Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'verbinden'

Das Fest der Gabe der Tora gibt es jeden Tag!

Frage: Wenn wir die Tora bereits am Berg Sinai erhalten haben, warum müssen wir sie dann jedes Jahr am Schawuot erneut empfangen?

Antwort: Es geht hier nicht um eine materielle Handlung, nicht darum, dass wir tatsächlich physisch am Berg Sinai waren.

Es heißt, dass der Mensch sich jeden Tag vorstellen soll, wie er aus Ägypten auszieht. Er muss jeden Tag die Zehn Gebote hören, als würde er sie immer wieder neu empfangen.

Und das ist tatsächlich so. Denn unser Ego, unser Verlangen nach Genuss, erneuert sich jedes Mal, und als Gegengewicht dazu müssen wir ständig das Verlangen nach Geben, nach Liebe und die Kraft der Liebe wecken. Deshalb wird uns jeden Tag die Tora geschenkt.

Aber jetzt befinden wir uns im Exil, d. h. in einem Zustand, in dem wir diese gute Kraft, die vor uns verborgen ist, nicht fühlen. Und wir können sie nur mit Hilfe der Wissenschaft der Kabbala offenbaren, die bis vor kurzem ebenfalls absichtlich verborgen war.

Frage: Was ist der Zusammenhang zwischen der Tora und der Wissenschaft der Kabbala?

Antwort: Die Kabbala wird als die wahre Tora oder als Wissenschaft des Lichts bezeichnet, denn genau sie ist dazu bestimmt, aus der Tora, aus unserem Leben und aus der Natur die gute Kraft, die Kraft des Gebens und der Liebe, zu entnehmen und die Bürgschaft, die Einheit zwischen uns, zu verwirklichen.

Ohne sie können wir das nicht umsetzen, wir haben keine Methode, die uns helfen könnte, uns auf eine gute Art und Weise mit anderen zu vereinen. Seit Jahrzehnten versuchen wir das in Israel, und es wird nur noch schlimmer. Wir sind bereits an einem Punkt angelangt, den man nicht länger ertragen kann.

Die Kabbala offenbart uns jedoch die Kraft des Guten, die verbindende Kraft der Liebe, und gibt uns die Möglichkeit, sie zu nutzen. Überall dort, wo sich das Böse zeigt, beginnen wir zu spüren, wie wir es mit der Kraft des Guten ausgleichen können.

Dann haben wir bereits zwei Kräfte, mit deren Hilfe wir uns in die richtige Richtung bewegen können – hin zu Vereinigung, Liebe, Vollkommenheit und einer guten Entwicklung.

Aus der Sendung beim Rundfunksender 103FM

[#159833]

Das Tempo des Fortschritts beschleunigen

Unsere einzige Wahl besteht darin, das Tempo des Fortschritts zu beschleunigen.

Nehmen wir an, diese Welt würde bei ihrem derzeitigen Tempo erst in 100.000 Jahren zur Endkorrektur gelangen. In seinen früheren Kreisläufen hat der Mensch einen Teil des Weges auf natürliche Weise zurückgelegt, und jetzt kann er gemeinsam mit der Welt den gesamten Weg, der bis zur Endkorrektur noch verbleibt, schneller zurücklegen – zum Beispiel nicht in 70.000 Jahren, sondern in 7–10 Jahren.

Wie können wir uns also nicht beeilen? Die einzige Wahl, die wir haben, ist: Gas geben oder halt nicht. Dem Menschen kommt es so vor, als müsse er etwas Außergewöhnliches tun, aber man muss einfach dasselbe tun, nur schneller.

Geschwindigkeit, Rhythmus, Tempo – das ist der Einsatz innerer Anstrengung für das, was ich benötige. Zum Beispiel: Um mich noch etwas mehr mit einem Freund zu verbinden, setze ich mich selbst mehr unter Druck. Noch etwas mehr lernen – ich setze mich wieder unter Druck. Das heißt, all das Gleiche zu tun, aber mit größerer Anstrengung.

