Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Das weltweit bekannte Gesetz der Harmonie

Aus dem ersten Gespräch über die integrale Erziehung (Dr. Michael Laitman and Psychologe Anatoly Ulianov)

Frage: Was genau meinen Sie damit, wenn Sie über Harmonie sprechen?

Meine Antwort: Harmonie – das ist ganz einfach. Harmonie zeigt sich dadurch, dass in unserer Natur zwei Kräfte existieren, die Kraft des Gebens (positiv) und die Kraft des Empfangensn (negativ), die sich auf den verschiedenen Niveaus (biologisch, physikalisch, moralisch usw.) als ein ausgeglichenes System zeigen.

Wenn sie einen menschlichen Organismus ausgleichen, dann ist die Rede von seinem absolut guten gesundheitlichen Zustand. Sind die Kräfte ausgeglichen in unserer Natur, bedeutet das, dass sie sich in einer absoluten Ruhe befindet. Ein Ungleichgewicht führt allerlei Bewegung herbei. Selbstverständlich ist Ungleichgewicht nötig, da es uns die Empfindung des Lebens gibt. Die ständige Wechselwirkung zweier Kräfte in ihren bestimmten Rahmen und die Schwankungen im Verhältnis zueinander erschaffen in uns das Gefühl des Lebens.

Zum Beispiel die Ausdehnung und die Zusammenziehung des Brustkorbs, des Herzens und anderer Organe sind in der gegenüberliegenden Kraft gegenseitiger Bewegung aufgebaut, welche sich unterstützen und einander ergänzen. Das Leben ist das, was zwischen ihnen entsteht mit der Folge der korrekten harmonischen Wechselwirkung.

In unserer Sicht der Entwicklung werden wir dazu kommen, dass die menschliche Gemeinschaft gezwungen wird, gerade solch eine Lebensweise zu erreichen, in der alle Teile in gegenseitiger Bewegung schwingen.

Aber diese Schwankungen werden wie das Atmen sein, ein gegenseitiges Verursachen zu einander sowie die Kraft des Gebens, die zugleich der Kraft des Nehmens ist.

Sie werden abwechselnd zwischen einander zusammenwirken: Wie viel wir der Natur abgeben, so viel müssen wir von ihr zurückbekommen; wie viel wir empfangen, so viel sind wir schuldig abzugeben.

Erst dann werden wir in einem Zustand der gegenseitigen Unterstützung, in Harmonie leben. Die Natur, die uns zwischen ihren zwei Hauptkräften in eine Gleichgewichtslage bringt, nämlich die Kraft des Gebens und die Kraft des Nehmens, vermutet, dass wir verpflichtet sind, zur Harmonie zu kommen. Das ist ein gemeinsames Ziel. Mit diesem weltweiten Rahmengesetz können wir nichts tun.

Wir können nur verstehen, wohin wir gehen und wie wir korrekt, freiwillig und bewusst in der äußerlichen Ausführung des verpflichteten Gesetzes sind.

In dieser Hinsicht werden wir die Harmonie nicht nur im Endzustand empfinden, sondern auch auf jeder Stufe der Entwicklung.

Wenn die Freiheit schlimmer als Gefangenschaft ist

Aus dem ersten Gespräch über die integrale Erziehung (Dr. Michael Laitman and Psychologe Anatoly Ulianov)

Frage: Ich kenne einige Menschen, die genau so leben, wie Sie vorher beschrieben haben. Es sind Menschen mittleren Alters, die sich so einen Kokon erschaffen haben. Wollen Sie sagen, dass auch sie in ihren vier Wänden wegen innerer Unruhe nicht mehr sorglos leben können?

Meine Antwort: Es gibt sowohl eine innere, als auch die äußere Unruhe. Die Welt befreit sich von aller überflüssigen Produktion, und mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen werden bald nicht mehr gebraucht. Sie werden sich in einem Zustand der absoluten Leere wiederfinden, weil sie an die jetzige Sklaverei gewöhnt sind.

