Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Er kann warten, ich nicht

Wenn wir spüren, dass wir in eine Art Schlaf verfallen und es uns schwer fällt, auch nur den kleinen Finger zu bewegen, müssen wir verstehen, dass es der Schöpfer ist, der uns diesen Zustand schickt. Er möchte uns anstelle der persönlichen zur allgemeinen Erweckung führen, damit wir gemeinsam beginnen, uns um einander Gedanken zu machen, und damit ich verstehe, dass, wenn ich die anderen nicht erwecke, ich auch selbst nicht erwachen werde.

Denn mein Ich ist das Maß, in dem ich die anderen erwecken kann. Nicht meine Person an sich – das ist alles die tierische Stufe, sondern diese zusätzliche Erweckung, die ich in das Gesamtnetz hineinbringen kann, wird als mein spirituelles Ich, mein spirituelles Gefäß (Kli, Verlangen) bezeichnet.

Jenes Maß an Erweckung, welches ich dort hineingebracht habe, liefert die Stärke des Verlangens, in dem ich die spirituelle Welt wahrnehme – ich nehme sie dort, im Inneren dieses Systems und nicht in mir wahr! In mir werde ich nichts spüren.

Das bedeutet, dass ich mich momentan der Erschaffung meines spirituellen Gefäßes entgegen bewege. Der Schöpfer organisiert absichtlich diesen Zustand für mich – Er lässt mich spüren, dass, wenn ich allein bleibe, mir nichts gelingen wird. Er scheint zu sagen: Du glaubst nicht – dann versuch mal! Zehnmal, hundertmal… Ich habe Zeit, Ich kann warten, bis die „Söhne Israel wegen ihrer Arbeit aufschreien“.

Nur wenn ich den nötigen Druck auf die anderen ausübe, wenn ich verlange und das gemeinsame Verlangen/Gefäß sich davon begeistern lässt, dann wird das mein Verlangen sein, dort werde ich die spirituelle Welt – jene spirituelle Erfüllung, die sie alle von mir bekommen haben, – wahrnehmen können.

Auszug aus dem Unterricht zu Die Zehn Sefirot

Beispiele des Höheren

Der Schöpfer wird durch verschiedene Formen des Gebens enthüllt, jedoch wird er in uns enthüllt, dem empfangenden Verlangen. Andernfalls würden wir diese Ausdrucksformen nicht empfinden. Sie kommen von oben, allerdings müssen wir diese annehmen und ihnen von unten, von unserem Ende her, ähnlich werden.

Das macht den ganzen grossen Unterschied aus. Wir haben ein ähnliches Beispiel in unserer Welt, wenn wir etwas begreifen, sehen, fühlen und schmecken, aber dann müssen wir es selbst kopieren. Hierin steckt eine enorme Anstrengung. In der spirituellen Welt senkt Ima ihren unteren Teil in Seir Anpin ab und gibt ihm ein Beispiel mit ihrem Reflektierendem Licht (Or Choser). Wenn das Höhere auf diese Weise handelt, kann das Niedrigere nicht scheitern, denn es sieht ein fertiges Beispiel.

Auf die gleiche Weise geben wir kleinen Kindern erprobte, zuverlässige Beispiele, die es ihnen nicht erlauben, Fehler zu machen. Wenn jedoch ein Kind selbst nachahmen möchte, was wir ihm gezeigt haben, dann ist das bereits ein Problem. Es macht einen Fehler und erkennt, dass es zuerst Kraft und Wissen erlangen muss.

Entsprechende Prozesse geschehen in der spirituellen Welt. Auch wenn der Schöpfer uns Beispiele gibt, und obwohl alle Stufen von Oben kommen, kommen sie in der entgegengesetzten Form. Ihnen fehlen unsere Anstrengungen, verbunden mit Verlangen als auch Verständnis, was Bemühungen im Herzen und im Verstand bedeutet.

