Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Fortschritt'

Von Angesicht zu Angesicht mit dem Feind

Wir müssen verstehen, dass unser Egoismus vom Schöpfer geschaffen und von Ihm gelenkt wird. Wir müssen unsererseits gegen unseren bösen Trieb kämpfen, versuchen, ihn der Lenkung des Schöpfers zu entziehen und diesen Kampf nicht aufgeben, bis wir die Möglichkeit haben, ihn zu gewinnen.

Der böse Trieb handelt immer gegen den Schöpfer und versucht, Ihn vor uns zu verbergen. Der Mensch muss sich vorstellen, dass er die ganze Zeit dem Feind, seinem bösen Trieb, gegenübersteht.

Selbst wenn er dem Egoismus verfällt, versucht er, ihm zu entkommen und ihn danach zu besiegen. Das heißt, dass er in jedem noch so schwierigen Zustand, den er durchläuft, versucht, den wahren Feind zu erkennen.

Unser ganzer Fortschritt besteht darin, dass wir immer mehr Kraft erhalten, unseren bösen Trieb zu beherrschen. Deshalb müssen wir unser Bestes für diesen Sieg unternehmen, indem wir mit diesem Gedanken schlafen gehen und aufwachen.

Wir müssen versuchen, diesen bösen Trieb zu identifizieren, die Kraft, die uns daran hindert, uns dem Schöpfer anzunähern, uns mit ihm zu verbinden und den Schöpfer bitten, uns zu helfen, diesen Feind zu besiegen. Darum geht es im Krieg.

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Aus dem Unterricht zum Thema „Den Krieg gewinnen“, 19.06.2025.

 

Und nur die Helden werden das Schloss des Königs betreten…

Kommentar: Baal HaSulam, Einführung zur Lehre der Zehn Sefirot:
„Und nur die Helden unter ihnen, die ein gewisses Maß an Geduld hatten, überwanden die Wächter, öffneten den Eingang und wurden sofort gewürdigt, das Antlitz des Königs zu erblicken…“

Frage: Was ist “das Maß an Geduld“?

Antwort: Ein Mensch kommt zur Kabbala, brennt vor Ungeduld, alles auf einmal zu erlangen. Wenn es ihm nicht gelingt, wird er wütend auf sich, auf den Schöpfer und auf die ganze Welt. So zeigt sich sein gesundes, starkes egoistisches Verlangen, das erkennt, dass es keine Chance hat, sich zu erfüllen, da es im völligem Gegensatz zur Quelle der Erfüllung steht.

Ein gewisses Maß an Geduld bildet sich im Menschen, wenn er zu verstehen beginnt, worin der spirituelle Weg besteht, die Notwendigkeit jeder seiner Etappe erkennt und wie mit einer Pinzette, gezielt alle angesammelten Eindrücke sammelt – im Bewusstsein, dass er ohne sie das„Lego- Stück“ seiner Seele nicht zusammensetzen kann.

Schließlich besteht die menschliche Seele aus Tausenden verschiedenen Teilen, von denen jedes bearbeitet werden muss. Daher ist es unmöglich, eine Stufe zu überspringen.

Baal HaSulam schreibt, dass derjenige, der den langen Weg der Korrektur geht, mehr gewinnt, da er tiefere Klärungen vornimmt. Denn unsere gemeinsame Seele ist kein einfaches zweidimensionales Puzzle, sondern eine komplexe Struktur, die sich in alle Richtungen ausdehnt,  in die Tiefe  erstreckt, denn jede Seele muss alle Seelen einschließen.

Es handelt sich um einen multidimensionalen spirituellen Raum, in dem der Mensch mit seinem Wesen vollständig mit jeder anderen Seele verbunden ist, als gäbe es außer ihr niemanden. Deshalb muss der Mensch sehr große Klärungen vornehmen.