So existiert praktisch die gesamte Erdbevölkerung. Man verlässt um 6 Uhr morgens das Haus, nimmt sein Kind mit (wenn man die Kinder hat), bringt es in den Kindergarten, fährt zur Arbeit, kehrt abends nach Hause zurück, muss unterwegs noch einkaufen und das Kind wieder abholen. Abends haben Eheleute dann etwa eine halbe Stunde Zeit, um das Kind zu versorgen, es ins Bett zu bringen, ein Fertiggericht zu essen – so vergehen die Tage.

Bald bekommen die Menschen viele freie Zeit, aber sie werden sich verloren fühlen, weil sie aus ihrem gewohnten Rahmen herausfallen. Das ist viel schlimmer! So ein innerer Zustand der Freiheit ist viel schwieriger zu ertragen als die Gefangenschaft.

Wenn ein solcher Mensch dann keine Füllung aus einer anderen Quelle empfängt, keine gewöhnlichen Grenzen, keinen Rahmen, keine bestimmten Verpflichtungen und Abhängigkeiten mehr verspürt, werden wir große Probleme haben.

Wir müssen verstehen, dass ein Mensch bald nur zwei bis drei Stunden seiner Zeit am Tag für alles Notwendige verbrauchen wird: Arbeit, Selbstversorgung und Kontakte. Die restliche Zeit, mindestens 20 Stunden, wird er sich selbst überlassen bleiben.

Um dieses System im Gleichgewicht zu halten, müssen wir alle: Soziologen, Politologen, Psychologen die Rahmenbedingungen neu erfinden, die die Menschheit braucht, um sich wieder engagiert und glücklich zu fühlen, um ihr volles inneres Spektrum an Gefühlen zu empfinden, was uns ein großartiges Lebensgefühl und sogar etwas darüber hinaus geben wird.

Es ist gar nicht so einfach, zurechtzukommen, wenn ein gewisser Rahmen und Verpflichtungen fehlen, kein Druck empfunden wird, wenn man nicht schwer arbeiten muss, um mehr zu verdienen und den Erfolg gerne den Nachbarn zu demonstrieren.

Wir werden eine völlig andere Einstellung zu uns selbst erhalten, zur Gesellschaft, zum Leben, das dann ein anderes Bewusstsein hervorruft. Es ist ein ganz kompliziertes System. Wir müssen vom gewünschten Endergebnis ausgehen, vor allem von den Rahmenbedingungen der Natur.

Die Natur wird uns zwingen, auf jegliche überflüssige Produktion zu verzichten. Die Mittelschicht wird dann praktisch ausradiert. Es bleiben nur die obere Schicht, die die Entscheidungen trifft, nicht so viele Beamten und ganz viele Arbeitslose. Nur 10% Erdbevölkerung werden arbeiten, um den Rest der Bevölkerung zu versorgen. Nur diese 10% werden gebraucht, und alle andere werden nicht mehr benötigt.

In der Wirklichkeit ist Menschheit dafür geschaffen, dass diese 90% etwas ganz anderes tun sollen: sich selbst vervollkommnen und eine richtige Verbindung zwischen allen erschaffen. Sie werden jene integrale, globale, harmonische und in sich geschlossene Umgebung schaffen, die die ganze Gesellschaft ins Gleichgewicht mit der Natur bringen wird. Erst dann wird unsere Existenz berechtigt sein.

Angenommen, es bleiben nur diese 10% der Bevölkerung übrig, die etwas produzieren. In diesem Fall wird das Ziel der Schöpfung nicht erreichbar. Das Ziel der Schöpfung besteht darin, dass alle Bestandteile der Natur: unbelebte, pflanzliche, tierische und menschliche, eine absolute Harmonie miteinander erreichen. Nur dann wird unser System vollständig ins Gleichgewicht kommen.

Ohne Einheit der Familie gibt es keine Einheit der Menschheit

Frage: Wie wichtig ist die Familie für den Aufbau der Integralgesellschaft? Wie soll sie in der neuen Welt aussehen?

