Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Die alltägliche Scham und die spirituelle Schande

Frage: Wie unterscheidet sich die spirituelle Scham von der Scham, die wir im Alltag empfinden?

Meine Antwort: Die alltägliche Scham ist egoistisch  und wird deshalb empfunden, weil mein Stolz nicht verletzt werden will. Die spirituelle Scham entsteht infolge der Beschränkung, weil ich mich nicht mehr um mich selbst sorge, mich nicht mehr über meine natürlichen Eigenschaften schäme. Folglich habe ich andere Sorgen.

Die Empfindung der Schande ist notwendig! Ich benötige sie für meine spirituelle Entwicklung, weil sie mir viel Kraft verleiht. Wenn man mich jetzt zum Schämen bringen würde, dann wäre ich sofort aufgeregt, so dass dieser neue Zustand mir Kraft und  Beweglichkeit geben würde. Ich werde folglich nicht mehr so still und schläfrig wie jetzt sein, sondern beginne zu handeln, um diese Scham „auszulöschen“. Ich werde bestimmt noch eine Zeit lang beunruhigt sein, bis ich schließlich zur Ruhe kommen werde.

Ich werde also bereit sein, alles Mögliche zu tun, um die Ursache meiner Schande zu beseitigen, ich werde keine Ruhe finden, bis meine Gefühle sich wieder harmonisieren. Wenn eine Person für meine Scham verantwortlich war, dann werde ich alles tun, um ihr später heimzuzahlen. Es gibt temperamentvolle und weniger temperamentvolle Menschen, aber jeder empfindet vergleichbare Gefühle.

Die Frage besteht eben darin, ob und wann ich einen Punkt erreichen werde, wonach ich persönlich nicht mehr betroffen sein werde und die gesamte Scham nur deshalb empfunden wird, weil ich mich für die Gesellschaft nicht aufopfere, am gesellschaftlichen Geschehen nicht teilnehme, nichts hinzufüge und nicht das tue, was meine Aufgaben betrifft? Nur dafür soll ich mich schämen.

Als ob man jemandem vorwerfen würde: „Schämen Sie sich nicht?“ Als ob man jemandem zeigen würde, wie er die anderen vernachlässigt. Aus diesem Punkt heraus beginne ich meine Korrektur.

Folglich werden meine persönlichen Eigenschaften nicht berücksichtigt, denn sie bilden meine tierische Natur. Habt ihr jemals gesehen, dass ein Tier sich für etwas geschämt hat? Habt ihr jemals eine Katze getroffen, die für den gestohlenen Schmand erröten würde, wenn sie dabei erwischt werden würde?

Ein Tier kann sich nicht schämen. Aber der Mensch in uns, den wir beginnen aufzubauen, schämt sich eben. Die Scham gehört zum Menschen, denn nur er kann sich dafür schämen, wenn er anderen nicht gibt, sich nicht genügend für das Wohl anderer Menschen sorgt, seine eigene Mission im Gesamtsystem nicht erfüllt.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Gabe der Tora“, 18.03.2013

Dialektik der Entwicklung und das Problem der Schuld

Baal HaSulam „Die Welt“: Die Samen und die Körner, aus denen die guten Zustände wachsen, sind nichts anderes als die schlechten Taten. Das Böse wird gesammelt bis eine solche Masse entsteht, welche die Gesellschaft nicht mehr ertragen kann. Dann zerstören die Menschen das Böse und erschaffen den wünschenswerteren Zustand.

Das ganze Schlechte soll offenbart werden, weil gerade daraus das Wohl wachsen kann. Denn es ist einfach unmöglich das Gute zu erlangen, wenn davor keine Offenbarung des Bösen geschah.

Im Prinzip gibt es hier nichts Neues. Abraham sprach darüber, das ist sowohl in der Kabbala als auch außerhalb von ihr bekannt. Dieses Prinzip wird durch die Geschichte, die Natur, die stufenweise dialektische Entwicklung sichtbar. Jeder Zustand existiert so lange, bis seine Mängel eine bestimmte Stufe erreichen, um nach draußen zum Vorschein zu kommen. Gerade diese Mängel zerstören den laufenden Zustand und bauen den folgenden auf. So sind eben die wissenschaftlich-historischen Tatsachen.

Nach denselben Gesetzen entwickelt sich auch der Mensch. Nicht von ungefähr hören die Kinder nicht auf ihre Eltern, das alles obliegt der Natur der Sache.