Was bringt es, wenn ich von einer Ecke zur anderen laufe? Was kommt dabei heraus außer Wind? Unter Geschwindigkeit versteht man den Einsatz eigener Anstrengung in jeder Kleinigkeit, die ich erforschen und präzisieren muss.

So wie du jetzt zweieinhalb Stunden im Unterricht sitzt, so bemühe dich, gefasster und konzentrierter auf den Unterricht und sein Ziel zu sein – und nichts darüber hinaus. Damit diese Absicht nicht verschwindet, halte sie ständig fest. Vor dir müssen nur der Unterricht und sein Ziel stehen. Und das bedeutet bereits, dass du auf dem richtigen Weg bist. Wenn du dich in diesen Gedanken vertiefst und Angst hast, ihn zu verlieren, dann erhöhst du die Geschwindigkeit.

Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash von 11.05.2026

[#356546]

Das Gespräch des Schöpfers mit dem geliebten Geschöpf

Wenn ich beginne, meine Beziehung zur ganzen Welt zu korrigieren – zu allen anderen Seelen, zu meinen Freunden in der Gruppe und beim Studium –, entdecke ich plötzlich, dass es nur mich und den Schöpfer gibt – und sonst niemanden …

Das bedeutet: Alle Freunde, die ganze Welt, die unbelebte, pflanzliche und tierische Natur, die Menschen, die Seelen – all das sind im Grunde Erscheinungsformen des Schöpfers mir gegenüber. Denn der Schöpfer kann sich mir nicht als Licht ohne Gefäß (Kli) offenbaren – ich hätte nichts, womit ich Ihn wahrnehmen könnte.

Deshalb teilt der Schöpfer die Schöpfung in zwei Teile: das Geschöpf selbst, seine Seele – und alle übrigen Wünsche außerhalb dieses Geschöpfes, die dem Schöpfer zugeordnet sind.

Der hebräische Begriff für Schöpfer, Bore, setzt sich zusammen aus den Worten Bo – Re, also: „Komm und sieh“. Wenn sich das Geschöpf mit diesem scheinbar äußeren Kli verbindet, drückt es dadurch seine Beziehung zum Schöpfer aus – und in diesem Gefäß offenbart sich das Licht. All dies gibt dem Geschöpf die Möglichkeit, die Höhere Kraft zu enthüllen.

Dann beginnt das Geschöpf, die „Sprache“ des Schöpfers zu verstehen – das Gespräch, das der Schöpfer mit ihm führt. Manchmal scheint es ihm, als sei dieses „äußere“ Kli höher, über ihm, manchmal niedriger, unter ihm. Manchmal erscheint ihm die Welt wie ein leerer Raum, in dem es absolut nichts gibt. Aber wenn das Geschöpf versteht, dass der Schöpfer für es absichtlich diesen leeren Raum freigemacht hat, damit es ihn selbst mit seinem Verlangen zu geben füllen kann – dann hat es ein Arbeitsfeld erhalten.

In dieser Leere fehlt das Licht des Glaubens, das Licht des Gebens – Chassadim. Und wenn das Geschöpf bereits in der Lage ist, diesen leeren Raum mit dem Licht von Chassadim zu füllen, dann verbindet es sich dadurch mit dem Schöpfer und kann darin auch das Licht von Chochma (Weisheit) offenbaren.

Und es gibt auch umgekehrte Zustände, in denen der Schöpfer das Geschöpf spüren lässt, dass es erfüllt ist. Zuerst fühlt es sich an, als würde man vor einem gewaltigen Licht stehen, das sich aber noch außerhalb von einem befindet – dieses Empfinden wird uns in den ersten neun Sefirot (den TET Rishonot) gegeben.