Das Maß an Geduld bedeutet also nicht das Maß der Zurückhaltung oder das Gegenteil – die Ungeduld. Der Schöpfer ist ein unveränderliches Naturgesetz und nichts wird dem Menschen helfen. Man kann eine Maschine anschreien, die man nicht in Gang setzen kann, aber es wird sich nichts ändern.

Das Maß an Geduld besteht darin, dass der Mensch mithilfe der Umgebung versucht, den richtigen Zugang zu seinem spirituellen Fortschritt zu finden.

Mit anderen Worten, solange wir nicht alle miteinander verbunden sind, wird unser Kli/ Verlangen nicht vollkommen sein und wir werden nicht in den Palast des Schöpfers eintreten können. Wir müssen ein gewisses Mindestmaß an Verlangen erreichen, das so genannte „S’eah“ – erreichen, das erfordert Geduld.

Der Mensch muss sich ständig an die Gruppe wenden und sie um Unterstützung bitten, um von ihnen Geduld zu lernen. Es wird nur „Geduld“ genannt, in Wirklichkeit ist es ein gegenseitiges Einbeziehen in die anderen.

Geduld bedeutet, dass dem Menschen bewusst ist, dass er die Spiritualität nicht vor den anderen erlangen wird. Er muss sich mit ihnen verbinden, sie vorantreiben, und dann wird er die spirituelle Welt betreten.

Gerade das Wissen, dass man der Letzte ist, nennt man “das Maß an Geduld“. Es ist eine sehr wichtige Eigenschaft, die aus dem Verständnis hervorgeht, dass es nichts anderes gibt außer dem einen Kli/Verlangen und dem Licht und dass man nur dazu da ist, sie zur Verbindung zu bringen.

Wenn alle danach streben, den Berg zum Palast des Königs zu erklimmen, dann rennt man nicht voraus, sondern schiebt die Freunde von hinten an. Selbst ist man der Letzte. Wenn der Mensch dazu bereit ist, bedeutet das, dass er ein Maß an Geduld hat. Wenn man allen hilft, dann wird man, nachdem sie korrigiert sind, auch korrigiert sein.

Niemand kann die Korrektur früher erreichen als das Umfeld. Das nennt man, dass ein Mensch sich nicht höher erheben kann als sein Kreis – denn es ist ein ganzheitliches System, in dem alle Teile miteinander verbunden sind. Wie kann dann ein Teil korrigiert werden, während ein anderes es noch nicht wird?

Je mehr man sich also bemüht, seine Umgebung zu erheben, desto mehr erhebt man sich selbst. Nur ein solcher Ansatz führt zum Erfolg.

Außerdem misst sich das Maß an Geduld eines Menschen daran, wie gut er die Leiden, die durch das Zurückhalten seiner Selbst entstehen, in Geben und Freude umwandelt. Dann wird das Maß der Geduld, das während dieser Arbeit „standgehalten“ hat, in ein großes Kli/Verlangen verwandelt.

Denn jegliche Ungeduld ist der wahre Ausdruck des Egos, das „brennt“, sich selbst erfüllen will und alles hasst, was es daran hindert, die Erfüllung zu erreichen. Das Maß der Geduld eines Menschen zügelt sozusagen dieses Ego, korrigiert es und ist das Kriterium für den spirituellen Fortschritt eines Menschen.

Letztlich ist das Maß an Geduld die, unkorrigierten Kelim/Verlangen, die zwischen mir und dem Schöpfer stehen. Denn darin erlebe ich die Ungeduld.

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(Aus dem Unterricht zum Artikel „Einführung zur Lehre der Zehn Sefirot“, 25.02.2011)

 

„620“ Brücken von mir zu dir

Die ganze Wahlfreiheit, die jeder von uns besitzt – als ein Teil des multidimensionalen „Legos“ der Schöpfung – besteht darin, seine vollständige Verbindung mit allen anderen zu offenbaren, und zwar so weit, wie er es nur ertragen kann.

