener Entfernung und des Begreifen des Bösen, kommen wir weiterhin voran, aber tun das auf dem unerwünschten Weg.

Nur wir, die Menschen mit dem Punkt im Herzen können beten. Und alle anderen tun es entweder aus Gewohnheit, die von der Kindheit aufgepfropft ist, oder aus einfachen egoistischen Motiven. Das egoistische Gebet ist sogar besser, weil der Mensch über seinen Schmerz schreit. Jede beliebige Unzufriedenheit ist schon ein Gebet, ein Schrei zum Schöpfer, selbst wenn der Mensch dabei gar nicht an den Schöpfer denkt. Es ist schon eine Bitte, die nach oben gerichtet ist. Diese Bitten sammeln sich infolge der Bedürfnisse von Milliarden Menschen an und erwecken im Endeffekt sowohl diese Menschen selbst als auch das höhere Licht in der allgemeinen Form.

Folglich kommt das höhere Licht durch uns zu ihnen, so dass die allgemeine Struktur sich nicht ändert. Selbst wenn wir mit dem Licht nicht richtig arbeiten können, ist es anwesend und existiert. Folglich wird es von uns angezogen und stößt an eine Wand, weil wir uns im Exil befinden und immer noch nicht fähig sind, an die Völkern der Welt zu denken.

Somit sind wir vom Schöpfer entfernt, weil wir kein Gebet an Ihn richten; und wir sind auch von den Völkern der Welt entfernt, weil wir ihr Gebet nicht nach oben weiterleiten. Wir verlieren doppelt. Darüber sollten wir nachdenken!

Die Probleme und die Nöte werden so lange nicht zu Ende gehen, bis das Volk Israel seine wahre Mission realisiert und zur höheren Stufe für die Völker der Welt wird, um dem Höheren das doppelte Gebet zu übergeben: Das eigene und das Gebet der ganzen Welt.

Daraus sollen wir praktische Schlussfolgerungen für unsere Arbeit mit dem breiten Publik ziehen, also mit jenen, die selbst keine Verbindung mit dem Schöpfer herstellen können und deshalb als „Völker der Welt“ bezeichnet werden. Unabhängig davon, wie vollkommen, geschickt, professionell diese Arbeit mit den Menschen sein wird, wird sie solange keine“ richtigen Früchte“ bringen, solange sie nicht in einem Gebet endet.

All unsere Anstrengungen dienen nur dazu, uns zu wahren Bitte zu bringen. Wir verbreiten von Anfang an, weil uns der Schöpfer („Ich – Der Erste“) dahin schickt, um infolge der eigenen Handlungen das doppelte Gebet zu erreichen – indem wir die Verlangen der  Menschen aufsammeln und das eigene Verlangen erwecken. Dann können wir für sie bitten und aus uns ein Verbindungsglied machen, das für die Menschheit sorgen kann. Denn der Schöpfer uns den Punkt im Herzen verliehen.

Durch diese Arbeit mit dem Publikum erreichen wir das Aufsteigen des Gebets – die Arbeit, die Israel auferlegt ist. Hier gibt es schon alle drei notwendigen Komponenten für eine spirituelle Handlung: Die untere Stufe ist das Publikum, die nächste Stufe sind wir und die höchste Stufe ist der Schöpfer. So arbeiten wir zusammen.

Wenn wir vor und nach der Handlung daran denken, dann ist unsere Handlung gesegnet und erfolgreich. Darüber wird es gesagt, dass „der ältere Bruder das Doppelte bekommt“ – für sich und für den jüngeren Bruder.

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 22.08.2013

Die Offenbarung des Bösen ist kein Anlass, zu trauern [116722]

Frage: Es wird gesagt, dass ein Gebet mit der Dankbarkeit anfangen soll. Gibt es die Dankbarkeit in den Gebeten am Tag der Sühne (Jom Kipur)?

Meine Antwort: Vor allem sind die Gebete am Tag der Sühne mit den Gebeten zum jüdischen Neuen Jahr (Rosch ha-Schana) verbunden, die dazu berufen sind, den Schöpfer, wie den König der Welt „zu krönen“. Dadurch erheben wir das Ziel, das Geben, die Liebe, die großen Eigenschaften, die wir erreichen sollen. Sie lenken die ganze Welt, halten sich überall auf, und herrschen über alles.

Der Schöpfer ist gerade die Eigenschaft des Gebens und der Liebe. Er hat keine andere Gestalt, so kleidet Er sich in die Gefäße ein, und so erkennen wir Ihn, die Kraft, die im Geschöpf gilt. Wir respektieren, schätzen und erhöhen diese Eigenschaft über alles.

Die Bedeutung des Neuen Jahrs: wir rühmen „den Kopf“ (Rosch) – die Eigenschaft des Gebens. Sie ist das Wichtigste und lenkt alles in uns, sie zieht uns an und wir wollen sie erlangen, ihr gleich werden, sich ihr anschließen.