Meine Antwort: Die Familie wird sich verändern. Heute werden viele Familien zerstört, und sie werden weiterhin auseinander fallen. Aber wenn wir über die Selbstsucht aufsteigen werden, um uns mit anderen in einer integralen Beziehung zu verbinden, dann werden wir erkennen, dass man über unserem Egoismus ein System normaler, richtiger, guter Kommunikation aufbauen kann: man kann entweder unten als Einzelgänger-Egoist auftreten, oder oben ein ganz anderes System der gegenseitigen Verbindung und der Vereinigung aufbauen.

Dann werden und wir uns gegenüber der Familie anders verhalten. Das heißt, auch wenn ich die anderen Menschen gar nicht brauche, werde ich erkennen, dass ich in der Familie unbedingt die Verbindung, die Einigkeit mit allen Übrigen realisieren kann. Ohne Vereinigung in der Familie ist es unmöglich, die Vereinigung innerhalb des Volkes, innerhalb des Landes, innerhalb der Menschheit zu erreichen. Das alles sind Elemente einer und derselben Konstruktion eines Systems.

Auszug aus dem virtuellen Unterricht, 05.02.2012

Die Wiedergeburt der Familie

Frage: Sie reden die ganze Zeit über die Familie, aber heute befindet sich das System „der Familie“ im Wandel und verliert allmählich seine ursprüngliche Bedeutung. Was veranlasst Sie zu glauben, dass wir zum alten Modell der Familie zurückkehren werden?

Meine Antwort: Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir nach einer riesigen Krise zwangsläufig zum alten Modell der Familie zurückkehren werden. Die moderne egoistische Familie wird nicht mehr existieren.

Das Entstehen der neuen Familie wird zur Bedingung unserer Bewegung zum Ziel, zur “ Wurzel“. Wir werden begreifen, dass wir das Ziel nur dann erreichen können, wenn wir in allen Dimensionen unseres Lebens mit anderen in absoluter Verbundenheit existieren: mit dem Partner, den Kindern, der Familie – mit anderen Familien, mit der Gesellschaft und mit der Welt. Das heißt, wir werden zum Modell einer gewöhnlichen Familie zurückkehren, welches dem Menschen ermöglichen wird, den Schöpfer über unserer materiellen Existenz zu offenbaren.

Wir werden uns nicht genieren, wenn wir in der Familie einfach Tiere sind, aber unabhängig von der physischen Anziehungskraft zwischen Mann und Frau entsteht eine besondere Beziehung, die als „wahre Liebe“ bezeichnet werden kann. In dieser Beziehung enthüllen wir den Schöpfer und erreichen das wahre Ziel der Schöpfung.

Für dieses höhere Ziel werden die Menschen Familien gründen, d.h. in physischen und spirituellen Kontakt mit ihrem Partner treten. So wird die Familie sowohl auf dem spirituellen, als auch auf dem physischen Niveau wieder aufleben. Dabei geht die spirituelle Stufe der physischen voraus.

Auszug aus der virtuellen Lektion, 12.02.2012

Der Charme eines unsympathischen Menschen

Frage: Für den Menschen ist das Streben nach Kompensation seines Minderwertigkeitskomplexes charakteristisch. Jeder zweite Radiomoderator hat beispielsweise einen Sprachfehler, das Fernsehen zeigt Menschen mit einem mittelmässigen Äußeren usw. Werden die Menschen, die im System der integralen Erziehung arbeiten, auch versuchen, ihre Mängel zu kompensieren, oder wird die Integrität alles ausgleichen?

Meine Antwort: Nein. Erstens sehen wir, dass das Äußere keine Rolle spielt. Unter unseren Lehrern gibt es ziemlich unangenehme und unsympathische Menschen, ich würde sogar sagen, mit sehr einfachen Manieren.