Er verbindet sich mit allen anderen sowohl durch seinen oberen Teil (GE) als auch durch seinen unteren Teil (ACHaP), und ihm selbst bleibt nur der Punkt, an dem er sich entscheidet, sein Geben an diejenigen zu verwirklichen, die über ihm und unter ihm stehen.

Dieses Bewusstwerden des eigenen Zustands müssen wir schrittweise durchlaufen – entsprechend der Stufen des in uns erwachenden Verlangens, in seiner ganzen Tiefe (Awiut) und in all seinen Formen. Jedes Mal wird uns die Möglichkeit einer neuen, vielschichtigeren Verbindung mit Höheren und Niedrigeren offenbart.

Der leere Raum, der sich uns jedes Mal in der Verbindung mit dem Höheren oder dem Niederen eröffnet, ist das Verlangen, das wir korrigieren müssen. Dieses Verlangen besteht immer aus „620“ Teilen – und deshalb wird seine Korrektur als „Erfüllung der 620 Gebote“ durch das Licht, das zur Quelle zurückführt, bezeichnet – dieses Licht wird „Tora“ genannt.

Deshalb heißt es, dass der Mensch jeden Tag die „620 Gebote“ erfüllen muss – durch das Studium der „Tora“. Das bedeutet, er lernt, wie er diese „620“ Verlangen im Sinne des Gebens nutzen kann, um sich vollkommen mit allen über ihm und unter ihm befindlichen Teilen der Schöpfung zu verbinden.

So erkennen wir unseren Zustand, in dem wir uns von Anfang an befinden, den wir jedoch erst allmählich für uns selbst aufdecken. Und die Kraft dazu erhalten wir von der Umgebung – das heißt, von eben jenen „Lego-Teilen“, mit denen wir verbunden sind: von den höheren Teilen unserer Seele, deren ACHaP sich mit unserem GE verbinden, oder von den niederen, mit deren GE wir uns durch unseren ACHaP verbinden.

Der Schöpfer gibt uns immer die Möglichkeit, Kraft für den Fortschritt in dieser „multidimensionalen“ Verbindung zu finden. Es gibt immer einen leeren Bereich, in dem sich die „Tora“, das Licht, und die „620“ Verlangen offenbaren, die wir korrigieren und über die wir uns miteinander verbinden können. So ist dieses ganze System aufgebaut.

Aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 15.03.2011

Wunsch, Fortschritt, Wichtigkeit des Ziels

Frage: Beginnt die wahre Kabbala in dem Stadium, in dem man gegen seine Wünsche vorgeht?

Antwort: Nein, man kann nicht gegen das Verlangen vorgehen. Man kann nicht gegen das Verlangen vorgehen, da man am Ende die Kraft haben muss, um voranzukommen. Die Kraft entsteht, wenn man gegen sein ursprüngliches Verlangen handelt.

Aber dennoch, wenn man eine Bewegung macht, bedeutet das, dass man von irgendwoher Energie bekommt, es bedeutet, dass man das Verlangen hat, diese Bewegung zu machen.

Woher kommt es? Von der Wichtigkeit des Ziels. Woher kommt die Wichtigkeit des Ziels, wenn das Ziel nicht sichtbar ist? Die Gruppe gibt sie einem.

Wenn man die Bedeutung des Ziels durch die Gruppe verinnerlicht und auf dieses Ziel zusteuert, dann kann man sogar den Schöpfer bitten, sich zu offenbaren. Selbst seine Offenbarung wird man schließlich nur zum spirituellen Fortschritt und nicht nur zum Eigennutz verwenden.

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Aus dem Vortrag „Mein Telefon klingelt. Wenn kein Verlangen da ist.“

 

Exil – das ist die Trennung von Brüdern

Frage: Was bedeutet das ägyptische Exil im Verhältnis zu den Freunden?

