Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Freiheit'

Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?

Frage: Die Nacht des Passach-Seders ist eine besondere Nacht für das Volk Israel. Man sagt, dass in dieser Nacht dieses Volk geboren wurde und seinen neuen Weg begann. Aber worin besteht eigentlich die Einzigartigkeit dieser Nacht des Auszugs aus Ägypten?

Antwort: Der Mensch beginnt zu fühlen, dass er sich im ägyptischen Exil befindet, in der Sklaverei seines Egos, das „Pharao“ genannt wird, und dass es notwendig ist, sich aus dessen Herrschaft zu befreien, zu fliehen – doch er ist dazu nicht in der Lage. Innerlich beginnt er zu schreien, er ist nicht mehr bereit, ein solches Leben weiter zu ertragen. Er bemüht sich in Bezug auf die Gruppe, die Umgebung, den Lehrer und die Bücher. Er fühlt wirklich, dass er sich im Gefängnis befindet, in der Dunkelheit.

Allmählich versinkt er in einen Zustand, der als die „Dunkelheit Ägyptens“ bezeichnet wird, die Nacht des Auszugs aus Ägypten. Diese Nacht ist absolute Dunkelheit; es bleibt keine Hoffnung mehr für ihn, keine Chance im Leben. Er fühlt, dass er nicht mehr bereit ist, weiterhin innerhalb seines Egos zu leben, da er jeden hasst und unfähig ist, sich irgendjemandem auf gute Weise zu nähern.

Er strebt danach, die Freunde zu lieben, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, aber er sieht das Gegenteil – es wird immer schlimmer. Der Pharao in ihm, sein Ego, wird stärker und brutaler. Schließlich ist der Mensch gebrochen, denn er erkennt, dass er keine Chance hat, der Knechtschaft zu entkommen.

Er durchläuft sehr schwierige innere Zustände, die sich letztlich ansammeln: all seine Versuche, dem Ego zu entfliehen, sich darüber zu erheben, alle Siege des Egos, die ihm zeigen, wie stark dieser Pharao ihn von innen hält. Er befindet sich wirklich mitten im Kampf zweier Kräfte: Einerseits drängt er vorwärts, weil er sich nach Freiheit sehnt, andererseits hält ihn das Ego fest und lässt ihn nicht fliehen.

Letztlich erreichen diese beiden Kräfte den Höhepunkt ihres Kampfes, und der Mensch findet sich zwischen ihnen wieder, er fühlt absolute Dunkelheit. Dieser Zustand wird die Nacht des Auszugs genannt, die Dunkelheit Ägyptens. Und plötzlich hört er aus dieser Dunkelheit einen Ruf: „Du musst hinausgehen! Du bist bereit dazu! Du kannst jetzt aufstehen und deinem Ego entfliehen – hier und jetzt, um Mitternacht, das heißt aus dem dunkelsten Zustand heraus. Nimm nichts mit in den neuen Zustand, außer dem, was du wirklich für das Geben, für das Erreichen von Einheit, Verbindung und Liebe brauchst.

In diesem Moment ist der Mensch bereit, sich von seinem Ego zu lösen und darüber zu erheben. Das nennt man seine spirituelle Geburt.

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Aus KabTVs „Kabbalisten schreiben: Die Nacht des Pessach-Seders“

Gericht und Barmherzigkeit

Frage: Was bedeutet „Gericht und Barmherzigkeit“ im Spirituellen – ist es vergleichbar mit gewöhnlicher Moral?

Antwort: Baal HaSulam schreibt, dass viele glauben, die Tora spreche über Moral – doch das ist ein gewaltiger und bitterer Irrtum.

Moral basiert lediglich auf Lebenserfahrung. Der Mensch zieht seine Lebensweisheit aus den Ereignissen, die er durchlebt hat.

Doch die Weisheit der Kabbala stützt sich in keiner Weise auf die Ereignisse unseres irdischen Lebens oder auf Erfahrungen, die wir in dieser Welt machen. Wir befolgen die Ratschläge der Kabbalisten, die uns „an den Ohren ziehen“ (das Ohr bezieht sich auf die Stufe von Bina), um uns in die Höhere Welt zu erheben.

Das bedeutet, ich lerne nicht aus den Erfahrungen meines gewöhnlichen Lebens – im Gegenteil, ich erhebe mich über dieses gesamte Leben und über all seine Erfahrungen!