Nur durch beifügen unserer Anstrengungen zu Verlangen und Verstand, erkennen wir die durch den Höheren gegebenen Beispiele, folglich wandeln sich diese dadurch von Finsternis in Licht. Schliesslich sind sie für uns zuerst in Finsternis getaucht, weil wir spüren, dass wir ausserstande sind, dies selbst zu tun. Rabash schreibt davon im Artikel: „Die Einbeziehung der Eigenschaft der Gnade in das Urteil.“

Der Schöpfer wird ein „Weiser“genannt, denn Er besitzt das Licht Chochma und alle notwendigen Kräfte. Ein Mensch, der sich ein Beispiel am Schöpfer nimmt, wird ein „Schüler eines Weisen“ genannt, denn er kopiert des Schöpfers Formen des Gebens.

Trotzdem müssen wir verstehen, dass dies nicht nur das Kopieren einer Handlung ist. Zunächst müssen wir damit einverstanden sein, diese Form anzunehmen, weil das etwas ist, was wir überhaupt nicht wollen. Wenn wir damit einverstanden sind, bedeutet das, dass wir uns irgendwie selbst einschränken und einen Ort in uns schaffen, wo diese sich offenkundig machen können, dann sind wir bereit diese Formen in unserem empfangenden Verlangen wahrzunehmen, und sodann zu verstehen, wie sie gebildet wurden und sie zu wiederholen. Dies bedeutet, ungeachtet unseres Verlangens zu studieren, zusammen mit dem Verlangen und dem Verstand, bis wir erkennen, wie wir die Beispiele des Schöpfers in der Praxis an uns selbst ausdrücken und ausführen können.

Eine lange Kette von Handlungen liegt zwischen unserer Bereitschaft, ein Beispiel zu empfangen und es lebendig werden zu lassen. Und all dies, wird „das Werk des Schöpfers“ genannt, da wir das Beispiel, das wir erhielten und selbst verwirklichen, mittels der Kraft und der Weisheit, die auch von oben kommen.

Während des ganzen Prozesses müssen wir nur das Verlangen haben aufzusteigen – das Verlangen, das wir von der Umgebung empfangen.

Aus dem 1.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 02/03/2011, Schriften von Rabash

Das Trugbild (Fata Morgana)

Eine Frage, die ich erhielt: Stimmt es, dass die Nächstenliebe nur bezüglich des Wunsches zur Spiritualität möglich ist, und ich soll die materiellen Wünsche eines Freundes nicht erfüllen?

Denn ich sehe jetzt, dass ich nicht mal bereit bin, das Fleischstück am Tisch zu teilen.

Meine Antwort: Anfangs reicht uns die Verbindung zum Nächsten in seinem Wunsch, den Schöpfer zu erreichen.

Und später wirst du dich so fühlen, als ob neben dir am Tisch dein kleiner Sohn sitzt – wirst du ihm dann das Stück Fleisch wegnehmen können, um es selbst aufzuessen? So wirst du dich zur ganzen Welt verhalten.

Es ist unverständlich, warum es notwendig ist und was du im Endeffekt bekommen wirst? – Die Antwort auf diese Frage, d.h. das Ziel des Gebens, wird oft vergessen, weshalb uns diese Handlung  als künstlich vorkommt: Du wirst fühlen, dass du dem Schöpfer ähnlich bist und Ihm dadurch den Genuss bereiten, wenn du solche Korrektur erreichst!

Jetzt hast du kein solches Bedürfnis, weshalb die Handlung des Gebens grundlos, gewaltsam aussieht. Es gibt kein anderes Ziel, außer der Ähnlichkeit zum Schöpfer.

Denn dir scheint es nur so zu sein, dass die ganze Welt leidet, und dass es die armen und unglücklichen Menschen gibt. Wenn du dich korrigieren wirst, dann wirst du sehen, dass sie alle reich und glücklich, klug und gesund sind. (Siehe den Artikel von Baal HaSulam „Die Verhüllung und die Enthüllung des Schöpfers“).

Wir verstehen nicht, welche Illusion es ist, in der Welt die Leiden zu sehen. Jedem Menschen wird absichtlich die hässliche Welt gezeigt, um ihm die Empfindung zu geben, wie viel  korrigiert werden soll, um die Vollkommenheit zu erreichen.