Antwort: Das ägyptische Exil steht für einen Zustand, in dem der Mensch keine echte Verbindung zu seinen Freunden herstellen kann, da der Pharao zwischen ihnen steht und über sie herrscht. In diesem Zustand ist der Mensch gezwungen, für den Pharao zu arbeiten, anstatt für seine Freunde, was ihn in eine Art Sklaverei führt.

Zunächst empfindet der Mensch eine gewisse Zufriedenheit in diesem Exil. Er kümmert sich nicht um seine Freunde, sondern ist vielmehr auf den Pharao – den König – fokussiert, der ihm ein vermeintlich gutes Leben und egoistische Erfüllung bietet. Diese Erfüllung stillt seinen Neid, Begierde, Ehrgeiz und seinen Drang nach Macht und Autorität. Er bindet sich an den Pharao und ist bereit, für ihn zu arbeiten.

Doch allmählich beginnt der Mensch zu erkennen, dass dieses Leben nicht erfüllend ist. Er merkt, dass er keinen Fortschritt macht und das Ziel der Schöpfung nicht erreicht. Diese Erkenntnis führt dazu, dass er sich im Exil unwohl fühlt. Wie es in der Schrift heißt: „Und die Söhne Israels seufzen wegen dieser Arbeit“, als sie realisieren, dass die prächtigen Städte wie Pitom und Ramses für den Pharao gebaut wurden, und die für sie selbst zu armen, unglücklichen Städten wurden.

Alles, was gebaut wurde, bringt ihnen keinen Nutzen, sondern im Gegenteil, es droht die Gefahr (Gefahr/“sakan“, arm/“miskin“), für immer in Ägypten zu bleiben, in diesem Zustand der Abneigung zueinander, in einem sinnlosen, unglücklichen Leben. Und dann beginnen sie den Wunsch zu entwickeln, diesen Zustand zu verändern und zur Erlösung zu gelangen.

Von dem Moment an, in dem wir das zu erkennen beginnen – öffnet sich Moshe (der Punkt im Herzen), der aus der ägyptischen Sklaverei an einen anderen Ort fliehen möchte. Das heißt, dass die Moshe-Eigenschaft im Menschen sich vom Pharao, vom Ego abtrennt und beginnt, unabhängig zu wachsen, mit dem Ziel, auch andere aus der ägyptischen Gefangenschaft zu befreien. So beginnt der Kampf zwischen Moshe und dem Pharao.

Der Pharao und Moshe kämpfen gegeneinander, und zwischen ihnen steht der Schöpfer. Auf der einen Seite verhärtet Er das Herz des Pharao, auf der anderen Seite stärkt Er Moshe und sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht, wir gehen zusammen zum Pharao!“ So lehrt der Schöpfer Moshe, sich an die mittlere Linie zu halten.

Auf der einen Seite steht der Pharao, auf der anderen Seite die Kraft des Schöpfers, und Moshe wächst zwischen ihnen und durchläuft die zehn ägyptischen Plagen, die ihm helfen, grundlegende Eigenschaften zu erlangen.Als er schließlich flieht, schließen sich ihm auch seine weiteren Eigenschaften an, die ebenfalls bereit sind, Ägypten zu verlassen.

So kommen wir zu einem Zustand, in dem es uns nicht mehr ausreicht, einfach vor dem Pharao geflohen zu sein – vor unserem egoistischen Verlangen, von dem wir uns getrennt haben. Jetzt müssen wir die Eigenschaft des Gebens erlangen, was uns zum Empfang der Tora führt.

Das bedeutet, dass das Licht, das zur Quelle zurückführt, zu wirken beginnt, und wir beginnen, es anzuziehen. Unsere Verbindung zueinander muss sich vertiefen. Wir bewegen uns ständig auf eine stärkere Verbindung zu.

Das ägyptische Exil zeigt sich darin, dass wir einander verachten, insbesondere in der Figur Josef – der Beginn der mittleren Linie. Wir teilen uns auf. Das Exil beginnt jedoch bereits mit der Erkenntnis: „Wie gut und angenehm ist es, wenn Brüder zusammen sitzen“ – ein Verständnis, das nur Josef hat.