Der Mensch muss auf diesen Genuss ein Zimzum (eine Einschränkung) machen, seine innere Grenze – bis zu welcher er das Licht aufnehmen kann – auf die Höhe von Nikwej Ejnaim (Öffnungen der Augen) anheben und in den drei Linien arbeiten, um mit dem Massach (Schirm) dieses Licht zu messen, das vor ihm steht – um zu klären, inwieweit man es um des Gebens willen annehmen kann.

So schreiten wir voran, durchlaufen verschiedene Zustände – oft auch unbewusst. Aber sie offenbaren sich nur unter der Bedingung, dass wir nicht vergessen: Es gibt nur ein Licht und ein Gefäß – das für uns in viele Teile aufgeteilt wurde, die wir nach und nach mit der Absicht zu geben an uns anschließen müssen.

Auf diesem Weg stehen uns zwei Hauptetappen bevor:

  1. Die Stufe von Bina (Chafez Chessed, das Verlangen nach Barmherzigkeit), auf der der Mensch noch nicht wirklich in Verbindung mit anderen treten kann. Er lernt lediglich, seinem Egoismus zu widerstehen, sich über seine Wünsche, über all seine enthüllte böse Neigung zu erheben, und erlangt so die Gefäße von GE (Galgalta we Ejnaim – Kopf und Augen).

  2. Danach beginnt er mit der ”Verbindung der Eigenschaften der Barmherzigkeit und des Gerichts“  zu arbeiten– das heißt, er beginnt auch seine empfangenden Wünsche, die in ihn eingeschlossen sind, zum Geben zu nutzen.

    [38119]

Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash

Wege der Kommunikation zwischen Kabbalisten

Frage: Wenn Kabbalisten miteinander kommunizieren – sprechen sie in einer gewöhnlichen Sprache oder in einer unverständlichen?

Antwort: Sie müssen gar nichts sagen – sie können sich über einen gemeinsamen Schirm (Massach) verbinden. Wozu brauchen sie den physischen Körper? Sie können als Seelen miteinander kommunizieren, mit einem gemeinsamen Schirm zwischen ihnen.

Natürlich können sie auch miteinander sprechen. Darüber hinaus ist es möglich, dass sich jeder bewusst in einem bestimmten Maß einschränkt und sich dem anderen nicht vollständig öffnet.

Es gibt solche Möglichkeiten – und manchmal ist das sogar notwendig –, um einander nicht zu schaden oder sich nicht vollständig zu enthüllen. Es kann vieles passieren, trotz der guten Absichten aller Beteiligten.

Das heißt, es gibt unzählige Arten der Kommunikation unter Kabbalisten: durch Bücher, durch Lieder, durch Musik. Sie erschaffen diese Empfindungen und Bilder innerlich in sich selbst, leben in der materiellen Welt und zugleich im nächsten Dimension, befinden sich dort sinnlich – und so kommunizieren sie.

Aber nur nach dem Gesetz der Ähnlichkeit der Eigenschaften. Das ist das allgemeine, umfassendste und grundlegendste Gesetz der Natur.

[343433]

Aus dem Gespräch „Ich bekam einen Anruf. Kabbalisten sprechen.“

Ich möchte im Buch Sohar leben

Das Buch Sohar ist ein heiliges Werk. Es spricht eine ganz besondere und präzise Sprache. Es ermöglicht uns, das Gesamtbild zu erfassen und sich auf ein bestimmtes Detail zu konzentrieren, das es vermitteln möchte. Dadurch wird unser Blick erweitert und gleichzeitig auf entscheidende Punkte fokussiert. Wenn wir kabbalistische Texte, wie den Sohar, Schriften von Baal HaSulam oder Rabash lesen, sollten wir unser Herz mit demjenigen verbinden, der uns dieses Wissen vermittelt hat.

Insbesondere, im „Vorwort zum Buch Sohar“ von Baal HaSulam möchte er uns mit dem Buch „Sohar für das Volk“ verbinden, einem Werk, das im gesamten Volk Israel von großer Bedeutung sein sollte. Zu diesem Zweck verfasste er dieses Vorwort und verbreitete es.