Wir sehen, dass jeder anders denkt und die eigene Meinung hat. Woher kommt es? – Weil jeder ein anderes Weltbild sieht. Denn die Welt hat in Wirklichkeit kein Bild, keine Form – alles wird innen, in den Eigenschaften des Menschen geöffnet!

Und wenn ich beginne, die Wahrheit zu öffnen, dann verstehe ich, dass sich hinter allen Bildern dieser Welt, die vor mir wie die Trugbilder in der Wüste entsteht, ein Gedanken verbirgt, der mir solche Realität bildet. Und diese Form ist so schwankend wie das Trugbild selbst, das in der Luft schwebt und sich die ganze Zeit verändert.

Und sich durch diese Gespenster und die Ungewissheit durchzukämpfen, ist nur in der Gruppe möglich, die dir die ganze Zeit den Fokus der Sehkraft auf die Wahrheit korrigiert.

Die Wahrheit ist das Begreifen der Kraft, die das ganze Trugbild verwaltet, damit es uns klar wird, wie und warum diese Kraft gerade diese Formen schafft, und damit wir uns mit dieser Kraft auf der anderen Seite des sichtbaren Bildes dieser Welt verbinden und zusammen arbeiten.

Wie es gesagt ist: „Der Mensch wird geben, um die Wahrheit zu finden“.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Liebe zum Schöpfer und zu den Geschöpfen“

Wenn wir den Schöpfer empfinden wollen

In der Schatzkammer des Schöpfers gibt es alles – außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Diese müssen wir selbst in uns erzeugen. Das bedeutet, dass wir unser egoistisches Verlangen in Furcht verwandeln müssen – aus dem Verständnis heraus, dass wir niemals zur Eigenschaft des Gebens gelangen werden, wenn der Schöpfer uns kein Kli (Gefäß) dafür baut.

Es gibt viele Arten von Angst: Einer fürchtet sich vor der Bank wegen großer Schulden, ein anderer hat sich danebenbenommen und hat Angst vor der Polizei. Und alle von uns fürchten sich vor der Meinung der Gesellschaft, vor dem, was andere über uns sagen könnten. Wir sind in strenge Rahmenbedingungen gepresst, die uns die Regeln des Lebens diktieren – und innerhalb dieser leben wir.

Doch gerade dieser Druck – von der unbelebten Natur, der pflanzlichen und tierischen Welt und den Menschen – ist es, der uns das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Wenn ich ihre Reaktionen nicht spüren würde, würde ich auch diese Welt nicht empfinden. Einerseits bedrückt mich dieser Druck durch mein Umfeld, andererseits bestimmt gerade dieser Druck den Ort meines Daseins – sonst würde ich ihn gar nicht spüren.

Wenn wir also den Schöpfer empfinden wollen, müssen wir spüren, wie Er Druck auf uns ausübt – und in welchem Maß wir im Gegenzug auf Ihn einwirken können. Das bedeutet, eine gegenseitige Verbindung mit Ihm einzugehen.

Wir fürchten uns vor allem Möglichen: vor Problemen in der Schule, in die unser Kind geht, vor Polizei, Ärzten, Vorgesetzten bei der Arbeit, vor den Krankheiten und tausend weiteren möglichen Unannehmlichkeiten. Doch wir merken nicht einmal, wie sehr uns diese Angst lebendig macht.

Denn im Grunde genommen treibt uns nur ein primitives Verlangen an: das Verlangen nach Genuss, das Verlangen, zu empfangen. Und wenn wir spüren, wie das Umfeld ständig Druck auf uns ausübt und uns formt, dann fühlen wir uns lebendig in dieser Welt.

Wenn wir aber in einer anderen, höheren Welt leben wollen, müssen wir in uns Kelim (Gefäße) für deren Wahrnehmung entwickeln. In unserer Welt fürchten wir uns vor der unbelebten Natur (Klima, Stürme usw.), vor der pflanzlichen Natur (Ernte, Nahrung), vor Tieren und Menschen. Letztlich empfinden wir uns als lebendig durch Angst und Druck, die wir von außen spüren – und merken es nicht einmal.