Frage: Wenn das Böse notwendig ist, warum wird dann der Schöpfer als „Gut und das Gute Schaffende“ bezeichnet?

Meine Antwort: Die Aussage charakterisiert die Tendenz der Entwicklung, die auf das Ziel gerichtet ist, aber nicht die Wege zum Ziel. Ob ich mich weiterhin entwickeln werde, wenn es mir gut gehen wird? Doch es ist unmöglich, sich aus dem guten Zustand  weiter zu entwickeln. Was wird mich vorwärts stoßen, wenn alles schon jetzt vollkommen in Ordnung ist?

Hier gibt es eben ein anderes Problem: das ganze Gute nehme ich als selbstverständlich an. Ich schätze das Gute nicht, ich verleihe ihm kein Gewicht. Und umgekehrt, das ganze Schlechte nehme ich wie eine unverdiente Last wahr.

Anders gesagt, ich wiege die guten und die schlechten Sachen auf verschiedenen Waagen, wobei die zusammengefasste Rechnung meiner Taten  anders ausfallen wird als die, die ich mir im Laufe des Lebens vorgestellt habe. Denn ich kann keine schmerzhaften „Injektionen“ des Lebens vergessen. Jemand wird sich über mich  verächtlich äußern – und ich ärgere mich einige Monate lang, bis ich die Möglichkeit habe „mich zu rächen“. Und alles, was ich im Laufe dieser Zeit innerlich erfahren habe ist normal und natürlich. „Er ist halt selber Schuld“.

Frage: Soll es dennoch ein bestimmtes Verhältnis zwischen den Leiden und den Freuden geben? Stattdessen sagt man mir von vorne herein, dass ich eine Schuld beim Schöpfer habe. Es ist doch auch gesagt: „Alles ist gegen Pfand gegeben, der Laden ist geöffnet und der Händler macht eine Leihgabe. Das Buch ist geöffnet und die Hand zeichnet alles auf und jeder kann kommen und ausleihen … “ Was leihe ich eigentlich aus?

Meine Antwort: Der Sinn besteht eben darin, dass du die Ware aus „dem Laden“ schon heute nehmen kannst und diese aber erst später bezahlst. Heute ist auch bei den Genussmittelläden ein solches System vorhanden: der Wirt schreibt die Schulden der Stammkunden aus den nahegelegenen Häusern in ein Heft, und am Monatsende gleichen sie die Rechnungen aus. Somit kann man auf dem Weg zum Ziel auch leihen. Außerdem kannst du nicht in den Zwischenstadien, sondern erst später bezahlen, wenn du das Ziel erreicht hast.

Jetzt bittest du den Schöpfer nur um die Kräfte, weil du diese oder jene Wohltaten verlangst: „Wo ist Deine Freigiebigkeit? Wo ist Deine Güte?“ Bitte, nimm aus den Regalen alles, was du jetzt gerade willst. Und erst am Ende, wenn du deine gesamte Arbeit beendet hast, wirst du die Schuld begleichen.

Und eigentlich hast du dann schon nichts mehr, was du zurückgeben könntest – denn mit der Zeit hast du dich so verändert, dass du nichts mehr schuldig bist.

Also denke nicht, dass der Schöpfer deine Zahlung benötigt. Für Ihn ist nur deine Beziehung – das Einverständnis mit Seinen Schuldrechnungen wichtig. Ausgehend von „einer gesunden Selbstsucht” sehen wir hier einen gewissen „Trick“ seitens des Schöpfers, und in Wirklichkeit erfolgt alles im Gegenteil. Nachdem du einverstanden bist, die Kräfte für die Korrektur zu fordern, bekommst du sie sofort und begleichst alle offenen Rechnungen.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Welt“, 15.03.2013

Um in der Spiritualität zu wachsen…

Frage: In einem Ihrer Unterrichte hatten Sie gesagt, dass der Schüler infolge seines spirituellen Aufstiegs immer mehr den Lehrer vernachlässigt. Sie haben auch das Beispiel Ihrer Beziehungen zu Ihrem Lehrer erwähnt. Auf welche spirituelle Stufe muss ich gelangen, damit diese Missachtung dem Lehrer gegenüber verschwindet?