Denn hier kann ich mich nur mit meinem Egoismus beschäftigen und Ratschläge erteilen, die für mein Ego vorteilhaft sind – so wie wir einem Kind beibringen: „Geh nicht zu einem bösen Hund, wenn du nicht gebissen werden willst.“ Ich kann nur sagen, was für uns nützlich ist und was uns schadet – mehr kann die Moral nicht leisten.

Aber die Weisheit der Kabbala basiert nicht auf Angst oder Bestrafung. Sie sagt, dass man seine Wünsche ändern muss, indem man sie dem Licht aussetzt.

Das heißt, sie beschäftigt sich mit unserer inneren Korrektur, nicht mit Anweisungen oder Einschüchterungen – weder durch einen bösen Hund noch durch einen strafenden Schöpfer.

Die Kabbala macht dem Menschen keine Angst und verspricht ihm auch keine Belohnung in Jenseits. Sie spielt nicht mit unserem Egoismus – sie korrigiert ihn einzig und allein durch das Licht, das zur Quelle zurückführt.

Die Verbindung von Gericht und Barmherzigkeit im Spirituellen ist das Zusammenwirken von Bina und Malchut – in dem Maß, in dem Bina sich in Malchut einfügen kann und Malchut sich in Bina integriert, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Malchut tritt in Bina ein, das Maß des Gerichts dringt in die Barmherzigkeit ein und beschränkt sie. Das bedeutet: Soweit Malchut nicht mit Bina übereinstimmen kann, schränkt sie Bina ein. Und in dem Maß, in dem sie mit Bina übereinstimmen kann, offenbart sie Bina.

Es entsteht also eine wechselseitige Durchdringung: Bina tritt in Malchut ein und bringt ihr das Maß der Barmherzigkeit. Malchut wiederum tritt mit dem Maß des Gerichts in Bina ein und bestimmt, in welchem Umfang Bina ihr erlaubt, zu geben, zu empfangen und sich anzugleichen.

Das heißt, bei der Verbindung von Barmherzigkeit und Gericht findet die Arbeit von beiden Seiten aus statt: Der Höhere schränkt sich selbst ein und nutzt das Maß des Gerichts, obwohl er sich offenbaren und das Maß der Barmherzigkeit einsetzen möchte.

Der Untere hingegen will das Maß der Barmherzigkeit erlangen, und deshalb bringt er das Gericht in den Höheren ein und sagt: „Gib mir nichts! Ich verschließe dich!“

Oder er sagt sogar: „Du kannst dich offenbaren – ich werde trotzdem nichts von dir empfangen! Ich habe meinen eigenen Schirm und bin bereit, dich in dem Maß zu öffnen, in dem ich dir ähnlich werden kann.“

Hier gibt es weder Einschüchterung noch Moral – im Gegenteil, es herrscht völlige Freiheit der Suche und der einzig wahre freie Wille.

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(Aus einer Lektion zu Beit Shaar HaKavanot)

Die persönliche Lenkung Teil 2

Um Freiheit zu erlangen, müssen wir die Eigenschaft von Bina, Kelim de-Hashpaa, erwerben, um uns über den Egoismus zu erheben und um aus ihm herauszukommen. Dann werden wir frei sein. Während wir uns im Egoismus befinden, treibt der Schöpfer jeden von uns mit Hilfe der Anziehung zu Freuden oder der Flucht vor Leiden – mit diesen beiden Zügeln, ohne zu fragen, was wir wollen. Denn es gibt eigentlich niemanden zu fragen. Es ist nur das Verlangen nach Vergnügen, das mit diesen beiden Zügeln konsequent belehrt werden muss, dass es sein eigener Gefangener und Kerkermeister ist.

Nun erwacht in uns nur noch die Bedingung der Möglichkeit der Freiheit, indem wir uns über die egoistische Ebene, über unsere Materie erheben, die das Licht automatisch von oben her steuert, indem es sich entweder selbst reduziert, indem es Leiden in uns verursacht oder indem es sich selbst vermehrt – uns mit Genuss anzieht. Und wir erfüllen automatisch alles.