Aber wenn ein Mensch sich mit der inneren Arbeit beschäftigt, stoßen wir ihn nicht ab, denn er beginnt, diese Mängel zu lieben. Er wird darin sogar einen gewissen Charme entdecken.

Das gleiche betrifft die Frauen. Wenn ihre Aufrichtigkeit zum Vorschein kommt, verschwindet alles andere.

Aus dem 12. Gespräch über die integrale Erziehung, 16.12.2011

Die Übergangsperiode zur Stufe „der Mensch“

Frage: Wenn es die vier Stadien der Entwicklung gibt, wie kann man dann klären, auf welcher Etappe wir uns jetzt befinden?

Meine Antwort: Heute befindet sich die ganze Menschheit auf der Stufe des Überganges vom dritten Stadium zum vierten.

Innerhalb jedes Stadiums gibt es eigene Unterstadien. Angenommen, wir betrachten die Stadien der Entwicklung des Menschen, unabhängig von der unbelebten, pflanzlichen, tierischen Natur und dem Niveau “ Mensch“, so können wir, da wir hundert tausende Jahre existieren, die Entwicklung auch entsprechend der historischen Achse, in Form des ersten, zweiten, dritten und jetzt des vierten Stadium bewerten.

Im XVI. Jahrhundert, am Ende des Mittelalters, begann die technische Revolution, die Entwicklung der Kulturen, der Wissenschaften usw. Es ist schon das dritte Stadium, d.h. die Menschheit fing an, sich intensiv um das eigene Leben, um ihr eigenes Tier zu sorgen. Dies führte zu den bürgerlichen Revolutionen und letzten Endes zum Kapitalismus.

Und davor befand sich die Menschheit auf der pflanzlichen Stufe. Das Mittelalter, das Altertum sind alles Merkmale der Pflanzenart, des pflanzlichen Charakters der Entwicklung.

Und noch davor befanden wir uns auf dem so genannten unbelebten Niveau, als sich der Mensch mittels minimaler Anstrengungen und bei niedriger Effektivität in der Arbeit nur um seine Ernährung sorgte.

Aus dem 12. Gespräch über die integrale Erziehung, 16.12.2011

Eine unzumutbare Störung

Aus dem ersten Gespräch über die integrale Erziehung (Dr. Michael Laitman and Psychologe Anatoly Ulianov)

Frage: Der moderne Mensch flieht vor der Realität in seine eigenen vier Wände. Er sucht nach gesichtslosen, unaufdringlichen Informationen, schaut sich gerne anspruchslose Unterhaltungsserien an. Es ist mir nicht klar, wie die globale Verbindung auf so einen Menschen einwirkt. Wenn ich mich in meiner eigenen Wohnung isoliere, wie können mich dann all diese Probleme erreichen?

Meine Antwort: Die Probleme drücken sich in Form von unangenehmen Zuständen aus. Wenn nur alles so bliebe, wie es bisher war, wird es schon nicht so schlimm. Ihr habt euch in einen Kokon eingeschlossen und existiert darin – dort fühlt ihr euch wohl. Ihr wollt keine Familie, keinen Nachwuchs, keine enge Beziehung zu Freunden, weil all das oft als Pflicht wahrgenommen wird. Die Eltern stehen Kopf und verpflichten uns, sie anzurufen und zu besuchen.

Wenn das alles unveränderlich so bliebe, wäre es das Beste für mich, zu wachsen, mich von den Eltern zu trennen, eine eigene Zelle im Bienenstock zu bauen und dort zu existieren – mehr brauchte ich dann nicht.

Es geht aber darum, dass es Ziel der Natur ist, uns mit sich ins Gleichgewicht zu bringen, uns zu einem integralen, zusammenhängenden Teil eines analogen Systems zu formen. Alle Teilchen dieses System sind voneinander abhängig, und wenn ein Bruch oder eine Störung in einem der Teilchen stattfindet, wird sich das auf das gesamte System übertragen. Dieses gerät dadurch in einen unausgeglichen Zustand, der sich anschließend entsprechend der Naturgesetze langsam ausgleicht, bis der Ruhezustand erreicht ist.