Beim Lesen solcher Texte sollten wir uns von einer rein wörtlichen Auslegung lösen und versuchen, uns mit der spirituellen Botschaft zu verbinden, die der Kabbalist uns vermitteln möchte. Nach dem Lesen jeden Abschnitts sollten wir zu den Worten zurückkehren sie in unser Herz aufnehmen, um eine Verbindung zwischen unseren Herzen und dem von Baal HaSulam, der diese Texte geschrieben hat, herzustellen.

Die Werke der Kabbalisten sind für uns von großer Bedeutung, da sie eine Botschaft enthalten, die uns von unseren Lehrern überliefert wurde. Mit dieser Botschaft wollen sie uns mit tausend Fäden untereinander und mit dem Buch Sohar verbinden. Im „Vorwort zum Buch Sohar“ finden wir alle Worte und Gesetze, die uns helfen, uns dem Schöpfer zu nähern und mit Ihm in Verbindung zu treten. Diese Texte ermöglichen es uns, eine Verbindung zur Spiritualität und zur Ewigkeit herzustellen. Wenn ein Mensch sich mit dem Buch Sohar, mit der spirituellen Quelle verbinden möchte, stellt er beim Lesen fest, wie ihn der Text zunehmend mit der Spiritualität in allen Facetten verbindet. Er öffnet dabei sein Herz und seine Augen, um einen tiefen Wunsch zu entwickeln, sich zu erheben, sich an die spirituelle Wurzel zu klammern, von der der Sohar spricht.

Selbst in Zeiten, wenn man das Buch Sohar nicht liest, sollte man es anstreben, in seinem Geist zu leben. Das bedeutet, dass der Mensch sich bemüht, mit Freunden, in der Gruppe, im Zehner verbunden zu sein, um sich dem Schöpfer anzunähern. Der Mensch wird dann erleben, dass er in ein Feld der Anziehung eingetreten ist, in dem ihn der Schöpfer weiter hineinziehen möchte. 

Im Buch Sohar zu leben bedeutet, sich zu bemühen, die Botschaft, die mit jedem seiner Worte und Sätze vermittelt wird, zu offenbaren. So wird der Sohar zu einem Fluss, der uns von den ersten Worten bis zum letzten Satz mitnimmt.

[341488]

Aus einer Lektion zum Thema „Wir setzen den Kongress im Aufstieg fort”

Ein winziger Punkt, der das gesamte Universum enthält

Und solange mindestens einer damit beschäftigt ist, sich um sich selbst zu kümmern, kann das ganze Volk nicht einmal ansatzweise das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ erfüllen.

Der spirituelle Plan ist vollkommen. Es kann nicht sein, dass ein Teil davon funktioniert und der andere nicht, denn die integrale Einbeziehung aller in alle, definiert die Bedingung, die sowohl notwendig als auch ausreichend ist, damit alle vollständig korrigiert werden können. Das bedeutet, dass sich jeder absolut in alle und alle in ihm eingeschlossen fühlen müssen.

Es stellt sich heraus, dass bis auf einen kleinen Punkt von „Malchut“, welches in mir ist- alles von allen anderen ist. Lediglich ein Punkt von Malchut in mir gehört tatsächlich mir. Es kann also nur funktionieren, alle in mir miteinander zu verbinden. Dein Punkt von Malchut ist nur dazu da, alle in dir zu verbinden, und so weiter.

Ein integrales System ist eine sehr einfache Kombination seiner Teile, jeder Teil besteht darin nur aus seinem eigenen Punkt, der sich selbst annulliert und ganz auf das Geben ausgerichtet ist. Was gibt er zurück? Das, was er vom Schöpfer empfängt. An wen gibt er? An alle Punkte, die er von allen Teilen in sich trägt. Es ist sehr einfach.