Und so werden Dutzende oder Hunderte von Lebenszyklen lang auf diese Weise gesteuert – ständig, jede Sekunde, auf jeder Ebene. Können Sie sich das vorstellen?! Jede Zelle, jedes Organ, jeder Wunsch, jeder Gedanke – all das wird von Aba we-Ima und SON de-Azilut kontrolliert, die alle unsere Seelen als ihren unteren Teil, als ihr ACHaP, einschließen.

Dies ist die Art von Lenkung, die man die persönliche Lenkung des Schöpfers nennt. Obwohl der Mensch es nicht spürt, lenkt der Schöpfer jeden persönlich, entsprechend der Wurzel seiner Seele als Ausgangspunkt, und endet mit der letzten Stufe, dem Endzustand, wenn der Mensch die vollständige Verschmelzung mit dem Schöpfer, die vollständige Rückkehr zu seiner Wurzel erreichen muss.

Der gesamte Weg muss vom Menschen in Übereinstimmung mit allen anderen Seelen zurückgelegt werden, so dass er, indem er sich in sie einfügt, ihnen auf negative oder positive Weise helfen kann. Alles in einem gemeinsamen System, so dass diese gemeinsame Seele allmählich von ihrem ursprünglichen, absolut egoistischen Zustand zum endgültigen, absolut altruistischen Zustand übergehen kann. Und so steuert der Schöpfer jeden einzelnen von uns.

Der Schöpfer – d.h. die Bina-Ebene der Azilut-Welt, d.h. Aba we-Ima – dieses System wird Elo-kim genannt. Elo ist GE, kim (yud, mem) ist ACHaP. Elokim ist die Gematrie des Wortes Teva – Natur, d.h. dieses System regiert uns durch die Natur. Durch unsere gesamte Natur – sowohl die Natur um uns herum als auch unsere innere Natur, sowohl innerlich als auch äußerlich,bringt uns in einen solchen Zustand. Wenn wir in Bezug auf dieses System der Kontrolle Elokims, Aba we-Ima, zu verstehen beginnen, dass wir uns selbständig steuern können, indem wir Eigenschaften von Aba we-Ima, von der Ebene von Bina, übernehmen.

Aus der Kongresslektion „Die Früchte der Weisheit“, Brief 1

Freiheit muss bezahlt werden

Der Krieg hat zu einem starken Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt, was schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der Menschen in vielen Ländern hat. Was können wir tun, damit die Menschen weniger leiden müssen? Das Einzige, was helfen kann, ist, die Menschen stärker zu vereinen und das Licht des Schöpfers anzuziehen, um alle Vergehen zu bedecken.

Aber wir müssen verstehen, dass die Zustände, die die Welt jetzt durchmacht, große Korrekturen sind, die nicht zu vermeiden sind. Es handelt sich nicht um persönliche, private Probleme, sondern um eine globale Korrektur. Wir werden dafür bezahlen müssen, dass die Welt korrigiert wird.

Daher ist es nicht notwendig, sich so sehr auf den Anstieg der Preise zu konzentrieren, natürlich werden sie steigen. Aber wir müssen verstehen, dass wir so für unsere Freiheit bezahlen, damit wir uns nicht von persönlichen Annehmlichkeiten bestechen lassen. Wir müssen uns ein wenig über unseren Egoismus erheben und verstehen, dass wir für Freiheit, für Korrektur zahlen müssen, es gibt keinen anderen Ausweg.

Wir wollen ein freies Volk in unserem Land sein, das heißt frei in unserem Verlangen und es dorthin lenken, wo es gebraucht wird: um uns zu verbinden, um die letzte Korrektur vorzunehmen. So wird uns niemand vorschreiben, wie wir zu denken, was wir wünschen dürfen, uns nicht zu Sklaven machen und unsere Gedanken und Verlangen besitzen.

Diese Freiheit muss mit dem Bemühen bezahlt werden, sich über den Egoismus zu erheben. Dann werden wir in unserer Verbindung frei und mit dem Schöpfer verbunden sein.

Wir sind frei in unserer Verbindung zueinander, niemand zwingt uns dazu; wir selbst wollen uns gegenseitig dienen. Freiheit bedeutet: ich fühle, dass ich von jedem abhängig bin und jedem diene, und durch sie diene ich dem Schöpfer. Es gibt keinen einzigen freien Wunsch in mir, aber ich fühle mich frei, weil der Gebrauch meiner Wünsche mich in die Abhängigkeit vom Schöpfer führt. Aber ich bin frei, weil ich weiß, wie ich mich auf die beste und vollkommenste Weise einsetzen kann.