Alle diese Zustände – Gleichgewicht und Ungleichgewicht – befinden sich in Wechselwirkung miteinander. Es existiert eine umfassende Koppelung! Diese Wechselbeziehung spürt der Mensch, vor allem dann, wenn er sich in einem unausgeglichen Zustand befindet.

In einem statischen Zustand beruhigt sich alles. Wenn alle Verbindungen ausgeglichen sind, befinde ich mich in der Mitte, wie eine Spinne in Zentrum des Spinnennetzes, und fühle mich ausgeglichen. Ich soll innerhalb dieser Rahmenbedingungen existieren, und weil ich mich in einer Gleichgewichtslage befinde, spüre ich ihren Druck nicht mehr. So fühlt sich jeder von uns.

Unser System der Natur ist lebendig. Die Natur lenkt uns stets zu einem bestimmten Zustand, der als Ziel ihrer Entwicklung vorgegeben ist. Bevor wir diesen Zustand erreichen, werden wir ständig solche Verzerrungen, Ausbrüche, Ungleichgewichte und Störungen der Homoöstase empfinden. Genau deshalb werden wir uns sehr schlecht fühlen.

Bringt keine Unruhe in mein komfortables Verlies

Aus dem ersten Gespräch über die integrale Erziehung (Dr. Michael Laitman and Psychologe Anatoly Ulianov)

Frage: Aus der globalen Sicht ist der integrale Ausdruck einiger Massen begreiflich, aber was bedeutet selbst integral sein als einzelner Mensch oder als Familie?

Meine Antwort: Das klassische integrale Beispiel – das ist die Verbindung durch die Art der Zahnräder. Wir sind wie ein Mechanismus, der aus Zahnrädern besteht, miteinander verbunden, miteinander verschlossen. Jegliche Bewegung verpflichtet jeden anderen, gleichartige immer fortführende Bewegungen in die eine oder andere Richtung auszuführen. Trotzdem ist die Verbindung in heutiger Zeit immer noch nicht aufrichtig : wir befinden uns noch in einem Schaltgetriebe, das uns voneinander entfernt, das uns aber nach und nach in die Verbindung zwischen uns eintreten lässt.

Das heißt, es besteht eine Berührung bei den Bewegungen im Verhältnis zueinander, welches ernsthaft beginnt, sich ineinander zu verhaken.

In den nächsten Jahren erreichen wir eine Verbindung, in der die Zahnräder sich aufeinander abgestimmt drehen. Stellt euch vor, ihr befindet euch auf sämtlichen Ebenen im Leben unter so einem harten Druck, sodass eure Gedanken, eure Verlangen, euer Handeln und eine Entscheidung zu treffen ganz von der Gesellschaft und von unseren umgebenden Verhältnissen abhängig sind. Ihr werdet euch wie in einem Gefängnis oder in der Sklaverei fühlen! Der Zustand ist nicht zu ertragen.

Der Mensch wird sich wünschen, aus dieser Situation zu entfliehen, einfach hinauszufliegen, sogar zu sterben, bloß nicht den ständigen, furchtbaren Druck auf sämtlichen Ebenen, wie mental, sinnlich und seelisch, zu empfinden.

Wir müssen den Menschen darauf vorbereiten, dass er den Kontakt zu allen herrlich und angenehm empfindet. Dieser Zustand ist im Prinzip das Gegenteil unserer Natur, aber er nähert sich uns unerbittlich; in meinen Gedanken fürchte ich mich davor, zu erkennen, wie die Menschheit beginnt, in diesen Zustand einzutreten.

Nach und nach nähern wir uns diesem Zustand. Ich sehe, wie dieser Zustand allerhand Revolutionen und staatliche Umstürze provoziert, hier scheitert eine Familie, dort scheitert das monetäre und wirtschaftliche System usw. Und genau das wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zunehmend verstärken.