Meine Antwort: Genauso, wie in unserer Welt, wenn wir beginnen, unsere Eltern zu schätzen und sie zu verstehen? – Wenn wir selbst Eltern werden! Aber das rechtfertigt die Missachtung nicht. Wer die Korrektur anstrebt, ist verpflichtet, die eigene Natur zu verstehen und über sie hinaus zu wachsen.

Und der Gefäß war zerbrochen

Das Zerbrechen der Gefäße ist nicht die Zerstörung, sondern die Offenbarung der Stellen, an denen früher die verhüllten Mängel gewesen waren. Sobald das Laster offenbart wird, kann es geklärt , tiefsinnig erforscht, korrigiert und ergänzt werden.

Aus diesem Grund werden wir, nach dem gemeinsamen Kleben der Scherben, einen um vieles höheren und stärkeren Zustand als davor, erreichen. Denn er schien nur ganz zu sein, jedoch waren in Wirklichkeit viele Risse darin vorhanden gewesen. Gerade dieses Leuchten, das im dritten, endlichen Zustand der Schöpfung erlangt wird, fehlte dem Gefäß der Welt der Unendlichkeit, in seinem ersten Zustand.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Schamati“, 15.03.2013

Der spirituelle Heber

Frage: Je näher der Mensch zum Lehrer, der Gruppe und dem Studium ist, desto größer ist sein egoistisches Verlangen…

Meine Antwort: Natürlich. Wie kannst du anderenfalls wachsen? Deshalb ist gesagt: „Unabhängig davon, wie spirituell der Mensch ist, sein Böser Anfang ist noch stärker“.

Frage: Wie wird unser Verlangen beschränkt?

Meine Antwort: Ich verringere nicht das Verlangen selbst, sondern nur seine Anwendung. Ich will also nicht, dass mein Verlangen sich verringert oder verlorengeht. Ich verhalte mich ihm gegenüber „mit der ganzen Achtung“, mit der Liebe, und nicht mit dem Hass, weil es „die Hilfe entgegen“ ist. Ich führe die begriffene innere Arbeit und bemühe mich, alle Ränder meines Verlangens, alle Details eigener Wahrnehmung zu verarbeiten. Sie sind für mich der wahre Schatz, und ich verleihe ihnen eine große Wichtigkeit.

Dann wird das ganze Leben für mich sehr wichtig und kostbar. Vor mir leuchten auf eine spielerische Art und Weise die Teile des komplizierten Mechanismus auf, und ich neutralisiere nicht, reduziere nicht seine Lebenstätigkeit – ich will mich nur darüber erheben. Das ist eben der Aufstieg entsprechend den spirituellen Stufen.

Die Beschränkung an sich wird vom Licht ausgeführt, so dass ich seine Arbeit nicht zu erledigen brauche. Denn es würde sonst der Askese ähneln, die nichts Gutes hat. Die Sachen muss man so annehmen, wie sie sind, um folglich darüber hinaufsteigen zu können und diesen Aufstieg richtig verwenden. Ich lehne mich an die Gruppe, Bücher und den Lehrer an, und mein Verlangen wächst noch weiter. Auf diese Weise steige ich wie auf einem Luftkissen hinauf.

Frage: Wie geschieht das? Denn es ist doch sehr leicht, im Verlangen „zu versinken“.

Meine Antwort: Ich bitte die ganze Zeit darum, mich im Glauben über dem Verstand in der mittleren Linie aufhalten zu können. Mein Verlangen, über dem ich hinaufsteige, ist die linke Linie. Das Geben, das ich erlange, ist die rechte Linie. Und die Ordnung der Wechselbeziehungen zwischen dem Geben und dem Verlangen – ist eben die mittlere Linie. Dieser Mechanismus hebt mich wie der Heber höher hinauf.

Auszug aus dem Unterricht nach „dem Vorwort zum Buch Sohar“, 10.03.2013

Im Schraubstock der Freiheit

Nachdem der Mensch in Bina hinaufsteigt, annulliert er (Malchut) sich, er erhebt sich über die gesamte Selbstsucht, die er in seinem Inneren offenbart hat. Auch dann, wenn man ihm beliebige Füllungen anbietet, bevorzugt er gerade die Annullierung, um sich weiterhin innerhalb Bina zu befinden.