Josef möchte alle seine Brüder, die „neun ersten Sefirot“, mit sich verbinden, denn er selbst ist die letzte Sefira, Jessod. Daher sagt er: „Wie gut und angenehm ist es, wenn Brüder zusammen sitzen.“ Wenn er sie vereint, entsteht ein spirituelles Gefäß.

Dann wird in Ägypten noch eine tiefere Verbindung erreicht, als die sieben hungernden Jahre kommen und sie erkennen, dass sie einen gemeinsamen verhassten Feind haben – den Pharao. Wenn sie sich von ihrem Ego, dem Verlangen nach Genuss, abwenden und bereit sind, sich zu verbinden, wie ein Mensch mit einem Herzen, in gegenseitiger Bürgschaft, dann erfüllen sie die Bedingungen für den Empfang der Tora – das ist der nächste Schritt in ihrer Verbindung.

Jedes Mal wird die Verbindung stärker und stärker. Alle Sünden, die sie in der Wüste begehen und dann korrigieren, richten sich gegen die Verbindung und führen schließlich zur Verbindung. Es gibt nichts Wichtigeres als die Verwirklichung des Prinzips der Liebe zum Nächsten wie zu sich selbst – das zentrale Gebot der Tora.

Alle Gebote, also korrigierende Handlungen, sind darin eingeschlossen. Bis wir nicht die richtige Verbindung erreichen und ins Land (Erez) Israel eintreten (Yashar-El – ‚gerade zu dem Schöpfer‘), was bedeutet, den Willen (Razon) zu erlangen, der dem Schöpfer ähnlich ist und mit ihm verbunden ist, bleibt uns, den Weg zu gehen.

Daher ist die Liebe zu den Freunden nicht einfach nur eine schöne Geste, sondern ein Mittel, um das Ziel der Schöpfung zu erreichen und zu verwirklichen!

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Aus der Lektion über den Artikel von Rabash

 

 

Die schwer fassbare Stelle der Freiheit

Es scheint so einfach zu sein – möge die Kraft des Lichts uns zur Liebe zum Nächsten korrigieren!

Warum ist der Korrekturprozess so kompliziert? – Die Schwierigkeit liegt darin, dass dieser ganze Prozess verborgen ist. Und verborgen ist er, um uns die Freiheit des Willens zu geben.

Freier Wille bedeutet, gegen mein Verlangen und meinen Verstand, wenn ich es nicht direkt will! 

Mein tierisches Körper strebt nicht danach, mein Egoismus hilft mir dabei nicht. Ich muss eine neue Motivation für meinen Fortschritt finden – eine, die nicht aus meinen eigenen Eigenschaften entspringt. Andernfalls würde ich nur meinen tierischen Egoismus vergrößern.

Die Ursache für das Vorankommen muss außerhalb von mir liegen – in meiner Umgebung. Ich muss etwas für den Fortschritt nutzen, das nicht meinem egoistischen Verlangen gehört – und genau das ist die Schwierigkeit.

Wenn es diese Hürde nicht gäbe, würde jeder nach Korrektur streben. Wer will nicht Vollkommenheit und Ewigkeit erlangen, den Schöpfer, sein eigenes Schicksal von Anfang bis Ende sehen und es lenken?

Jeder wäre bereit, diese vergängliche Welt gegen eine ewige einzutauschen. Doch der Mensch empfindet, dass es zu hoch, zu schwierig und unerreichbar ist.

Und all das geschieht, weil wir genau hier den Punkt unserer freien Wahl offenbaren müssen – den Punkt, der „das mittlere Drittel von Tiferet“ genannt wird.

Wir verstehen, was Liebe ist, wir verstehen, was Hass ist – aber was ist dieser neutrale Zustand, das „mittlere Drittel von Tiferet“? Das bleibt unklar.