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Aus der täglichen Kabbala Lektion vom 14.3.22, „Den Krieg gewinnen (gegen die böse Neigung)“

Das Bild der Welt ist das Resultat der Einstellung zu ihr

Frage: Baal HaSulam schreibt in seinen Artikeln, dass der Egoismus nicht für alle gleich ist. So gibt es einen groben Egoismus, wenn jemand ihn ohne Scheu anwendet, und es gibt einen versteckten, entwickelteren Egoismus, wenn jemand erkennt, dass dieser schlecht ist und ihn eher heimlich einsetzt. Worin besteht der hauptsächliche Unterschied? 

Antwort: Wenn ein Mensch seinen Egoismus wahrnimmt, dann ist das gut, man kann mit ihm reden, darüber diskutieren; er kann zu einer Art Entscheidung kommen: ist es richtig oder nicht, sollte er in dieser Eigenschaft sein oder nicht? 

Er kann feststellen, dass diese Eigenschaft schädlich ist und sich bemühen, sie auf irgendeine Weise loszuwerden. Er erkennt, wie diese Eigenschaft ihm schadet und wie er sich über andere stellt. Und das betrifft sein ganzes Leben. 

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„Was ist die höchste Form der Freiheit?“ (Quora)

Michael Laitman, in Quora: „Was ist die höchste Form der Freiheit?“

Freiheit bedeutet, sich über uns selbst, und damit über unsere egoistische Natur, die auf Kosten anderer und der Natur genießen will, auf eine andere Stufe der Existenz zu erheben, wo wir die natürlichen Eigenschaften des Altruismus und der Verbundenheit erlangen.

Wir erleben Freiheit in Bezug auf die vorherige Stufe, auf der wir uns zuvor befanden. Allerdings sind wir auf der nächsten Stufe nicht frei. Wir existieren unterhalb dieser und müssen zu ihr aufsteigen, um wieder Freiheit zu erlangen. Wir entwickeln uns dementsprechend weiter, bis wir die endgültige Stufe des vollständigen Gleichgewichts mit der Natur erreicht haben.

Das Gleichgewicht mit der Natur ist die höchste Stufe der Freiheit, die alle anderen Stufen einschließt, und wir sind alle dazu bestimmt, sie zu erreichen.

Das bedeutet, dass die höchste Form der Freiheit unser Endzustand und das Ziel unserer Existenz ist. Während wir alle in einem langwierigen Prozess der Evolution dorthin geführt werden und eine Menge Leiden auf dem Weg erfahren müssen, bietet die Weisheit der Kabbala eine Methode, die uns diesen Zustand in einem einzigen Leben erreichen lässt.

Basierend auf einer Kabbala-Lektion mit Kabbalist Dr. Michael Laitman vom 02.07.2017. Geschrieben/bearbeitet von Schülern des Kabbalisten Dr. Michael Laitman.

Ist weniger in unseren Leben mehr?

Der Trend des Minimalismus verändert die Gesellschaft weltweit. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, sich von ihrem materiellen Besitz zu lösen oder es zu vermeiden, Dinge im Übermaß zu erwerben, um dem Stress des westlichen Lebens zu entkommen und viel entspannter mit nur den Dingen zu leben, die als wirklich unverzichtbar gelten. Woher kommt das? Ist das das Geheimnis des Glücks?

Einfachheit ist der Trend, der im Grunde auf jeden Bereich unseres Daseins anwendbar ist und immer mehr an Attraktivität gewinnt. Entgegen dem, was wir vielleicht denken, ist dieses Phänomen nicht neu, es gab es schon in alten Kulturen. Es gab Zeiten, in denen die Menschen sich für ein bescheidenes Leben entschieden, obwohl sie sich sehr viel leisten konnten. Die Tendenz zum Minimalismus rührt von der Tatsache her, dass alles, was wir uns anschaffen, uns kontrolliert. Wie unsere Weisen vor langer Zeit sagten: „Je mehr Besitz, desto mehr Sorgen.“

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Pessach! Ein Fest für die gesamte Menschheit

Es ist Pessach. Dieser Feiertag, der so sehr ein jüdischer Anlass zu sein scheint, birgt in sich eine Botschaft und eine Vorhersage für die gesamte Menschheit. Es ist kein Zufall, dass die Geschichte von Moses, Pharao und dem Auszug aus Ägypten mehrere epische Filme inspiriert hat; die universelle Botschaft der Befreiung aus der Versklavung berührt einen weichen Punkt in jedem Menschen: das Streben nach Freiheit.