Der Tag der Sühne zeigt uns, wie weit wir davon noch entfernt sind. Wir prüfen uns nach und bringen die eigenen Mängel an den Tag, wir sehen, dass es uns an den Korrekturen mangelt, um die vollwertige, vollkommene Eigenschaft des Gebens zu finden. Wir bedauern es, und bereiten unsere Mängel für die nächste Korrekturarbeit vor.

Dann folgen die Tage der Korrektur, die mit Purim beendet werden.

Frage: Gibt es am Tag der Sühne nur das Bedauern darüber, dass wir noch nicht korrigiert sind?

Meine Antwort: Das ist eben die große Freude. In Wirklichkeit freue ich mich und bin nicht am Weinen. Denn mir werden die zerbrochenen Gefäße offenbart, die ich jetzt korrigieren kann.

Mein Bedauern, meine Buße ist mit der Freude verknüpft: endlich habe ich in mir das Böse offenbart und zittere jetzt mit dem Verlangen, das Böse zu korrigieren. Ich bin über diese Offenbarung froh und dankbar.

Versuche, die Gebete am Tag der Sühne mit der Freude, anstelle des Weinens auszusprechen und du wirst in ihnen etwas ganz anderes bemerken.

Wie kann man in der Nähe vom Schöpfer weinen? Denn du zeugst jetzt, während der Zeit des Bedauerns, dass der Schöpfer deinen Zustand hervorgerufen hat, was bedeuten würde, dass der Schöpfer für dich nicht mehr gut ist, und das Gute nicht schafft? Diese Empfindung soll im Prinzip niemals vorkommen.

Der Schöpfer offenbart das Zerbrechen in dir, damit du dich freust, diesen Mangel korrigierst und Ihm selbständig gleich wirst. Und umgekehrt, wenn Er dich Sich gleich ohne selbständige Teilnahme geschaffen hätte, dann würdest du an Ihm, wie das Klebeband kleben.

Aber Er hat dir jetzt ermöglicht, die Unterschiede zu erkennen, Er hat die Situation vorbereitet, die dir sagt: „In diesen Eigenschaften unterscheidest du dich von Mir. Erfülle die Arbeit und du wirst, wie Ich sein“.  Wirst du wirklich deswegen weinen, dass Er mit dir so gehandelt hat, und dir jetzt die Chance gibt, Ihm gleich zu werden?

Im Gegenteil, du freust dich: „Ja, wir sündigten und gingen fremd. Ja, ich bin schuldig, bin ein Dieb und ein Lügner …“ Und du genießt deine innere Offenbarung. Du bist darüber froh, dass Er dich geschaffen hat und dir vorführt, mittels welcher Veränderungen man die Verschmelzung mit Ihm erlangen kann.

Es ist eben das Dienen dem Schöpfer, die Arbeit für den Schöpfer. Muss man dabei weinen? Du befriedigst doch den Schöpfer dadurch. Du erkennst, dass Er das alles für dich vorbereitet hat, und bist dafür dankbar, dass Er dich anders geschaffen hat.

Eigentlich, küsst du den Stab, die Peitsche, und neutralisierst dadurch den bösen Anfang. Jetzt ist er schon nicht böse, denn dank dem Wechsel deiner Beziehung ist er gut geworden.

Frage: Freuen wir uns, weil wir das Gegenteil zum Schöpfer in uns offenbart haben?

Meine Antwort: Nein, wir sind darüber froh, dass Er uns die Möglichkeit gewährt, Ihm gleich zu werden. Ich bin Ihm für die ganze Vorbereitung, für Seine Barmherzigkeit zu mir, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft dankbar. Alles, was Er macht, das Zerbrechen und die schrecklichen Nöte, die uns geschickt wurden, ist eigentlich die vollkommene Barmherzigkeit. Wir werden gerade diese Empfindung offenbaren. Und alles hängt von meiner Lebensauffassung ab, die ich ändern soll.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel von Rabasch, 13.09.2013

Dem Schöpfer einen Genuss bereiten

Frage: Was bedeutet es „Dem Schöpfer einen Genuss zu bereiten“?

Meine Antwort: Dem Schöpfer einen Genuss zu bereiten bedeutet, für Ihn einen Platz frei zu machen, damit Er sich in seinen Geschöpfen offenbaren kann.

Frage: Kann man dann sagen, dass die Absicht, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, gerade die Handlung ist, die uns bei der Befreiung von der Selbstsucht und bei der Vereinigung mit anderen hilft?

Meine Antwort: Ja. Die Absicht, dem Schöpfer einen Genuss zu bereiten, soll an erster Stelle stehen, und davon ausgehend bauen wir unsere übrigen Handlungen auf.

Auszug aus dem Unterricht „Fragen und Antworten“, 25.08.2013