Auf jeder Stufe müssen wir die Wahl aus diesem Zustand heraus treffen – sonst wären wir nicht unabhängig vom Schöpfer.

Was wäre der Sinn darin, ein unglückliches Geschöpf zu erschaffen, das in dieser Welt leidet, ihm die Erkenntnis eines vollkommenen Zustands zu geben und ihm einfach nur ein Mittel (die Tora) zur Verfügung zu stellen, um von einem schlechten Zustand in einen guten zu wechseln?

Jede Maschine würde dasselbe tun, wenn es Gut und Böse gibt und ein Mittel, um von Schlechtem zu Gutem zu gelangen – aber das wäre kein freier Wille.

Nach diesem Zwei-Linien-Prinzip funktionieren Religionen. Der Unterschied zwischen der Kabbala und der Religion liegt im freien Willen, in der dritten Linie.

Dazu muss der Mensch einen Punkt finden, von dem aus er seine Handlungen ausführt, der nicht von ihm abhängt, nicht von seiner irdischen Wahl, und in dem er keinen eigenen Vorteil sucht.

Wenn wir diesen Punkt finden und aus ihm heraus handeln, dann bauen wir uns frei auf – unabhängig von unserer früheren Natur. Wir „schneiden“ uns von ihr ab und „gebären“ uns selbst, anstatt vom Schöpfer geformt zu werden.

Und genau in diesem unabhängigen Punkt liegt die größte Schwierigkeit. Er verwirrt uns ständig, löscht immer wieder alles aus, was wir gerade verstanden und gefühlt haben, und taucht uns erneut in einen „Nebel“.

Denn man will uns in eine völlig andere Dimension des Lebens führen, uns die wahre Realität enthüllen – anstelle des unbewussten Zustands, in dem wir uns heute befinden.

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Aus einer Lektion zum Artikel „Liebe zum Schöpfer und zu den Geschöpfen“

Ich entscheide gar nichts

Frage: Wer kann Ihre Meinung beeinflussen, wenn Sie eine Entscheidung treffen?

Antwort: Worüber? Ich entscheide gar nichts. Der Schöpfer entscheidet für mich die Probleme der höheren Ordnung und meine Studenten die Probleme der niederen Ordnung.

Ich frage meine Schüler, welches Thema am besten behandelt werden sollte. Ich bitte sie, Texte für jede Lektion auszuwählen, usw. Anschließend erkläre ich diese Texte um sie zu verwirren, so dass sie selbst Klärung herbeiführen müssen.

Frage: Es gibt also Menschen, die Ihre Entscheidung beeinflussen können?

Antwort: Es ist keine Entscheidung. Ich begleite ein Team, das vorankommen will. Sie wählen entsprechend meiner Bitte, nach meinem Auftrag das Material für ihren Fortschritt aus. Ich halte es für das Richtige.

Aus der TV-Sendung „Management-Fertigkeiten“, 11.06.2020

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Kabbala und die weltlichen Wissenschaften


Eine Frage, die ich erhielt: Sie schrieben in einem Ihrer vorherigen Beiträge, dass „die Kabbala Dinge willkommen heisst, die aus Erfahrung oder ausschliesslich wissenschaftlicher Forschung gewonnen wurden“. Können Sie bitte näher darauf eingehen, was genau die Kabbala in normalen Wissenschaften begrüßt?

Meine Antwort: 1. Alles, was für den irdischen Körper notwendig ist, um eine minimale, normale Existenz zu gewährleisten, laut dem Gesetz „Notwendigkeit wird weder hochgehalten noch verdammt“ (Echrahi – Lo Igune Ve Lo Ishubah). So wie es bei den Tieren ist. Wenn der Mensch Dinge innerhalb seiner animalischen Verlangen in Anspruch nimmt, dann ist er in Gleichgewicht mit der Natur, und dies wird von der Kabbala willkommen geheissen.