Im Prinzip hat kein Mensch etwas Eigenes außer dem was er vom Schöpfer erhält und was er den anderen gibt. Wer ist er dann? Niemand, eine Null. Er macht sich selbst so: Einerseits empfängt er alles vom Schöpfer und gibt es andererseits an alle anderen weiter. Er ist ein Übergang vom Schöpfer zu den anderen. Das ist die Arbeit eines jeden Elements des integralen Systems. Das ist es, was wir erreichen müssen.

Dann haben wir nichts mehr zu befürchten, nichts zu bedenken, nichts zu überlegen. Wir müssen nur ein Übergangsglied von einem zum anderen sein – vom Schöpfer zu den Geschöpfen und von den Geschöpfen zum Schöpfer. Der schönste Zustand ist, wenn jeder absolut frei und absolut vollkommen ist!

Er hat alles von der ganzen Schöpfung in sich, d.h. er erlangt eine vollständige Wahrnehmung für den Schöpfer und eine vollständige Wahrnehmung für die ganze Welt, für alle Seelen, in sich. Einerseits ist er Adam – der gemeinsamen Seele – gleich, andererseits ist er ganz in der Erfüllung dieser Seele. Das heißt, jeder von uns schließt sowohl die Schöpfung als auch den Schöpfer in sich ein, auch wenn er nur ein Punkt ist.

[330981]

Aus dem Unterricht über „Bürgschaft“

Probleme auf dem Weg

Frage: Wenn ein Freund einen Makel in mir sieht und sogar anfängt, mir davon zu erzählen, merke ich, dass ich in seinen Augen niedrig bin, er stellt sich über mich. Ich sehe das als schlechtes Beispiel seinerseits und als Verletzung der Freundschaft. Wie bekomme ich das wieder in den Griff? Wie kann ich eine Verbindung zum Schöpfer finden und alles auf ihn beziehen?

Antwort: Man braucht nichts zu entwirren. Man muss nur von dem Verständnis ausgehen, über das was die Kabbalisten schreiben. Alles läuft gut. Es gibt keine Probleme. Man braucht nur mehr Zeit und mehr Verlangen, sich mit dem Schöpfer zu verbinden.

Er richtet all das für uns ein. Auf dem Weg dorthin haben wir alle möglichen Probleme vor uns, bis hin zu einer großen Menge Hass zwischen uns. Daran führt kein Weg vorbei. Wir werden uns hassen, wir werden bereit sein, uns gegenseitig zu bekämpfen. Das ist es, was die Kabbalisten sagen. Das ist der Weg, den wir gehen werden. Aber die Hauptsache ist, dass wir, trotz der Tatsache, dass es solche Beziehungen gibt, aneinander festhalten.

Man muss verstehen, dass der Schöpfer uns auf der einen Seite besondere Beziehungen zwischen uns offenbart: Hass, Gegensätze, Entfremdung. Andererseits sollen wir uns trotz allem lieben, auch wenn wir bereit sind, uns gegenseitig zu vernichten.

So steht über die alten Kabbala-Studenten geschrieben, dass sie, als sie zusammenkamen, bereit waren, sich gegenseitig zu töten, da sie sich so sehr hassten. Dann begannen sie langsam, in ihre Studien einzutreten, das höhere Licht anzuziehen und all das endete damit, dass sie sich umarmten und in ihren Herzen verbunden waren.

Deshalb sollten wir uns auf keinen Fall danach richten, wie wir uns heute fühlen.

[318449]

Aus einer Lektion zum Artikel von Rabash.

Die chemische Reaktion der Seelen, die sich verbinden

Kommentar: Das Festhalten an seine Freunde, an die Gruppe, ist der erste Schritt der „Nächstenliebe“, bevor man die Liebe zum Schöpfer erreicht. Im ersten Schritt erkennt der Mensch seine Unfähigkeit andere zu lieben und bittet den Schöpfer um Hilfe.