Der Zustand des Embryos ist der schrecklichste Zustand für das Verlangen zu genießen. Stellen sie sich vor, sie würden wieder in den Mutterleib zurückkehren – es könnte nichts schlechter als das sein: sie würden ohne Luft, ohne Licht, ohne Bewegungsfreiheit bleiben. In allen Gefühlen, Verlangen und Gedanken würden sie im engen Gefängnis von Schraubstöcken zugedrückt werden, wo es unmöglich ist, sich weder innerlich, in ihrem Bewusstsein, noch äußerlich zu bewegen.

Diese schreckliche Empfindung des Eintritts in den spirituellen Mutterleib gleicht einer spirituellen Klaustrophobie… Aber sie bevorzugen diesen Zustand, weil sie sich innerhalb Bina, innerhalb der Eigenschaft des Gebens befinden – mehr brauchen sie nicht! Sie nehmen dieses dunkle Gefängnis  wie die gelobte Erde, wie den Paradiesischen Garten wahr.

Die Priorität von Malchut auf Bina zu verlegen und zu beginnen, die Eigenschaft des Gebens zu schätzen, ist die Hauptbedingung des Eintritts in den spirituellen Embryo.

Auszug aus dem Unterricht nach der „Lehre der Zehn Sefirot“ „, 11.03.2013

Eurobabylonischer Kongress

Am Sonntag war mein Unterricht dem Europäischen Kongress gewidmet. Ich glaube, dieser Unterricht war sehr gut, ich bin mit mir wirklich sehr zufrieden. Ich sprach von ganzem Herzen über die Wichtigkeit des Kongresses, über die Notwendigkeit eines solchen Treffens gerade in Europa – im derzeitigen Epizentrum der weltweiten Krise, im modernen Babylon, in dem die größte Gefahr des gegenseitigen Hasses entstanden ist.

Ich möchte alle zusammen und jeden einzelnen, der sich für einen Schüler von mir hält, sehr bitten, sich den Sonntagsunterricht nochmal anzuhören. Das sollten nicht nur die Europäer tun. Denn auf diesem Kongress wollen wir eine große Korrektur erreichen. Wenn wir eine gewisse Vereinigung in Europa erreichen, wird sich das auf den gesamten Kontinent auswirken.

Ihr seht auch selbst, wie unsere Ansätze „durch die Erde“ sickern und sich überall über das für das Auge unsichtbare „Wurzelsystem“ verbreiten. Macht mit uns zusammen bei dem Europäischen Kongress mit, unterstützt, stärkt uns von überall, und ein gutes Echo wird auf der ganzen Welt zu hören sein.

Überhaupt ist jeder Kongress wichtig, doch dieser ist ganz besonders. Denn er findet dort statt, wo die globalen Probleme konzentriert sind – und dort können wir auch die globale Korrektur verwirklichen.

Auszug aus dem Unterricht nach der Einführung in das Buch Sohar, 11.03.2013

Das allgemeine Programm und jeder Schritt

Frage: Warum ist gesagt, dass „Ein Gebot nur dann hilft, wenn der Mensch sich damit beschäftigt, und die Tora immer hilft, sogar dann, wenn man sich damit nicht beschäftigt“? Warum gibt es überhaupt eine solche Aufteilung in der Korrektur?

Meine Antwort: Die Tora ist das umgebende Licht, das den Menschen auf seinem spirituellen Weg begleitet. Sogar dann, wenn das innere Licht, welches sein Gefäß auf der vorliegenden Stufe ausfüllte, verlorengeht, bleibt das umgebende Leuchten und unterstützt den Menschen. Denn ohne Einblendung des Lichts hört die Existenz der Menschen auf. Das ganze Leben existiert nur dank dem Licht.

Wenn der Mensch „ein Gebot“ nicht erfüllt, das heißt das spezifische Licht Chassadim oder Chochma dank seinem erreichten Zustand nicht offenbart, gibt es dennoch die allgemeine Einblendung, die „Tora“ heißt. Sie ist das allgemeine Schöpfungsprogramm, das sich vor dem Menschen befindet und ihm leuchtet. Er versteht sie, aber beschäftigt sich in diesen Moment nicht mit einem Punkt aus der Tora, d.h. mit keiner konkreten Korrektur.