Diese Angst bestimmt unser ganzes Bild vom Leben, die Form der Welt, des Daseins. Wenn der Druck durch das Umfeld verschwinden würde, wenn ich nicht mehr spüren würde, dass ich andere brauche, sie will oder mich vor ihnen fürchte – dann würde ich die Realität nicht mehr fühlen. Und genau deshalb spüren wir den Schöpfer nicht. Wir müssen in uns Furcht oder Empfindsamkeit gegenüber dem Schöpfer entwickeln.

Wenn ich eine andere Realität spüren will – die als Höhere Welt bezeichnet wird, also die Welten Assija, Yezira, Brija, Azilut, Adam Kadmon, die Welt der Unendlichkeit –, dann muss ich mich jedes Mal verändern und mich fragen, welche Verlangen, welche Ängste und welche Klärungen ich gegenüber der äußeren Umgebung haben sollte.

Die Kabbalisten sagen: Wir haben keinen Grund zur Sorge, denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes. Es gibt also nichts, wovor wir uns fürchten müssten. Nur eines ist entscheidend: Wenn wir Seine Güte empfinden wollen, müssen wir ein entsprechendes Kli erschaffen – den Wunsch, Ihm Gutes zu tun. Dann, gemäß der Ähnlichkeit unserer Eigenschaften, werden wir den Schöpfer empfinden und erkennen, dass es keinen besseren Zustand als diesen gibt. Er wird uns Sicherheit, Genuss, Erfüllung bringen – wir müssen dem Schöpfer nur wohlwollend begegnen.

Das Kli, um die Höhere Welt, den Schöpfer, zu spüren, ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Doch eigentlich habe ich nichts, wovor ich mich vor dem Schöpfer fürchten müsste – denn Er wird mir nichts Böses tun. Nur ich selbst schade mir durch meinen Egoismus. Je nachdem, ob ich den bösen oder den guten Trieb wähle, wird mir das Licht, das vom Schöpfer kommt, als Licht oder als Dunkelheit erscheinen. Alles hängt von mir ab.

Wenn ich mit einem passenden Kli in die Schatzkammer des Königs eintrete, kann ich darin einen Teil des Lichts empfangen – und jedes Mal mehr. Der Schöpfer wünscht sich, dass wir Seine ganze Schatzkammer, das gesamte unendliche Licht, in uns aufnehmen – also die Stufen der Leiter bis zur Welt der Unendlichkeit aufsteigen.

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Aus einem Unterricht zum Artikel Shamati 38.

Die Weisheit der Schöpfung ergründen

Frage: Die gesamte Realität beinhaltet das Licht und das Kli, den Schöpfer und die Schöpfung, mich und den Nächsten. Warum erscheint der Sohar dann so schwer und verwirrend?

Meine Antwort: Der Sohar erscheint nur uns schwer und verwirrend, weil wir nicht das gesamte Bild sehen. Uns kommen „ich“ und „die Welt“, meine Verlangen, meine Gedanken, Kräfte, die in dieser ganzen Realität wirken, und Erfüllungen in ihr getrennt voneinander, zerbrochen vor. Aus diesem Grund zeichnet mir diese Kraft des Zerbrechens ein äußerst kompliziertes, verwirrendes Bild. Und alles nur, weil ich das nicht miteinander vereint sehe, und die Trennung bringt mir die Verwirrung.

In dem Maße, in dem wir fähig sind, nicht im Verstand (er nützt nichts!), sondern in den Gefühlen, also in den korrigierteren Kelim/Verlangen alle diese Details der Wahrnehmung vereint zu erkennen – ich, der Nächste, der Schöpfer, das Studium, die Gruppe, die Umgebung, alles, was existiert -, also in dem Maße, in dem ich mich danach sehne, all das zu vereinen, bringen mir diese Anstrengungen das Licht. Und das Licht bringt mich zum Betrachten eines einheitlicheren Bildes, in dem sich alle Elemente allmählich zu verbinden beginnen.