Dann sieht er, wie abhängig er von seinen Freunden ist, von jedem einzelnen und von allen zusammen. Er sucht wie er sich jedem Freund annähern und ihn unterstützen kann und wie alle zusammen zu einem Menschen, zu einem System verschmelzen können, welches Schöpfer ausfüllt und auf die Stufe der Verbindung erheben wird.  

Verbinden bedeutet, sich zu bemühen seinem Freund immer näher zu kommen, ihn besser kennenzulernen und die innere Verbindung mit ihm zu stärken, bis man spürt, dass man ein Mensch mit einem Herzen ist. Das bedeutet, dass wir ein einziges Verlangen haben, obwohl wir zwei verschiedene Menschen sind.

Wir empfinden die ganze Zeit die Distanz zwischen uns, aber darüber hinaus wollen wir Nähe und Verbindung erreichen. So lernt man, wie sehr sich diese beiden Gegensätze gegenseitig helfen.

Man studiert die Eigenschaften des anderen und versucht, die eigenen Eigenschaften in der äußeren Form, mit seinen in Einklang zu bringen. So lernen Kinder von Erwachsenen, indem sie sie in allem nachahmen. Dieser Instinkt ist dem Kind auf der tierischen Stufe angeboren. Auf der spirituellen Stufe müssen wir in die inneren Eigenschaften eines Erwachsenen eindringen, in seine Gefühle, sein Verständnis, seine Natur und versuchen, ihm innerlich ähnlich zu werden.

Das ist natürlich unmöglich. Durch äußere Handlungen kann man einen Freund nachahmen, sogar den Schöpfer und ihn bitten, unsere Bemühungen zu belohnen, indem er in uns innere Veränderungen bewirkt, die uns näher zu ihm bringen werden. Genau das ist der Sinn der Gruppenarbeit.

In einer Gruppe von zehn Menschen gibt es zehn Verlangen. Jedes Verlangen ist in weitere, kleinere Verlangen unterteilt. Wenn man aber versucht, sich einander mehr anzunähern und seine Wünsche miteinander verbindet, wird man mit der Zeit spüren, wie jeder die Wünsche des anderen durchdringt und allmählich werden wir zu einem Menschen mit einem Herzen.

Eine solche Verbindung zwischen den Menschen findet nicht in der materiellen Welt statt – es ist eine Verbindung spiritueller Natur, auf einer anderen Stufe. Es ist wie eine chemische Reaktion zwischen Atomen verschiedener Substanzen, wenn sie sich zu immer komplexeren Molekülen verbinden. Nur diese Reaktion findet auf einer höheren Stufe statt: zwischen Verlangen, Gedanken, Wahrnehmungen, bis alles wirklich zu einem Herzen vereint ist.

Jeder von uns hat unterschiedliche Qualitäten, aber es gibt einen Kopf über uns allen, der alles steuert. Wenn der Zehner nach diesem Prinzip aufgebaut ist und funktioniert, erleben wir darin die Offenbarung des Schöpfers.

[313003]

Aus der Lektion zum Artikel „Übergabe der Tora“

Jom Kippur: Eine Bitte um Korrektur

Im Prozess der spirituellen Entwicklung gibt es einen besonderen Zustand, der Jom Kippur (von dem Wort „kapara“ – „Erlösung“) genannt wird und der die Korrektur aller Sünden bedeutet, für die ein Mensch Reue zeigt und um Korrektur bittet.

Denn es ist klar, dass wir selbst nichts korrigieren können, und die Sünden, die wir begangen haben, sind gar nicht unsere, denn es ist der Schöpfer, der die böse Neigung geschaffen hat, die uns beherrscht und uns zur Sünde zwingt.

Wir sind nicht schuldig, dass wir in den Egoismus eingetaucht sind, der uns jedes Mal dazu bringt, nur an uns selbst zu denken und nicht an andere oder an den Schöpfer. Deshalb sind sowohl die Sünden als auch ihre Korrektur nicht unsere Schuld und nicht unser Verdienst, weil der Schöpfer alles tut. Er hat alle Sünden und alle ihre Korrekturen für uns vorbereitet, und wir befinden uns zwischen dem einen und dem anderen, wie in einem Schraubstock.