Um das Beste aus der Geschichte zu machen, müssen wir verstehen, was oder wer uns versklavt, und wie wir befreit werden können. Der Name des Feiertags, „Pessach“, ist kein Zufall. Es steht für den Übergang von der Versklavung in die Freiheit. Und der Pharao, der große Unterdrücker, ist niemand anderes als unser Ego.

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Das Wesen der menschlichen Natur

Frage: Die Menschen haben ihr ganzes Leben lang für die Freiheit gekämpft. In der Erklärung der Menschenrechte steht: „Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. Sind Sie mit dieser Aussage einverstanden?

Antwort: Insofern es die Grenzen der Natur nicht überschreitet.

Das Problem ist, dass der Slogan „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ von den Menschen auf der Grundlage dessen verkündet wird, was sie durch ihre Erziehung verstehen und was sich vor ihren Augen abspielt. Die Kabbala spricht hingegen von den Naturgesetzen. Das ist viel breitgefächerter und klingt wahrscheinlich anders.

Vom Standpunkt der Natur aus kann der Mensch nicht frei sein, da er in seinem Egoismus feststeckt. Wie kommen wir da wieder raus – darin liegt das Problem. Ich bin von Natur aus so, er ist anders: gut, böse, nervös, eifersüchtig, etc. Wir haben eine Vielzahl von schlechten und guten Eigenschaften. Was sollen wir also tun?

Frage: Im Allgemeinen ist es eine philosophische Frage: Ist die menschliche Natur böse oder gut?

Antwort: Sie ist absolut böse, da ich nur an meinen eigenen Vorteil denke. Vielleicht wünsche ich jemand anderem nichts Schlechtes, aber wenn es für mich von Vorteil ist, dann werde ich ihm/ihr Böses zufügen. Es gibt hier eine „graue Zone“.

Aus Sicht der Kabbala ist ein Mensch, der in dieser Welt existiert, böse! So steht es auch in der Tora, die Natur des Menschen ist ein egoistisches Verlangen, um auf Kosten anderer zu genießen. So sind wir geschaffen! Während Tiere durch ihren Instinkt auf Nahrung, Gesundheit und Fortpflanzung beschränkt sind, will der Mensch die ganze Welt verschlingen, deshalb haben wir keine Handlungsfreiheit. Wir werden vom Bösen beherrscht. Ob es uns gefällt oder nicht, benützen wir andere, da wir so geboren wurden. Hier kommen natürlich die Erziehung, restriktive Gesetze, die Meinung der Gesellschaft hinzu, aber im Allgemeinen ist der Mensch selbst böse.

Die Tora sagt, dass das Böse des Menschen aus seinem Wesen entspringt. Noch bevor er geboren wird, steckt das Böse bereits in ihm.

Aus der Fernsehsendung „Spirituelle Zustände“,29.04.2019

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Wann wird die Rechnung fällig?

Bemerkung: Jonathan Swift sagte „Für all die Begierden und Unterhaltungen werden wir mit viel Leiden und Sehnsucht entlohnt werden – es ist als ob man seine angesammelten Ersparnisse ausgibt,  bevor die Zeit gekommen ist“.

Antwort: Was die Kabbala betrifft, so ist das nicht ganz richtig. Denn ein Mensch wird nicht aus freiem Willen geboren und er kann sich nicht für eine Familie entscheiden. Er weiß nicht, ob er eine wunderbare Erziehung erhält, ohne das ihm  etwas vorenthalten wird, da seine Familie so ist wie sie ist, darum kann man auch nichts von ihm verlangen. Er wurde nach dem Höheren Plan erschaffen.

Frage: Hat er keine Freiheit?

Antwort: Nein, natürlich nicht. Er ist nicht dafür verantwortlich. Erst dann, wenn er eine klare, sichere Möglichkeit hat, sich neu zu orientieren, dann wird er zur Verantwortung gezogen, aber auch nur in dem Maß, wie ihm diese Möglichkeit tatsächlich gegeben wurde.