Und „die Gebote“ sind die Handlungen des Menschen, die den konkreten, von ihm offenbarten Reshimot entsprechen, an denen das innere Licht, das umgebende Licht und der spirituelle Parzuf teilnehmen. Das ist eben die Arbeit an der bestimmten Korrektur. Deshalb existieren 613 Gebote, die zusammen die Tora bilden. Das Licht der Unendlichkeit heißt Tora, sie ist das Licht, das am Ende der Korrektur offenbart wird.

Die Tora ist ein System der Verlangen (der Gefäße), der Lichter, der Reshimot (der informativen Gene), verschiedener Beziehungen zwischen dem Punkt im Herzen und dem Schöpfer. Dieses gesamte System heißt Tora und soll den Punkt im Herzen zur Verschmelzung mit dem Schöpfer bringen.

Und das Gebot ist jeder konkrete Schritt, den wir auf dem Weg erfüllen sollen, um am Ziel anzukommen.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Schamati“, 10.03.2013

Wie ist das zu rechtfertigen, was zu rechtfertigen unmöglich ist

Frage: Wie kann man den Schöpfer rechtfertigen, wenn man ständig mühsame Leiden, tödlich kranke Menschen vor Augen hat?

Meine Antwort: Es ist unmöglich, das jetzt zu rechtfertigen, denn wir wollen nicht heucheln oder lügen, uns selbst trösten oder dem Trost der anderen Menschen zuhören. Es existieren verschiedene psychologische Methoden der Einwirkung, die dem Menschen zulassen, die Meinung des Menschen über die tragischen Ereignisse zu revidieren. Die Kabbalisten sagen aber, dass die wesentliche Veränderung nur unter der Bedingung möglich ist, dass das Licht auf den Menschen einwirken wird, das zur Quelle zurückführt; es wird ihn beeinflussen und seinen Zustand ändern.

Denn der Zustand ist die Stufe, auf der sich der Mensch befindet. Folglich wird er auf das Geschehen anders blicken können, entsprechend der neuen Stufe,  die er jetzt dank dem Licht erreicht hat, anders fühlen und verstehen. Und in diesem Fall wird diese Veränderung nicht dadurch hervorgerufen, dass die Umgebung ihn darin überzeugt hat. Denn sie betrügen ihn und gestatten ihm nicht, die Wahrheit zu sehen, als ob sie ihm ein Beruhigungsmittel geben würden. Sie versuchen ihn zur Vorstellung zu bringen, dass alles in Ordnung ist, sie lügen und schließen dadurch den Weg zur Wahrheit ab.

Wir tun es dagegen nicht – wir beruhigen nicht, sondern unterstützen den Menschen darin, dass er sein Ego vollständig offenbart. Wir helfen ihm, seine Selbstsucht zu offenbaren und ihr standzuhalten.

Sich selbst in einer beliebigen Situation zu finden ist auf zwei Wegen möglich. Der erste Weg ist, das Problem irgendwie zu maskieren und sich selbst zu verwirren, wonach der Mensch mit Hilfe der Religion, des Glaubens, der Mystik vorankommt. Auf diese Weise erfolgt alles in unserer Welt.

Man kann aber im Gegenteil noch mehr die Augen und das Verlangen öffnen und daran arbeiten, um das Licht heranzuziehen, das zur Quelle zurückführt, damit es mich korrigiert. Folglich werde ich auf dem neuen Niveau das richtige Bild erkennen.

Wie ziehe ich dieses Licht heran? Ich rechtfertige die geschehenen Ereignisse, weil sie aus dem einheitlichen Prinzip folgen: „Es gibt Niemanden außer dem Schöpfer“. Und ich will diese höhere Kraft offenbaren, außer der es nichts gibt.

Ich bin nicht einfach so mit der Situation einverstanden, wie es der sanftmütige Gläubige tut, sondern ich will den Höheren enthüllen. Ich verstehe, dass alle meine Empfindungen die Aufrufe des Schöpfers sind, Der sich wünscht, dass die Schöpfung Ihn offenbart, und zwar in Form der einzigen und absolut guten Kraft.

Auszug aus dem Unterricht nach „der Lehre der Zehn Sefirot“ „, 08.03.2013

Das, was mich rückwärts zieht

Baal HaSulam, „Einführung in das Buch Sohar“, Punkt 10: „… da Er keinerlei Empfangen hat, sondern nur reines Geben. Die Klipot andererseits verfügen über keinerlei Geben, sondern können nur für sich empfangen, für ihren Selbstgenuss. Und es gibt keinen größeren Gegensatz als diesen.