Aus der Verbindung all dieser Gegensätze, die zu unterstützenden und miteinander verbundenen werden, resultiert die ganze Weisheit. Je weiter voneinander entfernt und entgegengesetzter diese ganzen Details des Bildes der Realität, die ich nun miteinander verbinden und einander unterstützend und ergänzend sehe, früher waren, desto tiefer ergründe ich den Schöpfungsgedanken, das Schöpfungsprogramm, den Prozess, den wir durchlaufen.

Aus diesen Gegensätzen heraus fange ich an zu leben, diese erstaunliche Weisheit wahrzunehmen, die höhere Lenkung zusammenzufassen und sie auf die Einzige Kraft zu beziehen.

All das geschieht infolge der Einwirkung des Lichts auf meine zerbrochenen Verlangen und Gedanken, wenn ich will, dass es sie vereint.

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Auszug aus dem Sohar-Unterricht. Das Vorwort

Einander auf Distanz verstehen

Frage: Wenn wir uns auf einer spirituellen Stufe befinden, werden wir einander dann ohne Worte verstehen können?

Antwort: Grundsätzlich ja. Natürlich ist es möglich, mit einem gemeinsamen Massach ohne verbale Kommunikation zu arbeiten. Aber noch nicht jetzt.

Eine solche Kommunikation kann nicht nur zwischen zwei Menschen stattfinden, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden, sondern auch zwischen Menschen, die sich in verschiedenen Teilen der Welt und sogar in zwei verschiedenen Welten aufhalten – das spielt keine Rolle. Was uns daran hindert, einander zu verstehen, sind die mechanischen, kleinen Beschränkungen unserer Welt.

Frage: Warum ist es unmöglich, eine plötzlich auftretende Empfindung in Worte zu fassen, nicht einmal für sich selbst?

Antwort: Das bedeutet, dass man die spirituelle Einwirkung noch nicht gleichzeitig im Verstand und im Herzen empfinden kann.

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Aus dem russischen Kabbala-Unterricht vom 01.04.2018

Übergang von Welt zu Welt

Wir alle befinden uns im Zustand des „Exils“ – dem Exil vom Empfinden und Erkennen des Schöpfers, der höheren, spirituellen Welt. Es gibt nur zwei Zustände: Exil und Erlösung.

Da wir uns im Zustand befinden, in dem der Schöpfer verborgen ist, erleben wir eine Realität, wie sie sich uns derzeit zeigt – vergänglich und veränderlich unter dem Einfluss der Naturgesetze.

Doch es gibt eine spirituelle Realität, in die wir aufsteigen können. Dort gelten andere Zeiten und Definitionen, und wir erheben uns über Zeit, Bewegung und Raum.

Wie also erfolgt der Übergang von dieser Welt, der materiellen Realität, die durch unsere physischen Sinnesorgane wahrgenommen wird, in die spirituelle Realität? Dafür müssen wir spirituelle Sinnesorgane entwickeln, mit denen wir die spirituelle Welt wahrnehmen können.

Selbst im tierischen Körper, noch während des Lebens in dieser Welt, können wir parallel zur materiellen Realität auch die spirituelle Realität empfinden. Und letztlich wird die materielle Realität verschwinden, und wir alle werden in die spirituelle Welt eintreten.

Wie erreichen wir die Erlösung von unserem Egoismus, der uns gegenwärtig an die Wahrnehmung allein dieser Welt bindet? Nach dem Plan des Schöpfers bereitet uns der Egoismus verschiedene Probleme und Leiden, um uns zu zwingen, aufzusteigen und diese Welt zu verlassen. Denn würden wir uns darin ständig wohlfühlen, blieben wir für immer in diesen kleinen egoistischen Wünschen gefangen.