Alle Menschen, die es in unserer Welt gibt, von reich bis arm, von gesund bis krank, wirklich alle, existieren so wie sie existieren. Es können keine Ansprüche an sie gestellt werden.

Frage: Aber wir stellen immer noch Ansprüche, oder? Wie beurteilen wir Menschen?

Antwort: Sie urteilen nach ihren eigenen Gesetzen. Sie haben die Gesetze erfunden und urteilen danach. Wie kann man Menschen beurteilen?! Was habe ich vom Schöpfer, der mich so schuf? Der Schöpfer hat auch meine Eltern erschaffen, damit sie mich beeinflussen können. Verurteilen Sie mich dafür?

Wer bin ich jetzt? Wo habe ich meinen Punkt -den Punkt der Freiheit, den ich nutzen und aus dem ich mich herausheben kann? Wie kann ich es wissen?

Was hat ein Mensch, das ihm nicht von der Natur gegeben wurde? Wie kann er sich dann selbst verändern? Wenn ich mich ändern muss, dann muss ich ein Druckmittel haben.

Was für einen freien Willen hat ein Mensch? Wie äußert er sich? Es gibt keinen freien Willen. Man kann weder auf eine freie Bewegung, noch auf ein freies Verlangen oder einen freien Gedanken verweisen, die nicht von jemandem, oder von etwas kommen würde. So etwas gibt es nicht! Aus diesem Grund ist kein Mensch frei.

Bemerkung: Bin ich so von Geburt bis zum Tod von der Natur erschaffen worden?

Antwort: Ja, absolut in allem! Sogar bei der Illusion von Freiheit!

Bemerkung: Hier spielt die Natur mit mir, was gibt mir die Illusion von Freiheit?

Antwort: Die Absicht dahinter ist, dass du dich als Mensch fühlst!

Freiheit erscheint erst dann, wenn eine andere, Höhere Kraft im Menschen entsteht, die seiner irdischen Kraft entgegenzuwirken beginnt. Nur im Unterschied zwischen ihnen, in dem Intervall zwischen ihnen, kann ein Mensch Unabhängigkeit von beiden Kräften erlangen und zu seiner freien Wahl kommen. Das trifft dann zu, wenn es ein Bedürfnis nach dem Sinn des Lebens gibt.

Der Sinn des Lebens wird nur auf der Suche nach Unabhängigkeit verstanden. Es geht nicht darum, wie andere zu sein, z.B. reicher. Nehmen Sie die anderen nicht als Vorbild! Sie brauchen sich, ihr „Ich“.

Frage: Ist dieses „Ich“  anders als bei den Reichen oder Armen?

Antwort: Das ist unwichtig, die Hauptsache ist, sich selbst zu finden.

Frage: Beginnt dann die Suche eines Menschen?

Antwort: Ja. Aus dem Verständnis heraus, dass er nicht frei ist, fängt er zu suchen an: Was ist Freiheit? Es entsteht das Gespür, dass die Freiheit in erster Linie darin besteht, sich über seinen Egoismus, der ihn völlig ausfüllt und unterordnet, zu erheben. Obwohl der Mensch diesen Egoismus nicht loswerden kann, möchte er es!

Wenn er es nicht schafft, aber möchte, dann findet er eine Möglichkeit, die Höhere Kraft anzuziehen, die ihm hilft, aus diesem Egoismus herauszukommen. Es entsteht eine äußerst interessante Wendung, die wunderschön ist.

Frage: Bin ich dann an dem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr aus dem Egoismus herauskommen will?

Antwort: Natürlich will ich das nicht! Keiner will das! Auf allen spirituellen Stufen will das niemand.

Frage: Warum will er das nicht, wenn er schon so lange auf dem Weg dorthin ist?

Antwort: Wie war er unterwegs? Ihm war das bislang nicht bewusst. Jetzt, wenn er offenbart, wie egoistisch er ist, kann er es nicht. Wie kann er sich davon trennen?

Frage: Dieser Egoismus ist ihm also sehr wichtig?

Antwort: Ja, er ist die ganze Qual, Ägypten zu verlassen und das Rote Meer zu überqueren.

Frage: Wie geschieht dies?

Antwort: Es passiert, indem man solche völlig unvernünftigen Handlungen begeht, die einen aber herausziehen. Schließlich schreit man: „Ich will es nicht, ich will es nicht!“ – dann ist es aber zu spät.

Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman“, 18.05.2020

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