Frage: Was ist Klipa?

Meine Antwort: Klipa ist das, was mich daran hindert, mich mit dem Schöpfer zu verbinden. Ich erkenne sie in Form der Kraft, die mir die Hindernisse stellt.

Was kann mich eigentlich stören?

Ich will genießen und mich stören allerlei Genüsse, die mich ablenken, mich von der Gleichheit mit dem Schöpfer wegführen, mich vom Aufstieg zur Einheit und vom Geben abhalten. Solche Genüsse heißen eben „Klipot“.

Das heißt, die Klipa ist eigentlich die angenehmste Sache der Welt. Sagen wir so: Es ist für mich viel angenehmer, mich zu Hause zu erholen, als an der Versammlung der Freunde teilzunehmen. Es ist für mich besser, nicht an die Welt und deren Korrektur zu denken, sondern an meine persönliche Zukunft. Ich kümmere mich viel lieber um die eigenen Kinder als um die Nachbarskinder.

Die wahre Klipa wird aber dann sichtbar, wenn ich schon fühle, dass ich einen gewissen Weg zur Offenbarung des Schöpfers gehe, womit ich Ihm einen Genuß bereiten kann, aber plötzlich so abgelenkt werde, dass es angenehmer und bequemer für mich sein wird, etwas anderes zu tun. Das ist eben die Klipa: Sie hält mich fest und zieht mich rückwärts.

Wir können das alles erst dann verstehen, wenn wir die Absicht über dem Verlangen formulieren, wenn wir nicht aufgrund des Verlangens, sondern mit der richtigen Absicht handeln.

Aufgrund der Absicht zu handeln bedeutet, die Beschränkung (Zimzum) auf das empfangende Verlangen zu legen. Ich soll davon unabhängig werden und in meiner Auswahl vollständig frei sein. Mit anderen Worten: Wenn ich von meinem Wunsch auf keine Weise abhängig bin, dann kann ich für mich entscheiden, wie ich mit ihm für das Empfangen arbeiten werde. Ich habe eine Möglichkeit, für das Geben zu arbeiten, entscheide mich aber für das Gegenteil. Das ist eben das Schlechte daran. Und umgekehrt: Wenn ich keine Wahl habe, dann kann man von mir nichts verlangen.

Das Empfangen mit der egoistischen Absicht ist Klipa, die sich durch alle unsere Aufstiege bis zum Ende der Korrektur erstreckt. Von uns wird immer eine sehr schwierige Entscheidung verlangt: Sollen wir uns für das Empfangen oder für das Geben entscheiden?

Es geht um die Arbeit mit dem Licht und den Gefäßen des egoistischen Verlangens und nicht um die Einschränkung für die Empfindung der „kleinen“ Genüsse unserer Welt. Von mir werden die Entscheidungen auf sehr hohem Niveau gefordert, wenn ich beginne zu fühlen, dass es einen König gibt, der in seiner Natur egoistisch ist. Das ist eben die Kehrseite des Schöpfers, die scheinbar in dieser Welt alles beherrscht. So soll es auch sein, und gerade unter diesen Bedingungen treffe ich die Entscheidung.

Wobei die Lösung nur dann möglich ist, wenn ich mich über die Beschränkung erhebe, wenn ich also unabhängig bin. Dann entscheide ich mich eben für das Empfangen, ich will also genießen – ich „verwandle“ mich in Klipa …

Und überhaupt – die Kräfte der Klipa bringen den Menschen sehr energisch zum Ziel voran. Sie erwecken ihn auf die Art und Weise, dass er gleich dem Bergsteiger verpflichtet ist, über sie hinaufzusteigen, sie zu überwinden, auf den Gipfel zum königlichen Prunkgemach zu steigen. Jeder seiner Schritte ist ein Aufstieg über die Klipa.

Die Klipa ist das ganze Wesen, das ganze Material der Schöpfung, das empfangende Verlangen, das seine egoistische Form angenommen hat und uns in solcher Art offenbart wird. Deshalb kann man ohne Klipa keinen Schritt vorwärts tun.

Wir sollen die Klipa gewiss nicht selbst anstreben. Wir sollen uns immer an der rechten Linie halten – dann kommen die Kräfte des Bösen rechtzeitig und in der nötigen Form an.

Auszug aus dem Unterricht nach „der Einführung in das Buch Sohar“, 05.03.2013