2. Alles was den Verlangen des Körpers entspricht (so wie Nahrung, Sex und Familie) und über das Normale hinausgeht ist überflüssig. Folglich ist es für Körper und Seele wie auch für die gesamte umgebende Natur schädlich und bringt den Menschen aus dem Gleichgewicht mit der Natur. Diese Maßlosigkeiten tauchen normalerweise unter dem Einfluss der Gesellschaft auf.

3. Neben den körperlichen Verlangen gibt es zusätzliche Verlangen, die in einem Menschen aufsteigen, weil er in einer Gesellschaft lebt. Würde er alleine im Wald leben, kämen diese Verlangen erst gar nicht in ihm auf. Diese Verlangen richten sich auf Reichtum, Berühmtheit, Macht und Wissen aus.

Die Verlangen Nr. 2 und 3 bringen das Gleichgewicht der Natur durcheinander und halten den Menschen davon ab, aus seinem Egoismus herauszukommen. Die weltliche Wissenschaft wurde genau dafür entwickelt, um die Wünsche 2 und 3 zu erfüllen – sie wurden aus den menschlichen egoistischen Anreizen entwickelt und schaden dadurch dem Menschen.

Stellen Sie sich vor, der Mensch würde nicht beabsichtigen, Kriege zu führen, wissenschaftliche Ehrungen oder Preise zu gewinnen. Die Wissenschaft würde keine Fortschritte machen. Darum wird die heutige Wissenschaft in eine Krise gelangen, ihre jetzige Form wird sich ändern und die Kabbala wird an erster Stelle stehen. Ich erkläre dies nur kurz und nicht sehr überzeugend, doch rate ich Ihnen, mehr darüber in Einzelheiten aus meinem Unterricht über den Artikel von Baal HaSulam Die Wissenschaft der Kabbala und moderne Wissenschaften“ herauszufinden.

Verwandtes Material:
Blog-post: Wissenschaftler haben (wieder einmal) alles auf den Kopf gestellt
 
 interessiert an der „Wissenschaft der Kabbala“  >    Kabbala Akademie

Die spirituelle Bedeutung von “Diebstahl”


Frage: Baal HaSulam schrieb, dass die Völker der Welt die Weisheit von den Kabbalisten „gestohlen“ hätten. Was bedeutet das?

Antwort: „Stehlen“ bedeutet, den egoistischen Wunsch eines anderen zu nutzen. Es steht geschrieben, dass Adam HaRishon vom Schöpfer stahl, was bedeutet, dass er das Licht Chochma empfangen wollte, ohne sich in das Licht Chassadim zu kleiden. Zu stehlen bedeutet, für sich selbst zu empfangen, ohne die Absicht des Gebens.

In der Vergangenheit, also vor Zerstörung des Zweiten Tempels, verhüllten die Juden die Weisheit der Kabbala nicht. Sei teilten sie bereitwillig mit den Völkern der Welt, wodurch alle irdischen Wissenschaften, die sich mit der Erforschung der Natur befassten (die verhüllte Form des Schöpfers), entstanden: so zum Beispiel die Philosophie (ein System, welches den egoistischen Verstand nutzt, um Vermutungen über den Schöpfer anzustellen, der jedoch vor dem Verstand verhüllt ist). Rav Kook beschrieb genauso wie Johann Reuchlin, der ein großer Philosoph des 16. Jahrhunderts war, die kabbalistischen Wurzeln der Philosophie.

Wann wurde die Kabbala verhüllt? Es geschah, nachdem das Volk Israel von seiner hohen Stufe der Nächstenliebe auf die Stufe des grundlosen Hasses herab fiel. Dies führte in der Folge zur Zerstörung des Zweiten Tempels. Rashbi, der Autor des Buches Sohar war diesbezüglich sehr besorgt, denn von diesem Punkt an musste die Kabbala in einer für die Menschheit verhüllten Form weitergegeben werden und dies würde bis zum 20. Jahrhundert so bleiben. Ab dieser Zeit aber würde sie der gesamten Welt offenbart werden, um allen Menschen zu Gute zu kommen.