Der Schöpfer will, dass wir uns entwickeln, und deshalb erweckt Er in uns durch verschiedene Probleme und Leiden das Bedürfnis, unseren Zustand zu verändern. Zugleich weist Er uns eine Richtung zur Veränderung, indem Er zwischen uns egoistische Beziehungen erweckt, die uns zur Erkenntnis führen, dass wir zu einer anderen Wahrnehmung der Welt aufsteigen müssen – zu einer Realität, die über unserem Verstand liegt.

Der Übergang von Welt zu Welt hängt davon ab, ob der Mensch die Realität persönlich, individuell wahrnimmt, also so, wie wir sie heute sehen. Durch persönliche Wahrnehmung ist es unmöglich, die Welt anders zu empfinden. Oder aber der Mensch beginnt, sich mit anderen zu verbinden und nimmt die Realität aus dieser Verbindung heraus wahr.

Er beginnt, nicht an sich selbst zu denken, sondern daran, was gut für die Gruppe, für den Zehner oder sogar für die ganze Menschheit ist. Er identifiziert sich mit den anderen, außerhalb seiner selbst, und beginnt, die Realität durch sie wahrzunehmen. Das ist bereits eine spirituelle Wahrnehmung der Realität, denn er erhebt sich über seinen Egoismus, das Verlangen zu genießen, welches als „Körper“ bezeichnet wird, hin zu einer anderen Wahrnehmung im gemeinsamen Verlangen zwischen ihm und den anderen – dem, was „Seele“ genannt wird.

So erlangt er eine neue Wahrnehmung der Realität. Der Übergang von der körperlichen zur spirituellen Wahrnehmung der Realität ist also der Aufstieg von der innerlich persönlichen Empfindung hin zur gemeinsamen Empfindung der Gruppe, vom Empfinden des „Ich“ zum „Wir“. Und je größer dieses „WIR“ ist, desto stärker ist das Empfinden der spirituellen Realität – ewig und vollkommen, unabhängig von der persönlichen Wahrnehmung des Menschen.

Das wird die neue, wahre Wahrnehmung der einzig existierenden Realität sein. Was wir jetzt erleben, ist eine eingebildete Realität, und unsere gesamte Welt ist eine Illusion, die in unseren materiellen Sinnesorganen durch egoistische Wünsche entsteht, die alles zu sich hinziehen wollen. Eine solche Realität existiert nur in unserer Vorstellung.

Wenn wir von der materiellen zur spirituellen Wahrnehmung der Welt aufsteigen, fühlen wir, als würden wir aus einem Traum erwachen. Derzeit befinden wir uns wie im Schlaf – und wir müssen aufwachen.

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Aus dem Unterricht zum Artikel von Baal HaSulam „Das Erbe des Landes“

Das Ende der ägyptischen Sklaverei

Es ist nicht leicht die Frage zu beantworten, wo der Punkt ist, von dem aus ein Mensch bestimmen kann, ob er Genuss vom Egoismus oder vom Geben haben wird. Möchte der Mensch ein Sklave des Pharao oder des Schöpfers sein?

Unsere Hauptaufgabe ist es, einen Punkt zu erreichen, an dem wir darum bitten, einen anderen Herrscher zu bekommen, sodass die Kraft des Gebens, anstatt des Empfangens über uns herrschen wird. Wir studieren Kabbala und führen alle Ratschläge der Kabbalisten aus, damit wir diese Wahl haben können.

Entweder kommen wir durch den Weg des Leidens zu dieser Entscheidung, durch die natürliche Entwicklung der Zeit (Beito) oder durch den Weg des Lichtes (Achishena). Auf dem Weg der natürlichen Entwicklung erwarten uns nur Schläge. Dies geschieht dann, wenn der Schöpfer dem Pharao, unserem Egoismus oder dem Verlangen für sich zu empfangen, jeden möglichen Genuss wegnimmt, und darum erleben wir Leiden. Deshalb sind wir bereit, der Herrschaft des Pharao zu entfliehen und unser Selbst von ihm zu distanzieren. Schließlich zwingt uns die Natur selbst, alles zu vermeiden, was für uns Leiden hervorruft.