Wenn sich der Mensch in diesem Zustand nicht komfortabel genug fühlt, wird es zu einem Weltkrieg kommen.

Es wird nichts Wichtigeres mehr für ihn geben, als sich verpflichtet zu fühlen, sich aus den Fesseln zu befreien! Darum ist ein innerer psychologischer Ausgleich notwendig, um aus diesem unerträglichen Zustand zu entfliehen.

Ein Mensch von heute möchte mit niemanden mehr zu tun haben: er hat sich mit seinem Computer in seiner Wohnung eingeschlossen. Auf der Arbeit ist er auch allein mit seinem Computer. Nach der Arbeit geht er in den Supermarkt und kauft sich ein kochfertiges Gericht, macht es sich warm und isst es; dann sitzt er wieder vor dem PC, und anschließend geht er schlafen. Hin und wieder ist der dazu im Stande, sich mit einer Geliebten oder mit mehreren Kumpels zu treffen – und das war es auch schon.

Dieses Leben vollzieht sich beim Menschen nach seinen inneren Verlangen. Aber falls er spürt, dass in sein inneres Leben – in dieses komfortable Verlies, aus dem man nicht entkommen kann -, plötzlich andere hineinstürmen, ganz gleich oder: gleichgültig, ob er es gerne hat oder nicht, verspürt er, dass er nach und nach immer mehr verpflichtet ist.

Gewiss entstehen da ernsthafte innerliche Explosionen. Ich kann mir einen solchen Zustand sehr gut vorstellen, auch die Psychologen können es nachvollziehen. Es gleicht dem, wenn ein Mensch sich aus dem hundertsten Stockwerk eines brennenden Gebäudes stürzt. ,, Mann ist ganz sicher Tod,, ,,Ja, aber in diesem Moment fürchte ich mich vor den Flammen mehr als vor den Sekunden in der Luft ohne Flammen.,,

Der Mensch denkt nicht, was danach geschieht. Ich fürchte, dass sich uns solche Zustände unerbittlich nähern.

Begeistern die Meisterwerke der Welt nicht mehr?

Frage: Sie sprechen die ganze Zeit über integrale Erziehung. Aber nicht alle Menschen werden sich nur mit Spirituellem beschäftigen, denn sie haben auch andere irdische Verlangen: den Tanz, die Musik, die Kunst usw.

Meine Antwort: Ich denke nicht, dass dem Menschen viele verschiedene nebensächliche Verlangen erhalten bleiben werden. Die Entwicklung der Integralgesellschaft wird all die Hobbys und übrigen Gewohnheiten, die die Menschen begeistern, in sich absorbieren, und er wird in dieser integralen Vereinigung alles finden, was ihn nur erfüllen kann, einschließlich einer neuen Kultur, Musik und Literatur.

Die Erfüllung, die der Mensch durch die integrale Verbindung mit den anderen empfinden wird, ist die höchste Erfüllung, die Erfüllung mit dem Licht. Es werden für ihn deshalb keine anderen Bedürfnisse übrigbleiben.

Natürlich werden sowohl die Musik, als auch die Literatur und die Kunst bestehen bleiben, aber in einer anderen Art und Weise als heute. Sie werden die neue Welt des Menschen, seine neue Vision, die neuen Bewegungen widerspiegeln.

Kommentar: Die Menschen reagieren mit Empörung auf Prognosen über das Verschwinden der gegenwärtigen kulturellen Werte: der Musik, der Malerei …

Meine Antwort: Ich vernachlässige die kulturellen Werte keinesfalls, ich vermindere weder ihre Bedeutung, noch rufe ich dazu auf, sie zu zerstören!

Sowohl die Musik, als auch die Literatur und die Malerei haben ein sehr großes Gewicht in meiner Wahrnehmung der Welt, in meiner Weltanschauung, sowie für die Empfindung positiver Emotionen.