Vor der Zerstörung des Zweiten Tempels war es nicht nötig, über Kabbala zu schreiben, denn die Menschen fühlten den Schöpfer noch und die Wissenschaft der Kabbala war einfach ihr Mittel, sich darüber auszutauschen. Wäre die Kabbala nicht „gestohlen“ worden, hätte sich die Menschheit nicht entwickeln können. Für diese Entwicklung musste die Menschheit einen Funken jenes Lichtes enthalten, der sie belebt und aufrechterhält. Es ist also dieser Funke, der die egoistischen Wünsche der Menschen von einer Generation zur nächsten entwickelte und den Fortschritt in Technologie, Kultur, Bildung und anderen sozialen Einrichtungen gewährleistete.

Heutzutage haben wir alles, was dieser Funke an Licht uns gab, verwirklicht. Das Ego wuchs zu einer vereinten Struktur bzw. zu einem System heran. Es zeigte sich, dass die Menschheit durch das Zusammenfließen aller egoistischen Wünsche nicht mehr weiter wachsen sondern nur mehr absteigen kann. Dies findet Ausdruck in der globalen Krise, in allen Bereichen, in die sich der Mensch vertiefte – Kultur, Erziehung, Wissenschaft, Handel und Wirtschaft.

Von diesem Punkt an können wir die Weisheit der Kabbala dazu nutzen, um uns und unsere Beteiligung am globalen System zu korrigieren, solange, bis wir vollkommene Harmonie erreichen werden.

Verwandtes Material:
Blog-post: Es braucht nur einen Funken des Höheren Lichtes, um die Welt zu korrigieren
Blog-post: Die Physik des Höheren Lichtes
 
Kabbala Akademie
 

Die Kehrseite des Krieges

Frage: Wenn wir so etwas wie Weltkriege betrachten, dann ist es auf der einen Seite ein schreckliches Leid von Millionen von Opfern und benachteiligten Menschen, aber auf der anderen Seite entwickelt sich eine neue Stufe, ein Sprung in der Wissenschaft, vor allem in der Psychologie.

Antwort: Das ist natürlich. Das Leid zeigt in der Gesellschaft und in der Persönlichkeit die bisher verborgenen Ressourcen und deshalb beginnen hier ganz neue Systeme von gegenseitigen Beziehungen, die Enthüllung der Persönlichkeit zu zeigen, die sofort von den Wissenschaftlern erforscht werden.

Darüber hinaus muss der Krieg nicht einfach als ein System der Zerstörung und Eroberung gesehen werden, sondern als die Offenbarung einer großen Sprengladung des Leidens, die somit die Zeit verkürzt. Wenn ein Mensch im täglichen Leben wie auf einer Sparflamme der Entwicklung läuft, dann kommt es – sagen wir mal – nach fünf Jahren Krieg zum großen Durchbruch, und zwar nicht nur technologisch, sondern auch in gegenseitiger Beziehung der Menschen. Alles ändert sich: der Blick des Menschen auf die Welt, gesellschaftliche Beziehungen und Regierungen.

Man kann sagen, dass der Krieg ein Ergebnis der Notwendigkeit eines raschen Fortschritts der Gesellschaft ist, wenn das natürlich auch ein dramatisches Ereignis ist. Aber gerade deswegen entsteht die Notwendigkeit dazu.

Wenn die Gesellschaft sich normal entwickelt, in der Geschwindigkeit, mit der sie in Harmonie miteinander verbunden ist, innerhalb ihrer Selbst mit der Umgebung und der Außenwelt, dann gibt es natürlich keine Notwendigkeit für solche Perioden, wenn sich die Entwicklung der Gesellschaft abrupt durch enormes Leid vollzieht. Aber wenn das nicht erreicht wird, befinden wir uns heute schon in einem Zustand, der uns zum Krieg führen kann.

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