Und dann gibt es den Weg des Lichtes, die “Beschleunigung der Zeit” (Achishena). Dies geschieht dann, wenn unser egoistisches Verlangen uns noch erlaubt, Genuss zu empfangen, wir jedoch verschiedene Handlungen ausführen, um eine neue Einstellung zum Verlangen zu geben zu entwickeln. Und obwohl ich egoistischen Genuss empfange und unter der Herrschaft des Pharao stehe, empfinde ich dies nicht als etwas Negatives: Ich genieße das Leben. Aber ich fange an, nach einem Weg zu suchen, mich über ihn zu erheben und nicht länger auf ihn angewiesen zu sein, beginne, die Eigenschaft des Gebens zu schätzen.

Das bedeutet, dass ich versuche, den Weg des Lichtes zu gehen, so dass die Eigenschaft des Gebens auf mich wirkt und mich verstehen lässt, dass der Pharao ein böser Herrscher ist. Das Böse ist nicht der Genuss, den er gibt, sondern das Empfangen dieses Genusses für mich selbst. Dieses völlig neue Kriterium basiert nicht auf Genüssen, sondern auf ihrer Ausrichtung, darauf, wer empfängt: Ich oder die anderen (oder der Schöpfer zusammen mit anderen).

Und dann, anstatt den Weg durch Empfindungen entsprechend von Genuss oder Leiden zu beurteilen, wechsle ich zu einer logischen Berechnung von Gut und Böse, wahr oder falsch. Ich erkenne, dass Wahrheit, das Geben, die Höhere Kraft, der Schöpfer ist und ich will dieses Wahrheit! Und selbst wenn ich mich unter der Herrschaft des Pharao gut fühle, möchte ich mich immer noch am Geben festhalten.

Wenn ein Mensch zu solch einer Erkenntnis kommt, erhebt er sich über die natürliche oder tierische Bewertung (Beito) und trifft auf der Ebene von “Achishena” Entscheidungen und dadurch treibt er sich selbst dazu, aus der Herrschaft des Pharao zu entkommen. Und dann braucht er keine physischen Leiden und Schläge zu erleben, die wir als verschiedene Krisen für das Verlangen zu empfangen in der Welt spüren und die in der Zukunft nur zunehmen werden, wenn wir fortfahren, uns durch den natürlichen Fluss von Eregnissen (Beito) zu entwickeln.

Sein Leiden wird zum Leiden auf dem Weg von “Achishena”, zum Leiden aus Liebe. Letztendlich strebt er zum Geben oder Höheren Licht, um seinen Genuss von egoistisch zum Genuss zu geben zu ändern. Auf diese Weise macht ein Mensch Fortschritte.

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Aus dem 1. Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes, Schriften von Rabash

Wann wird der Frieden kommen

S. Vinokur: In Israel herrscht Krieg, und wir konzentrieren uns sehr auf die Technologie: Iron-Dome-Verteidigungstechnologie, Lasertechnologie, Angriffstechnologie – Wasserbomben, moderne Flugzeuge und so weiter. Ich denke immer wieder, dass die Technologie auf die eine oder andere Weise früher oder später auf der anderen Seite auftauchen wird.

M. Laitman: Natürlich. Es wird ein Kampf der Technologien sein.

S. Vinokur: Sagen Sie bitte, an welchem Punkt der Umbruch kommen wird und wir anfangen, über die Wurzel des Problems nachzudenken?

M. Laitman: Die Wurzel des Problems – sie ist unlösbar. Deshalb schalten alle auf die Folgen um – Lieferfähigkeit, Bekämpfung, Kampfstrategien.

Die Wurzel des Problems ist der Egoismus des Menschen. Ich habe noch keine Methode auf der Welt gesehen, die ihn in irgendeiner Weise einschränken kann. Was wir hier brauchen, ist eine Erkenntnis über das Übel unseres Egoismus und wie wir davon geheilt werden können.

Frage: Wie zieht dieser Egoismus Kriege an? Der Egoismus will, dass wir uns hier, in unserem Inneren wohlfühlen. Richtig?