Aber hier handelt es sich darum, dass entsprechend unserem Aufstieg eine Kultur, die auf dem egoistischen Begreifen der Welt aufgebaut ist, allmählich absterben wird. Jener Sinn, jene Gefühle, jene Füllungen, die Qualitäten, die Werte, die in den jetzigen Kunstwerken ausgedrückt sind, werden sich allmählich verlieren. Sie werden uns nichts mehr zu sagen haben.

Das heißt, die höchste Musik, die erlesenste Literatur, die schönsten Werke der Malerei werden mir dann wie etwas sehr Kleines vorkommen. Sie werden meinen neuen Bedürfnissen nicht mehr gerecht, weil sie von einem kleinen Männchen geschaffen wurden, das einfach schön zeichnen, schreiben oder komponieren kann.

Aber seine Schöpfung erfolgt auf einem so niedrigen, egoistischen Niveau, welches auch meine kleine physiologische Seele ausfüllt, dass ich nach der Entwicklung anderer Instrumente meiner Wahrnehmung und des Begreifens darin keine Größe mehr erkennen kann.

Ich sage euch die Wahrheit: ich war in Louvre, sah die Bilder und „konnte mich“ darin nicht finden. Und einst begeisterte ich mich für sie so sehr, dass ich in diese Hallen noch einmal zurückkehren wollte.

Allmählich beginnst du zu fühlen, dass sich das alles auf einem Niveau befindet, welches dich nicht mehr ausfüllt, nicht mehr begeistert, und du darin keine Werte mehr siehst.

Dann wird der Mensch beginnen, eine Erfüllung durch Höheres zu fordern.

So eine Perspektive erwartet uns, und sie wird in jedem Fall Wirklichkeit werden. Im Prinzip ist sie der Vektor unseres Wachstums.

Auszug aus dem der virtuellen Unterricht, 12.02.2012

Die Besonderheit der weiblichen Natur

Frage: Da am Unterricht über die integrale Erziehung sowohl die männlichen als auch die weiblichen Gruppen teilnehmen, wollte ich genauer erfragen, worin die Besonderheit der weiblichen Gruppen liegt?

Meine Antwort: Die Frau ist ein sehr in sich geschlossenes Wesen, das die Welt in ihrem Inneren wahrnimmt. Während zwischen den Männern die Wechselwirkung, die Unterstützung, die freundschaftliche Atmosphäre, die Bereitschaft, sich für den Freund zu opfern, existiert, sind diese Eigenschaften bei den Frauen ursprünglich nicht vorgegeben. Jedes Weibchen, jede Frau, jedes weibliche Individuum ist dafür vorbestimmt, selbständig zu existieren, um ihre Grenzen, ihre Kinder, ihr Haus, ihre Höhle zu beschützen.

Es ist von der Natur so vorgegeben, und deshalb dürfen wir es keinesfalls verzerren. Wir sind nicht berechtigt, die Natur der Frau zu brechen – im Gegenteil, sie soll sich harmonisch entwickeln, um die Frauen untereinander zu integrieren. Auf welche Weise ist es möglich?

Es ist dann möglich, wenn wir eine starke Männergruppe schaffen, die den Frauen ein gutes Beispiel sein wird und sie zur Unterstützung der Männergruppe aufruft. Dabei ist sich die Männergruppe der Wichtigkeit der Einwirkung seitens der weiblichen Gruppe bewusst; denn ohne Vereinigung der Frauen können sie die Männergruppe nicht richtig unterstützen. Und um sich zu solidarisieren sowie sich mit der Männergruppe zu verbinden, müssen sie sich untereinander vereinigen.

Wenn die Frauen ein allgemeines äußerliches Ziel haben, dann können sie sich untereinander organisieren und auf diese Weise gleich anderen weiblichen Gesellschaften existieren.

Sie sollen nicht eine Integration untereinander schaffen, sondern das Verständnis des äußerlichen Ziels seitens jeder Frau. Sie sollen die eigene Zugehörigkeit zum äußerlichen Ziel haben: „Du sollst dich an die Männer „ankleben“, in ihnen existieren, sie unterstützen, und nicht unter den Frauen“. Auf diese Weise kann die weibliche Gruppe vereinigt werden.