Unsere Aufgabe ist es, alles mit dem Schöpfer zu verbinden, sowohl die Sünden als auch die Korrekturen. Wir können Sünde und Korrektur nur dann miteinander verbinden, wenn wir verstehen und spüren, dass beides vom Schöpfer kommt und nicht von uns. Der Schöpfer steht über den Sünden und über den Korrekturen. Er ist eine besondere höhere Macht, die über allem steht.

Deshalb ist Jom Kippur ein Tag der besonderen Freude, der uns erlaubt, uns noch höher über die Schöpfung zu erheben, uns mit der höheren Macht zu verbinden und ihre Ebene zu erreichen. All die Sünden und der Egoismus, die vom Schöpfer geschaffen wurden, und die Korrekturen, die dank Ihm erreicht werden, sind notwendig, um die Stufe zu verstehen, die über den bösen und guten Neigungen liegt, das heißt, um den Schöpfer zu verstehen, der auf keine andere Weise erreicht werden kann.

Der Schöpfer ist von der gesamten Schöpfung getrennt, und es ist möglich, diese Essenz nur auf diese Weise zu erlangen, durch die Erfahrung unserer Trennung in vollem Umfang. Wenn wir uns miteinander verbinden, vereinen wir uns mit dem Schöpfer.

Wir erheben uns über Übertretungen, über Strafe und Belohnung und nehmen diese Korrekturen vor, damit wir nur mit ihrer Hilfe den Schöpfer erreichen, der von der gesamten Schöpfung getrennt ist. Der Schöpfer hat all diese Zustände für uns vorbereitet, damit wir zu Ihm gelangen können: eins, einzigartig und vereint.

Jom Kippur ist das Hauptsymbol für den Prozess des Erreichens der höheren Kraft, die von der gesamten Schöpfung losgelöst ist.

Ohne Vereinigung, ohne Gedanken an das gesamte Welt Kli, ohne Gedanken an gegenseitige Hilfe und an die gesamte Menschheit ist es unmöglich, auch nur die kleinste spirituelle Offenbarung zu erreichen. Alle Völker sind dazu bestimmt, sich über ihren individuellen Egoismus zu erheben und zum System von Adam HaRishon zurückzukehren, um wie ein Mensch, wie in einem einzigen Verlangen zu werden.

Jom Kippur ist ein spiritueller Zustand, in dem der Mensch offenbart, dass seine Übertretung darin besteht, dass er dachte, er selbst würde übertreten und nicht sah, dass alles vom Schöpfer kommt. Das heißt, er hat nicht erkannt, dass „es außer Ihm nichts gibt“.

Er dachte, er würde alles selbst tun und bewertete seine Gedanken und Wünsche in seinem Egoismus. Aber jetzt will der Mensch seine Fehler korrigieren, all diese unreinen Unterscheidungen, die nicht mit der einen, einzigartigen und vereinten höheren Kraft verbunden sind. Und genau darum betet er und bittet den Schöpfer.

Das ist das Wesen des Tages des Gerichts (wörtlich übersetzt, aber gewöhnlich wird er Tag der Sühne genannt) – der Tag, an dem der Mensch alle Zustände und Klärungen, die er nicht der höheren Kraft zuschreiben konnte, sühnen und korrigieren will. Schließlich besteht unsere ganze Aufgabe darin, alles, was in der Welt geschieht, der höheren Kraft zuzuschreiben und uns selbst nur als eine Schöpfung zu betrachten, die zu hundert Prozent von ihr kontrolliert wird.