M. Laitman: Ja. Aber das Problem ist, dass das, was im Inneren gut ist, im Außen schlecht ist. Wir verstehen nicht, wie wir unseren Egoismus kontrollieren können, damit er sich gut anfühlt.

S. Vinokur: Sie sprachen immer wieder von der Einheit des Volkes Israel, von der Einheit der Nation, von einem Herzen und so weiter. Wenn Sie das sagen, meinen Sie damit speziell die Wurzel, richtig?

M. Laitman: Ich spreche von der Wurzel, ich spreche davon, was die Nation in unserer Zeit, in unserer Generation tun kann, damit die Welt keine Kriege mehr kennt. Unser Gedanke sollte der Weltfrieden sein. Es liegt an uns.
Wir müssen die Tora lesen. Sie sagt alles sehr einfach. Wenn wir wollen, dass es Frieden gibt, müssen wir ihn selbst schaffen. Wir müssen den Frieden selbst schaffen, indem wir handeln.

Frage: Wenn Sie also sagen, dass diese Wurzel nicht erreichbar ist, was meinen Sie damit? Einerseits fordern Sie den Frieden, andererseits erklären Sie ihn für nicht erreichbar. Wie meinen Sie das?

M. Laitman: Er ist nicht mit unseren menschlichen Kräften, mit unserem Verstand, erreichbar. Aber er ist durch unsere inneren Anstrengungen möglich, wenn wir zum Schöpfer beten und ihn davon überzeugen können, dass wir zum Frieden bereit sind. Frieden unter uns selbst. Und von da an wird es Frieden in der Welt geben. Wir haben schon so viel gelitten, dass wir uns eine Welt im Leid und eine Welt ohne Leid vorstellen können, und wählen können, zu welcher Welt wir gehören wollen.

Frage: Das ist also die Wurzel unseres Problems und des Problems der Welt?

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Nuancen des spirituellen Fortschritts

Frage: Wenn wir im Zehner zu arbeiten beginnen, bekommen wir Schläge. Wie gehen wir damit um?

Antwort: Selbst ein einzelner Mensch, der voranschreitet erhält Rückschläge, die ihn zurückwerfen. Es ist umso intensiver, wenn wir uns mit der Annäherung an den Zehner beschäftigen. Es ist wie ein Gewehrschuss. Die Kugel fliegt nach vorne und das Gewehr gibt einen Rückstoß. So ist es immer, entsprechend dem Gesetz der Energieerhaltung.

Wir befinden uns in der physischen Welt. Auch wenn wir diese Welt als spirituell bezeichnen, gelten darin klare Gesetze von Aktion und Reaktion. Daher ruft jeder spirituelle Fortschritt ebenso Abstoßung hervor.

Wir müssen das berücksichtigen, selbst wenn wir Rückschläge verspüren, müssen wir sie als physikalische Gesetze verstehen. Wir müssen sie wie die Gesetze behandeln, die wir über die Welt um uns herum erfahren.

Die Kabbala lehrt uns, wie wir anhand der negativen Reaktionen, die wir erleben, erkennen können, wie weit wir vorangekommen sind. Dies ist eine absolut präzise Aufgabe, die vor einem Menschen liegt, es sollte ihm klar sein, wie er damit umgehen kann.

Wir lernen, dass die wichtigste Formel, die wir umsetzen müssen, lautet: „Alle Sünden werden durch Liebe bedeckt“. Je mehr die Liebe zum Vorschein kommt, desto mehr offenbart sich der Hass und wir müssen das eine mit dem anderen bedecken. Wir müssen immer – im Familienleben und in den zwischenmenschlichen Beziehungen erkennen, dass ein solches Gesetz gilt.

Wenn die Menschen das wüssten, könnten sie eine richtige Gesellschaft, Familie und Beziehungen aufbauen. Sie würden nicht streiten oder Kriege führen, da sie verstehen würden, dass alles von Plus und Minus begleitet wird.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Fragen und Antworten“