Folglich entsteht eine einheitliche weibliche Umgebung, die quasi den äußerlichen Kreis bezüglich der inneren Männergruppe darstellt: eine sehr mächtige Vereinigung des männlichen und des weiblichen Anfangs in der Natur.

Auf diese Weise stehen diese zwei Integralgesellschaften miteinander in einer Wechselbeziehung: die Männer wirken auf die Frauen mit Hilfe der Einheit ein, und die Frauen beginnen sie plötzlich zu empfinden. Diese Einheit beginnt sie heranzuziehen und ihretwegen beginnen sie allmählich untereinander zusammen zu wirken und vereinigt zu werden. Zwischen ihnen verschwindet ihre natürliche Individualität.

Um den Männern in der Vereinigung (von welcher sie die Kraft bekommen und von der sie sich inspirieren) zu helfen, können die Frauen untereinander vereinigt werden. Das heißt, ihre rein natürliche Individualität geht verloren, und sie können über sich hinaufsteigen.

Frage: Wie ist es praktisch zu realisieren?

Meine Antwort: Die praktische Realisation geschieht in den einzelnen Gruppen, die wir vorbereiten, zum Ziel führen, in denen wir die entsprechenden Materialien studieren, die Methodik der integralen Erziehung einführen.

Selbstverständlich schenken die Frauen einander im Laufe des Studiums in der weiblichen Gruppe keine Aufmerksamkeit: sie kommen individuell rein, und gehen individuell weg. Es kann sein, dass es unter ihnen Freundinnen gibt, aber eine solche Freundschaft ist eher vorläufig, später ändert sich alles. Es ist eben die weibliche Natur.

Es ist eine sehr interessante, komplizierte Art der Individualität: der wahre individuelle natürliche Egoismus, der gut zu beobachten ist. Das heißt, mein „Ich“ bleibt immer innen und niemals nebenan. Und wenn es doch mal passiert, dann nur in der vorliegenden Situation, und nur, um den eigenen Zustand zu erleichtern. Wir verstehen es, wie die Psychologen, die mit den Menschen zu tun haben.

Aber an dieser Stelle ist die Einwirkung der männlichen Gruppen sehr wichtig. Mit Hilfe ihrer Vereinigung, durch das gute Beispiel, beginnen sie, in den Frauen die Notwendigkeit der allgemeinen Einwirkung auf die Männergruppe hervorzurufen, so dass auch die Frauen vereinigt werden; wobei dies notgedrungen geschieht. Wir sehen auch hier, dass es ein Naturgesetz ist.

Das heißt, die starke Männergruppe führt den Frauen vor, dass die Vereinigung eine Kraft ist und ruft in ihnen den Aufstieg über das individuelle „Ich“ hervor.

Frage: Wie wird diese Art der Vereinigung in der Praxis gezeigt?

Meine Antwort: Sie können sich wie ein einheitliches weibliches Ganzes fühlen. Sie können beginnen, sich wie die Männer zu umarmen, was für sie eigentlich ganz unnatürlich ist.

Die Frauen können fühlen, dass sie zusammen sein müssen, um in den Männern die Vereinigung hervorzurufen, dank der sie auch für sich den inneren Zustand der Einheit erlangen, den sie anders niemals erreichen können: weder durch erobern, erreichen oder kaufen.

Frage: Die Besonderheit der integralen Vereinigung besteht also darin, dass die Frauen und die Männer verschiedene Rollen haben?

Meine Antwort: Aber, ja! Es sind ergreifend verschiedene Rollen!

Wir dürfen keinesfalls auf die männliche oder auf die weibliche Natur Druck ausüben. Gerade ihre Wechselwirkung miteinander führt sie allmählich zu verschiedenen Arten der Integration hin.

Aus dem 10. Gespräch über die integrale Erziehung, 16.12.2011