Der Aufstieg über 125 spirituelle Stufen ist eine zunehmende Identifikation mit der höheren Kraft bis zur vollständigen Vereinigung mit ihr. Wenn wir das Kli, das vom Schöpfer absichtlich zerbrochen wurde, vollständig korrigieren und es auf Seine Ebene anheben, dann sind wir bereit, den wahren Weg zum Verständnis und zur Vereinigung mit dem Schöpfer zu beginnen.

Aber das sind die Geheimnisse des Endes der Korrektur. Wenn wir dies gemeinsam erreichen – alle Schöpfungen, die jetzt in dieser Welt sind, und diejenigen, die nicht in ihr sind – dann werden wir weitergehen und herausfinden, was der Schöpfer für uns nach der letzten Korrektur vorbereitet hat.

An Jom Kippur zeigen wir, dass nicht nur das Gute, sondern auch das Böse vom Schöpfer kommt und beide gleichwertig sind. Der Mensch sollte sowohl für das Böse als auch für das Gute segnen, weil er durch diese beiden Kräfte die Vereinigung mit dem Schöpfer erreicht.

Diese Vereinigung mit der höheren Kraft ist unser gemeinsames einziges Ziel, und deshalb muss jeder vergangene Zustand als eine Einladung zur Vereinigung verstanden werden. Es spielt keine Rolle, was ich fühle oder was in meinem Verstand, meinem Herzen, meinem Körper oder in meinen Beziehungen geschieht, dadurch wird mir gezeigt, wo ich die Vereinigung mit der höheren Kraft hinzufügen und verstärken kann.

Der Sinn des Fastens an Jom Kippur ist, dass wir nur durch die Kraft des Glaubens handeln, ohne die Kraft des Empfangens zu nutzen.

[271448]

Aus der täglichen Kabbala-Lektion, 26.9.2020

„Was ist der Unterschied zwischen Vorhersage und Prophezeiungen?“

Eine Vorhersage kann darauf zurückgeführt werden, dass Menschen ein gewisses Wissen über soziale, technologische, wissenschaftliche und kulturelle Entwicklungen haben, auf deren Grundlage sie Annahmen über die Zukunft treffen.

Ihre Annahmen sind nicht sicher. Sie kennen lediglich einige technologische, kulturelle, historische und politische Momente der Geschichte und können, gestützt auf ihre wissenschaftliche Erfahrung, Prognosen für die Zukunft erstellen.

Dies ist im Prinzip die übliche Arbeit von Wissenschaftlern, die wir zu Rate ziehen, wenn es um die Zukunft geht. Sie sind keine Propheten. Sie sind kluge Leute, die die Zukunft mit einer Art Wahrscheinlichkeitskoeffizient vorhersagen. Sie kennen die Zukunft nicht, aber sie kennen den heutigen Zustand sowie Trends und Tendenzen und können ungefähr sagen, was morgen passieren könnte.

Ein Prophet hingegen ist ein Mensch, der sich in das System der Lenkung der Welt hineinversetzen kann, der die Kräfte spürt, die sie steuern, und der sich bis zu einem gewissen Grad mit diesen Kräften verbinden kann. Deshalb sagen Propheten nicht voraus, was aufgrund irgendwelcher Berechnungen geschehen wird, sondern sie sagen einfach, was passieren sollte und könnte.

In kabbalistischen Quellen wie dem Zohar und der Tora finden wir Geschichten über solche Menschen, und wir nennen sie „Propheten“, weil sie sich aufgrund ihrer spirituellen Entwicklung über die Grenzen unserer Welt von Zeit, Raum und Bewegung erheben und uns daher sagen, was geschehen könnte.

In unserer Zeit gibt es keine Propheten. Wir befinden uns auf einer solchen Stufe, dass wir weder auf sie warten noch an sie glauben.

Basierend auf der Sendung „Spirituelle Zustände“ mit dem Kabbalisten Dr. Michael Laitman und Michael Sanilevich am 21. Dezember 2021. Geschrieben/bearbeitet von Schülern des Kabbalisten Dr. Michael Laitman. /Foto von Drew Beamer auf Unsplash